Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (22.02.2011, 01:00)
wgbajohr hat geschrieben:
Hallo Thomas!

Sehr gut! Natürlich hast Du in dem Punkt völlig recht. Bist Du vielleicht ein Sprachwissenschaftler?

Hallo Wolf-Gero,
das wäre ich gern. Dann wüsste ich endlich was ein Klumpendoktor war.
cheezygrin
Tut mir Leid Leute, aber die Frage nehme ich wohl mit ...
ins Grabb, wie wir anner Ruhr sagen.
Gruß
Thomas

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (22.02.2011, 01:32)
Guten Morgen, Uwe!

Es wird gesagt, dass es zwischen zwei Menschen, die in vielen Punkten übereinstimmen, keine richtige Diskussion geben kann. Ich gehe davon aus, dass in dieser Aussage nicht nur ein Körnchen Wahrheit liegt, sondern ein prächtiges ausgewachsenes Korn. Ist das nun ein Grund, traurig zu sein, weil es voraussichtlich zu keiner aufwühlenden Diskussion kommen wird? – Ich finde nicht. Denn selbst für den, der augenscheinlich auch härteste, aber sachlich geführte Diskussionen zu schätzen weiß, kommt irgendwann der Punkt, an dem es einfach angenehm ist, einmal in etwas größerem Umfang auf Zustimmung zu treffen. Genau das trifft im Augenblick auf mich zu, sodass ich auf keinen Fall versäumen möchte, Dir für Deine Zeilen zu danken.

Aus Deinem Beitrag picke ich einmal zwei Gedanken heraus, die auch bei mir auftauchten und mich dazu brachten, noch intensiver darüber nachzudenken, um vielleicht zu einer Lösung zu kommen, zumindest einer theoretischen.

Goetkowski hat geschrieben:
Ich behaupte, dass der Mensch prinzipiell sehr einfach gestrickt ist und sich an diesem Strickmuster seit Urzeiten nicht viel bis gar nichts geändert hat. Es gibt keinen modernen oder zivilisierten Menschen, da diese Begriffe eine Evolution vorgaukeln, die ganz einfach nicht stattgefunden hat.


Glauben wir Aufzeichnungen der Sumerer, dann wurden die Menschen entwickelt, um den Göttern als Sklaven zu dienen. Zu diesem Zweck wurden dem Menschen die für die Sklavenarbeit erforderlichen Eigenschaften mitgegeben. Diese Eigenschaften beherrschen uns noch heute.

Goetkowski hat geschrieben:
Eine derart homogene Masse ist von den Machthabenden leicht auszurechnen, und der Status des Einzelnen in der jeweiligen gesellschaftlichen Hierarchie/Staatsform spielt da lediglich eine untergeordnete, ja, praktisch zu vernachlässigende Rolle.


An dieser Stelle fällt das bereits sehr alte, aber nichtsdestoweniger erprobte Herrschaftsprinzip »Brot und Spiele« auf. Obwohl inzwischen eigentlich jeder die Wirkungsweise kennen sollte, lassen sich sehr viele, vermutlich sogar die meisten, von diesem Herrschaftsprinzip überrumpeln.


Deinen Zeilen entnehme ich, dass Alkohol und Rauschgift Deinen Weg entscheidend beeinflusst haben. Aus der Beobachtung, dass Du über Deine Probleme nachdenken und schreiben kannst, schließe ich, dass Du auf dem Weg der Besserung bist. Wenn es auch keine Heilung geben soll, so ist der Zustand, den man erreichen kann, doch so, dass er ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Für diesen Weg wünsche ich Dir alles Gute.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (22.02.2011, 01:38)
SandraR hat geschrieben:
Zu Gero, etwas hat sein Buch doch schon mal bewirkt, eine interessante Diskussion thumbbup


Guten Morgen, Sandra!

Als ich Deine Zeile las, schaute ich als Erstes auf den Kalender und stellte dabei fest, dass mein Geburtstag bereits einen Monat zurückliegt. Es ist also kein Geburtstagsgeschenk, dass mein Buch bereits eine interessante Diskussion bewirkt hat, aber es könnte eines sein.

Einen schönen Tag und viele Grüße
Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (22.02.2011, 02:05)
Wer ist wirklich reich?

Zu DM-Zeiten sagte der Volksmund: »Reich ist, wer stets einen Pfennig mehr hat, als er unbedingt braucht.« Heute würde der Volksmund den Pfennig durch einen Cent ersetzen, aber der Sinn bliebe gleich.

Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Bedenken wir: Es sind zwei voneinander unabhängige Größen, die zum Ergebnis führen, und zwar die Ansprüche und das Einkommen. Dabei unterscheiden sich die beiden Größen grundsätzlich: Die Ansprüche sollten möglichst gering sein, das Einkommen dagegen möglichst hoch.

Die Reaktionen beziehen sich auf eine der beiden Größen oder sogar auf beide.

Die häufigste Reaktion auf die Redewendung ist wohl das Bemühen, möglichst viel Geld anzuhäufen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Eine alternative Reaktion besteht darin, seine Ansprüche herabzusetzen. Je größer der Erfolg, desto geringer ist der Zwang, dem Geld hinterherzulaufen.

Die geschickteste Reaktion ist, wie ich meine, beide Größen zu beeinflussen, das heißt, die Ansprüche so tief wie möglich zu drücken und gleichzeitig so viel Geld wie erforderlich zu erarbeiten. Zuvor stand da versehentlich wie möglich .

Wie haltet ihr es damit?

Viele Grüße
Wolf-Gero
Zuletzt geändert von wgbajohr am 22.02.2011, 03:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (22.02.2011, 02:34)
wgbajohr hat geschrieben:
Die geschickteste Reaktion ist, wie ich meine, beide Größen zu beeinflussen, das heißt, die Ansprüche so tief wie möglich zu drücken und gleichzeitig so viel Geld wie möglich zu erarbeiten.

Das hört sich, gleichzeitig, geizig und gierig an.
Die Ansprüche runter zu schrauben finde ich gut, solange man dabei an Lebensqualität gewinnt. Der eigentliche Gewinn heißt hier; weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu gewinnen.
Gruß
Thomas

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Goetkowski
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Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 04:04)
Guten Morgen, Wolf-Gero,

da ich, wie in meinem ersten Beitrag bereits erwähnt, als tumber User mit der IT-Technologie dermaßen auf Kriegsfuß stehe und nicht Deinen gesamten Beitrag zitieren möchte, bleibt mir nichts Anderes übrig, als mich frei darauf zu beziehen.

Deinen Anmerkungen bzgl. der Diskussionen kann ich mich nur in vollem Umfang anschließen. Eine Diskussion verlangt naturgemäß nach mindestens zwei unterschiedlichen Standpunkten. Je komplexer die Thematik ist, desto facettenreicher sind die Meinungen, und desto eher ufert die Diskussion aus. Doch was erkläre ich hier großartig ...?

Zu "Brot und Spiele": Auch in diesem Punkt sprichst Du mir aus der Seele. Die Unterhaltungs-Industrie führt uns mit all ihren Spielarten deutlich vor Augen, wohin die Reise geht. Und ein nicht unerheblicher Teil der breiten Masse spielt nicht nur mit, sondern definiert sich sogar über Online-Games, ja, räumt diesen Nebensächlichkeiten höchste Priorität ein.

Und wenn ich an die Umbennung der ehemaligen Fußballstadien in Arenen denke, hält man uns sogar den Spiegel der Geschichte vor! Im Urlaub gehören Animateure und All-Inclusive-Pakete längst zum Standard. Da kann man sein Hirn, seine Sinneswahrnehmung und die Motorik gleich mit in den Urlaub schicken.

Einher damit gehen die bildungspolitischen Versäumnisse, denn wir sollen in erster Linie konsumieren und möglichst nicht darüber nachdenken. Neue Lerninhalte stehen auf verdammt wackligen Füßen, weil das Basiswissen, auf dem früher alles aufbaute, zunehmend vernachlässigt wird. Althergebrachte Werte, Wünsche und Tugenden wie Reinlichkeit, Schönheit/ewige Jugend etc. werden zu einer Pseudo-Perfektion hochstilisiert, gnadenlos ausgeschlachtet ... und vorbehaltlos angenommen!

Alles im Namen der Wirtschaft. Ich möchte mich zu der mehr oder minder gewagten und eventuell leicht paranoid anmutenden These versteigen, dass das alles System hat. Denn es wird mit Sicherheit auch vor Meadows ("The Limit to Growth") helle Köpfe gegeben haben, die genau wussten, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt.

Warum z. B. wurde der ursprünglich angedachte Morgenthau-Plan so plötzlich verworfen? War es vielleicht gewinnträchtiger, dem nach dem Kriege darbenden Volk eine goldene Zukunft vorzugaukeln, Kriegsverbrechern - als der doch noch nicht 100%ig entnazifizierten Masse vertraute Machthaber - Persilscheine auszustellen und in Form des Wirtschaftswunders das ganz große Care-Paket zu schnüren?! Um nach Jahrzehnten einer vorhersehbaren Entwicklung prächtiger abzuernten als es bei einem reinen Agrarstaat jemals möglich gewesen wäre ...?!

Alles errechnet nach der simplen "Formel Mensch": Gier minus Solidarität gleich dummer Konsumsklave. Denn wenn sich schon in schlechten Zeiten/extremen Situationen jeder selbst der Nächste ist, wird der Zusammenhalt in guten Zeiten gänzlich überflüssig; seinen Platz nimmt dann bestenfalls der Neid ein. Wie gesagt, sehr gewagt. Aber deshalb auch unvorstellbar?!

Zu meiner Suchtgeschichte: Ich bin seit fast sechzehn Jahren trocken/clean, bezeichne mich also als inzwischen ausgenüchtert und auch ernüchtert. Doch selbst während meiner "harten Phase" habe ich es nicht geschafft, mich in dem Maße aus der Realität auszuklinken, wie es eigentlich angedacht gewesen war. Ich will aber trotzdem nicht ausschließen, dass einige Synapsen dauerhaft fehlgeschaltet bleiben werden cheezygrin .

Und nein, ich bin nicht noch, sondern bereits wieder wach, denn gleich werde ich zur Frühschicht fahren, mir auf dem Fahrrad den Kopf freiblasen lassen und all den "Nabeln der Welt" aufs Maul schauen :wink: ...

Gruß, Uwe
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Re:

von SandraR (22.02.2011, 05:56)
Thomas, wenn Du deinen Job liebst, dann stört er dich nicht und du brauchst auch nicht mehr Freizeit, den der Job ist dann auch Hobby!

Hier liegt das Problem vergraben! Leute mögen ihre Jobs nicht und gehen nur zur Arbeit weil sie Geld für ihre Freizeit brauchen. Ein schreckliches Leben! Aber dieses Leben kann man ändern, in dem man einen Job lernt und macht den man als Selbsterfüllung versteht.

Da kann auch die Allgemeinheit nicht helfen! Da muss man sich schon selber helfen.
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Goetkowski
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Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 06:11)
SandraR hat geschrieben:
Hier liegt das Problem vergraben! Leute mögen ihre Jobs nicht und gehen nur zur Arbeit weil sie Geld für ihre Freizeit brauchen. Ein schreckliches Leben! Aber dieses Leben kann man ändern, in dem man einen Job lernt und macht den man als Selbsterfüllung versteht.


Nun, Sandra,

da liegen Wunsch und Wirklichkeit oder Verwirklichung aber in den allermeisten Fällen meilenweit auseinander. Und gerade heutzutage sind viele Jugendliche froh, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen - unabhängig von der Qualität des Schulabschlusses.

Möglichkeiten bestehen viele, reele Chancen dagegen eher weniger ...

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Re:

von SandraR (22.02.2011, 08:32)
Da Uwe bin ich mit Dir nicht einverstanden. Viele Menschen vergessen etwas im Laufe des Lebens können sich Vorlieben ändern.
Meist liegt hier das Problem tatsächlich in der Einsicht, man kann auch mehr als einen Job lernen! Den tatsächlich kann ein 18 Jähriger unmöglich wissen was ihm 12 Jahre später noch gefallen wird. Tragisch ist dies allerdings nicht, den dann heißt es einfach nochmals lernen oder studieren. Neben der reinen Lehre bilden sich schließlich auch Ausbildungslehrgänge, Abendschulen etc. an.
Hier liegt viel eher tatsächlich das Problem, dass viele nicht gerne lernen, vergessen wird dabei, lernen muss man das ganze Leben! Sonst ist Wissen ganz schnell einfach veraltet.
Das Stichwort wäre also Spaß am Lernen!
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Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 10:20)
Sandra, ich muss Dir Recht geben. Diese Möglichkeiten hatte ich nicht in Betracht gezogen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil eine Umschulung/Weiterbildung für mich schon allein aufgrund meines Alters nicht mehr in Frage kommt, vom finanziellen Aspekt mal ganz abgesehen.

Gruß, Uwe
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SandraR
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Re:

von SandraR (22.02.2011, 10:41)
Uwe zum lernen und sei es nur für sich, ist es nie zu spät und es soll später gegen Demenz helfen (dies meine ich absolut nicht scherzhaft). Es gibt entsprechende Untersuchungen von einem Zusammenhang zwischen, gerne lernen egal in welchem Alter und intakten Hirnleistungen im Alter.

Abgesehen davon ist genau Alter ein enormer Faktor. Vor 120 Jahren starben Menschen im Schnitt unter 40 Jahren. Heute hat man da noch nicht mal die Hälfte seines Lebens gelebt. Was neues kann man immer anfangen und lernen auch immer.

Die meisten von uns werden deutlich über 80 werden. Wie wir das werden, bestimmen wir einen Teil auch selber mit. Wenn wir schon mit 40 unglücklich sind, werden wir mit 80 sicherlich nicht glücklicher sein! Eine positive und lebensbejahende Einstellung ist nach meiner Meinung die Hälfte der Miete! Sie hilft sowohl beruflich, als auch privat und ist das Pflaster der ersten Wahl für alle Widrigkeiten des Lebens.

Übrigens wenn es mit Arbeit so düster ausschaut, frage ich mich warum ich keinen guten Vertriebler finden kann..... dozey: Dies obwohl wir uns weder für das Alter, noch das Geschlecht, Staatsbügerschaft oder geographische Daten als Kriterium interessieren. Unser Kriterium ist in erster Linie Professionalismus, Verhandlungsgeschick und ähnliches. Das ganze eignet sich sogar prima als gut bezahlter Nebenjob. Was sich aber anbietet wäre für sich alleine ein Buch wert, da es aber nicht mein Thema ist überlasse ich das Thema gerne Richard dem es ähnlich ergeht.
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Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 10:54)
Ich für mich, Sandra, halte mich sehr wohl geistig wie auch körperlich fit. Nur bezüglich des beruflichen Sektors mache ich mir keine Illusionen. Nein, ich resigniere nicht, sondern ich habe mich mit dieser Tatsache arrangiert und mache das für mich Beste und Erreichbare daraus. Meine Definition von Flexibilität :wink: ...

Gruß, Uwe
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (22.02.2011, 12:24)
Goetkowski hat geschrieben:
Warum z. B. wurde der ursprünglich angedachte Morgenthau-Plan so plötzlich verworfen? War es vielleicht gewinnträchtiger, dem nach dem Kriege darbenden Volk eine goldene Zukunft vorzugaukeln, Kriegsverbrechern - als der doch noch nicht 100%ig entnazifizierten Masse vertraute Machthaber - Persilscheine auszustellen und in Form des Wirtschaftswunders das ganz große Care-Paket zu schnüren?! Um nach Jahrzehnten einer vorhersehbaren Entwicklung prächtiger abzuernten als es bei einem reinen Agrarstaat jemals möglich gewesen wäre ...?!


Da gibt es eine ganze Reihe von Argumenten:

In einem Agrar-Deutschland hätten ca. 25 Prozent der Bevölkerung in benachbarte Staaten umgesiedelt werden müssen, weil das Land nicht in der Lage gewesen wäre, seine Einwohner zu ernähren. In der unmittelbaren Nachkriegszeit zeigte sich dies vor allem am Beispiel des heutigen Nordrhein-Westfalen, das von den Briten so viel Unterstützung benötigte, dass Großbritannien unmittelbar vor dem Staatsbankrott stand (einer der Hauptgründe, warum die Briten den politischen Neuaufbau Deutschlands forcierten).

Morgenthau selbst sagte zum Missverhältnis zwischen der hohen Bevölkerungszahl und der landwirtschaftlichen Eigenleistung Deutschlands, dass die Deutschen dieses Problem selbst lösen sollten - im Klartext: Wenn Deutschland ein reiner Agrar-Staat werden soll, müssen etwa 20 bis 25 Millionen Deutsche vorher verhungern (diese Aussage wurde noch 1947 vom ehemaligen Präsidenten Hoover bestätigt).

Die US-Amerikaner stiegen aus dem Morgenthau-Plan aus, weil er der eigenen Verfassung bzw. der eigenen Unabhängigkeitserklärung widersprach. Darin heißt es bekanntlich, dass jeder Mensch ein Recht auf Freiheit und auf das Streben nach Glück hat. Wenn das die Maxime des politischen Selbstverständnisses ist (und unter anderem der Grund für den Krieg gegen Nazi-Deutschland darstellt), kann man nicht plötzlich wie ein totalitäres System für ein ganzes Volk Verbote aussprechen, die die Grundlagen der Existenz betreffen.

Interessanterweise waren es nicht die US-Politiker, die den Morgenthau-Plan gekippt haben, sondern die US-amerikanische Öffentlichkeit. Die Meinung im amerikanischen Volk war so stark gegen den Morgenthau-Plan aufgestellt, dass ein Festhalten daran Roosevelts Wiederwahl zum Präsidenten im November 1944 gefährdet hätte.

Verschwörungstheorien sind schön - nur halten sie in den allerwenigsten Fällen ... cheezygrin

Grüße
Siegfried
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (22.02.2011, 16:18)
SandraR hat geschrieben:
Thomas, wenn Du deinen Job liebst, dann stört er dich nicht und du brauchst auch nicht mehr Freizeit, den der Job ist dann auch Hobby!

Hier liegt das Problem vergraben! Leute mögen ihre Jobs nicht und gehen nur zur Arbeit weil sie Geld für ihre Freizeit brauchen. Ein schreckliches Leben! Aber dieses Leben kann man ändern, in dem man einen Job lernt und macht den man als Selbsterfüllung versteht.

Da kann auch die Allgemeinheit nicht helfen! Da muss man sich schon selber helfen.

Das finde ich sehr respektlos, Sandra. Ich spreche nicht von mir! Ich spreche von dem Kanalarbeiter, vom Möbelpacker, der Putzfrau oder von dem Straßenfeger. Leute, die sich ihren Traum nicht erfüllen konnten und die wir brauchen. Ihnen zu sagen, sie sollen ihren Job lieben, wäre zynisch. Und ihnen zu sagen: "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist auch Zynismus, weil es auch schlechte Schmiede gibt. Nein! "Mach einen Job, der Dir Spaß macht." ist für viele unmöglich.
Gruß
Thomas

Richymuc
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Re:

von Richymuc (22.02.2011, 17:07)
wgbajohr hat geschrieben:
Wer ist wirklich reich?

Zu DM-Zeiten sagte der Volksmund: »Reich ist, wer stets einen Pfennig mehr hat, als er unbedingt braucht.« Heute würde der Volksmund den Pfennig durch einen Cent ersetzen, aber der Sinn bliebe gleich.

Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Bedenken wir: Es sind zwei voneinander unabhängige Größen, die zum Ergebnis führen, und zwar die Ansprüche und das Einkommen. Dabei unterscheiden sich die beiden Größen grundsätzlich: Die Ansprüche sollten möglichst gering sein, das Einkommen dagegen möglichst hoch.

Eine alternative Reaktion besteht darin, seine Ansprüche herabzusetzen. Je größer der Erfolg, desto geringer ist der Zwang, dem Geld hinterherzulaufen.

Wie haltet ihr es damit?

Viele Grüße
Wolf-Gero


Hallo Gero,

jeder wird den Begriff Reichtum anders verstehen.

Warum sollte man seine Ansprüche herabsetzen?
Genau das Gegenteil würde ich vorschlagen.
Hohe Ansprüche und ein Gehalt um sich die hohen Ansprüche leisten zu können, das hohe Gehalt ergibt sich aus überdurchschnittlicher Leistung.
So einfach geht das.

Man muss sich Ziele setzen, sonst gibt es keinen Ansporn.
Wer sich keine Ziele setzt, bleibt stehen.
Sag mir einen Betrieb der sagt, wir wollen immer gleich groß bleiben und nicht wachsen.
Die wird es auch geben, haben aber nach meiner Meinung vom Geschäftsleben nicht viel verstanden.

Reichtum bedeutet für mich den Lebensstandard zu steigern.
Reichtum ist für mich, morgen nicht arbeiten zu müssen, weil Einkommen aus Zinsen und anderen Quellen soweit ausreichend sind um nicht mehr zu arbeiten.


Das werde ich aber nicht tun, ganz einfach deshalb weil mir die Arbeit Spaß macht. Wen dem nicht so wäre, würde ich nicht täglich um 5.12 Uhr aufstehen.

Reichtum kann auch auch kleiner ausfallen, wenn ich im guten Restaurant sitze und die Speisen nach dem Text und nicht nach dem Preis auswählen kann.

Die Welt wird in absehbarer Zeit nicht gerecht werden. Man kann es einfach nicht steuern ob man in einer Lehmhütte oder in einem Palast auf die Welt kommt.
Das ist Schicksal. Wer in Europa auf die Welt kommt, hat schon mal gewisse Vorteile die man in anderen Ländern vergeblich sucht.

Und wieder bleibe ich dabei, wer in Deutschland in einer einigermaßen normalen Familie aufwächst, kann es immer noch zu etwas bringen.

Trotzdem großes Kompliment, es sind sehr gute Beiträge hier zu finden, ich lese gerne weiter mit.
Man muss ja nicht immer gleiche Meinungen haben.

Gruß vom Richard
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

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