Handlungsmuster: die gemeinsamen Nenner

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Siegfried
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Handlungsmuster: die gemeinsamen Nenner

von Siegfried (25.07.2008, 16:46)
Hi!

Um es gleich vorweg zu sagen:

Wer von Schreib-Theorien nichts hält, sollte nachfolgenden Text nicht lesen.
Wer meint, die nachfolgende Darstellung klingt "oberlehrerhaft", sollte nicht weiterlesen
Wer experimentelle oder artifizielle Texte schreibt, für den dürfte das hier auch nichts sein - hier geht es um simple unterhaltende Literatur
Wer meint, ein wahrer Künstler braucht nichts außer der eigenen Inspiration, der sollte spätestens jetzt aussteigen


Alle anderen sind herzlich willkommen und eingeladen, über die gemeinsamen Nenner aller möglichen Handlungsmuster zu diskutieren.


Die Rede ist also von Handlungsmustern, vom Ablauf eines Geschehens mit all seinen Ursachen und Wirkungen. Es geht darum, wie eine Handlung in Gang kommt, welche Struktur sich hinter diesen Mustern verbirgt und welche Gefahren.

Bestimmte Dinge tauchen in allen Handlungsmustern auf, egal welche treibende Kraft sich in der erzählten Geschichte verbirgt. Das kann die Rache sein, die Verfolgung, die Suche, das Geheimnis, das Rätsel und noch viele andere mehr. Es gibt aber einiges, was alle Handlungsmuster gemein haben. Davon soll hier die Rede sein.


Gemeinsamer Nenner #1:
Ohne Spannung gibt es keine interessante Handlung

Das soll mit einem Beispiel gezeigt werden:

Junge trifft Mädchen.
Junge bittet Mädchen, ihn zu heiraten.
Mädchen sagt ja.
Ende


Interessante Handlung? Ich denke, nein.
Neuer Versuch:

Junge trifft Mädchen.
Junge bittet Mädchen, ihn zu heiraten.
Mädchen sagt nein.
Junge fragt: "Warum nicht?"
Mädchen sagt: "Weil du Alkoholiker bist."


Was wird er als nächstes tun? Die Ablehnung (Ursache) führt zu einer Reaktion des Jungen (Wirkung). Wenn also einem Wunsch oder einer Absicht sich etwas in den Weg stellt, entsteht Spannung.


Gemeinsamer Nenner #2:
Spannung wird durch Gegensätze aufgebaut

In einer spannenden Handlung treten zwei Pole gegeneinander an. Das eine ist der Protagonist, das andere der Antagonist. Das müssen nicht zwingend zwei Menschen bzw. Lebewesen sein, das kann sich im Inneren eines Menschen abspielen oder im Kampf eines Menschen gegen äußere Einflüsse, wie etwa der Natur. Wichtig ist nur, dass diese beiden Pole so entgegengesetzte Interessen haben, dass sie sich gegenseitig blockieren.

Im Beispiel Junge-Mädchen stellt sich die Frage, warum der Junge trinkt. Vielleicht ein innerer Konflikt, vielleicht die sozialen Umstände. Wie wird der Junge den Konflikt "trinken versus nicht trinken" lösen?

Gemeinsamer Nenner #3:
Spannung wächst, wenn die Gegensätze sich verschärfen

Dies bedeutet, dass dem Protagonist der Handlung sich immer mehr Hindernisse in den Weg stellen. Und mit der Lösung der einen gestellten Aufgabe löst der Protagonist die nächste, noch schwierigere Aufgabe aus.

In der Junge-Mädchen-Geschichte reicht es nicht, wenn der Junge nach Ablehnung seines Heiratsantrages zu den Anonymen Alkoholikern geht und ein halbes Jahr später doch sein Mädchen bekommt. Sein Entschluss, zu den AA zu gehen, muss für ihn negative Folgen haben (Ursache und Wirkung).

Gemeinsamer Nenner #4:
Die Hauptfigur ändert sich im Laufe der Geschichte

Die Ereignisse der Handlung schlagen auf den Protagonisten zurück und führen zu einer Selbsterkenntnis. Figuren, wo dies nicht geschieht, geraten flach und statisch.

Bei der Junge-Mädchen-Geschichte bedeutet dies, dass der Junge zur Selbsterkenntnis gelangt, vom Alkohol abhängig zu sein und seine Sucht mit Hilfe anderer überwinden kann - oder er merkt, dass er durch den Alkohol dem Untergang geweiht ist. In beiden Fällen nimmt sich der Junge anders wahr als zu Beginn der Erzählung.

Gemeinsamer Nenner #5:
Es passiert nur Wichtiges

Viele Autoren sind fasziniert davon, wenn die Figuren ein Eigenleben entwickeln und sich die Geschichte in eine Richtung bewegt, die vorher so nicht geplant war. Über solche Wanderungen jammerte Dostojewski, er sei nicht mehr Herr seines Schreibens und seinen Werken mangele es an Proportion und Harmonie. Die heutige massenkompatible Literatur ist da noch viel restrikitver. Der Leser verlangt vom Buch, dass es zur Sache kommt und auch dabei bleibt.

Trägt eine Szene positiv zur stringenten Handlung bei, bleibt sie erhalten. Ansonsten kann man sie - wenn auch mit blutendem Herzen - aus dem Manuskript entfernen (oder wie mal jemand sagte: "Kunst enthält nichts Überflüssiges"). Nichts darf zufällig sein, denn die Welt im Text ist um ein Vielfaches strukturierter und ordentlicher als die Realität.

Gemeinsamer Nenner #6:
Das ursächliche Element muss wie ein Zufall aussehen

Alles, was in einem Roman geschieht, basiert auf Ursache und Wirkung, wobei die Wirkung wieder zu einer Ursache wird. Die Ursachen dürfen aber nicht wie mit einem Zaunpfahl angekündigt werden. Wenn etwas Relevantes im zweiten Viertel der Handlung geschehen soll, dann muss es bereits im ersten Viertel wie zufällig angekündigt werden. Wenn die kausale Realität, also die Abhängigkeit von Handlung, Dialog und Beschreibung, wie zufällig wirkt, dann nimmt der Leser das Geschriebene für wahr.

Gemeinsamer Nenner #7:
Es gibt keine Glücks- oder Zufallstreffer

Anders als in der realen Welt hat in der erdachten Welt alles einen erkennbaren Grund. Wenn etwas in einem Roman geschieht, dann muss irgendwann dem Leser mitgeteilt werden, warum es geschehen ist (damit ist nicht das Anzünden einer Zigarette gemeint, sondern relevante Dinge, wenn etwa ein besonderer Gegenstand "zufällig" gefunden wird oder Personen spurlos verschwinden). Die alten Griechen kannten den Kunstgriff des "deus ex machina", wo in einem Drama an entscheidender Stelle ein Gott vom Olymp herab schwebte und alle Probleme per göttlicher Order entschied. So etwas ist heute undenkbar. Der plötzlich auf dem Polizeirevier sitzende Augenzeuge, 30 Seiten vor Romanende, das empfindet der Leser als absurd. Die Auflösung aller Konflikte der Handlung muss sich durch das Geschehen ergeben, nicht durch Zufall.

Gemeinsamer Nenner #8:
Die Hauptfigur ist die Hauptfigur

Wird die Handlung mit Schwierigkeiten für die Hauptfigur gespickt und läuft auf den Höhepunkt zu, wo alle gestellten Probleme gelöst werden, dann muss es die Hauptfigur sein, die den Höhepunkt der Handlung beherrscht. Nicht der Antagonist, nicht eine Nebenfigr beherrscht im Moment des Handlungshöhepunktes die Szenerie, sondern die Hauptfigur. Und dabei ist es unerheblich, ob es ein positives oder negatives Ende nimmt mit der Hauptfigur. Wenn der Bösewicht am Ende siegt, dann geschieht das aus Sicht der Hauptfigur.


Das war's. In Kürze stelle ich das Handlungsmuster "Rache" vor. Wie funktioniert eine Rache-Geschichte? Was für Voraussetzungen müssen bei einer Rache-Geschichte gegeben sein? Wo liegen die Gefahren für den Autor einer Rache-Geschichte?

Grüße
Siegfried

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (25.07.2008, 18:01)
Hallo Siegfried!

Hierzu habe ich eine Frage:

Gemeinsamer Nenner #8:
Die Hauptfigur ist die Hauptfigur

Wird die Handlung mit Schwierigkeiten für die Hauptfigur gespickt und läuft auf den Höhepunkt zu, wo alle gestellten Probleme gelöst werden, dann muss es die Hauptfigur sein, die den Höhepunkt der Handlung beherrscht. Nicht der Antagonist, nicht eine Nebenfigr beherrscht im Moment des Handlungshöhepunktes die Szenerie, sondern die Hauptfigur. Und dabei ist es unerheblich, ob es ein positives oder negatives Ende nimmt mit der Hauptfigur. Wenn der Bösewicht am Ende siegt, dann geschieht das aus Sicht der Hauptfigur.


Ich schreibe an einem Roman in dem am Anfang mein Held allein ist. Er hat aber seine schwierige Lebenssituation schon als Antagonisten.

Mein Held kämpft beharrlich und unbeirrbar den ganzen Roman hindurch für eine große Lebensvision.

Irgendwann trifft er seine Heldin (die sich im Laufe der Zeit als weiterer Antagonist entpuppt). Als nächstes gesellen sich Nebenrollen hinzu, die eine Weile scheinbar als Mitläufer des Prot agieren, bis sich herausschält, dass sie längst verkappte Gegenspieler der Hauptfigur sind und diese demontieren wollen.

Eine andere unspektakulöre Nebenrolle durchschaut die Antagonisten, sieht Unheil kommen, kann es aber nicht verhindern und kämpft verbissen, fast unbemerkt an der Seite des Protagonisten. Mein Held gerät in etliche Krisen, aus denen er aber immer wieder herausfindet. Eines Tages stirbt mein Held auf bemerkenswerte Weise.

Nun tritt die scheinbar kraftlose Nebenrolle aus dem Schatten der Hauptfigur und wächst über sich hinaus, übernimmt die Rolle des eigentlichen Prot und führt seinen Willen erfolgreich zu Ende, indem er die Antagonisten entlarvt und .....

Soweit die Handlung.

In dieser Geschichte, kämpft mein Held ohne seinen verdienten Sieg zu erringen. Eine Nebenfigur wird zur Haupfigur und macht den Weg frei für die Vision des Prot., die er aber nicht mehr Umsetzen kann. Somit ist es doch möglich, dass nicht die Hauptfigur auf dem Höhepunkt der Story den Knoten auflöst, sondern eine Nebenfigur?

LG Grete

Der Meinige
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Re:

von Der Meinige (25.07.2008, 18:03)
Ich stimme weitgehend mit dir überein und wenn deine Tipps auch nur von einigen befolgt werden, hat sich die „Aufklärungsarbeit“ bereits gelohnt. Schließlich lernt man Schreiben durch book:

Gemeinsamer Nenner #1:
Ohne Spannung gibt es keine interessante Handlung


Das Schöne an diesem Argument ist, dass man es sogar ins Gegenteil verkehren kann und es trotzdem noch stimmt: Ohne eine interessante Handlung gibt es keine Spannung.
Bei manchen langatmigen und nichtssagenden Textanfängen (Stichwort: Wetterbericht) erweckt das den Eindruck, als habe das Schätzchen (Verfasser) Angst, überhaupt zur Sache (Handlung) zu kommen.

Gemeinsamer Nenner #2:
Spannung wird durch Gegensätze aufgebaut


Hier würde ich – wie auch bei deinem 3. Argument - eher den Begriff Konflikt bevorzugen.

Gemeinsamer Nenner #4:
Die Hauptfigur ändert sich im Laufe der Geschichte


Das sehe ich eigentlich nicht als Notwendigkeit an. Bei deinem Beispiel liefe es auf einen moralisch erhobenen Zeigefinger hinaus.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (25.07.2008, 18:24)
g.c.roth (Moderator) hat geschrieben:
In dieser Geschichte, kämpft mein Held ohne seinen verdienten Sieg zu erringen. Eine Nebenfigur wird zur Haupfigur und macht den Weg frei für die Vision des Prot., die er aber nicht mehr Umsetzen kann. Somit ist es doch möglich, dass nicht die Hauptfigur auf dem Höhepunkt der Story den Knoten auflöst, sondern eine Nebenfigur?


Wenn ich ganz böse wär, dann würde ich sagen: Das ist Betrug am Leser! cheezygrin

Nein, betrachten wir diese Konstellation mal von der anderen Seite, von der des Lesers:

Ich beginne, dein Buch zu lesen. Da geht es um eine Hauptfigur, die um eine ganz individuelle Lebensart kämpft und Probleme um Probleme zur Seite schaffen muss. Ich als Leser fühle mit dieser Figur, leide mit ihr, bewundere sie, jubele über jeden Erfolg, trauere bei jeder Niederlage und hoffe mit jeder Seite, die ich lese, dass diese Figur ihr Ziel erreicht. Dann taucht da eine andere Figur auf, übernimmt das Ziel der Hauptfigur und diese ehemalige Nebenfigur erreicht all das, wofür die ursprüngliche Hauptfigur gekämpft und gelitten hat. ich weiß nicht, wie ich als Leser darauf reagieren würde.

Vor einigen Jahren habe ich mal ein Buch gelesen, das ein ähnliches Dilemma enthält. Es handelt sich um den Roman "Der Meister des Siebten Siegels" von Johannes Soyener und Wolfram zu Mondfeld. Die Geschichte spielt im 16.Jahrhundert und dreht sich um Adam Dreyling, einem Tiroler Kanonengießers, der nach vielen Abenteuern nach England kommt und mit seinen Kanonen entscheidenden Anteil am Sieg der Engländer über die Spanische Armada hat. Das Buch ist in Ich-Form geschrieben, und am Ende, 60 Seiten vor Schluss, wird der Ich-Erzähler umgebracht. Danach übernimmt eine andere Romanfigur den Erzähler. ich weiß noch, dass ich mich damals maßlos über diesen Wechsel geärgert habe und das Gefühl hatte, diese Ende hätte den ganzen Roman kaputt gemacht.

Was ich damit sagen will:
Du musst dich nicht sklavisch an diese Regeln halten - aber du läufst mit dem Wechsel der Hauptfigur großes Risiko, am Ende den Leser zu verlieren.

Grüße
Siegfried

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (25.07.2008, 18:41)
Der Meinige hat geschrieben:
Gemeinsamer Nenner #4:
Die Hauptfigur ändert sich im Laufe der Geschichte


Das sehe ich eigentlich nicht als Notwendigkeit an. Bei deinem Beispiel liefe es auf einen moralisch erhobenen Zeigefinger hinaus.


Ob es ein moralischer Zeigefinger ist, wenn man seine eigenen Schwächen erkennt, das kann ich nicht sagen.

Eigentlich sollte dieser Punkt mehr in die Richtung gehen, dass alles Geschehen in einem Buch sich irgendwie auf die Psyche der Hauptfigur auswirkt. Vielleicht kennst du den Film "Eine verhängnisvolle Affäre" mit Michael Douglas und Glenn Close. Der Film ist enorm spannend, leidet aber am Ende darunter, dass die Michael-Douglas-Figur keine psychischen oder moralischen Konsequenzen ziehen muss.

Wer den Film nicht kennt:

Michael Douglas (MD) - verheiratet und als Anwalt beruflich erfolgreich - nutzt die Abwesenheit seiner Frau zu einen One-Night-Stand mit einer anderen Frau (Glenn Close GC). Als MD sich am nächsten Morgen verabschieden will, rastet GC aus und schneidet sich die Pulsadern auf.
GC wird gerettet, dringt in den Folgetagen immer weiter in das Leben von MD ein: Briefe, Telefonanrufe, Überraschungsbesuche. MD lässt sie abblitzen, und dadurch werden die Aktionen von GC immer feindseliger. MD begreift, dass seine Ehe auf dem Spiel steht, und tut alles, um die Situation zu bereinigen. GC steigert den Terror und tötet das Kaninchen von MD. MD begreift, dass nun auch seine Familie bedroht ist. GC entführt das Kind von MD, dessen Frau daraufhin in Panik einen schweren Verkehrsunfall verursacht.
GC dringt in das Haus von MD ein und versucht, die Ehefrau zu töten. Es kommt zum finalen Konflikt, wo MD GC tötet.

Wie sieht die Figur des MD aus? Ist sie tiefgründig oder doch eher flach und statisch? Wäre die Geschichte besser, wenn wir einen Wandel in der Psyche von MD erleben könnten - zumindest müsste er sich schuldig fühlen, weil durch seinen One-Night-Stand das Wohl seiner ganzen Familie aufs Spiel gesetzt hat. Davon ist im Film jedoch so gut wie nichts zu sehen, weil die Handlung nahezu ausschließlich die Spannungsmomente nutzt.

Es geht nicht um eine moralische Bewertung der Hauptfigur in Richtung Leser (oder hier Zuschauer), sondern um einen Wandel im Charakter. Deshalb sehe ich das mit dem moralischen Zeigefinger nicht so unbedingt.

Vgl. dazu auch die Hauptfiguren im "Herrn der Ringe". Wie verändern sich über die Handlung z. B. Frodo oder Aragorn. Sind sie am Ende die selben Charaktere wie zu Beginn?

Grüße
Siegfried

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Zoba
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Re:

von Zoba (25.07.2008, 18:55)
Hi,

von mir wirst du keine Widerrede dazu hören, daß eine Geschichte bestimmte Kriterien erfüllen sollte, um gerne gelesen zu werden.

Deine Nenner sind jedoch etwas unvollständig, so ergibt sich die Kritik an #4 eigentlich nur daraus, daß der Nenner #xyz fehlt, der das Gegenteil besagt, nämlich daß eine Situation sich ändert statt der Figur.

Es hängt von der Art der Geschichte ab, was geschieht und was nötig ist. Ein Wandel des Charakters ist nun mal nicht zwingend für eine gute Story. Bruce Willis ist in der genialen Story "Die Hard" am Ende nicht anders als am Anfang (er bleibt sich treu), aber was er getan hat, hat die Umstände, die Situation geändert (er hat u.A. die Pläne von Alan Rickman über den Haufen geworfen und so nebenher einen Wolkenkratzer fast eingeebnet). Und es gibt sicher keinen, der diesem Film, dieser Story unterstellt, er hätte das Publikum nicht völlig fasziniert und in seinem Bann gehalten cheezygrin

Keine Geschichte muß alle "Nenner" (oder besser Plots und Plotmittel?) erfüllen, einige wenige reichen oft schon aus.
Gruß,

Zoba

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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (25.07.2008, 18:58)
Hallo,
als Leser fühle mit dieser Figur, leide mit ihr, bewundere sie, jubele über jeden Erfolg, trauere bei jeder Niederlage und hoffe mit jeder Seite, die ich lese, dass diese Figur ihr Ziel erreicht. Dann taucht da eine andere Figur auf, übernimmt das Ziel der Hauptfigur und diese ehemalige Nebenfigur erreicht all das, wofür die ursprüngliche Hauptfigur gekämpft und gelitten hat



Es ist so, dass diese Nebenfigur über eine lange Strecke mit dem Protagonisten mitleidet und kämpft. Es ist keine fremde Figur, die plötzlich alles an sich reißt, sondern sie holt sich schon im Vorfeld einige Sympathien durch verschiedene Aktionen beim Leser ab. Sie nimmt den Sieg am Ende auch nicht für sich, denn ihre Motivation liegt nicht darin, die Lorbeeren des Prot zu kassieren, sondern ihm posthum Gerechtigkeit zukommen zu lassen.
Der Leser kennt also diese Nebenfigur und kennt auch seine Gedanken und seinen zögerlich-ängstlichen aber loyalen Charakter - der im schlimmsten Augenblick: dem Tod des Protagonisten - seine Ängste überwindet, weil er nichts mehr zu verlieren hat und damit die Möglichkeit erreicht, dem Unrecht erfolgreich die Stirn zu bieten.


Aber ja! Es ist natürlich frustrierend, wenn der Sieg nicht dem zukommt, der ihn eigentlich verdient hätte. Das empfinde ich genauso. Aber ich fürchte, da ich keinen Fantasyroman schreibe, kann ich den Prot nicht wiederbeleben und der Leser muss mit dieser Ungerechtigkeit - die aus dem Versuch, Gerechtigkeit herzustellen resultiert - leben müssen. cool1

LG Grete

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