Gott zurückgetreten

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roland_lange

Re:

von roland_lange (19.11.2008, 13:39)
Fabula schreibt:

Gott wird niemals zurücktreten.
Es sind die Menschen, die ihn verlassen haben.


Das unterstellt aber, dass es immer Menschen geben wird, die an ihn glauben.
Meine Frage:
Was ist eigentlich, wenn alle, aber auch wirklich alle Menschen Gott (Jahwe, Allah) den Rücken kehren, bzw. nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen? Gibt es Gott dann noch? Musste er dann evtl. abdanken?
Kann es nicht sein, dass dort, wo kein Mensch mehr an einen Gott glaubt, es auch keinen Gott mehr gibt?

Wer mich jetzt kreuzigen will, nehme vorher bitte zur Kenntnis, dass ich als evangelischer Christ durchaus an den einen Gott glaube. Was mich jedoch nicht daran hindert, (unbequeme) Fragen zu stellen.

Gruß
Roland

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hawepe
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Re:

von hawepe (19.11.2008, 13:54)
Hallo,

für mich ist es eine wirklich gelungene Satire, die ungewollt gleich viel über Toleranz und Intoleranz verrät.

Was mir besonders gefällt, ist das Zusammenführen von Gott, Allah (hier sollte ein Komma eingefügt werden) und Jahwe in einer Gottheit. Dass es nicht konkret um einen dieser Götter geht, zeigt sich in der Überlegung, Talmud, Bibel und Koran vielleicht ein weiteres heiliges Buch folgen zu lassen.

Überrascht bin ich über manche Reaktionen. Als es hier im Forum vor einiger Zeit einige antisemitische Beiträge gab, löste das kaum Reaktionen aus; "Das ist doch kein Grund zur Aufregung", so der Tenor. Und damals waren tatsächlich und ausschließlich Juden die Zielscheibe.

Gerne wüsste ich, was die Kritiker dieser Satire damals zu den Mohammed-Karikaturen gesagt haben. Diese waren von ihrem Schöpfer immerhin ausdrücklich als Kampfinstrument gegen den Islam gedacht.

Und hier? Wo ist dieser Text antichristlich, antiislamisch, antijüdisch? Er ist höchstens antikirchlich.

Beste Grüße,

Heinz.

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (19.11.2008, 13:59)
Anna-Lena hat geschrieben:
das selbstkritische Eingeständnis, der Kundschaft nicht immer die gewünschte Leistung erbracht zu haben.

(...)

schien aber in den letzten Jahrhunderten... immer mehr Aufgaben an untergeordnete Stellen zu delegieren.


Das sind für mich die Passagen, die mich als Katholikin massiv stören (...). Die Religion ist nicht für alles verantwortlich, was nicht rund läuft, sondern der Mensch und was er daraus macht.


Und der Mensch ist für das verantwortlich, was er aus der Religion macht.


Dass Gott an untergeordnete Stellen delegiere, heißt eben schlichtweg, dass Gottes Wille nicht mehr aus brennenden Dornbüschen spricht, sondern durch die Münder der menschlichen Religionsvertreter. Und schon immer wurden ganz weltliche Machtinteressen gerne damit durchgesetzt, dass man angeblich "Gottes Wille" kenne und realisiere.


Das erste Zitat ist eine Anspielung auf das passive menschliche Anspruchsdenken und die Haltung, "von oben" etwas zu erwarten, was man eigentlich selbst umsetzen muss. Kein Gott verkündet den Weltfrieden oder beseitigt alle Hungerkatastrophen, sondern das könnten wir jederzeit selbst, wenn wir unsere Art zu leben und unser Weltwirtschaftssystem änderten. Wenn es vollbracht ist, können wir immer noch Gott oder wem auch immer für das Gelingen danken, aber fromme Wünsche ohne Handeln genügen nicht.

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (19.11.2008, 14:11)
Eigentlich gibt es auch noch eine "Stellenanzeige", in der ein Nachfolger gesucht wird, aber die will ich mir mal für später aufheben, um die Diskussion nicht zu unterbrechen.

LOFI

Re:

von LOFI (19.11.2008, 14:16)
book:
Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:27, insgesamt 1-mal geändert.

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hawepe
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Re:

von hawepe (19.11.2008, 14:19)
Hallo,

haekelschwein hat geschrieben:
Kein Gott verkündet den Weltfrieden oder beseitigt alle Hungerkatastrophen, sondern das könnten wir jederzeit selbst, wenn wir unsere Art zu leben und unser Weltwirtschaftssystem änderten. Wenn es vollbracht ist, können wir immer noch Gott oder wem auch immer für das Gelingen danken, aber fromme Wünsche ohne Handeln genügen nicht.


Nur ist das eben sehr, sehr viel anstrengender, als wenn man die Verantwortung delegieren kann. Über Glauben diskutiere sie nicht, meinte eine Bekannte kürzlich, weil Glauben das Leben erleichtere. Wer erst einmal Fragen stelle, beginne vielleicht irgendwann einmal zu zweifeln und müsse sich mit immer mehr Fragen auseinandersetzen.

Beste Grüße,

Heinz.

LOFI

Re:

von LOFI (19.11.2008, 14:21)
book:
Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:27, insgesamt 1-mal geändert.

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hawepe
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Re:

von hawepe (19.11.2008, 14:38)
Hallo Lorenz,

Du behauptest:

LOFI (Moderator) hat geschrieben:
denn der Glaube ist im Menschen implantiert, als Sinnfrage: Ich weiß nicht um den Sinn der Welt, also muß ich etwas Glauben, um es zu verstehen,


Ich sage:

"denn der Glaube ist dem Menschen implantiert worden, um ihn von der Suche nach dem Sinn der Welt abzuhalten, also muß ich ihm zu Wissen statt Glauben verhelfen, damit er dem Verstehen der Welt näherkommen kann."

Du fühlst dich verletzt, wenn an ersterem gerüttelt wird, ich, wenn an zweitem. Der Unterschied ist nur, dass es in unserer Gesellschaft für die erste Aussage sehr viel mehr Wohlwollen gibt als für die zweite. Oder umgekehrt: die Befindlichkeit der Anhänger der ersten wiegt sehr viel mehr als die der zweiten.

Beste Grüße,

Heinz.

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Tabiro Malex
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Re:

von Tabiro Malex (19.11.2008, 15:02)
... Was ist eigentlich, wenn alle, aber auch wirklich alle Menschen Gott (Jahwe, Allah) den Rücken kehren, bzw. nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen? Gibt es Gott dann noch? ...



Eine Kurzgeschichte von Khalil Gibran beschäftigt sich mit einer sehr ähnlichen Frage!

Inhalt in meinen Worten:
Der in theologischen und geistigen Themen lehrende Vater Samaan genießt das hohe Ansehen seiner Dorfgemeinschaft, die - wie er - ausschließlich an den einen Gott glaubt. An einem Abend entdeckt Samaan in einem Straßengraben eine schwerverletzte Gestalt. Als er erkennt, den Teufel blutend und dem Tode nahe vor sich liegen zu sehen, ist er überzeugt davon, mit dem Tod des Teufels das Ende aller Sünden und allen Niedergangs zu erleben.
Mit letzter Kraft spricht der Teufel: "Wenn du mich sterben läßt, beendest du jede Form der Religion. Niemand wird mehr deinen Lehren glauben und niemand wird mehr an Gott glauben!"
Vater Samaan nimmt diese Worte tief in sich auf und entscheidet sich schließlich, den Teufel zu versorgen und ihm das Leben zu retten.
Unglaublich, wie schnell du die neue Rechtschreibreform angewendet, hasst.

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noteingang
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Re:

von noteingang (20.11.2008, 13:06)
Ich bin der Meinung dass Satire einfach vor Religion halt machen muss. Dieses mildtätige Lächeln aus der zu hohem Ross reitenden Sichtweise des "aus der Unmündigkeit" befreiten Atheisten ist einfach unangebracht.

Zum einen ist es keine Kunst Satire über Tabuthemen zu schreiben, da dort die Auffuhr schon fast programmatisch ist und zum anderen ist Religion etwas zutiefst Heikles.

Natürlich kann man bestimmte Praktiken der institutionellen Religion gut oder schlecht heißen doch ändert es nichts an der Tatsache, dass Religion abermillionen Menschen noch einen Funken Hoffnung gibt in einem Leben, dass sonst hoffnungslos ist. Oder "glaubhafte" Antworten auf alles verzehrende Fragen bereithält.

Und ich bin Atheist, nicht gläubig, dennoch denke ich so.

Etwas schriftlich mit Füßen zu treten, was Lebensgrundlage für sehr viele Menschen ist, zeugt nicht gerade von angewandtem Humanismus. Es ist zutiefst amoralisch und wie auch schon geschrieben eben keine Kunst, sondern schlicht und ergreifend eine falsch verstandene moralische Überheblichkeit.

Desweiteren kopierst du nur deinen Stil, beim Haekelschwein durchaus treffen und witzig (da Gebrauchsanweisung) hier aber auch stilistich nicht sonderlich witzig.
Zuletzt geändert von noteingang am 20.11.2008, 13:28, insgesamt 1-mal geändert.

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (20.11.2008, 13:26)
Guten Tag,

habe jetzt ausschließlich den ersten Beitrag, den Text, gelesen und keine Kommentare dazu, weil ich meine eigene Meinung unverblümt dazu beitragen möchte.

Als kleiner, satirischer Text in der BILD durchaus angemessen und für manche Leute noch unterhaltsam. Ich sehe das Ganze mit einem Augenzwinkern. Es mag vielleicht clever gedacht sein, aber mir bestätigt der Text abermals, dass viele Menschen den Fehler machen und Gott personifizieren ...

Wer oder was Gott ist, ist eine andere Diskussion.
Ich weiß nur, dass mich persönlich der Inhalt/die Aussage des Textes nicht einmal tangiert, da dort viel zu viele Themen unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung miteinander vermischt werden und bei mir das Wort "sinnfreie Unterhaltung" aus der Schublade kramt.

Beste Grüße,
Thorsten

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hawepe
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Re:

von hawepe (20.11.2008, 13:40)
Hallo haekelschwein,

haekelschwein hat geschrieben:
Eigentlich gibt es auch noch eine "Stellenanzeige", in der ein Nachfolger gesucht wird, aber die will ich mir mal für später aufheben, um die Diskussion nicht zu unterbrechen.


Warum kommen mir bei der Diskussion immer die drei (eigentlich sind es nur zwei) Buchstaben D, D, R in den Sinn?

Aber egal, ich bin schon gespannt, was du dir da hast einfallen lassen.

Beste Grüße,

Heinz.

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (20.11.2008, 13:56)
Lofti(Moderator schrieb folgendes:
Zweifelhaft, dass das passieren wird, denn der Glaube ist im Menschen implantiert, als Sinnfrage: Ich weiß nicht um den Sinn der Welt, also muß ich etwas Glauben, um es zu verstehen, und das charakterisiert diese Gemeinschaften letztendlich, und hat ein bindendes Glied, nämlich eine Hoffnung, die für den Menschen als Nichtwissenden überlebenswichtig ist,
egal, wie dieser Gott nun heißt.
Das Prinzip Glauben sehe ich eben in diesem Text in Frage gestellt, zwar satirisch, aber auch verletzend.

Also wer ohne Tadel werfe den ersten Stein?
Das Prinzip Evolutionstheorie sehe ich in deinen Antworten auch nicht als Möglichkeit.Das ist auch verletzend(Alle die anders denken machen das nur um dich und die Gläubigen zu verletzen ?weil du die Antwort kennst?)
Es geht hier um Satire(lat.satira;von satura lanx:"mit Früchten gefüllte Schale")
Also nehme sich jeder aus der Schale was ihm zusagt.
Du sagst das der Glaube implantiert ist als Sinnfrage.(Das weißt du)
Im nächsten Satz (Ich weiß nicht um den Sinn der Welt)
lese ich da Wiedersprüche?
Erwachsen wirst du nicht mit dem alter,sondern erst dann wenn du die Fehler zuerst bei dir suchst. http://uae-alfred.blogspot.com/

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (20.11.2008, 14:12)
@noteingang:
Du bist, im Gegensatz zu mir, Atheist. Daher kannst Du nicht wissen, dass Glaube nichts Verhärmtes und Ängstliches sein muss, dass bei der kleinsten Kritik wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Glaube kann auch etwas Souveränes, Freudvolles, Selbstironisches, Kritikfähiges haben.

Daher ist es immer nur ein kleiner Teil der Gläubigen, der sich von religiöser Satire angegriffen fühlt.

Auf politischer Ebene ist es genauso, auch da hört es mancher nicht gerne, wenn seine Partei Gegenstand von Kabarett oder Satire ist.

Aber Tucholsky hat Recht, wenn er sagt: "Satire darf alles!", denn Satireverbote sind Denkverbote und Kritikverbote. Wenn aber etwas nicht mehr kritisiert werden kann, können auch Fehlentwicklungen nicht mehr korrigiert werden.

Das Recht, die eigene Regierung zu kritisieren und satirisch zu überzeichnen, ist einer der Unterschiede zwischen einer Demokratie und einer Diktatur.


@hawepe:
Ja, in der DDR durfte man den Sozialismus nicht karikieren, und hier fordern manche das gleiche bzgl. der Religion. Was ich für eine falsche Einstelllung halte.


@Thorsten:
In der Bildzeitung gibt es keine Satire, sondern allenfalls eine Witzspalte, die dann wirklich sinnfreie Unterhaltung ist, weil sie weder zum Nachdenken anregt noch Widerspruch provoziert.

Das mag auch ein Problem unserer Zeit sein: Im Privatfernsehen läuft Comedy statt Kabarett, in BILD und bunten Blättern liest man Witze statt Satiren. Die Masse wird mit harmlosen Späßchen eingelullt, um nur ja nicht den Denkapparat überanstrengen zu müssen und auf kritische Gedanken zu kommen. Umso größer ist dann der Schreck, wenn mal ein Text jenseits der Schenkelklopferfraktion auftaucht.

Wer sich in dieser Hinsicht etwas abhärten und weiterbilden möchte, dem empfehle ich, die Titanic zu lesen, im ZDF "Neues aus der Anstalt" zu sehen und Vorstellungen von Volker Pispers, Georg Schramm und Hagen Rether zu besuchen. Deren Reiz besteht gerade darin, dass man gezwungen ist, über sich selbst zu lachen und einem dieses Lachen sehr bald im Halse stecken bleibt.

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noteingang
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Re:

von noteingang (20.11.2008, 14:32)
haekelschwein hat geschrieben:

Aber Tucholsky hat Recht, wenn er sagt: "Satire darf alles!", denn Satireverbote sind Denkverbote und Kritikverbote. Wenn aber etwas nicht mehr kritisiert werden kann, können auch Fehlentwicklungen nicht mehr korrigiert werden.



Da hat der gute Herr Tucholsky wohl einfach unrecht, als ob diese Aussage nur ansatzweise Legitimität schaffen würde.
Eine Satire über die Erziehungsmethoden und ggf. dadurch offenbarten Charakterschwächen deiner Mutter (wie kann sonst so etwas wie deiner einer entstehen) oder über über einen Pädophilen, der auf amüsante Weise über Missbräuche reflektiert wärem demnach auch okay?
Sorry aber das ist halt einfach Blödsinn.

Satire hat etwas humanistisches, es soll kritisieren, Schwachstellen aufdecken, aber eben nicht beleidigen. Das unterscheidet eben "gute" von "schlechter" Satire.
Wenn dann sollte man doch in der selben Sprache bleiben, und die ist halt für Religionen nicht rationaler Natur. Wolltest du die Institution Kirche aufs Korn nehmen, ist dein Text verfehlt, wolltest du Religion kritisieren ist deine Sprache verfehlt.

Satire kann alles, dürfen tut sie es aber noch lange nicht. (dürfen hier moralisch)

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