Bandwurmsatz oder lieber kurz und knackig?

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ricochet
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Re:

von ricochet (16.12.2009, 20:30)
@ZeitlOch,

unnötig komplizierte Schreibe mit intellektuellem Tiefgang zu verwechseln, wird doch bestimmt Dir nicht passieren ...
Und zum Bernhard: Den musst du in der Tat hören. Wird der Text gesprochen, werden nämlich durch die Betonung die auf dem Papier fehlenden Punkte ausgeglichen - und schon passt es wieder. thumbbup

Was ich mit der Kürze meine, vllt. ein Beispiel: 15. Mai 1955. Im Schloss Belvedere in Wien unterzeichnet der österreichische Aussenminister Leopold Figl gemeinsam mit den Alliierten den Staatsvertrag. Bekanntlich verpissen sich diese innerhalb eines halben Jahres aus Österreich. Sie kommen als Touristen wieder, um das heimische Bruttoinlandsprodukt aufzufetten. Fein. Aber soweit ist man 1955 noch nicht. Leopold Figl geht nach den Unterschriften auf den Balkon im ersten Stock und zeigt die Urkunde triumphierend den Tausenden Österreichern, die auf dem Platz vor dem Schloss gespannt warten. Was sagt er? - "Österreich ist frei!" Jubel überall ...
Kein Wort zuviel, keines zuwenig. Eine geradezu monolithische Aussage. :D Göttlich! Besser hätte es gar nicht mehr sein können! Dafür alleine liebe ich den Leopolod, obwohl er als konservativer Politiker ideologisch nicht meinem Lager angehört.
Bedauerlicherweise ist das Legende. Die historische Wirklichkeit sieht deutlich anders aus: Figl unterzeichnet den Vertrag, nuschelt kaum verständlich "Österreich ist frei" vor sich hin und geht dann auf den Balkon. Dort zeigt er seinen Landsleuten den Vertrag und hält eine der typischen Politikerreden, an die sich heute (verdienterweise) kein Mensch mehr erinnern kann.
Und jetzt frage ich: Würdest Du ein Buch über ein Volk schreiben, das jahrelang um seine Freiheit verhandelt, zuletzt mit Erfolg, welche Variante würdest Du bevorzugen? Die Legende oder die Wirklichkeit? Na also.

rico
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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (16.12.2009, 21:20)
Um zum Ursprungsthema zurückzukommen und von meinen Tiraden abzulenken: Ich habe ja auch nur die Auffassung geäußert, dass beide Varianten, zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, ihre Berechtigung haben.
Ich habe ja nicht umsonst extreme Beispiele für beide Varianten gelobt.
Mir kam noch der Gedanke, dass vermutlich jeder beim Schreiben einen eigenen Rhythmus hat, und der eigene Stil wahrscheinlich an Eleganz verliert, wenn man sich zu künstlich verbiegt.
Und gelten für Literatur immer dieselben Regeln wie für journalistische Texte? Wäre traurig, hätte Goethe "Prometheus" im Reportagenstil geschrieben, oder?
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (16.12.2009, 23:47)
Hi!

Ich glaube nicht, dass eine Diskussion, ob lange oder kurze Sätze besser sind, wirklich sinnvoll ist. Wie man schreibt, sollte doch davon abhängig sein, wie der Text wirken soll, und ob es mir als Autor dadurch gelingt, dem Leser genau das zu vermitteln, was ich vermitteln will.

Die Benutzung bestimmter Strukturen in bewusst umgekehrter Funktion in einem Text - etwa eine Action-Szene mit extrem langen Sätzen, oder eine ausgiebige Beschreibung einer Landschaft in kurzen, abgehackten Sätzen -, ist für mich gekünstelt. Das ist dann kein Stil, das ist eine Masche.

Ich behaupte, dass die Satzlänge das Tempo der erzählten Geschichte beeinflusst - auch weil es die Lesegeschwindigkeit beim Leser steuert. Wenn lange Sätze benutzt werden, dann braucht der Leser seine Zeit, um die Inhalte dieser Sätze aufzunehmen. Gibt man ihm kurze Sätze, dann wird das Buch zum "page turner" und man hetzt den Leser sozusagen von Seite zu Seite. Wie ich anfangs schrieb: Die Satzlänge ist abhängig von der beabsichtigten Wirkung.

Wer es ausprobieren möchte, der soll eine Verfolgungsjagd zweier Autos durch die Stadt mit einer Mindestlänge von zwei Standard-Manuskriptseiten einmal mit kurzen Sätzen und einmal mit langen Sätzen schreiben (und nicht einfach bei der zweiten Fassung die Punkte durch Komma ersetzen! cheezygrin ) und dann auf die Wirkung achten.

Grüße
Siegfried
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.12.2009, 08:35)
Hallo zusammen,
ich habe mir jetzt einfach mal den Spaß gemacht und mir die Satzlängen in euren Beiträgen angeschaut. Mit nur acht Worten kommt kaum einer hin.
cool5

Ich finde die Beiträge sämtlich ansprechend zu lesen und intellektuell hinreichend anspruchsvoll. Kurz: Spannend.

Cheers
Val

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ricochet
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Re:

von ricochet (17.12.2009, 10:01)
@ Siegfried,

obwohl ich ebenfalls (wenigstens grundsätzlich) ein Anhänger kurzer Sätze bin, gebe ich Dir vollkommen recht: Die Satzlänge beeinflusst das Erzähltempo. thumbbup
Kurze Sätze - rasches Tempo, lange Sätze - langsames Tempo. Muss man halt einsetzen, wo es passt.
Allerdings bin ich der Meinung, dass wir bei Deinen "ausgiebigen Beschreibungen einer Landschaft" ein ganz anderes Problem haben. Kein Schwein liest so etwas gern. Literaten wie Th. Storm sind gerade deswegen in der Schule so gefürchtet. :roll:

LG

rico
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.12.2009, 10:05)
ricochet hat geschrieben:
Kurze Sätze - rasches Tempo, lange Sätze - langsames Tempo. Muss man halt einsetzen, wo es passt.


Es.
geht.
auch.
anders.
Das war sehr langsam.

Jetzt beginne ich euch ohne Punkt und Komma durch meinen Satzbau zu hetzen und so ein Gefühl der Atemlosigkeit zu erzeugen - hoppla, habe ich euch abgehängt? - also eile ich weiter und bandwurme mich durch den eilenden Satz - Stopp!
Pause.
Tief durchatmen.

Und? Wirkt's?
cool5

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (17.12.2009, 15:48)
ricochet hat geschrieben:
Allerdings bin ich der Meinung, dass wir bei Deinen "ausgiebigen Beschreibungen einer Landschaft" ein ganz anderes Problem haben. Kein Schwein liest so etwas gern. Literaten wie Th. Storm sind gerade deswegen in der Schule so gefürchtet. :roll:


Kein Schwein? cheezygrin

Ich gebe mal ein Beispiel:

    In Little Hangleton nannten sie es immer noch das »Riddle-Haus«, obwohl die Familie Riddle schon seit vielen Jahren nicht mehr dort wohnte. Das Haus stand auf einem Hügel mit Blick über das Dorf, einige Fenster waren mit Brettern vernagelt, das Dach war löchrig, und der Efeu rankte sich ungezügelt an den Mauern entlang. Das einst schöne Anwesen der Riddles, das mit Abstand großzügigste und beeindruckendste Haus im ganzen Umkreis, war nun feucht, heruntergekommen und menschenleer.
    In Little Hangleton waren sich alle einig: das Haus war ihnen »nicht geheuer«. Ein halbes Jahrhundert zuvor war hier etwas Merkwürdiges, etwas Entsetzliches geschehen, über das die Älteren im Dorf immer noch zu munkeln pflegten, wenn es sonst wenig zu klatschen und zu tratschen gab. Sie hatten die Geschichte so oft aufgewärmt und an so vielen Stellen weitergestrickt, dass keiner mehr so recht wusste, was nun in Wahrheit geschehen war. Doch
    wer auch immer die Geschichte erzählte, sie begann unweigerlich am selben Ort: Vor fünfzig Jahren – damals führten die Riddles noch einen stattlichen Haushalt – war ein Hausmädchen bei Anbruch eines schönen Sommermorgens in den Salon getreten und hatte alle drei Riddles
    tot vorgefunden.
    Schreiend war das Mädchen den Hügel hinab ins Dorf gestürzt und hatte die halbe Einwohnerschaft aus dem Schlaf gerissen.


Das sind 207 Wörter, verteilt auf 8 Sätze.
Macht also im Schnitt knapp 26 Wörter je Satz.
Der kürzeste Satz ist 13 Wörter lang,
der längste hat 43 Wörter.

Also ein recht gemächliches Tempo wegen langer und verschachtelter Sätze - und deshalb bei den Lesern gefürchtet? Ich denke nicht, denn das Buch verkauft(e) sich wie geschnitten Brot: "Harry Potter und der Halbblutprinz".

Grüße
Siegfried
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (17.12.2009, 15:54)
Valerie J. Long hat geschrieben:
Es.
geht.
auch.
anders.
Das war sehr langsam.


Seltsam. Ich bin da im Schweinsgalopp durch.

Valerie J. Long hat geschrieben:
Jetzt beginne ich euch ohne Punkt und Komma durch meinen Satzbau zu hetzen und so ein Gefühl der Atemlosigkeit zu erzeugen - hoppla, habe ich euch abgehängt? - also eile ich weiter und bandwurme mich durch den eilenden Satz - Stopp!
Pause.
Tief durchatmen.


Und da habe ich mir richtig viel Zeit genommen, um ja nichts zu verpassen - weil man ja ständig aufpassen muss. Denn wenn es stimmen würde, dass fehlende Satzzeichen einen Text schnell machen, warum habe ich dann beim "Ulysses" von James Joyce so lange gebraucht? book:

Grüße
Siegfried
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.12.2009, 15:56)
:? Schade!

Danke, Siegfried!

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (17.12.2009, 18:18)
gelöscht
Zuletzt geändert von Klaus D. Klimke am 30.11.2010, 11:18, insgesamt 1-mal geändert.

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ricochet
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Re:

von ricochet (17.12.2009, 18:37)
Lieber Siegfried,

In Little Hangleton nannten sie es immer noch das »Riddle-Haus«, obwohl die Familie Riddle schon seit vielen Jahren nicht mehr dort wohnte. Das Haus stand auf einem Hügel mit Blick über das Dorf, einige Fenster waren mit Brettern vernagelt, das Dach war löchrig, und der Efeu rankte sich ungezügelt an den Mauern entlang. Das einst schöne Anwesen der Riddles, das mit Abstand großzügigste und beeindruckendste Haus im ganzen Umkreis, war nun feucht, heruntergekommen und menschenleer.
In Little Hangleton waren sich alle einig: das Haus war ihnen »nicht geheuer«.


Nur das hier ist streng genommen die Beschreibung, wobei der letzte Satz auch ein Grenzfall ist. Das sind jetzt 4 Sätze mit 87 Wörtern, durchschnittlich 22 Wörter. Das ist absolut normal.
Ich hätte das so geschrieben:

"In Little Hangleton nannten sie es immer noch das »Riddle-Haus«, obwohl die Familie Riddle schon seit vielen Jahren nicht mehr dort wohnte. Das Haus stand auf einem Hügel mit Blick über das Dorf, einige Fenster waren mit Brettern vernagelt. Das Dach war löchrig und der Efeu rankte sich ungezügelt an den Mauern entlang. Einst war das Anwesen der Riddles mit Abstand das großzügigste und beeindruckendste Haus im ganzen Umkreis, nun war es feucht, heruntergekommen und menschenleer.
In Little Hangleton waren sich alle einig: das Haus war ihnen »nicht geheuer«.

5 Sätze mit durchschnittlich 17 Wörtern. Den Unterschied finde ich nicht mehr essenziell.
Unabhängig davon finde ich diesen Textteil (inkl. die Entdeckung des Hausmädchens) trashig und klischeehaft. Das hätte Stephen King nicht schlimmer schreiben können.


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Peyton
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Re:

von Peyton (17.12.2009, 19:42)
Hi nochmal,
also ich mag definitiv KEINE Bandwurmsätze. Bücher, mit langen verschachtelten Sätzen, finde ich langweilig. Auch, wenn die Story an sich spannend ist, lange Sätze ermüden mich. Da greife ich dann schnell zum HÖRbuch.

In meinen Manuskripten finden sich auch eher die kurzen Sätze. Kurz und bündig.

Aber ich denke das ist Geschmacksache.

LG
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (18.12.2009, 00:48)
Hi!

Hier nun kurz und knapp: cheezygrin

    In Little Hangleton nannten sie es das »Riddle-Haus«. Die Familie Riddle wohnte seit vielen Jahren nicht mehr dort. Das Haus stand auf einem Hügel. Der Blick ging über das Dorf. Einige Fenster waren mit Brettern vernagelt. Das Dach war löchrig. Der Efeu rankte sich an den Mauern entlang. Das Anwesen war feucht, heruntergekommen und menschenleer.

    In Little Hangleton waren sich alle einig: Das Haus war »nicht geheuer«. Ein halbes Jahrhundert zuvor war hier etwas Entsetzliches geschehen. Die Älteren im Dorf munkelten immer noch darüber. Sonst gab es wenig zu klatschen und zu tratschen. Sie hatten die Geschichte oft aufgewärmt. An vielen Stellen wurde weitergestrickt. Nun wusste keiner mehr, was in Wahrheit geschehen war. Die Geschichte begann unweigerlich am selben Ort. Vor fünfzig Jahren hatte ein Hausmädchen alle drei Riddles
    tot vorgefunden.
    Schreiend stürzte das Mädchen ins Dorf. Sie riss die halbe Einwohnerschaft aus dem Schlaf.


Das sind 145 Wörter (ehemals 207), verteilt auf 19 Sätze (ehemals 8 ).
Macht also im Schnitt 7,6 Wörter je Satz (ehemals knapp 26 Wörter).
Der kürzeste Satz ist 4 Wörter lang (ehemals 13 Wörter),
der längste hat 12 Wörter (ehemals 43 Wörter).

Jetzt besser? book:

Grüße
Siegfried
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Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (18.12.2009, 08:13)
gelöscht
Zuletzt geändert von Klaus D. Klimke am 30.11.2010, 11:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von ricochet (18.12.2009, 09:50)
@ Siegfried,

Jetzt besser?


Natürlich nicht. Die Umarbeitung des Textes in Richtung kürzerer Sätze hätte man allerdings in diesem Fall etws sensibler hinkriegen können (Du entschuldigst bitte meine Offenheit, Siegfried, ist nichts Persönliches). Damit will ich aufzeigen, dass es mit nur kurzen Sätzen nicht getan ist. Eine konzise, prägnante Sprache will beherrscht sein. Und das ist nicht einfach.
In dem Falle hier ist es egal, weil auch Deine Umarbeitung das wichtigste Problem aufzeigt, das viele zu kurze Sätze hintereinander haben: Aus Nebensätzen werden (zu) kurze Hauptsätze, was Ludwig Reiners "Asthmastil" nennt.
Es gilt der Grundsatz: Hauptsachen in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze. Jeder Text beinhaltet auch weniger wichtige Informationen, die man konsequenterweise in Nebensätze giesst.
Wir hatten hier bereits Textvarianten mit 17 bis 26 Wörtern pro Satz, das finde ich angemessen. Es gibt bei diesem Inhalt nämlich gar keinen Grund, in eine extreme Verknappung zu gehen. Wir haben hier keine Actionszene aus "Alarm für Cobra 11" vor uns, sondern einen getragenen Text mit fast schon elegischem Hauch. Dementsprechend gemächlich darf das Erzähltempo sein. Für mich gilt nach wie vor der Grundsatz, dass sich die Form dem Inhalt unterzuordnen habe.
Nur dort, wo die Ästhetik einer wirklich knappen Sprache mit dem Inhalt korrespondiert, entfaltet diese ihre wohltuende Wirkung: Nichts ist geschnörkelt, klare Aussagen. Der Inhalt wird leicht verdaulich und hält die Leser gefühlsmäßig auf dem Boden der Tatsachen. cheezygrin

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