Text für eine detaillierte Kritik

Stellt euren Text vor und holt euch Feedback der BoD Community.


Arachne
Beiträge: 437
Registriert: 28.03.2008, 18:29
Wohnort: Niedersachsen

Re: Text für eine detaillierte Kritik

von Arachne (18.09.2009, 19:10)
Ich habe mich mal kurz darin versucht, durch ein (hoffentlich) positives Gegenbeispiel Feedback zu geben.

Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen. Gegenbeispiel: Seine Schuhe streiften durch das trockene Laub auf dem Gehsteig. Er vergrub die klammen Hände tiefer in seinen Jackentaschen und zog fröstelnd die Schultern hoch. Ein naßkalter Windstoß fuhr ihm in den Rücken. Show, don't tell, klar.

Bernd blieb abrupt vor der gelben, halbrunden Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen, eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria. Gegenbeispiel: Etwas weiter vorn stach eine grelle Leuchtreklame aus dem diesigen Zwielicht. Eine Pizzabude. Beim Vorbeigehen warf er automatisch einen flüchtigen Blick hinein. Keine Kundschaft, nur der Pizzabäcker. War das nicht -? Alles, was m.E. völlig unerheblich ist, weggelassen. Logische Ungereimtheiten

Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen, doch als er sich in den Unterarm gezwickt hatte und der Mann am Ofen noch immer zu sehen war, musste er sich eingestehen, dass der Pizzabäcker real war.
"Martin!", rief er erstaunt.
Bernd lief zur Pizzabude hinüber. Der Mann am Ofen drehte sich um. Er war gerade dabei, einer Banane die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die weiche, süße Frucht in den Mund zu stecken. Während er zu kauen begann, wanderten seine Augenbrauen um Daumenbreite in die Höhe.
Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd laut vernehmlich.
Die Kaubewegung beim Pizzabäcker erstarb.
Gegenbeispiel: „Das gibt’s doch nicht – Martin? Du bist doch Martin? Ich bin’s, Benno!“
Der Pizzabäcker, der sich in der Hoffnung auf Kundschaft bereits bei Bennos Schritten halb umgewendet hatte, starrte ihn an.
Wieder alles m.E. unerhebliche weggelassen und logische Ungereimtheiten beseitigt.

... (den Rest habe ich mir geschenkt). Bestimmt keine große Prosa, ich weiß, ich schreibe ja gar keine erzählende Literatur.

Sigrid

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (18.09.2009, 19:46)
@Seshmosis:

Seshmosis hat geschrieben:
Hallo Siegfried!

Diesen Text zu kritisieren grenzt an Leichenschändung.

Mir wäre ein "echter Siegfried" lieber, das könnte eine Herausforderung sein.
Im Gegensatz zu dem von Dir eingestellten Verriß-Spielmaterial für Taubblinde.

Grüße Gerd



Du kannst dich an dem Text austoben, den du unter "Abschied" findest, datiert auf "17.09.2009, 15:26". Das ist ein Text, zu dem ich stehe ... cheezygrin

Arachne hat geschrieben:
Ich habe mich mal kurz darin versucht, durch ein (hoffentlich) positives Gegenbeispiel Feedback zu geben.


@Arachne
Danke für deine Mühe. thumbbup Deine detaillierte Kritik unterscheidet sich so sehr auch nicht von meiner (was die Genauigkeit und das "Finger-auf-die-bewusste-Stelle-legen" angeht). Die Frage ist jetzt aber, ob das Aufzeigen von Schwachstellen ohne Benennen von positiven Dingen eine Vernichtung des Autors "Zacharias Zebulon" gleichkommt? cheezygrin

Und "keine große Prosa" ... cheezygrin Ich habe versucht, so schlecht zu schreiben, wie es irgendwie ging. Gar nicht so einfach! :lol:

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Nitram
Beiträge: 465
Registriert: 01.03.2009, 15:07
Wohnort: Österreich

Re:

von Nitram (19.09.2009, 11:45)
@Siegfried:
Ich denke, jene Art und Weise, wie Valerie, Arachne und ein paar andere ihr Feedback zu deinem Text abgegeben haben, kann wohl als vorbildhaft bezeichnet werden.
Damit sollte die Frage, wie Kritik grundsätzlich formuliert werden sollte, eigentlich geklärt sein, oder?

Gut finde ich auch die Anregung (von hawepe), auch positive Kritiken einem derartigen Detaillierungsgrad zu unterziehen.
Ich finde, das sollten wir aufgreifen.

Siegfried hat geschrieben:
Ich habe versucht, so schlecht zu schreiben, wie es irgendwie ging. Gar nicht so einfach!

Es muss dir allerdings klar sein, dass du mit dieser "Taktik" negative Pauschalkritiken geradezu herausforderst....

Gruss
Nitram
Tu felix Austria - die andere Seite der Alpenrepublik - zweite Auflage
ISBN 978-3-8391-0512-2
HP: www.robert-brettschneider.com
Video: http://www.youtube.com/user/RobertBrettschneider

snats
Beiträge: 122
Registriert: 03.08.2009, 14:43

Re:

von snats (19.09.2009, 11:55)
Bei einem Gedicht und/oder bei einer Kurzgeschichte mag das Ganze noch sinnvoll sein.
Aber was ist mit einem Romanautoren ?
Ich bin der Meinung, dass der Schriftsteller es selber können muss.
Da wird ihm niemand helfen können, wenigstens nicht in einem Forum.
Ein Lektor hat die Zeit, sich detailliert Seite für Seite vorzunehmen, in einem Forum ist sowas nicht möglich.
Allein an der Freude an Literatur kann so eine Diskussion sinnvoll sein, aber nicht um einem Autoren Nachhilfeunterricht zu geben.
Und wenn, dann müsste die Grundstimmung in diesem Forum eine positive sein. Im Moment scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein. Warum das so ist, kann ich nicht beurteilen. Dazu bin ich zu neu hier. Grundsätzlich sollte man aber a) ein Forum auch nicht zu ernst nehmen und b) seine Erwartungen auch nicht zu hochschrauben.
Siegmund Natschke: Politik und Jugendarbeitslosigkeit - Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Deutschland im Vergleich.
ISBN: 384233544X
www.jugenderwerbslosigkeit.de

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (19.09.2009, 12:03)
Nitram hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Ich habe versucht, so schlecht zu schreiben, wie es irgendwie ging. Gar nicht so einfach!

Es muss dir allerdings klar sein, dass du mit dieser "Taktik" negative Pauschalkritiken geradezu herausforderst....

Gruss
Nitram


Das ist keine Taktik, das habe ich von Beginn an offen so angekündigt.

Ich zitiere mich jetzt mal selbst (aus dem Thread "Abschied"):

Vorschlag:
Ich stelle einen Text von mir hier ein, der aus meiner Sicht grottenschlecht ist (Stichwort: "Tonne, aber ganz unten!")


und

So, ich habe einen Text von mir im "Lektorat" unter " Text für eine detaillierte Kritik" eingestellt, damit er exemplarisch kritisiert werden kann.

Ich weiß, dass dieser Text grottenschlecht ist (meine Meinung über meinen Text). Genau deshalb habe ich ihn zur Verfügung gestellt.


Hier von einer "Taktik" zu reden ... Ich weiß nicht.

Die Zielsetzung war, einen wirklich schlechten Text zu kritisieren, und zwar so, dass der Autor (den ich mit "Zacharias Zebulon" angegeben habe) sich nicht "am Boden zerstört" fühlt. Dies geht - so wurde es mir ja vorgehalten - nur, wenn man in einem Text mindestens eben so viel Positives wie Negatives findet. Die Kritiken, die ich bisher zu dem Text gelesen habe, hatten alle Hand und Fuß, waren alles andere als pauschal und aus meiner Sicht absolut korrekt - aber eine selbst nur in Teilen positive Rückmeldung war nicht darunter. Von daher wäre "Zacharias Zebulon" jetzt am Boden zerstört - und hätte Beistand von anderen Autoren erfahren müssen, die vehement gegen diese rein negativen Kritiken hätten vorgehen müssen.

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.09.2009, 12:11)
Ja, der ärmste ... flex:

... von erbarmungslosen Kritikern in den psychischen Ruin getrieben.

Wie konnte dies geschehen, hier ... vor unseren Augen ... beschämt blicken wir zu Boden und fragen uns ... Warum?
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 19.09.2009, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (19.09.2009, 12:48)
chnuppesaager hat geschrieben:
Ja, der ärmste ... flex:

... von erbarmungslosen Kritikern in den psychischen Ruin getrieben.

Wie konnte dies geschehen, hier ... vor unserern Augen ... beschämt blicken wir zu Boden und fragen uns ... Warum?


cheezygrin cheezygrin cheezygrin

Aber ernsthaft - genau daran entzündete sich die Diskussion: Kritik, die nur negative Punkte aufzählt ... dozey:

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (19.09.2009, 12:56)
snats hat geschrieben:
Bei einem Gedicht und/oder bei einer Kurzgeschichte mag das Ganze noch sinnvoll sein.
Aber was ist mit einem Romanautoren ?
Ich bin der Meinung, dass der Schriftsteller es selber können muss.
Da wird ihm niemand helfen können, wenigstens nicht in einem Forum.


Nehmen wir an, ein Romanautor hat mit einer bestimmten Szene ein Problem: Zwei seiner Figuren sollen in Streit geraten und ihn in Form eines Dialoges austragen - nur funktioniert die Szene nach Meinung des Autors nicht, und er kann auch nicht feststellen, woran es liegt.

Warum soll er die Szene nicht hier im Forum vorstellen und diskutieren lassen?

Oder ein anderer Autor hat eine Action-Szene in seinem Roman, die ihm aber einfach nicht gelingen will, weil das Tempo nicht stimmt. Auch er kann sich doch hier Anregungen holen, wie man die Action-Szene besser gestaltet.

Können wir da wirklich nicht helfen?

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Nitram
Beiträge: 465
Registriert: 01.03.2009, 15:07
Wohnort: Österreich

Re:

von Nitram (19.09.2009, 13:03)
Siegfried hat geschrieben:
Die Zielsetzung war, einen wirklich schlechten Text zu kritisieren, und zwar so, dass der Autor (den ich mit "Zacharias Zebulon" angegeben habe) sich nicht "am Boden zerstört" fühlt.

Okay, jetzt verstehe ich, ich hatte mir nicht alle Postings durchgelesen, sorry.
Siegfried hat geschrieben:
Dies geht - so wurde es mir ja vorgehalten - nur, wenn man in einem Text mindestens eben so viel Positives wie Negatives findet. Die Kritiken, die ich bisher zu dem Text gelesen habe, hatten alle Hand und Fuß, waren alles andere als pauschal und aus meiner Sicht absolut korrekt - aber eine selbst nur in Teilen positive Rückmeldung war nicht darunter.

Ich denke, hier sollte man zwischen fachlicher und persönlicher (im Sinn von: "personenbezogener") Kritik unterscheiden.
Natürlich ist es schwer möglich - und wohl auch nicht sinnvoll - in einem "grottenschlechten" Text krampfhaft irgendeine Passage zu suchen, die lobend erwähnt werden kann, um das Selbstvertrauen des Autors zu stärken.
Einen solchen Text würde ich persönlich überhaupt nicht verbessern, sondern den Inverkehrbringer höflich ersuchen, den Text komplett zu überarbeiten und ihn dann nochmals einzustellen.
Wobei es bei Kritik als solcher weniger um Selbstvertrauens-Stärkung oder gar "Bauchpinselei" gehen sollte, sondern um grundsätzlichen Respekt und Wertschätzung dem anderen gegenüber.
Dies kann man z.B. durch eine einleitende Formulierung erreichen, in der man das bisherige Schaffen des Betreffenden positiv erwähnt (natürlich ebenfalls nur dann möglich, wenn es tatsächlich positiv war).
Dann kommt die Kritik, die eher beschreibend und nicht bewertend sein sollte.
Beurteilende Vokabel wie "schlecht", "falsch" etc... sollten in einer Kritik möglichst nicht vorkommen, bzw. wenn, dann sehr sparsam verwendet werden.
Dagegen kommen wertneutrale Vorschläge wie: "diesen Satz würde ich wie folgt formulieren..." meist besser an.
Zum Schluß kann man dann vielleicht noch mit ein paar Worten auf das Potential des Autors hinweisen und ihm viel Erfolg wünschen.
Dadurch kann man eine positve Aufnahme der Kritik sowie eine größere Bereitschaft zur Umsetzung der gemachten Vorschläge ("Verbesserung") beim Empfänger erreichen.
Und das ist schließlich ein wesentliches Ziel.
Gruss
Nitram
Tu felix Austria - die andere Seite der Alpenrepublik - zweite Auflage

ISBN 978-3-8391-0512-2

HP: www.robert-brettschneider.com

Video: http://www.youtube.com/user/RobertBrettschneider

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.09.2009, 13:03)
@ siegfried
Ich weiss - ich weiss.

Leider haben diejenigen, die sich eigentlich zu diesem Thema zu Wort melden müssten, fein rausgehalten ...

Tja, warum wohl?

Weil sie einfach keine Argumente haben ...
Grossartig herumkrakeelen, aber sich einer wirklich konstruktiven Diskussion verweigern ...

Damit dürfte auch klar sein, wer in Wahrheit tatsächlich destruktiv agiert.

Grüsse.

Ch.

Benutzeravatar
elisa
Beiträge: 55
Registriert: 13.09.2009, 21:41
Wohnort: NRW

Re:

von elisa (19.09.2009, 13:11)
@siegfried
Der Unterschied ist nur, dass du sagst, du hättest bewusst schlecht geschrieben, also wird es dich wohl kaum zu Boden schmettern, wenn du auf eine klare Kritik stößt, die nur ca. ein Drittel deines Textes übrig lässt.

Selbst bei einem Text, den du selber als gut einstufst, würde dich eine deutliche Kritik wahrscheinlich auch nicht zerschmettern, sondern anregen.

Für einen Vielschreiber, der bereits eine gewisse Stilsicherheit gefunden hat, ist Kritik einfach toll, weil sie ihn weiter bringt.
Die Übung der Selbstdistanz, was die eigenen Texte angeht hat er schon hundertfach vollzogen.

Die Schwierigkeit in solch einem Forum liegt nun darin, dass hier alle Arten von Schreibern vertreten sind.

Wenn ich nun noch keine Distanz zu meinem Text habe, mich beim selber lesen über die eine oder andere Formulierung freue, erstaunt vor der Erkenntnis stehe, dass ich alleine diesen Text hervorgebracht habe, diese schönen Wendungen, diese gefühlvollen Adjektive, diese... was weiss ich nicht alles...
Wenn ich dann mutig copy & paste verwende mit dem Gedanken: Hey, ist echt gar nicht so schlecht, ja ist sogar richtig gut, mal sehn, was die Anderen im Forum dazu meinen; Wenn ich dann entschlossen auf absenden klicke, danach halbherzig an meinem Skript arbeite, zwischendurch immer wieder ins Forum hechtend, Na, hat schon einer kommentiert? Nö, immer noch nichts, ok, weiter im Text.................und nach dem fünften Anlauf auf die erste Kritik stoße, beim Lesen den Unterkiefer immer weiter sinken lasse, während meine Augen die Seite runterscrollen. Was steht da? Ich mags gar nicht glauben,: Zu viele Adjektive, zu lange Sätze, zu unübersichtlich, falsche Zeitabläufe, zu sehr mit unwesentlichen Informationen überfrachtet.....?
eine einzelne Träne tropft auf die Tastatur. Unwesentliche Informationen flüstere ich, bevor ich die escape taste drücke.
Der freundliche smieley am Ende des Textes bleibt noch einige Minuten hohnlächelnd auf meiner Netzhaut haften.
Was dann?
Bin ich dann überhaupt noch offen für ein weiteres Gespräch?

schwierig.
Paco de Lucia konnte keine Noten

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.09.2009, 13:14)
@ nitram

ich habe Deine Sandwichtechnik neulich tatsächlich angewandt.
Das funktioniert schon. Stimmt. Das heisst aber nicht, dass man sie zwingend anwenden muss. Im Fall von Siegfrieds Kritik an Angelas Text sollte man erwähnen, dass der Text von mehreren Usern ausdrücklich und ohne Abstriche gelobt wurde - und so viel ich weiss, geschah das VOR Siegfrieds Kritik. Ich meine, vor dem Hintergrund dieser vielen positiven Bewertungen müsste man doch auch mal bisschen was wegstecken können - zumal Siegfried durchweg im sachlichen Tonfall kritisiert hat.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (19.09.2009, 13:26)
elisa hat geschrieben:
Der Unterschied ist nur, dass du sagst, du hättest bewusst schlecht geschrieben, also wird es dich wohl kaum zu Boden schmettern, wenn du auf eine klare Kritik stößt, die nur ca. ein Drittel deines Textes übrig lässt.


Das mit der Bekanntgabe, ich hätte ganz bewusst einen Text schlecht geschrieben, sollte die Gewissensbisse bei den möglichen Kritikern verhindern, den Text so zu bewerten, wie sie ihn empfinden - nicht, dass jemand Angst bekommt: "Oh, ich könnte da jemandem weh tun!" cheezygrin Der Text sollte so kritisiert werden, dass man daraus einen Standard für das Forum ableiten könnte.

Zum Ausgleich hier ein Text, der nach Möglichkeit nicht bewusst schlecht geschrieben wurde - auch als Alternative für jene, die den ersten Arbeitstext als zu offensichtlich schlecht ansehen cheezygrin

    "Das Geld hier rein. Aber dalli!" Gregor warf dem Kassierer die Aktentasche zu und wedelte mit dem Revolver. "Und keinen Mucks, sonst knallt's!" Er sah sich nach den anderen Kunden in der Bank um.

    Die beiden jungen Leute am Kontoauszugsdrucker rissen die Hände hoch. Am Stehpult mit den Formularen rutschte einer alten Dame vor Schreck der Vordruck von der Tischplatte. In ihrem verhärmten Gesicht spiegelte sich maßloses Entsetzen.

    "Na, läuft ja bestens", dachte Gregor und schielte nach den Überwachungskameras. Die Polizei würde nur einen dickbäuchigen, langhaarigen Mann mit Vollbart und Latzhose zu sehen bekommen.

    "Das reicht", zischte Gregor zum Kassierer. Der Mann schloss die Aktentasche und warf sie über die Panzerglasscheibe.

    "Dem ersten, der mir hinterher rennt, schieße ich die Nase weg", drohte Gregor, drehte sich um und lief aus der Bank. Auf der Straße zwang er sich zur Ruhe. Zielsicher fand er die U-Bahnstation und dort die öffentlichen Toiletten. Er betrat eine der Kabinen. Unter seiner Latzhose zog er einen Beutel hervor, und sofort verschwand sein ausladender Bauch. Gregor schlüpfte aus Tennisschuhen und Latzhose, riss sich die Perücke vom Kopf und zog den Vollbart ab. Dem Beutel entnahm er ein knitterfreies Hemd, Jackett und Hose und ein Paar schwarze Halbschuhe. Ein paar Augenblicke später war aus dem Bankräuber ein ganz normaler Büroangestellter geworden. In einem Spiegel über dem Waschbecken kontrollierte er noch mal sein Äußeres. "Du bist verdammt gut", murmelte Gregor und grinste zufrieden sein Spiegelbild an. Dann verließ er die Toilette.

    Wieder auf der Straße, sah er, dass zwei Streifenwagen vor der Bank standen. Für einen Moment zuckte es in seinen Beinen, wollte er einfach davonrennen. Doch sein Verstand siegte. Gregor schlenderte in aller Ruhe zum Stadtpark. Wenig später saß er auf einer Parkbank, die Aktentasche auf den Knien. Er sah sich um. Eine ältere Dame kam langsam näher. Vorsichtig öffnete Gregor die Tasche. Als seine Finger durch die Bündel mit den Hunderten glitten, jubelte er leise. Was für ein Fischzug!

    Plötzlich knirschten Schritte neben ihm. Aus den Augenwinkeln sah Gregor Damenschuhe. Alte Damenschuhe. Für ausgesprochen große Füße. Sein Blick wanderte höher. Ein grauer, knielanger Rock, eine weiße Bluse. Und die Mündung einer Pistole.

    „Her mit der Tasche, Kollege!“ Die Stimme klang tief und herb. Geradezu männlich.

    Gregor blickte auf. Und sah in das seltsam verhärmte Gesicht einer alten Frau. Das ist ein Kerl, fuhr es Gregor durch den Kopf.

    „Nun mach schon“, sagte der Mann und fügte grinsend hinzu: „Oder muss ich dir erst – wie hast du gesagt – die Nase wegschießen?“


Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Gerhard
Beiträge: 913
Registriert: 07.12.2007, 00:28

Re:

von Gerhard (19.09.2009, 13:32)
Siegfried hat geschrieben:
Die Zielsetzung war, einen wirklich schlechten Text zu kritisieren, und zwar so, dass der Autor (den ich mit "Zacharias Zebulon" angegeben habe) sich nicht "am Boden zerstört" fühlt. Dies geht - so wurde es mir ja vorgehalten - nur, wenn man in einem Text mindestens eben so viel Positives wie Negatives findet. Die Kritiken, die ich bisher zu dem Text gelesen habe, hatten alle Hand und Fuß, waren alles andere als pauschal und aus meiner Sicht absolut korrekt - aber eine selbst nur in Teilen positive Rückmeldung war nicht darunter. Von daher wäre "Zacharias Zebulon" jetzt am Boden zerstört - und hätte Beistand von anderen Autoren erfahren müssen, die vehement gegen diese rein negativen Kritiken hätten vorgehen müssen.


Falsch!!!! Eine positive Kritik ist es nicht, wenn man zu einem Text etwas positives sagt, sondern wenn man die Kritik positiv formuliert. Ich will mal an den ersten drei Absätzen deines Textes zeigen, was ich meine. Auch werde ich mich nur auf einen Punkt im Text beschränken.


Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.

Bernd blieb abrupt vor der gelben, halbrunden Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen, eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria. Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen, doch als er sich in den Unterarm gezwickt hatte und der Mann am Ofen noch immer zu sehen war, musste er sich eingestehen, dass der Pizzabäcker real war.
"Martin!", rief er erstaunt.

Bernd lief zur Pizzabude hinüber. Der Mann am Ofen drehte sich um. Er war gerade dabei, einer Banane die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die weiche, süße Frucht in den Mund zu stecken. Während er zu kauen begann, wanderten seine Augenbrauen um Daumenbreite in die Höhe.

Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd laut vernehmlich.



1.) Die positive negativ Kritik:

An deinem Text sehe ich ein paar logische Ungereimtheiten. Da steht Bernd einmal vor der Pizzabude und sieht den Pizzabäcker. Im dritten Absatz dann, läuft er zur Pizzabude hinüber. Das geht aber nur, wenn Bernd nicht vor der Pizzabude gestanden hat. Und wenn Bernd halt anscheinend auf der anderen Straßenseite gestanden hat, muss man sich fragen, wie er dann den Pizzabäcker in seiner Bude hatte sehen können. Diesen Sachverhalt solltest du noch mal genau überdenken usw. usf.

2.) Die negative negativ Kritik:

Also erst mal gehört der Text eigentlich in die Tonne, und zwar ganz weit nach unten. Er strotzt vor Logiklöchern und ich habe beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass du uns mit diesem Text irgendwie verarschen willst. Lies dir den Text doch bitte noch mal durch, bevor du ihn hier einstellst. Im 2. Absatz steht Bend vor der Pizzabude und im 3. Absatz läuft er zur Pizzabude hinüber. Das fällt eigentlich jedem Blinden auf, dass da etwas nicht stimmen kann. Nur dir anscheinend nicht. Und wem solche großen Logiklöcher nicht auffallen, was wird der Autor dann dem Leser noch weiter an kleinen Logiklöchern zumuten? Wie gesagt, Tonne gaaaaaanz weit unten.


Die 2. Kritik ist eine vernichtende Kritik bei der der Autor heruntergemacht werden soll. Aus solch einer Kritik wird niemand wirklich etwas wichtiges lernen können und wollen. Und sie wird den Autor und viele andere zur Gegenwehr aufrufen, denn sie ist im Grunde ein Angriff auf den Autor. Und diese Art der Kritik wird von vielen hier abgelehnt.

Aus der 1. Kritik kann der Autor aber lernen, denn sie befasst sich nicht mit dem Intellekt des Autors, sondern sachlich mit seinem Text. Und sie ist nicht auf Vernichtung aus. Diese Art der Kritik ist für mich eine positive negativ Kritik und sie wird kaum einen Autoren am Boden zerstören. Und so sollten Textkritiken aussehen.
Zuletzt geändert von Gerhard am 19.09.2009, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.
Herzliche Grüße
Gerhard

_________________________________

Die Welt ist anders, als sie uns erscheint. "Auf der Suche nach der Realität" , ISBN 978-3833493294

www.GerhardPhilipp.de

Nitram
Beiträge: 465
Registriert: 01.03.2009, 15:07
Wohnort: Österreich

Re:

von Nitram (19.09.2009, 13:38)
chnuppesaager hat geschrieben:
@ nitram
ich habe Deine Sandwichtechnik neulich tatsächlich angewandt.
Das funktioniert schon. Stimmt.

thumbbup
Hinzufügen möchte ich noch, dass das Sandwich-Prinzip nicht ich erfunden habe, sondern dies - mehr oder weniger - den aktuellen Stand der Kommunikations-Methodik darstellt. "State of the art" sozusagen.
Ich habe da mal einen Spruch gehört, der sich mir eingeprägt hat:
"Der Empfänger gibt der Nachricht die Botschaft, nicht der Sender."
Das bedeutet, eine Nachricht, (also auch ein Posting) kann vom Absender noch so positiv und hilfreich gemeint sein - entscheidend ist immer, wie die "message" beim Empfänger ankommt und wie sie von ihm interpretiert wird.

chnuppesaager hat geschrieben:
Das heisst aber nicht, dass man sie zwingend anwenden muss.

Natürlich nicht.
Kommunikations-Methoden sind immer Hilfsmittel, "tools", derer man sich bedienen kann, aber nicht muß.

Zu dem ursprünglichen Anlass dieses Threads möchte ich nichts mehr sagen, um das Thema nicht neuerlich anzuheizen.
Ich finde, wir sollten irgendwann einen Schlussstrich ziehen.
Gruss
Nitram
Tu felix Austria - die andere Seite der Alpenrepublik - zweite Auflage

ISBN 978-3-8391-0512-2

HP: www.robert-brettschneider.com

Video: http://www.youtube.com/user/RobertBrettschneider

Zurück zu „Textfeedback“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.