Fremdsprachige Dialoge einbinden

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Steeltiger
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Fremdsprachige Dialoge einbinden

von Steeltiger (24.03.2010, 11:35)
Hallo Leute,
sitze grade an einem Projekt, in dem einer der Protagonisten auch bisweilen fremdsprachlich kommunizieren muss.
Nun stehe ich vor dem Problem, wie ich damit im Text umgehen soll...?

Also konkret frage ich mich, soll ich die Dialoge kursiv in englisch schreiben und die Uebersetzung in Klammern daneben schreibe, oder lass ich die Uebersetzung ganz weg und hoffe dass der Leser genug englisch kann und dies dann versteht, oder wie....???

Wie wuerdet Ihr das machen?????

Besten dank schon mal :D

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Siegfried
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Re: Fremdsprachige Dialoge einbinden

von Siegfried (24.03.2010, 12:52)
Steeltiger hat geschrieben:
Hallo Leute,
sitze grade an einem Projekt, in dem einer der Protagonisten auch bisweilen fremdsprachlich kommunizieren muss.
Nun stehe ich vor dem Problem, wie ich damit im Text umgehen soll...?

Also konkret frage ich mich, soll ich die Dialoge kursiv in englisch schreiben und die Uebersetzung in Klammern daneben schreibe, oder lass ich die Uebersetzung ganz weg und hoffe dass der Leser genug englisch kann und dies dann versteht, oder wie....???

Wie wuerdet Ihr das machen?????

Besten dank schon mal :D


Hmm... book:

Genau besehen ist dein Problem gar kein Problem. Es ist vielmehr die Folge davon, dass du einen wichtigen Punkt des Schreibhandwerks außer Acht gelassen hast: Die Erzählperspektive.

Ich möchte hier nicht zum 27. Male die verschiedenen Erzählperspektiven durchkauen (such einfach mal im Forum danach - es gibt einige Einträge dazu), aber wenn du die Erzählperspektive in deiner Szene richtig einsetzt, löst sich dein vermeintliches Problem von selbst auf.

Eine gut geschriebene Szene hat eine eindeutige Erzählperspektive. Heute benutzt man zumeist die "personale Erzählperspektive", d. h. der Leser bekommt das Geschehen aus Sicht einer bestimmten Figur geschildert. Der Leser steckt sozusagen im Kopf dieser Figur (das erhöht die Identifizierungsmöglichkeit des Lesers mit dieser Figur und die Empathie).

Wenn nun in einer solchen Szene plötzlich in eine andere Sprache gewechselt wird, dann ist der Leser - rein theoretisch - in der selben Situation wie die Perspektivfigur: Entweder versteht die Perspektivfigur die Fremdsprache oder er hört nur "Bahnhof". Genau so muss dann aber der fremdsprachliche Dialog aufgebaut sein: Entweder übersetzt in die Sprache des Buches oder eben nur Kauderwelsch.

Beispiel:
Drei Personen (Anton, Berta und Charlie) sitzen an eine Tisch und reden miteinander. Perspektivfigur ist Anton.

Berta schob Anton ein Foto zu. "Kennst du diesen Mann?"
Anton nahm das Bild, betrachtete nachdenklich das Gesicht des Mannes auf dem Foto und kratzte sich am Mundwinkel. Irgendwie kam ihm der Mann bekannt vor, aber er hatte keine Ahnung, wo er dieses Gesicht schon einmal gesehen hatte.
"Tut mir leid." Anton gab Berta das Bild zurück. "Kenne ich nicht."
Plötzlich sagte Charlie etwas, in einer Sprache, die Anton nicht verstand. Ein wahrer Schwall von Zischlauten. Berta sah Charlie erschrocken an, schüttelte heftig den Kopf und gab eine Salve Zischlaute zurück.
"Was ist los?", fragte Anton.
Berta winkte wie beiläufig ab. "Nichts ... nichts besonderes."


Hier versteht Anton nichts von dem, was Charlie und Berta reden. Und es ist auch für den Leser nicht notwendig, den Dialog fremdsprachlich zu lesen - interessant ist nur, dass Anton ihn nicht versteht und nur Zischlaute zu hören glaubt.

Nun die Szene, wo Anton der Fremdsprache mächtig ist:

Berta schob Anton ein Foto zu. "Kennst du diesen Mann?"
Anton nahm das Bild, betrachtete nachdenklich das Gesicht des Mannes auf dem Foto und kratzte sich am Mundwinkel. Irgendwie kam ihm der Mann bekannt vor, aber er hatte keine Ahnung, wo er dieses Gesicht schon einmal gesehen hatte.
"Tut mir leid." Anton gab Berta das Bild zurück. "Kenne ich nicht."
"Wir können ihm nicht trauen! Wir müssen ihn loswerden" Das war Charlie. Und er sagte es auf Ukrainisch. Offenbar glaubte er, Anton würde ihn nicht verstehen. Doch Anton verstand jedes Wort.
Berta sah Charlie erschrocken an und schüttelte heftig den Kopf. "Das können wir nicht." Auch sie sprach jetzt Ukrainisch. "Geben wir ihm noch eine Chance!"
"Ja", sagte Anton und wechselte ebenfalls in die andere Sprache. "Gebt mir noch eine Chance. Um was es auch immer geht."
Berta und Charlie starrten ihn überrascht an.
"Du sprichst unsere Sprache?" Berta war wieder in das Deutsche zurückgewechselt.


Hier ist die Situation so, dass Anton die Fremdsprache versteht und sogar spricht. Auch hier ist es nicht notwendig, für den Leser die originalen Worte in der Fremdsprache vorzulegen. Wichtig ist auch hier nur die Perspektivfigur und was sie vom fremdsprachlichen Dialog mitbekommt.

Du siehst: Dein Problem ist kein Gestaltungsproblem eines fremdsprachlichen Dialoges, sondern wie man mit der Erzählperspektive richtig umgeht.

Grüße
Siegfried

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (24.03.2010, 14:27)
Siegfried:

thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup thumbbup

Ich :twisted: :twisted: :twisted: Bücher mit solchem Dialoggemuddel in verschiedenen Sprachen ...

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Steeltiger
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Re:

von Steeltiger (24.03.2010, 14:56)
Hallo Siegfried,
herzlichen Dank fuer deinen Input. das hilft schon mal gewaltig weiter thumbbup

Gruss,
steel

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