Und warum?

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Ilo70
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Und warum?

von Ilo70 (05.11.2007, 17:48)
"Und warum?"
Der Knirps legte den Kopf in den Nacken um den Totengräber ansehen zu können. Er musste ein wenig blinzeln, denn die Sonne stand hoch hinter dem Alten, an diesem Augustmittag.

"Weils schon immer so war," schnaubte der zurück.
Dabei stützte er sich mit der Linken auf seinen Spaten und machte widerwillig eine Pause.
Die rechte Hand kratze an seinem Nacken herum.
Das Geräusch erinnerte den Knirps an die Schlachttage auf dem heimischen Hof, wenn der Schlachter die abgebrühten Borsten vom Schweinerücken schabte.

"Aber das ist doch keine Antwort!" insistierte der Kleine.

"Wenns keine wäre, hätte ich so nicht antworten können, oder?" Der Totengräber war genervt und setze seine Arbeit fort.

Der Knips sah wieder blinzelnd in die Sonne, dann stemmte er die Hände in die Hüfte und seufzte energisch.
"Aber kennst du denn den Grund nicht, warum du Menschen vergräbst wenn sie tot sind?"

"Das was hier getan wird, muss getan werden. Hier hat die Vergänglichkeit ihren Platz."

Der Kleine senkte seinen Blick in das Loch, das langsam die Formen eines Grabes annahm wenn auch noch lange nicht tief genug und schob gedankenverloren ein paar Brocken Erde wieder zurück.

Schließlich sah er ihn wieder an, den hageren, faltigen Mann mit den kantigen Gesichtszügen.
"Aber warum tust ausgerechnet du das?"

"Du nervst mich! Lass mich hier in Ruhe arbeiten und verschwinde von meinem Friedhof!"

Der Knirps drehte sich um, steckte die Hände resigniert in die Taschen seiner schmuddeligen Hose und kickte mit dem Fuss einen Stein weg,
der direkt vor ihm lag.

Der Alte sah aus dem Augenwinkel wie der Kleine seufzend die Schultern zuckte, als er endlich von dannen zog.
Immer wieder irgend etwas vor sich herkickend näherte er sich der Friedhofsmauer und der Totengräber verlor den Knirps bald aus den Augen.
Als der Kleine schon eine Weile weg war und das Grab tief und fast fertig, stütze er sich mit seiner Linken auf den Spaten und legte widerwillig eine Pause. Mit der rechten Hand kratze er sich im Nacken und
es machte ein schabendes Geräusch.

"Mh, warum?", grummelte er vor sich hin.
Zuletzt geändert von Ilo70 am 05.11.2007, 19:31, insgesamt 2-mal geändert.

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (05.11.2007, 18:59)
Ich mag den Text. Aber so ganz stimmig ist das nicht. Wie ich gerade Deinem Profil entnommen habe, möchtest Du auch Anregungen hören.

Ich frage mich, wie der Junge zu dem Alten aufschauen kann, der, wenn er das Grab mit dem Spaten aushebt, doch eindeutig tiefer stehen müsste.

"Der Junge seufzte energisch." Ist man nicht eher resigniert, wenn man seufzt?

Die zweite "widerwillige Pause" des Totengräbers erscheint mir ebenfalls nicht logisch.
Liebe Grüße
Christel

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Ilo70
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Re:

von Ilo70 (05.11.2007, 19:12)
Hallo Bärentante,

danke zunächst einmal für deine Kritik.
Ich habe mich was das Aufsehen bzw. Hochsehen des Jungen zum Alten betrifft vielleicht nicht detailiert genug ausgedrückt. Ich habe es ein bisschen plastischer formuliert. Sieh mal obs so besser klingt.

Ich finde schon, dass man energisch seufzen kann. Seufzen bedeute mit Ton auszuatmen und hier hat man unendliche viele Möglichkeiten den Seuzfzer emotional zu färben. Insofern auch viele Möglichkeiten ihn in einer Konversation einzusetzen um sich auszudrücken.

Die zweite Pause soll darauf hindeuten, dass der alte Mann beginnt sich mit der aufgeworfenen Frage auseinander zu setzten und das tut er nun einmal widerwillig. Es war keine Absicht von dem Kleinen, das zu erreichen aber es passiert und das macht die Geschichte, zumindest für mich, zu dem was ich beabsichtigt habe. Unterstrichen durch die Betonung der Widerwilligkeit der zweiten Pause.

LG
Ilo

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