Gott zurückgetreten

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Meerenblau
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Re:

von Meerenblau (20.11.2008, 15:04)
LOFI (Moderator) hat geschrieben:
Würde man das mit einer anderen Religion machen (auf die Idee würde komischerweise wohl kaum einer hier kommen), würden entsprechende Kreise auf die Barrikaden gehen.
.



Er hat es doch mit nicht nur einer anderen Religion gemacht. Oder sind Koran und Talmud etwa auch römisch-katholische Bücher?

Meerenblau
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Re:

von Meerenblau (20.11.2008, 15:12)
[quote="noteingang"]Ich bin der Meinung dass Satire einfach vor Religion halt machen muss. Dieses mildtätige Lächeln aus der zu hohem Ross reitenden Sichtweise des "aus der Unmündigkeit" befreiten Atheisten ist einfach unangebracht.
quote]

Hallo, wo dies gerade angesprochen wird: Ich bin es leid, immer wieder von Christen dumm angemacht zu werden, weil ich nicht an Gott glaube. Da wird mir dann unterstellt, mir würden sämliche moralischen Werte fehlen und was weiß ich noch. Das "hohe Ross" der missionierenden Atheisten ist die (eingebildete) Überlegenheit in der Intelligenz. Das mindestens ebenso hohe Ross der missionierenden Christen ist die eingebildete "moralische" Überlegenheit. Beide Gruppen nehmen sich nichts.

büchernarr

Re:

von büchernarr (20.11.2008, 15:14)
Hallo,
den Text habe ich einem alten katholischen Geistlichen vorgelegt.
Seine Reaktion: Leichtes Schmunzeln und die kurze Antwort " Glaube mir Sohn, Gott ist nicht von den Menschen zurückgetreten, die Menschen treten immer mehr von Gott zurück"
Für viele unserer Mitmenschen ist ihr Glaube nicht nur Halt, sondern auch Hoffnung. Diesen Glauben (gleich welcher Religion) muss und kann ich achten, ja ich finde ihn gut, obwohl ich selbst nicht gerade gläubig bin. Vielleicht bin ich sogar etwas neidisch auf Menschen, welche glauben können.
In dieser Satire sehe ich weniger einen Angriff auf Gott (wie auch immer er heißen mag), sondern vielmehr einen Angriff auf von Gott abgwandte Menschen.
Grüße
Bernd

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (20.11.2008, 15:19)
Hallo,
wie im 'richtigen' Leben, ist eben auch hier die Vielfalt der Meinungen vertreten. Ich denke, das ist völlig in Ordnung so und niemand muss deshalb irgendwo eingeordnet, aussortiert, missioniert oder sonstwie was ....

Es gilt wohl einfach zur Kenntnis zu nehmen, dass es Texte gibt, die den einen verletzen, einen anderen nicht erreichen und wiederum andere finden ihn klasse.

@haekelschwein: Dein Text hat erfolgreich Menschen erreicht. Das ist ja letztlich das, was ein Autor möchte.

LG
Grete

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (20.11.2008, 15:28)
@noteingang schrieb:
Ich bin der Meinung dass Satire einfach vor Religion halt machen muss. Dieses mildtätige Lächeln aus der zu hohem Ross reitenden Sichtweise des "aus der Unmündigkeit" befreiten Atheisten ist einfach unangebracht.


("Ich bin der Meinung das Satire einfach vor mir halt machen muss.")
Ich denke das viele Potentaten diese Meinung vertreten und auch durchsetzen.
Ist das richtig?Oder ist das was anderes?
Lasse mich gerne belehren.
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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (20.11.2008, 15:46)
@noteingang:

Über private Einzelpersonen schreibt man keine Satiren, wohl aber über Prominente und Politiker, weil diese eine gesellschaftliche Relevanz haben. Es gibt z.B. mehrere Filme, die sich satirisch mit Hitler auseinandersetzen, der bekannteste ist "Der große Diktator" von Chaplin. Wäre Hitler Postkartenmaler geblieben, würde es seltsam anmuten, wenn jemand eine Satire über ihn verfasst hätte.

Dein Beispiel über Pädophilie ist keine Satire. Das Thema an sich kann aber, als Gegenstand von Kritik, durchaus in einer Satire vorkommen, und tut es ja auch, z.B. in bissigen Bemerkungen über Michael Jackson.


Dass sich mancher nur Blümchensatire wünscht, mag so sein, aber das wäre gewiss nicht im Sinne des Erfinders. Eine Schere im Kopf sollte man nur dort haben, wo man jemanden auf privater Ebene als Individuum kränkt - aber persönliche Beleidigungen sind ja auch keine Satire und meine Gottesabdankung ist alles Andere als eine persönliche Beleidigung.
Zuletzt geändert von haekelschwein am 18.01.2009, 23:10, insgesamt 1-mal geändert.

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noteingang
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Re:

von noteingang (20.11.2008, 16:06)
haekelschwein hat geschrieben:
@noteingang:

Über private Einzelpersonen schreibt man keine Satiren...

.....Aber Tucholsky hat Recht, wenn er sagt: "Satire darf alles!", denn Satireverbote sind Denkverbote und Kritikverbote. Wenn aber etwas nicht mehr kritisiert werden kann, können auch Fehlentwicklungen nicht mehr korrigiert werden.


Hm, interessant. Witzig, dass du dich einschränkst, obwohl du weiter oben doch den vermeindlichen Legitimationssatz anführst.

Es ist wie immer variabel, natürlich gibt es per se keine Regeln. Ich bin dennoch der Meinung, dass bestimmte Dinge eben nicht veralbert werden dürfen. Das ist eine moralische Frage, und mein Standpunkt eher der eines Metastandpunktes. Wie sagte schon Friedrich der Große "räsoniert nicht, glaubt!".

Hier werden meinem Empfinden nach Ebenen durchmischt, die nicht durchmischt gehören und nur zur kurzweiligen Belustigung dienen. Das höhere Ansinnen wird in diesem Falle nicht erfüllt.

Der kleine aber feine Unterschied ist nämlich, dass bei Religion die Satire zu einem persönlichen Angriff verkommt, das was eine Satire doch deiner Meinung nach nicht soll
Wenn du, und manche hier so weit tolerant sind, das zu ertragen, heißt es eben nicht, dass das der Freifahrtsschein ist.

Wie geschrieben, wenn schon eine Satire über Religion, dann in deren Worten.

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (20.11.2008, 16:14)
Nach Deinem Prinzip wäre jede kritische Satire zu religiösen Fragen verboten. Zum Glück sieht man das außerhalb Saudi-Arabiens etwas lockerer. :D

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noteingang
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Re:

von noteingang (20.11.2008, 16:44)
haekelschwein hat geschrieben:
Nach Deinem Prinzip wäre jede kritische Satire zu religiösen Fragen verboten. Zum Glück sieht man das außerhalb Saudi-Arabiens etwas lockerer. :D


Grob ja, absolut nein. Denn das vermeindliche Ansinnen einer Satire ist der Anstoß zur Veränderung, dies ist bei Religion aber nicht gegeben. Die zieht große Stärken aus ihrer Unveränderbarkeit.

Aus reinem Selbstzweck also? Denen (unreligiösen Menschen) das zu geben, was sie eh schon wissen? Wo liegt das Anliegen?

Verboten nein, unangebracht ja

Edit: magisterarbeit religionssoziologie ;), habe da wohl einen ganz besonderen, nicht jedem sofort einleuchtenden Standpunkt.

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Re:

von cosmopolit (20.11.2008, 16:58)
Noteingang:
habe da wohl einen ganz besonderen, nicht jedem sofort einleuchtenden Standpunkt.

Aber später doch einleuchtend?
Selbstüberschätzung?
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LOFI

Re:

von LOFI (20.11.2008, 17:06)
book:
Zuletzt geändert von LOFI am 21.11.2008, 09:26, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von noteingang (20.11.2008, 17:10)
cosmopolit hat geschrieben:
Selbstüberschätzung?


Ist ein gesundes Maß an Selbstüberschätzung und Narzismus hier nicht O-Ton?

Nein im ernst, anscheinend verstehen manche halt nicht, auf was ich hinauswill. Die Frage ist natürlich, ob es überhaupt wichtig ist. Bin halt auch kein Fan von den Mohamed Karikaturen, weil sie so rein garnichts gebracht hat außer noch mehr Hass zu sähen.

Im 19ten Jahrhundert konnte man moralisch herablassend auch nett Satiren über wilde Affenmenschen aus Afrika schreiben. Satire hat immer etwas mit Moral zu tun, die angewandte Moral wird mit der eigenen verglichen und dann in überspitzter Form niedergeschrieben.

Man labelt sich heute immer ganz gerne und im Zweifel ist es halt Kunst, oder wie hier Satire. Ich meine im Kern halt nur, dass ein Label noch lange nicht genug ist. Und ich denke ich habe hiermit auch genug Senf zugegeben.

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (20.11.2008, 17:16)
Noteingang:
Ist ein gesundes maß an Selbstüberschätzung und Narzismus hier nicht O-Ton.

Da gebe ich dir vollkommen Recht.
Aber ohne dem würde keiner etwas von sich preisgeben.
Man kann es auch glauben nennen.
Der Glaube an sich selbst.
Besser als unterm Teppich langlaufen.
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hawepe
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Re:

von hawepe (20.11.2008, 17:36)
Hallo,

noteingang hat geschrieben:
Wie sagte schon Friedrich der Große "räsoniert nicht, glaubt!".


Eben. Wie gelänge es sonst, immer wieder Menschen zum Hass gegen andere aufzustacheln und/oder für Kriege zu begeistern? Mit Denken und Hinterfragen ist das sehr viel schwerer.

Wie geschrieben, wenn schon eine Satire über Religion, dann in deren Worten.


In der DDR war Satire auch nicht verboten, sie musste lediglich in der Sprache der SED erfolgen.

Beste Grüße,

Heinz.

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Re:

von hawepe (20.11.2008, 17:42)
Hallo,

noteingang hat geschrieben:
Bin halt auch kein Fan von den Mohamed Karikaturen, weil sie so rein garnichts gebracht hat außer noch mehr Hass zu sähen.


Das war auch ihr Ziel. Ihr Schöpfer hat nie ein Hehl aus seiner antiislamischen Gesinnung gemacht. Ihm ging es gerade nicht um eine kritische Diskussion, sondern um das Diffamieren einer Religion.

In der Satire von haekelschwein wird aber die zunehmende Distanz zwischen den Menschen und ihrem "Gott" (egal wie er genannt wird) mit satirischen Mitteln beschrieben.

Beste Grüße,

Heinz.

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