Alle Männer sind Brüder

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Arno Abendschön
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Alle Männer sind Brüder

von Arno Abendschön (31.10.2007, 16:50)
Titel: Alle Männer sind Brüder
Autor: Arno Abendschön

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8334-8098-0
Seiten: 200
Preis: 12,95

Der Autor über das Buch:

Der Ich-Erzähler ist ein junger Wiener Polizist, der vom Land stammt, aus konservativen, kleinbäuerlichen Verhältnissen. Er lebt allein und beziehungslos in der Stadt. Wenn er freie Tage daheim auf dem Land verbringt, verhält er sich wie andere junge Männer, geht in Discos, lernt Frauen kennen. Ganz anders, wenn er von Wien aufs Land fährt: Dann sucht er auf den Bahnhöfen, in den Zügen anonyme Männerbekanntschaften, meist erfolglos. Er ist entschlossen, später einmal zu heiraten. Seine fixe Idee ist es, seine Gene weitergeben zu wollen.

Dann lernt er die Tochter eines vermögenden Geschäftsmannes kennen. Doris hat triftige Gründe, bald zu heiraten, und in ihm glaubt sie den passenden Partner gefunden zu haben. Man verlobt sich, heiratet. Ein Kind kommt. Danach befreit sich Doris auf überraschende Weise von ihrem Mann.

Der Polizist erlebt diesen Ablauf wie einer, der in ein Räderwerk geraten ist, dem er aus eigener Kraft nicht entkommen kann. Er lässt fast alles über sich ergehen. Um sein inneres Gleichgewicht zu retten, dringt er nun tiefer in jene andere Welt ein und beginnt ein Doppelleben zu führen. Damit treibt er das Geschehen seinem abschließenden Höhepunkt entgegen.

Die Handlung des Romans ist frei erfunden, doch liegen ihr zahlreiche Gespräche des Autors mit Bisexuellen zugrunde. Ihre Biographien kamen ihm oft problematischer als zunächst erwartet vor. Ist der Bisexuelle nicht der Mensch in der Mitte, offen für alle Glücksmöglichkeiten? Die Realität sieht in vielen Fällen eher wie in dem Film "Brokeback Mountain" aus: Ehen, die auf Verstellung und Lüge beruhen, Beziehungen, die sich allmählich von innen heraus zersetzen ...

Den Autor hat bei Konzeption und Abfassung vor allem eine Frage interessiert: Wie können intelligente, moralisch empfindende Menschen sich und anderen Derartiges antun? Erwarten Sie jedoch keinen tieftraurigen Text, eher eine melancholische Burleske.

Klappentext:

ALLE MÄNNER SIND BRÜDER ... für einen jungen Polizisten aus Wien. Obwohl er homosexuell ist, versucht er eine Familie zu gründen. Es gelingt ihm zunächst, doch dann beginnt er ein Doppelleben und scheitert am Ende. Die Geschichte eines Irrweges, burlesk und zugleich voller Melancholie.

ARNO ABENDSCHÖN ist als Bauernsohn in Süddeutschland aufgewachsen. Er hat lange in Berlin, später in Hamburg gelebt; wohnt heute in der Nähe von Lüneburg. Er schreibt Romane, Erzählungen und Kurzprosa. "Alle Männer sind Brüder" ist seine erste Buchveröffentlichung.

Inhalt:

TEXTPROBE:


Sie lachte ein wenig hysterisch und verließ ihren Sessel. Sie kam zu mir herüber und nahm auf der linken Armlehne meines Sessels Platz. Sie hing schon halb über mir und legte erst noch den rechten Arm um meinen Hals. Gleich würde sie mich küssen. Ich ließ mich küssen. Wie meistens empfand ich dabei wenig oder nichts, jedenfalls nichts Angenehmes. Zwei dünne Schleimhäute auf zwei anderen dünnen Schleimhäuten, im Lauf einer langen Nacht etwas ausgetrocknete Schleimhäute, zuletzt noch vom Wermut oder etwas Naturidentischem gegerbt. Wieder dieses Gefühl von befeuchteten Krokohandtaschen. Und dann dieser Fremdkörper im eigenen Mund ... Wir hätten vor dem ersten Kuss Erdbeeren essen sollen. Ich hatte noch nie einen Mann geküsst, ich stellte es mir ebenso fad vor.
Sie führte mich zu ihrem Bett. Es war geschmackvoll wie alles im Raum.
Nur gegen das Küssen hatte ich eine Abneigung. Das Folgende ließ mich wie üblich innerlich unbeteiligt. Ich funktionierte meiner Bestimmung entsprechend. Ich habe insofern noch nie versagt. Als Polizist bin ich körperlichen Einsatz gewöhnt, ich habe Körperbeherrschung gelernt, ich habe sie trainiert. Ich fasse Sex als eine Art Turnübung auf. Ich konzentriere mich auf mich selbst. Ich bin dann ziemlich allein. Was kann dabei herauskommen - vermutlich eine nur mittelmäßige Leistung. Wie ich ein mittelmäßiger Tänzer bin, bin ich auch ein mittelmäßiger Beischläfer.
Sie gehörte zu jenen Frauen, die es erregt, wenn ein Mann sich nur physisch verausgabt. Sie versuchte, diese merkwürdige Sache zwischen uns zu interpretieren. Sie sagte: "Oh, du bist ja ein Pascha!" Sie missverstand mich von Anfang an. Wahrscheinlich wollte sie mich missverstehen, sie war ja so klug.
Nachher lagen wir ruhig nebeneinander. Sie gefiel mir noch immer. Sie war hübsch und gescheit. Sie war nett zu mir.

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Peter-Pitsch
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Der innere Konflikt

von Peter-Pitsch (08.09.2011, 18:05)
Frei von jeglicher Ornamentik umschließt die Buchhülle des kleinen Romans einen schnörkellos geradlinigen Erzählstrang. Der Titel "Alle Männer sind Brüder" weist jedoch auf den zugrunde liegenden Zwiespalt hin, welcher die seelische Befindlichkeit des Autors bei aller sachlichen Vorgehensweise im Stillen beutelt. Wo er immerzu um Korrektheit und Konformität bemüht ist, steht die Natur bedingte Homosexualität seines Protagonisten im krassen Gegensatz zu dem Wunsch nach linearer, durchstrukturierter Normalität im Sinne gängiger Auffassung. Es nimmt nicht Wunder, das der Verfasser den tobenden inneren Konflikt mit nüchternen, quasi im Tagebuchstil geführten Beschreibungen zu bändigen sucht; dass er sich stets eine große Diskretion auferlegt, um noch am Ende seines Werkes - wie zum Selbstschutz - darauf hinzuweisen, alle Personen und Einzelheiten der Handlung seien frei erfunden. Zu keiner Zeit überschreiten seine persönlichen Aufzeichnungen eine moralisch verwerfliche Grenze, nie begibt er sich jenseits des guten Tons ins Spotlicht eines detaillierten Voyeurismus, der bloßen Befriedigung der Sensationslust wegen. Jener Drang zu gleichgeschlechtiger Zweisamkeit ist der psychologische Umdrehungspunkt, den zu umkreisen die Geschehnisse eines (zum Scheitern verurteilten) Daseins mit Frau, Kleinkind und patriarchalischem Schwiegervater bestimmt sind. Die Befangenheit und leise Resignation angesichts dieses eingefleischten Zwanges - dieser als Abweichung empfundenen Begierde - sind dabei allgegenwärtig. Verdeutlicht noch anhand der oftmals makaberen Gegenüberstellung von tatsächlich erlebter Wirklichkeit und eines aufgesetzten sozialen Rollenspiels. An der genetisch bedingten Veranlagung der menschlichen Natur, unseres Wesens reiben sich permanent erzkatholische Mechanismen der Moral. Indes sind es eben diese Arten von Gegensätzen, die vielschichtige gedankliche Strukturen ermöglichen, ja zwangsläufig (!) erzeugen. Tritt das individuelle Bemühen des Autors, sich nicht auf Gedeih oder Verderb den vermeintlich unbestimmbaren Kräften auszuliefern, auch noch so offenkundig zutage. Auf den letzten Seiten des Buches - dessen Geschichte er selbst (s. Klappentext) als burlesk bezeichnet -, vollzieht Arno Abendschön allerdings ein beachtliches Resümee von philosophischer Klarheit. Dieser abschließende Teil, der mich aufs Tiefste angesprochen hat, wandelt rückwirkend den sachlich beschriebenen Konflikt eines Außenseiters der Gesellschaft in ein nachvollziehbares, weil menschliches Dilemma von dramatischem Ausmaß. In diesem einen intensiven Moment der Wahrnehmung wähnte ich mich mit dem Verfasser seelisch stark verbunden, ich fühlte mich wie sein enger Vertrauter.
"Meine Auffassung von Natur ist umfassender, so umfassend, dass ich von vornherein darauf verzichte, ihr nur gerade die Absichten zu unterstellen, die ich noch nachvollziehen kann. Wie kann ein unendlich kleiner Bestandteil das Ganze erkennen? Mag sein, Natur will gerade Wesen wie mich, die auf den abblätternden Putz alter Häuser blicken."
Zuletzt geändert von Peter-Pitsch am 24.10.2011, 23:16, insgesamt 1-mal geändert.

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mtg
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Re: Alle Männer sind Brüder

von mtg (08.09.2011, 19:47)
Wenn ich auch mit allem einverstanden bin - damit nicht:

Arno Abendschön hat geschrieben:
Obwohl er homosexuell ist, versucht er eine Familie zu gründen.


Es gibt überraschend viele Homosexuelle, die bewusst eine Familie gründen. Die Beziehung »obwohl« stimmt da nicht. Richtiger wäre »Zwar ist er ..., versucht aber ...« gewesen. Das hätte den Zwiespalt deutlicher gemacht.

Ansonsten: thumbbup
Kommt auf meine Liste.

Leseratte 2011

Re:

von Leseratte 2011 (09.09.2011, 08:33)
Unabhängig des hier vorgestellten Buches, (ich habe es noch nicht gelesen, werde es aber tun, weil mich die Thematik interessiert) erlaube ich mir einige kurze Bemerkungen: Über dieses Thema wurden schon viele Bücher geschrieben. Meist tiefgründig, düster, schwermütig und von - das Wort Schuldgefühle will ich in diesem Zusammenhang bewusst nicht verwenden - persönlicher Betroffenheit überladen. Wieso ausgerechnet ich?

Warum finden wir so gut keine Literatur, in der die Bisexualität nicht nur angenommen, sondern auch fröhlich ausgelebt wird. Es ist nach meinem Verständnis nichts verwerfliches dabei, wenn man sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt. Oder ist unsere so hochgelobte „offene“ Gesellschaft noch nicht soweit, eine Laune der Schöpfung zu akzeptieren?

Leseratte 2011

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mtg
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Re:

von mtg (09.09.2011, 08:36)
Leseratte 2011 hat geschrieben:
Warum finden wir so gut keine Literatur, in der die Bisexualität nicht nur angenommen, sondern auch fröhlich ausgelebt wird.

Weil Bisexualität den betroffenen Menschen vor viel mehr Probleme stellt als die Frage, mit wem er/sie heute ins Bett hüpfen möchte. Bisexualität - in der Phantasie gerne als etwas Leichtes, Lockeres, besonders Tolerantes angesehen - bedeutet letztlich (sowohl in der Gesellschaft, aber noch viel stärker in der Innenansicht) den immerwährenden Platz zwischen zwei Stühlen ...

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SandraR
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Re:

von SandraR (09.09.2011, 09:28)
Der Protagonist ist ja nicht Bi- sondern Homosexuell. Das Zeugen eines Kindes ohne Spaß daran macht aus einem Homosexuellen keinen Bisexuellen.

Um Bi zu sein hätte er Spaß daran haben müssen.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

Leseratte 2011

Re:

von Leseratte 2011 (09.09.2011, 09:52)
SandraR hat geschrieben:
Der Protagonist ist ja nicht Bi- sondern Homosexuell. Das Zeugen eines Kindes ohne Spaß daran macht aus einem Homosexuellen keinen Bisexuellen.

Um Bi zu sein hätte er Spaß daran haben müssen.



Ich hatte eine allgemeine Frage gestellt, mich nicht auf das hier vorgestellte Buch bezogen: Zitat "Unabhängig des hier vorgestellten Buches, erlaube ich mir einige kurze Bemerkungen ..."

Mit Matthias' Antwort kann ich leben, Deine zeigt ein Manko gewisser Leute auf: Sie antworten, ohne begriffen zu haben, was gefragt wurde. :(

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mtg
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Re:

von mtg (09.09.2011, 10:13)
Leseratte 2011 hat geschrieben:
Mit Matthias' Antwort kann ich leben, Deine zeigt ein Manko gewisser Leute auf: Sie antworten, ohne begriffen zu haben, was gefragt wurde. :(

Kann man Dir irgendwie von Deinem hohen Ross herunterhelfen? In der Vorstellung eines Buches eine buchunabhängige Frage zu stellen und sich zu wundern, wenn Antworten kommen, die sich auf das Buch beziehen ... ist das so verwerflich? Manche Leute stellen ja auch Fragen, ohne zu wissen, in welchem Thread sie sich gerade befinden ...

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Jacqueline Ehmke
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Re:

von Jacqueline Ehmke (09.09.2011, 10:26)
Hier wird auf jeden Fall geantwortet, auch wenn`s erst vier Jahre später ist :shock:: :lol: thumbbup

Findsch jut thumbbup
Nichts ist statisch

www.joe-hundeschule.de
(wo es auch zu meinen Büchern geht)

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mtg
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Re:

von mtg (09.09.2011, 10:29)
Jacqueline Ehmke hat geschrieben:
Hier wird auf jeden Fall geantwortet, auch wenn`s erst vier Jahre später ist :shock:: :lol: thumbbup

Findsch jut thumbbup


Huch ... :shock:: stimmt! cheezygrin

Leseratte 2011

Re:

von Leseratte 2011 (09.09.2011, 10:31)
Aus Respekt vor dem Autor: .................

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hawepe
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Re:

von hawepe (09.09.2011, 10:39)
Leseratte 2011 hat geschrieben:
Deine zeigt ein Manko gewisser Leute auf: Sie antworten, ohne begriffen zu haben, was gefragt wurde. :(


Und du wirst es offenbar nie begreifen, dass es von einer absoluten Missachtung anderer Menschen zeugt, wenn man einfach ihre Threads kapert, anstatt selbst einen zu eröffnen :twisted:

Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (09.09.2011, 10:49)
Jacqueline Ehmke hat geschrieben:
Hier wird auf jeden Fall geantwortet, auch wenn`s erst vier Jahre später ist :shock:: :lol: thumbbup

Findsch jut thumbbup


Hier wird ja nicht für den Augenblick geschrieben, sondern für die Ewigkeit.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (09.09.2011, 11:00)
12,95 ohne Währungsangabe. Das sind bestimmt noch echte DM.

Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (09.09.2011, 11:03)
Thomas Becks hat geschrieben:
12,95 ohne Währungsangabe. Das sind bestimmt noch echte DM.


Bei 200 Seiten wäre das echt preiswert. :wink:

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