Gott zurückgetreten

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g.c.roth

Re:

von g.c.roth (19.11.2008, 11:54)
Warum dann immer auf dem Rücken der Katholiken? Gegenfrage:Haben es die anderen Religionen gebracht?


Ich habe den Text nicht so verstanden, dass er auf eine spezielle Glaubensrichtung hinweist.

Drückt er nicht genau das aus, was viele Menschen zum Kirchenaustritt drängt?
Der Glaube, den die Institution Kirche offeriert, deckt sich nicht mit dem, was die Welt/Menschen braucht. Die Frage: "Wo ist denn Gott eigentlich?" blieb und bleibt ohne Antwort.

Eine Religion, die keine Satire zulässt, nimmt sich meiner Ansicht nach, die Möglichkeit ihre Widersprüche und Schwächen zu hinterfragen. Zu einer Satire aber kommt es aber meistens, wenn Aussagen und Handlungen nicht in Einklang sind. Meine Erfahrung ist, dass eine Sache, die es nicht aushält, dass man sie auch einmal durch den Kakao zieht, oftmals unter erheblichen Selbstzweifeln leidet, an denen man bitte nicht rühren soll. Dadurch wird eine Entwicklung, die sich an heutigen Lebensverhältnissen orientiert unterbunden. Und die Menschen fragen sich vielleicht "Ist Gott zurückgetreten?"

Im Grunde sind es genau Texte dieser Art, die dazu führen, dass über Religionen, Glaube und letztlich über Politik diskutiert wird und die Menschen dahin bringt, sich mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinanderzusetzen. Man wird dadurch sehr schnell an Punkte seiner eigenen Verantwortlichkeit geführt.

Ich denke nicht, dass dieser Text aus Bosheit geschrieben ist, oder um jemanden zu verletzen. Kommt bei mir jedenfalls nicht so an.

LG Grete

LOFI

Re:

von LOFI (19.11.2008, 11:57)
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Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:28, insgesamt 1-mal geändert.

roland_lange

Re:

von roland_lange (19.11.2008, 12:02)
Ich unterstelle dem Text einmal, dass er Satire ist.
Und Satire ist für mich immer noch die Essenz ernsthaften Nachdenkens und nicht oberflächlich dahingeschriebene Bosheit mit der Absicht, Menschen zu verletzen.

Gruß
Roland

LOFI

Re:

von LOFI (19.11.2008, 12:03)
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Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:28, insgesamt 1-mal geändert.

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (19.11.2008, 12:12)
Lofi,
was würdest Du zu dem Text sagen, wenn man das Wort 'Gott' austauscht gegen das Wort 'Teufel'.

Hätte der Text dann die gleiche Wirkung auf Dich?

Das soll jetzt keine zusätzliche Provokation sein! Bitte nicht missverstehen.

Es ist ja nicht so, dass ich keinen Glauben habe, aber mich würde interessieren, worin die Verletzung besteht, weil ich sie nicht sehen kann.

LG Grete

LOFI

Re:

von LOFI (19.11.2008, 12:21)
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Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Conny
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Re:

von Conny (19.11.2008, 12:29)
Also, ich muss sagen, dass ich für mich den Text nicht als verletzend empfunden habe, und ich glaube auch. Meine Meinung geht da mit der von Grete einher.

Aber lieber Lorenz, hier kommen einfach verschiedene Meinungen zusammen, die doch im Grunde genommen das Beste aus dem Text machen: es wird darüber gesprochen! Anders verstehe ich eine Satire nicht, nur als Denkanstoss. Und den Stein hat haekelschwein hier ja nun deutlich ins Rollen gebracht.
Wenn ich zum Beispiel das Buch von Christopher Moore "Die Bibel nach Biff" betrachte, ist das von vorn bis hinten eine Satire. Das Lesen dieses Buches hat meinem Glauben jedoch nicht geschadet, im Gegenteil. Ich wollte wieder einmal die Bibel in die Hand nehmen und gewisse Dinge hinterfragen, die mir entfallen sind. Also hat Moores Buch meinen Glauben genau genommen gefestigt, wenn auch nicht mit seinen Worten. Und so sehe ich auch den obigen Text.

"Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden einig sind, ist ein verlorener Abend"
Albert Einstein

LG, Conny
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
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g.c.roth

Re:

von g.c.roth (19.11.2008, 12:35)
Meinen Standpunkt habe ich verdeutlicht, mehr ist für mich dazu nicht zu sagen.

Schade, spannendes Thema.
Aber wir können es auch so stehen lassen. Kein Problem.

LG Grete

Anna-Lena
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Re:

von Anna-Lena (19.11.2008, 12:42)
Als Gründe nannte er zunehmende Unzufriedenheit mit seinen
Angestellten und das selbstkritische Eingeständnis, der Kundschaft
nicht immer die gewünschte Leistung erbracht zu haben.


Herr Jahwe hatte die Position eines Gottes seit etwa viertausend Jahren
inne und erfreute sich anfangs großer Beliebtheit, schien aber in den
letzten Jahrhunderten zunehmend das Interesse am Tagesgeschäft zu
verlieren und immer mehr Aufgaben an untergeordnete Stellen zu delegieren.


Das sind für mich die Passagen, die mich als Katholikin massiv stören, denn das sind Aussagen, bei denen jedem Gläubigen der Hut hochgehen muss, da sie Glaubensgrundsätze in einem falschen Licht darstellen.

Die Religion ist nicht für alles verantwortlich, was nicht rund läuft, sondern der Mensch und was er daraus macht.

Anna-Lena
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Schillernd wie Seifenblasen ISBN-13:978-3-8370-9040-6


Carpe diem.

DavidLiese
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Re:

von DavidLiese (19.11.2008, 12:48)
Ui, heißes Fass, was hier angestochen wurde.

Mich als Freund bissigen Kabaretts und überzeugten Ablehner der Abrahamsreligionen spricht der Text schon an. Ich finde, du hast ihn mit deiner Intention, Gott und die Welt der Abrahamsreligionen als "Konzern" darzustellen, sehr gut umgesetzt.

Das sich hier viele Gläubige auf den Schlips getreten fühlen, kann ich nachvollziehen, aber nicht verstehen. Ab dem Zeitpunkt, an dem meine Weltanschauung keine Satire verträgt, muss ich mir doch Gedanken machen, ob ich sie tatsächlich vertreten kann?!

andie

Re:

von andie (19.11.2008, 12:54)
Hallo Lorenz,

ehrlich gesagt verstehe ich den obigen Text nicht als Gotteslästerung, sondern eher als allgemeine gesellschaftliche Kritik daran, wie die Menschen z.T. mit dem Glauben (jeglicher Art) umgehen oder ihn beliebig instrumentalisieren.
Meines Erachtens werden eher diejenigen kritisiert, die den den Glauben für ihre Zwecke verbiegen und nicht die, die glauben.
Das ist aber nur meine bescheidene, sachliche Meinung.
Vielleicht überdenkst du ihn daraufhin noch einmal.
Das Thema kann furchtbar verletzen (wie du geschrieben hast, bedarf es dabei keiner Absicht oder Bosheit) und eignet sich vielleicht nicht für ein Forum, in dem geschriebene Worte schnell zu Missverständlichkeiten führen oder auch gerne mal provozieren.
Du brauchst ja auch jetzt nicht weiter darauf einzugehen, ich glaube aber, es lohnt sich zumindest noch zu lesen. Mir scheint jeder hier für sich ziemlich vernünftig zu argumentieren (egal in welche Richtung). Deine Argumente verstehe ich auch auch.

LG, Andrea

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (19.11.2008, 13:03)
Dieser Text stellt in Frage, stellt uns und u.a. unser Handeln in Frage. Eigentlich in alle Richtungen weisend, aufrüttelnd; mit dem Finger auf die Wunden zeigen und sie nicht verschämt mit eben diesem Finger zu verschließen. Zur Heilung gehört ein wenig mehr, als eben nur dieser Finger, und schon gar nicht ihn nur mahnend zu erheben. Er rüttelt an Manifesten, im tieferen Sinne mehr, als dass er spottet.
Ich sehe hier keine Gotteslästerung; eher ein "Anklopfen" wie:
"Hallo, merkt ihr nichts? Merkt ihr nicht, dass da vielleicht irgend etwas falsch läuft? Ich habe da so ein ungutes Gefühl, dass wir Menschen (alle) wieder einmal nicht „in die Puschen“ kommen."
Wenn wir nicht immer wieder "in Frage" stellen würden, was könnte sich dann zum Guten wenden?
Ich sehe die Aufgabe eines Schriftsteller, eines Autoren auch darin, die Dinge beim Namen zu nennen, und sie nicht schönzureden.
Wir schauen zu, wie diese Welt langsam aber sicher in Eis erstarrt, und erstarren lieber mit ihr, anstatt uns zu bewegen, damit wir nicht erfrieren.
Bewegung schaffen. Wer nicht bewegt, wer sich nicht bewegt, bewegt nichts.
Das gilt gleichermaßen für alle Dinge. Seien es nun Glaubensrichtungen, politische Weltanschauungen oder "nur“ einfache, scheinbar nicht die Welt bewegende Dinge, wie einen kleinen Text zu schreiben, wie den da oben z.B..

Gruß von
Klaus

Fabula

Re:

von Fabula (19.11.2008, 13:06)
Man kann durch den Text verletzt sein, ihn peinlich oder als gut geschrieben lesen, oder sich sogar an ihm erfreuen, da endlich jemand einem aus der Seele spricht. .
Der Genannte wird als Jahwe oder Allah angesprochen, d.h., es sind nicht nur die Christen gemeint, sondern auch die Andersgläubigen.
Wichtig an ihm ist: Sein Inhalt ist falsch.
Gott wird niemals zurücktreten.
Es sind die Menschen, die ihn verlassen haben.
Sie huldigen anderen Göttern, wie Paulus schon damals erkannte.(Ihr Gott ist ihr Bauch, ihr Ruhm besteht in ihrer Schande usw.)
Wenn diese Götter zurücktreten, so werde ich das sehr begrüßen.
Vielleicht werden dann wieder andere Werte sichtbar, wie Menschlichkeit und Wille zum Frieden.

Fabula

.

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (19.11.2008, 13:29)
Hallo!

Es freut mich, dass der Text so polarisiert, denn eine Satire, die nirgendwo aneckt, ist wertlos.

Dass ich keine bestimmte, sondern alle abrahamitischen Religionen aufs Korn nehme, wird deutlich durch den Namen "Allah Jahwe" mit dessen "Bestsellern Talmud, Bibel und Koran". Der Papst ist nur exemplarisch als einer von vielen "Abteilungsleitern" (Kirchenoberhäuptern) genannt, weil er der prominenteste ist.

Gegenstand der Satire ist nicht Gott, sondern der Mensch selbst: Des Menschen Anspruchsdenken, seine Zersplitterung in religiöse Gruppierungen, die Diskrepanz zwischen Glaubensinhalten und deren praktischer Umsetzung.

Die Idee, dass man Gott beleidigen könnte, finde ich blasphemischer als jede Satire, denn welch menschliche Hybris läge in dem Gedanken, dass ein Allmächtiger und Allgütiger von einem seiner eigenen Geschöpfe gekränkt werden kann? Mein Gott hat Humor und Selbstbewusstsein und schlägt sich lachend auf die Schenkel, wenn er solche Satiren liest.

Amos Oz hat einmal gesagt, er habe niemals in seinem Leben einen Fanatiker mit Sinn für Humor gesehen, denn Humor beinhalte die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, Humor sei Relativismus.

Meiner Empfindung nach ist es ein Zeichen von Unsicherheit, von unbewusstem Zweifel, wenn man den eigenen Glauben nicht auch mit einem Augenzwinkern oder Selbstkritik betrachten kann. Denn wer wirklich fest im Glauben steht, den ficht solches nicht an. Nach Schonung, Denkverboten und Sakrosanz muss man nur rufen, wenn das eigene Denkgebäude schon einem Angriff durch Worte nicht standhielte.


Dass der Karikaturenstreit erwähnt wurde, finde ich gut, denn damals klopfte sich das christliche Abendland ob seiner eigenen Toleranz unentwegt auf die Schulter, obwohl auch die christlichen Kirchen immer auf Kriegsfuß mit religiösen Karikaturen standen. Damals schrieb ich in mein Blog:
"Es ist eine Anmaßung, wenn der Mensch meint, er müsse Götter, Heilige oder Propheten vor Beleidigungen schützen. (...) Karikaturisten, die sich über religiöse Symbolfiguren lustig machen, sollten von einem Blitz niedergestreckt werden, nicht aber von menschlichen Steinewerfern. Da dies nicht geschieht, ist das Himmelspersonal entweder machtloser oder humorvoller als seine irdischen Anhänger vermuten."
Zuletzt geändert von haekelschwein am 19.11.2008, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Tabiro Malex
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Re:

von Tabiro Malex (19.11.2008, 13:34)
andie schrieb:

... ehrlich gesagt verstehe ich den obigen Text nicht als Gotteslästerung, sondern eher als allgemeine gesellschaftliche Kritik daran, wie die Menschen z.T. mit dem Glauben (jeglicher Art) umgehen oder ihn beliebig instrumentalisieren.
Meines Erachtens werden eher diejenigen kritisiert, die den den Glauben für ihre Zwecke verbiegen und nicht die, die glauben ...


Genauso habe ich den Text auch verstanden.
Unglaublich, wie schnell du die neue Rechtschreibreform angewendet, hasst.

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