Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.10.2013, 14:00)
Klonschaf hat geschrieben:
Und die Frage, wer denn bei einem BGE die Klos putzt ... da finde ich schon lange, dass solche Arbeiten viel höher bezahlt werden müssten, und dann fänden sich bestimmt genügend Leute, die das machen würden, um einen guten Batzen dazuzuverdienen. Es muss sich eben lohnen, das ist doch der Knackpunkt, war ja schon immer so.



Siehst du, genau das ist das Problem einer Diskussion rund ums BGE. Die Befürworter stellen sich hin und sagen, wenn jeder BGE bekommt, dann würde sich eine Vielzahl sozialer Probleme in Luft auflösen. Die Maximalforderung lautet sogar, dass ein Mensch allein vom BGE ein menschenwürdiges Leben führen können muss. Also auch ohne Zuverdienst über die Runden kommt.

Spricht man diese BGE-Befürworter dann auf ein konkretes Problem an, kommt meist gar nichts als Antwort. Oder allgemein gehaltene Vorwürfe.

Die Hauptvarianten des BGE reden von Zahlungen bei gleichzeitiger Abschaffung der bestehenden Sozialsysteme. Es gibt keine Sozialversicherungen mehr (KV, RV, PV, AV), es gibt auch keine sonstigen staatlichen Zuschüsse mehr (ALG I, HartzIV, Mietzuschuss, BAFöG, Kindergeld, usw.).

Frage an die BGE-Befürworter: Wie werden Behandlungskosten im Krankenhaus in so einem System bezahlt (Arzt, Krankenpflege, Medikamente, Geräteeinsatz)? Zahlt der Staat? Zahlt eine entsprechende Institution (hier z. B. eine Art Krankenkassen-Ersatz, der sich wie auch immer finanziert)? Antwort der BGE-Befürworter: Keine! Mit solch pragmatischen Fragen befasst man sich einfach nicht.

Solche Beispiele könnten endlos weitergehen ... Brillen, Zahnersatz, Stationäre Pflegeleistung. Auf die Frage, wer die Rechnungen zahlt, bekommt man keine Antworten (außer: Was du da erzählst, sind alles Lügen!)

Nehmen wir für Finanzierungsfragen das Götz-Werner-Modell. Der will alle Sozialleistungen und sämtliche Steuern abschaffen. Der Staat hat nur noch die USt mit einem Satz von 100%. Rein mathematisch rechnet sich das bei einem BGE von 1.000 Eurp pro Person und Monat (Jahresfinanzbedarf 960 Mrd. Euro). Denn derzeit nimmt der Staat über die USt inkl. Importzölle ca. 194,5 Mrd Euro ein (Schätzung 2012; Quelle: Statistisches Bundesamt). Verfünffacht man diese Summe (statt 19% zukünftig 100% bei unverändertem Umsatz), kommt man auf 972,5 Mrd Euro. Das reicht für das BGE. Allerdings: Alle anderen Positionen im Bundeshaushalt fallen damit aus, weil kein Geld da ist. Fragt man die Befürworter des BGE, ob und wie der Staat Forschung und Entwicklung fördern soll oder Entwicklungshilfe leisten soll, bekommt man als Antwort - nichts!

Wer bezahlt für die Infrastruktur, für Straßen, Brücken, Kanäle, Abwasserleitungen, wenn alle Einnahmen für das BGE ausgezahlt werden? Es gibt nur einen, der das bezahlen kann und muss: Jeder von uns aus dem Geld, das er als BGE erhält. Die Folge ist also eine völlige Privatisierung der Infrastruktur. Wer in die Innenstadt von München oder Hamburg will, hat Maut zu zahlen. Die Instandhaltung von Wasserstraßen oder der Deiche an den Küsten geht in Investorenhand über - der Staat hat für so etwas kein Geld. Kindergärten werden nicht mehr auf kommunaler Ebene geführt, sondern von Mega-Konzernen, die sich beim Bürger bedienen. Wovon soll denn der Staat die Zuschüsse zahlen?

Wenn also jemandem das BGE-Geld nicht reicht, muss er hinzuverdienen. So wie das heute auch bereits der Fall ist. Da eine gegenleistungslose finanzielle Absicherung durchs BGE gegeben ist, werden die Menschen aber nicht den Druck verspüren, sich mit einfachen, unbequemen oder schmutzigen Arbeiten zu befassen. Das Reinigen von Treppenhäusern oder Klos, das Schlachten und Zerlegen von Nutzvieh, die Nacht- und Wochenendschichten in Krankenhäusern werden nur dann interessant, wenn der Lohn stimmt. Der Tierkörperzerteiler im Schlachthof wird vermutlich mehr Geld pro Stunde verdienen können, als es dem Computerspezialisten im Datenbankbereich möglich ist. Die Folge: Wenn die Kosten steigen, steigen auch die Preise für die Produkte oder Dienstleistungen.

Und damit wären wir wieder im Krankenhaus. Wenn eine Krankenschwester heute 2.400 Euro brutto verdient, muss das Krankenhaus diesen Lohnfaktor bei der Kostenberechnungen gegenüber den Krankenkassen berücksichtigen. Klettert das Gehalt nun erheblich nach oben, wird das Krankenhaus jeden Tag Aufenthalt in der Klinik mit einem höheren Kostensatz abrechnen müssen. Da es keine Krankenkassen als Sozialsystem mehr gibt, wer zahlt die Krankenhausleistung? Der Staat etwa? Mitnichten! Es bleibt am Kranken hängen!

Durch den Rückzug des Staates aus der Solidargemeinschaft der Sozialsysteme wird der einzelne Bürger viel stärker zur Kasse gebeten als heute. Jeder hat für die Sozialleistungen, die er von Konzernen (und nichts anderes werden die Gesundheits-, Alters- und Infrastruktursysteme im BGE-Land sein) erhält, privat zu zahlen. Das will aber kein BGE-Befürworter so diskutieren. Für mich ist das eine Diskussion wie über den Kommunismus: Jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähighkeiten. Funktioniert hat es da auch nicht. Es ist am Alltagspragmatismus gescheitert.

Bösartig gesagt: BGE ist Tittytainment, gepaart mit freier Marktwirschaft. Aufkündigung der Solidargemeinschaft, wo der Einzelne durch Geldgeschenke geblendet wird, während ihm hintenrum das geschenkte Geld wieder aus dem Kreuz geleiert wird.

Nochmals: Ich will das BGE als Idee nicht verdammen. Aber wer das BGE befürwortet, sollte auf konkrete Fragen konkrete Antworten haben. Und sich nicht in seinen selbstgezimmerten Elfenbeinturm flüchten und die Fragesteller verdammen und beschimpfen. Wenn eine Idee an der Realität scheitert, taugt die Idee nichts.
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mtg
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Re:

von mtg (28.10.2013, 14:03)
Siegfried hat geschrieben:
Wenn eine Idee an der Realität scheitert, taugt die Idee nichts.

So many nice ideas have been slaughtered by nasty reality :-)

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (28.10.2013, 14:12)
Siegfried hat geschrieben:
Nochmals: Ich will das BGE als Idee nicht verdammen. Aber wer das BGE befürwortet, sollte auf konkrete Fragen konkrete Antworten haben.


Allzu vieles, was Dich am BGE stört, ist lediglich Folge Deiner eigenen Phantasien und hat rein gar nichts mit der Realität zu tun.

Wenn derzeit jeder Bürger mit im Durchschnitt 14.000 € subventioniert wird, weshalb sollte sich daraus denn dann kein BGE refinanzieren lassen?

Der Staatshaushalt wird weiter funktionieren - und auch die Krankenkassen werden unter einem BGE weiter bestehen.

Zur Panikmache besteht absolut kein Grund.

Beste Grüße

MichaelHA

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (28.10.2013, 14:15)
Siegfried hat geschrieben:
Nochmals: Ich will das BGE als Idee nicht verdammen. Aber wer das BGE befürwortet, sollte auf konkrete Fragen konkrete Antworten haben. Und sich nicht in seinen selbstgezimmerten Elfenbeinturm flüchten und die Fragesteller verdammen und beschimpfen. Wenn eine Idee an der Realität scheitert, taugt die Idee nichts.


Ja, sicher ... seriöse Antworten müssten schon sein, sehe ich auch so. Und nebenbei, wenn's nach mir geht, reichen für den Anfang ein paar Modifikationen am bestehenden System, faire Arbeitsbedingungen und Löhne wären mal ganz wünschenswert.

Es muss ja nicht immer der große Wurf oder gleich ein neues Gesellschaftssystem sein.

cheezygrin

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (28.10.2013, 16:21)
Es handelt sich jedenfalls bei dem hier vorgestellten "Plädoyer..." um das bei weitem günstigste über den Buchhandel zu beziehende Werk zum Thema.


Beste Grüße

MichaelHA
Zuletzt geändert von MichaelHA am 28.10.2013, 18:05, insgesamt 1-mal geändert.

holz
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Re:

von holz (28.10.2013, 17:12)
MichaelHA hat geschrieben:
Es handelt sich jedenfalls bei dem hier vorgestellten "Plädoyer..." um das bei weitem günstigste Werk zum Thema.
Beste Grüße
MichaelHA


Kostenlos:

Worschech, Susann: Soziale Sicherheit neu denken. Bedingungsloses Grundeinkommen und bedarfsorientierte Grundsicherung aus feministischer Sicht, (Heinrich-Böll-Stift.) ISBN: 978-3-86928-048-6, Paperback, ca. 60 S.

Wege zum Grundeinkommen, (Bildungswerk Berlin d. Heinrich-Böll-Stiftung) ISBN: 978-3-927995-02-4, geklebt, ca. 154 S.
Download unter
http://www.bildungswerk-boell.de/downlo ... kommen.pdf

Die Zukunft sozialer Sicherheit, (Heinrich-Böll-Stift.) ISBN: 978-3-927760-70-7, geheftet, 148 S.
Download unter
http://www.boell.de/de/content/die-zuku ... sicherheit


Für 3 Euro
Roth, Rainer: Zur Kritik des Bedingungslosen Grundeinkommens
(DVS) ISBN: 978-3-932246-52-4, kartoniert, 80 S.

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (28.10.2013, 18:09)
Ein Download nutzt nur denen, die über eine Möglichkeit verfügen das Werk am Bildschirm studieren zu können oder (augenfreundlicher) kostenfrei ausdrucken zu können.

Der gängige Weg zum Wissen ist immer noch das gedruckte Buch.

Beste Grüße

MichaelHA

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mtg
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Re:

von mtg (28.10.2013, 18:16)
MichaelHA hat geschrieben:
Ein Download nutzt nur denen, die über eine Möglichkeit verfügen das Werk am Bildschirm studieren zu können oder (augenfreundlicher) kostenfrei ausdrucken zu können.

Der gängige Weg zum Wissen ist immer noch das gedruckte Buch.

Aha. Wie ist dann dieser Dein Post ( 17.10.2013, 10:08 ) zu verstehen?

MichaelHA hat geschrieben:
Amazon Bestseller-Rang: #71.072 Bezahlt in Kindle-Shop
Nr. 32 in Kindle-Shop > eBooks > Fachbücher > Wirtschaft > Volkswirtschaftslehre > Allgemein

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (28.10.2013, 18:25)
Selbstverständlich stellt auch der Kindle eine augenfreundliche Möglichkeit zur Lektüre meines Werkes (€ 2,49] dar.

Beste Grüße

MichaelHA

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Re:

von MichaelHA (28.10.2013, 18:46)
Die Verfassungswidrigkeit von Hartz IV:

http://www.youtube.com/watch?v=21HWgPrdz7Y#t=4280

Wirklich sehenswert!

Beste Grüße

MichaelHA

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Re:

von mtg (28.10.2013, 19:05)
MichaelHA hat geschrieben:
Selbstverständlich stellt auch der Kindle eine augenfreundliche Möglichkeit zur Lektüre meines Werkes (€ 2,49] dar.

Aber das ist ja nicht - wie Du so treffend ausführtest - der »gängige Weg zum Wissen«. Demnach führt die Lektüre der Kindle-Ausgabe also nicht zum Wissen.

Und dann sind selbst € 2,49 zuviel ...

holz
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Re:

von holz (28.10.2013, 19:29)
MichaelHA hat geschrieben:
Ein Download nutzt nur denen, die über eine Möglichkeit verfügen das Werk am Bildschirm studieren zu können oder (augenfreundlicher) kostenfrei ausdrucken zu können.

Der gängige Weg zum Wissen ist immer noch das gedruckte Buch.

Beste Grüße

MichaelHA


Einfach mal genau lesen: geklebt, geheftet, ISB-Nummer.
In gedruckter Form gleichfalls kostenlos zu haben.
Also einfach zum Buchhändler oder bei den Geschäftstellen der Böll-Stiftung abholen/zusenden lassen.

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (29.10.2013, 01:01)
Ich bleibe dabei: das Buch ist gut und günstig - egal ob als gedrucktes Exemplar oder auch in der Kindle-Version.

Beste Grüße

MichaelHA

Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (29.10.2013, 09:34)
MichaelHA hat geschrieben:
Ich bleibe dabei: das Buch ist gut und günstig - egal ob als gedrucktes Exemplar oder auch in der Kindle-Version.



Haben die Leser die gleiche Meinung?

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (29.10.2013, 13:50)
Nachdem so kräftig die Werbetrommel gerührt wurde, kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Beste Grüße

MichaelHA

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