freitod

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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (17.11.2009, 18:12)
unangenehmer zeitgenosse trift es besser. abgesehen davon, sehe ich einen selbstmörder der einen menschen in sein unglück mit einbezieht noch immer als täter.

beispiel: mein freund litt gleichfalls an depressionen. sein freitod war geplant.
er war anwalt und hatte freunde wie mich die von seiner depression wussten. trotz der depression wäre es ihm nie in den sinn gekommen andere menschen mit seinen freitod zu belasten-oder, als werkzeug zu benutzen. er suchte sich einen baum.
der baum allerdings, musste das schauspiel ertragen.
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (17.11.2009, 18:31)
klaasen1 hat geschrieben:
unangenehmer zeitgenosse trift es besser. abgesehen davon, sehe ich einen selbstmörder der einen menschen in sein unglück mit einbezieht noch immer als täter.

beispiel: mein freund litt gleichfalls an depressionen. sein freitod war geplant.
er war anwalt und hatte freunde wie mich die von seiner depression wussten. trotz der depression wäre es ihm nie in den sinn gekommen andere menschen mit seinen freitod zu belasten-oder, als werkzeug zu benutzen. er suchte sich einen baum.
der baum allerdings, musste das schauspiel ertragen.


Sorry, aber jeder Selbstmörder bezieht andere Menschen mit ein.

Da gibt es erstmal den, der dem Selbstmörder bei der Tat "hilft":
der Fahrzeugführer, der den anderen Menschen mit seinem Fahrzeug trifft;
der Apotheker, der eine Großpackung Schlaftabletten verkauft;
der Hausmeister, der ihn auf die Freifläche im 20. Stock gelassen hat

Da gibt es den, der den Selbstmörder nach der Tat findet:
tot auf den Gleisen
tot in der Schlucht unter der Brücke
tot auf dem Gehweg am Rande des 20-stöckigen Hochhauses
tot am Ende eines Stricks auf dem Dachboden
tot im rotgefärbten Wasser einer Badewanne
tot im Wasser eines Sees treibend
tot auf dem Sofa liegend

Ohne Auffinden gibt es nun mal keinen Selbstmord ...

Dann gibt es jene, die den Selbstmörder untersuchen müssen:
Polizei
Feuerwehr
Notarzt
Gerichtsmediziner

Der Freitod eines Menschen wird also immer andere Menschen betreffen. Somit ist also jeder Selbstmörder Täter. Auch wer sich am Ast eines Baumes erhängt, ist Täter - man stelle sich vor, Kinder laufen spielend durch den Wald. Irgendwie erinnert mich diese Haltung an jene der Kirche, wo Selbstmörder außerhalb der Stadtmauern auf einem Feld verscharrt werden mussten, weil sie etwas Verabscheuungswürdiges getan haben und dafür eine Ewigkeit in der Hölle brennen müssen (Gottseidank hat sich das zwischenzeitlich geändert). Wäre es dann nicht nach deinem Geschmack, den Selbstmordversuch unter Strafe zu stellen, am besten lebenslang wegschließen?

Diese hier vorgestellte Pauschalverdammung der Selbstmörder kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin da viel zu sehr damit beschäftigt, die abgrundtiefe Verzweiflung dieser Menschen zu verstehen und Wege zu finden, wie man helfen kann. Da habe ich weder Zeit noch Lust, beim vollendeten Selbstmord nach Verdammungseigenschaften zu suchen.

Grüße
Siegfried
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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (17.11.2009, 19:01)
hallo siegfried
dein vorfahre siegfried wurde heimtückisch um die ecke gebracht. das nenne ich tragisch.
ein selbstmörder spielt in meinem roman keine tragische figur. wieso auch?

wenn ich mich zu einem selbstmord entschliesse weiß ich sehr wohl was ich tue. ich trage den gedanken monate, jahre mit mir herum. beschäftige mich damit. mache bei freunden anspielungen auf mein vorhaben.
warte auf reaktionen. spiele mit dem feuer. ja, es wird regelrecht zu sucht bei anderen mein vorhaben anzudeuten. sie damit zu quälen.

es gibt natürlich auch andere die nicht ihr vorhaben andeuten. stille wasser sozusagen. aber darum ging es in meinem text ja gar nicht.
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

BERSERKER
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Re:

von BERSERKER (17.11.2009, 19:17)
klaasen1 hat geschrieben:
wenn ich mich zu einem selbstmord entschliesse weiß ich sehr wohl was ich tue. ich trage den gedanken monate, jahre mit mir herum. beschäftige mich damit. mache bei freunden anspielungen auf mein vorhaben.
warte auf reaktionen. spiele mit dem feuer. ja, es wird regelrecht zu sucht bei anderen mein vorhaben anzudeuten. sie damit zu quälen.


Sorry,

aber das ist so, wie du das schilderst absoluter Blödsinn und allenfalls auf ein spezielles Einzelbeispiel anzuwenden.
Suizide geschehen oft ohne jede sichtbare Vorwarnung, im Geheimen, vielfach unaufgedeckt.
Und wie du schreibst, dass so jemand weiß, was er tut, zeugt nicht gerade von psychologischem Einfühlungsvermögen. Kurzschlussartige Spontansuizide und Suizidversuche als Hilferuf sind dir scheinbar kein Begriff. da du aber deinen Text an der von dir überlegten Einstellung zu Suiziden festzumachen scheinst, empfehle ich dir, diesen Text nicht sonstwo zu veröffentlichen. Blamabel wäre es.

Berserker.

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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (17.11.2009, 19:20)
lassen wir es dabei.
jeder hat seine eigene erfahrung mit selbstmörder.
ich meine. du deine.

klaas
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

BERSERKER
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Re:

von BERSERKER (17.11.2009, 19:25)
Schublade auf / Schema rein / Schublade zu und raus bist du.

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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (17.11.2009, 20:38)
hallo berserker

das ist nur eine frage zu einer weiteren geschichte.

stelle dir einmal ein kind von sechs jahren vor, das von der kirche mehrmals missbraucht wurde. stelle dir weiter vor, das dass kind danach keinen lebensmut mehr hat. dann stelle dir vor, das dass kind in ein heim abgeschoben wird damit die tat unentdeckt bleibt.
stelle dir dann vor, das dass kind 9 mal die flucht wagt.
und stelle dir nochmals vor, das dass kind, das nun ein junge von 12 jahren ist dazu verdammt weitere 6 jahre auf der flucht zu verbringen. solange eben, bis es das 18. lebnsjahr erreicht hat und eine vormundschaft nicht mehr sein weiteres leben bestimmen kann.

glaubst du, dass dieses kind, junge keine depressionen hatte?
wieso aber, hat dieses kind sich nicht vor einen zug geworfen?
waren seine probleme kleiner anzusehen, als die, von anderen depressiven?
dieses kind hatte niemanden. weder psychologen noch ärzte die ihm zur seite standen.

aus der sicht des kindes gesehen sind da angesprochene probleme, wie der druck eines habenden, erfolgreichen selbstmörders nicht ein schlag ins gesicht?
ist nicht dieser junge ein held? nein, die heutigen helden sehen anders aus. da baucht es schon selbstmörder als vorbilder.

berechtigen die heutigen neuzeit-wehwehchen solch eine tat?

nicht falsch verstehen. das ist nur eine frage zum thema.
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 00:06)
Ahsoo Klaasen.

Jetzt versteh ich.

Völlig versnobter und millionenschwerer Bundesliga-Torwart bringt sich
wegen ein paar Wohlstandszipperlein um, und wird dafür auch noch von der Öffentlichkeit gefeiert - so in der Art siehst Du das also, wenn ich Deinen obigen Beitrag lese.

Du scheinst wirklich nicht zu begreifen, dass es sich bei Depressionen um eine psychische Krankheit (!!!) handelt. Es ist nicht so, dass man "automatisch" depressiv wird, weil man in einem Heim aufwächst, oder es sonstwie schwer hat.

Nochmal: Depression ist eine psychische Krankheit, die in Schüben kommt und im schweren Fall medikamentös behandelt werden muss. Depression kann jeden treffen, egal ob Hartz IV Empfänger, erfolgreicher Manager oder Hausfrau.


Grüße.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 18.11.2009, 00:19, insgesamt 1-mal geändert.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 00:17)
Nachtrag:

Klaasen, Du hast keinerlei Respekt.

Du kannst hier nicht so einfach über die Schwierigkeiten eines Menschen,
den Du nur aus den Medien kennst, urteilen.

Das ist hammerhart was Du machst.

Und dann diese Tränendrüsen Story, mit der Du den Beweis
zu erbringen suchst, dass Enke es doch in keinster Weise schwer hatte im Vergleich ...

Als hättest Du jemals in Enke hineinsehen können, als wüsstest Du überhaupt irgendwas davon, wie sein Leben sich angefühlt hat. Gar nix weisst Du. Wirklich gar nix, so wenig wie ich von Dir weiss, oder Du von mir. Gar nix weisst Du, Klaasen.

Over.

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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (18.11.2009, 05:13)
hallo chuppesaager

erstmal ging es mir nicht um eine spezielle person. aber wenn schon angesprochen,...ok. sondern um den umstand, das hier aus selbstmördern helige,ja sogar helden produziert werden.
beim nächsten mal eben kein zug. man kann sich ja auch ne' bome um die hüfte kleben und in einen supermarkt gehen. er war halt depressiv. das ist dann entschuldigung genug.

jetzt fragt ich mich sich schon, wer hier unsensiebel ist. du gehst mit dieser geschichte von mir, nicht weniger senibel um.

denkst du ich lebe auf dem mond und wüsste nicht was depressionen sind?
hier wird ein selbstmörder zum helden hoch katapultiert. armes deutschland.

klaas
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 08:33)
@ Klaasen.

Ich denke, es geht doch nicht darum, ihn zum Helden zu stilisieren, WEIL er Selbstmord begangen hat.

Darum geht´s doch gar nicht Klaasen. Die Leute sind einfach geschockt, viele dürften zudem Schuldgefühle haben a la "hätte ich es verhindern können, hätten wir etwas anders machen können/müssen?"

Ich glaube, die Leute wollen einfach durch diesen quasi-religiösen Trauerkult ihre Schuldgefühle abhandeln. So kommt mir das vor;
es ist schon ein wenig übersteigert. Und ich denke, es ist in Ordnung, dieses Übersteigerte zu kritisieren. Wenn Du das meinst, bin ich völlig eins mit Dir.

Grüße.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 08:40)
Nachtrag.

Die Menschen lieben Helden ...

Wie war es z.B. bei Lady Di?
Ich denke, jeder der halbwegs was in der Birne hat, weiss, dass Lady Di keine Heilige ist, und diese völlig übersteigerte Verehrung eigentlich SO nicht verdient hat.

Es gibt unzählige Helden des Alltags, unzählige Waisenkinder, unzählige Menschen, die sich durch Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen, und Anerkennung verdient haben.

Da gebe ich Dir recht.

BERSERKER
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Re:

von BERSERKER (18.11.2009, 09:20)
Hallo,

diese oben angesprochene Volkstrauer ist natürlich eine gemachte medial verheuchelte Kiste, wie so oft. Soiehe Jackson. Storygeilheit geht vor. Und wenn sich daraus noch Zaster schlagen lässt, um so besser. Aber daheraus den Selbstmörder anzuprangern, macht keinen Sinn, denn der hat nichts davon hinterher.

Und vor den Zug schmeissen: Stellt euch das mal vor, welche Hemmschwelle dazu überwunden werden muss. Ein Mensch, der das tut, ist innerlich völlig ausser sich.

Und man hätte gut daran getan, das ganze Thema nicht als Massenspektakel auszuschlachten. Aber das ist ja nun einmal mit dem Bestreben der allgemeinen Volksverdummung zur Ablenkung von anderen Problemen zu sehen und steht auf einem anderen Blatt.

Ein Selbstmörder handelt fast immer personenzentriert, allenfalls hilfeschreiend und wird sich kaum darum Gedanken machen, was aus seiner Geschichte hinterher gemacht wird. Er ist zutiefst im Inneren zerschossen und weiss eben keinen Ausweg mehr.

Das sollte man respektieren, sowohl öffentlichkeitsbezogenm, als auch bei privaten Beurteilungen, seien sie auch künstlerisch angehaucht.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 09:35)
@ Klaasen.

Was Berserker oben geschrieben hat, ist genau was ich auch denke.

Die Art des Selbstmords, nämlich sich vor den Zug zu schmeissen, spricht für mich dafür, dass es sich um eine rein impulsive, nicht geplante Aktion handelt. Eben aus einem depressiven Krankheitsschub heraus. Eine Art Kurzschlussreaktion; meine Vermutung.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (18.11.2009, 11:24)
@ Klaasen.

1001. Nachtrag

Oben schreibst Du ironisch, man könne sich ja ne Bombe umbinden und im Supermarkt zünden. Das wäre ja dann als Depression zu verstehen und damit entschuldigt.

Mit dieser Aussage beweist Du, dass Du keinen Schimmer hast, was eine wirkliche Depression im klinischen Sinne, oder generell eine psychische Krankheit ist.

Du hast abso-fuckin-lutely keine Ahnung wovon Du sprichst.

Du scheinst zu glauben, depressive oder sonstige psychisch kranke Menschen wären insofern "Versager", als sie es einfach nicht auf die Reihe brächten, sich ordentlich in den Arsch zu treten, um sich aus Krisensituationen herauszuholen, denn dann würden solche "verantwortungslosen" Selbstmorde nicht geschehen.

Dass Du nicht begreifst, dass ein psychisch kranker Mensch in einem Krankheitsschub nicht rational denken kann, dass er rein impulsiv und damit unreflektiert handelt, dass er sich damit einhergehend nicht mehr steuern kann, wie ein "normaler" Mensch es zu tun vermag, ist für mich der Beweis, dass Du keine Ahnung von der Materie hast, dass Deine Argumente bloße Scheinargumente sind, mit denen Du Dein Stammtisch-Gedichtlein zu verteidigen suchst.

Deine berechtigte Kritik an diesem absurden "Totenkult" kann ich teilen.
Deine Ansichten über psychische Krankheiten sind jedoch nix als gefährliches Halbwissen.

Nix für Ungut.

Schuster bleib bei deinen Leisten.

Grüße.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 18.11.2009, 19:07, insgesamt 2-mal geändert.

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