Seelenspiegel

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SamanthaCapule
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Seelenspiegel

von SamanthaCapule (04.01.2010, 14:46)
Seelenspiegel

Nun steh ich hier
-ich armer Tor-
die Dinge
die ich sah zuvor
erschüttern
Geist und Seele

Nur schemenhaft,
so zart gemalt,
erkenn ich nun
des Malers Wahl,
des grausgen Rächers
wahre Tat.

Ein Bild aus Schmerz,
zerfetzten Hass,
aus Leid und Wut,
aus Lug und Trug
ein Künstler war´s
der dieses schuf.

Nun blick ich´s an,
den Seelenspiegel,
die Wahrheit
die mich stocken lässt.
Nicht mehr ein Bild,
entfernte Kunst,
viel mehr
das eigne Sein
entstand.

Es zeigt den Mensch,
was menschlich heißt,
was uns letztendlich
auseinander reist.
So wend ich ab
Den sündgen Blick.
Begriff,
was längst begriffen ist.

Der Wahrheit´s Spiegel
steht zuletzt,
bevor der Mensch
die Welt verlässt.
So fürchte dich
-du armer Tor-
wirst Dinge sehn
die waren zuvor.


LG Sam
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

FL
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Registriert: 26.10.2009, 19:19

Re:

von FL (04.01.2010, 15:05)
Hallo Sam,

das ist allerdings ein starkes, gelungenes Stückchen Poesie. Im Fluß recht durchgängig. Du zankst dich mit dem Versmaß und mit Reimen, die frei verteilt sind. Absicht oder Zufall? - Denn die Gratwanderung zwischen Fest und Frei ist dir gelungen. thumbbup

Einzig in der letzten Strophe grüble ich über

Zitat
"
Der Wahrheit´s Spiegel
steht zuletzt
"

Müsste es nicht entweder heissen: Der Wahrheitsspiegel" oder aber
"des Wahrheits Spiegel" (bei einer Wahrheit ohne Apostr.) oder "der Wahrheiten Spiegel" (bei mehreren Wahrheiten)?

fl

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T.Tharun
Beiträge: 142
Registriert: 07.09.2009, 17:52

Re:

von T.Tharun (04.01.2010, 15:12)
Hey Sam!
Einige Kleinigkeiten:

"Ein Bild aus Schmerz,
zerfetzten Hass,
aus Leid und Wut"

Es muss zerfetzteM Hass heißen

"was uns letztendlich
auseinander reist"

Reißt kommt hier von reißen, also mit ß, so wie du es schreibst kommt es von Reisen im Sinne von eine Reise machen.

"Der Wahrheit´s Spiegel
steht zuletzt, "

-Der Wahrheit Spiegel- , ohne ' und ohne s. Was du da machst ist eine Art doppelter Genitiv, das braucht es aber nicht. Die Abtrennung mit 's ist laut Duden sowieso nur zur Verdeutlichung von Eigennamen "geduldet", ansonsten aber nicht gültig.

Das war so ziemlich alles was ich jetzt dazu sagen kann, das Gedicht gefällt mir. Fein gemacht :)

Liebe Grüße,
Tim

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SamanthaCapule
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Registriert: 14.09.2009, 14:06

Re:

von SamanthaCapule (04.01.2010, 18:14)
Dank für die Kritik ihr beiden, ich habe sie bereits verarbeitet. Das hat mir sehr weiter geholfen.

LG Sam
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

Titus

Seelenspiegel

von Titus (10.01.2010, 01:53)
Hallo Sam,

wollte nur mal schauen, wer außer mir noch so spät wach ist und bei BOD rumschnüffelt. Habe dich gefunden!
Dein „Seelenspiegel“ gefällt mir. Habe selber erst am 30. Dezember ein Buch über Poesie (also eigentlich Epik, Lyrik und Drama) rausgebracht - Erstlingswerk. Deswegen interessiere ich mich natürlich auch dafür, was andere Autoren, vor allem jüngere in meinem Alter mit Dichtung zu schaffen haben. Dein Gedicht ist so greifbar und dann doch so weit weg. Es spricht wirklich aus tiefster Seele und irgendwie von Schmerz. Seelenschmerz. Lässt er sich heilen? Ich glaube, wenn man über solch ein Thema schreibt, dann kommt es selten darauf an, dass man richtig reimt, solange was vom Herzen kommt ist es Dichtung...
Wie lange schreibst du eigentlich schon?

Liebe Grüße Titus

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SamanthaCapule
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Re:

von SamanthaCapule (10.01.2010, 02:01)
Lieber Titus!

Es freut mich das dir mein Gedicht gefällt. Ich schreibe schon seit ich 14 bin, jedoch immer mehr für mich allein. Leider scheinen alle meine Gedichte einen traurigen Beigeschmack zu enthalten, aber es kommt von Herzen :)

LG Sam angle:
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

Titus

T<<MA

von Titus (10.01.2010, 02:10)
Geht mir genauso, Sam.
Aber das ist ja irgendwie das Wundervolle am Schreiben. Dieser traurige Beigeschmack ist ja das Gefühl, was einen erst dazu bringt die Feder, oder besser den Füller in die Hand zu nehmen. Und wie könnte man solche Gefühle niederschreiben, wenn nicht alleine?
angle:
Ich mag das!!!

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Engelworte
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Re:

von Engelworte (10.01.2010, 11:12)
Früher konnte ich Gedichte nur schreiben, wenn ich traurig war. :( Das nennt man wohl "Verarbeitung".
Jetzt können meine Freunde die Verfassung an meinen Tagesgedichten ablesen und ich bekomme öfter eine e-mail mit "was is´n los?".

Gedichte zu schreiben ist einfach ein Ausdruck des Selbst und ein sehr schöner.
Mach´weiter so, liebe Sam.

Barbara
Barbara Zell
Sängerin - Heilerin - Lehrerin und schriftlicher Kanal für Engelworte

Titus

Anleitung zum Engel werden

von Titus (10.01.2010, 16:14)
Hallo Sam! Zwei Antworten, eine zur Form des Gedichts, die andere nur speziell für Dich! Les sie!

Erst für Dich!

Liebe Sam,

ich habe gestern Abend noch lange in deinen Werken gelesen.
„Anleitung zum Engel werden“ gefiel mir ganz besonders. Du hast wirklich ein Talent andere zum Fühlen zu bringen. Am liebsten würde man weinen, weil einen das alles so bewegt. Und weil jeder, auch der nicht in deiner Situation ist, doch Ereignisse findet, die er mit deinen Werken verbindet. Ich komme ursprünglich von der Realschule und habe mich immer mit Lehrern gut verstanden. Danach bin ich zum Gym gewechselt und bin nun schon seit 2008 dort. Die Schüler sind alle scheiße. Machen blöde Sprüche und man macht blöde Sprüche zurück. Auch eine Freundin von mir hat ihre Mama verloren. Durch Krebs, da war sie ungefähr 14. Ich weiß, ist was komplett anderes, aber wenn man mit ihr redet, dann merkt man wie sie sich nach all dem fühlt.
Oliver schrieb:
Und Außenseiterin...eine so junge, starke und hübsche Frau wie du kann keine Außenseiterin sein!
Aber alleine eine junge, starke und hübsche Frau zu sein reicht eben nicht aus, um mit seinen Schicksalsschlägen fertig zu werden. Man ist irgendwie anders, fühlt sich als Außenseiter, aber diese Art macht einen irgendwie auch liebenswert.
Und ja, du bist sehr stark, um so etwas durchzustehen. Aber diese starke Art macht einen auf Dauer regelrecht kaputt, weil es in einem drinnen ganz anders aussieht. Ich denke, du weißt wovon ich rede.
Für jemanden, der dir gestern das erste Mal geschrieben hat, kann das ziemlich aufdringlich erscheinen. Ich hoffe, dass du das nicht so aufnimmst.
Ich habe einmal einem lieben Menschen gesagt, was ich dir auch gerne sagen würde.
„Lass mich ein Baum in deinem Leben sein, an den du dich lehnen kannst, wenn es dir schlecht geht, der blüht, wenn du strahlst, der die Blätter fallen lässt, wenn du traurig bist, der im Winter trotzdem bei dir steht, wenn alles trostlos und weiß erscheint, und der neue Knospen trägt, wenn die Hoffnung wieder kommt, lass mich ein Baum in deinem Leben sein“
Manchmal bringt es etwas ein bisschen zu schreiben! Überleg’s Dir!

Zur Form, würde ich häufiger solche Gedanken in Kurzprosa fassen, vielleicht ein bisschen gekürzt. Dann hat man diesen lästigen Druck weg, dass sich was reimen muss.
Ich weiß, dass es in der Dichtung nichts Schöneres gibt, als ein Gedicht zu verfassen, was sich herzzerreißend an den Sinn des Künstlers schmiegt. Leider geht das nicht immer, wenn man sich zu sehr in die Reime kniet.
Ich schreibe übrigens seit ich 15 bin. Hatte mich damals in jemanden verliebt und wollte ihm irgendwie imponieren. Hat nicht ganz so geklappt.
Seitdem schreibe ich häufig noch aus Trauer, diesen Menschen nicht in den Arm nehmen zu dürfen. Inzwischen bin ich 19. Aber so etwas geht anscheinend niemals vorbei.
Wenn du magst schicke ich dir auch mal ein paar Gedichte, die ich geschrieben habe.

LG Titus

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SamanthaCapule
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Registriert: 14.09.2009, 14:06

Re:

von SamanthaCapule (10.01.2010, 20:11)
Lieber Titus!

Danke für deine nette Antwort. Natürlich würde es mich freuen einige deiner Gedichte zu lesen.
Allerdings darf man bei mir nicht dazu neigen das Lyrische Ich in zu engen zusammenhang mit meiner Person zu stellen. Trotz meiner doch recht traurigen Gedichte bin ich ein fröhlicher Mensch.
In dem Sinne

LG Sam angle:
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

Bela
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Registriert: 11.07.2009, 19:11
Wohnort: im Süden der Republik

Re:

von Bela (12.01.2010, 21:28)
Hallo Sam,

dein Gedicht hat mich tief berührt.

Warum weint deine Seele?

LG

Bela
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man schönes bauen. J.W. v. Goethe

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