Überrollt

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enniwann
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Überrollt

von enniwann (04.08.2010, 21:13)
Titel: Überrollt


Der Autor über das Buch:

Ein ganz anderer Blick auf die Szene der "skurrilen Männer am Gleis mit der Digitalkamera". Merke: Trainspotter sind auch Menschen.

Klappentext:

Thomas Meyer ist Single, Eisenbahnfan und kein besonders ehrgeiziger Mensch. Weder diese Tatsachen noch sein wenig aufregendes Berufsleben in einer Postagentur machen ihn wirklich glücklich.
Die meiste Zeit außerhalb der Post verbringt er in "Lokschuppen online", einem Internetforum für Eisenbahnfreaks. Oder mit seinem Kumpel Heiner.
"In solchen Momenten wurde ihm erschreckend deutlich, daß dies hier (blieb er metaphorisch seinem Hobby treu) eine Endstation war, ein Kopfbahnhof, geradeaus ging es einfach nicht weiter. Entweder er drehte die Richtung seines Lebens um, oder er würde hier am Prellbock in Gestalt einer Theke mit eingebauter Paketwaage zusammenrosten. Aber er brachte einfach mal wieder nicht die Energie auf, etwas zu ändern."
Als ein anderer Bahnfan beim Fotografieren unter einen Zug gerät, wird das dröge Dasein des Thomas Meyer mit einem Mal mörderisch aufregend.Ein Krimi nicht nur für Eisenbahnfreaks, Trainspotter und Bahnfuzzies.

Inhalt:

Hallo liebe BoD-Gemeinde, auch ich habe mich mal an einem Buch versucht (nachdem ich an sich eher an der Herstellung von Büchern beteiligt bin... cool5 )

Eine längere Leseprobe als PDF gibt's auf meiner Autorenwebsite: http://enniwann.jimdo.com/

Leseprobe 1. Kapitel:

So richtig gehörte er nicht dazu. Auf keinen Fall.
Irgendwie natürlich schon, aber in Momenten wie diesem gewann eindeutig das Fremdschämen die Oberhand über die Begeisterung. Aber es war jetzt auch sinnlos geworden, weiterzuschlendern und so zu tun, als ob es ihn nur zufällig hierher verschlagen hatte. Seine Fotoausrüstung sagte ganz deutlich etwas anderes. Und so konnte Thomas nur hier am Gleis 1 des Hauptbahnhofes stehen und mit einer Mischung aus Faszination, Scham und Abscheu auf den dicken Schwätzer an der Dampflok blicken:
Der korpulente Mann im merkwürdig gemusterten Polyesterpulli hatte eine Art »Feldherrenhaltung« eingenommen: Er stand hoch aufgereckt auf einem imaginären Hügelchen, das so perfekt »just-in-time« für ihn aus dem Bahnsteig gewachsen zu sein schien, daß es einem Speditionskaufmann die Tränen in die Augen getrieben hätte. Irgendwie schien er tatsächlich zu wachsen, fuchtelte mit der rechten Hand in der Luft herum, während die Linke in die Hüfte gestemmt blieb. Er bildete in seiner gesamten Pose eine burleske Karikatur aufgeblasener Selbstgefälligkeit und redete ohne Punkt und Komma.
Er dozierte über die richtige Behandlung einer Dampflokomotive. Wartung, Pflege und Bedienung. Er tat das nicht in der Funktion eines Museumsführers und auch nicht für jedermann. Er erklärte es den Männern auf der Lok. Zwei gestandenen Sachsen, die Jahre ihres Lebens mit der Wartung, Pflege und Bedienung von Dampflokomotiven verbracht hatten, erklärte ein dicker Schwätzer in Discounter-Klamotten wie man es richtig machte...
Das Lokpersonal riskierte keine Szene, der Lokführer ließ von Zeit zu Zeit ein kleines »Och joh« oder »Nä wohr« in den reißenden Redefluss des Dicken fallen, die darin lautlos und unbeachtet untergingen. Endlich sprang der Zeiger der Bahnsteiguhr auf die volle Stunde, der Abfahrtspfiff des Zugführers brachte in letzter Minute die Erlösung – ein kurzer, scharfer Pfiff aus der Dampfpfeife und die alte preußische Lok zog ihren acht Wagen und sechs Jahrzehnte Eisenbahntechnik umfassenden Zug mit ballernden Auspuffschlägen aus dem Bahnhof.
Thomas blickte dem Zug nach. Wegen diesem Moment war er hergekommen – mal wieder – und mal wieder fragte er sich auch, ob dieses Interesse an Eisenbahnen wirklich eine gute Idee war. Aber wenn dann die Lokomotive an ihm vorbeizog, war der Zweifel für einen Moment vergessen. Man konnte sie atmen hören – und vor allem: spüren. Ja, die Erde hatte für ihn mal wieder gebebt. Die vorbeistampfende Dampfmaschine, sozusagen der Orgasmus des »Ferrosexuellen«, wie jemand die Eisenbahnfreaks mal getauft hatte. Manche hatten das spaßhaft aufgegriffen, andere waren empört über die »schmutzige« Bezeichnung.
Naja, er hatte schon bessere gehabt. Weil er Nichtraucher war, konnte er sich auch die Zigarette danach schenken. Er stopfte die Nikon in die Fototasche und wollte gerade auf den Ausgang zusteuern, da watschelte der Polyesterpulli-Mann direkt an ihm vorbei. Er grinste (weil er immer grinste, vielleicht eine Art Gesichtslähmung...?) und warf ihm ein freundliches »Hallo Thomas, wie geht’s?!« zu.
»Prima, Günni, schlechten Menschen geht’s doch immer gut...« Bevor Günther der Kunstfasermann auch ihm seinen Vortrag über das richtige Nachstellen von Gleitlagern halten konnte, setzte Thomas ein schnelles »...muß mich beeilen, Parkschein...« dazu und entfernte sich glücklich aus der Schweißgeruchzone des Pulloverträgers. Der September, zumindest die erste Hälfte, schien nun wirklich keine gute Jahreszeit für Strickwaren zu sein. Insbesondere wenn man Deo und Duschgel parallel dazu eher vermied.
Thomas machte daher lieber den Umweg über den anderen Ausgang, irgendwie tat ihm der gute Günni ja auch leid, aber mit seiner Labernummer war er einfach eine Schande für die Innung. Oder eher eine der Schanden für die Innung? »Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten« hatte sein Opa immer gesagt. Sicher gab es bei den Eisenbahnfans nicht mehr Spinner als in jeder anderen Spielart menschlichen Interesses. Aber manchmal wurde er das Gefühl nicht los, daß man nur die leicht schrägen wirklich antraf. Oder waren die anderen zu unauffällig – hielten sie sich wegen den paar Bekloppten zurück, so wie er …?
Den Virus wurde er jedenfalls nicht mehr los. Seit er ein kleiner Junge war, hatten ihn die stählernen Ungetüme auf den Schienen fasziniert. Natürlich war die Dampflok die Krone der Schöpfung für den echten Liebhaber. Wer einmal erlebt hatte, wie eine solche Maschine unter Ausnutzung der vollen Kesselleistung, mit fast schon krachendem Bellen Rauch und Abdampf im Takt aus dem Schornstein ausspeiend einen schweren Zug mit einer unglaublichen, sie fast in Stücke reißenden Anstrengung über den Brechpunkt einer Steigung gezerrt hatte, mußte doch einfach verloren sein.
Na schön, es gab genug Leute denen das lebhaft egal war. Besonders weibliche. Trainspotting ist ein ziemlicher Männersport. Frauen trifft man eher als mehr oder minder augenrollende Begleitung ihrer Männer / Freunde / Väter. Um mal einen Automechanikerspruch etwas umzuarbeiten: Sie können die Stimmen der Loks nicht hören. Und wenn doch, neigen sie zu Überkompensation. Thomas erinnerte sich mit Grausen an die Dame, die in einem Internetforum einst das Besserwissen zur Kunstform erhoben hatte.
Ja, Foren. Das größte war »Lokschuppen Online«, auch hier traf man den gesamten Querschnitt der Eisenbahnfreaks an: Vom DIN-normgerechte Korinthen kackenden Nietenzähler bis zum Spaß-an-der-Freud war alles vertreten. Thomas war oft auf »Lokschuppen Online« unterwegs; jeden Tag mal reinschauen, hin und wieder was posten. Für die verschiedenen Spielarten der Ferrosexualität gab es entsprechende Unterforen. »Die Bahn einst« erlaubte nur Bilder und Berichte, die mindestens 15 Jahre alt waren. Im »Eisenbahn im Modell«-Forum schlugen sich für gewöhnlich die Anhänger verschiedener Modellbahnhersteller verbal die Köpfe ein oder entwickelten erstaunliche Verschwörungstheorien was den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang der Modellbahn und ihrer Produzenten anging.
Die Krone der Schöpfung war aber die Abteilung »Bahn im Bild«. Für den Laien eine Möglichkeit, Bilder von Eisenbahnen zu zeigen, funktionierte es in Wirklichkeit viel komplizierter: Man stellte ein Bild ein und präsentierte es mit ein paar Worten. Dann wurde das Bild für gewöhnlich von den ewig gleichen fünf permanent online anwesenden Usern bis zur Unkenntlichkeit zerpflückt. Selten (beispielsweise wenn es ein Bild eines der »Permanentuser« war) gab es ein großes Lobpreisen unter den selbsternannten Experten. Eigentlich ideal um sich das Eisenbahnfotografieren oder zumindest das Vorzeigen der Bilder abzugewöhnen – die diesbezügliche Erfolgsquote von »Bahn im Bild« war auch recht hoch.
Die Bilder, die Thomas heute gemacht hatte, würden niemals den Weg in diese virtuellen heiligen Hallen der Eisenbahnfotografie finden. Das war ihm schon beim Fotografieren klar geworden. Das Licht war nicht absolut ideal, im Schotterbett vor der Lok hatte ein Fremdkörper gelegen, er hatte nicht an die Komposition im Goldenen Schnitt gedacht und der Dampf war auch nicht in die richtige Richtung abgezogen. Das würde bei Newu keine Gnade finden. »Newu« war der Nickname eines Foren-users, der jedes Bild kommentierte. Jedes. Egal ob nachts um drei oder mittags um zwölf eingestellt, spätestens nach ein paar Stunden hatte man seine persönliche und streng subjektive Newu-Kritik weg. Thomas hatte sich zwischendurch mal gefragt, was dieser Newu eigentlich den lieben langen Tag so trieb und war zu wenig anregenden Ergebnissen gekommen.
Inzwischen war er bei seinem Auto angekommen, an dem schon eine Dame Mitte vierzig mit einer Frisur, die wohl ein aufgeplatztes Roßhaarkissen mit Dauerwelle und blonden Strähnen darstellen sollte, und einer dunkelblauen Uniform stand. Ihr Zeigefinger schwebte über dem Touchscreen eines Handheld-Computers, der wie eine zu groß geratene Universal-Fernbedienung aussah, während ihr Blick auf ihrer Armbanduhr festgenagelt war.
»Noch zwei Minuten, ich hab 'ne Funkuhr« sagte Thomas, zeigte auf seine Armbanduhr, stieg ein und fuhr weg.
Ordnungspolizistin Heidrun Gimmler ließ ihren Finger auf die Löschtaste krachen und stellte sich ein paar wirklich unschöne Dinge vor, die sie jetzt gerne mit dem verdammten Arsch mit der Fototasche gemacht hätte, der ihr gerade so nonchalant eine Minute und 56 Sekunden vor Ablauf seiner Parkzeit durch die Lappen gegangen war. Lederriemen, Ketten und eine Peitsche waren dabei noch die harmloseren Gerätschaften.
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Wenn das hier schon das Leben ist, was machen dann die Toten? Wer kennt sich hier aus, wer hilft mir hier raus, aus der Verschwörung der Idioten? (Heinz Rudolf Kunze)

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MarleneGeselle
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Re:

von MarleneGeselle (05.08.2010, 09:12)
Meinen Glückwunsch, das Cover ist super. thumbbup thumbbup thumbbup
Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
www.marlenegeselle.de

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Manu
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Re:

von Manu (05.08.2010, 16:34)
Das Cover ist wirklich geil thumbbup Viel Erfolg mit der spannenden Geschichte.

enniwann
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Danke für die Blumen...

von enniwann (08.08.2010, 22:56)
...aber ich mache sowas auch beruflich, da weiß man dann schon wie es geht. Wenn jemand mal diesbezüglich Hilfe braucht, gerne.
(Wenn er dafür mein Buch kauft... cheezygrin cheezygrin )

Nur zum Aufbau: Das Ursprungsbild habe ich mal spaßeshalber angehängt, es entstand am Südbahnhof in Darmstadt völlig spontan an einem Sonntagnachmittag. Witzigerweise fährt die Lok eigentlich rückwärts... Also kurz das Logo verschwinden lassen, die Loknummer verfremdet, das Rot der Lok aufgesteilt, die Fenster abgetönt und die Lampen von "Schlußlicht" auf "Fernscheinwerfer" umgedingst. Dann in Indesign das Cover aufgebaut gemäß BoD-Angaben. Ferdisch.

(Naja, klingt natürlich bei mir altem Pixelputzer ganz easy... cool1 )

Liebe Grüße,

Harald
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Jariba
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Re:

von Jariba (08.08.2010, 23:41)
Das Cover ist super geworden thumbbup


lg,
jariba

enniwann
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von enniwann (08.02.2012, 20:05)
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