Kai und der Ponyhof

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Manuel Magiera
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Kai und der Ponyhof

von Manuel Magiera (05.10.2010, 11:25)
Titel: Kai und der Ponyhof
Autor: Manuel Magiera

Verlag: www.tredition.de
ISBN: 976-3-86850-482-8
Seiten: 84
Preis: 10,49€

Der Autor über das Buch:

"Kai und der Ponyhof" heißt der erste Teil einer wunderschönen Kindergeschichte über den Reitsport, in die erstmalig auch die Reitlehre integriert wurde.
Die kleinen( und großen) interessierten Leser fiebern also nicht nur mit ihrem Helden, dem neunjährigen Kai mit, wenn er für seine Turniere trainiert und seine ersten Erfolge im Springparcours feiert, sie lernen auch gleichzeitig den richtigen Umgang mit ihrem Pony und die wichtigsten Fachbegriffe aus dem Pferdesport.

Die Idee dieser neuartigen Form eines Pferdebuchs für Kinder konnte entstehen, weil der Autor selbst passionierter Reiter ist. Pferdegeschichten sind in der Regel "niedlich" und lassen die Reitlehre außen vor. Die Fachbücher der FN sind für kleine Kinder im Vorlesealter noch nicht geeignet und werden auch von den Größeren nur gelesen, wenn es ums Lernen für eine Prüfung geht. Mit "Kai und der Ponyhof" beginnt nun eine Fortsetzungsreihe, die die Entwicklung des neunjährigen Jungen zum erfolgreichen Springreiter (das ist ein weiter Weg!) thematisiert und gleichzeitig auch die Entwicklung eines Fohlens zum fertigen Turnierpony in kindgerechter einfacher Sprache beschreiben wird.

Menschliche Aspekte, wie die Behinderung der kleinen Katja, sollen Kinder unterschiedlicher Herkunft (das wird Thema der nächsten Bände sein) und gesunde sowie behinderte Kinder zu einem normalen Miteinander bewegen. Es wird deswegen nicht nur erzählt, was alles zum Basispass Pferdekunde gehört. Katjas Behinderung ist für die Richterin kein Hindernis, ihr die Teilnahme am Lehrgang und an der Prüfung zu ermöglichen. Im Gegenteil! Gerade für Menschen mit Behinderungen stellt der Pferdesport und der Umgang mit Pferden ein wichtiges Hilfsmittel dar und natürlich darf auch der Hinweis auf die Paraolympischen Spiele in diesem Zusammenhang nicht fehlen.

Integration, Hilfsbereitschaft, Achtung und Respekt vor dem anderen und der Kreatur sind neben der Erziehung zu verantwortungsvollen, vernünftigen jungen Menschen Verhaltensweisen, welche der Autor Kindern und Jugendlichen nahe bringen möchte, weil er sie für unabdingbar in unserem menschlichen Zusammenleben hält. Die zauberhafte Pferdegeschichte wird ergänzt durch den zweiten großen Roman des Husumers, welcher durch den Gewinn eines Wettbewerbs zum Schreiben kam.

"Untersuchungshaft und Jugendgefängnis" ist ebenfalls auf www.tredition.de erschienen und richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahre und Erwachsene.

Klappentext:

Der kleine Kai bekommt zu seinem neunten Geburtstag ein Fohlen geschenkt.
Er reitet sehr gut und träumt davon ein großer Springreiter, wie sein Onkel Jochen, dem der Ponyhof gehört, zu werden.
Sein Fohlen „Alexander“ heißt in den Papieren „Cephalos“ , in Anlehnung an das Pferd Alexanders des Großen „Bukephalos“.
Spielerisch erlernt Kai alles Wissenswerte über den Umgang mit Pferden, der Haltung und der Zucht. Sein Onkel Jochen besitzt einen Reitstall und fördert den kleinen Jungen mit allen Kräften.
„Alexander“ lernt ebenfalls, was zu einem Pferdeleben dazugehört. Er muss ein Halfter tragen und seine Hufe geben. Natürlich wird er beim Verband als Deutsches Reitpony eingetragen und erhält seinen Fohlenbrand.
Kai nimmt zusammen mit seiner neuen Freundin, der achtjährigen Katja,
erfolgreich am Lehrgang „Basispass Pferdekunde“ teil. Katja ist nach einem Unfall querschnittgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie kommt zum therapeutischen Reiten auf den Hof. Kai erfährt, dass Katjas Mama nach dem Autounfall noch im Koma liegt und versucht liebevoll, dem kleinen Mädchen zu helfen.
Katja gibt sich die Schuld am Unfall, weil sie sich mit ihrer Mutter gestritten hat. In einfühlsamer Weise, kindlich und christlich denkend, schafft es Kai, seiner Freundin wieder neuen Lebensmut zu geben und trägt so maßgeblich zu ihrer Genesung bei. Er darf mit seinem Pony „Lonzo“ zum Springturnier fahren und feiert seine ersten Erfolge.

Inhalt:

3. Kapitel Kai und Katja

Kais Onkel steht im Pferdestall und legt der Norwegerstute Bella gerade eine Decke und einen Gurt auf, als Kai in den Stall gelaufen kommt.
„Oh, ist heute wieder Therapiestunde?“, fragt er den Onkel.

Bella steht ganz ruhig angebunden an einem Pfeiler. Onkel Jochen zieht den Gurt fest und blickt auf. „Ja“, antwortet er und schaut Kai freundlich an. "Wir haben eine neue Patientin. Es wäre schön, wenn du uns helfen könntest. Das kleine Mädchen ist acht Jahre alt und nach einem Unfall gelähmt. Die Hippotherapie kann ihr vielleicht helfen!“

„Hippo? Was?“ Kai kann mit den Fremdworten seines Onkels noch nicht viel anfangen.
„Das heißt nur „Reittherapie“ und ist nichts anderes, als das, was ich zusammen mit Frau Kramer jeden Mittwoch mache.“
Herr Asmussen lacht.
„So, Bella ist fertig. Bringst du sie bitte in die Reithalle. Unsere Gäste müssten schon da sein.“

Kai stellt sich auf Bellas linke Seite und nimmt die Zügel zusammengelegt in die rechte Hand. Bella ist ein ausgebildetes Therapiepferd. Sie ist sehr ruhig und lieb. Onkel Jochen hat die alte Stute vor einigen Jahren zufällig entdeckt und einem Bauern abgekauft. Für die Reittherapie mit kranken und behinderten Kindern und Erwachsenen sind nur ganz ruhige und brave Pferde geeignet und Bella erfüllte diese wichtigen Anforderungen auf Anhieb.

Kai führt die falben farbige Stute mit dem schwarzen Aalstrich auf dem Rücken in die kleine Reithalle. Auf dem Hof gibt es neben einem Außendressur- und einem Außenspringplatz auch zwei Reithallen. Die kleinere von beiden ist dem Longieren der Pferde vorbehalten. Auch die Reittherapie findet dort statt.
Eines der Mädchen mit Namen Susanne longiert gerade ihr Pony auf der linken Hand, als Kai eintrifft. „Oh, dann müssen wir wohl nach draußen gehen“, meint sie, als sie Bella erblickt und lässt ihr Pferdchen auf dem Zirkel anhalten.
Dann legt sie nacheinander die Longen Schlaufen in ihre rechte Hand, klemmt sich die Longier- Peitsche unter den linken Arm und verlässt nach dem üblichen „Tür frei“ die Halle.
„Danke, Susanne“, sagt Onkel Jochen und nickt ihr zu.
Er nimmt Kai die alte Stute ab und beginnt auf dem oberen Zirkel mit der Longen- Arbeit. Während der Reittherapie darf aus Sicherheitsgründen niemand anderes die Halle benutzen.
Kai sieht, wie ein Auto auf den Hof fährt.
Ein Mann in einem braunen Anzug steigt aus und hilft einem kleinen Mädchen in den Rollstuhl, den er aus dem Auto gehoben hat. Kai läuft sofort zu ihnen.

„Hallo, ich heiße Kai. Meinem Onkel gehört der Reiterhof. Sollst du heute auf Bella reiten?“, fragt er neugierig das kleine Mädchen.
„Guten Tag, Kai, ich bin Frank Schmitz und das ist meine Tochter Katja.
Magst du uns helfen?“ ,der ältere Mann schaut Kai freundlich an. Kai lacht und antwortet postwendend. „Ja, gerne, darf ich dich schieben? Ich kenne das. Frau Kramer kommt jeden Mittwoch mit kranken Kindern zu uns. Mein bester Freund heißt Moritz und er kann auch nicht laufen und muss im Rollstuhl sitzen. Mein Onkel ist in der Halle. Bella soll sich erst lösen.“
Kai tritt hinter den Rollstuhl und schiebt Katja zur Reithalle.
Der Weg ist etwas holprig, aber das scheint das kleine Mädchen nicht zu stören.

Frau Kramer begrüßt Herrn Schmitz und seine Tochter. Sie ist Krankengymnastin und hat eine Zusatzausbildung für die Reittherapie gemacht.
„Bist du schon einmal geritten?“, fragt sie Katja. Das Mädchen schüttelt den Kopf.
„Pass auf, wir machen das so. Kai setzt sich gleich auf Bella und dann siehst du schon, dass sie ganz lieb ist und du keine Angst vor ihr haben musst. Dann kommt Herr Asmussen mit ihr zur Rampe und wir fahren dich mit dem Rollstuhl dort hin. Kai steigt ab und ich übernehme seinen Platz. Dein Papa und Herr Asmussen helfen uns, dich aufs Pferd zu setzen und ich halte dich fest. Kais Onkel führt Bella dann am langen Zügel von hinten.
Wir machen das regelmäßig so. Bella ist ein ausgebildetes Therapiepferd und wirklich ganz brav.“ Sie schaut Katja aufmunternd an.
Das Mädchen mit dem blonden Pferdeschwanz nickt.

Einen Augenblick später sitzt sie zusammen mit Frau Kramer auf dem Rücken der alten Stute. Ihre traurigen Augen beginnen zu glänzen, aber sie spricht noch immer kein Wort.

„Das Tier überträgt Schwingungen, die der Beckenbewegung beim menschlichen Gang entsprechen. Der Reiter reagiert passiv auf die Bewegungsimpulse. Die Muskeln entspannen sich und wir können dadurch neurologische Bewegungsstörungen gut behandeln“, erklärt Frau Kramer Herrn Schmitz.
Kai hat nichts davon verstanden, aber er spürt genau, dass Katja traurig ist. Plötzlich leuchten seine Augen. Er hat eine Idee.
„Darf ich Katja nachher Alexander zeigen?“, fragt er den Onkel.
„Warum nicht, aber nur, wenn sie das auch möchte“, antwortet dieser.

„Wer ist Alexander?“ Katja hat das erste Mal seit einer halben Stunde gesprochen.
„Er ist ein Fohlen und macht nur Unfug“, erzählt Kai.
Als Katja wieder in ihrem Rollstuhl sitzt, fahren die beiden Kinder los. Schneeflocke und Alexander laufen auf der kleinen extra für sie eingezäunten Weide vor dem Bauernhaus.
Der Esel Bastian meldet Kai und seine kleine Freundin lautstark an. „Iaaa!“ tönt es von der Weide gegenüber.
„Was war denn das? “ Katja hat sich vor lauter Schreck erst einmal die Ohren zugehalten.
Als sie in die großen Eselaugen blickt und daneben auch noch das kleine Shetland Pony Peter stehen sieht, lacht sie aus tiefstem Herzen auf.

„Ich hatte schon gedacht, du kannst gar nicht richtig fröhlich sein und lachen“, meint Kai.
„Komm, Alexander, begrüße Katja.“ Katja sieht das kleine putzige Fohlen mit erstaunten Augen an. Alexander galoppiert gleich auf Kai zu, als er seinen Spielkameraden erblickt. Zärtlich stupst er ihn mit den Nüstern an und macht dann ein paar kleine Bocksprünge. Kai lacht.
„Das heißt, lass uns toben und raufen“, erzählt er Katja.
Das Mädchen schaut strahlend auf den kleinen Hengst.
„Wem gehört er?“

„Mir“, antwortet Kai stolz. „Er ist ein Deutsches Reitpony und ich habe ihn letzte Woche geschenkt bekommen. Er wurde in der Nacht zu meinem Geburtstag geboren. Denk nur, ich habe im Stall neben Schneeflocke geschlafen und nichts gemerkt. Plötzlich war er da.
Er ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk.“
Katjas Blick wird wieder ganz traurig.
„Was hast du? Gefällt es dir hier nicht?“ Kai sieht sie mitfühlend an. Sie senkt den Kopf und antwortet ganz leise.

„Es ist sehr schön hier, aber meine Mama liegt noch im Koma. Ich darf nicht mehr fröhlich sein, denn ich bin schuld daran.“ Ihre Augen füllen sich mit Tränen.
Alexander und Schneeflocke berühren sie vorsichtig mit den Nüstern.
„Sie liegt wo?“ Kai ist völlig verwirrt. Er möchte ihr so gerne helfen, aber er versteht nicht, was das Wort „Koma“ bedeutet. Katja weint ganz leise.
„Sie schläft und kann nicht aufwachen, vielleicht sogar nie mehr!
Wir hatten einen Autounfall. Mama ist gegen einen Baum gefahren. Ich saß hinten und wurde eingequetscht. Die Feuerwehr hat uns aus dem Auto befreit und dann wurden wir ins Krankenhaus gebracht. Ich durfte letzte Woche wieder nachhause, aber Mama liegt noch auf der Intensivstation.“
Kai hat liebevoll seinen Arm um sie gelegt und streichelt ihre Wangen. „Sie wird bestimmt wieder gesund und du auch!“, versucht er sie zu trösten. „Aber warum glaubst du, dass du an dem Unfall schuld bist, wenn du nur hinten gesessen hast?“, fragt er.
„Wir haben uns gestritten und ich war sehr böse zu Mama.
Deshalb konnte sie nicht genug aufpassen. Plötzlich lief ein großes Reh über die Straße und danach weiß ich nichts mehr. Ich erinnere mich noch, dass die Feuerwehr kam und die Polizei auch. Als ich nach der Operation wach wurde, saß Papa weinend an meinem Bett.
Was soll ich nur tun, wenn Mama nie wieder aufwacht?“, schluchzt sie verzweifelt.

Kai hat aufmerksam zugehört. Dann schüttelt er den Kopf.
„Also ich glaube nicht, dass du Schuld an dem Unfall bist, auch wenn ihr euch gestritten habt. Onkel Jochen und Opa Hannes schimpfen auch manchmal miteinander, wenn wir zur Fohlen- Schau oder zum Turnier fahren und Onkel Jochen passt trotzdem immer auf den Verkehr auf.
Große können zwei Sachen gleichzeitig machen, die müssen, bevor sie Auto fahren dürfen, erst zur Fahrschule!“
Katja schluchzt noch immer, aber sie hält einen Augenblick inne. „Meinst du wirklich?“, schaut sie Kai fragend an.
„Ganz sicher“, antwortet er.
„Schau, Alexander und Schneeflocke sehen das genauso. Sie wollen mit dir schmusen!“

Alexanders Kopf liegt auf Katjas Schoß. Die großen Fohlenaugen tun so, als ob sie kein Wässerchen trüben können. Zärtlich streichelt Katja den schwarzen Hals des kleinen Frechdachses. Er hebt den Kopf, wiehert und hüpft dann mit großen Bocksprüngen auf allen vier Beinen gleichzeitig über die Weide.
Katja hat ein Taschentuch aus ihrem Beutel genommen und wischt sich lachend übers Gesicht. Kai überlegt.
„Du sag mal, hast du eigentlich schon gebetet?“, fragt er die verdutzte Katja.
„Ge? Was?“ Jetzt ist das Erstaunen auf ihrer Seite.

„Also, wenn ich traurig bin oder Sorgen habe, dann bete ich immer und bitte das Jesuskind um Hilfe!“, erklärt er.

„Und das funktioniert?“

„Meistens. Ich glaube, Jesus hilft nur nicht so gerne, wenn wir an unseren Problemen selbst schuld sind oder uns eigentlich selber helfen könnten.
Wenn ich zum Beispiel wieder mal meine Hausaufgaben vergessen habe und kurz vor der Stunde bete, dass die Lehrerin mich nicht drannimmt, dann geht das meistens schief. Aber als ich die Windpocken hatte, da ging es mir nach dem Gebet ganz schnell besser.
Und als Onkel Jochen von Cäsar abgeworfen wurde und ins Krankenhaus musste, da habe ich auch für ihn gebetet. Tante Monika durfte ihn schon am Abend wieder abholen, denn es war nichts gebrochen.“

„Dann versuche ich das mal. Vielleicht hilft er mir ja auch und meine Mama wird wieder gesund. Ach Kai, ich bin ja so froh, dass ich dich kennen gelernt habe. Ich muss jetzt sicher öfters zur Reittherapie kommen und dann können wir uns immer sehen.

Papa wird warten. Fährst du mich zum Auto? Auf Wiedersehen, Alexander, auf Wiedersehen Schneeflocke und Bastian.“
Katjas Stimme klingt auf einmal fröhlich und zuversichtlich.
Herr Schmitz wirft Kai einen dankbaren Blick zu, als sie beim Auto ankommen.
„Magst du Gummibärchen, Kai?“, fragt er.
„Aber natürlich“, lacht Kai.
„Gut, dann bringen wir nächstes Mal eine Tüte mit.“ Herr Schmitz schaut seine Tochter liebevoll an.
„Und Leckerlis für Schneeflocke!“, ruft Katja und winkt Kai mit strahlenden Augen zu, als das Auto vom Hof fährt.

Zweite Leseprobe

Als zwei junge Mädchen kommen und ihre Pferde für die Reitstunde satteln wollen, geht auch Kai zu Lonzo und führt ihn aus der Box. Mit dem Führ strick bindet er den Wallach an einen der Pfeiler. Lonzo ist manchmal sehr frech zu seinen Reitern und buckelt gerne.
Wenn die kleinen Jungen und Mädchen ihn dann nicht sicher aussitzen und ihr Gewicht ausgleichen können, fallen sie sehr schnell herunter. Kai hat sich bisher gut gehalten und sich immer durchgesetzt.
Er nimmt den Striegel und beginnt von der linken Halsseite ausgehend das Fell zu putzen. Lonzo wälzt sich oft auf der Weide und sieht dann leider immer entsprechend aus. Nach zehn Minuten hat Kai auch die helle Mähne einmal durchgekämmt und die Hufe ausgeräumt. Er holt den Sattel und das Zaumzeug aus der Sattelkammer.

Lonzo muss ein Martingal über dem Hals tragen. Es wird unten am Bauch mit einer Schlaufe über den Sattelgurt gezogen. Das kleine freche Pony schlägt gerne beim Springen mit dem Kopf und der Hilfszügel hindert es daran. Zum Schluss holt Kai noch die Gamaschen und die Sprungglocken für die Vorderbeine aus seinem Schrank. Er geht einmal ganz um sein Pferdchen herum und legt die schützenden Gamaschen oberhalb der Fesseln um jedes Bein.
Lonzo soll sich ja nicht weh tun, wenn er mal an ein Hindernis stößt.
Ein paar Minuten später sind Ross und Reiter fertig für die Unterrichtsstunde. Kai schiebt noch eben seine kleinen Sporen über die Stiefeletten und hätte beinahe wieder seinen Helm vergessen. Dass ist eigentlich beim Reiten das Wichtigste. Immer muss ein Helm mit einer Dreipunktbefestigung auf dem Kopf sitzen!
Onkel Jochen achtet sehr streng darauf, dass die Kinder und auch die erwachsenen Reiter auf dem Hof diese Regel einhalten. Die Unfallgefahr ist sonst einfach zu groß.

Dann verabschiedet sich Kai von Schneeflocke und führt Lonzo in die Springbahn. Er zieht die Zügel durch die Martingal Ringe und lässt die Steigbügel herunter.
Lonzo will wieder nicht artig stehen bleiben und läuft um Kai herum. Der fasst in die wuschelige Mähne und schwingt sich im nächsten Augenblick von der linken Seite auf den Rücken des kleinen Frechdachses.
Am langen Zügel darf Lonzo erst einmal zehn Minuten Schritt gehen. Die Muskeln und Sehnen müssen aufgewärmt werden. Auch Kai muss sich erst lockern und dehnen, bevor er mit dem Sportunterricht beginnt. Das hat er schon in der Schule gelernt.

Abreiten kann er Lonzo natürlich allein.
Er gurtet noch einmal nach und nimmt dann langsam die Zügel auf. Dann trabt er an. Erst geht es ganze Bahn, dann durch die Bahn wechseln, auf dem Zirkel geritten und aus dem Zirkel wechseln. Kai kennt die Bahnfiguren aus den Reitstunden mit Onkel Jochen. Im letzten Jahr hat er schon das Kleine und das Große Hufeisen gemacht.
So nennt man die Motivationsabzeichen, durch die Kinder die ersten Grundlagen über Pferde und Pferdehaltung lernen sollen. In den Sommerferien will Kai auch seinen Basispass machen.
Wenn er den hat, kann er sich zum Reitabzeichen Lehrgang anmelden und dann wird es ernst. Er möchte bald mit Lonzo das erste E-Springen nennen und mit ihm an Turnieren teilnehmen.
Vorher muss er aber noch sehr viel üben und bei seinem Onkel trainieren.

Er galoppiert einige Runden und pariert wieder zum Trab durch. Lonzo muss sich lösen und dabei langsam an das Gebiss herantreten. So hat es ihm der Onkel erklärt. Kai spürt auch, wann Lonzo bereit ist. Er wird ganz weich und leicht in der Hand, wie die Reiter sagen. Erst dann dürfen sie über die kleinen Hindernisse springen.

Onkel Jochen ist sehr zufrieden. Kai sitzt gut und Lonzo macht willig mit. Der 1,38 m kleine braune Wallach hat anscheinend richtig Lust mit Kai über die Hindernisse zu fliegen. Ein paarmal gibt Herr Asmussen seinem Neffen Anweisungen, aber der Parcours scheint für die beiden kein Problem zu sein.

Schnell ist die Stunde zu Ende und Kai reitet seinen Lonzo trocken. Die Reitstunde endet im Schritt genauso ruhig, wie sie begonnen hat.
Dann bringt er Lonzo in den Stall, sattelt ihn ab und räumt wieder die Hufe aus. Das ist wichtig, denn es dürfen sich dort keine Steinchen festsetzen. Die würden dann drücken und eine Lahmheit auslösen. Mit einer Bürste raut Kai noch einmal die Sattellage auf. Kein Pferd braucht Satteldruck zu bekommen. Auch das hat ihm der Onkel ans Herz gelegt. Druckstellen sind stets ein Zeichen dafür, dass der Reiter nicht aufgepasst hat.
Kai bringt seinen treuen Freund in die Box und legt ihm auch noch etwas Heu vor. Zufrieden und dankbar beginnt Lonzo daran zu knabbern.
Nun hat Kai endlich Zeit für Schneeflocke.
Der kleine Junge räumt nur noch seinen Sattel weg, wäscht die Trense aus und putzt die Gamaschen. Als alles wieder an seinem Platz liegt, nimmt er sich Schneeflockes Putzkasten und beginnt, die hübsche kleine Stute zu bürsten.
Sie ist ein Deutsches Reit Pony und war früher einmal mit seiner großen Cousine in der Dressur sehr erfolgreich.

Als es Abend geworden ist, läuft Kai zu Onkel und Tante ins alte Bauernhaus. Er möchte so gerne hier bleiben und über Nacht im Stall schlafen, damit er dabei ist, wenn das Fohlen kommt. Onkel Jochen und Tante Monika, die gerade am Küchentisch die Bohnen schnippelt, lachen. Natürlich haben sie nichts dagegen. Aber nur, wenn es die Mutter erlaubt. Kai darf telefonieren und weil sein Zeugnis so gut ist, gibt auch seine Mutter ihr Einverständnis. Aber sie sagt, er muss unbedingt Tante Monika gehorchen!
Kai verspricht alles, wenn er doch nur bei Schneeflocke bleiben darf.

Um halb zehn kuschelt er sich mit einer warmen Decke in die leere Box neben Schneeflocke ins Stroh. Die Ponys schnauben und knabbern an ihrem Heu. Kai fallen bald vor Müdigkeit die Augen zu. Es ist ganz dunkel geworden und nur der Mond schaut zu dem kleinen Jungen durchs Stallfenster in den Pferdestall hinein.
Auch die Ponys legen sich zur Nachtruhe. Es knistert mal hier und raschelt mal an einer anderen Stelle, doch auch von den kleinen Mäuschen, die im Schutz der Dunkelheit durch den Stall huschen, bekommt Kai nichts mehr mit.
Alles ist ruhig.
Um fünf Uhr wird er plötzlich wach. Es knistert und da bewegt sich etwas in Schneeflockes Box. Müde und verschlafen reibt er sich die Augen. Dann springt er auf.
„Onkel Jochen! Tante Monika! Es ist da! Das Fohlen ist da!“

Kai ist nicht mehr zu halten.
Neben Schneeflocke liegt ein kleines schwarzes Füllen im Stroh, welches sorgfältig von seiner stolzen Mutter abgeleckt wird.
Aufgeregt kommen Onkel und Tante im Nachtzeug in den Stall gelaufen. Onkel Jochen geht sofort in die Box, um Mutter und Kind zu untersuchen. Es scheint alles in Ordnung zu sein.

„Es ist ein gesundes Hengstfohlen“, lacht er zufrieden.

„Er sieht genauso aus wie sein Vater und wird vielleicht auch einmal genauso erfolgreich sein. Wie soll er heißen, Kai? Der Name muss mit „C“ beginnen.
Sein Vater heißt Camillo und Schneeflocke heißt ja eigentlich Candy. In diesem Jahr müssen alle Fohlen mit seiner Abstammung einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „C“ bekommen. So hat es der Verband festgelegt.“
Kai denkt angestrengt nach.

„Ich lese gerade eine Geschichte über Alexander den Großen.
Sein Hengst hieß 'Bukephalos', meint er plötzlich.

„Das geht doch nicht“, entgegnet Onkel Jochen.

„Vielleicht doch“, meldet sich Tante Monika zu Wort.
„Macht doch Kephalos daraus und statt des „K“ nehmt ihr ein „C“. Für die Papiere ist das doch ein toller Name und wenn der kleine Kerl genauso erfolgreich wird, wie Alexander, dann wird Kai sicher viele Preise mit ihm bekommen!“ Sie zwinkert Kai verschmitzt zu.
Dieser schaut seine Tante erstaunt an. Was meint sie damit? Es wird noch drei Jahre dauern, ehe Alexander angeritten werden darf.
Ja, das ist es! Kai hat plötzlich eine Idee.

„Cephalos ist gut und vor allem auch nicht so häufig und ich nenne ihn dann einfach Alexander!“ Er ist ganz stolz auf seinen Einfall.

„So machen wir es!“ Onkel Jochen nimmt Kai an die Hand und führt ihn vorsichtig in die Box. Schneeflocke schnaubt ängstlich. Niemand darf ihrem Fohlen zu nahe kommen. Onkel Jochen führt Kais Hand zu dem Hengst. Zärtlich berührt der kleine Junge den Hals des Pferdchens.

„Herzlichen Glückwunsch zum neunten Geburtstag, Kai!
Das hat ja nun doch sehr gut geklappt, mit deinem Geschenk. Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet. Aber der kleine Alexander wollte dir wohl als erster gratulieren.
Nun habt ihr am selben Tag Geburtstag und wenn deine Freundschaft zu ihm genauso eng und stark wird, wie die des großen Alexander zu seinem Bukephalos, dann habt ihr beiden eine große reiterliche Zukunft vor euch!“
Kai ist völlig verwirrt.
Was hat der Onkel da eben gesagt? Alexander hat mit ihm zusammen Geburtstag und er soll ihm gehören? Ihm ganz allein?

Es dauert einen Augenblick, bis der Junge begriffen hat, dass er soeben Pferdebesitzer geworden ist. Aber dann schlingt er die Arme um seinen Onkel und gibt ihm einen dicken Kuss auf die Wange.
„Danke, Onkel Jochen, danke Tante Monika, dass muss ich gleich Mama erzählen. Ich freue mich so sehr.
Es ist das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich bisher bekommen habe!“
Dateianhänge
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Manuel Magiera gewann 2009 den bookrix-tredition Schreibwettbewerb "Kurioses aus meinem Bundesland" mit seiner aufgepeppten Version der berühmten Nordstrander

Pharisäergeschichte. Auf www.tredition.de wurde von dem passionierten Reiter kurze Ze

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Dark Passion
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Re:

von Dark Passion (07.10.2010, 00:08)
Oh...!

Jemand aus meiner Heimat... und dann auch noch mit einer Pferdegeschichte
:D

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