BoD und Amazon Kindle

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (12.01.2010, 15:22)
Torsten Buchheit hat geschrieben:
Ich möchte mein 2008 erschienenes Buch als e-Book herausbringen, sobald in Deutschland in nennenswerter Zahl e-Book-Reader auf den Markt kommen. Welches System sich dann durchsetzt, ist völlig egal, am besten wird gleich auf allen Formaten veröffentlicht.


Ich finde diese Diskussion um den Amazon Kindle (und andere e-Book-Reader) noch in einer ganz anderen Richtung interessant (um nicht zu sagen: recht lustig).

Da wettern große Teile der Computer-Nutzer gegen proprietäre Systeme (also Programme, die mit ganz bestimmten Betriebssystemen laufen, wie etwa "Word" oder Windows Media Audio WMA), rufen zur Nutzung offener Systeme wie Linux oder Open Office auf, und reden dann doch zugunsten eines geschlossenen Systems wie das "Amazon Kindle". Nun ja ...

Sollte sich Amazon Kindle tatsächlich auf breiter Ebene durchsetzen, wie sieht es dann aus mit den Lizenzrechten für die Nutzung der Kindle-Technologie bei der Herstellung von e-Book-tauglichen Texten? Muss man - als wir Autoren bzw. der entsprechende Verlag - für die Nutzung der Technologie Lizenzgebühren zahlen? Ich erinnere mich noch gut an den Rechtsstreit, als für die Nutzung des GIF-Grafikformates plötzlich Lizenzgebühren auftauchten (GIF verwendet ein Datenkompressionsverfahren, für das Patentrechte existierten). Wird Amazon also bei der Herstellung von Kindle-tauglichen Texten die Hand aufhalten?

Ähnliches muss man auch bei jedem anderen proprietären e-Book-System befürchten. Und nur weil 10 verschiedene Reader existieren, jedesmal 20 oder 25 Euro auf den Tisch legen?

Grüße
Siegfried
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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (12.01.2010, 17:15)
Hallo Siegfried,

du hast mit deinen Einwürfen wie immer völlig recht. Lizenzgebühren erwarte ich hier aber weniger mit der Benutzung eines Datenformates, sondern eher mit der Benutzung eines exklusiven Vertriebskanales. Ich könnte mir denken, daß der Kindle exklusiv nur über Amazon befüllt werden kann und daß sich Amazon das mit einer überdurchschnittlichen Marge honorieren lassen wird. In Deutschland wird dann wohl auch noch der Mobilfunkanbieter, über dessen Netz das Buch auf den Kindle rauscht, zusätzlich die Hand aufhalten wollen. Vielleicht wird auch das digitale Rechtemanagement, das die beliebige Weitergabe des e-Books verhindern soll, noch Extragebühren kosten.

Zehn Reader, zehnmal 25 Euro: tatsächlich denkbar. Jedoch ist kein Autor gezwungen, alle diese Vertriebswege auch zu gehen. Vorstellbar ist eine selektive e-Book-Veröffentlichung nach Zielgruppenanalyse, wenn es Anhaltspunkte gibt, welche Zielgruppen welche Reader kaufen.

Ingesamt ist es aber hier genau so wie bei der Geldanlage: Es ist völlig wurscht, was der freundliche Bankberater dem Kunden an Produkten empfiehlt. Jeder muß sich sein eigenes Bild von der Zukunft machen. Und mein persönliches Bild von der Zukunft umfaßt auch die e-Books.

Viele Grüße

Torsten
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FriederikeNielsen
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Re:

von FriederikeNielsen (12.01.2010, 18:18)
CeKaDo hat geschrieben:
Mal schauen, vielleicht äußert sich ja jemand von BoD zu den möglichen Plänen. Das würde auf jeden Fall so manche Unsicherheit beseitigen.


Hallo,

BoD wird bald eBooks anbieten. Einen Zeitpunkt können wir aber noch nicht nennen. Ich melde mich, wenn es konkret wird.

Viele Grüße
Friederike

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Franjo
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Re:

von Franjo (12.01.2010, 18:30)
Es gibt ein ganz anderes Beispiel wie Ebooks sich auf die Print-Medien auswirken können.

Ein positives Beispiel.

Der Autor hatte versucht seine Bücher in Russland zu verkaufen. Der Verleger hatte jedoch den Vertrieb seiner Bücher eingestellt. Der Autor stieß dann im Internet auf Ebooks, die weder von ihm noch irgendeinem Verlag authorsiert waren. Daraufhin entschloss sich der Autor, seine Werke in Eigenleistung als Ebooks ins Internet zu stellen. In Folge dieser Aktion stieg die Nachfrage nach den gedruckten Büchern und seine Bücher wurden erneut in Russland vertrieben. Nach einiger Zeit kam ihm eine Zeitung auf die Schliche, dass er selber Piratenkopien seiner Bücher ins Internet eingestellt und somit verbreitet hatte. Seine Verleger fanden das nicht wirklich witzig, unternahmen aber gegen diese Raubkopiererei nichts.

Der Autor heißt Paolo Coelho und sein Werk, dass in Russland anfangs so schlecht ging und erst durch Raubkopien im Vertrieb beflügelt wurde, war "Der Alchemist".

Der gesamte Erfahrungsbericht von Paolo Coelho selber findet sich als Übersetzung in der FR-Online hier:

http://fr-online.de/in_und_ausland/kult ... t=2173597&

Paolo Coelhos selbstgemachte Raubkopien seiner eigenen Bücher finden sich offiziell hier:

Code: Alles auswählen

www.paulocoelhoblog.com/pirate-coelho


Vielleicht sollte das deutschen Verlagen eine entspanntere Haltung zu Ebooks im Internet geben. Denn Lesbares verlangt vom Anwender eine aktive Leistung (das Lesen) und viele bevorzugen das Printmedium zum Lesen. Im Gegensatz zur Musik und seiner Industrie, wo die Leistung zur Erlangung des Inhaltes vom Anwender rein passiv erbracht werden muss (Zuhören) und somit vollkommen anders konsumiert werden kann.

Meiner Meinung nach hinken Vergleiche zwischen Musik und Literatur aufgrund der Erfordernisse zu deren Konsum.

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hawepe
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Re:

von hawepe (12.01.2010, 19:13)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Da wettern große Teile der Computer-Nutzer gegen proprietäre Systeme (also Programme, die mit ganz bestimmten Betriebssystemen laufen, wie etwa "Word" oder Windows Media Audio WMA), rufen zur Nutzung offener Systeme wie Linux oder Open Office auf, und reden dann doch zugunsten eines geschlossenen Systems wie das "Amazon Kindle". Nun ja ...


... etwas mehr Differenzierung täte da schon gut. Tendenziell ist es eher so, dass Open-Source-Anhänger diese Position auch bei Ebooks vertreten, während die anderen entweder gegen Open-Source oder desinteressiert sind, und das dann sowohl hinsichtlich klassischer Software wie eben auch Ebooks.

Sollte sich Amazon Kindle tatsächlich auf breiter Ebene durchsetzen, wie sieht es dann aus mit den Lizenzrechten für die Nutzung der Kindle-Technologie bei der Herstellung von e-Book-tauglichen Texten? Muss man - als wir Autoren bzw. der entsprechende Verlag - für die Nutzung der Technologie Lizenzgebühren zahlen?


Wer will das vorher wissen? Aber der Kunde bestimmt. Wenn er auf propritäre Dinge wert legt und dafür zu zahlen bereit ist, warum nicht?

Momentan sieht es allerdings nicht so aus, als würde sich ein propritäres Format als alleiniges Ebook-Format durchsetzen. Ob allerdings Epub bereits die freie Alternative ist, möchte ich lieber nicht beschwören.

Beste Grüße,

Heinz.

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (13.01.2010, 11:06)
@ FriederikeNielsen:

Danke schön! Das ist doch mal eine angenehme Perspektive, sich nicht kümmern zu müssen ;-)

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