Lyrik - Welches Versmaß verwendet ihr?

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Monika K.
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Lyrik - Welches Versmaß verwendet ihr?

von Monika K. (12.10.2014, 20:50)
Mit diesem Thread wende ich mich an die vielen Poeten, die momentan in diesem Forum anzutreffen sind. Ich möchte gerne wissen, welches Versmaß ihr verwendet, um mir einen Überblick zu verschaffen, was heutzutage in der gebundenen Sprache üblich ist.

Ich selbst reihe in manchen Gedichten Jamben (unbetont - betont) und in anderen Trochäen (betont - unbetont) aneinander und - da bin ich ganz ehrlich - dichte oft auch mehr so nach Gefühl. Meine Zeilen sind daher meistens acht Silben lang. Als ich vor zwei Jahren meine Limericks schrieb, beschäftigte ich mich zum ersten Mal ernsthaft mit dem dafür zwingend vorgeschriebenen Amphibrachys (unbetont - betont - unbetont) und wurde von diesem "Takt" in der Folgezeit regelrecht verfolgt wie von einem Ohrwurm.

Über zahlreiche Antworten würde ich mich sehr freuen. Wenn daraus ein interessanter Austausch über verschiedene Formen der Lyrik oder Reimschemata wird, bin ich auch nicht böse. Wir müssen nicht streng beim Thema bleiben. Wer die Fachausdrücke nicht kennt, kann auch gerne anhand eines Beispiels oder mit Zeichen beschreiben, was gemeint ist.

Viele Grüße,
Monika

edit: Selbstverständlich interessiere ich mich auch für die Vorlieben der Leser von Gedichten.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (13.10.2014, 09:08)
Hallo Monika,

Deine Frage interessiert auch mich und ich bin sehr gespannt auf Antworten derer, die Dichtung professionell betreiben. Ich persönlich (man konnte es bereits lesen) verfasse meine Gedichte nach Gefühl - und zwar nur nach Gefühl.
Mir sind inzwischen Begriffe wie Trochäus, Jambus, Daktylus usw wieder geläufig (man hat vor geraumer Zeit in der Schule mal davon gehört...) da ich alles brav nachgelesen habe, bzw. weil ich vor einiger Zeit wertvolle Hilfestellung hier im Forum erhalten habe.

Mich persönlich hemmt ein allzu festes Schema beim Darstellen bestimmter Sachverhalte /Gefühle/Personen.
Mir geht es in erster Linie um die Vermittlung eines ganz bestimmten Inhaltes, der meist durch eine Person inspiriert wird (meine "Gedichte" sind meist surrealer Natur) und ich möchte ungern den Inhalt, der mir auf der Seele brennt, dem Versmaß opfern. Und beides gleichrangig zu händeln schaffe ich nicht, bin eben nicht professionell.

Meine Gedicht sind daher wahrscheinlich keine "echten" Gedichte (Siegfried machte kürzlich einen interessanten thread zu diesem Thema auf), sondern "Briefe in Versen" oder eine Art "Tagebucheintrag" zu nennen.

Mir war früher immer eine geschlossene Form wichtig. Als Kind hatte ich Freude am Reimen und wählte immer Das Schema AABB.
Später ging ich dann zum Kreuzreim über (ABAB) und inzwischen wähle ich zumeist den gebrochenen Kreuzreim ABCB.
Ich wähle meist 4 Zeilen pro Strophe, versuche, in etwa (!!!) auf 8 Silben pro Zeile zu kommen. Wie bereits erwähnt, mache ich mir um die Metrik keinen Kopf. Ich bin schon froh, wenn ich in etwa die angepeilten 8 Silben einhalte. Wenn man nachzählt, so merkt man, dass es in manchen Zeilen 9 oder nur 7 Silben sind...
Wie gesagt, in puncto Lyrik bin ich absolut nicht professionell. Es macht mir einfach Freude, Gedichte zu schreiben und ab und an bekomme ich positive Rückmeldungen.

lG,
Anouk

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (13.10.2014, 16:52)
Hallo Anouk,

herzlichen Dank für den "Blick hinter die Kulissen" deines Schaffens.

ANOUK_F. hat geschrieben:
Mich persönlich hemmt ein allzu festes Schema beim Darstellen bestimmter Sachverhalte /Gefühle/Personen.
Mir geht es in erster Linie um die Vermittlung eines ganz bestimmten Inhaltes, der meist durch eine Person inspiriert wird (meine "Gedichte" sind meist surrealer Natur) und ich möchte ungern den Inhalt, der mir auf der Seele brennt, dem Versmaß opfern. Und beides gleichrangig zu händeln schaffe ich nicht, bin eben nicht professionell.

Das hat mit "Amateur oder Profi" gar nichts zu tun, finde ich. Prosagedichte kommen oft ganz ohne Verfuß und ohne Reimschema aus und können dennoch professionell sein, wenn man das Wort für Gedichte überhaupt verwenden will. Ich unterscheide ganz ungeniert subjektiv zwischen Gedichten, die mir gefallen, und welchen, die mir nicht gefallen. Begründen kann ich das meistens gar nicht. Das hängt jedoch nie von der Machart ab. Wenn man nichts zu sagen hat, hilft auch das tollste Schema nicht. Prosagedichte sind sehr beliebt - bei Dichtern und Lesern. Und auch ich lese sie gern, wenn sie mich berühren. In letzter Zeit sehe ich auch sehr viele Werke, die eigentlich eher einem Prosagedicht entsprechen, sich jedoch an ein Reimschema halten. Ich habe zu wenig Ahnung davon, um dazu etwas sagen zu können.

ANOUK_F. hat geschrieben:
Meine Gedicht sind daher wahrscheinlich keine "echten" Gedichte (Siegfried machte kürzlich einen interessanten thread zu diesem Thema auf), sondern "Briefe in Versen" oder eine Art "Tagebucheintrag" zu nennen.

Ich kenne noch immer nicht den Unterschied zwischen "echten" und "unechten" Gedichten und kann mit dem Thema einfach nichts anfangen. Wenn jemand mit dem Kopf auf die Tastatur schlägt und das Ergebnis als Gedicht betrachtet, dann bin ich bereit, es ebenfalls als Gedicht zu betrachten. Das heißt nicht, dass es mir gefallen würde. Und insgeheim würde ich den Verfasser wahrscheinlich für verrückt halten. Ganz bestimmt würde ich seine Gedichtbände nicht kaufen. Aber ich würde mir nicht anmaßen, dem Ergebnis die Bezeichnung "Gedicht" zu verwehren. Man weiß nie, ob sich daraus nicht in den kommenden Jahren eine neue Stilrichtung entwickelt. Ich möchte auf keinen Fall zu denen gehören, die sich stockkonservativ über die Avantgarde lustig machen. OK, jetzt übertreibe ich, aber du verstehst sicher, was ich damit meine.

ANOUK_F. hat geschrieben:
Es macht mir einfach Freude, Gedichte zu schreiben und ab und an bekomme ich positive Rückmeldungen.

Das ist für mich das Wichtigste: Die Freude am Schreiben. thumbbup

Viele Grüße,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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