Warum schreibt ihr Bücher?

Euer Forum rund um kreatives Schreiben, lesergerechtes Texten und spannende Plots.


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Irres
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Ich erzähle Geschichten...

von Irres (31.07.2010, 23:14)
... weil ich als kleines Kind regelmäßig auf dem rechten Knie meines Großvaters saß und gespannt zugehört habe.
Und wahrscheinlich auch, weil sonst die verrückten Gedanken in meinem Kopf Überhand gewinnen :wink:

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Artus
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Re:

von Artus (01.08.2010, 15:16)
Das Schreiben ist für mich einfach ein Werkszeug, um mich im Internet bewegen zu können. Dieses Medium hat überhaupt erst dazu geführt, mich schriftlich mit anderen Menschen auszutauschen.

Zuvor hatte ich in jungen Jahren lediglich Beschwerdebriefe auf der Elektrischen verfasst, und so Vermieter, Stromlieferanten oder auch gegnerischen Rechtsanwälten den Marsch geblasen. Dabei hatte ich bemerkt, dass ich eine ungewöhnliche Durchschlagskraft erzielen konnte.

Ich habe das Talent, im Kopf des Lesers ein Bild entstehen zu lassen, das ich selbst bestimmen kann. Dabei bin ich allerdings der Wahrhaftigkeit verpflichtet, d.h., ich muß selbst aufrichtig vom Gegenstand meiner Argumentation überzeugt sein, sonst funktioniert es nicht. Damit ist (leider) klar, dass zweckgebundenes Schreiben im Auftrag fremder Interessen für mich nicht in Frage kommt.

Das bedeutet gleichzeitig, dass ich nicht imstande bin, allein den Bedürfnissen des Lesers nach Unterhaltung und Amüsement gerecht zu werden.

Das ist ein großes Handicap, ich weiß. Allerdings habe ich aus der Not eine Tugend gemacht, indem ich grundsätzlich beim Schreiben a) dem Leser etwas mitteile, oder b) ihn beeinflusse. Nur so funktioniert es.

Zunächst hat es mir einen Heidenspaß gemacht, Normalbürger (Vanillas) mit den Berichten meiner Erlebnisse aus dem BDSM-Bereich zu schockieren, wobei ich allerdings festgestellt habe, dass besonders mittelalterliche und gelangweilte Hausfrauen vom exotischen Thema "Lust durch Gewalt, Schmerz und Ausgeliefertsein" fasziniert waren.

Später hatte ich bereits die Grundzüge meiner "Steinzeitfrau" im Hinterkopf, und war hauptsächlich damit befasst, die Leute in Foren durch schriftl. Gewalt dazu zu bringen, mir ihr innerstes Selbst zu offenbaren. Dabei habe ich eine Menge über die Menschen (insbesondere Frauen) gelernt, was aber nur selten schmeichelhaft für sie war.

Heute ist das anders, ich bin wesentlich entspannter und toleranter, was wohl nicht zuletzt an meiner Frau liegt. Ich muss nicht mehr jedem verbal den Schädel einschlagen, der mir in die Quere kommt, sondern bleibe auf der Sachebene.

Aktuell lautet meine Grundmaxime beim Schreiben "Schau in diesen Spiegel und lerne aus dem was du siehst!" Gemäß Orwells Definition des Begriffs Freiheit sage ich dem Leser das, was er nicht hören will, um ihm zu zeigen, was er nicht sehen will:

Sich selbst in seiner konkreten Verfassung und Situation.

Das erreiche ich, indem ich im Kopf des Lesers ein Bild von sich selbst entstehen lasse. Die Beschaffenheit dieser Abbildung bestimmt aber allein der Leser selbst, denn ich bin nur der "Spiegelmacher", dessen Werk lediglich reflektiert, was der Leser hineinprojeziert.

Wer dies realisiert und akzeptiert hat die Möglichkeit, mehr über sich und die Struktur seiner Umwelt zu erfahren.

Deshalb wird aus mir auch nie ein guter Romancier, denn die innere Befindlichkeit des Lesers ist mir im Grunde völlig egal. Es soll jeder eigenverantwortlich selbst entscheiden, ob er aus meinen Schriften einen Nutzen ziehen kann oder nicht.

Ich entschuldige mich für die Länge meines Beitrags.

Kollegiale Grüße
Artus

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Janika
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Fantasie

von Janika (01.08.2010, 16:02)
Zu schreiben ist für mich einfach Spaß und Befreiung. Mein Kopf steckt voller Fantasie, die kam zwischendurch auch oft mal zum Vorschein, wenn es gerade nicht so gut passte. Irgendwann hatte ich dann keine ungelesenen Bücher mehr im Haus und gerade zum wiederholten Male "Eragon" 1+2 gelesen, da dachte ich mir "Wenn ich doch nichts mehr da hab, kann ich mir doch selbst was schreiben" Ich hab mir dann einfach einen Titel und zwei Charaktere ausgedacht und ein paar Sätze geschrieben. Im Laufe der Zeit wurde aus den Sätzen eine Geschichte, weitere Figuren kamen hinzu und die Story begann, "lebendig" zu werden.
Mittlerweile sind die Schreibarbeiten an meinem ersten Buch abgeschlossen und parallel zu den Layout- und Coverarbeiten werde ich bald mit dem Schreiben des zweiten Bandes anfangen (immerhin soll da mal eine Reihe draus werden ;) )
Schreiben und ein paar Zuhörer bei der Arbeit und später Leser zu finden ist einfach ein supergutes Gefühl und auch durch den Spaß jede aufgewandte Sekunde mehr als wert! angle:

Maxi
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Re:

von Maxi (01.08.2010, 18:41)
Weil es eine innere Stimme von mir verlangt... cheezygrin

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SandraR
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Re:

von SandraR (01.08.2010, 18:58)
Weil ich den Massenmedien als Meinungsmacher andere Varianten als die Übliche "denke" entgegen setzen wollte und will! Weil mich schwarz-weiss Denken auf die Palme bringt und nichts so hartnäckig ist wie Vorurteile.

Geschrieben habe ich immer, allerdings niemals für reales Geld.

Hier kommen wir zum Punkt warum selber verlegen! Früher gab es zuerst die Schülerzeitung, dann Privaten Rundfunk, dann eine eigene Zeitung, dann Internet und dann eben auch immer wieder Anfragen um als Co Autor zu fungieren. Irgendwann habe es dann auch mal einfach selber gemacht.

Ich bin ein Moralist im klassischen Sinne und der Meinung jeder muss frei entscheiden können, dafür sollte man eben dem Einheitsbrei ab und an, seine eigene Duftnote aufsetzen. Kurz gesagt, Schreiben erleichtert mein Gewissen.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (03.08.2010, 12:49)
Ich möchte mich ausdrücken, Geschichten und meiner Meinung nach Interessantes/ Wissenswertes erzählen.

Wie z. T. auch im (modernen) Tanz können auch beim Schreiben Aspekte wie Rhythmus, Perspektive und "Aussage" wunderbares transportieren.

Es ist einfach (m)eine Passion - und für mich oft sogar noch schöner als tanzen oder LESEN ... ;-)

Barbara

Angelina

Re:

von Angelina (03.08.2010, 13:17)
Auch wenn es jetzt vermutlich wieder Ärger gibt, so möchte ich doch freundlich etwas anmerken und bitte um sachliche Kritik/Diskussion.

Mir fällt auf, dass recht oft die Begründung ist:

Ich schreibe weil, ICH...
Ich schreibe weil, mich...
Ich schreibe zur Selbst... usw.

Kurz gesagt, ihr schreibt für euch. Der Leser ist sozusagen ein Nebenprodukt, dessen was ihr für euch tut.

Das wäre fast so, wie wenn ich eine Disco eröffnene und dort nur die Musik spiele, die mir gefällt.

Die bessere Begründung/Monitavtion könnte lauten: Ich schreibe für meine Leser und ich schreibe was diese mögen und einen Mehrwert für meine Leser bringt.
Zuletzt geändert von Angelina am 03.08.2010, 17:49, insgesamt 2-mal geändert.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (03.08.2010, 13:45)
Freundliche und knappe Antwort:

Ein etwas ausführlicher Ausflug in die Literaturwissenschaft dürfte die Erkenntnis bringen, wo wann welcher Autor für wen schreibt bzw. geschrieben hat.

Die Eingangsfrage hier lautet: Warum (und nicht für wen) schreibt ihr.

Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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mtg
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Re:

von mtg (03.08.2010, 13:51)
Angelina hat geschrieben:
Die bessere Begründung muß lauten: Ich schreibe für meine Leser und ich schreibe was diese mögen und einen Mehrwert für meine Leser bringt.


Es gibt keinen Ärger, und ich bin ganz freundlich. Aber über den Grund, warum jemand etwas tut, ist eine Diskussion müßig - ja, sogar schädlich.

Die oben zitierte Begründung mag DEINE Begründung sein, und sie ist Dir unbenommen. Jeder hat andere Intentionen und Antriebe. Du bestimmst nicht die Begründungen anderer, genauso wie Du nicht gezwungen wirst, die Begründungen anderer für Dich zu übernehmen. Es gibt hier kein »besser« oder »schlechter«; es gibt nur subjektive - und damit zu Recht nebeneinander gültige - Meinungen.

Mich beschleicht gelegentlich das Gefühl,dass Du vor lauter Enthusiamus (noch) wie eine Blinde von der Farbe sprichst. Ich mache Dir einen Vorschlag: Du publizierst Dein erstes Buch und hast Erfolg -> DANN kannst Du gute Ratschläge geben.

Ansonsten: Jeder, wie er mag. Auch Du.

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Jacqueline Ehmke
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Re:

von Jacqueline Ehmke (03.08.2010, 15:40)
Angelina, ich weiß nicht wie alt du bist, darum möchte ich das jetzt ganz sanft formulieren.
Und ich bediene mich eines Zitates. Mir ist der Verfasser nicht bekannt, aber ich bedanke mich hier bei ihm.

"Ich muss ja selbst nichts können, es reicht doch wenn ich andere schlecht mache"

Das reicht eben nicht, Angelina.

Lehne dich ein bissel zurück, und spring`nicht sofort jedem mit deinem nackten Po ins Gesicht. Nicht alle wollen diesen sehen.

Jacqueline
Nichts ist statisch

www.joe-hundeschule.de
(wo es auch zu meinen Büchern geht)

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (03.08.2010, 15:55)
Ich habe angefangen mit dem Schreiben, weil es für eine Therapie ist. Ich habe damit die schlimmen Ereignisse und Gedanken in mir verarbeitet, niedergeschrieben, umformuliert und reflektiert.

Irgendetwas fehlte dann noch. Ich musste auch loslassen können, sonst würden diese Dinge immer wieder in mir aufkochen. Also publizierte ich. Zunächst ganz klein im Internet, später in einem Blog und dann eben im ersten Buch.

"Ich schreibe mir etwas von der Seele" ist für mich mehr als nur eine Metapher. Es ist für mich eine funktionierende Wahrheit. Diese hat durch die Präsentation in die Menge der Leser einige weitergehende Wirkungsweisen.

Zum Einen reflektieren mir die Leser, was sie ebenso empfinden und worin sie sich wiedererkennen. Das gibt mir die Erleichterung "Ich bin nicht allein!" Zum Anderen bekomme ich oft genug auch ein "Danke" zu hören, weil Geschichten geholfen haben, aus einer Blockade herauszufinden.

Das alles hat eine sehr dynamische Wirkung auf mich und so kann ich es durchaus selbstbewußt vertreten, in erster Linie für mich zu schreiben. Ich brauche das, es hilft mir, mein Leben zu überleben und das eine oder andere fremde Leben zu erhalten.

Das zweite Buch wird sich genau mit dem auseinander setzen, was noch in mir jahrzehntelang brodelte und bislang brav unterm Deckel gehalten wurde. Ich bin alt geworden und muss es nun loswerden, loslassen. Also raus damit in die weite Welt, in die Hände von Kritikern und Lesern.

Und weil ich neugierig bin, fordere ich die Leser auch im Buch noch zu einem direkten Feedback auf. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Zuletzt geändert von CeKaDo am 03.08.2010, 22:28, insgesamt 1-mal geändert.

Angelina

Re:

von Angelina (03.08.2010, 17:11)
Jacqueline Ehmke hat geschrieben:

"Ich muss ja selbst nichts können, es reicht doch wenn ich andere schlecht mache"

Das reicht eben nicht, Angelina.

Lehne dich ein bissel zurück, und spring`nicht sofort jedem mit deinem nackten Po ins Gesicht. Nicht alle wollen diesen sehen.

Jacqueline


Ich hatte eine sachlich und bestimmt nachvollziehbare Anmerkung zur Erhöhung der Verkaufschance gemacht und bitte um ebenso sachliche Rückmeldungen. Die Mutmaßung bezüglich meines Könnens und die Anmerkung mit dem "nackten Po." sind überdenkenswert.


Ich gebe mal ein sachliches Beispiel: Modern Talking / Dieter Bohlen.

Ob ihm seine eigene Musik gefällt wage ich zu bezweifelen, aber er trifft zielsicher den Geschmack der Mehrheit. Und darin begründet sich sein Erfolg.

Natürlich soll man sich nicht extrem verbiegen. Aber ab und an mal daran denken ob man durch kleine Veränderungen ggf. das Publikum besser anspricht. Hierzu gehört es aus meiner Sicht, daß man den Blickwinkel des Lesers annimmt und die eigene Motivation und Bedürfnisse kritsche hinterfragt.

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Manu
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Re:

von Manu (03.08.2010, 17:21)
Angelina hat geschrieben:
...Dieter Bohlen.

Ob ihm seine eigene Musik gefällt wage ich zu bezweifelen, aber er trifft zielsicher den Geschmack der Mehrheit. Und darin begründet sich sein Erfolg.


Naja, Bohlens Erfolg ist relativ. Wenn du den Ergeiz hast, das beliebteste Feindbild Deutschlands zu werden, bitte...

Angelina

Re:

von Angelina (03.08.2010, 17:25)
Manu hat geschrieben:
Angelina hat geschrieben:
...Dieter Bohlen.

Ob ihm seine eigene Musik gefällt wage ich zu bezweifelen, aber er trifft zielsicher den Geschmack der Mehrheit. Und darin begründet sich sein Erfolg.


Naja, Bohlens Erfolg ist relativ. Wenn du den Ergeiz hast, das beliebteste Feindbild Deutschlands zu werden, bitte...


Hallo Manu ich denke das Feindbild gegen Bohlen ergibt sich hauptsächlich aus dem Neid der Leute.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (03.08.2010, 17:26)
Nochmals: meine Frage und mein Interesse zielen nicht (!!!) fur die Verkaufschance, sondern auf die Motivation.

Hier geht es gerade nicht um ein wie auch immer geartetes Konsum-Angebot (sei es Disco oder TV & Bohlen) - die meisten von euch haben das ja auch verstanden.

Ich wollte es nur nochmals gesagt haben!

Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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