Grenzen - ja oder nein?

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Zoba
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Re:

von Zoba (05.02.2008, 14:48)
Hi Birgit,

nun ja, wenn das dazu passende Kopfkino fehlt, liest sich auch King äußerst lau cheezygrin
Gruß,

Zoba

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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (05.02.2008, 15:51)
Hallo Zoba,
nicht das fehlende Kopfkino ist das Problem,
sondern die Aneinanderreihung der Ereignisse,
sozusagen das Springen von einem Höhepunkt zum Nächsten
ohne einen erneuten (sinnvollen) Aufbau von Spannung.
Ich bin zwar noch nie eine Leuchtturmtreppe hochgerannt, aber ich könnte mir vorstellen, dass die, die oben angekommen sind nicht gleich den nächsten Leuchtturm erklimmen, aber ich mag mich natürlich auch irren.
Gruß Birgit

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Zoba
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Re:

von Zoba (05.02.2008, 17:08)
Hi Birgit,

liest du das Original oder eine Übersetzung von "Justine"? Eine Zusammenfassung oder eine der weniger gekürzten Versionen?

Ich fand die Geschichte eigentlich recht kurzweilig, vor allem wenn man die Zeitläufte und De Sades Hintergrund miteinbezog.
Gruß,



Zoba



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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (06.02.2008, 10:22)
Hallo,
es scheint irgendwie nicht weiter zu gehen.....
schade

Meine Idee für Amalia: Du hättes ruhig noch weiter mitgehen dürfen, es hätte vom Ganzen, dem Umfeld, der Geschichte drumherum sehr gut gepasst.

Wenn jemand eine 'blutdürstige' Szene gestaltet und technische "Unsinnigkeiten" einbaut, die man auf den zweiten Blick auch als solche erkennt, finde ich es schlecht. Man liest und bemerkt nur, dass etwas nicht passt, vielleicht nicht sofort aber es gibt so einen schalen Geschmack. Ist mir bei einer eigenen Geschichte passiert. Ich merkte während der Lesung und beim Gespräch mit anderen, dass meine Mordwaffe ungeeinet war, also habe ich nach einer anderen, sogar viel besseren gesucht und gefunden und siehe da, es klappte. Sonst vergleicht man es mit einem schnell produzierten Heftchen, in dem auch schon mal ganze Textpassagen wiederholt werden.

Ich bin auch heute der Meinung, die Verhältnismäßigkeit muß stimmen, damit sich der Leser nicht veräppelt vorkommt.
Wenn ich über eine Sache keine oder ungenügend Ahnung habe, brauche ich eben eine Expertenmeinung. Zumindest sollte hinterher ein Experte prüfen, ob es stimmt, damit nicht wie in den allseits beliebten Arztserien auf einmal die Blutgruppe B positiv als Universalspende verabreicht wird...und der Patient ohne Probleme überlebt.

Auf der anderen Seite gibt es Hitchkok, wenn ich an den dramaturgischen Spannungsaufbau denke im Film "Die Vögel", da muß nicht viel gesagt werden und die Romanvorlagen von Daphne du Maurier sind da schon nicht schlecht.

Wie sagte schon der alte Quindt: es ist ein weites Feld.

Gruß Birgit

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (07.02.2008, 12:19)
Um noch einmal ein Beispiel für doch recht grenzüberschreitende Geschichten in den Raum zu werfen - auch wenn es wieder nur Filme sind (obwohl sie wahrscheinlich auch als Bücher funktioniert hätten):
"Bennys Video" und "Funny Games" von Michael Haneke. Vielleicht kennt hwg ihn, er ist glaube ich Österreicher.

Oder literarisch: Habe ich gerade ausgelesen: "Die Insel" von Richard Laymon. Zugegeben, nicht gerade literarisch anspruchsvoll, relativ flach, aber ein absoluter Pagetuner und schon recht grenzüberschreitend. Das Ende setzt dem Ganzen noch die Krone auf (die letzten drei (!) Sätze), man kriegt sich vor bösem Grinsen kaum ein ...

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (08.02.2008, 12:49)
Ich bin da eher der sensibele Typ. Ich schreibe so, dass,
wenn ich es selbst lese, gut ertragen kann. Dann passt es
schon. :wink:

Ich beschreibe die Szenen so, dass jeder versteht was gemeint ist,
ohne das man gleich Ekel, Lustgefühle oder Lachkrämpfe bekommt.

Gewalt lehne ich ohnehin ab, also kann ich auch schlecht darüber
zu deutlich schreiben.
Sexszenen deute ich zart an.

Meine Devise: Immer dezent ausdrücken und dennoch Spannung.
Es sei denn, ich schreibe eine wirklich humoristische Geschichte. Da darf
man sich von mir aus auch totlachen.

Jeder entwickelt seinen eigenen Stil und geht kaum davon ab. Wenn doch,
wirkt es nicht mehr echt. cool5


LG, Rita

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (08.02.2008, 13:26)
Hi Hakket!

Also, Funny Games fand ich zu heftig - mir persönlich.
Aber doofer- und schönerweise kann ich ein Buch schneller weglegen als einen Film ausstellen, vor allem in Gesellschaft... Also, mir sind vor allem visuelle Eindrücke als negativ in Erinnerung geblieben; literarisch... Ok, de Sade ist auch echt strange meiner Ansicht nach, aber den hab ich auch nie zu Ende gelesen...

Kunst ist frei, solange Minderjährige geschützt werden und sonst keine gesetzlichen Regelungen verletzt werden... Hm, ok, wie frei ist Kunst wirklich...? Das alte Thema: Wieviel "Schutz" braucht der Mensch? Wer setzt Maßstäbe?
Mönsch, einfach schwierig diese Grenzfälle ;-))) grübel dozey:

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.02.2008, 13:38)
@ Rita:

Wahrscheinlich behandeln wir auch unterschiedliche Themen. Ich bezweifel, dass meine Geschichten besonders einfallsreich sind, man kennt sie so oder so ähnlich ohnehin :cry: .
Aber ich versuche eben, Szenen und den Aufbau nach den gängigen Klischees zu beschreiben, damit sich der Leser in Sicherheit wiegt, um ihm dann urplötzlich (im übertragenen Sinne) das Genick zu brechen. Ich lasse den Leser gerne Grinsen (u.a. vor Schadenfreude) und stopfe ihnen dann das Lachen zurück in den Hals ... blink3 . Ich will Emotionen wecken. Und da meine Geschichten meistens "böse" sind (und kein Happyend haben), kann ich das meist nur über negative Gefühle. Wenn in einer Rezension jemand schreibt, dass er den Typen (in der Geschichte) hätte "erwürgen" können, habe ich erreicht, was ich wollte.
Gewalt in der Realität lehne ich auch strikt ab. Aber das Schreiben erlaubt es mir, es anders zu machen.

Achtung - Werbung cheezygrin : Dieses Jahr werde ich "Machen Sie Ihre Einsätze" veröffentlichen. Ich habe versucht, eine nahezu perfekte Familie zu erschaffen, die man einfach gern haben muss - vor allem die süße Tochter - und zerstöre (mit Genuss?) langsam aber sicher diese Idylle. Dabei muss ich versuchen, auch über meine eigenen Grenzen des Erträglichen zu kommen. Blut und Gewalt spielt dabei gar keine Rolle, es geht vielmehr darum, den Leser bei seinem Herz zu packen und es nach und nach zu zerquetschen. ICH WILL, DASS DER LESER HEULT.
Ich möchte, dass der Leser nach Beendigung meiner Bücher wie vor den Kopf geschlagen ist und ihm die Worte fehlen. Ich will nicht, dass der Leser am Ende sagt: "Ach, wie schön", sondern "Mann, wie gemein."

Ja ich weiß - ich bin gemein ...

Gruß
Hakket

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.02.2008, 13:43)
@ skripteuse:
Ja, Fanny Games ist schon harter Tobak, obwohl er eigentlich völlig ohne Blut auskommt. Aber gerade die Kamereeinstellung ziemlich am Ende, in der die Mutter einfach nur dasitzt, in genau das, was ich meine. Die "Härte", die "Brutalität" entsteht im Kopf des Zuschauers. Und die beiden Verrückten sind so genjal (umgesetzt) worden, das mir das Messer in der Hose aufging. Aber diese Gefühle beim Zusachauer zu wecken, auch wenn es negative sind, ist große Kunst .... blink3 .

Bennys Viedeo ist fast noch heftiger, vor allem der Anfang - absolut kaltschnäuzig.

Natürlich, Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden. Ganz klar. Obwohl das auch wieder schwierig ist, manchmal fehlt einfach der Vernünftige Umgang mit solchen Sachen. Aufklärung bringt manchmal mehr als die Augen zumachen.

:twisted: Hakket

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (08.02.2008, 14:29)
Hallo Hakket,

ich finde es o.k. was und wie du schreibst. Ich werde bestimmt dein Buch "Machen Sie Ihre Einsätze" lesen. Ich lese gerne aufregende, hinterhältige, spannende Geschichten, obwohl die mich dann tagelang verfolgen.
Wenn ich es selbst schreiben soll, muss ich passen.

Ich kann auch nicht nach einem gelesenen Buch sofort ein nächstes lesen. Ich brauche einige Tage zum Verdauen.


LG, Rita

hwg
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Re:

von hwg (09.02.2008, 08:58)
Hallo Hakket!
Ich bin zwar kein Kinogeher, aber Haneke ist wohl jedem Filmfan, aber auch Zeitungsleser und vor allem an Kultur Interessierten ein Begriff.
Ich habe mir im TV etliche Haneke-Filme angeguckt.

Für mich gibt es in der Literatur keine Grenzen. Als Leser nicht - und für einen Schreiber sollte es sie - zumindest im Kopf - ohnehin nicht geben. Wenn Grenzen, was immer man darunter verstehen mag, "überschritten" werden, sollte der Autor allerdings das Genre "beherrschen" und dabei abwägen, was er dem Leser zumuten möchte.

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Adriana
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Täterperspektive

von Adriana (28.02.2008, 17:07)
Wo jetzt gerade die Diskussion um den Holocaust-Roman von Jonathan Littell hochkocht, stell ich mir die Frage, wie legitim es ist, so eine Geschichte ungefiltert aus der Sicht des Täters zu erzählen.
Werden dadurch die Verbrechen verherrlicht, verharmlos oder glattgebügelt (für die SS-Typen war es ja ganz normal, schnell ein paar Juden vor der Mittagspause zu vergasen)? Oder wirkt es - ganz im Gegenteil - noch abschreckender durch die "kaltschnäuzige" Erzählweise?

Ich hab das Buch nicht gelesen - aber vor längerer Zeit mal "Der Tod ist mein Beruf". Robert Merle hat ja was Ähnliches gewagt (auch wenn seine Hauptfigur nicht fiktiv ist) und sein Buch ist mir damals richtig an die Nieren gegangen.

Aber könnte so eine Holocaust-Geschichte, Serienkiller-Krimi o.ä. aus Sicht des Täters unter Umständen auch das Gegenteil erreichen? Seht ihr hier "Grenzen"? Wäre es z.B. ratsam, die Täterperspektive ab und zu aufzubrechen (z.B. durch einen zweiten Ich-Erzähler oder einen anderen Blickwinkel), damit es nicht so ungefiltert rüberkommt?
Oder hängt die Wirkung einzig und allein vom Können des Schriftstellers ab?
:shock::
Bin gespannt, was ihr dazu meint ...

Weasel

Re:

von Weasel (28.02.2008, 17:14)
mhh, schwierige Frage. Ich glaube ähnliche Diskussionen gab es auch damals wegen Schlinks "Vorleser". Dort wurde die NS-Täterin Hannah einigen Kritikern nach zu menschlich dargestellt.

Ich denke, man darf eine Geschichte schreiben wie man will, ab und zu täte aber ein Schlusswort ganz gut, in dem man seine Absichten erklärt. Denn nicht jeder Leser ist unbedingt intelligent genug, um die Absichten des Autors zu erkennen und könnte dem Buch somit etwas falsches abgewinnen.

Liebe Grüße Weasel

frangsen
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Re:

von frangsen (28.02.2008, 18:33)
Hallo Weasel,

das mit dem Nachwort halte ich für wenig geeignet. Bücher können nun einmal ein Eigenleben führen - bis dahin, dass sie den Autor bloßstellen oder dass sie das Gegenteil erzeugen können von dem, was er eigentlich will - Eigenleben eben. Das ist das Autorenrisiko - und es ist seine Kunst, es zu schaffen, missverständliche Angriffsflächen entweder zu vermeiden oder zu produzieren, je nachdem, was er will.

zur eigentl. Frage:
Es kommt meines Erachtens auf die Legitimität des Zwecks an. Wenn ich Sex oder Gewalt darstellen will, um mich daran zu ergötzen, gehören die Darstellungen auf den Index. Stelle ich sie in einen bestimmten Zusammenhang, um einen legitimen Zweck auszudrücken, ist es etwas anderes (zB Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan).
@Adriana:
Letzteres gilt meines Erachtens auch für die Absicht, darzustellen, dass Kultur nicht vor Unmenschlichkeit schütze, was ja wohl Littells Motivation war.

VGe
Frank

hwg
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Re:

von hwg (29.02.2008, 09:31)
Wenn ein Romanautor seinen Text "erklären" muss, hat er die ursprüngliche Arbeit nicht gemeistert. Denke ich jedenfalls.

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