Bin ich an den Verlag geknebelt?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Maribella
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Bin ich an den Verlag geknebelt?

von Maribella (02.04.2010, 22:42)
Hallo,

ich habe ein Problem. Ich habe vor einiger Zeit einen Verlag gefunden, der bereit wäre, meine Anthologie heraus zu bringen. Sie fragten mich, ob ich mit dem Verlag zusammen arbeiten möchte (per E-Mail). Per E-Mail meinte ich: Ja. Da sie sich nach der Prüfung der Anthologie mehrere Monate nicht gemeldet haben, möchte ich die Antho einem anderen Verlag anbieten, zumal mir die Veröffentlichungsbedingungen nicht so zusagen.

Bin ich jetzt an den Verlag gebunden, weil ich per Mail meine Zusammenarbeit per E-Mail versprochen habe?

Oder kann ich meine Arbeit bedenkenlos einem anderen Verlag anbieten und auf einen Vertrag hoffen?

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (03.04.2010, 08:51)
Ich würde dem alten Verlag nochmal schreiben (Mail, das Ganze vielleicht ausdrucken und als Fax hinterher) und einen Termin setzen, und darin ankündigen, daß du dich anderweitig umsehen wirst, wenn der Termin ohne Reaktion und/oder Fortschritt in der Sache abläuft.

Inwieweit deine bisherigen Willensäußerungen wirklich den Charakter eines Vertrages erfüllen, kann ich nicht beurteilen; ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß ein Gericht - so eines beansprucht werden müßte - aus dieser Konstellation - so sie denn genau so gewesen ist - sowas ableiten würde. Das hielte ich für widersinnig. Aber das ist meine Meinung, wohlgemerkt.

Ich würds einfach mal so versuchen, wie oben beschrieben.

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mtg
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Re:

von mtg (03.04.2010, 09:14)
Eigentlich ist ja ein sich-über-Monate-nicht-mehr-melden ein "schlüssiges Verhalten". Trotzdem würde ich auch noch einmal nachfragen, allerdings ohne den Fírlefanz "sonst gehe ich zur Konkurrenz", sondern eher so

Sehr geehrte Damen und Herren,

amm xx.xx.xxxx tauschten wir per eMail Möglichkeiten einer Zusammenarbeit an der Anthologie xy mit meiner Geschichte abc aus. Leider habe ich seitdem nie wieder etwas von Ihnen gehört.

Ich gehe durch Ihr langes Schweigen davon aus, dass sich das Anthologie-Projekt mittlerweile erledigt hat. Sollte dieser Schein trügen, bitte ich bis zum xx.xx.xxxx um die Übersendung eines unterschriebenen Vertrags. Nach Ablauf dieses Datums ziehe ich meinen genannten Beitrag aus dem Projekt zurück.

MfG

oder so ähnlich ...

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (03.04.2010, 12:13)
@ Matthias: Right. Oder so. Mein Hinweis auf die potenzielle Konkurrenz paßt zu meiner Einstellung, bei sowas durchaus ein bißchen Druck machen zu dürfen. Nachdem da so lange nichts gelaufen ist, ist es m.E. rechtschaffen, den Jungs von dem Schlaftablettenverlag mindestens - wenn nicht noch mehr - ein schlechtes Gewissen zu machen :) Aber natürlich geht deine Variante genauso gut. Geschmackssache.

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mtg
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Re:

von mtg (03.04.2010, 12:17)
Das ist lustig ... ich sehen den Konkurrenzhinweis überhaupt nicht als Druckmittel - eher im Gegenteil. Ich jedenfalls würde im umgekehrten Fall so ein Argument nicht ernstnehmen ... :-)

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hawepe
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Re:

von hawepe (03.04.2010, 17:10)
Hallo,

Beckinsale hat geschrieben:
Ich würde dem alten Verlag nochmal schreiben (Mail, das Ganze vielleicht ausdrucken und als Fax hinterher) und einen Termin setzen, und darin ankündigen, daß du dich anderweitig umsehen wirst, wenn der Termin ohne Reaktion und/oder Fortschritt in der Sache abläuft.


Warum?

Maribella ist doch gar nicht mehr an dem Verlag interessiert. Mit einer entsprechenden Frage an den Verlag könnte sie den Eindruck erwecken, von einem bestehenden Vertrag auszugehen. Teilt der Verlag diese Auffassung, muss sie bei ihm veröffentlichen.

Besteht kein Vertrag, wovon ich (allerdings als juristischer Laie) ausgehe, gibt es überhaupt keinen Grund, noch einmal zu fragen, wenn gar kein Interesse an einer Zusammenarbeit mehr besteht.

Beste Grüße,

Heinz.

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (03.04.2010, 17:43)
@ mtg: Ja. Eine Frage des Blickwinkels. :)

@ hawepe: Auch ein Argument. Andererseits gibt es Kommunikationsgepflogenheiten, die ich in diesem Falle als relevant ansehe. Natürlich gibt es gute Argumente - wie du sie vorbringst -, mit den Leuten nicht mehr zu reden. Andererseits gibt es genauso gute Argumente, es doch zu tun. Eine Verpflichtung für eine der beiden Varianten indes gibt es sicher nicht, also bleibt es dem persönlichen Gusto überlassen. Würde ich sagen.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (03.04.2010, 18:34)
Man kann natürlich das Schweigen des Verlags auch als "Kommunikationsgepflogenheit" interpretieren!
Jeder seriöse Verlag bietet seinen Autoren einen entsprechenden Vertrag - und so lange der nicht von beiden Seiten akzeptiert ist, besteht keinerlei Verpflichtung.

Gruß
Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Maribella
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Re:

von Maribella (04.04.2010, 22:25)
In den an mich gerichteten Mails des Verlags stand im Bereich Signatur, dass die Infos nicht rechtsgültig seien. Wenn die also meinen, dass der Vertrag nur auf postalischem Wege geschickt wird (den ich ja nie erhalten und unterschrieben habe), heißt es, dass die Mails im Grunde keine Wirkung haben, und der Verlag mich nicht verklagen kann, wenn ich z.B. bei BoD oder Lulu publiziere?
Und: Brauche ich auf jeden Fall ihre Zustimmung, dass kein Vertragsverhältnis besteht? Was, wenn sie nie antworten, ich aber irgendwo veröffentliche?

(Vielen Dank für die Beteiligung an der Diskussion.)

dozen-roses

Re: Bin ich an den Verlag geknebelt?

von dozen-roses (04.04.2010, 23:08)
Maribella hat geschrieben:
Hallo,

ich habe ein Problem. Ich habe vor einiger Zeit einen Verlag gefunden, der bereit wäre, meine Anthologie heraus zu bringen. Sie fragten mich, ob ich mit dem Verlag zusammen arbeiten möchte (per E-Mail). Per E-Mail meinte ich: Ja. Da sie sich nach der Prüfung der Anthologie mehrere Monate nicht gemeldet haben, möchte ich die Antho einem anderen Verlag anbieten, zumal mir die Veröffentlichungsbedingungen nicht so zusagen.

Bin ich jetzt an den Verlag gebunden, weil ich per Mail meine Zusammenarbeit per E-Mail versprochen habe?

Oder kann ich meine Arbeit bedenkenlos einem anderen Verlag anbieten und auf einen Vertrag hoffen?


Schlafende Hunde sollte man nicht wecken?
Die Anfrage und die Annahme der Anfrage sind noch lange kein Vertrag. Also sehe ich keinen Grund, warum du nicht woanders publizieren kannst.

Gruß D. R. book:

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