Eine Schnecke ist wohl schneller...

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Kolan

Re:

von Kolan (12.11.2007, 16:06)
Danke! *verbeug* Ich kann manchmal eben recht stur sein.

Wie gesagt, es handelte sich um eine Geschichte/Idee, die ich einfach erzählen mußte. Ich hatte mich da schon ein bißchen drin "verbissen"...
Aber ich kann Dir sagen, als ich da den letzten Satz endlich geschrieben hatte, war das wirklich ein "historischer Moment" für mich. ;-)

LG
Stefanie

Jasmin

Re: Eine Schnecke ist wohl schneller...

von Jasmin (13.11.2007, 19:03)
Bezüglich Erwachsenenliteratur, die über 200 Seiten hinausgeht (es gibt ja leider immer mehr Bücher, die mit gerade mal 180 Seiten als Hardcover erscheinen und als Roman daherkommen und dann für 19,50 verscherbelt werden - und das von großen Verlagen...), bin ich immer skeptisch, wenn ich bei erfolgreichen Autoren lese, dass sie ihre Bücher im ein-Jahres-Takt auf den Markt schmeißen.

Leiser bewahrheitet sich meist meine Skepsis - je schneller ein Buch auf den Markt erscheint, desto schlechter ist es meist. Der Plot wirkt unglaubwürdig, die Charaktere sind nicht gründlich recherchiert oder bleiben zu oberflächlich etc.etc.

In meinen Augen völlig logisch: Selbst Bestsellerautoren, die den ganzen lieben Tag zum Schreiben Zeit haben, müssen sich gewissen Regeln beugen, sprich kein Mensch kann 9 Stunden hochkonzentriert durchschreiben und erwarten, dass dabei qualitativ hochwertige Seiten herauskommen. Selbst wenn ich die gesamte Geschichte im Kopf habe, braucht es einfach eine gewisse Zeit, bis diese Geschichte "wachsen" kann und in ihrer Gänze überzeugend wird. Gebe ich einer Geschichte ihre Zeit, sich zu entwickeln, zu gedeihen, ohne sie zu bedrängen, führt sie mich manchmal in ganz überraschende Richtungen und an logische Ort, deren Besuch ich gar nicht eingeplant hatte.

Stephen King sagte mal "Das Buch ist der Boss", und das finde ich in gewisser Weise richtig. Ich persönlich brauche meist ein dreiviertel Jahr, um die Rohform, will heißen, das Skelett einer Geschichte nieder zu schreiben, wie gesagt, das gilt für Erwachsenenliteratur. Die Korrekturphasen nehmen bei mir meist die längste Zeit in Anspruch, auch weil ich nach der Beendung der Rohfassung das Manuskript meist drei bis vier Wochen ruhen lasse und mich komplett anderen Dingen widme, um innerlich von dem Buch Abstand zu gewinnen.
Bei der nachfolgenden Korrekturphase (meist 1 am Bildschirm und die 2. in der Papierfassung) führt diese längere Abstinenz dazu, dass ich bei den vor mir liegenden Seiten das Gefühl habe, die Geschichte zum ersten Mal zu lesen. Diese Distanz, dieses Gefühl, etwas komplett neues, eine Geschichte von jemand Fremden zu lesen, stellt sich bei mir nur nach einer derartig langen Ruhephase ein, die einen ganz neuen Blick auf die Geschichte ermöglicht, einen Blickwinkel, der einem meist verloren geht, wenn man Tag ein, Tag aus nur mit dem Manuskript beschäftigt ist und die nötige Distanz und den objektiven Blickwinkel längst verloren hat.

Beim Korrekturlesen versuche ich dann meist, die Sache zügig durchzuziehen, damit die "Stimmung" des Buches aufrecht erhalten bleibt. Parallel dazu bekommen zwei, drei Erstleser, die sich nicht scheuen, mir ihre Meinung direkt ins Gesicht zu knallen, eine Korrekturfassung zum Probelesen. Das sollte man aber nur machen, wenn man wirklich Leute hat, die imstande sind, einem ehrlich die Meinung zu sagen. Familienmitglieder oder enge Freunde eignen sich meist nicht dazu. Auch hier kann ich nur sagen, hat mir eine derartige "Drittmeinung" schon das eine oder andere LKW-große Loch in einer Handlung offenbart. Auf meine Erstleser möchte ich nicht mehr verzichten.

Wer sich generell mit den Themen Schreiben, Korrigieren, Handwerk des Autorenberufs auseinander setzen und dabei auch noch unterhalten werden möchte, dem sei das Buch "Das Leben und das Schreiben" von Stephen King wärmstens empfohlen. Keine Angst: Man muss keine Horrorliteratur mögen (diesen Markt bedient King ja schon seit Jahren nicht mehr wirklich, er ist mehr der spannende Mainstream Mann geworden), um seine unterhaltsamen Anekdoten und Tipps über das Schreiben zu mögen. Ich habe bereits einige dieser "Wie ich einen verdammt guten Roman schreibe"-Bücher von sogenannten Bestsellerautoren gelesen, von denen ich merkwürdiger Weise nie gehört habe, aber keines dieser Bücher war auch nur annähernd so unterhaltsam und lehrreich und gut wie Kings Buch. Für mich ist "Das Leben und das Schreiben" meine "Bibel." Ich habe darin Dinge gelesen, gelernt, erfahren, die man mir nirgendwo anders gesagt hat und die ich nicht mehr missen möchte. Das Buch ist quasi ein kostenloser Crash-Schreibkurs, von einem Mann, der weiß, wovon er redet.

hwg
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Re:

von hwg (13.11.2007, 19:44)
Nicht weniger unterhaltsam und aufschlussreich als Kings "Das Leben und das Schreiben" ist meiner Meinung nach "Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt" (Diogenes Verlag) von Patricia Highsmith.

Interessant ist vor allem der Vergleich des Inhalts der beiden Bücher, jedenfalls animiert das eine wie das andere zum Schreiben, auch wenn man nicht alle Ratschläge befolgen will - und auch nicht unbedingt soll.

Es sind ja auch nicht Ratgeber im üblichen Sinn, sondern Darstellungen individueller Zugänge zu literarischer Arbeit und deren Begleitumstände.

Auf jeden Fall lesenswert, auch wenn man als Autor andere Genres "bedient".

Versailles
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Re:

von Versailles (14.11.2007, 14:35)
Hallo zusammen,

für die Comtesse habe ich insgesamt 4 Jahre gebraucht: von der ersten Idee, der Entwicklung des Handlungsrahmens und der Charaktere etc. bis zum vollendeten Text. Im Sommer 2006 war ich fertig. Danach ruhte sie bis Januar '07 und im Juli war das Referenzexemplar gedruckt.
Ich habe es - denke ich - schon einmal im Forum beschrieben: Die meisten Szenen habe ich nachts und am Wochenende in den Computer getippt. Sehr, sehr viel Zeit verging in Bibliotheken, in Gesprächen mit Menschen und im Internet. Ausserdem habe ich noch meinen Brotberuf, der auch einige Male gelitten hat - ebenso wie das Schreiben in der ganzen Zeit auch mal der tägl. Arbeit geopfert werden musste.
Während der Überarbeitungsphase ging es mir wie Bärentante: vieles wurde mechanisch erledigt, da sich meine Gedanken nur noch um die Geschichte drehten.

Die Kurzgeschichten, die ich schreibe, entstehen zwar oft aus einem Impuls heraus, werden aber strukturiert. Ich möchte erst schreiben, wenn mir der Protagonist bekannt ist, ich ein Bild von ihm/ihr habe und die passende Vita entwickelt wurde. Ausserdem muss mir das Ende gefallen.
Dann kann eine Geschichte auch mal an einem Wochenende entstehen. Die Überarbeitung zieht sich dann schon mal 1-2 Wochen hin, aber ich sehe es wie Matthias: es besteht durchaus die Gefahr des "verschlimmbesserns":
Ich stelle bei anderen Texten von mir oft fest, dass alles nachbearbeitete, gefeilte, veränderte und umgeschriebene weniger Esprit oder Qualität besitzt als der "erste Wurf", der "nur" auf offensichtliche Fehler hin korrigiert werden müsste...


Ich habe gelesen, dass bisher alle Zeitschreiber dabei waren: die "Sprinter" mit weniger Rechercheaufwand, die "Mittelstreckenläufer" und "Langstreckenjogger" (wie Kolan). >>>>>> Ich meine, dass jeder Text die nötige Zeit beanspruchen sollte, um reifen zu können und dass nicht jeder Schnellschuss gleichzeitig einen Mangel an Qualität bedeutet. Wenn aber Profis unter Zeitdruck 'produzieren' müssen und beim Leser der Eindruck entsteht "Jetzt musste er aber zum Ende kommen", ist es schade um die Zeit, die dieser Text nicht reifen durfte.
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
www.comtesse-heloise.de

Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

hwg
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Re:

von hwg (14.11.2007, 15:14)
Die Meinungen der Leser erreichen mich sehr selten. Für die Annahme meiner Texte sind die Redakteure zuständig. Und die werden wohl wissen, was sie ihrem "Publikum" zumuten dürfen :lol: .

Was hilft der "reifeste" Text, wenn der Leser dafür möglicher Weise gar "nicht reif genug" ist? :roll:

Wüsste ein Autor stets, was "wirklich ankommt", würde er sich garantiert danach richten - außer es ist ihm völlig egal, ob das von ihm Produzierte überhaupt von mehreren Leuten gelesen wird. Manchmal entsteht bei mir dieser Eindruck... :lol:

Pliekolus
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Pliekolus. Im Bann der Schnecke ;-))

von Pliekolus (27.11.2007, 12:44)
Halli hallo,
wie du am Titel schon siehst, ging es bei mir auch nciht ohne diverse Schnecken zu.

1993-2004: Sammlung von Ideen
2004 : 4 Monate gesamten Roman auf über 700 MS aufgeschrieben
2004-2007: Korrektur, Verbesserung, Kürzen, Polieren

Ich würde sagen, das entspricht 14 Jahren, wobei nur knapp 3 dann richtig intensive Arbeit waren.

Ein Buch wird immer besser und besser, bevor du es irgendwann gar nicht mehr verbessern kannst (denkst du).
Sobald du es in den Händen hältst, siehst du erste Fehler und könntest wieder verbessern.

Ich denke, fürs erste Buch sind 3 Jahre in etwa die Norm.
Andreas Eschbach schreibt lt. eigenen Aussage immer noch ca. 2 Jahre an einem Roman. Wobei er viele Bücher gleichzeitig schreibt.

Lieben Gruß Jacqueline

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Zoba
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Re:

von Zoba (27.11.2007, 13:02)
Hi,

die Geschwindigkeit ist abhängig von der Art der Idee.

Einige davon sind plötzlich "da", komplett vorhanden bis in tiefe Details. Eine solche war das Drehbuch für den Nicholl-Wettbewerb, das ich in 1 Woche schrieb (und dann 6 Monate lang überarbeitete und feilte dozey: ).

Andere Ideen erfordern ausgiebige Recherchen, z.B. stecke ich derzeit immer noch nur in den Recherchen für den halb-historischen Roman und das seit über einem Jahr und werde wohl noch eine Weile dazu brauchen, bevor ich einen Schritt vorwärts machen kann.

Sachbücher/-themen kann ich "abarbeiten", jeden Tag 10-12 Seiten, dann die Illustrationen, dann daran feilen - definitiv ziemlich rasche Genese.

Alles nichts gegen meine Bilder cheezygrin Da sind 3-4 Jahre eher die Norm als die Ausnahme.
Gruß,

Zoba

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Zoba
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Re:

von Zoba (27.11.2007, 13:04)
Hi nochmal,

bzgl. des Kommentars der 1 Jahres-Turnusschreiber:

Ich bin hingerissen von Dick Francis, sein Turnus war stets ein Buch pro Jahr. Jedes Buch war erstklassig und in der Regel waren die folgenden noch besser als die Vorgänger.

Allerdings arbeitete er meines Wissens als Duett mit seiner Frau zusammen, jetzt mit dem Sohn.
Gruß,



Zoba



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Re:

von Speedy (28.11.2007, 09:07)
Mein erster Krimi ist mehr oder weniger aus Zufall entstanden. Ich hatte gerade die Arbeiten an einem Sachbuch abgeschlossen und das Manuskript einem Experten vorgelegt, um sachliche Fehler zu vermeiden. Der liess sich dabei viel Zeit (was sich auch gelohnt hat) und mir wurde die Zeit lang. In dieser Situation erzählte mir eine Bekannte, dass sie gerne mal einen Krimi schreiben würde und ich fragte mich, ob ich das auch könnte.

Der Plot fiel mir recht schnell ein und ich legte los. Pro Tag schrieb ich 1-3 Kapitel und während ich abends die letzte Runde mit meinem Hund ging,kamen mir jeweils die Ideen für den nächsten Tag. Irgendwann, ungefähr in der Mitte des Buchs verselbstständigte sich die Handlung dann und führte mich nach 2 1/2 Monaten zu einem auch für mich überraschenden Ergebnis.

Deutlich mehr Zeit als das Schreiben selbst nahm dann die Korrektur in Anspruch. Ich gab das Manuskript mehreren Bekannten und trotz Word-Rechtschreibprogramm kamen immer wieder Fehler zum Vorschein. Letztendlich habe ich für das Buch dann von Anfang April bis Mitte November gebraucht.

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PvO
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Re:

von PvO (28.11.2007, 10:39)
Für meine ersten Romane hab ich je drei Monate gebraucht. Dazu muss ich sagen, dass ich selbständiger Unternehmer bin und auch noch weitere Hobbys habe, sowie Haus, Familie, Garten und zwei Hunde. Am längsten habe ich am 7. Roman gearbeitet. Drei Jahre. Das lag aber daran, dass ich selbst nicht vom Konzept überzeugt war.
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Hes
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Re:

von Hes (28.11.2007, 14:46)
Hallo,

ich bin gerade dabei mein erstes Buch zu schreiben: ein Gedichtband. Wenn ich mir überlege, wie alt einige Gedichte in diesem Band sind, dann schreibe ich mein Buch theoretisch seit 7 Jahren.

Praktisch würde ich nur die Zeit ansetzen, nachdem ich mich entschieden habe, wirklich ein Buch zu schreiben, dann wäre das jetzt vermutlich etwas mehr als 1 Jahr, denn am 05.01.2007 habe ich einen BOD Verlag angeschrieben, um ein paar Fragen zu klären, die ich mir anhand der Website nicht beantworten konnte.

Natürlich könnte alles viel schneller gehen, doch auch bei einer 40 Stundenwoche möchte ich auf soziale Kontakte nicht verzichten. Gedichte lassen sich eh nicht erzwingen. Entweder sie sind da oder nicht. Gezwungene Gedichte klingen auch genauso.

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich meine Gedichte überhaupt veröffentlichen sollte. Wer liest schon Lyrik? Ich habe genau ein Regal bei Hugendubel gefunden. Eins! Trotzdem bin ich inzwischen so von meinem Projekt überzeugt, dass ich mein Buch sogar an ein paar "echte" Verlage geschickt habe, von denen ich weiß, dass sie auch Lyrik verlegen.

Soweit meine Geschichte - Hes

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