Nennung eines Künstlers

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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LordKotz
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Nennung eines Künstlers

von LordKotz (27.08.2009, 22:07)
Ich glaube das wurde hier schon durchgekaut, aber so Richtig fand ich auch keine Antwort.
Also wie ist es wenn ich in einer Geschichte einen Künstler nenne und auch seine Werke, eines dazu erfinde und div Legenden um diesen Künstler zu einer vereine?

Konkretes Beispiel: Giovanni Bragolin

Würde die Geschichte nur ungern einstampfen weil ich befürchten müsste das mir seine Erben, so es sie denn gibt oder ein findiger Anwalt ne Klage an den Hals hängt.
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.
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simoneirene
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Re:

von simoneirene (27.08.2009, 23:25)
ich bin künstlerin, über mich kannst du schreiben was du willst... (Scherz am Rande...)

ich würd irgendwo vorne oder hinten im Buch eine Erklärung einfügen, dass Gewisse Handlungen deiner Künstlerischen Fantasie entsprungen sind und du absolut nicht auf die Richtigkeit deiner Aussagen bestehst. Dann kann es nicht so schlimm sein. ganz im Gegenteil, dann kannst du sagen, du machst Werbung für den Künstler... *g*
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Wortgewandt
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Re:

von Wortgewandt (28.08.2009, 00:07)
simoneirene hat geschrieben:
ich würd irgendwo vorne oder hinten im Buch eine Erklärung einfügen, dass Gewisse Handlungen deiner Künstlerischen Fantasie entsprungen sind und du absolut nicht auf die Richtigkeit deiner Aussagen bestehst.


Hi, das wird rechtlich nicht haltbar sein. Ich kann nicht einfach einer Person irgendetwas, ob gut oder schlecht ist relativ, anhägen und am Ende eine Bemerkung á la "war ja alles nicht so gemeint" schreiben. Denn nur weil Du beteuerst, dass Deine Aussage der Fantasie entstammte, macht es den Umstand der Handlung nicht besser und auch nicht rechtens. Als Bertroffener würde ich da schon eine Unterlassungs- und evtl. auch Schadensersatzklage in Betracht ziehen. Der Teufel ist ein Eichhörnchen...

Cheers

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hawepe
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Re: Nennung eines Künstlers

von hawepe (28.08.2009, 00:58)
Hallo Lord,

LordKotz hat geschrieben:
Also wie ist es wenn ich in einer Geschichte einen Künstler nenne und auch seine Werke, eines dazu erfinde und div Legenden um diesen Künstler zu einer vereine?


Offenbar ahnst du bereits, dass du dich damit auf ziemlich unsicheren Boden begibst. Wenn er ausreichend lange tot ist, würde ich das Risiko als gering erachten. Muss dagegen davon ausgegangen werden, dass noch seine Kinder leben, kann es schnell auf Ärger hinauslaufen.

Eine Distanzierung bringt rechtlich übrigens nichts.

Beste Grüße,

Heinz.

Lennet

Re:

von Lennet (28.08.2009, 06:03)
eine sichtliche überzeichnung des charakters gilt als satire und ist ohne weiteres machbar, wie viele satiresendungen und magazine zeigen. ich würde die übliche erklärung dran hängen, dass entsprechende charaktere nichts mit lebenden/ toten persöhnlichkeiten zu tun haben und die geschichte auf den fantasien des autors beruht und nicht auf wahren begebenheiten usw. allerdings muss nicht jede satire ein halsband umgehängt bekommen. sie sollte als solche erkennbar sein.

selbstverständlich könnten bragolins erben theoretisch klagen. wenn man ihnen dein bod-buch schickt. und es ihnen übersetzt - doch wer sollte das tun? ich habe ähnliche geschichten am start und bin da etwas weniger ängstlich. wer will (realistisch gesehen) gegen ein kleines bod-buch klagen? ich würde die satire-schiene fahren, dann ist man auf der sicheren seite und kann auch mit prominenten namen arbeiten.

wäre das nicht okay, wäre satire illegal und kabarettisten hätten ein problem.

julia07
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Re:

von julia07 (28.08.2009, 06:20)
Wahrscheinlichkeit einer Klage hin oder her - ich fände es unsportlich, wenn mein gut bekannter Künstlername, hätte ich denn überhaupt einen solchen, missbraucht würde. Das Unterschieben von nie entstandenen Werken sehe ich jedenfalls als Verunglimpfung an, es sei denn, es wäre tatsächlich Satire.

Da finde ich es viel besser, man erfindet für den Roman einen berühmten Künster und dann kann man mit ihm machen was man will :wink:

LG,
Julia

Lennet

Re:

von Lennet (28.08.2009, 06:25)
wenn man aber mit den bekannten namen arbeiten möchte - und sei es aus p.r.-gründen - dann ist die satire ein mögliches genre, das zur zeit z.b. auch quentin tarantino mit seinem rein fiktiven fim "inglorious basterds" aufweist, in dem goebbels und hitler auftauchen, ohne dass wirklich klagen von erben zu befürchten wären. prominente namen sind nun mal leichter zu vermarkten als unbekannte - und wenn sie nur mal am rand durch die eigene geschichte stolpern. cheezygrin

Ursula Prem (Moderator)

Re: Nennung eines Künstlers

von Ursula Prem (Moderator) (28.08.2009, 07:26)
LordKotz hat geschrieben:
Ich glaube das wurde hier schon durchgekaut, aber so Richtig fand ich auch keine Antwort.
Also wie ist es wenn ich in einer Geschichte einen Künstler nenne und auch seine Werke, eines dazu erfinde und div Legenden um diesen Künstler zu einer vereine?

Konkretes Beispiel: Giovanni Bragolin

Würde die Geschichte nur ungern einstampfen weil ich befürchten müsste das mir seine Erben, so es sie denn gibt oder ein findiger Anwalt ne Klage an den Hals hängt.


Hallo LordKotz,

kannst Du den Namen nicht einfach leicht abändern? Insider wissen dann dennoch, wer gemeint sein könnte.

LG,
Ursula

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (28.08.2009, 07:30)
Ja, hin oder her. Ich erinnere mal an den Roman "Die Vermessung der Welt" sowie ganz besonders den Spielfilm "Kafka", in dem Franz Kafka Hauptfigur eines nie tatsächlich stattgefundenen Kriminalfalls ist. Irgendwie besteht die Möglichkeit für diese Art von Fiktion. Das ist sicher, wenn man diese Beispiele in Betracht zieht.
Der Film "Kafka" kam sogar völlig ohne einen auffälligen Vermerk der erwähnten Art aus. Da versteht jeder, dass die Handlung nicht Kafkas wirkliches Leben wiederspiegelt.
Wahrscheinlich lässt das die künstlerische Freiheit tatsächlich zu. Zumindest lassen es die Beispiele so aussehen.
Ich würde bei Erben, Nachlassverwaltern etc. nachfragen im Zweifelsfall. Auch ein deutlicher Vermerk oder Bemerkungen im Vorwort darüber, was erfunden und was Tatsache ist, kann ja eigentlich nicht schaden. Denn du schreibst das ja nicht, um wirklich die Geschichte zu fälschen.
Vielleicht gibt es einen Rechtsexperten, der sich mit solchen Fällen auskennt.
Aber wenn ich an Vorläufer denke, liegt der Fall ganz klar: Die Umsetzung deines Projekts ist möglich!
Eigentlich meine ich auch, es ist ohnehin allerlei Geschichtsverdrehung in Büchern zu finden, und die Legitimation ist dann schon, wenn vorne "Roman" drauf steht.
Leider gibt es so naive Leser, die denken, sie würden in Krimis und historischen Romanen irgendwas über die Wirklichkeit erfahren. Aber das steht auch wieder auf einem anderen Blatt.
Wo liegen denn bitte die Grenzen zwischen Fiktion und Historie in Büchern von Umberto Eco? Ganz zu schweigen von Spielbergs "Indiana Jones"!
Blog, Literatur, Videos, Buchbestellung und mehr hier
www.stefansoeffky.de.to

Lennet

Re: Nennung eines Künstlers

von Lennet (28.08.2009, 07:46)
Ursula Prem (Moderator) hat geschrieben:
LordKotz hat geschrieben:
Ich glaube das wurde hier schon durchgekaut, aber so Richtig fand ich auch keine Antwort.
Also wie ist es wenn ich in einer Geschichte einen Künstler nenne und auch seine Werke, eines dazu erfinde und div Legenden um diesen Künstler zu einer vereine?

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Hallo LordKotz,

kannst Du den Namen nicht einfach leicht abändern? Insider wissen dann dennoch, wer gemeint sein könnte.

LG,
Ursula


ist vielleicht keine schlechte idee von ursula, wenn man weniger bekannte persönlichkeiten einfach umbenennt, wenn die (hoffentlich) größere zielgruppe diese ohnehin nicht kennt.

hitler, kennedy, warhol, james dean, lady diana, michael jackson oder paris hilton als persöhnlichkeiten der zeitgeschichte sind sicherlich leichter satirisch zu karikieren und so darzustellen, als weniger bekannte persöhnlichkeiten, die noch leben oder erst vor kurzen verstarben - und deren erben möglicherweise lust auf einen rechtsstreit haben.

ich denke, dass man den betreffenden charakter im buch einfach umbenennnen/ umbesetzen sollte, wenn er kein essenzieller bestandteil der geschichte ist und man auf nummer sicher gehen möchte.

wenn du auf dieser persöhnlichkeit bestehst, besteht wohl nur die möglichkeit der überzeichnung der persöhnlichkeit zur satire.

Ursula Prem (Moderator)

Re:

von Ursula Prem (Moderator) (28.08.2009, 07:55)
Zeitl0ch hat geschrieben:
Ja, hin oder her. Ich erinnere mal an den Roman "Die Vermessung der Welt" sowie ganz besonders den Spielfilm "Kafka", in dem Franz Kafka Hauptfigur eines nie tatsächlich stattgefundenen Kriminalfalls ist.


Hallo ZeitlOch,

ja, schon richtig. Solche Fiktionen gibt es. In den von Dir genannten Beispielen jedoch handelt es sich durchweg um Persönlichkeiten, deren 70jährige Schutzfrist schon abgelaufen ist. Wer wollte noch für Alexander von Humboldt, Carl Friedrich Gauss oder Franz Kafka als Kläger auftreten?
Wenn es jedoch um eine Person geht, die noch am Leben oder vor weniger als 70 Jahren gestorben ist, wäre ich tatsächlich vorsichtig. Der einzige sichere Weg, wenn man den Namen dennoch verwenden möchte, ist es tatsächlich, Kontakt mit den Erben aufzunehmen und zu hoffen, dass die sich ihre Zustimmung nicht irgendwie vergolden lassen wollen.

LG,

Ursula

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LordKotz
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Re:

von LordKotz (28.08.2009, 11:54)
Danke erstmal!

Ich habe div. Suchmaschinen bemüht um heraus zu finden ob dieser Maler
Nachkommen hatte, dabei habe ich nichts gefunden. lediglich ein in englischer Sprache gehaltener Wiki Artikel darüber das man ihn schon in den späten 60ern für Tod hielt ihn dann aber 1970 in Padua lebend fand wo er bis zu seinem Tode lebte.
Sicherlich sind die Gerüchte die um seine Bilder "Die weinenden Kinder" entstanden und nach wie vor entstehen (Das Web ist Voll davon!) ein Teil der Vermarktungsidee- Strategie?
Die "Sun" organisierte 1985 eine Bilderverbrennung, sie nahmen das Thema Bragolin scheinbar sehr ernst.
Nirgends finden sich brauchbare Personendaten und genauso wenig Daten über Rechtsinhaber.
Ich denke der Mythos Bragolin ist bewusst gestreut worden um seine Bilder im Preis zu steigern? Kann ja durchaus möglich sein, und die fehlenden Personendaten etc. Eigentlich hieß er Bruno Amadio (1911-1981), aber auch unter seinem realen Namen findet sich nichts!
Ich weiß nicht ob eine Geschichte die die Mythen aufgreift nicht sogar Werbung ist? Eine vielleicht sogar gewollte Werbung?
Sonst hätte es sicherlich schon eine Abmahnungswelle gigantischen Ausmaßes gegeben wenn ich mir die Foren so ansehe und was dort so über ihn steht?
Den Namen verändern könnte heikel sein da ich ja bewusst auf die Bilder abzielen möchte.
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LordKotz
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Re:

von LordKotz (29.08.2009, 13:48)
Ich denke ich werde es riskieren müssen.

Wenn die Information stimmt das ein holländisches Filmteam seit 2003 fieberhaft versucht eine Reportage über Bragolin und etwaige Erben zu machen die bisher wohl noch nicht fertig ist, wie soll ich dann heraus finden ob er lebende Erben hat?

Nach wie vor verwirrt mich die wiedersprüchlichkeit in den Quellen und uneinigkeit über seine Werke oder eben nicht seine Werke, wie ich erfahren habe ist die Sache mit den 27 Bildern wohl auch eine Legende, denn es soll nur eines geben das dieses Motiv zeigt usw usw. Also ich bin nun vollständig verwirrt :shock::
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