Gendergerechte Sprache

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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (14.07.2022, 16:34)
Deine Theorie, Monika, ist gar nicht so abwegig. Sie dürfte dem Ursprung des Sprachgebrauchs vielleicht näher kommen als meine eigene mit der leichteren Artikulation. Ich habe dazu in einem alten Lexikon (dtv 1971) jetzt folgenden Eintrag gefunden:

"Der Name und Begriff des Deutschen geht als einziger in Europa nicht auf einen älteren Landes- oder Stammesnamen zurück, sondern wurde in geschichtl. Zeit auf dem Wege: deutsche Sprache - deutsche Leute / Deutsche - deutsche Lande / Deutschland aus der Muttersprache gewonnen und hat bis heute sein Schwergewicht im Sprachlich-Kulturellen."

Der von dir in die Debatte eingeführte Begriff "Welsche" ist dem bis zu einem gewissen Grad analog, wird nur heute außerhalb der Schweiz kaum noch gebraucht.
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (22.07.2022, 22:17)
In dem folgenden verlinkten Beitrag wird besonders gründlich mit Pseudowissenschaft abgerechnet (Verfasser: Tobias Kurfer, entnommen der online-Ausgabe der Berliner Zeitung):

https://www.berliner-zeitung.de/open-so ... -li.246245
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Triskilia
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Re: Gendergerechte Sprache

von Triskilia (26.07.2022, 17:58)
Ich habe für mich entschieden, dass es in meinem speziellen Fall und Buch (eher Kategorie "Ratgeber") ganz gut ist, zu gendern. Es passt zur Thematik, ist im Moment sehr im "Trend" und tut niemandem weh, wie ich finde. Jeder kann sich darin wiederfinden, alles und jeder wird irgendwie berücksichtigt.

Tatsächlich würde ich aber in einem Roman komplett darauf verzichten, wenn das Buch sich nicht gerade mit genau dieser Thematik auseinandersetzt. So würden die Charaktere dann beispielsweise in den Dialogen miteinander gendergerechte Sprache anwenden. Ansonsten nicht, denn ich finde in einem Roman oder einer Geschichte liest es sich reichlich dämlich und stört (meiner Ansicht nach) sogar den Lesefluss etwas.

Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (27.07.2022, 14:29)
Von wegen Trend, Triskilia! Das Gegenteil ist der Fall. Außerhalb einen relativ kleinen Meinungsmacherblase ist das Gendern in den breiten Schichten der Bevölkerung höchst unbeliebt.

Meine ärgerliche Erfahrung heute Morgen: Deutschlandfunk, 8.35 h, Wirtschaftsgespräch. Die Wirtschaftsredakteurin nervt mit viermal "und -innen" in eineinhalb Minuten. Dabei nuschelt sie und rattert auch noch, was das Zeug hält. Die Zeit, die für die überflüssigen Schwänzchen draufgegangen ist, muss ja wieder eingeholt werden. So minimiert Journalismus den Informationsgehalt eines Beitrags.

Leider muss ich diesen Unfug mitfinanzieren. Wie lange noch? Um frei verkäufliche Bücher von gleichem Minderwert mache ich selbstverständlich einen großen Bogen.
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Triskilia
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Re: Gendergerechte Sprache

von Triskilia (27.07.2022, 22:12)
Echt, empfindest du so, Arno?

Also natürlich kann ich nicht abstreiten, vor allem weil ich im Internet und auf Social Media "lebe", dass die Meinungen extrem auseinander gehen. Das ist auf jeden Fall so und jeder darf seine Meinung auch gern haben, natürlich, gern. Ich beobachte dabei beide Fraktionen. Die einen, die das Gendern extrem feiern und die anderen, die sagen, dass es nervt und lediglich die deutsche Sprache weiter verkümmern lässt.

Das Ding ist, dass immer alles so wahnsinnig ausufert. Plötzlich sind es nicht mehr nur Kolleg:innen und Ärtzt:innen, was ich vollkommen okay finde, sondern Begrifflichkeiten, bei denen sich einem die Fußnägel hochrollen. Denn es steht außer Frage, dass es Kollegen un Kolleginnen gibt, aber der Spaß hört auf, wenn beispielsweise Dienstgrade beim Militär gegendert werden. Es gibt verdammt nochmal keine Leutnantin! Es ist ein weiblicher Leutnant. Punkt. Und Mütter sind Mütter und keine "gebärenden Personen".

Deswegen ist es schwierig ... wo fängt's an und wo hört's auf?

Wenn man die junge Generation ansprechen will, liegt man mit dem gendern aber oft gar nicht sooo falsch, stelle ich fest.

Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (28.07.2022, 21:24)
Was die jungen Leute angeht, Triskilia, so wird ja versucht, sie zwangsweise an einen veränderten Sprachgebrauch zu gewöhnen. Wer an der Uni was werden will, muss sich anpassen, ebenso in den meisten vom Staat finanzierten kulturellen Institutionen, z.B. Museen. Wer von der Pro-Gendern-Fraktion eine Position hat, die mit Weisungsrecht verbunden ist oder Beurteilungen / Benotungen einschließt, macht leider in der Regel von seiner Machtposition ohne Skrupel Gebrauch. Das riecht nach Sprachtotalitarismus und Duckmäusertum. Freiwilligkeit je nach Überzeugung ist ein Ammenmärchen. Auch weil sich diese Zustände und Gebräuche allmählich herumsprechen, ist das Gendern bei der Mehrheit der Bevölkerung so verhasst. Dabei wird politisch nichts Gutes herauskommen.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (02.08.2022, 16:00)
https://www.youtube.com/watch?v=LkWp4mrpg1s

Weil es bei diesem Thema um Sprachwissenschaft geht:

Die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft DGfS_eV hat in diesem Jahr ihre Satzung auf gendergerechte Sprache umgestellt. In den Jahren 2020 und 2021 wurde das vorgeschlagen und ein Vorgehen abgestimmt.
Nach ausführlicher Diskussion wurde der aktuell gültige Vorschlag mit 122 Pro- und 10 Contra-Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen. Also 88% dafür und 7% dagegen.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (02.08.2022, 21:39)
Die deutschen Sprachwissenschaftler sind beim Gendern uneins. Eine starke Gegenposition hat sich gerade so geäußert:

https://www.berliner-zeitung.de/news/wi ... -li.252038

Die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft hat sich faktisch gespalten, vgl. folgenden Wikipedia-Eintrag:

Der Plan, eine „gendersensible“ Neufassung der Satzung 2021 zu beschließen, führte zu Protesten und zu Austritten prominenter Mitglieder, etwa des ehemaligen Vorsitzenden Peter Suchsland.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (02.08.2022, 22:53)
In diesem Zusammenhang ein Aufsatz des Linguisten Peter Eisenberg von Interesse:

https://www.berliner-zeitung.de/kultur- ... -li.252438

Hervorzuheben folgende Aussagen:

Das Gendern bleibt nicht ein Geschlechterspiel, sondern es entwickelt sich mit wachsendem Einfluss von Frauen mehr und mehr zum Geschlechterspiel als Machtspiel ...

Die Mehrheit der Professorenschaft in der Germanistik (wo der Genderdiskurs vergleichsweise intensiv geführt wird) ist weiblich, die weit über zweihundert Genderprofessuren sind zu über neunzig Prozent mit Frauen besetzt, und eine riesige, unbekannte Zahl von weiblichen Gleichstellungsbeauftragten, die meist nicht viel von Sprache verstehen, verfasst Ratgeber für Ratgeber sowie Richtlinie für Richtlinie, wie man sich in Verwaltungen ‚geschlechtergerecht‘ auszudrücken habe.

Gegenderte Sprache möchte uns nicht einen bestimmten Sprachgebrauch vorschreiben, sondern sie möchte erreichen, dass wir Sprachliches zugunsten von Nichtsprachlichem wie dem Genderstern aufgeben. Wir Grammatiker verteidigen in diesem Zusammenhang nicht uns selbst oder unsere Privilegien, sondern wir verteidigen das höchste soziale und politische Kulturgut, das wir haben. Es hat viele Jahrhunderte gedauert, bis das Deutsche eine einheitliche, im gesamten Sprachgebiet verständliche Sprache erreicht hatte. Was ihr Verlust bedeuten würde, steht als Menetekel jedem, der es wissen will, vor Augen und Ohren.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (03.08.2022, 04:58)
Einem 82Jährigen muss man zugestehen, dass er sich nicht mehr auf Neues einlassen kann. Das liegt in der Natur des Menschen. Die Rechtschreibreform hat ja auch gezeigt, dass sich so etwas von allein überlebt.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (03.08.2022, 12:25)
Hannelore, deine Replik ist allzu billig. Mehr als Eisenbergs Alter fällt dir nicht ein? Dann geh mal die gesamte Diskussion hier durch und du wirst jede Menge Kritiker finden, auch Wissenschaftler, die wesentlich jünger als er sind und dennoch zu ähnlich ablehnender Haltung gelangen. Soll ich sie dir raussuchen?

Für heute nur mal das: Vergleiche die Lebensalter der zwei Linguistinnen Luise Pusch (geb. 1944) und Ewa Trutkowski (dreißig Jahre jünger). Die fast Achtzigjährige ist die Päpstin des Genderns und ihre Kontrahentin (auch in Diskussionen) noch keine fünfzig.

Mit deinem Link gestern wolltest du wohl den Eindruck erwecken, dass die Sprachwissenschaft sich überwiegend auf die Seite des Genderns geschlagen hat. Mir genügte schon kurzes Recherchieren, um das Gegenteil herauszufinden. Jetzt kommst du mit dem Alter eines einzelnen Kritikers ... Wie schwach muss deine Position sein!
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (03.08.2022, 12:37)
Hannelore, du kannst gern auch noch die im folgenden Link aufgeführten Unterzeichner vom Fach alle einzeln durchgehen:

https://www.linguistik-vs-gendern.de/

Hm, wie viele "alte Säcke" sind unter den 231 Namen? Oder findest du sonst etwas zum Herabwürdigen?
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (03.08.2022, 14:31)
Ich bin mal die ersten 20 durchgegangen.
Davon sind
  • 10 emeritiert/persioniert
  • 9 arbeiten nicht als Linguist/in

Bleibt 1 ernstzunehmender Eintrag.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (03.08.2022, 22:45)
Hannelore, geht man die nächsten 40 Unterzeichner durch, bleiben als Linguisten, die noch aktiv an Hochschulen oder anderen Instituten tätig sind, nach deinen Kriterien folgende Nummern übrig: 26, 28, 30, 41, 48, 50, 53, 58. Du wusstest wohl, wann du besser mit der Prüfung aufhören solltest ...

Außerdem sind deine Kriterien ja gar nicht ernst zu nehmen. Weshalb soll das fachliche Urteil eines Linguisten im Ruhestand nicht von Gewicht sein? Auf das bezeichnende Gegensatzpaar Luise Pusch (fast achtzig) und Ewa Trutkowski (unter fünfzig) bist du ja auch lieber nicht eingegangen. Auch Trutkowskis Mitautor Prof. Helmut Weiß (vgl. meinen Beitrag hier am 5.6.22) hat nach wie vor seinen Lehrstuhl an der Uni Frankfurt.

Du pickst dir genau das raus, was dir passt. Wen willst du damit überzeugen - dich selbst? Ich sehe da eine Mischung aus Dogmatismus und Oberflächlichkeit am Werk, so wie schon in den beiden Threads zum Thema des technisch erschwerten Zugangs zum Autorenpool. Auch da warst du unbeeindruckbar von den übereinstimmenden Berichten anderer Mitglieder.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (04.08.2022, 12:27)
Tja, hat schon fast kafkaeske Züge, wenn ein Sturkopf einem Sturkopf Sturköpfigkeit vorwirft . . . und die Grammatik ist auch noch auf deiner Seite, denn nach den Bildungsregeln für Komposita gibts den Sturkopf nur männlich.
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