Fehlerhafter Druck, was tun?

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Ankh
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Fehlerhafter Druck, was tun?

von Ankh (17.03.2010, 01:01)
Hallo,
ich habe für mein selbst geschriebenes und verlegtes Buch 300 Stück drucken lassen. Nachdem ich den Buchblock ein Mal und das Cover noch zwei Mal überarbeitet habe, habe ich die Freigabe zum Druck erteilt.

Als die Bücher ankommen (60 ließ ich mir zuschicken, den Rest liefert die Druckerei aus), der Schock: Es fehlen der Untertitel auf der Titelseite und der Barcode auf der Rückseite. Mein Fehler, der mir bei meinem letzten Cover-Versuch unterlaufen ist und weil ich vor dem Hochladen nicht nochmal geschaut habe. Die Druckerei hat aber auch einen Fehler gemacht und den allerersten Buchblock verwendet, anstatt den zweiten, obwohl ich per Mail auf den neuen (und neu hochgeladenen) hingewiesen habe und den Druckauftrag nur dafür erteilte.

Jetzt kann ich die 300 nach Rücksprache noch mal neu drucken lassen für einen Sonderpreis (knapp die Hälfte des eigentlichen Preises, entspricht dem Preis für die "Umbindung" der Mängelexemplare, die dann 3 mm kleiner wären).
Oder ich nehme die 300 und bekomme 20 %, was mir weniger günstig erscheint. Zusätzlich kann ich neue in geringer Zahl zum gleichen Preis drucken lassen.

Da ich eh nicht weiß, wie lange ich für die 300 zum Verkaufen brauche, neige ich momentan zum Neudruck, aber für nur noch 100 Stück. Die 60 bereits gelieferten müsste ich zurückschicken und alle 300 kämen in die Presse (der Gedanke schmerzt).

Was würdet ihr tun?

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (17.03.2010, 06:53)
Wenn die Druckerei unmißverständlich wußte, welcher Buchblock zu verwenden sei, würde ich die 300 Ex. reklamieren und richtig neu drucken lassen. In diesem Falle gäbe es kein Geld, nicht einen Cent.

My.

malschaun
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Re: Fehlerhafter Druck, was tun?

von malschaun (17.03.2010, 07:39)
Ankh hat geschrieben:
Die Druckerei hat aber auch einen Fehler gemacht und den allerersten Buchblock verwendet, anstatt den zweiten, obwohl ich per Mail auf den neuen (und neu hochgeladenen) hingewiesen habe und den Druckauftrag nur dafür erteilte.


Wenn das nachweislich so stimmt, dann bestehe auf einen kompletten Neudruck. Ich vermute mal, Du hast den Druck schon bezahlt!?

Grüße

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Ankh
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Re:

von Ankh (17.03.2010, 10:02)
Hallo,
nein, ich habe noch nicht bezahlt.

Ich soll also nur auf den Fehler der Druckerei pochen, der zu meinem Glück mit meinem eigenen zusammenfiel und nur den vereinbarten Preis zahlen? Sprich, der Neudruck geht allein auf Kosten der Druckerei?

Daran habe ich auch schon gedacht.

Nach dem Hochladen des neuen Buchblocks (und dem neuen Cover) habe ich wie von der Firma vorgeschrieben eine Benachrichtigungsmail geschrieben, in der ich von ZWEI neuen Dateien spreche. Selbst wenn ich tatsächlich versehentlich nur eine hochgeladen haben sollte (das Cover), hätte es der Druckerei auffallen müssen, dass da nur eine neue Datei ist. Die Druckerei meint, es sei kein neuer Buchblock hochgeladen worden, sie hätten nur den ersten.

In der Freigabemail habe ich explizit die beiden richtigen Dateinamen genannt. Der Druckerei ist der alte Buchblock erneut nicht aufgefallen, weil sie die Dateinamen mittlerweile selbst geändert haben, was aber nicht mein Problem ist.

Und wenn sie nicht wollen? Einfach nicht bezahlen und woanders hingehen und die 60 zurückschicken?

Meine Nerven...eigentlich war ich bislang mit Schaltungdienst Lange zufrieden.

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mtg
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Re:

von mtg (17.03.2010, 10:39)
Mein laienhaftes juristisches Bauchgefühl sieht hier das Zugrundeliegen eines Werkvertrages:

Werkvertrag
Der Werkvertrag ist in den §§ 631 ff. BGB geregelt. Ein Werkvertrag kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen zustande, die darauf gerichtet sind, einen körperlichen oder unkörperlichen Werkerfolg gegen Entgelt herzustellen.
Durch einen Werkvertrag wird demnach der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes und der Besteller zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

Das "versprochene Werk" besteht aus der zuletzt gelieferten Vorlage. Hier hat - so die Druckerei nicht nachweisen kann, dass sie den zweiten Buchblock niemals erhalten hat - die Druckerei einen Fehler gemacht, den sie korrigieren muss. Die Tatsache, dass Dir ein Rabatt eingeräumt wurde, lässt darauf schließen, dass man das dort entweder weiß und die Schuld zumindest oberflächlich anerkennt, aber hofft, dass Du Dich damit zufrieden gibst - oder aber dass man die Sache möglichst schnell wegschieben will.

Die Fehler auf dem Cover sind wiederum Deine Fehler. Deshalb wäre ein Vergleich die günstigste Lösung. Ich schlage (nach einem selbst erhaltenen Gerichtsurteil in einer etwas ähnlichen Situation) folgendes vor:

Ihr teilt Euch die Kosten des Fehldrucks zu 50/50 sowie des Neudrucks zu 50/50. Dass bedeutet im Wesentlichen, dass Du insgesamt also nur ein Mal bezahlst. Allerdings könntest Du anbieten, 5 - 10% obendrauf für die Korrektur Deines Fehlers zu bezahlen.

Das ist ein Vorschlag und natürlich keine Rechtsberatung!

Viel Erfolg!

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (17.03.2010, 11:40)
Matthias' Vorschlag sieht auch für mich - nach geflissentlicher Überlegung :) - sehr gut aus. Immerhin wäre es ein Ansatz, das Ganze friedlich zu lösen.

Du warst Kunde von SDL?
Da stellt sich wirklich die Frage, warum du bei denen weg bist ...

My.

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Ankh
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Re:

von Ankh (17.03.2010, 14:07)
mtg hat geschrieben:
Mein laienhaftes juristisches Bauchgefühl sieht hier das Zugrundeliegen eines Werkvertrages:

Werkvertrag
Der Werkvertrag ist in den §§ 631 ff. BGB geregelt. Ein Werkvertrag kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen zustande, die darauf gerichtet sind, einen körperlichen oder unkörperlichen Werkerfolg gegen Entgelt herzustellen.
Durch einen Werkvertrag wird demnach der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes und der Besteller zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

Das "versprochene Werk" besteht aus der zuletzt gelieferten Vorlage. Hier hat - so die Druckerei nicht nachweisen kann, dass sie den zweiten Buchblock niemals erhalten hat - die Druckerei einen Fehler gemacht, den sie korrigieren muss. Die Tatsache, dass Dir ein Rabatt eingeräumt wurde, lässt darauf schließen, dass man das dort entweder weiß und die Schuld zumindest oberflächlich anerkennt, aber hofft, dass Du Dich damit zufrieden gibst - oder aber dass man die Sache möglichst schnell wegschieben will.

Die Fehler auf dem Cover sind wiederum Deine Fehler. Deshalb wäre ein Vergleich die günstigste Lösung. Ich schlage (nach einem selbst erhaltenen Gerichtsurteil in einer etwas ähnlichen Situation) folgendes vor:

Ihr teilt Euch die Kosten des Fehldrucks zu 50/50 sowie des Neudrucks zu 50/50. Dass bedeutet im Wesentlichen, dass Du insgesamt also nur ein Mal bezahlst. Allerdings könntest Du anbieten, 5 - 10% obendrauf für die Korrektur Deines Fehlers zu bezahlen.

Das ist ein Vorschlag und natürlich keine Rechtsberatung!

Viel Erfolg!


Danke für den Vorschlag.
Interessante Idee. Wenn ich von der gleichen Auflage ausgehe, dann sind Erst- und Neudruck identisch von den Kosten und 50% damit exakt die ursprünglichen Kosten für den einfachen Druck, nämlich 1400 Euro.
1400 x 2 = 2800 : 2 = 1400. Das heißt im Ergebnis so viel wie "nichts für den Neudruck zahlen". Der Vergleich wird Ihnen vermutlich nicht gefallen. Zuzüglich ggf. 5 - 10 %.

Rechtlich relevant wäre die Frage, ob die Druckerei die Beweislast hat, die 2. Datei nie erhalten zu haben.

Eine Einigung wäre mir schon recht, nochmal 500 Euro für den Neudruck möchte ich aber auch nicht bezahlen.

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Ankh
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Re:

von Ankh (17.03.2010, 14:09)
Beckinsale hat geschrieben:
Matthias' Vorschlag sieht auch für mich - nach geflissentlicher Überlegung :) - sehr gut aus. Immerhin wäre es ein Ansatz, das Ganze friedlich zu lösen.

Du warst Kunde von SDL?
Da stellt sich wirklich die Frage, warum du bei denen weg bist ...

My.


Nicht "war", ich bin es noch, es geht um SDL. Mit "war" meinte ich den bisherigen Verlauf für dieses Buch.

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hawepe
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Re:

von hawepe (17.03.2010, 14:17)
Hallo Ankh,

Ankh hat geschrieben:
Rechtlich relevant wäre die Frage, ob die Druckerei die Beweislast hat, die 2. Datei nie erhalten zu haben.


Auf einen Rechtsstreit würde ich es auf keinen Fall ankommen lassen. Die Druckerei kann natürlich nicht beweisen, dass sie keine zweite Datei bekommen hat, aber du auch nicht, dass du sie tatsächlich abgeschickt hast.

Wenn sie gehässig wären, würden sie das Buch außerdem einfach noch einmal mit dem verkehrten Cover drucken, denn auf einen Austausch der Coverdatei hast du dann keinen Anspruch.

Beste Grüße,

Heinz.

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Ankh
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Re:

von Ankh (17.03.2010, 15:02)
hawepe hat geschrieben:
Hallo Ankh,

Ankh hat geschrieben:
Rechtlich relevant wäre die Frage, ob die Druckerei die Beweislast hat, die 2. Datei nie erhalten zu haben.


Auf einen Rechtsstreit würde ich es auf keinen Fall ankommen lassen. Die Druckerei kann natürlich nicht beweisen, dass sie keine zweite Datei bekommen hat, aber du auch nicht, dass du sie tatsächlich abgeschickt hast.

Wenn sie gehässig wären, würden sie das Buch außerdem einfach noch einmal mit dem verkehrten Cover drucken, denn auf einen Austausch der Coverdatei hast du dann keinen Anspruch.

Beste Grüße,

Heinz.


Hallo Heinz,

ohne Austausch des Covers würde ich natürlich gar nicht erst nochmals drucken lassen. Das würde ich natürlich vorher klar machen.

Stimmt, ich kann den Upload auch nicht beweisen, aber ich kann beweisen, dass die Druckerei bei zwei Gelegenheiten den - wodurch auch immer entstandenen Buchblock-Fehler (alte Datei) - hätte merken müssen. Wozu steht in dem Merkblatt zum Upload der Hinweis auf die zu erfolgende Benachrichtigungsmail, wenn diese dann nicht beachtet wird? Kann ich mehr tun, als bei der Freigabemail nochmals die Dateien explizit zu benennen?
Also ich sehe schon insgesamt eine 50/50-Situation: Cover mein Fehler, Text deren Fehler. Bei Teilung der Kosten hieße das, der Neudruck geht allein zu deren Lasten.

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mtg
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Re:

von mtg (17.03.2010, 15:11)
Zur Verdeutlichung meines Vorschlages meine Geschichte in Kurzform:

Nach dem Tod meiner Mutter gab es einen Grabstein, auf dem nach seinem Tod auch mein Vater Platz finden sollte. Als es dann soweit war, meißelte der Steinmetz den Namen meines Vaters nicht wie angegeben ein, sondern kürzte den Rufnamen (!) ab. Darauf angesprochen, malte er in die von mir angefertigte Skizze die Abkürzung ein und bestand darauf, dass dies so abgesprochen war. Also bezahlte ich nicht und er verklagte mich auf Zahlung.

Es ließ sich nicht beweisen, wer und wann in der Skizze herumgemalt hatte - es stand Ausage gegen Aussage. Die Richterin schlug den Vergleich vor, dass jeder 50% der Erstanfertigung und 50% der Zweitanfertigung bezahle. Die Zusatzkosten zum Abschleifen des Steines, um Namen und Daten meiner Mutter zu entfernen, wurden ebenfalls geteilt.

Es war natürlich eine Einzelentscheidung einer Richterin - aber eine, mit der ich leben konnte ... und der Steinmetz wohl auch (oder eher musste, denn der hatte doppelte Arbeit ...). Ich sehe schon durchaus Vergleichspotenzial in den Fällen ...

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mtg
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Re:

von mtg (17.03.2010, 15:12)
hawepe hat geschrieben:
Wenn sie gehässig wären, würden sie das Buch außerdem einfach noch einmal mit dem verkehrten Cover drucken, denn auf einen Austausch der Coverdatei hast du dann keinen Anspruch.

Daher ja meine Idee mit den 5 - 10% Aufschlag ...

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Re:

von Ankh (17.03.2010, 21:29)
Habe jetzt in einer Mail das Prinzip von 50/50-Schuld und Kostenteilung erklärt und zusätzlich 150 Euro angeboten, das sind etwas mehr als 10 %.
Mal sehen.

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hawepe
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Re:

von hawepe (18.03.2010, 09:15)
Hallo Ankh,

Ankh hat geschrieben:
Stimmt, ich kann den Upload auch nicht beweisen, aber ich kann beweisen, dass die Druckerei bei zwei Gelegenheiten den - wodurch auch immer entstandenen Buchblock-Fehler (alte Datei) - hätte merken müssen.


Ginge es nur darum, würde ich auch anders auftreten. Aber durch deinen blöden Coverfehler verändert sich die Lage leider zugunsten der Druckerei.

Über zeigt deine Erfahrung, warum man nie ohne Blaupause, sprich heute Digitalproof, eine Druckfreigabe erteilen sollte. Leider kostet die Geld und wird deshalb häufig eingespart.

Beste Grüße,

Heinz.

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Ankh
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Re:

von Ankh (19.03.2010, 17:34)
Am Montag wird nochmal verhandelt.

Ich kann zwar die Auflage des Neudrucks beliebig klein wählen - fiel mir jetzt wieder ein - aber das ändert halt nichts an den schon gedruckten 300 und deren schwierigeren Verkauf. Alle verschenken kann ich nicht.

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