Nadine, von Friedrich Klee

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Friedrich69
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Nadine, von Friedrich Klee

von Friedrich69 (21.07.2018, 23:32)
Kurz zum Inhalt:

Findet Nadine, nachdem sie sich fast dreizehn Jahre lang in ihrer eigenen Wohnung einsperrte, endlich ihre große Liebe?
Und wird es ihr auch in naher Zukunft gelingen, ihre Wohnung wieder frei von Angst zu verlassen?



Wie an jedem Morgen, saß ich in der Küche auf einem der vier, schon in die Jahre gekommenen weißen Plastikstühle, und las bei einer Tasse Kaffee gemütlich meine, erst vor kurzem ausgetragene Tageszeitung.
Ich machte mir über dies und jenes so meine Gedanken, als ich plötzlich auf einen für mich, sehr interessanten Artikel in der Rubrik Leben stieß: Sie haben Träume, Sehnsüchte, sowie unerfüllte Wünsche? Warum lassen sie diese nicht wahr werden? Sie müssen dafür weiter nichts tun, als an sich, und ihre inneren Heilungskräfte zu glauben! In nur zwei Schritten, erfüllen sich all ihre Träume und Sehnsüchte, ganz ohne fremder Hilfe. Lernen sie mit der Angst umzugehen, die sie an einem erfüllten Leben hindert! Dieser fantastische Ratgeber, wird ab sofort, ihr neuer und treuer Wegbegleiter in eine neue Zukunft sein. Worauf warten sie noch? Besuchen sie uns noch heute, in einer unserer Klug Buch Filialen, um sofort aktiv in ein neues Leben zu starten.
Mir stockte der Atem, als ich diese Zeilen las, waren sie doch wie für mich geschrieben.
Mit Hilfe dieses Buches, würde es mir endlich wieder gelingen, einen Schritt vor die Wohnungstür zu setzen. Auch die Angst vor Gregor, meinem Ex Mann, könnte ich mit dieser Anleitung verlieren.
Ich musste dieses Buch haben.
Doch wie sollte ich an dieses so fantastische Werk herankommen?
Wie von Sinnen sprang ich in die Höhe, und schrie innerlich ganz leise um Hilfe. Verzweifelt suchte ich nach einer Lösung, während ich in der Küche nervös, nur mit einem rosafarbenen Bademantel bekleidet barfuß auf und ab lief.
Ilse! Ich musste Ilse darum bitten. Sie würde es mir besorgen. Schließlich ist sie meine beste, und von mir heimlich geliebte Freundin.
Zögernd, und mit zittriger Hand, nahm ich das Handy, welches vor mir auf dem Küchentisch lag, und wählte sehr geschickt mit meinem Daumen Ilses Nummer. Geschafft! Ich hörte ein Freizeichen.

„Hallo...Nadine? Bist du es?“ Ich hörte ihre mir so vertraute Stimme, wollte auch schon antworten, doch ich konnte nicht und schwieg.
„Nadine? Antworte mir bitte!“
„Hallo Ilse.“ Zaghaft, ja fast schüchtern kamen mir diese Worte über meine Lippen.
„Ist bei dir alles in Ordnung?“
„Ja, alles bestens.“
„Ich kann mir nicht helfen, aber du klingst irgendwie merkwürdig.“
„Ach was, es ist alles in bester Ordnung.“
„Nadine, du wiederholst dich.“
„Ach wirklich?“
„Also von vorne, was ist los?“
„Nichts Ilse.“
„Wenn alles in Ordnung ist, warum rufst du mich dann an?“
„Ich wollte nur mal deine Stimme hören.“
„Am Sonntag, um fünf Uhr morgens möchtest du einfach mal meine Stimme hören. Auf den Arm kann ich mich selber nehmen! Also, noch einmal, was ist los?“ Es war Sonntag? Wie um alles in der Welt, alle Läden hatten doch heute geschlossen.
„Verzeih, aber ich habe mich jetzt im Tag vertan.“
„Wie bitte? Ich glaube ich spinne, wie kann man sich denn nur im Tag vertun.“ Ihre Stimme wurde lauter, und ich zunehmend nervöser, also beschloss ich von nun an zu schweigen.
„Nadine...Hallo? Bist du noch dran?“ Eisern schwieg ich weiter.
„Also schön. Wenn die Dame nicht mehr am Telefon mit mir sprechen möchte, dann muss ich halt rüber kommen. Bis gleich!“ Sie legte auf.
Warum achtete ich nicht darauf das heute Sonntag war.
Ich las doch die Zeitung. Wie konnte mir das nur passieren?
Ilse wohnte nur ein paar Türen weiter, daher musste ich mich ganz schnell beruhigen, um nicht Gefahr zu laufen, von ihr den Kopf gewaschen zu bekommen.
Heute brauchte ich nur eine gute Freundin, und zwar eine, die mir nicht ständig irgendwelche wissenschaftlichen Vorträge hielt von denen sie nichts verstand, aber stets so tat.
Wie versteinert wartete ich mit dem Handy in der Hand auf Ilse.
Endlich, Ilse läutete.
Doch plötzlich begann sie wie wild, mit ihrer Hand gegen meine Tür zu schlagen, sodass ich mich zu Tode erschrak, mir das Handy aus der Hand rutschte, und am blass rosa marmorierten Fliesenboden sofort in alle Einzelteile zerbrach. Darüber verärgert begab ich mich zur Eingangstür, öffnete, und sah, dass Ilse völlig außer Atem, in einem signalroten Morgenmantel bekleidet, und den dazu farblich passenden Flip Flops vor mir stand.

„Kannst du mir bitte verraten, was mit dir heute nicht stimmt?“
„Was meinst du?“
„Du bist doch total verwirrt, und plötzlich, einfach so, bist du stumm wie ein Goldfisch?“
„Ich bin nur etwas zerstreut, dass ist alles.“
„Ach komm, irgendetwas stimmt doch nicht mir dir, also, was ist es?“
„Nichts. Es ist nichts.“
„Du verhältst dich also wegen nichts so komisch?“
„Was willst du denn von mir hören?“
„Wie wäre es mit der Wahrheit.“
„Komm erst mal rein.“
„Ja wie denn? Soll ich vielleicht wie ein Geist durch dich hindurchgehen?“
„Verzeihung.“ Ich ging zur Seite, und ließ sie vorbei.
„Wurde auch Zeit, steht da wie ein Klotz in der Tür, also wirklich.“ Ilse legte wie gewohnt ihr Handy samt Wohnungsschlüssel, auf das kleine hellgrün gestrichene Schuhkästchen, welches sich gleich rechts neben der dunkelbraunen Eingangstür befand.
„Kommst du bitte mit?“ Ich wendete meinen Blick von ihr ab, und ging ohne ein weiteres Wort an sie zu richten in die Küche, setzte mich, und hörte, wie sie die Eingangstür lautstark hinter sich ins Schloss fallen ließ.
„Warum muss ich dir ständig hinterherlaufen? Das ist so etwas von unhöflich!“
„Jetzt reg dich wieder ab.“
„Jedes Mal lässt du mich im Vorraum wie eine...“
„Entschuldige, dass nächste Mal werde ich dich an der Hand nehmen, und hereinführen.“
„Sehr witzig! Und wie es hier wieder aussieht, Nadine, also wirklich.“
„Was passt dir denn nicht?“
„Wenn du so weitermachst, wirst du eines Tages komplett verwahrlosen.“
„Ich bitte dich! Hier ist doch alles in bester Ordnung.“
„Der weiße Esstisch ist mit Kaffeeflecken überseht, der Fußboden spottet jeder Kritik, und die Küchenmöbel sind nicht mehr hellgrau, wie sie eigentlich sein sollten, sondern ekelerregend braun.“
„Stört dich sonst noch etwas?“
„Das es hier nicht schon längst vor Ungeziefer wimmelt, grenzt an ein Wunder.“
„Ich bin halt keine gute Hausfrau.“
„Ich bitte dich, einen Putzlappen kann doch jeder hin und wieder mal in die Hand nehmen.“
„Wie du ja selber siehst, ich kann so etwas nicht.“
„Du bist faul, träge, und, ach lassen wir das lieber.“
„Jetzt setz dich endlich zu mir.“
„Später. Zuerst brauche ich ganz dringend einen starken Kaffee. Denn Dank dir, hatte ich ja noch keinen.“
„Gute Idee. Machst du mir gleich einen mit?“
„Normalerweise müsstest du mir jetzt einen Kaffee zubereiten, aber bitte, wie immer darf ich ihn mir selber machen.“ „Dafür habe ich dich ganz ganz lieb.“
„Na wenigstens etwas.“ Sie schüttelte den Kopf, und als sie auf den Fußboden sah, erschrak sie.

„O nein! Warum liegt denn dein Handy kaputt am Fußboden herum?“
„Daran bist du schuld.“
„Ich? Warum ich?“
„Weil du mit deinen Händen wie eine wild gewordene gegen die Tür getrommelt hast.“
„Das tat ich doch nur, weil ich mich um dich sorgte.“
„Wegen dir habe ich es fallen lassen.“
„Was bitte kann ich dafür, dass du so ungeschickt bist?“
„Du weißt doch ganz genau, dass man mich nicht so erschrecken darf.“
„Wenn du so weitermachst, werde ich dir demnächst die Freundschaft kündigen.“
„Nur zu! Tu dir nur ja keinen Zwang an!“
„Das habe ich jetzt überhört.“
„Dann sperr deine Ohren auf. Ich sagte...“
„Hör sofort damit auf, und fordere dein Glück nicht unnötig heraus!“
„Bitte verzeih, ich weiß gar nicht was jetzt über mich gekommen ist.“
„Du bist eine so liebe Freundin, und ich liebe dich auch irgendwie, aber an manchen Tagen, da würde ich dich am liebsten erwürgen.“
„Du liebst mich?“
„Lieben ist vielleicht doch etwas übertrieben ausgedrückt, aber du bist mir im Lauf der Jahre sehr ans Herz gewachsen.“ „Du mir auch, und bitte verzeih, wenn ich mich an manchen Tagen wie ein Ekelpaket aufführe.“
„Ach vergiss es, ich bin ja auch nicht besser.“
„Das stimmt.“
„Wenn ich schon die Schuld an deinem kaputten Handy trage, dann versuche ich es dir wieder zusammenzuflicken.“ Ilse hob die Teile vom Boden, legte sie am Küchentisch ab, und sah sie kopfschüttelnd an.
„Nadine, also, na ja, wie soll ich es dir jetzt am schonendsten beibringen, aber das Handy ist völlig hinüber.“
„Lass es gut sein. Ich bestelle mir morgen ein neues von meinem Netzanbieter, ein gleich viel besseres aus dem Internet. Kostenfrei versteht sich.“
„Ein kostenloses Handy gibt es aber nur bei Erstanmeldung.“
„Bist du dir da sicher?“
„Sehr sicher.“
„Mist, so ein Mist aber auch.“
„Soll ich dir etwas Geld leihen?“
„Nein danke, ist nicht nötig.“
„Wirklich nicht? Denn ein Telefon ist für dich absolut lebensnotwendig, wenn nicht sogar, überlebensnotwendig.“
„Sollte ich etwas Geld brauchen, werde ich es dir rechtzeitig sagen.“
„Aber wirklich.“
„Mache ich.“
„Ich muss dich endlich einmal mit Namen einspeichern.“
„Ach deswegen wusstest du es nicht, dass ich es war.“
„Ich bin halt noch nicht dazu gekommen.“
„Du wirst langsam schlampig.“
„Das sagst ausgerechnet du zu mir?“
„Ist doch wahr!“
„Du Nadine, ich geh mal kurz ins Bad, danach mache ich uns den versprochenen Kaffee.“
„Darf ich mitkommen?“
„Wie bitte?“
„Ich fragte dich, ob ich mitkommen darf.“
„Okay, von mir aus, mich stört es nicht.“
„Ach Ilse, du fällst doch immer wieder auf mich herein.“
„Große Klappe und nichts dahinter, aber im Ernst jetzt, dein Humor war schon mal besser.“
„Jetzt geh endlich ins Bad, bevor ich es mir doch noch anders überlege.“
„Wenn ich zurück bin, werde ich mich mal um deine Haare kümmern, denn die sehen einfach schrecklich aus.“
„Aber bitte verwende nicht diese alte schäbige Haarbürste.“
„Ich würde ja gerne eine andere nehmen, doch du hast nur diese eine.“
„Ach her je, richtig.“ Kopfschüttelnd verließ sie die Küche...

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