Gendergerechte Sprache

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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (24.05.2021, 16:36)
Siegfried, das Geschlecht in der gesprochenen und geschriebenen Sprache generell abzuschaffen, ist überhaupt nicht praktikabel. Eine Sprache ist etwas anderes als ein Automodell oder ein anderes Industrieprodukt, bei dem Konstrukteure Teile neu erfinden und ersetzen. Die deutsche Sprache hat ca. 90 - 100 Millionen Muttersprachler. Wenn ein nennenswerter Teil diese radikale Reform nicht mitpraktiziert - und davon ist mit Sicherheit auszugehen -, ergibt sich zwangsläufig eine scharfe Trennung in "Altsprachler" und "Neusprachler". Der von dir ins Gespräch gebrachte Eingriff greift noch tiefer in die Substanz der Sprache ein als die gegenwärtigen Versuche mit der Gendersprache. Er würde zu einer noch ausgeprägteren kulturellen und sekundär auch zu politischer und materieller Spaltung führen.

Zweites Argument gegen solche radikalen Experimente: Das immense in Bibliotheken und Datenbanken gespeicherte Schrifttum wäre mit einem Schlag in seiner Gebrauchsfähigkeit relativ entwertet.
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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (24.05.2021, 17:57)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Siegfried, das Geschlecht in der gesprochenen und geschriebenen Sprache generell abzuschaffen, ist überhaupt nicht praktikabel.


Es geht doch nicht ums Praktikable. Auch nicht um Verständlichkeit. Es geht nur darum, dass sich alle irgendwie in der Sprache wiederfinden. Und wenn es da Probleme und Diskussionen gibt, warum dann nicht alles in ein gleichmachendes Geschlecht setzen?


Arno Abendschön hat geschrieben:
Er würde zu einer noch ausgeprägteren kulturellen und sekundär auch zu politischer und materieller Spaltung führen.


Genau das ist doch beabsichtigt (m. E.). Die Gesellschaft soll mit aller Gewalt in möglichst viele Gruppen gespalten werden. Jede Gruppe hat eigene Ansprüche und Rechte. Weil Sprache Bilder im Kopf auslöst, muss die Sprache so lange geändert werden, bis die richtigen Bilder ausgelöst werden (vgl. "Arzt" = Bild "männlich, weiß, europäisch geprägt" - wie lautet der Berufsbegriff, wenn das Bild "männlich, PoC, afrikanisch geprägt" erscheinen soll? Gibt es aktuell nicht, muss also eingeführt werden ... neues Wort für eine neue Gruppe).

Gesellschaften, die nicht dafür sorgen, dass es den wirtschaftlich und finanziell Schwachen besser geht, werden zerbrechen. Eine Hartz-IV-Empfängerin mit zwei Kindern schert sich einen Teufel um Sprachveränderungen, wenn sie jeden Tag mit ihrem knappen Geld planen muss. Das Wort "Mitarbeiter:innen" bringt ihr kein Geld ins Portemonnaie. Deshalb finden sich nur wenige Gender-Befürworter in der Unterschicht. Machen wir also alle gleich: das Mann, das Frau, das Kind. Und ohne Deklination.

Einzahl:
das Mann - keine Deklination - Pronomen/Artikel: es, jedes; das, dieses; Possessiv: sein (keine Deklination)
das Frau - keine Deklination - Pronomen/Artikel: es, jedes; das, dieses; Possessiv: sein (keine Deklination)
das Kind - keine Deklination - Pronomen/Artikel: es, jedes; das, dieses; Possessiv: sein (keine Deklination)

Mehrzahl:
die Männer - keine Deklination - Pronomen/Artikel: sie, jede; die, diese; Possessiv: ihre
die Frauen - keine Deklination - Pronomen/Artikel: sie, jede; die, diese; Possessiv: ihre
die Kinder - keine Deklination - Pronomen/Artikel: sie, jede; die, diese; Possessiv: ihre

Beugung der Adjektive immer ins Neutrum, keine Deklination!

Welch herrliche Welt! Keine Diskrminierung des Geschlechtes in der Sprache, auch nicht bei Queer usw.

Wie angenehm klingt jetzt Hans Fallada:

»Asche zu Asche! Erde zu Erde! Staub zu Staub!« rief das Pastor, und bei jedes Anrufung menschliche Vergänglichkeit warf es mit ein kleine Kinderschippe Erde hinab in das Gruft. Unerträglich hart polterten die gefrorenen Brocken auf das Holz das Sarg.

Das junge Mensch, das hinter das Geistliche stand, schüttelten Grauen und Kälte. Es meinte, das Pastor hätte das Vater das Erde sanfter ins Grab geben können. Doch als es nun selbst das Erde auf das tote Vater hinabwarf, schien es es noch lauter zu poltern. Ein Schluchzen packte es. Aber es wollte nicht weinen, es wollte nicht hier weinen vor all diesen Trauergästen, es wollte sich stark zeigen. Fast hilfeflehend richtete es das Blick auf das Grabstein von rötliche Syenit, das senkrecht zu Häupten das Grab stand. »Klara Siebrecht, geboren an das 16. Oktober 1867, gestorben an das 21. Juli 1893« war darauf zu lesen. Von dieser Stein konnte kein Hilfe kommen. Das goldene Schrift war von das Alter schwärzlich angelaufen, das Sterbedatum das Mutter war zugleich es Geburtstag; es hatte das Mutter nie gekannt. Und nun würde bald auch das Name das Vater auf dieser Stein zu lesen sein mit das Todestag: 11. November 1909.
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (24.05.2021, 21:49)
Siegfried, ich nehme das jetzt mal ernst oder tue nur so und sage, das eben wäre auch Illusion: dass sich alle in der Sprache wiederfinden können. Es würde keinen Konsens geben und ohne ihn nur sich allmählich weiter vertiefende Spaltung.

Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang einen Blick auf Situation und historische Entwicklung der norwegischen Sprache zu werfen. Dort haben seit dem 19. Jahrhundert wohlmeinende, sich selbst als progressiv verstehende Linguisten aus einer Vielzahl von Dialekten die Kunstsprache Nynorsk destilliert. Ihre Absicht: den starken dänischen Einfluss auf die bisherige norwegische Hochsprache zu eliminieren und so das norwegische Nationalbewusstsein und die unabhängige Entwicklung des Landes zu fördern. Das war aus damaliger Sicht fortschrittlich, aus heutiger eher nicht. Es gibt durchaus Parallelen zur Gendersprachen-Bewegung. Auch jetzt sollen als ungerecht, störend oder schädlich empfundene historische Relikte in der Sprache beseitigt werden. Aber mit welcher realistischen Perspektive? Auch da gibt Norwegen Hinweise.

Nynorsk hat sich weder wirklich durchsetzen können noch ist es in der Versenkung verschwunden. Es führt landesweit eher ein Schattendasein gegenüber der traditionellen Hochsprache, ist aber gleichzeitig in weiten ländlichen Gebieten Norwegens die Amtssprache Nr. 1. Damit aber nicht genug der Spaltung: Beide Varianten des Norwegischen weisen inzwischen dank emsiger Reformhuberei noch diverse Zusatz- und Unterversionen auf. Genau diese Entwicklung zeichnet sich auch bei uns schon ab.

Vergegenwärtigen wir uns dazu die internationale Situation des Deutschen. Seine Bedeutung schwindet seit Jahrzehnten weltweit langsam. Dieser Prozess dürfte sich fortsetzen bei starker Zunahme der Weltbevölkerung und Rückgang der Zahl deutscher Muttersprachler. In einer solchen Großwetterlage die eigene Sprache und ihre Stellung gegenüber konkurrierenden Kultursprachen durch mutwillige Reformen mit hohem Spaltungspotential zusätzlich zu schwächen, wovon zeugt das? Von großer Ignoranz. Es ist schwer zu begreifen, wie Schriftsteller, Journalisten, Verantwortliche in Ämtern, Medien, an Universitäten so töricht sein können, ihre eigene Position als Sprachproduzenten wegen einer linguistischen Fata Morgana mittel- und langfristig zu untergraben.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (24.05.2021, 22:27)
Meine Norwegischlehrerin, eine gebürtige Norwegerin, hatte uns das ein klein wenig anders erklärt. Bei Bokmål und Nynorsk handelte es sich in erster Linie um Schriftsprachen, die man im Rahmen der Alphabetisierung der Gesamtbevölkerung brauchte, damit nicht jeder munter drauflosschreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. (Aus demselben Grund schreiben wir alle Hochdeutsch statt z.B. Hessisch oder Sächsisch.) Während Bokmål dem Dänischen näher steht, steht Nynorsk dem Schwedischen näher. Das kommt ihrer Aussage nach daher, dass ein Teil der vielen verschiedenen Dialekte ebenfalls mehr dem Schwedischen und ein anderer Teil mehr dem Dänischen ähnelt. (Gründe: siehe norwegische Geschichte) Wir lernten Bokmål, was für die Kursteilnehmer*innen etwas blöd war, die ein Semester oder Jahr nach Trondheim wollten, wo eher Nynorsk vorherrscht. Doch wahrscheinlich hat die Dame keine Ahnung, weil sie eine Frau ist und lediglich mitgemeint ist, wenn es um die Sprache der Norweger (sic!) geht. :lol:

Wer sich übrigens mal wunderte, warum auf manchen Münzen Norge und auf anderen Noreg steht: Man versucht, beiden Sprachen Raum zu geben, um niemanden zu benachteiligen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Norwegische_Sprache

Was die Geschichte der norwegischen Sprachen mit dem Gendern zu tun hat, verstehe ich nicht, möchte ich aber auch nicht wortreich erklärt bekommen.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (24.05.2021, 23:16)
Tja, tatsächlich ist bei Wikipedia zur Motivation für Nynorsk u.a. das zu lesen, unabhängig davon was eine Norwegischlehrerin ihrer Schülerin einmal erklärt haben mag:

Nach der Trennung Norwegens von Dänemark im Jahre 1814 entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts, wie auch in anderen jungen Staaten Europas, eine nationalromantische Welle, die hauptsächlich an die norwegische Vergangenheit des Mittelalters (also an die Zeit vor der Vereinigung mit Dänemark) anzuknüpfen suchte. Dies betraf ebenfalls die Sprache: Die Anhänger dieser Bewegung forderten, dass die ursprüngliche norwegische Sprache des Mittelalters erneut zum Leben erweckt werden solle, um der Emanzipation Norwegens ein Zeichen zu setzen ...

Aufgrund des erstarkten Nationalbewusstseins konnte Nynorsk bis 1944 immer mehr Anhänger gewinnen und hatte seinerzeit knapp ein Drittel der Norweger auf seiner Seite. Inzwischen ist deren Anteil bevölkerungsmäßig auf etwa 10–15 Prozent zurückgegangen ...


Die antidänische Tendenz geht noch aus weiteren Stellen im Wikipedia-Text hervor. Wer ein wenig vertraut ist mit der Geschichte der europäischen Nationalstaaten im 19. und frühen 20. Jahrhundert, kann das leicht nachvollziehen.

Eine Parallele zwischen dem Kult von Nynorsk und der heutigen Gendersprachbewegung habe ich oben schon kurz und knapp angesprochen:

Auch jetzt sollen als ungerecht, störend oder schädlich empfundene historische Relikte in der Sprache beseitigt werden.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (24.05.2021, 23:44)
Es ging nie darum, ganz Norwegen Nynorsk aufzuzwingen, sondern eine Art Sprachminderheit in der Landbevölkerung probte den Aufstand, weil sie sich nicht von der Stadtbevölkerung Bokmål als Schriftsprache aufzwingen lassen wollte. In Deutschland lief das anders. Da musste und muss auch der Teil der Bevölkerung Hochdeutsch schreiben, der Platt spricht, obwohl es sich dabei um eigenständige Sprachen und keine Dialekte handelt. Man kann sich Nynorsk also - auf Deutschland übertragen - so vorstellen: Alle Deutschen, die eine Platt-Variante sprechen, erfinden eine gemeinsame Platt-Schriftsprache, die gleichberechtigt neben Hochdeutsch offiziell geschrieben werden darf. Dass Bokmål von einem größeren Teil der Bevölkerung geschrieben wird, liegt daran, dass es von Beginn an die Schriftsprache der Stadtbevölkerung und des südlichen, bevölkerungsreicheren Landesteils war. Deshalb setzte und setzt sie sich mit der Abwanderung der Landbevölkerung schleichend immer weiter durch und entwickelt sich von der Schriftsprache zur gesprochenen Sprache. Eine vergleichbare Entwicklung konnte und kann man bei uns beim Hochdeutsch beobachten, das korrekt geschrieben und mit lokaler Einfärbung gesprochen wird, während die Urformen der Dialekte immer mehr verschwinden oder sich mit Hochdeutsch vermischen.

Daraus kann man also höchstens lernen, dass mit gutem Willen und Toleranz sehr viel möglich ist und dass sich Schriftsprachen im Laufe der Zeit automatisch verändern, um neuen Anforderungen gerecht zu werden. Norwegisch ist übrigens ein sehr gutes Beispiel für die Flexibilität von Sprachen. Dort duzen sich alle, weil die förmliche Anrede im Laufe der Zeit aus der Mode kam. (Im Gegensatz dazu verschwand im Englischen das Du.)
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (25.05.2021, 11:29)
Monikas Analysen norwegischer Sprachentwicklung und ihrer Hintergründe decken sich offenkundig nicht mit den Ausführungen im Wikipedia-Artikel, den sie selbst verlinkt hat. Der Schwerpunkt lag dort eindeutig nicht auf Volkserziehung und sprachlicher Emanzipation der Landbevölkerung, sondern auf Sprachreinigung von fremden Einflüssen und Stärkung der Nation. Das entspricht dem Geist des 19. Jahrhunderts und ist aufgrund der jahrhundertelangen Fremdherrschaft durchaus verständlich. Dieselbe Tendenz war in weiten Teilen Europas vorhanden. Bei Nynorsk könnten auch die Theorien Herders eine Rolle gespielt haben.

Dasselbe Bild ergibt sich auch aus dem Wikipedia-Artikel zu Nynorsk:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nynorsk

Ich hebe mal hervor:

Ivar Aasen bildete aus traditionellen, zumeist west- und zentralnorwegischen Dialekten eine neue Schriftsprache. Diese Arbeit ist im Zusammenhang mit der nationalromantischen Rückbesinnung auf eine als ursprünglich gedachte norwegische Kultur zu sehen, die durch eine 400 Jahre dauernde dänische Überfremdung in den Hintergrund gedrängt worden sei. Es handelte sich also um ein nationales Unterfangen, nach der Trennung von Dänemark im Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 eine eigenständige norwegische Nation mit einer eigenständigen nationalen Sprache zu schaffen.

Aktuelle Parallelen zum Pushen der Gendersprache bei uns heute finden sich auch bezüglich Nynorsk in jüngerer Zeit, vgl. Wikipedia:

Im Jahr 2005 wurde die Initiative Slepp nynorsken til! gegründet, die versuchte durch das Sammeln von Unterschriften die Verbreitung von Nynorsk in der norwegischen Presselandschaft voranzutreiben. Ziel war es, dass ein Gesetz verabschiedet werden würde, so dass alle Zeitungen beide Sprachformen verwenden müssen. Die Initiative blieb jedoch erfolglos ...

Der obligatorische Nynorsk-Unterricht für norwegische Schüler geriet 2013 wieder in die Kritik ...


Genau diese Sprach- und Kulturkämpfe entstehen zwangsläufig, wenn kleine Cliquen am grünen Tisch entwickelte Vorgaben für die Mehrheit verbindlich machen wollen. Die Zustände an unseren Hochschulen, auf den Ämtern usw. sind inzwischen von Anmaßung, Willkür, Einschüchterung und massivem Druck bis hin zur Vernichtung der Existenz geprägt. Endlich regt sich auch in der politischen Mitte Widerstand:

https://www.tagesspiegel.de/politik/gen ... 18738.html

Die Initiative des Bundestagsabgeordneten Ploß (CDU) unterstütze ich.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (25.05.2021, 12:29)
Arno scheint einfach nicht begreifen zu können oder wollen, dass Nynorsk eine stinknormale Schriftsprache und überdies eine der in Norwegen offiziell anerkannten Amtssprachen ist, die ausschließlich für einen ganz bestimmten Teil von Norwegen entwickelt wurde, um den Menschen dort die Möglichkeit zu geben, ihre gesprochene Sprache schriftlich festhalten zu können, ohne gleich in jedem Dorf eine eigene Schreibweise zu praktizieren und ohne eine als Fremdsprache empfundene Schriftsprache verwenden zu müssen. Denn die Unterschiede zwischen den lokalen Dialekten ist und war enorm. Eine gemeinsame Hochsprache wird übrigens (wie in vielen Ländern) nicht gesprochen. Dass der Nynorsk-Anteil von anfangs einem Drittel auf jetzt geschätzt 10 bis 15 % schrumpfte, liegt nicht daran, dass die dortige Bevölkerung sich urplötzlich dagegen auflehnte, sondern dass Menschen in großer Zahl diese ländlichen Regionen verließen, um in Städten zu arbeiten und zu leben, wo völlig andere Dialekte gesprochen und Bokmål geschrieben wurde und wird.

Es ist immer wieder erstaunlich, was man alles in simple Fakten hineininterpretieren kann. Noch erstaunlicher ist es, dass inzwischen schon Halb- und Unwahrheiten über fremde Schriftsprachen als Argument gegen das Gendern in der deutschen Schriftsprache herhalten müssen. Über die Sprachvielfalt in Belgien oder der Schweiz könnte man übrigens dieselbe abstruse Behauptung aufstellen. Doch das würde mehr auffallen.

Ich bin gespannt, mit welchem Thema dieser Thread als nächstes gekapert wird. Vegane Ernährung? Pandemiemaßnahmen? Flüchtlingspolitik? Intimrasur? Nichts ist mehr unmöglich.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (25.05.2021, 13:17)
Monika, ich habe gar keine eigenen Theorien entwickelt, sondern mich bezüglich der Entwicklung von Nynorsk Darstellungen angeschlossen, die ich für schlüssig halte. Diese Quellen habe ich mit Zitaten belegt. Deine Erklärungen kommen mir dagegen ahistorisch vor, sie erklären Entwicklungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, allein aus einem aktuellen Bewusstsein heraus. Damit wirst du der Bewegung, die zu Nynorsk geführt und seinen zeitweiligen Aufstieg begünstigt hat, nicht gerecht.

Ferner habe ich in zwei Kommentaren kurz dargelegt, worin ich Parallelen zwischen dem Fall Nynorsk und dem Lancieren der Gendersprache sehe (Kunstsprache, aus politisch-ideologischen Gründen entwickelt, mangelnde Akzeptanz und schließlicher Niedergang). Eine ausführliche Darlegung hattest du dir ja weiter oben ausdrücklich verbeten. Es bringt auch nichts, jetzt auf Belgien oder die Schweiz auszuweichen. Das sind vollkommen andere Verhältnisse. Hier ging's um den Fall Nynorsk und seine in Teilen strukturelle Vergleichbarkeit.

Am Ende deines letzten Kommentars wirst du unsachlich. Das spricht dafür, dass du dich beim Thema in die Enge getrieben fühlst. Ich werde mich nicht auf dieses Niveau einlassen. Es spricht ja für sich, dass du erst selbst einen Wikipedia-Artikel verlinkst und wenn ich mich dann auf Aussagen darin berufe, sind es auf einmal "Halb- und Unwahrheiten".
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (25.05.2021, 13:42)
Ich verlinke noch einen NZZ-Artikel, aus dem klar hervorgeht, was zwischen den beiden Sprachvarianten in Norwegen los war und ist. Von wegen "gutem Willen und Toleranz" (Monika K.)!

https://www.nzz.ch/zuendstoff_sprache-1.787342

Man stößt darin auf noch eine Parallele zwischen Nynorsk und Gendersprache bei uns:

Wichtigste Bastion des Nynorsk ist der Staatsrundfunk. Radio und Fernsehen sind verpflichtet, 25 Prozent der Wortbeiträge in Nynorsk zu senden.

Monika sollte außerdem die Worthülse vom "Kapern" außer Gebrauch nehmen, sie hat sich inzwischen abgenutzt. Ich bin hier genauso dran am Thema "Gendersprache" wie sie selbst oder wie z.B. Siegfried.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (25.05.2021, 14:40)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Kunstsprache, aus politisch-ideologischen Gründen entwickelt, mangelnde Akzeptanz und schließlicher Niedergang).


Das ist deine schräge Interpretation, die du uns als Wahrheit verkaufen willst. Im gesamten Artikel taucht an keiner Stelle der Begriff "Kunstsprache" auf, weil er nämlich in diesem Zusammenhang falsch ist.

Nynorsk ist eben gerade keine Kunstsprache, sondern basiert zum größten Teil auf Dialekten, die damals die Muttersprache der Bevölkerung in ganz bestimmten Landesteilen waren und dort heute noch sind, und ist eine reine Schriftsprache. Mit Bokmål verhält es sich übrigens ähnlich. Doch das passt nicht zu deiner Theorie und wird daher an dieser Stelle lieber verschwiegen. Auch die mangelnde Akzeptanz von Nynorsk existiert nur in deinem Kopf. In Wirklichkeit steckt dahinter stinknormale Landflucht und Erlernen des am neuen Wohnort üblichen Dialekts und der dazugehörigen Schriftsprache, was ja nun wahrlich nichts Ungewöhnliches ist. Die Menschen hatten offensichtlich kein Problem damit, sich an Neues zu gewöhnen. Niedergang? Bei einem Anteil von 10 bis 15 Prozent in einem hochmodernen, reichen Land? Wie hoch ist im Vergleich der Anteil der deutschen Bevölkerung, der perfektes, reines, akzentfreies Hochdeutsch spricht und fehlerfrei schreibt? (Ich zähle mich nicht dazu.) Wie sieht es da mit mangelnder Akzeptanz und Niedergang einer "Kunstsprache" aus?

Du suchst eine Kunstsprache mit mangelnder Akzeptanz? Nimm lieber Esperanto, statt 10 bis 15 Prozent der norwegischen Bevölkerung als romantisch verblendete Spinner*innen hinzustellen.

Übrigens verstehe ich noch immer nicht, was das Ganze hier eigentlich überhaupt soll. Wer in seinen Sachbüchern nicht gendern will, lässt es einfach bleiben. Ein simples "Nö" zur ursprünglich hier gestellten Frage genügt. Wozu all die Links und nun auch noch krude Theorien über Norwegen? Norwegen besitzt übrigens noch mehr Amtssprachen und weist eine große sprachliche Vielfalt auf, was in einem riesigen, dünn besiedelten Land nichts Ungewöhnliches ist.

Da wir uns im Kreis drehen, steige ich aus der Norwegendiskusion aus. Ich habe Besseres zu tun.

Monika

edit: Dein von dir verlinkter Artikel widerspricht übrigens ebenfalls deiner Theorie von der "Kunstsprache". Ich zitiere: "Das urbane Bokmål beherrscht Presse und Wirtschaft, während das aus alten Dialekten gefügte Nynorsk in den ländlichen Regionen der westnorwegischen Küste den Ton angibt. Formell sind die beiden Sprachformen gleichberechtigt, auch sind sie gegenseitig verständlich."
Nix mit Kunstsprache oder Niedergang wegen mangelnder Akzeptanz.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (25.05.2021, 21:10)
Nynorsk ist insofern eine Kunstsprache, als es eine am Schreibtisch hergestellte Kompilation unterschiedliche Dialekte ist, und zwar eine mit ganz konkreten politischen Absichten (wurde schon dargelegt). Kein Mensch hat vorher so gesprochen. Das ist der Unterschied zu echten Kultursprachen, bei denen dem mündlichen Sprachgebrauch, der sich über Generationen in einem geographischen Raum entwickelt hat, folgende Regeln auch für die Schriftsprache als verbindlich festgelegt werden.

Selbstverständlich führt Nynorsk nur noch ein Schattendasein, aus welchen Gründen auch immer. Dabei wurde diese Variante eigens als einigendes kulturelles Band für die junge norwegische Nation geschaffen. Das hat sich ins Gegenteil verkehrt, es ist und war auch die längste Zeit ein Störfaktor und Spaltpilz. Der NZZ-Artikel handelt ja davon.

Ich kann mich kurz fassen. Mit Monika wird es keine Annäherung geben, für die hoffentlich vielen Mitleser ist inzwischen so viel Material ausgebreitet, dass sie sich eine eigene Meinung bilden und ggf. auch selbst recherchieren können. Auf die üblichen Katzbalgereien habe ich keine Lust. Bei neuen Aspekten melde ich mich wieder.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (25.05.2021, 21:37)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Nynorsk ist insofern eine Kunstsprache, als es eine am Schreibtisch hergestellte Kompilation unterschiedliche Dialekte ist,


Nach dieser Definition ist Hochdeutsch auch eine Kunstsprache.

Hannelore
Gendern nein: Bloß weil sich jetzt auch Männer als Bundeskanzlerin bewerben, muss man doch nicht das Wort ändern! :twisted:

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Re: Gendergerechte Sprache

von Scharfrichter (26.05.2021, 10:32)
Übrigens und nebenbei hat Arno Schmidt schon 1965 das Gendern in die Literatur eingeführt:
C. (angeregt): Professor & Zauberer zugleich? Ach, wenn’s das doch heute noch gäbe : wie anregend für die Studenten!
B. (eisig): Du meinst, für Studen=tinnen.

(aus: Arno Schmidt: Eine Schuld wird beglichen. Quinctius Heymeran von Flaming, BA II/3.2, S. 212)

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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (26.05.2021, 11:01)
Und der Knacklaut (Kurzpause mitten im Wort) gehört schon lange zur deutschen Sprache. Beispiele sind Wörter wie Bäckerinnung, Rückerstattung, Beeinflussung, Ukraine usw.
Früher wurde da teilweise ein Trema gesetzt (heute noch im Niederländischen). Es ist weder eine Erfindung der Gender-Befürworter noch etwas Neues.
Gendern nein: Bloß weil sich jetzt auch Männer als Bundeskanzlerin bewerben, muss man doch nicht das Wort ändern! :twisted:

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