Kritik bitte - Jamie ( noch kein Titel vorhanden)

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Marcel R.
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Re:

von Marcel R. (26.06.2010, 11:12)
Das ist das Phänomen hier. Es wird um Kritik gebeten, aber nur lobende erwartet. Am besten Jubelarien. Keinesfalls erwartet wird der Finger in der Wunde.


Der Meinung bin ich auch. Wenn man im Titel schon um Kritik bittet, dann versteh ich einfach nicht wie man sich aufregen kann, wenn man auch Kritik bekommt. Oder warum man zu viel Kritik nicht ernst nehmen sollte. Man kann doch froh sein, wenn sich so viele Leute wie Siegfried die Zeit nehmen, sich so genau mit dem Text zu beschäftigen, um zu helfen. Wer seine Fehler nicht ändern möchte soll wenigstens schreiben, dass er nur kurz wissen möchte, wie die Leser den Stil oder was weiß ich finden aber nicht um Kritik am Text bitten.

Ich hab mal ne Frage an life-before-the-death : Du hast also schon einen Verlag für dein Buch? Ist es denn überhaupt schon fertig? Und wie bist du zu dem verlag gekommen?

Marcel
Ich bin ein 16 Jähriger Thrillerautor, der Momentan an seinem ersten richtigen Buch arbeitet.

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hawepe
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Re:

von hawepe (26.06.2010, 14:08)
Hallo Parwana,

Parwana hat geschrieben:
Steht da oben nicht "Kritik bitte"?


Du bist erst kurze Zeit dabei, sonst wüsstest du, dass das die Umschreibung für Lob ist. Geschätzte 99,9 Prozent schreiben, sie wünschten Kritik, und gehen dann wie das berühmte HB-Männchen in die Luft, wenn das jemand ernst nimmt.

Beste Grüße,

Heinz.

Jariba
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Re:

von Jariba (26.06.2010, 17:01)
Das ist des Menschen Gabe . . .

aber nun gut, sie ist jung (oder?) und weiß anscheinend
nicht wie man mit Kritik umgeht . . .

Hatte das gleiche Problem am Anfang, habe mich wegen
jeder noch so kleinen Bemerkung über Text, Ausdrucksfehler, etc.
beschwert.

Doch aus Fehlern lernt man nur, wenn man auf Fehler hingewiesen
wird bzw. die eigenen Fehler einsieht.

Ich bin mir sicher, dass life-before-the-death in Zukunft es lassen
wird, sich über die Kritik anderer zu "beschweren" . . . kann man
das so sagen?

Na ja, ihr wisst was ich meine . . . cheezygrin

life-before-the-death
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Re:

von life-before-the-death (04.07.2010, 16:45)
Ich habe um Kritik gebeten und ich habe sie bekommen, ich bin jung und ich bin mir bewusst ,dass ihr dies hier als Witz betrachtet, eben weil ich jung bin.
Ich habe mit Kritik nicht auf Lob hinausgewollt, sonst hätte ich Lob geschrieben und nicht Kritik.
Ich bin kein junges und naives Ding ,dass hier ist um "Lobarien" einzuheimsen, wie du es so schön ausgedrückt hast, Siegfried.
Ich bin dabei ein Buch zu schreiben, weil es das ist, was mich glücklich macht.
Die Änderungsvorschläge und Bemerkungen habe ich aufmerksam gelesen, und bin dem schon oft nachgegangen.

Siegfried, wenn du mich und mein Geschriebenes für einen Ruf nach Lob hälst, dann verzeih mir, dass ich es so formuliert habe, dass du es als etwas Solches verstanden hast.

Ich bedanke ich mich bei euch allen, die mir geholfen haben.
Auch wenn ihr denkt, dass ich es ,als Kind nicht zu schätzen vermag.

liebe Grüße, Nicole
Oscar Wilde :
" Ein Träumer ist jemand, der seinen Weg im Mondlicht findet und die Morgendämmerung vor dem Rest der Welt sieht.“

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (04.07.2010, 16:59)
Hallo Nicole,

Kopf hoch! Nein, wir unterstellen dir das nicht. Dein Alter spielt auch überhaupt keine Rolle. Wir nehmen im Forum jeden Beitrag ernst, natürlich auch deinen. Ich zum Beispiel habe in meinen obigen Beitrag (den mit den blauen Anmerkungen) etwa eine Dreiviertelstunde Arbeit gesteckt, und das hätte ich sicher nicht gemacht, wenn ich den Text nicht ernst genommen hätte. Fühl dich von den Kritikpunkten bitte nicht persönlich getroffen. Kritik, die auf deinen Text zielt, zielt nicht auf dich. Eventuelle Kritiken, die du auf dich persönlich beziehen könntest, solltest dagegen du nicht sonderlich ernst nehmen. Manches davon wurde schon zigmal in ähnlicher Situation geschrieben und war vielleicht gedankenlos, aber bestimmt nicht böse gemeint. Außerdem können wir im Forum schlecht über dich urteilen, wenn wir dich gar nicht persönlich kennen. Deshalb Kopf hoch, bleib dem Forum erhalten und schreib weiterhin fleißig!

Viele Grüße

Torsten
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sasi
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...

von sasi (04.07.2010, 22:55)
Hallo,

ich finde dieses Forum ja sehr interessant. Siegfried kritisiert intersubjektiv Texte, macht sich damit quasi unangreifbar. Wobei ich damit seine Kompetenz -die definitiv vorhanden ist - nicht mal in Frage stellen möchte.

Ja, jeder bettelt hier nach Bestätigung und das nicht nur der Threadersteller, sondern auch diejenigen die hier regelmäßig kritisieren, oder in schöner Regelmäßigkeit den Alphatieren hinterherlaufen.

Und immer wieder die Rechtschreibdiskussion, jaaaaaaaaa gähn ...

Und klar ist Rechtschreibung wichtig, aber hier wird sie zum Grund um sich über andere zu erheben.

Die Literaturszene ist ein Haifischbecken, wie ätzend! (aus diesem Grund würde ich auch nie Literatur studieren, wobei es eh,in den meisten Fällen, eine brotlose Kunst ist.)

Und das selbst bei jedem trivialen BoD-Buch, wo sowieso die Verkaufszahlen die größten Kritiker sind.

Und ja, ich kenne alle Gründe, warum ein Buch ohne Rechtschreibfehler sein sollte, aber warum hat jemand soviel Zeit, sich immer und immer wieder der ausführlichen Kritik in diesem Forum zu widmen? Die Motivation ist sicherlich keine Nächstenliebe!

Böse ironisch zu sein und sich selber nicht zur Disposition zu stellen?
Vielleicht bin ich aber noch nicht lange genug hier und kenne deswegen Siegfrieds Texte nicht.

Übrigens, ich stelle mir Siegfried vor, wie einen dickbäuchigen alten Mann ohne Freunde, narzisstisch (angehaucht) und weit über dem Zenit seiner Männlichkeit.

Das stelle ich mir aber nur so vor, es kann natürlich ganz anders sein. :D

Ich weiß, dass ich hier jetzt richtig Prügel kassiere für meine absolut angreifbare subjektive Meinung, aber das war es mir wert. :D

Ich bin übrigens die nächsten drei Wochen in Urlaub. :lol: :lol: :lol: :lol:

LG
Sasi

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Siegfried
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Re: ...

von Siegfried (05.07.2010, 00:26)
sasi hat geschrieben:
Hallo,

ich finde dieses Forum ja sehr interessant. Siegfried kritisiert intersubjektiv Texte, macht sich damit quasi unangreifbar. Wobei ich damit seine Kompetenz -die definitiv vorhanden ist - nicht mal in Frage stellen möchte.


Was für ein Pech!

sasi hat geschrieben:
Ja, jeder bettelt hier nach Bestätigung und das nicht nur der Threadersteller, sondern auch diejenigen die hier regelmäßig kritisieren, oder in schöner Regelmäßigkeit den Alphatieren hinterherlaufen.

Und immer wieder die Rechtschreibdiskussion, jaaaaaaaaa gähn ...

Und klar ist Rechtschreibung wichtig, aber hier wird sie zum Grund um sich über andere zu erheben.


Statt sich über Kritiker und deren Arbeit zu mokieren, wäre es sicher besser, sich mit dem Text zu befassen. Aber auch das hatten wir schon früher - und die Situation wird nicht besser.


sasi hat geschrieben:
Und ja, ich kenne alle Gründe, warum ein Buch ohne Rechtschreibfehler sein sollte, aber warum hat jemand soviel Zeit, sich immer und immer wieder der ausführlichen Kritik in diesem Forum zu widmen? Die Motivation ist sicherlich keine Nächstenliebe!


Ich nehme diesen Rat an und werde keinen Beitrag mehr in Richtung Textkritik mehr leisten. Ich hoffe, damit deinen Intentionen zu entsprechen.

sasi hat geschrieben:
Böse ironisch zu sein und sich selber nicht zur Disposition zu stellen?
Vielleicht bin ich aber noch nicht lange genug hier und kenne deswegen Siegfrieds Texte nicht.

Übrigens, ich stelle mir Siegfried vor, wie einen dickbäuchigen alten Mann ohne Freunde, narzisstisch (angehaucht) und weit über dem Zenit seiner Männlichkeit.

Das stelle ich mir aber nur so vor, es kann natürlich ganz anders sein. :D

Ich weiß, dass ich hier jetzt richtig Prügel kassiere für meine absolut angreifbare subjektive Meinung, aber das war es mir wert. :D

Ich bin übrigens die nächsten drei Wochen in Urlaub. :lol: :lol: :lol: :lol:

LG
Sasi


a) zu meinen angeblich hier nicht vorgestellten Texten:
Ein identischer Vorwurf kam im Thread "Literatur satt" unter "Termine & Ankündigungen" von Detlef Schumacher. Dort hieß es (inhaltlich wie bei dir), es sei "ergiebiger, wenn du einen Text aus eigener Feder vorstellen würdest, anstatt auf den Wortschöpfungen anderer herumzutrampeln".

Ich habe als direkte Antwort darauf einen "Text aus eigener Feder" vorgestelt - darauf kam genau eine (zum Mitschreiben: eine!!!) Reaktion, die ich mit dem betreffenden Kritiker im PN weiter diskutierte. Detlef Schumacher schweigt seitdem - was deiner Schlusszeile "Ich bin übrigens die nächsten drei Wochen in Urlaub" entspricht: Forderungen stellen und den Folgen aus dem Weg gehen. :twisted:

Welche optischen Vorstellungen du von mir hast - vlölig Banane! Was mich vielmehr interessiert, ist der Grund für deine Vorstellungen, wie du auf so etwas kommst und: Was du mit solchen Unterstellungen bewirken möchtest. Ich mache mich weder über dich lustig (nicht über deinen Kommentar und noch weitaus weniger über dein Aussehen) noch über die Autorin des hier vorgestellten Textes. Aber wie gesagt, ich wundere mich, was dich zu solchen Unterstellung in der Öffentlichkeit antreibt.

Da du dich für drei Wochen abgemeldet hast und dieser Thread bis dahin vermutlich in der Versenkung verschwunden ist, werde ich dir den o. g. Text von mir per PN zuschicken. Mal sehen, ob du nur schwätzt oder auch arbeiten kannst. :twisted:

Schönen Urlaub!
Siegfried

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Siegfried
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Feigheit vor dem Feind?

von Siegfried (05.07.2010, 00:53)
@sasi & alle anderen Kritiker!

Man kann mir sicher vieles vorwerfen, aber mit Sicherheit nicht, dass ich einem Konflikt aus dem Weg gehe. Insbesondere dann, wenn sich jemand darüber mokiert, ich solle doch mal einen Text von mir vorstellen, statt immer nur andere Texte zu kritisieren. Hätte Sasi die Suchfunktion des Autorenpools benutzt, hätte sie vielleicht diese Kritik zurückgezogen. Denn an anderer Stelle habe ich das ja schon gemacht - mit entsprechenden Folgen! Siehe oben :twisted:

Warum also nicht auch hier. Ein kleiner Text, kein sensationeller. Aber er wurde von einer Zeitschriftenredaktion angenommen und gedruckt. So kann's gehen. cheezygrin

Natürlich darf der Text zerfetzt werden! Und wer es mag, kann Gleiches mit dem Autor machen! :twisted:

<--- start --->

Die wahre Geschichte der H.

Es hat sicher seine Vorteile, wenn man nicht mehr auf der Welt ist. Ich habe jetzt zum Beispiel viel mehr Zeit als vorher. Und die Mühsal der täglichen Arbeit, des Putzens, Kochens und der Gartenpflege bleibt mir für alle Zukunft erspart. Was mir jedoch quer im Halse stecken bleibt und mich hier im Jenseits zur Raserei treibt, ist dieser unglaubliche Rufmord, der seit meinem Dahinscheiden an mir begangen wird. Doch ich möchte den Ereignissen nicht vorgreifen und mit jenen Tagen beginnen, als ich noch so richtig sterblich war.

Seit dem nicht ganz unwillkommenen Tode meines Mannes – irgendeiner der von mir gesammelten Pilze ist ihm, sagen wir, nicht so recht bekommen – lebte ich allein und zufrieden in meinem kleinen Häuschen, das im Walde unter den Eichen stand. Nun, ganz allein war ich nicht, teilten doch Kater und Rabe das Domizil mit mir. Sie waren mir treue Begleiter, wenn ich am Morgen mein Häuschen putzte, am Mittag meinen innig geliebten Lebkuchen buk, am Nachmittag auf der Bank in der warmen Sonne saß und am Abend in meinen dicken Büchern geheimnisvolle Sprüche studierte. So lebte ich über die Jahre zufrieden im tiefen Wald, bis zu jenem Tag, als das Unglück in Form dieser zwei unseligen Kinder vor meinem Haus erschien.

Sie kamen den schmalen Waldweg entlang, der sich kaum erkennbar zwischen Bäumen und Büschen entlang schlängelte. Ich hatte sie von meinem Küchenfenster aus entdeckt und hoffte inständig, dass sie mein Haus meiden würden. Sie mieden es natürlich nicht. Statt sich anzumelden, nach dem Bewohner zu rufen oder einfach nur die Klingel an der Tür zu benutzen, wie es gut erzogene Menschen eigentlich tun, schlichen sie um das Haus herum und starrten mit gierigen Blicken auf meine Lebkuchen, die ich rings um das Haus herum befestigt hatte. Es war ein Geschwisterpaar, der Junge etwas älter als das Mädchen, und ihrer Kleidung nach waren sie schon länger im Wald unterwegs. Das Mädchen versuchte, mit dem Taschentuch, das sie mit Speichel anfeuchtete, einen Fleck aus dem Kleid zu reiben. Natürlich schaffte sie es nicht. Der Fleck wurde nur etwas blasser, dafür aber dreimal so groß. Dem Jungen schien der Schmutz egal zu sein. An seiner Jacke klebten ein paar Blätter und Moosreste, und seine Schwester zog einen dünnen Zweig aus seinem dichten blonden Haar. Sie flüsterten miteinander.
Ich stand hinter der Gardine am Fenster und hielt die Luft an. Macht, dass ihr wegkommt, war der einzige Gedanke in meinem Kopf. Das hier ist mein Haus mit meinem Lebkuchen in meinem Wald. Der Kater, der mir sonst immer um die Beine strich, machte einen Buckel, fauchte und schlug seine Krallen in den Türrahmen. Der Rabe flog von meiner Schulter, flatterte nervös durch das Zimmer und ließ einen stinkenden weißen Flecken auf meinen selbstgezimmerten Küchenstuhl fallen. Ich sah die tiefen Kratzspuren an der Tür und das stinkende Etwas auf dem Stuhl. Verdammte Kinder!
Der Junge wurde plötzlich wieder aktiv. Er ging auf eine Hausecke zu und brach etwas von meinem Lebkuchen ab. Es war ausgerechnet der Lebkuchen, der mir immer am meisten Arbeit macht, mit seltenen Gewürzen, die ich nur in der weit entfernten Stadt erstehen konnte. Man stelle sich vor: ich marschiere vier Tage lang mit Rucksack und Ein-Frau-Zelt durch die Gegend, um die notwendigen Zutaten zu bekommen, bezahle teures Geld dafür, muss den ganzen langen Weg wieder zurück, stehe dann unentwegt in der Küche, muss mit der Messerspitze die Zutaten abwiegen, den Teig kneten, bis die Arme schmerzen und schließlich den Ofen über Stunden auf konstant hoher Temperatur halten, um einen einigermaßen guten Lebkuchen zu bekommen – und dann kommt dieses Balg und stopft sich voll. Mir platzte der Kragen.
"Nimm die Finger von meinem Lebkuchen!" schrie ich den Jungen an, der bereits mit vollen Backen am Kauen war. Ja, ich schrie ihn an. Später sollten die Kinder erzählen, jemand hätte "Knusper Knusper Knäuschen" gesagt. Ausgemachter Blödsinn! Ich bin zwar alt, aber nicht senil. Und diese Kindersprache habe ich nie gemocht. So was wie "Guddu Guddu" oder "Ga Ga Ga" wäre mir nie in den Sinn gekommen, erst recht nicht "Knusper Knusper"!
Ich riss jedenfalls die Haustür auf und schnappte mir den völlig verdattert dastehenden Burschen. Ich bekam ihn an der Jacke zu fassen und zog ihn in das Haus. Obwohl er sich zu wehren begann, hatte er keine Chance. Wenn es um meinen Lebkuchen geht, kenne ich keinen Pardon.
Wohl um nicht von ihrem Bruder getrennt zu werden, folgte das Mädchen uns in das Haus. Ich stieß den Jungen auf den Küchenstuhl und starrte ihn an. Er muss mächtig Angst vor mir gehabt haben, jedenfalls zitterte er wie Espenlaub.
"Spinnst du?", fuhr ich ihn an. "Kommst hierher und frisst mir meinen Lebkuchen weg? Machst du das bei euch zuhause in der Speisekammer auch so?"
Damit hatte ich wohl ein Fettnäpfchen erwischt. Jedenfalls greinte das Mädchen los und heulte in den höchsten Tönen. Mein Kater nahm Reißaus, und der Rabe versteckte sich im Dachgebälk.
"Wir haben kein Zuhause mehr", schluchzte das Mädchen. "Unsere Eltern haben uns ausgesetzt."
Ich stand da, vornübergebeugt, nur wenige Zentimeter vom Gesicht des Jungen entfernt, und überlegte. Entweder waren die beiden wirklich arm dran, oder das Mädchen war eine ausgemachte Lügnerin. Prüfend sah ich ihr ins Gesicht. Ich glaubte ihr.
"Beruhigt euch erst mal", sagte ich, um Zeit zu gewinnen. Dann nahm ich etwas Brot und Käse aus dem Schrank und stellte es zusammen mit einem Krug Wasser auf den Tisch. "Hier habt ihr was zu essen und zu trinken. Danach wird es euch sicher besser gehen."
Wenn ich geglaubt hatte, den beiden damit einen Gefallen zu tun, sah ich mich getäuscht.
"Brot!", sagte der Junge geringschätzig und wischte den Laib vom Tisch. "Draußen gibt es Lebkuchen, und die Alte will uns mit Brot füttern!" Und warf den Käse hinterher.
Das Mädchen griff nach dem Krug und schleuderte ihn aus dem Küchenfenster, das laut klirrend zerbarst.
"Erwachsene sind alle gleich!", keifte sie. "Wir sollen immer nur das tun, was sie uns sagen." Langsam ging mir ein Licht auf, warum die Eltern diese Kinder loswerden wollten.
Ich packte beide und versuchte, sie aus dem Haus zu werfen. Der Junge wehrte sich und trat mir mit voller Kraft vor das Schienbein. Das Mädchen krallte sich an meinem Arm fest und biss mir in die Hand. Mit einem Aufschrei musste ich sie loslassen. Nur um noch mal darauf hinzuweisen: sie biss mich und nicht ich sie. Später behauptete sie gegenüber ihren Eltern, ich hätte sie und ihren Bruder verspeisen wollen.
Was danach geschah, kann ich kaum beschreiben. Innerhalb weniger Sekunden stellten die beiden mein kleines, hübsches, sauberes Häuschen völlig auf den Kopf. Sie warfen Tisch und Stuhl um, rissen wie Tobsüchtige die Gardinen von den Fenstern, räumten die Schränke aus und jagten Kater und Rabe durch die Räume. Nur mit Mühe entkamen die beiden einem schlimmeren Schicksal und entflohen durch das zerstörte Küchenfenster.
Als die Kinder begannen, mich mit Gegenständen zu bewerfen, ergriff auch ich die Flucht. Ich humpelte durch die Tür und hielt Ausschau nach meinem Kater. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er mit einem Satz im offen stehenden Backofen verschwand. Mein Schienbein schmerzte noch immer von dem Tritt, den mir der Junge verpasst hatte, und so quälte ich mich hinüber zum Versteck des Katers.
Er saß ganz hinten in der Ecke des Ofens, presste sich gegen die Wand und fauchte sogar mich an, als ich ihn aus seinem Versteck zu locken versuchte. Mein Backofen war nicht gerade klein, und so sehr ich mich auch streckte, ich kam nicht an das Tier heran. Also kroch ich in den Backofen.
Plötzlich stieß mich jemand nach vorne, und krachend schlug die Tür des Backofens zu. Durch die Wände hörte ich die johlenden Rufe meiner beiden unliebsamen Besucher. Ich trat gegen die Tür, schrie aus vollem Hals und trommelte an die Wände. Doch nichts tat sich. Bis ich irgendwann merkte, dass es immer wärmer wurde.
Nun, ihr Lieben, den Rest kennt ihr ja. Die Kinder nahmen sich meine Bücher mit den Rezepten für besonders guten Lebkuchen und kehrten damit zu ihren Eltern zurück. Und sie begannen, jene böse Geschichte über mich zu erzählen, der ihr, liebe Leute, bis heute glaubt.
Oder etwa nicht?

<--- ende --->

Übrigens ... Ich verabschiede mich nach diesem Beitrag nicht für drei Wochen in Urlaub. Ich stehe zu dem, was ich schreibe (würde ich mich drei Wochen in Urlaub verabschieden, würde ich keinen Beitrag schreiben, der zu kontroversen Diskussionen führt! cheezygrin )

Grüße
Siegfried

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.07.2010, 02:54)
Wunderschön Siegfried,
besser kann man die Denunziation einer angeblichen Hexe nicht beschreiben.

Gruß
Thomas

PS:
Übrigens, ich stelle mir Siegfried vor, wie einen dickbäuchigen alten Mann ohne Freunde, narzisstisch (angehaucht) und weit über dem Zenit seiner Männlichkeit.

Sasi, so spricht nur ein Luder.

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sasi
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Re:

von sasi (05.07.2010, 06:51)
Ja, da sprach in der Tat, das Luder in mir. :D

Siegfried, ich bin da und werde heute Abend auch antworten. Das mit dem Urlaub war nur ein Scherz. *seufz*

Mich regt einfach manchmal die böse Ironie in deinen Beiträgen auf, dass war eigentlich schon Alles.

Meine Intention ist es übrigens nicht, dass du nicht mehr kritisierst.

Ich bekomme jetzt meine Reaktionen auf meinen Beitrag und ich weiß auch, dass ich böööööse war.

LG
Sasi

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