Umleitung Richtung Liebe 1

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Shizi
Beiträge: 16
Registriert: 05.05.2007, 18:03

Umleitung Richtung Liebe 1

von Shizi (14.11.2007, 15:31)
Autor: Shizi
Teil: 01/?
Abgeschlossen: nein
Art: Multipart
Fandom: Original / Reality
Rating: PG-16
Yaoi: ja
Warnung: romantik / lemon /language
Urheberrecht: Die meisten OriginalStorys sind Eigentum der Autoren und dürfen ohne deren Zustimmung nicht auf anderen Seiten verwendet werden!
Disclaimer: alles meiner Phantasie entsprungen!
Kommentar: Aaron, von seinen Eltern aufs Internat abgeschoben, ist Homophob und sieht sich plötzlich damit konfrontiert, sein Zimmer mit einer "Schwuchtel" teilen zu müssen...

Umleitung Richtung Liebe

Tzz, war ja mal wieder typisch, dass nur ich hier jetzt sitzen musste, dass nur ich darüber sinnieren musste, welche Strafe mich wohl erwarten dürfte. Und dass nebenbei noch eine Menge meiner kostbaren Zeit, die ich jetzt sehr viel sinnvoller mit Nichtstun hätte füllen können, dabei drauf ging. Aber was erwartet man schon auf einem abgefuckten Internat mit keinem einzigen weiblichen Wesen unter 50, einem durchgeknallten, hinterher spionierenden Hausmeister und einem Direktor, der meiner Mutter das Wasser reichen könnte. Nein, natürlich. Gar nichts! Sollte ich hier noch ein bisschen länger sitzen, würde bald nichts mehr von meinem Pulli vorhanden sein vom ständigen Fadenziehen der Langeweile wegen. – An dieser Stelle sollte sich jetzt eigentlich die Tür vom Direktorzimmer öffnen und dessen Inhaber mich unfreundlich dazu auffordern, einzutreten, aber hier läuft ja eh nie irgendetwas so, wie ich mir das vorstelle. – Klack, und ach Gottchen, meine Träume werden wahr. Noch bevor dieser grässliche Mann, der mich zumindest stark an ein Pferd erinnerte, irgendetwas von sich geben konnte, erhob ich mich und machte einen Schritt auf ihn zu, jedoch darauf bedacht ihm nicht allzu nahe zu kommen. So betrat ich dann auch missmutig diesen Raum, der mir inzwischen schon zu bekannt vorkam und ließ mich seufzend auf dem unbequemen Besuchersessel nieder.

Das darauffolgende Gespräch möchte ich euch ersparen, nur so viel dazu: Dieser Mann spuckte aufgrund seines Pferdegebisses ein bisschen zu viel, um mit mir noch in irgendeiner Weise ein vernünftiges Gespräch führen zu können, was er inzwischen – nach immerhin 5-6 Gesprächen – auch bemerkt zu haben schien. So wurde mir nur einmal wieder mitgeteilt, dass ein Zimmerwechsel für mich anstand und ich für die nächsten 3 Monate Ausgangssperre hatte, was mir eh am Allerwertesten vorbeiging, da es erstaunlich einfach war, auch so einfach einmal zu verschwinden. Anschließend machte ich mich auf den Weg, um meine Sachen zu packen und um meinem neuen Mitbewohner das große Glück zu bescheren, mich solange auszuhalten, bis einmal wieder ein Zimmerwechsel anstand. Wobei ich zugeben musste, dass es langsam aber sicher nervig wurde, ständig hinausgeschmissen zu werden. Warum mein Vorschlag, mir ein Einzelzimmer zu geben, auch immer noch nicht beherzigt wurde, konnte ich beim besten Willen nicht sagen.

Als ich damit fertig war, meine Sachen zusammenzupacken – ich hatte bei meiner Rückkehr Gott sei Dank ein leeres Zimmer vorgefunden – und gerade den Raum verlassen wollte, um mich pflichtbewusst fertig zum Umzug zu melden, klopfte es unerwartet an der Tür. Und so wurde mir zum zweiten Mal an diesem Tag das Glück beschert, diesem Pferd von Mann gegenüber zu stehen.
„Nun mach schon, ich bring dich hin!“ - „Würde es nicht reichen, mir einfach die Zimmernummer zu nennen?“, wagte ich todesmutig einzuwerfen, was mir nur einen mürrischen Blick einbrachte. Dass wir dann auch noch das Stockwerk verließen, ließ mich wiederum stutzen. Normalerweise waren die Stufen auf die verschieden Häuser und Stockwerke verteilt. Und die achte Klasse hatte meines Wissens nur dieses Stockwerk. Augenrollend schleifte ich mein Gepäck dem Pferd hinterher und stieß schließlich ein verblüfftes „Oh“ aus, als wir das kleinere Wohnheim der Oberstufe betraten.

Nun vielleicht war es jetzt an der Zeit, euch erst einmal zu erklären, wie es überhaupt zu dieser ganzen Scheiße kam. Also mein Problem ist, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich die sechste Klasse wegen langer Krankheit wiederholen musste, jetzt gezwungen bin, mein Zimmer mit kleinen Scheißern aus der Acht zu teilen. Nicht nur, dass die sich wie kleine Kinder benahmen, sie dachten auch noch, es wäre cool, mit mir abzuhängen, weshalb sie mir ständig auf die Pelle rückten, was wiederum unweigerlich zur Folge hatte, dass der ein oder andere, eine blutige Nase abbekam. Und dieser Jemand war nun einmal meistens mein Mitbewohner, der immer irgendwann, egal wer es nun genau war, unerträglich wurde.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

„Ich soll mit der Schwuchtel in ein Zimmer?“

Starr vor Schreck und mit eindeutig wütendem Unterton stieß ich diese Worte hervor. Mit einem Schlag war ich wieder in der Realität angekommen, als ich bemerkt hatte, dass ich vor der Tür des Jungen stand, mit dem niemand in ein Zimmer wollte.

– okay ich gebe zu, der ein oder andere würde wohl gerne, aber die Schulleitung hatte nach dem Coming Out von Takagi etwas dagegen. –

Und sogleich fragte ich mich, warum bei mir eine Ausnahme gemacht werden sollte. „Nun es ist das einzige Zimmer hier im Gebäude, in dem noch ein Bett frei ist und solltest du dich dieses Mal auch nicht anpassen können, kann es sehr gut sein, dass du diese Schule nicht mehr allzu lange besuchen wirst!“

Geschockt stand ich einfach nur da und brachte keinen Ton, nicht mal ein winziges Tönchen heraus. Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken und da öffnete das Pferd auch schon auf ein gerufenes „Herein“ die Tür. Nur sehr, sehr widerwillig machte ich erst einen Schritt nach vorn, bevor ich mich dazu aufraffen konnte das Zimmer zu betreten.

Das erste was mir auffiel, war, dass es sehr ordentlich war. Und sehr warm, was wohl auch erklärte, weshalb der Bewohner dieses Zimmers mit nacktem Oberkörper am Schreibtisch saß und auf seinen Laptop einhämmerte, bis er sich schließlich lächelnd zu uns wandte.

„Das ist also der kleine Raufbold, ja?!“

Unwillkürlich fragte ich mich, wie er es fertig brachte das Pferd so anzugrinsen. Und kurz darauf realisierte ich, was er gesagt hatte.

„Ich bin nicht klein“, brachte ich dann doch endlich ein paar Worte zustande, auch wenn ich erschreckenderweise feststellen musste, dass ich nicht ganz die Tonlage und Lautstärke getroffen hatte, die ich beabsichtigt hatte.

Und dieser unverschämte Typ wagte es dann auch noch mir einfach so ins Gesicht zu lachen. Krampfhaft hielt ich mich zurück, um nicht ausfallend zu werden und mir noch eine Strafe einzufangen.

Gleich darauf verabschiedete sich der Rektor und ließ mich mit dieser Grinsebacke alleine, nachdem er dieser noch viel Glück – wobei auch immer – gewünscht hatte.

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

„Hi, ich bin Makè Takagi und das hier“, er zeigte mit den Händen einmal rund ums Zimmer, „war bis jetzt mein alleiniges kleines Reich und ich hoffe es wird durch deine Anwesenheit nicht vollkommen zerstört, ich bin es nämlich gewohnt, dass hier Ruhe herrscht und vermeide möglichst Ärger, wenn du verstehst…“

Erwartungsvoll sah die Grinsebacke mich an. Und offensichtlich war er ja auch ein Schwätzer.

„Kein Problem, ich legs nicht besonders auf Ärger an!“

Ich versuchte einen verächtlichen Tonfall und entdeckte zu meiner Erleichterung, dass mit meiner Stimme scheinbar wieder alles okay war.

Die Schwuchtel stand schließlich auf und zeigte auf die rechte Seite des Zimmers.

„Deine Seite ist dort drüben, die rechte Hälfte des Schranks gehört ab heute dir, die Bettwäsche liegt im Selbigen, da ich mir die Mühe machte, sie dir extra zu holen…bin ich nicht freundlich und zuvorkommend? Nein Scherz, aber ich hoffe wir beide verstehen uns, trotz des Altersunterschieds!“

Oh Gott der Typ sprudelte ja gerade zu über. Ohne mir die Mühe zu machen, etwas zu erwidern, schleppte ich meine Tasche zum Schrank und begann auszupacken und es mir möglichst gemütlich zu machen. Was dieser währenddessen tat, drang nicht mehr so ganz zu mir durch.

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

„Hey, es gibt Abendessen!“, riss mich ein eine Stimme aus meinen Tagträumen. Ich war nach dem Auspacken wohl auf dem Bett eingedöst. Peinlich peinlich, wer weiß, ob die Schwuchtel mich dabei nicht „beobachtet“ hat.

„Dann verpiss dich doch!“

Gleich drauf hörte ich ein missbilligendes Schnalzen.

„Okay, ich wollts dir nur gesagt haben.“

Damit verschwand er endlich.

Mühselig stand ich auf und streckte mich erst einmal ausgiebig, um mich schließlich auf den Weg zum Speisesaal zu machen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Nach dem Abendessen war ich noch kurz in der Bibliothek verschwunden und saß nun lesend – ich hatte mir den neuen Artemis Fowl ausgeliehen – auf dem Bett und versuchte mich einigermaßen zu konzentrieren. Was gar nicht so einfach war, wenn eine andere Person im Zimmer immer wieder zu einem rüberlinst.

„Was ist?“, gab ich schließlich von mir, als meine Konzentration völlig flöten gegangen war.

Stille.

„Hallo ich rede mit dir! Warum starrst du ständig zu mir rüber?“

Nur ein leises Rascheln antwortete mir.

„Ey Schwuchtel, antworte gefälligst, wenn ich dich was frage!“

Bei diesen Worten drehte er sich endlich zu mir.

„Du hast dir deine Frage doch schon selbst beantwortet: Ich bin eine Schwuchtel…was hast du erwartet?“

In der Stimme schwang so viel Verachtung mit, dass jeder andere sich auf der Stelle verkrochen hatte, aber wenn ich ehrlich war, machte er mich neugierig, denn seine Augen sprachen eine ganz andere Sprache.

„Ja ne miese kleine Schwuchtel bist du, komm aber ja nicht auf die Idee, nachts mit in mein Bett zu kriechen!“

Neugierig wartete ich auf seine Reaktion.

Takagis Augen wurden für einen Augenblick dunkler, bevor er sich fing. Ich konnte ganz genau sehen, dass ich ihn verletzt habe. Einerseits brachte das ein Hochgefühl, andererseits weckte es mein Gewissen, wie ich mit Erstaunen feststellte.

„Wer weiß…“

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Ein Klingeln riss mich aus meinen Träumen, die mir im ersten Moment noch klar vor Augen standen und kaum hatte ich den Wecker ausgestellt, verschwunden waren. Das einzige was blieb, war ein warmes Gefühl im Bauch, das im krassen Gegensatz zu meinen kalten Füssen stand. Eilig zog ich sie wieder unter die Decke und setzte mich richtig auf, wobei mir ein Seufzen entwich. Das schien wohl auch mein Mitbewohner mitbekommen zu haben, der sich mir gleich zuwandte und mich mit hochgezogener Augenbraue musterte. Ich hätte nicht gedacht, dass er so provokativ schauen konnte.

Gestern war ich einfach wortlos aus dem Zimmer verschwunden und hatte mich bettfertig gemacht. Aber wenn ich ehrlich war, wusste ich nur nicht, was ich erwidern sollte, womit ich mein Gehen als Flucht bezeichnen müsste, ich nannte es aber lieber Rückzug. Es war ein vorläufiger Rückzug, um mich selbst zu sammeln, immerhin war es das erste Mal, dass ich so massiv bedroht wurde.

Takagi war inzwischen aus dem Zimmer gegangen, was mir erlaubte das warme Bett zu verlassen und mich tapsend auf den Weg ins Badezimmer zu machen. Als ich die kalten Fliesen betrat, zuckte ich unwillkürlich zusammen und versuchte möglichst wenig direkten Kontakt mit diesen zu haben. So wie ich das auch mit Menschen hielt, schön wenig Nähe zur kalten Gesellschaft von heute. Schon wieder entwich mir ein Seufzen, ich sollte unbedingt damit aufhören. Auch damit solche Sachen zu denken, ich konnte es nicht ausstehen, wenn man sich selbst oder andere analysierte und tat es selbst. Manchmal konnte ich meine eigene Nähe und meine Gedanken nicht ertragen.

Fluchend steckte ich mir meine Zahnbürste in den Mund und sah nur äußerst ungern in den Spiegel. Und wie erwartet sah ich schrecklich aus, meine Haare standen zu Berge und ich hatte Abdrücke vom Kissen im Gesicht, um nur zwei Übel zu nennen. Mich selbst mit bösen Blicken taxierend putzte ich mir die Zähne fertig und versuchte mich wieder halbwegs ansehnlich hinzukriegen.

Realtiv zufrieden verlies ich das Bad wieder und machte alles für den heutigen Tag fertig, um mich schließlich das Frühstuck ausfallen lassend auf den weg zu den Unterrichtsräumen zu machen. Zu dieser Uhrzeit war kaum jemand im Schulgebäude, da die meisten noch am Frühstückstisch saßen und sich die Wänste vollschlugen, was ich als sehr angenehm empfand und mich dazu veranlasst hatte, die morgendliche Mahlzeit immer ausfallen zu lassen. An meiner Figur hatte sich seitdem auch nichts geändert, weshalb mir nichts falsch daran erschien, auch wenn meine Mutter mich immer wieder ermahnte schön zu essen, vor allem das Frühstück, da es ja die wichtigste Mahlzeit des Tages sei. Schwachsinn! Wenn ich ohne Frühstück nicht abnahm, warum sollte ich dann mit Frühstück zu nehmen?

Ich könnte mich für meine Gedanken übers ABNEHMEN als Junge schon wieder selbst Ohrfeigen. Schlecht gelaunt betrat ich das Klassenzimmer, das ich wie erwartet leer vorfand, lies mich schwerfällig auf meinem Stuhl nieder und fing mal wieder an zu lesen. Gestern hatte ich ja nicht genug Ruhe dazu.

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

Die nächsten Tage liefen verfickt scheiße. Glaubten die ernsthaft ich würde ihre Blicke nicht spüren? Schon vom ersten Tag an, den ich mit Takagi das Zimmer teilte, schaute mir jeder Arsch hinterher, von ihren Kommentaren ganz zu schweigen. Die ganze Welt verfluchend schleppte ich mich Tag für Tag ins Unterrichtsgebäude und versuchte, ja VERSUCHTE auf Durchzug zu stellen, was mir nur teilweise gelang, weshalb es ja nur beim VERSUCH geblieben war.

Ihr Getuschel, warum ich ausgerechnet bei der Schwuchtel gelandet war, ob ICH mir das gewünscht hätte – hallo wie scheiße im Hirn sind die denn – ob ich nun auch schwul werden würde, oder es gar schon wäre. Verdammt kacke sich das mehrmals am Tag reinziehen zu müssen. Zum Glück war niemand auf die Idee gekommen, damit zu mir zu kommen, sonst hätts gleich was aufs Maul gegeben.

Obwohl das zumindest mir eine Befriedigung verschafft hätte. Aber wahrscheinlich wär das für die Hohlbirnen noch als Antwort durchgegangen und für sie wär ich wirklich die kleine Schwuchtel vom Dienst geworden. Wobei ich mir ja schon vorher das ein oder andre Mal „Transe“ anhören musste, nur weil ich im Gegensatz zu ihnen Wert auf mein Aussehen legte. Oder besser: Mir war mein Andersaussehen wichtig.

Inzwischen hatte ich dank meines Vaters eine richtiggehende Allergie gegen Schwule. Ich weiß nicht, wie oft ich mir anhören musste, ich säh aus wie ne Schwuchtel. Nur weil es diese verdammten Falschficker gab, musste ich mir anhören, nicht rumlaufen zu dürfen, wie ich es nun mal tat, obwohl es viele Mädchen gab, dies geil fanden.

Was war falsch daran, seine Augen etwas zu betonen oder blasse Lippen etwas einzuröten? Oder sich die Haare zu färben? Jeder zweite Heini hatte heutzutage gefärbte Haare, und ich hatte nur ein paar Strähnchen. Nur weil dem Arschloch von Vater die Farbe nich gefiel, dabei konnte ich an Weiß nichts Schwules feststellen.

„Aaron?“

Aber wenn es nach ihm ging, war eh nichts an mir wirklich männlich. Ich hasste den Ausdruck in seinen Augen, falls er mich mal ansah. Dann hatte ich immer das Gefühl, der vollkommene Versager zu sein. Inzwischen hatte ich keine Lust mehr mich für ihn zu verbiegen, ich wusste schon gar nicht mehr, wie häufig ich versucht habe, seine scheiß Erwartungen zu erfüllen. Tat das nicht jeder? Aber es gab Dinge, die konnte man nicht erzwingen…

„Hey Aaron! Würdest du dich bitte wieder dem Unterricht zuwenden? Beziehungsweise mir! Ich habe dir eine Frage gestellt. Also?!“

Nur widerwillig wandte ich meinen Blick vom Fenster nach vorne.

„Was wollen Sie eigentlich? Wie soll ich eine Frage beantworten, die ich nicht gehört habe, wie Sie ganz genau wissen?“

„Nun die Frage war, ob du mir sagen kannst, wer Karl Marx war! Und wenn du nicht immer aus dem Fenster starren, sondern deine Aufmerksamkeit auf hier vorne richten würdest, könntest du die Frage auch beantworten, wenn ich sie nur einmal stelle!“

„Warum sollte ich, wenn Sie sie doch immer noch einmal wiederholen?

Manchmal verstand ich Lehrer einfach nicht. Ich meine, warum machte sich die Tante da vorne überhaupt die Mühe, mir Fragen zu stellen, statt mir einfach ne 6 aufzuschreiben und mich in Ruhe zu lassen.

„Karl Marx war ein deutscher Philosoph und politischer Journalist, der im 19. Jahrhundert gelebt hat. Er gilt heute als der einflussreichste Verfechter des Kommunismus. Noch was?“

Aber irgendwie war es auch immer wieder befriedigend, ihre scheiß sinnlosen Fragen zu beantworten. Wie lange sie wohl noch brauchte, um zu kapieren, dass sie mich damit eh nich drankriegte?

„Nein, das war’s, denk ich!“

Es war köstlich zu sehn, dass ich unsre liebe Frau Simons aus der Fassung gebracht hatte. Wie wir aber plötzlich auf Karl Marx kamen, gab mir ein Rätsel auf, ich hatte keine Ahnung, dass wir schon den Kommunismus durchnahmen.

~~~~~~~~~~~~~~~~

Als es endlich zum Unterrichtsschluss dongte, machte ich mich etwas missmutig auf zu meinem neuen Zimmer. Im Laufe des Tages waren meine Gedanken noch desöfteren bei meinem Vater gelandet, wobei ich zumindest nicht mehr beim Fluchen und Beleidigen gestört wurde.

Seufzend – verdammt das nahm langsam erschreckende Ausmaße an, so oft wie ich das in den letzten Tagen getan hatte – schloss ich die Zimmertür auf und konnte mich glücklich schätzen endlich allein zu sein. Meine Sachen in eine Ecke schmeißend legte ich mich mit dem Vorhaben nur etwas zu dösen ins Bett.

Gefühlte 5 Minuten später schreckte ich auf, als ein schnaubendes Etwas das Zimmer betrat. Nun ein genauer Blick drauf, verriet mir, dass es sich um Takagi und in Wirklichkeit 3 Stunden handelte. Warum kam er erst jetzt? Und warum hab ich geschlafen?

„Was hast du denen eigentlich erzählt, heh? Hast du sie noch alle, du verdammtes Arschloch?“

Mein Kopf dröhnte, als ich mich aufsetzte und er mir diese wirklich unnetten Dinge an den Kopf warf.

„Was willst du verfickte Schwuchtel? Was soll ich erzählt haben?“

Nur meinem Kopf zuliebe, schrie ich nicht in derselben Lautstärke zurück wie er.

„Also bist du doch genau der Scheißtyp, wie alle gesagt haben! Aber was bringt es dir verdammte Scheiße solche Lügen über mich zu erzählen? Scheiße, scheiße,…, SCHEIßE MANN!!!“

„HEY, WAS SOLL ICH GEMACHT HABEN, DU SCHEIß ARSCHLOCH?“

Verdammt jetzt hatte ich mich doch dazu verleiten lassen, so zu schreien. Mein Kopf dankte mir das seeehr überschwänglich.

„WANN hab ich dich bitte angefasst?“

Hä?

„WANN verdammt?“

Der Typ verwirrte mich!

„Wann willst du gesehn haben, wie ich mir ein runterhole? WANN? WANN HAB ICH DICH ANGEFASST? WANN HAB ICH DICH BEIM DUSCHEN BESPANNT? WANN VERDAMMTE SCHEIßE BIN ICH IN DEIN BETT GEKROCHEN? GLAUBST DU WIRKLICH ICH HÄTTE ES SO NÖTIG? BOAR DU ARSCHLOCH…!

Okay…

„HEY, WAS WIRFST DU MIR HIER EIGENTLICH VOR?“

Irgendwie brachte der Typ es fertig, dass mir der Kragen platzte. Nur kurz kam mir der Gedanke, dass uns wahrscheinlich alle im Haus Anwesenden hören konnten.

„ICH HAB DICH WEDER BEIM WICHSEN GESEHN, NOCH HÄTTE ICH DICH MICH ANFASSEN ODER BESPANNEN LASSEN! WENN DU ES WAGEN SOLLTEST IN MEIN BETT ZU KRIECHEN, KRIEGST DU SO EINE AUFS MAUL, DASS DU NICH MEHR GERADEAUS DENKEN KANNST!!!

WAS DENKST DU FALSCHFICKER DIR EIGENTLICH FÜR SCHEIßGESCHICHTEN AUS, KEIN WUNDER, DASS ICH MIR DIE LETZTEN TAGE DIESE BLICKE UND KOMMENTARE ANTUN MUSSTE…“

Woar das geht ganz schön an die Lungen, aber da hatte ich ja Übung drin. Etwas atemlos musste ich erstmal nach Luft schnappen.

„Was?“

Was sollte denn der geschockte Blick jetzt?

„Was was?“

„Du hast das wirklich nich erzählt?!“

„Warum sollte ich?“

„Aber warum…?“

Oh Gott, auf einmal tat der Typ mir ja leid, bei dem verletzten Blick, aber auch kein Wunder.

„Hat das jemand gesagt? Dass ich das gesagt hab? Oder bist du einfach nur davon ausgegangen?“

Oh Gott, meine Stimme hatte doch nich wirklich grad nen bitteren Unterton, oder?

„Tut mir leid…“

Hat die Schwuchtel sich grad wirklich entschuldigt? Warum überraschte mich das jetzt eigentlich? Hm vielleicht, weil unser Verhältnis bisher eher eisig war. Naja oft haben wir uns nicht gesehn, und geredet so gut wie gar nicht…

„Scho-schon gut…“

Nein, abgefuckte Scheiße, ich hasste es, wenn ich anfing zu stottern. Das machte ich nur wenn ich verlegen war.

„Wieso hast du eigentlich was gegen mich?“

Nein, nein, bitte kein Hundeblick. Nich so traurig gucken. Was reagier ich heute denn sensibel, MANN?

„Ich hab nichts gegen dich, ich hab was gegen Falschficker!“

Aaron, verdammt jetzt guck ihn dabei an, wie glaubhaft ist das sonst? Scheiße nicht mal mehr diese Kacke krieg ich hin.

Als ich wieder aufsah war er verschwunden. Die Tür hatte ich gar nicht gehört.

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

Er kam erst wieder als ich schon im Bett lag. Dabei war er so leise, dass ich es kaum mitbekam. Seine Bewegungen hörten sich seltsam an und als ich genauer hinsah konnte ich im spärlichen Licht sehen, dass er was getrunken hatte. Also hatte er den Abend inner Stadt verbracht.

Erst als er im Bett lag, atmete ich auf, unbemerkt hatte ich die Luft angehalten.

„Takagi?“

Halb hoffte ich er würde nicht antworten.

„Hm.“

Klang sehr widerwillig. Naja was hatte ich erwartet.

„Ich hab nichts gegen dich!“

Darauf blieb es solange still, dass ich schon dachte, ich bekomm gar keine Antwort mehr.

„Doch…doch, das hast du! Immerhin bin ich ein…wie hast du es genannt? Falschficker? Also für mich klingt der Begriff eher nach jemandem, ders im Bett nich draufhat…“

„Also das kann ich beim besten Willen nicht bewerten!“

Dabei musste ich schmunzeln, es hatte sich nich so angehört, als wäre er noch böse auf mich, aber sicher war ich nicht.

„Und wie kommt’s, dass de was gegen Schwule has’?“

Bei der Frage fiel mir auf, dass er wohl schon etwas mehr Alkohol im Blut hatte, so wie er lallte. Wahrscheinlich hätte er sie sonst gar nicht gestellt.

„Vielleicht erzähl ich dir das mal, wenn du dich am nächsten Tag auch noch daran erinnerst!“

„Ich hab nich viel getrunke’…“

„Jaja, bitte kotz nich ins Zimmer ja? Und…Gute Nacht“

Die einzige Antwort, die ich darauf bekam, war ein Schnarchen.

-/tbc/-
failure: Fehlschlag

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Ilo70
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Re:

von Ilo70 (14.11.2007, 16:00)
Hallo Shizi,

gleich vorweg, leider habe ich nicht die Zeit um im Moment alles zu lesen. Das was ich gelesen habe, klingt aber sehr reif und gut ausformuliert.
Ich werde es sicher noch zu ende lesen!

Aber eine Bitte habe ich noch, sei doch so nett und stell dich unter "Autorenportraits" vielleicht erst einmal vor, dass man weiß wer diese
Geschichte geschrieben hat und wie alt du bist.

Klingt wirklich gut, was du da schreibst. thumbbup

LG

Ilo

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (14.11.2007, 16:07)
Hallo Shizi!
Qualititiv absolut beeindruckend!
Da bleibt mir nur folgendes: :shock::

AyL
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Re:

von AyL (04.12.2007, 20:11)
Hat mir echt gut gefallen, ich hab mir sogar die Zeit genommen alles zulesen, denn ich wahr echt gefesselt, und hoffe es geht noch weiter thumbbup
Ein gutes Buch ist nicht nur ein Buch, sondern für jeden der ist liest die eigene kleine Geschichte.

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Shizi
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Re:

von Shizi (27.02.2008, 16:03)
hm in der letzten Zeit hatte ich ein paar Probleme mit dem Schreiben und so ganz drin bin ich noch immer nicht :(
Schon schlimm so eine Schreibblockade, vorallem will ich ja schreiben :cry:


Am nächsten Morgen wachte ich für meine Verhältnisse recht früh auf, allerdings wusste ich, dass mein Mitbewohner um diese Uhrzeit immer schon putzmunter war, da ich das ein oder andere mal schon von seinem allmorgendlichen Badgang aufgewacht war – was ich ihm recht übel nahm.
Deshalb wunderte mich auch, dass nichts zu hören war. Als ich allerdings zur anderen Zimmerhälfte schaute und Takagi noch friedlich schlafend in seinem Bett vorfand war dieses Rätsel gelöst. Etwas grummelig blieb ich noch liegen, ich sah ja gar nicht ein, aufzustehen, nur weil ich schon eine halbe Stunde vor meinem Weckerklingeln wach war.

Aber vielleicht sollte ich ihn wecken, immerhin schien er die Zeit morgens zu brauchen um sich fertig zu machen – schien wohl auch so eine Nebenwirkung vom Schwulsein zu sein. Grinsend setzte ich mich nun doch auf, mir war nämlich eine nette Art ihn zu wecken eingefallen, sehr wirkungsvoll, wie meine Mutter mir einmal eindrucksvoll bewiesen hatte, als ich partout nicht aufstehen wollte.

Mit einem noch fetteren Grinsen im Gesicht schlich ich mich zu ihm – was relativ unnötig war, da er noch tief und fest schlief – und nahm seinen Wecker vom Nachtisch um ihn 1 Minute nach der aktuellen Uhrzeit zu stellen. Schließlich war die die Musikanlage dran, aus der zeitgleich mit dem Weckerklingeln die ersten Takte meines neuen Lieblinsliedes erschollen. Feixend stellte ich den Wecker wieder auf den Nachttisch und stellte mich ans Bettende um nach der Bettdecke zu greifen und mit einem Ruck von Takagi runterzuziehen.

Da ich zuvor das Licht angemacht hatte, konnte ich nun ungehindert auf Takagi sehen. Und dieser lag nackt wie Gott ihn geschaffen hatte vor mir, gab in diesem Moment ein Stöhnen von sich und kniff die Augen zusammen.

„Waaas...ohhh mach das Licht aus!“

Ich ignorierte geflissentlich, was er da von sich gab und starrte viel zu gebannt auf seinen Körper. Seit wann schlief der Typ nackt? Und warum sah er so gut aus? Oh Gott Aaron jetzt reiß dich zusammen! Das da ist ein Typ, ein Typ, der auch noch schwul ist und du starrst ihn an wie das achte Weltwunder!

Zögernd löste sich mein Blick von Takagis Körper – ich spürte, dass ich rote Wangen bekommen hatte, was mich noch ein wenig verlegener machte. Als ich mich jetzt dazu aufraffte in Richtung Gesicht zu sehen, schaute mir ein Paar brauner Mandelaugen entgegen.

„Hast du noch nie einen nackten Mann gesehen oder was schaust du so?“

kam es schmunzelnd von meinem Mitbewohner, der sich wie ein junger Gott räkelte.
Farblich mit einer Tomate konkurrierend wandte ich mich ab, gab stammelnd irgendwas von mir und flüchtete ins Badezimmer.

Scheiße, was war das denn? Bedröppelt setzte ich mich auf den Toilettendeckel und starrte fassungslos auf die Fliesen der gegenüberliegenden Wand. Ich hab nicht gerade wirklich gedacht, dass die Schwuchtel gut aussieht, oder? Ein Mann kann für dich gar nicht gut aussehen, das ist den Frauen vorbehalten, Aaron! Schon gar nicht dieser....dieser – ahh verdammt er kann es einfach nicht sein!!! Fertig. Aus. Ende. Jetzt hör auf darüber nachzudenken und nimm endlich wieder eine normale Gesichtsfarbe an, das wird langsam wirklich peinlich!

Mich aufraffend stellte ich mich erst mal vors Waschbecken und schüttete mir eine Ladung Wasser ins Gesicht. Am liebsten würde ich mich für die nächsten 10 Jahre hier drin verkriechen oder jedesmal, wenn ich Takagi begegnen sollte, im Erdboden versinken.

Ein Klopfen riss mich schließlich doch aus meinen Gedanken.

„ Hey, dir braucht das nicht peinlich zu sein...Aaron. Ich weiß nicht, warum du mich so angeschaut hast, aber keine Sorge, ich werd mir schon nicht die falschen Gedanken darüber machen. Vergessen wir das einfach, okay?... Aber was ich eigentlich wollte: Könntest du dich ein bisschen beeilen, die erste Stunde beginnt bald und ich muss mich auch noch fertig machen. Du sitzt da jetzt schon ziemlich lange drin!“

Bei diesem Wortschwall kriegte ich erst mal große Augen, das konnte ich im Spiegel über dem Waschbecken sehen – und meine Gesichtsfarbe schien sich bei Takagis Worten auch wieder einer eher ungesunden Nuance zu nähern. Wie konnte der Typ nur in so kurzer Zeit so viel Kacke labern!
Ich konnte diesen Typ einfach nicht ausstehen! Und für mich beschloss ich grad so, dass sich das in den nächsten 20 Jahren auch nicht ändern würde. Wie konnte ich nur so blöd sein, den gestrigen Streit auf irgendeine verquere Art zu bereuen. Dieser Typ ging mir sowas von auf den Sack, boar ich hasste ihn jetzt schon, wie sollte ich da das ganze restlich Schuljahr mit ihm aushalten.

„Halt's Maul du Wichser, ich bleib solang hier drin, wie ich brauche, ist ja nicht mein Problem!“,

reagierte ich mit ziemlicher Verspätung. Dieser Typ hatte einen schlechten Einfluss auf mich! Erst fing ich an x-tausend mal am Tag zu seufzen und jetzt wurde ich auch noch rot. Das ging jawohl gar nicht.
Schnaubend machte ich mich nun endlich daran, mich anzuziehen – ich hatte meine Sachen zum Glück schon den Abend vorher ins Bad gelegt – um nicht selbst zu spät zu kommen.

10 Minuten später marschierte ich nach einer Katzenwäsche und frisch geschminkt ins Zimmer und tat einfach so als wäre überhaupt nichts passiert. Schließlich war es Takagi, der meinte, wir sollten das vergessen. Nun das hatte ich getan. Dieser saß – jetzt Gott sei Dank wenigstens in Boxershorts – auf dem Bett und las. Viel Stress schien er sich ja nicht zu machen, obwohl es – wie ich mit einem Blick auf meinen Funkwecker feststellte – bereits in einer Minute zum Unterricht klingeln würde. Die Zeit war an diesem Morgen ja geradezu verflogen.

„Da hat mir die Schulleitung ja ein kleines Prinzesschen mit ins Zimmer gesteckt. Solang brauch nicht einmal ich im Bad und ich bin schwul. Das ist doch sicher eins deiner Vorurteile, oder nicht?“

Dieser Mistkerl schaute nicht mal auf, als er das in den Raum warf.

Schweigend griff ich nach meinen Schulsachen und verließ den Raum, wobei ich mir Mühe gab nicht zu schnell zu gehen, sonst würde der Arsch das noch falsch interpretieren. Wie ein Mantra wiederholte ich dabei in Gedanken: Bitte lass das alles nur ein Traum sein, bitte lass das alles nur ein Traum sein, ...
failure: Fehlschlag

Weasel

Re:

von Weasel (10.03.2008, 11:23)
Hi,

ich habe gerade in deine zweite Leseprobe mal reingelesen, hat mir aber ehrlich gesagt nicht so gut gefallen. Zu viele Schachtelsätze und irgendwie ermüdend geschrieben, meiner Meinung nach.

Gruß
Weasel

Weasel

Re:

von Weasel (10.03.2008, 11:26)
Habe gerade auch mal deine erste Leseprobe gelsen. Die ist deutlich besser! Da kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen.

Gruß Weasel

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Shizi
Beiträge: 16
Registriert: 05.05.2007, 18:03

Überarbeitet

von Shizi (02.04.2008, 02:58)
hm ich hab den Teil noch einmal überarbeitet, bin aber am überlegen, ob ich ihn nicht ganz neu schreiben soll. Ich weiß nicht blink3


Der nächste Morgen fing scheiße früh an. Okay, ein Morgen kann nicht mal früher mal später anfangen, aber man kann möglichst viel davon verschlafen. Bis man dann von dem scheußlichsten aller Geräusche geweckt wird. Zumindest in der Woche. Dieser Morgen begann aber schon vor dem schrecklichen Geräusch, was mir vielleicht einmal in 10 Jahren passierte. Ein Blick auf meinen Wecker bestätigte mir noch einmal, dass ich zu einer unmenschlichen Uhrzeit aufgewacht war, mein Mitbewohner von Frühaufsteher allerdings nicht, was mir dessen lautes Aufschnarchen soeben mitgeteilt hat.

Eventuell sollte ich ihn wecken, immerhin schien er die Zeit morgens zu brauchen um sich fertig zu machen – schien wohl auch so eine Nebenwirkung vom Schwulsein zu sein. Außerdem könnte ich mich dann an seinem Kater laben. Oho und den musste er haben, ein ganz schön deftigen. Hoffentlich. Grinsend setzte ich mich nun doch auf, mir war da nämlich eine nette Idee gekommen.

Mit einem noch fetteren Grinsen im Gesicht schlich ich mich zu ihm, um die Vorhänge auf seiner Zimmerseite zu öffnen – leise versteht sich. Feixend nahm ich den Wecker vom Nachttisch, um ihm diesen ans Ohr zu halten und den Alarm anzuschalten. Scheinbar ungerührt schlief der Scheißkerl einfach weiter. Entschlossen griff ich nach seiner verfickten Bettdecke und riss sie geradezu von ihm.

Nun lag Takagi nackt wie Gott ihn geschaffen hatte vor mir, gab in diesem Moment ein Stöhnen von sich und kniff die Augen zusammen.

„Waaas...ohhh mach das Ding aus!“

Ich ignorierte geflissentlich, was er da von sich gab und starrte viel zu gebannt auf seinen Körper. Seit wann schlief der Typ nackt? Und warum sah er so gut aus? Oh Gott Aaron jetzt reiß dich zusammen! Das da ist ein Typ, ein Typ, der auch noch schwul ist und du starrst ihn an wie das achte Weltwunder! Oder neunte, oder meinetwegen zehnte!
Naja irgendwie waren Schwule ja schon ein Weltwunder oder eher ein Weltfehlschlag, aber…oh Gott du redest absolute Oberkacke, jetzt hör auf mit der Scheiße!

Zögernd löste sich mein Blick von Takagis Körper – ich spürte, dass ich rote Wangen bekommen hatte, was mich noch ein wenig verlegener machte. Als ich mich jetzt dazu aufraffte in Richtung Gesicht zu sehen, schaute mir ein Paar brauner Mandelaugen entgegen.

Kann der Wichser nicht dann verschlafen seine Augen nicht aufbekommen, wenn es für mich von Vorteil wäre?

„Hast du noch nie einen nackten Mann gesehen oder was schaust du so?“

kam es schmunzelnd von meinem Mitbewohner, der sich wie ein junger Gott räkelte.

Ich bring ihn um, ich schwör’s, ich bring ihn um!

Farblich mit einer Tomate konkurrierend wandte ich mich ab, gab stammelnd irgendwas von mir und flüchtete ins Badezimmer.

Scheiße, was war das denn? Bedröppelt setzte ich mich auf den Toilettendeckel und starrte fassungslos auf die Fliesen der gegenüberliegenden Wand. Ich hab nicht gerade wirklich gedacht, dass die Schwuchtel gut aussieht, oder? Ein Mann kann für dich gar nicht gut aussehen, das ist den Frauen vorbehalten, Aaron! Schon gar nicht dieser....dieser – ahh verdammt er kann es einfach nicht!!! Fertig. Aus. Ende. Klappe zu, Affe tot. Jetzt hör auf darüber nachzudenken und nimm endlich wieder eine normale Gesichtsfarbe an, das wird langsam wirklich peinlich!

Mich aufraffend stellte ich mich erst mal vors Waschbecken und schüttete mir eine Ladung Wasser ins Gesicht. Am liebsten würde ich mich für die nächsten 10 Jahre hier drin verkriechen. Oder gleich sterben. Oder… ich könnte die Schule wechseln. Ah nein, Scheißidee, du weißt, dass deine Alten dann einen Ausraster kriegen. Aber ich könnte…

Ein Klopfen riss mich schließlich aus meinen Gedanken.

„ Hey, dir braucht das nicht peinlich zu sein...Aaron. Ich weiß nicht, warum du mich so angeschaut hast, aber keine Sorge, ich werd mir schon nicht die falschen Gedanken darüber machen. Vergessen wir das einfach, okay?... Aber was ich eigentlich wollte: Könntest du dich ein bisschen beeilen, ich muss mich auch noch fertig machen. Du sitzt da jetzt schon ziemlich lange drin!“

Bei diesem Wortschwall kriegte ich erst mal große Augen, das konnte ich im Spiegel über dem Waschbecken sehen – und meine Gesichtsfarbe schien sich bei Takagis Worten auch wieder einer eher ungesunden Nuance zu nähern. Wie konnte der Typ nur in so kurzer Zeit so viel Kacke labern!
Ich konnte diesen Typ einfach nicht ausstehen! Und für mich beschloss ich grad so, dass sich das in den nächsten 20 Jahren auch nicht ändern würde. Wie konnte ich nur so blöd sein, den gestrigen Streit auf irgendeine verquere Art zu bereuen. Dieser Typ ging mir sowas von auf den Sack, boar ich hasste ihn jetzt schon, wie sollte ich da das ganze restlich Schuljahr mit ihm aushalten.

„Halt's Maul du Wichser, ich bleib solang hier drin, wie ich brauche, ist ja nicht mein Problem!“,

reagierte ich mit ziemlicher Verspätung. Dieser Typ hatte einen schlechten Einfluss auf mich! Erst fing ich an x-tausend mal am Tag zu seufzen und jetzt wurde ich auch noch rot. Das ging jawohl gar nicht.
Schnaubend machte ich mich nun endlich daran, mich anzuziehen – ich hatte meine Sachen zum Glück schon den Abend vorher ins Bad gelegt – um nicht selbst zu spät zu kommen. Obwohl mir das ja scheißegal sein könnte. Abgefuckte Schule man, scheiß Leben man, alles scheiße!

10 Minuten später marschierte ich nach einer Katzenwäsche und frisch geschminkt ins Zimmer und tat einfach so als wäre überhaupt nichts passiert. Schließlich war es Takagi, der meinte, wir sollten das vergessen. Nun das hatte ich getan. Dieser saß – jetzt Gott sei Dank wenigstens in Boxershorts – auf dem Bett und las. Viel Stress schien er sich ja nicht zu machen, obwohl es – wie ich mit einem Blick auf meinen Funkwecker feststellte – bereits in einer Minute zum Unterricht klingeln würde. Die Zeit war an diesem Morgen ja geradezu verflogen.

„Da hat mir die Schulleitung ja ein kleines Prinzesschen mit ins Zimmer gesteckt. Solang brauch nicht einmal ich im Bad. Das ist doch sicher eins deiner Vorurteile, oder nicht?“

Dieser Mistkerl schaute nicht mal auf, als er das in den Raum warf.

Schweigend griff ich nach meinen Schulsachen und verließ den Raum, wobei ich mir Mühe gab nicht zu schnell zu gehen, sonst würde der Arsch das noch falsch interpretieren. Wie ein Mantra wiederholte ich dabei in Gedanken: Bitte lass das alles nur ein Traum sein, bitte lass das alles nur ein Traum sein, ...
failure: Fehlschlag

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Shizi
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Re:

von Shizi (20.06.2008, 22:37)
So hier kommt mal eine Fortsetzung von dritten Kapitel.
Inzwischen bin ich am fünften angelangt und je mehr ich schreibe, desto besser finde ich auch rein.

Ich hoffe der eine oder andre macht mir noch ein paar Vorschläge für Verbesserungen :)

Lange hielt das allerdings nicht an. Es war kein Traum. Leider.

Das wurde mir in den langweiligsten Stunden des Tages klar. Und dass ich trotz allem nichts daran ändern konnte. Ich würde den Falschficker, ob ich wollte oder nicht, für den Rest des Schuljahres ertragen müssen. Wenn nicht sogar noch länger.
Warum war es mir denn nicht vergönnt so ein scheiß verdammtes Einzelzimmer zu bekommen. War das wirklich zu viel verlangt?
Vielleicht wäre es wirklich das Beste, mich von der Schule schmeißen zu lassen. Ich mein, was können meine Alten schon dagegen tun? Was könnte schlimmer sein als DAS?

Der Wichser von Direktor hatte das bestimmt, ganz sicher sogar, mit voller Absicht gemacht! Er wollte, dass ich leide. Das ist so ein Arsch, der drauf steht, wenn man vor ihm kniet und ihn anfleht. Kann ich mir jedenfalls sehr gut vorstellen.

Scheiße, Bild verschwinde aus meinem Kopf!

Diese Genugtuung gönnte ich ihm nicht, da ließe ich mich noch eher von Takagi vögeln.

FUCK, dieses Bild war fast noch schlimmer!

In der Mittagspause verpisste ich mich, zwei Stunden Latein wollte ich mir dann doch nicht noch antun! Statt wie alle anderen zum Speisesaal zu laufen, ließ ich mich zurückfallen und bog links Richtung Schwimmbad ab. Daran vorbei und etwas rechts gehalten am „Waldrand“ – es war ja eher ein privater Park – war die Mauer kein Hindernis, weil eine Kastanie es geschafft hatte, so perfekt zu wachsen, dass sie von beiden Seiten als Stiege diente. Dafür liebte ich sie. Dass ich mir dabei durch meine Tollpatschigkeit regelmäßig Abschürfungen zuzog, dafür hasste ich sie! Vor allem jetzt gerade.

Murrend betrachtete ich, wie das Blut an meiner Hand hinunterlief. Auf eine makabre Weise war es sogar schön. Dieser starke Kontrast der hellen Haut mit dem dunkelroten Blut und wie sich dieses langsam einen Weg darüber bahnte, um schließlich von einer meiner Fingerspitzen zu tropfen.

Faszinierend.

Aber Blut bedeutete in den häufigsten Fällen Narben. Selbst ohne war es doch immer mit Schmerz verbunden. Und wenn es eines gab, was ich auf den Tod nicht ausstehen konnte, dann waren es Schmerzen.

Verfickte Scheiße man.

Fluchend versuchte ich das Blut loszuwerden, verwischte es allerdings nur über meine ganze Hand.
Fick dich, du scheiß Wichser von Baum.

Das war lächerlich und das Wissen darum machte mich nur noch wütender.
Kurzerhand wischte ich das Blut einfach an meinem grauen Jackett ab und lockerte die rot-blau-beige gestreifte Krawatte – ich hasste dieses Ding.

Verwünschungen vor mich herschimpfend machte ich mich endlich auf den Weg. Hauptsache weg von hier. Möglichst lange weg von hier. Und möglichst mit Ziel.

Erstmal musste ich diese bescheuerte Schuluniform loswerden, deshalb machte ich mich auf den Weg zu Spooker, der um diese Uhrzeit hoffentlich schon zuhause war.

Grummelnd stapfte ich die paar hundert Meter in die Zivilisation, bis ich endlich die Bushaltestelle erreichte. Wenigstens hatte ich diesmal Glück und der Bus kam nur wenige Minuten später – ich stand hier auch schon desöfteren um einiges länger. Mich noch einmal umsehend stieg ich hinten ein und setzte mich weit weg von den anderen drei oder vier Fahrgästen.

Eine Viertelstunde später stieg ich erleichtert wieder aus – der Bus hatte sich doch noch um einiges gefüllt.

Wenn Spooker jetzt nicht zuhause war, dann kriegte ich die Krise. Noch mehr Scheiße konnte ich einfach nicht ertragen. Aber wie schon beim Bus hatte ich ausnahmsweise mal Glück, als ich kurz darauf vor einem weißen Reihenaus mit blauer Haustür stand und klingelte. Der hochgewachsene Junge, der recht unauffällig gewesen wäre, hätte er sich nicht die Haare violett gefärbt, öffnete nach kurzer Wartezeit persönlich.
„Oh Hi, Aaron, komm rein, wir sind noch am Essen.“
„Hey“, ich trat hinter ihm ein und schloss die Tür. Spooker, eigentlich Emil – zumindest nannten seine Eltern ihn so – sah mich abschätzend an und blieb an den Blutflecken hängen.
„Was ist passiert?“, fragte er neugierig.
„Ach bin nur hängen geblieben, das Übliche“, augenrollend legte ich meine Tasche in den Flur und zog mir die Schuhe aus.
„Riecht gut, was ist das? Auflauf?“
„Jepp, Kartoffelauflauf. Willst du mitessen?“

Mit glitzernden Augen starrte ich ihn an. „Klar, deshalb bin ich hier“, streckte ich ihm die Zunge raus.
Ohne Kommentar ging er vor mir in die Küche und holte für mich einen weiteren Teller und Besteck aus dem Schrank, während ich seine Eltern und seine kleine Schwester begrüßte.

„Das riecht himmlisch, im Internat kriegen wie nie so was Leckeres zu Mittag“, bedauerte ich mich selbst, setzte mich und lächelte Emils Mutter an. Sie mochte mich. Auch weil sie glaubte, ich hätte einen guten Einfluss auf ihren Sohn. Immerhin ging ich auf dieses ’teure Internat, mit diesem wirklich guten Ruf’ und war ja immer so ’charmant’.

„Danke, lass es dir schmecken“, auch jetzt lächelte sie geschmeichelt und sah ihren Sohn vorwurfsvoll an, der mir gleich darauf einen bösen Blick zuwarf.
Grinsend nahm ich mir etwas von dem Auflauf und lauschte dem wieder einsetzenden Tischgespräch.

Nach dem Essen half ich noch den Tisch abzuräumen und machte mich schließlich mit Spooker auf den Weg in sein Zimmer. Dieses lag im dritten Stock und nahm auch die Hälfte dessen ein. Trotzdem war es durch mehrere Schrägen relativ klein, aber urgemütlich.
Die Wände waren in einem hellen Braunton gehalten, die Möbel waren aus dunklem Holz.
Gegenüber der Tür gab es zwei Fenster, rechts eine Nische, in der ein großer Schrank stand. Das Bett nahm einen Großteil des Zimmers ein und stand ebenfalls an der rechten Wand. Links standen die medialen Dinge, die ein Junge in diesem Alter einfach besaß, der Schreibtisch und die Wand war mit mehreren Bildern und Postern geschmückt, darunter auch ein paar halbnackte Frauen.
Spooker bewies ein ziemlich gutes Gespür, wenn es darum ging, Atmosphäre zu schaffen.

Seufzend schmiss ich mich auf sein Bett und sah abwartend zu diesem.
„Kannst du mir was zum Anziehen leihen?“

„Wieso fragst du eigentlich jedes Mal? Ist doch klar“, lächelte er spöttisch.
„Ich bin doch nur höflich. Deiner Mutter gefällt’s!“, grinste ich schelmisch zurück.

„Boar, hör bloß auf mit der. In letzter Zeit geht die mir so was von auf’n Sack. Jetzt zieh dich um und wir verschwinden endlich!“
Mit erhobener Augenbraue und einem letzten Blick zu Spooky wandte ich mich zum Schrank um und suchte nach etwas Passendem.
Fünf Minuten später war ich startklar. Ich trug eine enge, dunkle Jeans – ich fragte mich, wie Spooker da rein passte, der war ja doch noch etwas breiter als ich – ein schwarzes Shirt und eine blaue Kapuzenjacke, die meine Augen betonte, wie mir mal irgend so ein Mädel mitgeteilt hatte. Keine Ahnung ob das stimmte. Ich fand meine hellblauen Augen waren auch so schon recht auffällig.

„Na dann komm“, forderte ich den offenbar träumenden Spooker auf und ging aus dem Zimmer.
failure: Fehlschlag

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