Es gibt mehr als nur Symbole

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dbs

Es gibt mehr als nur Symbole

von dbs (20.05.2007, 20:33)
Hallo, alle zusammen!

Anneliese hat dankenswerterweise einen recht ausführlichen Beitrag zum Thema "Symbole" hier im Forum veröffentlicht. Darin stellt sie sehr ausführlich Symbole vor. Ob und was ein Autor aus so einem Essay für seine tägliche Arbeit ziehen kann, das mag jeder selsbt entscheiden.

Jedoch - es gibt beim Schreiben von Erzählungen nicht nur Symbole. Wer in die Tiefen der deutschen Sprache (natürlich auch anderer Sprachen) eintaucht, der wird Wortkonstrukte entdecken, die über das "Symbol" hinaus gehen.

Die Rede ist von "Vergleich", "Metapher", "Bild", "Allegorie", "Symbol" und "Personifikation". Wer erzählerisch schreibt, der sollte wissen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und wie man sie in seinem eigenen Text einsetzen kann.

Der Vergleich

Der "Vergleich" bindet zwei Bilder zur Verdeutlichung aneinander. Die Anschaulichkeit einer Beschreibung wird gesteigert, es entstehen Analogien. Rein technisch wird ein Vergleich mit Partikeln benutzt ("wie", "als", "ob", "gleich")

Normalerweise besteht ein Vergleich aus drei Teilen:
a) Bildempfänger
b) Vergleichsbedeutung
c) Bildspender

Ein Beispiel:


(a) Der Mann
ist
(b) so stark wie
(c) ein Löwe


Ein Bild sollte man immer dann nutzen, wenn eine Metapher nicht eindeutig genug ist - oder im Umkehrschluss: Eine Metapher sollte verwendet werden, wenn sie verständlich genug ist.

Ein Beispiel, wo die Metapher besser funktioniert als das Bild:

(Metapher)
Er wirft sein Geld zum Fenster raus

(Bild)
Er geht mit seinem Geld um, als ob es so wertlos wäre wie etwas, das man zum Fenster rauswirft.


Die Metapher

Eine Metapher ist eine Übertragung, wodurch das eigentlich gemeinte Wort durch ein anderes ersetzt wird, das eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit hat oder eine identische Bildstruktur aufweist.

Beispiel:
"Quelle" ist eine Metapher für "Ursache"

Metaphern sind in ihrer Struktur höchst variabel. Sie können mehrgliedrig sein ("das Auge des Himmels" als Metapher für den "Mond"), sie können einen abstrakten Begriff versinnlichen ("kühler Kopf") oder sehr direkt sein ("Steine reden"). Oft ist eine saubere Abgrenzung zu Allegorie, Symbol und Personifikation nicht möglich.

Viele Metaphern sind so alltäglich geworden, dass wir sie gar nicht mehr als Metaphern erkennen:

Baum-Krone
Flaschen-Hals
schreiende Farben
faule Ausrede

Manche Metaphern stoßen aber auch an Grenzen:
"der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis"


Das Bild

Der Begriff "Bild" ist an sich recht unscharf, wird mit ihm doch alles bezeichnet, was sich bildlich ausdrücken lässt. Bilder können optische Eindrücke wiedergeben als auch abstrakte Sachverhalte, Gedankengänge und seelische Regungen.

Unsere Sprache besaß ursprünglich nur Worte für sichtbare Gegenstände: "Baum", "Stein", "Tier". Wollte man etwas Abstraktes bezeichnen, dann musste man das Wort einer sichtbaren Sache darauf übertragen:

Bild (im Sinne von Zeichnung) - einbilden
Sitz - besitzen
Griff - begreifen (wörtlich im Sinne von anfassen, aber auch abstrakt als verstehen)

Freunde empfängt man nicht nur herzlich, sondern mit offenen Armen.
Wir sind nicht nur überrascht, wir fallen aus allen Wolken.

Diese Bilder sind mittlerweile so alltäglich, dass sie nicht mehr auffallen. Werden Bilder aber gegeneinander gestellt, dann reißen sie uns aus dem Alltag:
"Meine Füße haben alle Hände voll zu tun."

Bilder schaffen Atmosphäre und beschwören Assoziationen herauf.


Die Allegorie

Durch eine Allegorie wird ein abstrakter Begriff zu einem fassbaren Bild. Eine der bekanntesten Allegorien ist die Frau, deren Augen verbunden sind. So wird der abstrakte Begriff "Gesetz" plötzlich gegenständlich. Eine andere Allegorie ist das Staats-"Schiff".

Anders als bei der Metapher sind Bild und Bedeutung willkürlich gewählt. Deshalb existiert hinter der Allegorie immer eine rationale Erklärung. Die Metapher ist ein Einzelbild, die Allegorie ein bildhaftes Textgefüge im Sinne eines Vergleiches. Bildempfänger und Bildsender sind nicht miteinander verschmolzen, sondern bleiben eigenständig nebeneinander stehen. Der Leser liest zweigleisig - die wörtliche und die übertragene Bedeutung.


Das Symbol

Symbole sind Zeichen, die über sich hinaus auf höhere geistige Zusammenhänge verweisen. Während die Allegorie eindeutig ist, ist das Symbol mehrdeutig. Frau Justizia mit verbundenen Augen ist eine Allegorie für das Gesetz (und nur für das Gesetz), während die Waage in ihrer Hand ein Symbol für die Gerechtigkeitsfindung ist (die Waage kann aber auch andere Bedeutungen einnehmen - sie ist kein eindeutigen Zeichen).


Die Personifizierung

Eigentlich gehört die Personifizierung nicht in diesen Begriffskreis, aber da der Begriff weiter oben bereits erwähnt wurde, will ich ihn kurz vorstellen.

Vergleich, Metapher, Bild, Allegorie, Symbol sind sprachliche Mittel, um etwas Besonderes darzustellen, um dem Leser ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Die Personifizierung ist ein technisches Mittel der Figurengestaltung und somit kein Sprachelement.

Durch die Personifizierung wird ein abstrakter Begriff oder ein an sich toter Gegenstand zu einer handelnden Figur in einer Erzählung. Die wohl bekannteste Personifizierung ist der Tod, der als agierendes Wesen in einer Geschichte auftaucht (siehe "Jedermann", oder auch bei Terry Pratchett, wo der Tod seinen Job kündigt und die Welt damit ins Chaos stürzt). Eine Idee kann durch Personifizierung zu einer Figur werden, ein Stein oder ein Taschentuch (also eigentlich leblose Dinge).

Die Personifizierung ist also kein Mittel des Vergleiches, sondern die Umsetzung eines nicht-agierenden Elementes in ein agierendes Element.

So, das war's dann auch schon. Viel Spaß, wenn ihr eure Texte auf Vergleiche, Metaphern, Bilder, Allegorien und Symbolen durchforstet. Und achtet darauf, ob ihr auch mal ein "schiefes Bild" in eure Geschichten gezimmert habt.

Grüße
Siegfried
Zuletzt geändert von dbs am 21.05.2007, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von Anneliese (21.05.2007, 12:08)
Hallo Siegfried!

Was Du schreibst ist eine ausgesprochen nette und nützliche Ergänzung für Prosautoren. :) Damit wirst Du sicher vielen weiterhelfen.

Mein Artikel ist eher für Lyriker bestimmt.

Es ist zu beachten, dass verschiedene Fachbereiche den Begriff Symbol entsprechend ihren Bedürfnissen interpretieren.

Da Erich Fromm Soziologe und Psychoanalytiker war, ist schon klar, worauf ich mich beziehe.

Es ist halt ein kleiner Blick über den Tellerrand ... :wink:

Mit freundlichen Grüßen!

Anneliese

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Re:

von Adriana (21.05.2007, 12:16)
Hallo Siegfried,

dein Text erinnert mich an meinen Literaturunterricht in der 11. Klasse - da haben wir Bilder, Symbole, Allegorien ect. auch durchgenommen :D . War sehr aufschlussreich, mal auseinander zu nehmen, wie sprachliche Bilder "funktionieren"!

Bei Annelieses Essay hatte ich auch eher den Eindruck, dass es sich um Symbole im psychoanalytischen und nicht im germanistischen Sinne handelt. Für Prosaautoren ist sicher beides nützlich!

Gruß, Adriana.

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