Grenzen - ja oder nein?

Euer Forum rund um kreatives Schreiben, lesergerechtes Texten und spannende Plots.


Benutzeravatar
skipteuse
Beiträge: 5041
Registriert: 30.05.2007, 14:52
Wohnort: Potsdam

Re:

von skipteuse (03.02.2008, 10:30)
Lieber Hakket!
Ein wirklich sehr interessantes Thema.
Ich habe mir auch schon einige Male Gedanken zu diesem Thema gemacht - ich bin zwar kein Splatter-Fan, habe aber ein paar Freunde, denen es nicht gruselig genug sein kann. Und genau da sehe ich den Knackpunkt: Kunst (Literatur und Film) von der Wirklichkeit zu trennen!
Ob du "normal" bist ;-), kann ich nicht sagen. Quälst du Tiere? Hältst du deine Nachbarin im Keller gefangen? Hast du eine Leiche im Garten vergraben wie J. Depp in "Das geheime Fenster"?
Wichtig ist auch die Zielgruppe, die dir beim Schreiben vorschwebt. Sind es ausgemachte Horrorfans, die Nervenkitzel erwarten?
Genrell ist in der Kunst nichts verboten - theoretisch. Als AutorIn würde ich nur darauf achten, das Schocker-Buch entsprechend zu kennzeichnen. Aber je nach Genre kann Grusel und Gewalt ja auch unterhaltsam sein, da scheint in der Natur vieler Menschen verankert zu sein, sonst wären viele Geschichten der Unterhaltungs- und auch der "Weltliteratur" (wie auch immer man diesen Kanon bewerten möchte) nicht so erfolgreich, zum Teil über Jahrzehnte und Jahrhunderte (E. A. Poe), Der Medicus, etc.
Ebenso sehe ich die Sache bei der Beschreibung von Sexualität. Heikel wird es da natürlich wieder beim Zusammenspiel von Sex und Gewalt.
Generell würde ich evtl. sogar hier noch einen Unterschied machen - auch, wenn es bzgl. meiner obigen Aussage inkonsequent erscheint - zwischen visuellen Medien und Literatur, weil Literatur meiner Ansicht nach doch immer indirekter ist; der Mensch reagiert auf visuelle Reize einfach schneller, direkter und häufig stärker.
Ich bin mir nicht sicher, ob die goldene Mitte hier eine Lösung ist. Sicher sollte man gerade bei solch einer Geschichte genau überdenken, was man wie schriebt und am Ende quasi jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber Kompromisse können in der Kunst auch schaden, denke ich ...
PS. Ich habe mal eine abgefahrene Robinson-Crusoe story gelesen, in der sich der Protagonist in seiner Not schließlich selbst aufaß. Ich konnte sie kaum zu Ende lesen, aber sie war so faszinierend und gut geschrieben, dass ich es doch hat und mich herrlich gegruselt und geekelt habe... Was schließen wir daraus? Gründen wir jetzt doch einen "Club der Verrückten"?
LG, die Babs zwinker::

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (03.02.2008, 10:49)
Hi,

Sexualität und Gewalt/Brutalität können doch was sehr nett Anregendes sein cool5 und vergessen wir mal bitte weder Marquis de Sade, noch die Geschichte der O!

Was visuell vs. literarisch betrifft, stimmt. Obwohl es auch beim Visuellen eindeutige Unterschiede gibt. Ich fand z.B. die Szene im (originalen) "Nightwatch" ("Nattevagten" R/A: Bornedal) als sich der Freund des Protagonisten den Daumen abschnitt, um aus der Handschelle zu kommen und seinem Freund zu helfen, recht derb aber völlig passend. Auch die Nummer mit dem im Schnee geschredderten Leichnam in "Fargo" ist einfach nur genial, auch wenn einem erst mal etwas übel wird, ebenso die Zerfetzszenen in "Hellraiser", die haben schon fast was Poetisches.

Dagegen sah ich vor Zeiten mal einen hundsmiserablen Splatterfilm, in dem ein ganzes Forscherlager tollwütig wurde und sich zerfleischte, das war am Ende nur noch langweilig und keineswegs irgendetwas erreichend. Welch ein Unterschied dagegen Romeros Zombies! Und auch da gehts fast nonstop zur Sache.

Ähnlich sehe ich es mit geschriebener Gewalt. Es kommt einfach drauf an, wie und warum, nicht daß.

Fakt ist denke ich, daß wir heutzutage so schwer darauf konditioniert sind, Gewalt ih und bäh und politisch absolut inkorrekt zu finden, daß uns dabei entgeht, daß Aggression, Gewalt und Brutalität legitime und fest integrierte Bestandteile unserer (und vieler anderer) Spezies sind, ohne die wir weder überleben könnten, noch erreicht hätten, was wir erreicht haben.
Gruß,

Zoba

-----------
"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Versailles
Beiträge: 878
Registriert: 22.05.2007, 21:57

Re:

von Versailles (03.02.2008, 11:15)
Hallo Hakket,
hallo zusammen,
ich finde Thema und Diskussion spannend!

trotzdem faszinieren mich Geschichten, die tief in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele schauen. Manchmal frage ich mich - egal ob Buch oder Film - was geht in dem Kopf des Machers vor?
In diesem Zusammenhang musste ich an das grauenvollste Buch denken, das ich je angelesen habe. Es beschäftigte sich mit der Lebensgeschichte des Schlächters von Rostow, Andrej Tschikatilo. Mir ist nach dem ersten Drittel so dermaßen schlecht geworden, dass ich das Buch tatsächlich weggeworfen habe.
Warum? Der Autor wollte Tschikatilo als Monster darstellen (das er wirklich war), und hat die nachgewiesenen Greueltaten en detail beschrieben. Was der Autor dabei empfunden haben mag? Sowohl bei der Recherche als auch der Schreibarbeit? Ich kann es mir nicht einmal annähernd vorstellen!
Die andere Frage, die ich mir gestellt hatte: warum wolltest du das lesen? Was hast du erwartet? Ich hatte eine sachliche Erarbeitung des Themas "Serienmörder" an einem besonderen Beispiel erwartet, das mich zu dem Zeitpunkt faszinierte (das Thema, nicht Tschikatilo!). Die Realität hat das Befürchtete und den 'Kitzel des Bösen' (so will ich meine undefinierbaren Gefühle beim Kauf des Buches mal nennen) bei weitem übertroffen. Seitdem fühle ich auch leichte Beklemmungen beim Wort "normal"/"unscheinbar".
Hey, was ist schon normal?

Oder anders: Schlummert in jedem von uns nicht ein gewisses Maß an BRUTALSTER GEWALTBEREITSCHAFT? Kommt es nicht einfach nur darauf an, welche "Knöpfe" gedrückt werden müssen, um diese Gewalt ausbrechen zu lassen?
Ich beantworte beide Fragen mit JA, obwohl die Worte "nicht einfach nur" schon erschrecken.
Gegenfragen:
wie weit ist ein Mensch, der nichts zu verlieren hat, bereit, zu gehen?
wohin bewegt sich die Grenze für jemanden, der nie erwischt wurde?
welche Denkmuster sind erforderlich, um zu morden?

Es ist unbestritten, denke ich, dass man auf dem Papier vorsätzlich töten kann, ohne jemals dafür belangt zu werden. Sagte S.King nicht einmal, dass er die Polizei ganz schön in Atem hielte, wenn er kein Autor wäre?? Gleiches gilt für Gewalt, Sex und Drogenexzesse, für erhoffte Gerechtigkeit (die manche im wahren Leben gern durch Selbstjustiz vollstrecken möchten) und eben alle Dinge, die nicht "normal" sind.

Vielleicht ist es genau das, was manche Autoren antreibt:
mit Tarnkappe seines Prota- und Antagonisten durch Betten toben, gebrochene Herzen hinterlassend, aus Eifersucht töten etc.

Abschliessend noch ein Blick auf meine "Comtesse". Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich meine Protagonisten mit ins Schlafzimmer begleite oder nicht (ich habe es getan). Die einhellige Meinung der damals Befragten sagte JA - warum bloß :wink: aber letztlich hat es der Geschichte gut getan, weil der Fortlauf des Romans fade geschmeckt hätte. Und noch etwas: ich hatte einen unglaublichen Spaß daran, mir eine Intrige auszudenken, die Fäden zu spinnen und ... nee, mehr erzähle ich hier nicht :wink: aber es war minutiöses Planen einer Denkweise, die mir bisher fremd war. Bin ich jetzt ein durchtriebenes Weibsbild? Bin ich normal?? cheezygrin

Liebe Grüße
Amalia
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
www.comtesse-heloise.de

Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

Benutzeravatar
Birgit Fabich
Beiträge: 1930
Registriert: 23.10.2007, 11:34
Wohnort: Füchtorf

Re:

von Birgit Fabich (03.02.2008, 11:20)
Hallo,
nein Amalia, Du bist sicher nicht 'durchtriebener' als andere,
Du stehst halt nur dazu...
Ich kann auch am besten Mordsgeschichten schreiben, wenn ich mich über jemanden ziemlich geärgert habe, und dann kommen Gedanken in mein Hirn, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass ich sie denken könnte. Meine ganzen Toten (naja bisher nur 4) leben alle noch und sind wohlauf und ahnen nicht einmal, dass sie das Vorbild für nette Geschichten geworden sind, die das Blut von der Leinwand tropfen lassen.
Schönen Sonntag
Birgit

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (03.02.2008, 11:32)
Hi Amalia,

zu Tschikatilo gibts einen hervorragenden Film (Citizen X), der übrigens fast ganz ohne Gewalt (Tschikatilos) auskommt, aber dennoch derart bedrückend und erschreckend ist, daß es einen noch Tage hinterher schauert.

Ähnlich handhabt es der Kammerspielfilm "Der Totmacher", der mir wochenlang immer wieder hochkam, eine absolute Glanzleistung Georges und der Drehbuchautoren.

In Citizen X bin ich aus Versehen geraten (wegen Sutherland), Georges Haarmann habe ich mir bewußt angesehen. Warum? Weil mich diese Seite des Homo Sapiens sehr fasziniert.
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Benutzeravatar
Claire
Beiträge: 709
Registriert: 07.12.2007, 09:32
Wohnort: Bochum

Re:

von Claire (03.02.2008, 11:35)
Hallo Hakket und ihr Lieben,

das ist wirklich ein interessantes Thema!

Bei mir ist das immer so, dass mir ein Buch oder ein Film immer dann besonders nah geht, wenn gruselige oder brutale Dinge nur angedeutet sind. Wenn dann nämlich mein Kopfkino anfängt, hängt mir ein solches Thema immer noch tagelang nach. Für meine Umwelt ist es dann auch extrem lustig, wenn ich völlig schreckhaft reagiere. Jeder, der mich kennt, weiß dann ganz genau, dass ich mal wieder auf einem "Horrortrip" war (Kommentare dann: Du weißt doch, dass du nur Märchen sehen und lesen sollst!). Ich denke aber, dass da jeder Mensch anders gestrickt ist und man deshalb auch keine allgemeingültige Aussage treffen kann.

LG Claudia
LG Claudia
Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

Versailles
Beiträge: 878
Registriert: 22.05.2007, 21:57

Re:

von Versailles (03.02.2008, 11:40)
nein Amalia, Du bist sicher nicht 'durchtriebener' als andere,
Du stehst halt nur dazu...
jep

Zoba, ich habe mir beide Filme bewusst NICHT angesehen, weil ich genau dieses Gefühl nicht dringend brauche, dass ich nach der Lektüre des Buches hatte.
Danke aber für den Tipp cool5 - es ging mir schon so nach "Der rote Drache" und "Das Schweigen der Lämmer". Da habe ich, als ich aus dem Kino kam, die Bösen hinter jedem Busch hocken gesehen ... brrr, grausig.

LG
Amalia
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"

www.comtesse-heloise.de



Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (03.02.2008, 12:31)
Danke euch allen erstmal für die rege Beteiligung.

Scheinbar haben einige von euch schon irgendwie "Lust" am "Grusel". Das Wort "Grusel" ist vielleicht nicht richitg gewählt - ich meine den klassischen Horror auch nur bedingt, ebenso wie Blut und Splatter - obwohl eben auch.
Ein anderes (filmisches) Beispiel, das mich auch an den Rand des Ertragbaren gebracht hatte, war der Film "Nekromantik" von Buttgereit. Nun, ich will nicht näher auf den Verlauf des Filmes eingehen, muss aber dazu sagen, dass es definitiv kein Horrorfilm ist, sondern eher eine Psychostudie. Der Regisseur geht so weit, dass er das ZEIGT, um was es ihm geht - frei von jeglicher Wertung. (Man nehme den Titel vom Wort her mal auseinander!) Es geht mir gar nicht um die Thematik als solche, sondern um den Mut, etwas zu zeigen, was man nicht zeigen darf, obwohl jedem klar ist, dass es sowas gibt - es könnte schließlich dein Nachbar sein. (Übrigens ist der Film nicht verboten - er hat sogar das Prädikat Wertvoll!!)

Ähnliches wurde hier ja auch schon gesagt. Es bringt wenig - zwecks politischer Korrektheit - den Mantel des Undurchsichtigen über etwas zu decken. Es heißt ja auch nicht mehr "Die Armen" sondern Präkeriat.

Sicher - vordergründiges Gepansche in Gedärmen schockt mich auch eher wenig, teilweise langweilt es mich sogar. Wenn es aber in einer Geschichte verpackt ist, die wirklich böse ist, dann schockt es mich umso mehr (z.B. Buch: "Teuflische Schwester" von John Saul. Film: "Oldboy", "Ichi, der Killer", "A tale of two sisters") Und scheinbar brauchen (viele) Menschen hin und wieder mal ein bisschen "Shocking". Gerade die asiatischen Horrorfilme machen mir wirklich Angst - obwohl da wenig Blut fließt - trotzdem liebe ich sie.

Übrigens: Nein, ich quäle keine Tiere und habe keine Leichen im Keller. Aber irgendwie scheint mein (Autoren)Hirn an der Vorstellung Spaß zu haben ... sich auszudenken, zu was Menschen in der Lage sein KÖNNTEN ...

:shock::

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (03.02.2008, 12:48)
Hi Hakket,

hast du "Kissed" (http://www.imdb.com/title/tt0116783/)gesehen? Da gehts um Nekrophilie und der Film ist eine echte Offenbarung, man beginnt zu verstehen worum es geht, auch wenn man diese Neigung selbst nicht einmal ansatzweise teilt.

Bei den japanischen Filmen verstörender Thematiken hat mich am ehesten noch Oshima beeindruckt, sowohl mit "Im Reich der Sinne", wie vor allem auch mit seinem unvergleichlichen "Merry Christmas Mr. Lawrence".

Warum sollten sich Menschen dem Menschlichen verschließen? Wie ich schon sagte, wir haben mehr als nur eine Seite.
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Versailles
Beiträge: 878
Registriert: 22.05.2007, 21:57

Re:

von Versailles (03.02.2008, 12:55)
Kennt jemand die Anthologie "Tabu" (erschienen im Lerato-Verlag)?
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"

www.comtesse-heloise.de



Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

Melissa
Beiträge: 97
Registriert: 14.12.2007, 15:51

Re:

von Melissa (03.02.2008, 14:15)
[vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Melissa am 18.07.2015, 20:26, insgesamt 1-mal geändert.

Poät

Re:

von Poät (03.02.2008, 14:23)
Was ich eigentlich sagen wollte, hab wohl vergessen die Brücke zur Literatur zu schlagen, ist, daß man in seinen Texten evtl. Klartext reden sollte, um diesem allgemeinen Verschleierungstrend entgegen zu wirken.
Muß natürlich jeder selbst wissen, wie und ob er das bewerkstelligt, sollte nur eine Anregung sein. Bei der Bundeswehr hab ich mal einen Ausdruck gehört, der lautete: Die Waffe wirkt. Gemeint war, daß ich jemanden damit töte. (ich natürlich nicht, als Pazifist)

Benutzeravatar
SandraR
Beiträge: 2674
Registriert: 25.11.2007, 07:17
Wohnort: Moskau

Re:

von SandraR (03.02.2008, 15:32)
Hallo Hakket, die Grenze wuerde ich sagen bildet zweierlei:
1. Die Zielgruppe (sex and crimes sales) allerdings nur in bestimmten Kreisen.
2. Der persoenliche Geschmack.

Ich wuerde sagen, solange ersichtlich ist, dass der Text wenig philosophiert und hart zur Sache geht, ist dies OK! Den der Leser entscheidet. Ich wuerde es dann wohl nicht kaufen, aber tausende anderer Leser kaufen es nur dann:))))).

Ansonsten finde ich, die Grenze zieht in der Kunst nur der Kuenstler, der Verlag und der Kaeufer.

Sandra
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

Benutzeravatar
thomas
Beiträge: 98
Registriert: 29.10.2007, 15:52
Wohnort: Petershagen bei Berlin

Re:

von thomas (04.02.2008, 14:31)
hi,

ich wollte gern nochmal an gottfried benns "morgue" zyklus erinnern, mit "kleine aster" oder "mann und frau gehen durch die krebsbaracke". uns hat das mal ein deutschlehrer, ein sehr engagierter mann den ich sehr schätze, friedrich förster, r.i.p., in der neunten klasse vorgelesen. das war ein echtes schockerlebnis. einige mütter haben sich über ihn beschwert. für mich war das mit fünfzehn der erste kontakt mit expressionistischer lyrik und ich bin ihm dankbar dafür. benn war arzt, wie döblin, und hat die welt so schonungslos beschrieben, wie sie ist. es muss das ja nicht jeder jeden tag lesen, aber ich finde es wichtig, dass auch so etwas geschrieben wird.

Benutzeravatar
Birgit Fabich
Beiträge: 1930
Registriert: 23.10.2007, 11:34
Wohnort: Füchtorf

Re:

von Birgit Fabich (05.02.2008, 14:16)
Hallo,
an PvO: gerade die Beschreibung für den Zimmermann haben mir sehr imponiert, ich bin mit anderen Augen durch die Welt gegangen, habe Bauwerke, selbst einfache Häuse viel genauer und interessierter angesehen.

an Zoba: quäle mich gerade durch die gesammelten Werke des M.d.S.
am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach dem 5. Stellungswechsel innerhalb einer gefühlten halben Stunde denke ich mal, irgendwie sehe ich die tiefere Botschaft hinter den Worten wohl nicht oder der Schreiber hat seine Phantasien, die er sich so sehr wünscht aufgeschrieben, es turnt mich nicht an, weder die Wechsel noch die anderen Ansichten

Inhalt und Form sollte eine Einheit ergeben, wenn es stilistisches Mittel ist, etwas ausführlich zu beschreiben egal ob (Amalia) Schlafzimmer oder Schlachtbank, wenn es schlüssig ist, dann entscheidet der Leser nur, ob er es verkraften möchte oder nicht, aber wenn es nur spladdert, um zu spladdern und weil es gerade in ist, dann würde ich für mich entscheiden "Thema und Ausführung verfehlt"= dieses Buch zu, lieber etwas anderes lesen- geht einem ja auch bei anderen Themen so, Vergeudung von Lebenszeit.
Aber wie schön ist es, dass es für jeden Geschmack etwas passendes gibt und warum auch nicht einmal selbst seine Schreibgrenzen überschreiten, um sich auszuprobieren. Es muß ja nicht alles für die Lesewelt sein.
Gruß
Birgit

Zurück zu „Textakademie“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.