Welt ohne Zeit

Präsentiert euren Roman, Thriller, Fantasy-, Science-Fiction-, Romance-Titel oder euer Kinderbuch.


Ich lese Science-Fiction

Ja, oft
3
19%
Manchmal
8
50%
Garnicht
5
31%
 
Abstimmungen insgesamt: 16

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Welt ohne Zeit

von Michael Abenath (21.10.2009, 21:14)
Titel: Welt ohne Zeit
Autor: Michael Abenath

Verlag: Books on Demand
ISBN: 783839129296
Seiten: 244
Preis: 15,90

Der Autor über das Buch:

Dies ist mein erster Roman, an den ich sehr lange gebastelt habe. Es fehlte oft die Zeit, weil mir ein Job bei einer Zeitarbeitfirma ziemlich stark beanspruchte und ich nur langsam voran kam. Abends war ich meist zu müde und brachte gerade mal ein paar Sätze zustande.
Als ich endlich arbeitslos wurde, nutze ich die Zeit und saß bis tief in die Nacht vor dem PC.
Das Grundthema ist eine Reise zum nächsten Sonnensystem Alpha Centauri, etwa 200 Jahre in der Zukunft, in der es keine Männer mehr gibt, weil sie durch eine Genveränderung Impotent wurden.
Die technisch und spirituell hochentwickelte Frauenwelt trifft im All auf "feinstoffliche" Wesen, die oberhalb der Lichtgeschwindigkeit existieren, die sich durch Raum und Zeit bewegen können, aber für uns normalerweise unsichtbar sind.

Ich praktiziere buddhistische Meditation und mache mir so meine Gedanken darüber was wohl hinter den alten Weisheiten steckt.
Um meine Phantasie laufen zu lassen, habe ich diesen Roman geschrieben. Dabei entdeckte ich Gemeinsamkeiten zwischen Wissenschaft und Spiritualität, die in diesen Roman thematisiert werden.
Aber nicht nur. Die Protagonistinnen Dara, Vera, Yvonne, Monique und das feinstoffliche Wesen Viktoria, aber auch die beiden Männer Gerry und John aus der Vergangenheit kommen im nächsten Roman wieder zum Einsatz

Klappentext:

Eine mysteriöse weltweite Veränderung der Gene zerstörte Mitte des 21. Jahrhunderts die Potenz der Männer. Als Folge daraus entwickelte sich eine neue Gesellschaft aus weiblichen Regenbogenfamilien.
Im Jahr 2196 bricht die technisch und spirituell hochentwickelte Frauenwelt mit einem gigantischen Raumschiff namens Profectio zu einer fünfzehnjährigen interstellaren Reise ins All auf. Das Ziel: einen vermutlich bewohnten Planeten im Doppelsternsystem Alpha Centauri.
Kurz vor dem Start meldet die Raumüberwachung ein kleines Raumschiff, das auf unerklärlicherweise aus der Vergangenheit ins Jahr 2196 geschleudert wurde. An Bord zwei Männer und eine Frau. Lydia, Leiterin der Reise und Forschungsgesellschaft Transpace ist sich ziemlich sicher, dass hier ein Zusammenhang zu den geheimnisvollen Erscheinungen besteht, die sich selbst „zeitreisende Beschützerinnen“ nennen...
Dateianhänge
DSC00260.JPG
Zuletzt geändert von Michael Abenath am 30.10.2009, 21:39, insgesamt 5-mal geändert.
Ein Video von mir zu Thema der Romane:
http://youtu.be/0mLicvseYyc

Worte und Klänge
http://www.dara-scope.jimdo.com

Benutzeravatar
MarleneGeselle
Beiträge: 981
Registriert: 09.02.2009, 13:27
Wohnort: Hettingen

Re:

von MarleneGeselle (22.10.2009, 09:44)
Guten Morgen

und meine herzlichsten Glückwünsche. Klappentext und Coverfoto sind wirklich spitze! thumbbup thumbbup thumbbup

Viel Erfolg und einen schönen Tag noch
Marlene
Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
www.marlenegeselle.de

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Hallo Marlene

von Michael Abenath (22.10.2009, 18:08)
danke für die Blumen! :D
Immerhin, ein Buch habe ich schon verkauft. Ist doch schön.
Ich wünsche Dir auch viel Erfolg. thumbbup
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

Bela
Beiträge: 192
Registriert: 11.07.2009, 19:11
Wohnort: im Süden der Republik

Re:

von Bela (22.10.2009, 22:33)
Hallo Michael,

Ich finde die Idee einfach toll.
Bemerkenswert auch deine Beschreibung über die Art der Entstehung
deines Buches.

thumbbup thumbbup thumbbup

Ich wünsche dir viel Glück mit dem Verkauf.

LG

Bela
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man schönes bauen. J.W. v. Goethe

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Re:

von Michael Abenath (25.10.2009, 02:00)
Hallo,

ich freue mich natürlich sehr über die freundlichen Beiträge. Aber was ich noch spannender fände ist, wenn ich mit jemand über den Inhalt meines ersten Romans diskutieren könnte, um zu erfahren wie das Thema bei anderen rüberkommt. Vielleicht findet sich ja eine Leseratte, die das Buch kauft und liest.

Liebe Grüße von

Michael :D

Mein Buch: book:

www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=253733
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Leseprobe

von Michael Abenath (26.10.2009, 01:50)
Leseprobe aus "Welt ohne Zeit"

Besuch aus der Vergangenheit

Die Sonne stand hoch am Himmel und brannte erbarmungslos. Heiße Luft stieg auf, der Horizont glitzerte. An weißen Bungalows, die friedlich in einer paradiesisch anmutenden Parkanlage lagen, funkelten goldbraun getönte Fensterscheiben im Licht. Hier und dort parkten schnittige Solarautos und Fahrräder, kein Mensch weit und breit.
An diesem Sommertag im Jahr 2196 befand sich Dara Scope auf dem Weg zum U-Bahn-Lift. Am Eingang wehte ihr angenehm kühle Luft entgegen. Sie atmete tief durch und strich sich mit der Hand durch ihr langes schwarzes Haar. In wenigen Sekunden sauste der Lift in die Tiefe und öffnete mit einem sanften melodischen Klang die Tür. Die Stadt pulsierte tief unter der Erde. Große lichtdurchflutete Erlebnisplätze, kühle Eleganz aus Stahl, Chrom und Marmor.
Aus einem blau beleuchteten Tunnel sauste eine Bahn heran und stoppte vor den Wartenden, während sich die chromglänzende Seitenwand des Zuges öffnete. Dara bestieg den Zug und dachte an das neue Projekt, überlegte, was es für sie als Mitarbeiterin von Transpace an neuen Herausforderungen geben könnte.
Als ihre Mutter vor fünf Jahren vorschlug sich bei TS als Shuttlepilotin zu bewerben, befolgte sie ihren Rat. „Der Job dort ist interessant. Du hast im wahrsten Sinne Aufstiegschancen“, hatte sie augenzwinkernd gesagt.
Eine phantasievoll angelegte Pflanzenwelt schmückte die Flughafenhalle. Hoch unter der Decke hing ein historisches Shuttle. Darüber prangte ein blau leuchtender Schriftzug: Weltraumbahnhof. Dara trat in die Kontrollschleuse für Flughafenpersonal und legte die linke Hand auf den Sensor. Eine Tür aus silbern glänzenden Stahl glitt surrend auf. „Identität erfolgreich abgeschlossen, Person zugangsberechtigt“, tönte eine strenge Computerstimme. Sie betrat das Cockpit des Shuttles und ließ sich schnaufend in den Sitz fallen.
„Luxa, bist du da?“
„Aber klar und alle Systeme sind aktiviert“, antwortete die Frau im Computer. Sie war Daras virtuelle Assistentin und Ansprechpartnerin für Informationen und gleichzeitig eine treue immer präsente Freundin.
„Ich musste durch drei Barrieren, um mich einloggen zu können. Die Sicherheitsbestimmungen sind erhöht worden. Hackerinnen sind jetzt in der Endphase der Baustelle sehr aktiv“, fügte Luxa hinzu.
„Denkst du, es gibt Sabotageversuche.“
„Eher blinde Passagiere. Die Chance, unter den glücklichen Tausend zu sein, ist gering.“
„Mich interessiert, wie groß meine Chance ist“, antwortete Dara, während sie auf das Display schaute, welches eine lange Tabelle herunterkurbelte..
„Sehr hoch, Dara.“
Luxa erschien im Display, sie hatte ein zierliches Gesicht mit einer kurzen, frechen Frisur.
„Vera hat eine Stellenzusage.“ Sie schmunzelte.
„...und ihre Tochter darf mit“, fügte Dara hinzu und sprang vor Freude aus dem Sitz.
„Andockschleuse 104“, raunte eine strenge Stimme des Sicherheits- und Koordinierungssystems. Das Startzeichen. Dara betätigte einen großen Aktivierungssensor. Das Rangiertriebwerk erwachte mit einem leisen aufsteigenden Summton zum Leben brachte das Shuttle an Schleuse 104, wo Arbeitskräfte und Orbit-Touristinnen bereits auf den Einstieg warteten.
Wenig später sah Dara durch die getönte Frontscheibe auf die Rollbahn, die schnurrgerade, flankiert von reflektierenden Begrenzungsmarken, zu einem Fluchtpunkt zusammenliefen. Konzentriert und Kaugummi kauend saß sie im Sitz, als das Shuttle beschleunigte und die Nase schon nach wenigen Sekunden gegen den blauen Himmel streckte. Sie spürte den Druck, der sie tief in das Polster drückte, als sich die Maschine vom Boden löste, schnell an Höhe gewann und wie ein Pfeil den Himmel entgegen driftete.
„Alles ok“, meldete Luxa wenig später, „wir verlassen gleich die Atmosphäre.“ Am Horizont konnte Dara jetzt die Krümmung der Erde zu erkennen. Das blaue Licht der Oberfläche verlor sich in den pechschwarzen Weltraum und machte sich auf den Weg in die Unendlichkeit. Die Schwerkraft ließ nach. Das Triebwerk verstummte und das Shuttle ging in einem stillen Gleitflug über. Eine silbern glänzende Konstruktion lag vor ihnen. Das erste interstellare Raumschiff mit dem Namen Profectio stand unmittelbar vor der Vollendung. Ein riesiges Rad mit acht dicken Speichen. Rechts und links gigantische neu entwickelte Triebwerke, die das Schiff auf ein Drittel Lichtgeschwindigkeit beschleunigen sollen.
Tausende kleine Lichtpunkte verwandelten sich zu einem faszinierenden optischen Schauspiel, in dass das Shuttle eintauchte, als es an den Lichterreihen entlang schwebte und mit mechanischer Präzision an den gleichmäßig rotierenden Außenring an Einflugschleuse sechs andockte. Nach wenigen Minuten setzte es auf die Landeplattform auf.
Als die Touristinnen neugierig ihrer Reiseleiterin folgten und die Monteurinnen sich zur Arbeitsstelle begaben, beschloss Dara ihre Mutter zu besuchen, die hier oben ein kleines Apartment eingerichtet hatte. Sie lief mit großen Schritten durch halbfertige dunkle Korridore, in denen bunte Kabel aus Schächten hingen und ineinander verknotet auf dem Boden lagen. Die Türen der Quartiere standen offen. Monteurinnen, in ihrer Arbeit vertieft, hoben kurz den Kopf als Dara mit ihren hartbesohlten Schuhen laut über den nackten Metallboden stelzte. Sie gelangte endlich an Tür Nummer 157 an der rechts daneben ein aktiviertes Display leuchtete, auf dem im violetten Schriftzug „Vera S. Ingenieurin von TS“ stand. Die Tür glitt mit einem leichten Surren auf, nachdem Dara den Sensor mehrmals betätigt hatte.
Vera wirkte im ersten Moment etwas gereizt, doch ihr müdes Gesicht erstrahlte mit neuer Energie, als sie Dara sah.
Sie umarmten sich.
„Grüß dich, Ma.“
„Du, ich freue mich, dass du gekommen bist. Wie lang kannst du bleiben?“
„Zehn Minuten, dann muss ich wieder zum Shuttle.“
„Willst du was essen?“
„Nein, gib mir nur einen Vitaminshake.“ Dara setzte sich auf ein aufblasbares Sofa, welches zusammen mit einem gelben Pilztisch am Fenster stand, beugte sich vor und genoss für einen Moment den Blick auf die Erde.
Sie wandte sich Vera zu, die mit zwei Gläser Saft aus der Versorgungsnische kam. Das Sofa quietschte, als sie sich neben Dara setzte.
„Willst du dich nicht etwas netter einrichten“, fragte Dara
„Mir reicht es. Ich komme nur noch zum Schlafen hierher.“
„Du siehst schlecht aus, Ma.“
„Kein Wunder bei den Überstunden. Im Moment sind wir in der Endphase der Fertigstellung. Wenn das geschafft ist mache ich erst mal Urlaub.“ Vera schmunzelte und ihre müden Augen funkelten kurz auf.
„Was machst du danach?“
„Der Konzern bietet mir eine weitere Beschäftigung auf diesem Raumschiff an.“
„Das heißt du kannst mitfliegen?“
„Ja“. Vera nippte an den fruchtigen Saft. „Ich habe noch nicht zugesagt.“
„Aber warum nicht!“
„Es ist eine entgültige Entscheidung. Es gibt kein Zurück. Das Risiko ist hoch, keiner kann sagen, was uns wirklich erwartet, Dara.“
Vera sah nachdenklich durch das Fenster.
„Ich bin jedenfalls dabei, wenn du den Job annimmst“, sagte Dara und schmunzelte.
„Kannst du dir vorstellen, fünfzehn Jahre in einem Raumschiff zu sein und draußen nichts als schwarze Leere?“
„Ma, sieh dir das gigantische Bauwerk hier an. Du hast das Gefühl du lebst in einer Stadt. Da merkst du die Leere des Weltraums nicht.“
Vera lehnte sich weit in das Sofa zurück und starrte zur Decke.
„Lass uns ein anderes mal darüber reden, ich bin jetzt zu müde!“, sagte sie und gähnte.
Dara stand auf, und leerte das Glas.
„Ich muss gleich los, soll ich noch etwas für dich besorgen?“
„Nein danke.“
Sie umarmten sich. Das Schiff hatte sich weitergedreht. Das letzte Stück der Erdoberfläche verschwand am oberen Rand des Fensters. Vera erschrak, als sie durch das Fenster blickte und die Erde verschwunden war.
Zuletzt geändert von Michael Abenath am 17.11.2009, 22:32, insgesamt 2-mal geändert.
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

svi
Beiträge: 43
Registriert: 04.10.2009, 10:34

Re:

von svi (26.10.2009, 08:53)
hallo michael

glückwunsch zu deinem buch und danke für die textprobe. die beschreibung der entstehung dieser geschichte hat mich begeistert und meine neugierde geweckt.

da du eine textprobe hier eingestellt hast, erlaube ich mir eine textkritik:

"Sie umarmten sich. Das Schiff hatte sich weitergedreht. Das letzte Stück der Erdoberfläche verschwand am oberen Rand des Fensters. Vera erschrak, als durch das Fenster blickte und die Erde verschwunden war. "

abgesehen von dem flüchtigkeitsfehler im letzten satz, finde ich das ende der textprobe sehr gut. ich bein ein grosser fan von kurzen ausdrucksstarken sätzen und nichts stört mich beim lesen mehr, als der falsche oder ein überflüssiger gebrauch von adjektiven. wenn ich lektor wäre, würde ich dir raten, deinen gesamten text aus dieser perspektive selbstkritisch zu beleuchten. aber das ist meine rein subjektive einschätzung und gerade dieser aspekt könnte einen anderen leser sehr begeistern.

die story klingt auf jedenfall sehr spannend. wenn du die flinte nicht ins korn wirfst, dann werden wir bestimmt eines tages noch etwas von deinen texten in einem anderen verlag entdecken.

viel glück,

svi
---

Meine Reise ins Land der Vampire, Novelle
ISBN 978-3-8391-3113-8, Paperback, 60 Seiten

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Re:

von Michael Abenath (27.10.2009, 00:30)
Hallo svi,

danke für deine Ermutigung. Ich werde die Flinte nicht ins Korn werfen und für Kritik bin ich immer offen. Ich selbst habe auch einige Fehler in den Roman entdeckt, obwohl ich vor der BOD-Veröffentlichung mehrmals den Text überarbeitet hatte.
Bevor ich richtige Verlage mit meinen Manuskripten bewerbe, möchte ich sie möchlichst fehlerfrei haben. Und dafür sind Anregungen und Kritiken immer gut. In meinem Bekanntenkreis wird der Roman z.Z. zum Lesen und anschließenden Besprechen herumgereicht.

Auch Dir wünsche ich viel Erfolg.

Liebe Grüße von
Michael
Zuletzt geändert von Michael Abenath am 29.10.2009, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

eine weitere Lesebrobe

von Michael Abenath (28.10.2009, 22:07)
Hier möchte ich ein weiteres Stück aus meinen Roman vorstellen: Seite 143 bis 148 des 244 Seitigen Buches.
Die Handlung spielt in der Cocktailbar des Raumschiffs, welches gerade unser Sonnensystem verlässt:
book:
„Stellen sie sich mal vor, wir wären Protagonistinnen in einem Roman“, philosophierte Linda und schielte dabei links nach oben, so wie sie es oft tat, wenn sie zu tiefgründigen gedanklichen Abenteuern ansetzte. Umringt von üppigen Pflanzen saß sie in der Pioniersloft an einem Marmortisch bei einem Krypton-Cocktail, das golden leuchtete und aus dem ein dicker leicht abgewinkelter Trinkhalm ragte. John, Gerry und Claudia lauschten geduldig Lindas Ausführungen. Zufällig trafen sie die Philosophische Wissenschaftsassistentin in der Halle wieder und Gerry lud sie gleich zu einem Cocktail ein. Wie bei der ersten Begegnung, als sie mit Dara versuchten seine Vergangenheit wiederzufinden, glaubte er `seine´ Linda aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert vor sich zu haben.
„Vielleicht sind wir Romanheldinnen, wer weiß“, antwortete Gerry, um in die Diskussion einzusteigen.
„Welche Beziehung haben wir dann zu der Autorin der Geschichte“, fragte Linda auffordernd in die Runde und nippte an den Trinkhalm.
„Na, so ähnlich wie Gott zu den Menschen“, meinte John, auch wenn ihm noch nicht ganz klar war, worauf die Philosophin hinaus wollte.
„Eine Göttin im christlichen Sinn wäre zu hoch gegriffen, denn die Göttin der Christinnen steht über alles. Sie wurde nicht erschaffen, sie ist jenseits allen Begrifflichen. Eine Position, die unsere Autorin ja nicht haben kann, denn sie lebt, denkt und erfindet Storys. Dann muss sie selbst ja auch in einer Welt leben die erschaffen wurde.“ – Ja, dass stimmt. Da stelle ich mich als Autor dieses Romans gleich die Frage: wer hat meine Realität erfunden? – „Kann die Autorin nicht auch ein männliches Wesen sein“, provozierte Gerry.
Linda lachte. „Natürlich, der Begriff Autorin beinhaltet ja schon Autor, und muss nicht extra definiert werden.“ `Weibliche Logik´ dachte Gerry und schmunzelte.
„Diese hypothetische Autorin entwickelt eine Geschichte, die aus der Motivation des kreativen Schaffens entspringt“, verfolgte Linda ihre Idee weiter, während sie sich zurücklehnte. „Diese Geschichte ist nicht einfach nur eine Erfindung des Verstandes, sondern zum Teil auch ein Beitrag der Seele“, skizzierte sie.
John versuchte eine Perspektive aus der Grenzwissenschaft. „Die Seele ist ja der Bereich unseres menschlichen Bewusstseins, welches mehr weiß als unser Gehirn. Sie nimmt Phänomene jenseits der physischen Welt wahr.“
„Dann sind wir die Welt jenseits der physischen Welt“, schlussfolgerte Linda.
„Aber nur aus Sicht des Autors – beziehungsweise Autorin“, warf Gerry ein.
„Und aus der Sicht der Leserin und des Lesers. Wir entstehen im Geist der Lesenden, spontan, auch wenn wir nicht bis ins kleinste Detail beschrieben werden. Frauen stellen sich eine Linda anders vor als Männer. Es ist unwahrscheinlich, dass zwei Personen genau die gleiche Vorstellung von einem beschriebenen Objekt entwickeln“, dozierte Linda und fügte hinzu. „Das ist grundsätzlich so. Auch bei Objekten die wir sehen, spielt die Vorstellung eine wichtige Rolle, wie sie schließlich in unseren Geist erscheinen.
John nahm ein Schluck von dem süßen Cocktail, bevor er zu einer fundamentalen wissenschaftlichen Hypothese ansetzte. „Zunächst ist eine erfundene Geschichte ein Produkt des Verstandes, weiter nichts. Der Verstand `bastelt´ aus den Erfahrungen unserer hypothetischen Autorin ein neues Puzzle. Es gibt Faktoren, wie zum Beispiel die Interessen und Neigungen, die unsere Autorin zu dieser Geschichte angetrieben hat. Diese zwei Faktoren können einerseits von äußeren Einwirkungen entstehen, andererseits, wenn unsere Autorin mehr eigenbrötlerischer Natur ist, und sich nicht von ihrer Umwelt zu stark beeinflussen lässt, auch aus ihrem tiefsten Inneren entstanden sein“, trug John vor. – John liegt da schon richtig. Ich habe mehr oder weniger aus dem Bauch heraus geschrieben. Auch gab es kein Autor an dessen Werk ich mich stark orientiert hätte. Ich habe einfach spontane Einfälle sofort aufgeschrieben. – „Das sind dann aber genau die Geschichten, die das Besondere auszeichnet“, meldete sich Claudia zu Wort. „Gerade diese heben sich ja von denen ab, die nur ein zusammengesetztes Puzzle unseres Verstandes sind.“
„Richtig“, bestätigte Linda, als hätte sie darauf gewartet. „Die Inspirationen, die vor allem Kunstschaffende, aber auch Wissenschaftler während ihrer Arbeit erhalten, sind – und da bin ich mir ganz sicher – Informationen aus Parallelwelten. Ich weiß nicht wie vertraut sie mit der Lehre der `Quantenphysik und die entgültige Wahrheit der Realität´ sind.“
John sah Gerry etwas ratlos an. Dieser Fachbereich war in seiner Zeit längst noch nicht in der Wissenschaft etabliert. Er erinnerte sich an einer Meditationssitzung, in der er erstmals die Begriffe `Quantenphysik und die entgültige Wahrheit der Realität´ gehört hatte.
„Ich glaube meine Kenntnisse auf dem Gebiet sind bei mir lückenhaft“, gab John vorsichtshalber zu. „Neulich habe ich an einem Vortrag im buddhistischen Zentrum teilgenommen, in dem es um die drei Welten ging: Die Formlose Welt, die Welt der Form und die Welt der Begierde. Hat das damit zu tun?“
„Ja, es handelt sich um Parallelen zwischen spirituellen Weißheiten – wie hier der Buddhismus – und wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich habe Philosophie und Quantenphysik studiert und bringe in streng wissenschaftlichen Überlegungen den Aspekt der Philosophie mit rein. Dabei stellt sich immer die zentrale Frage, ob es eine objektive Beurteilung der Realität überhaupt gibt“, argumentierte Linda und griff nach dem Cocktailglas.
„Dann lasst uns doch einfach mal versuchen, unsere Realität in der wir uns momentan befinden objektiv zu beurteilen“, forderte Gerry auf. „Sind wir Produkte einer Geschichtenerzählerin?“
„Wenn wir dies widerlegen wollten, müssten wir beweisen können das wir Substanz haben“, argumentierte Linda, während sie das Glas absetzte. „Wenn es sie nicht langweilt, würde ich gerne darauf eingehen.“
Alle drei nickten zustimmend.
„Ich behaupte mal: Alles was wir hier erleben ist ein Traum. Wie könnte man beweisen, dass es nicht so ist?“ Linda verschränkte die Arme und sah auffordernd in die Runde.
„Indem wir uns kneifen.“
„Das können wir auch im Traum.“
„Diese Umgebung ist real, ist ertastbar“, meinte Claudia.
„Im Traum erscheint die Umgebung auch real. Erst wenn wir erwachen und uns an den Traum erinnern wissen wir das die Umgebung keine physische Substanz hatte“, sagte Linda und gab damit den Ball in die Runde zurück.
„Wir wachen aus diesem Traum nicht auf, also ist es keiner“, versuchte Gerry einen Beweis für seine reale Existenz zu finden.
Linda schüttelte den Kopf. „Wenn sie sterben, wo bleibt dann diese Realität?“
„Na hier.“
„Wo ist das, das `Hier´?“
„An dem Ort wo es von mehreren Menschen bestätigt“, antwortete John.
„Sie vergessen dabei: die Menschen, die das bestätigen, sind auch ein Teil des Traumes.“
Eine laute, kaskadenartig symphonische Melodie unterbrach ihre anregende Debatte. Die Beleuchtung veränderte sich. Über der Halle erschien eine holografische Großprojektion und zeigte Bilder der Außenkammaras.
„Wir verlassen jetzt unser Sonnensystem“, kündigte eine freundliche Stimme an. Spontan verstummte das Sprachgewirr, und die Anwesenden blickten angenehm überrascht auf das riesige Banner. Die weit entfernte Sonne leuchtete wie ein großer Stern. Sie passierten gerade die Umlaufahn vom Planet Pluto, der sich gerade ziemlich nah an der Flugschneise des Raumschiffs befand. Schon bei der Annäherung an Saturn gab es prachtvolle Aufnahmen zu bewundern. Pluto hatte zwar nicht die optische Pracht zu bieten, aber mit Hilfe von virtueller Bildergänzung, ließ sich eine beeindruckende Show erzeugen.
Jetzt hieß es endgültig Abschied vom Sonnensystem zu nehmen. Ein weiter dunkler Weg lag vor ihnen. Ein Raum, leer von jeglicher geistiger Aura und frei irgendwelcher Phänomene.
Wirklich? ...
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

Michael Abenath
Beiträge: 47
Registriert: 15.10.2009, 23:49
Wohnort: Recklinghausen

Leseprobe

von Michael Abenath (04.11.2009, 23:15)
Gerry versuchte es noch mal. Sein T-Shirt musste sowieso in die Wäsche, da würde es nicht stören, wenn Yvonne erneut lautschreiend den Haferbrei ausspuckte.
„Du musst was essen, damit du groß und stark wirst und deine Uruhrenkelin mich zur Erde zurückbringt, welches die Voraussetzung ist um dich zu zeugen“, plauderte er liebevoll, während er dem Kind einen Löffel in den Mund schob. „Ist doch verrückt, oder?“ Wiederwillig spuckte sie die grüne Zwangsernährung in Gerrys Gesicht. Er seufzte, strich sich mit der Hand die Grütze aus dem Gesicht und leckte sich die Finger. „Das Zeug schmeckt ja wie eingeschlafene Füße. Da würde ich auch rebellieren.“
Als er vergebens die Küche nach schmackhafter Babynahrung durchsuchte, hörte er Linda reinkommen. Sie schmunzelte, als sie Gerry sah. „Na, hat es Spaß gemacht?“ Linda öffnete die Einkaufstasche und holte zwei Gläser hervor. „Das isst sie gerne. Heute haben sie im Supermarkt endlich wieder neue Ware bekommen. Das war vielleicht ein Gedränge. Große Auswahl gibt es leider nicht, wir müssen uns mit dem begnügen, was da ist.“
Als Linda die kleine Yvonne gefüttert und ins Bett gelegt hatte, wandte sie sich Gerry zu. „Sag mal Gerry, ist es eigentlich möglich so eine Zeitreise zu wiederholen?“
Gerry sah sie entsetzt an. „Linda, wie kommst du denn jetzt darauf.“
„Wir leben in einer trostlosen Zeit, wissen nicht ob wir morgen noch etwas zu Essen bekommen. Überall Diebstahl und Plünderungen, die Polizei überfordert. Willst du noch mehr hören? Gerry, in deiner phantastischen Geschichte hast du eine Welt beschrieben, in der ich viel lieber leben möchte. Du hast auch von diesen zeitreisenden Wesen erzählt. Meinst du wir könnten Kontakt mit ihnen aufnehmen?“
Gerry lachte. „Wie stellst du dir das vor? Meinst du ich brauche nur in den Himmel zu rufen, hallo ihr Zeitreisenden, bringt mich bitte ins Jahr 2198. Und schon sind wir dort.“
„Hast du es schon versucht?“
„Nee, aber wenn es dich beruhigt, kann ich das gleich mal ausprobieren. Mach dir da mal nicht so viel Hoffnung, Linda. Ich selbst hatte nämlich noch nie Kontakt mit ihnen. Es war Yvonne, die Raumschiffkommandeurin, die mit ihnen kommuniziert hat. Leider konnte ich aber nichts näheres erfahren. Zu viel Wissen verändert unsere Zeitlinie zu unserem Nachteil, hatte sie gesagt.“
„Zu welchem Nachteil eigentlich? Zu Yvonnes oder zu unserem?“
„Das macht kein Unterschied, Linda. Zukunft und Vergangenheit sind miteinander verknüpft. Wir nehmen es nur nicht so wahr.“
„Oh doch, wir beide schon. Wir kennen Barbara und wir wissen das sie ist aus der Zukunft ist“, bemerkte Linda.
Gerry presste die Lippen zusammen und dachte einen Moment nach. „Linda, ich bin mir sicher, dass die Zeitreisenden sie deswegen im Auge behalten. Und uns auch.“ Gerry berührte sanft Lindas Arm und schmunzelte. „Wir werden schon nicht bis ans Ende unserer Tage hier versauern. Eines Tages wird Dara hier mit dem Shuttle erscheinen und uns mit in die Zukunft nehmen.“
Linda sah ihn melancholisch an und streichelte zärtlich seinen Nacken.
Yvonne fing an zu schreien.
Ein Video von mir zu Thema der Romane:

http://youtu.be/0mLicvseYyc



Worte und Klänge

http://www.dara-scope.jimdo.com

Zurück zu „Buchvorstellung: Belletristik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.