Handwerklich gut oder schlecht?

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dbs

Handwerklich gut oder schlecht?

von dbs (29.04.2007, 17:26)
Hallo!

Zu der doch recht intensiv gewordenen Diskussion über das Handwerk beim Schreiben möchte ich einen kleinen Versuch starten. Unten folgt ein Text. Ich hätte von euch gerne gewusst, wie ihr diesen Text aus rein schreibhandwerklicher Sicht seht.
Ist er gut oder schlecht?
Weist der Text handwerkliche Macken auf, und wenn ja, wo?
Wie und wo würdet ihr den Text verbessern - rein handwerklich natürlich?

Zur gleichen Zeit ist Detective Bill Raider beim Einsatz. Raider ist Mitte dreißig, mit einem durchtrainierten, muskulösen Körperbau. Er trägt ein weißes Muscle-Shirt und schwarze Lederhosen. Er steht vor einer Stahltür. Neben ihm diskutieren einige Polizisten die Situation.

Raider hämmert mit der Faus an die Tür. "Hallo? Können Sie mich hören?"

In einem kleinen, dunklen Labor hinter der Stahltür steht ein kleiner Mann mit grauem Haar, Bart und einer Brille, in einem weissen Laborkittel an einem Labortisch. Ein rotes Licht blinkt warnend über der Labortür und das Geräusch einer Alarmsirene ist überdeutlich zu hören. Verstreut über den ganzen Tisch, an dem der Mann arbeitet, liegen Messbecher und Glasflaschen. Er ignoriert das Warnlicht und den Alarm vollkommen, denn er ist versunken in seine Arbeit. Vor ihm hängt ein kleiner Glasbehälter über einem Bunsenbrenner. Die Flüssigkeit in dem Behälter sprudelt. Der Mann nimmt ein Reagenzglas und füllt vorsichtig einige Tropfen aus dem Glas in den Behälter.

Plötzlich sprenbt eine gewaltige Explosion die Stahltür aus den Angeln. Raider wird an die Wand geschleudert. Dichter Rauch steigt auf. Lachend kommt der kleine Mann, rußverschmiert im Gesicht, aus dem Labor und hält das Reagenzglas in der Hand.

"Ein winziges Tröpfchen zuviel." Geistesabwesend sieht er Raider und die anderen Polizisten an. "Was ist los?"

Raider steht auf. "Was los ist? Wir wurden informiert über ein Labor in Flammen und kein Kontakt zu den Personen in dem Labor."

Immer noch vollkommen in sein Projekt vertieft zeigt der Mann Raider das Reagenzglas. "Dies ist wirklich ein Durchbruch! Nur einige Tröpfchen dieser Flüssigkeit und wir sind in der Lage, die komplette Wasserversorgung zu revolutionieren."


(aus: Kira Cain - Gatecrasher; erschienen bei Lulu.com)


Grüße
Siegfried

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (30.04.2007, 10:30)
Man ist nicht „beim Einsatz“, man ist „im Einsatz“.
Man hat einen durchtrainierten Körper, einen durchtrainierten Körperbau gibt es nicht.
Grundsätzlich ist die Beschreibung Raiders zu allgemein, um ihn sich wirklich vorstellen zu können. Ich empfehle gern, die Figuren mit einem signifikanten Merkmal auszustatten, an das sich der Leser erinnern kann.
„Faus“ statt „Faust“.
Der kleine Mann steht zweimal in: in einem Labor und in einem Laborkittel. Sollte man nicht tun, in einem Satz.
Wenn die Messbecher und Gläser verstreut über dem Tisch LIEGEN, sind sie umgefallen. Ich glaube, das meint der Autor aber nicht.
Man ignoriert etwas, oder man ignoriert es nicht. „Vollkommen ignorieren“ geht nicht.
Wenn eine Explosion so stark ist, dass sie eine Stahltür aus dem Rahmen haut, muss derjenige, der im Raum war, schwere Verletzungen davon tragen. Dass der Herr rußverschmiert aus dem Zimmer stolziert, ist Slapstick und macht den Text unglaubwürdig.
Guckt er wirklich „geistesabwesend“? Nicht eher „erstaunt“?
„Wir wurden informiert über ein Labor in Flammen und kein Kontakt zu den Personen in dem Labor“ ist kein deutsch. „Wir wurden informiert, dass ein Labor in Flammen steht. Und dass es keinen Kontakt zu den Personen darin gibt.“ ist wohl gemeint. Aber wieso stand das Labor in Flammen? Die Explosion fand doch erst statt, nachdem Raider eingetroffen ist. Brannte es da schon? Wieso standen dann die Polizisten neben der Tür und diskutierten seelenruhig die Lage?
„..wir sind in der Lage, die Wasserversorgung zu revolutionieren:“ Was meint er? Wie revolutioniert man mit einer Flüssigkeit die Wasserversorgung?

Meiner bescheidenen Ansicht nach ist dieser Text sprachlich und gedanklich ziemlich schludrig.

Gruß

Chris

dbs

Re: Handwerklich gut oder schlecht?

von dbs (30.04.2007, 20:33)
Hier mal mein Senf zu dem Textausschnitt:


Zur gleichen Zeit ist Detective Bill Raider beim Einsatz.


Hier wäre interessant zu erfahren, wo der Einsatz stattfindet (Örtlichkeit, Auftrag u.ä.) Statt "beim" ist ein "im" angebracht

Raider ist Mitte dreißig, mit einem durchtrainierten, muskulösen Körperbau. Er trägt ein weißes Muscle-Shirt und schwarze Lederhosen. Er steht vor einer Stahltür.


Ein typisches Beispiel für ein massives Info-Dumping. Alter, Beschreibung des Äußeren, der Kleidung, der Position. Das Ganze wird von jemand Drittem (einem unbeteiligten neutralen Beobachter) geschildert, statt aus der Figur "Raider" heraus. Noch besser wäre es, die Beschreibung durch Aktivitäten der Romanfigur zu untermauern.

Neben ihm diskutieren einige Polizisten die Situation.


Auch hier eine Situationsbeschreibung aus großer Distanz. Ein handwerklicher Trick wäre, Raider ein paar Schnipsel aus der Unterhaltung der Polizisten hören zu lassen und somit eine Verbindung zwischen Raider und den Polizisten hin zu bekommen.

Raider hämmert mit der Faust an die Tür. "Hallo? Können Sie mich hören?"


Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Eine Frage ist, ob er schon probiert hat, die Tür zu öffnen (geht aus dem Textabschnitt nicht hervor). Es gibt keine sinnlichen Empfindungen (wie fühlt sich die Tür an? ist sie kalt oder heiß, glatt oder rau?). Außerdem gibt es bei Raider keine Folgereaktion auf sein Tun - versucht er zu hören, was sich hinter der Tür tut? Alles in allem wird weiterhin mit großer Distanz erzählt. Es kommt keine Bindung zwischen Leser und der Romanfigur zustande.

In einem kleinen, dunklen Labor hinter der Stahltür steht ein kleiner Mann mit grauem Haar, Bart und einer Brille, in einem weissen Laborkittel an einem Labortisch.


Szenenwechsel. Die andere Seite der Tür. Und damit auch logischerweise ein Perspektivwechsel der Erzählhaltung. Die Romanfigur auf der Bühne der Handlung ist nun nicht mehr Raider, sondern der kleine Mann. Auch hier wird Info-Dumping in Form von Beschreibung geleistet, statt die Szenerie durch Aktivitäten zu beschreiben. Dazu Wortwiederholungen "Labor..."

Ein rotes Licht blinkt warnend über der Labortür und das Geräusch einer Alarmsirene ist überdeutlich zu hören.


Hier wird das Problem der Erzählperspektive ganz deutlich. Da von einer weit entfernten Position die Szenerie beschrieben wird, werden die optischen und akustischen Signal nicht in Bezug auf die Romanfigur gesetzt. Der kleine Mann sieht das rote Licht nicht und verbindet es auch nicht mit der Wertung "Warnung", das macht die Erzählstimme. Gleiches gilt für die Sirene, die "überdeutlich zu hören" ist. Wer hört die Sirene? Der kleine Mann offenbar nicht. Und andere Personen sind nicht anwesend (die Erzählstimme ist keine handelnde Person).

Verstreut über den ganzen Tisch, an dem der Mann arbeitet, liegen Messbecher und Glasflaschen.


Fortsetzung der distanzierten Beschreibung.

Er ignoriert das Warnlicht und den Alarm vollkommen, denn er ist versunken in seine Arbeit.


Das ist eine wertende Interpretation durch die Erzählstimme. Wir sind also ganz eindeutig nicht in der Romanfigur. In gewisser Weise entspricht dies einer auktorialen Erzählweise - und weil diese Art zu erzählen völlig überholt ist, wirkt sie so befremdlich auf uns. Der Leser von heute möchte mit den handelnden Figuren mitfiebern. Aber geht das auf diese Art und Weise?

Vor ihm hängt ein kleiner Glasbehälter über einem Bunsenbrenner. Die Flüssigkeit in dem Behälter sprudelt. Der Mann nimmt ein Reagenzglas und füllt vorsichtig einige Tropfen aus dem Glas in den Behälter.


Weiterhin aus der Distanz erzählt.

Plötzlich sprenbt eine gewaltige Explosion die Stahltür aus den Angeln. Raider wird an die Wand geschleudert. Dichter Rauch steigt auf. Lachend kommt der kleine Mann, rußverschmiert im Gesicht, aus dem Labor und hält das Reagenzglas in der Hand.


Erneuter Szenenwechsel. Wir sind wieder auf der Seite von Raider. Und ganz, ganz schlimmer Fehler in der Logik. Wenn eine Explosion ein Stahltür aus den Angeln reißt, dann ist das ein ziemlich mächtiger Knall. Oder mit anderen Worten: Ein so heftige Explosion hätte der Labormensch kaum überlebt. Und selbst wenn er überlebt hätte, dann dürfte er für den Rest seines Lebens taub sein. Statt dessen kommt er fröhlich lachend aus dem Labor gestiefelt. Das mag in Comic-Filmen wie "Tom und Jerry" funktionieren, aber in einem ernstgemeinten Krimi?

Dazu fehlt mir erneut wieder das ganze Sinnliche. Raider fliegt quer durch die Gegend und knallt gegen eine Wand. Schmerzen? Kennt er nicht. Rauch, der ihn husten lässt? Nicht bei Raider (ist vermutlich Kettenraucher von Filterlosen). Hörsturz? Nicht bei Raider nach Jahren als DJ in der größten Disco des Ortes. Kurzum: Es stimmt logisch und von den Empfindungen her überhaupt nicht.

"Ein winziges Tröpfchen zuviel." Geistesabwesend sieht er Raider und die anderen Polizisten an. "Was ist los?"


Geistesabwesend fragt der Labormensch Raider und die Polizisten "Was ist los"? Wie geht das? Wenn man geistesabwesend ist, dann sieht man nicht das, was um einen herum abläuft, und man fragt schon gar nicht sehr konkret nach.

Raider steht auf. "Was los ist? Wir wurden informiert über ein Labor in Flammen und kein Kontakt zu den Personen in dem Labor."


Fliegt quer durch die Gegend, knallt gegen eine Wand, steht auf und wischt sich den Staub von den Klamotten. Und haut dann einen grammatikalisch falschen Satz raus. Raider (Ist das sein Deckname aus alten Zeiten? Heißt der Mann nicht in Wirklichkeit "Twix"?) ist wirklich mehr Comic- denn Identifkationsfigur.

Immer noch vollkommen in sein Projekt vertieft zeigt der Mann Raider das Reagenzglas. "Dies ist wirklich ein Durchbruch! Nur einige Tröpfchen dieser Flüssigkeit und wir sind in der Lage, die komplette Wasserversorgung zu revolutionieren."


Wie sieht das konkret aus, wenn jemand vollkommen in sein Projekt vertieft ist und dann einem anderen das Projekt erklärt? Das hätte ich doch zu gerne von der Autorin erläutert bekommen. Denn für die Szenengestaltung gibt es einen einfachen Trick: Der Autor wird zum Regisseur einer Bühnenaufführung und muss seinen Figuren sagen, wie sie zu agieren haben. Da reicht nicht ein "Nun sei mal traurig", da muss schon ganz konkret kommen, wie Traurigkeit bei genau dieser Romanfigur auszusehen hat. Und das hätte ich bei dieser Szene zu gerne gewusst, wie ein Wissenschaftler einer anderen Romanfigur das Experiment erklärt und dabei "vollkommen in seinem Projekt versunken" bleibt. Wie geht das?

Zusammenfassung: Der Textabschnitt ist schreibhandwerklich unter aller Kanone. Oder wie es früher immer hieß: Tonne, aber ganz unten. Zur Krönung des ganzen hätte nur noch ein fehlerhafter Gebrauch von Sprecherwerben gefehlt, etwa so:

"Was für ein Knall!" lachte der kleine Mann.

Es tut schon fast weh, so etwas Falsches zu schreiben. :shock:

Ein Lektor hätte diesen Roman vermutlich nach drei bis vier Sätzen im Mülleimer entsorgt.

Nun gut. Die Frage, die ich jetzt gerne stellen möchte: Wer intuitiv schreibt, der muss doch irgendeine Methode beherrschen, um solche unglücklichen Konstrukte und Formulierungen wie in dem ausgewählten Text zu vermeiden. Wie macht ihr das? Das interessiert mich brennend - weil ich eben ganz andere (und hier offenbar nicht sehr gelittene) erlernte Methoden zur Anwendung bringe.

Grüße
Siegfried

dbs

Re:

von dbs (05.05.2007, 17:12)
Hallo!

Der Text steht nun sechs Tage zur Diskussion - und nur zwei Meinungen dazu? Hat sonst niemand was dazu zu sagen?

Grüße
Siegfried

g.c.roth

Intuitives und Handwerk vereinen

von g.c.roth (05.05.2007, 18:38)
Hallo Siegfried,
zu der Analyse Deines Beispieltextes kann ich nichts mehr hinzufügen. Seh ich aber auch so.
Ich gehöre auch zu den Menschen, die das Schreiben nie als Handwerk gelernt haben. Jemand wie Du (der es eben gelernt hat) wird vielleicht sagen: "Ja, das merkt man." Mir bleibt eigentlich immer nur die Möglichkeit meine Freunde und meine Familie um ein Urteil zu bitten. Natürlich nur die, von denen ich weiß, dass sie mich auch ehrlich auf Ungereimtheiten hinweisen. Danach spring ich einfach mit meinen Texten ins kalte Wasser.

Ich bin aber sehr neugierig geworden und würde gern mehr über die handwerklichen Techniken lernen. Hättest Du nicht Zeit und Lust eine Rubrik einzuführen wo wir so einiges von Dir lernen können? Ich meine nicht einfach nur eine Buchempfehlung, sondern so richtig mit Frage und Antwort. Wo dann - wer mag - mal seine Texte (oder Auszüge aus diesen) von Dir auseinanderpflücken lässt. Und du Vorschläge machst, wie man wir besser werden können. Ich würd mich drüber freuen!

Gruß Grete

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (05.05.2007, 22:08)
Hallo Grete!
Ich schließe mich Deiner Bitte an. Fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass Siegfried damit bereits angefangen hatte. Aber offensichtlich war die Resonanz nicht so, dass er weitergemacht hat. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass in einem solchen Lehrgang reichlich Arbeit steckt, unbezahlte Arbeit. Wenn dann obendrein das positive Echo fehlt, vergeht vermutlich auch dem engagiertesten Lehrer die Lust. Vielleicht äußert sich Siegfried selbst dazu. Ich habe seine Beiträge jedenfalls mit großem Interesse gelesen.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
wgbajohr
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g.c.roth

handwerkszeug

von g.c.roth (05.05.2007, 22:44)
Hallo Wolf-Gero,
danke für die Information. Ich habe schon so im Hinterkopf, dass mein Vorschlag doch mit reichlich Arbeit verbunden ist. Und wenn Siegfried sich engagiert und keine Resonanz da ist, find ich das natürllich sehr sehr schade. Andererseits wäre es um so einfacher umzusetzen, wenn sich eine übersichtliche Gruppe bildet, die echtes Interesse daran hat, an sich zu arbeiten. Möglicherweise war es einfach zu früh? Das Forum wächst ja stetig und es kommen sicher noch einige dazu, die auch gern einen Begleiter hätten, der manches aufzeigen und die eine oder andere Tür öffnen kann, die man bis dahin glatt übersehen hat. Warten wir also mal was Siegfried uns dazu sagt.
Vielleicht melden sich noch einige Interessierte zu Wort die ihn wieder motivieren?!!!

Auch Dir ein schönes Wochenende!
Gruß Grete

dbs

Re: handwerkszeug

von dbs (06.05.2007, 12:39)
roth hat geschrieben:
Ich bin aber sehr neugierig geworden und würde gern mehr über die handwerklichen Techniken lernen. Hättest Du nicht Zeit und Lust eine Rubrik einzuführen wo wir so einiges von Dir lernen können?


wgbajohr hat geschrieben:
Hallo Grete!
Ich schließe mich Deiner Bitte an. Fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass Siegfried damit bereits angefangen hatte. Aber offensichtlich war die Resonanz nicht so, dass er weitergemacht hat. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass in einem solchen Lehrgang reichlich Arbeit steckt, unbezahlte Arbeit. Wenn dann obendrein das positive Echo fehlt, vergeht vermutlich auch dem engagiertesten Lehrer die Lust.



Eigentlich hat "wgbajohr" bereits die Antwort geliefert. Ich habe hier versucht, etwas zum rein handwerklichen Schreiben vorzustellen. Die Resonanz war ziemlich gering (um nicht zu sagen: sie tendierte gegen Null). Da habe ich mich natürlich gefragt, ob solche Dinge wie "Handwerk" überhaupt jemanden interessieren.

Als dann ein Beitrag eingestellt wurde, den ich als "Argument gegen das handwerkliche Schreiben" empfand und dessen Quintessenz in dem Satz zusammengefasst ist, alles an Ratschlägen abzulehnen, was nicht der eigenen Natur entspricht, habe ich jede weitere Arbeit an Beiträgen zum handwerklichen Schreiben eingestellt. Wenn zudem Tipps zum handwerklichen Schreiben als "Dogma" gesehen werden, ist es aus meiner Sicht angebracht, das Thema nicht mehr anzufassen, um weitergehende Streitigkeiten und Vorwürfe zu vermeiden.

Grüße
Siegfried

hwg
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Re:

von hwg (06.05.2007, 14:38)
Bin auf diese Rubrik erst jetzt aufmerksam geworden. Zum schriftstellerischen "Handwerk" gehört die umfassende Kenntnis der jeweiligen Sprache, Stilsicherheit (im Deutschen etwa im Sinn von "Reiners Stilfibel", einem immer noch gültigen Standardwerk) und ständige Neugierde am Aktuellen (sowohl in der Umgebung, der Politik, im Verlags- und Pressewesen etc.).

Ein eigener, möglichst unverwechselbarer Stil entwickelt sich nur durch das fleißige Schreiben. Über Talent oder Erfolg mögen dann die geneigten Leser (und selbstverständlich auch Buchkäufer!) urteilen.

Über "Geschmack", im Kultur- und daher auch Literaturbetrieb nach meinen Überlegungen ein unzutreffendes Wort, welches sich bestenfalls auf Mode oder Nahrungszunahme beziehen kann, lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Das ist aber erst möglich, wenn ein Werk an die Öffentlichkeit gelangt.

Die im stillen Kämmerlein, eventuell mit Familienmitgliedern oder Bekannten angestellten Überlegungen über Wert oder Unwert eines Manuskripts führen zu nichts.

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Re:

von hwg (06.05.2007, 14:43)
Nachtrag: Der zitierte Text hätte bei mir als Lektor keine Chance, jemals gedruckt veröffentlicht zu werden. Woran es hapert, ist vorhin bereits geschildert worden. In manchen Heftromanen finden sich immer wieder derartige "Stilblüten", wobei ich prinzipiell nichts gegen Massenproduktions- Veröffentlichungsformen habe. Man findet auch "Perlen" darunter. Und Leser will ich schon gar nicht bevormunden!

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (06.05.2007, 17:13)
Hallo Siegfried!

Ich verstehe Dich voll und ganz. Mir selbst erginge es vermutlich nicht anders. Auf der anderen Seite fühle ich mich jedoch als Betroffener, denn ich hätte Deine Beiträge gern weiter verfolgt. Deshalb stelle ich jetzt eine zweigeteilte Frage:
Erster Teil: Hast Du vielleicht vor, in absehbarer Zeit ein Buch mit entsprechendem Inhalt zu veröffentlichen?
Zweiter Teil, falls Du selbst nichts veröffentlichen willst: Kannst Du ein entsprechendes Buch empfehlen?

Zu handwerklichem Können fällt mir eine Geschichte über Picasso ein: Wer als Laie Picassos Bilder betrachtete, war manchmal versucht, auszurufen: " ... und das soll Kunst sein? Das kann doch jeder." Fachleute jedoch, wozu ich leider wieder einmal nicht gehöre, bestätigen Picasso großes handwerkliches Können. Er hätte auch so malen können, dass jeder Laie die "Kunst" erkannt hätte. Langer Rede kurzer Sinn: Handwerkliches Können stört keinen chaotischen Kreativismus, es kann vielmehr ein Anker sein, der die letzte Verbindung zum Realen herstellt. Natürlich schließe ich auch nicht aus, dass aus Picasso auch dann Picasso geworden wäre, wenn er kein guter Handwerker gewesen wäre. Noch ein weiteres Beispiel aus einem ganz anderen Bereich. Einstein, der große Einstein, hat sich, wie ich irgendwo gelesen habe, ein Leben lang mit Denksportaufgaben beschäftigt.
Die Einsteins, Picassos, Goethes wachsen nicht an jeder Ecke. Wenn es ihnen nicht geschadet hat, ihr Handwerk zu beherrschen, dann sicherlich auch nicht allen anderen, die noch auf den Platz an der Spitze hoffen.
Viele Grüße
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Re: handwerkszeug

von Adriana (07.05.2007, 14:17)
dbs (Moderator) hat geschrieben:
Als dann ein Beitrag eingestellt wurde, den ich als "Argument gegen das handwerkliche Schreiben" empfand und dessen Quintessenz in dem Satz zusammengefasst ist, alles an Ratschlägen abzulehnen, was nicht der eigenen Natur entspricht, habe ich jede weitere Arbeit an Beiträgen zum handwerklichen Schreiben eingestellt.


Hallo Siegfried,

wer immer dir da - wahrscheinlich aus Versehen - auf den Schlips getreten ist, hatte sicher nicht die Absicht, dir die Schreibwerkstatt zu verekeln oder alle Schreibtipps als Dogma abzustempeln!
Ich erinnere mich, dass ich deine Essays über Romanentwicklung mit großem Interesse gelesen hab und das auch im Forum kurz erwähnt hatte.
Ja, ich hatte durchblicken lassen, dass es mehrere gleichwertige Herangehensweisen an die "Materie" des Schreibens gibt und auch beim handwerklichen Schreiben mehrere "Schulen" existieren. Das sollte aber deine Schreibtipps (bzw. Tipps zum handwerklichen Schreiben generell) nicht entwerten.
Ich hoffe, damit wäre dieses Missverständnis aus der Welt geschafft. Offensichtlich gibt hier zahlreiche Autoren, denen du mit deinen Ratschlägen weiterhilfst. Also, bitte roll die Blätter nicht ein und bereichere das Forum mit deinen Schreibtipps :) .

Liebe Grüße,

Adriana.

PS: Was den oben zitieren Text betrifft, kann ich mich der Meinung der anderen nur asnchließen. Er ist handwerklich ziemlich schlampig und sprachlich klischeehaft.

Verena Wolf

Man lernt nie aus

von Verena Wolf (08.05.2007, 17:53)
Hallo!

Ich will mich ihnen kurz vorstellen. Mein Name ist Verena Wolf und ich fand den Vorschlag sehr interessant. Ich meine damit den Vorschlag anderen Tipps und Tricks zu geben.

Was mir besonders wichtig wäre ist, wenn man Kritik übt, das man dabei sachlich bleibt, auch wenn der oder die andere noch so ein Blödsinn schreibt. Ich habe bisher mit Gedichte-Foren keine gute Erfahrung gemacht. Die Kritik ging unter die Gürtellinie, das muss nicht sein.

Außerdem fand ich interessant zu lesen das es inzwischen Schulen gibt, wo man das Schreiben erlernen kann. Ich kenne das nur von Amerika oder gibt es die inzwischen auch in Deutschland?

Ich wäre auf jeden Fall an einem Forum interessiert, wo man Kritik übt. Das gibt es nicht oft. Kritik ist immer hilfreich solange sie sachlich ist und niemanden angreift. Jedem recht machen kann man es sowieso nicht. Und es ist auch Geschmackssache.

Also wie gesagt es kann nur von Vorteil sein an sich selbst zu arbeiten. Denn Stillstand heißt Rückschritt. Man lernt ja Bekanntlich nie aus.

Liebe Grüße
Verena

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Re: Man lernt nie aus

von Adriana (08.05.2007, 18:54)
Verena Wolf hat geschrieben:
Hallo!
Ich wäre auf jeden Fall an einem Forum interessiert, wo man Kritik übt. Das gibt es nicht oft. Kritik ist immer hilfreich solange sie sachlich ist und niemanden angreift.


Das unterstütze ich :) .

Mania

Re:

von Mania (09.05.2007, 13:30)
Ich finde es klingt sehr aufzählend. Die Beschreibungen. Sie malen keine Stimmung, weil sie auf mich sehr gezwungen wirken.

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