Wenn der Lektor nichts findet...

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Valerie J. Long
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Wenn der Lektor nichts findet...

von Valerie J. Long (17.02.2010, 07:33)
Wenn der Lektor nichts findet...

In diesem Thread http://www.bod.de/autorenpool/korrektorat-und-lektorat-ein-muss-t9391.html haben wir festgestellt, dass Lektorat eigentlich ein Muss ist. Ein unlektorierter Text ist schlechter als ein lektorierter, so lautet die Hypothese.

Wenn der Lektor nichts oder nur wenig zu meckern hat, war dann der Lektor schlecht oder der Autor bzw. sein Werk schon so gut?

Oder ist das der erwünschte Normalfall, wenn ein erfahrener Lektor das Werk eines erfahrenen Autors bearbeitet? Und wenn das so ist - wie dringend notwendig ist dann der Lektor noch?

Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (17.02.2010, 09:40)
Interessante Frage, Valerie. Du redest vom Lektor - also nicht vom Korrektor - womit schon mal die Fehler bei Orthographie, Grammatik und Interpunktion wegfallen.
Und auch dann ist beides möglich: sehr gut schreibender Autor oder weniger guter Lektor, oder beides bzw, beides im Umkehrschluss.
Wenn du aber mit Lektorat auch das Korrektorat (welches ich noch sehr viel wichtiger finde!) meinst, dann ist zu überlegen, wie deine Frage zu beantworten ist. Ein Korrektor der Fehler nicht findet, hat wohl seinen Job verfehlt - und es soll Autoren geben, die wirklich (nahezu) fehlerfrei schreiben.

Haifischfrau

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buchselstabe
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Re:

von buchselstabe (17.02.2010, 10:04)
Guten Morgen,
eine gute Frage.
Hat man doch, um es mathematisch auszudrücken, eine Gleichung mit zwei Unbekannten.
Zum einen die Qualität des Textes (also des Autors), die von schlecht bis hervorragend sein kann. Auf der anderen Seite den Lektor, der ebenfalls ein schlechter Vertreter seiner Gattung sein kann aber auch ein Ausgezeichneter.
Beides trifft nun in diversen Abstufungen zusammen.
Auch in den entgegengesetzten Extremen.
Keine Fehler zu finden würde ich daher, als erste unüberlegte Antwort, auf den Lektor schieben. Denn, so denkt man doch, ein so extrem guter Autor ist sehr selten.
ABER:
Es kann auch heißen, für das Genre, die Zielgruppe, das Thema ist der Text gut genug. Es kommt ja auch auf den Qualtitätsanspruch des Verlages an.
Kann es auch sein, dass ein Lektor gewissen Zielvorgaben (meistens sind es ja wohl Zeit=Kosten) hat, die das Nineau bestimmen?

Daher kann man das wohl so einfach gar nicht beantworten.

Aber aus meiner Erfahrung mit meinem eigenen Buch (das noch im Enstehen ist) und den seit Monaten laufenden Korrekturlesungen auch durch Andere, kann ich nur beides (Korrektorat, Lektorat) empfehlen. Wenigstens gehöre ich nicht zu der Gruppe von Autoren, die (fast) perfekt schreiben.

Gruß Uwe
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hwg
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Re:

von hwg (17.02.2010, 10:15)
Ein Lektor, der an einem Typoskript nichts ändert, ist mir noch nie untergekommen.... :lol:

Sollte es doch einmal geschehen, so dürfte der Autor mit seinem Werk
wohl zufrieden sein.

Endgültiges entscheidet ohnehin der (künftige) Leser.
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.02.2010, 11:20)
Zur Klarstellung: Ich rede ausdrücklich nicht vom Korrektorat, sondern vom Kerngeschäft eines Lektors, dem von Autoren gefürchteten Rotstift.

Über einen vielleicht nebenbei auch noch beseitigten Tippfehler reden wir nicht, sondern über Änderungen an Stil, Wortwahl, Satzbau, Tempus, Perspektive, Erzählfluss, Logik, Dramaturgie...

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (17.02.2010, 11:42)
Also, wenn ein Lektor tatsächlich rein gar nichts zu beanstanden hätte, würden bei mir die Alarmglocken schrillen. Ich würde dann fast vermuten, dass er sich gar nicht wirklich mit dem Text befasst hat.


Gruß

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MarleneGeselle
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Re:

von MarleneGeselle (17.02.2010, 12:05)
Guten Morgen,

also mir ist das bis jetzt auch noch nicht passiert. Ich gerate wohl immer an die Leutchen, die einem sachliche Fehler reindiktieren wollen und bei Sprache und Stil alles "runterschleifen" bis man nicht mehr merkt, wer eigentlich der Autor ist. Selbst bei bereits vorlektorierten Texten für eine Ausschreibung gibt es immer noch den einen oder anderen Änderungswunsch.

Entweder hast du zufällig exakt den Geschmack des Lektors getroffen, oder man macht es sich bequem und nimmt alles, was nur kurz mal durch den Duden-Korrektor soll.

Liebe Grüße
Marlene
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Maxi
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Re:

von Maxi (17.02.2010, 12:10)
Also ich bin schon streg zu mir selbst und versuche solche Fehler wie Stil, Wortwahl, Satzbau, um den Text besser zu machen zu finden.
Und ich bin keine Lektorin, da muss doch ein Profi,100% besser sein.
Maxi

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.02.2010, 12:41)
Nein, passiert ist mir das auch noch nicht, dass der Lektor gar nichts findet, aber die Frage fand ich spannend.

@Marlene: Dieses "runterschleifen" auf einen 08/15-Publikumsgeschmack fürchtet wohl jeder, oder? :wink:

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MarleneGeselle
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Re:

von MarleneGeselle (17.02.2010, 13:56)
Hallo Valerie,

das kannst Du laut sagen. Wenn es denn wenigstens Publikumsgeschmack wäre und sich verkaufsmäßig durchschlagen würde. Selber fürchte ich da die Steckenpferdreiter mehr. :twisted:

Liebe Grüße
Marlene
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (17.02.2010, 14:11)
MarleneGeselle hat geschrieben:
... die Steckenpferdreiter mehr.
Tsss, Marlene, das nennt sich natürlich "Hausregeln"!
:wink:

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Lisa_Sonnenblume
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Re:

von Lisa_Sonnenblume (17.02.2010, 20:06)
Das Problem kennen meine Lektoren nicht cheezygrin richtig, ich brauche mehrere davon. Bin seit 15 Jahren in Deutschland und seit vier schreibe ich, auf deutsch. Womöglich wird mein Deutsch nie perfekt sein, ich will aber trotzdem auf deutsch schreiben :lol:
LG,

Lisa

hwg
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Re:

von hwg (18.02.2010, 06:00)
Nochmals zum Thema Lektor und Korrektor.

Ich darf aus eigener Erfahrung nach jahrzehntelanger Tätigkeit
in beiden Metiers nur noch anmerken: selbst unter vier
Korrektoren, die sich täglich bis zu 100 Seiten der gleichen Texte "vornehmen" und auch gegenlesen, gibt es bei "Kleinigkeiten" oft höchst unterschiedliche Meinungen, beispielsweise hinsichtlich der Interpunktion. In den meisten Redaktionen sind Korrektoren bereits
"ausgestorben", aus Kostengründen.

Bei Lektoren muss man wohl zwischen bei einem Verlag angestellten und freiberuflich tätigen unterscheiden. Vorausgesetzt, beide machen ihre Arbeit sehr gut, so sind doch die angestellten Lektoren vorrangig ihrem Verlag und dessen Marktingabteilung verpflichtet.

Passt das Typoskript schwer ins angepeilte Programm, muss es, sollte es überhaupt angenommen werden, entsprechend "umformuliert" werden.
Meistens sind es nur arrivierte Autoren, die sich dagegen ernsthaft wehren (können), Erstautoren sind in der Regel froh, überhaupt "unterzukommen".

Freiberufliche Lektoren, die n u r für Autoren arbeiten, sind bei Verlagen nicht gerade beliebt. Das erkennen sie meistens dann, wenn ihre Tätigkeit, so gut sie auch sein mag, vom Verlagslektor wiederum umfassend "korrigiert" wird.

Selbstverständlich gibt es auch freie Lektoren, die n u r für Verlage arbeiten - dann aber gilt dasselbe, wie oben bei einem angestellten Lektor beschrieben.

Für Eigenverleger und BoD-Autoren bleibt somit ohnehin nur die Möglichkeit, sich - wenn schon - einem freien Lektor "anzuvertrauen".
Ob dieser sich jedoch gegen einen "eigenwilligen" BoD-Autor, welcher für die Endproduktion seines Werkes ja selber zuständig ist, stets durchsetzen kann - oder auch, angesichts des zu erwartenden Honorars will - , steht auf einem ganz anderen Blatt.

Das sind jetzt nur so meine Überlegungen zum Thema. Denn auch unter freiberuflichen Lektoren gibt es über ein Werk selten einhellige Zustimmung, es sei denn, der Autor ist ein "Alleskönner" - solche soll es ja auch geben... :wink:

Kollegiale Grüße!
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MarleneGeselle
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Re:

von MarleneGeselle (18.02.2010, 10:02)
Guten Morgen,

wahr gesprochen und wie immer auf den Punkt gebracht, lieber Hans.

Aber im Endeffekt heißt das doch auch nur: Wer zahlt, der schafft an, es gibt nur ein subjektiv gut oder schlecht, falsch oder richtig.

Liebe Grüße
Marlene
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Annorra
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Re:

von Annorra (18.02.2010, 11:19)
Hallo Valerie,

ich stimme deiner provikativen These im anderen Thread natürlich zu und teile hier die mathematische Meinung von Uwe. Es kommt eben drauf an ... Aber ich denke, selbst hier kann ein guter Autor selbst einigermaßen sicher beurteilen, welcher Fall vorliegt.

Ach ja - und dann gibt es noch den Fall jener Lektoren, die an einem eigentlich guten Text viel rumkritteln, weil sie sehr enge, subjektive Kriterien anwenden. Ein guter Lektor ist auch nicht zu streng und arbeitet nicht die Checklisten von Schreibratgeber ab (nach dem Motto: jedes Füllwort, jedes Passiv streichen, keine auktoriale Perspektive zulassen usw.), sondern lässt dem Text bis zu einem gewissen Grad seine Freiheiten.

Viele Grüße
Annorra
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