Begegnung

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Shizi
Beiträge: 16
Registriert: 05.05.2007, 18:03

Begegnung

von Shizi (15.11.2007, 19:43)
Autor: Shizi
Homepage des Autors: http://shizi.myblog.de/
Teil: 1/?
Abgeschlossen: nein
Art: Multipart
Fandom: Original
Rating: PG-12
Yaoi: nein
Warnung: drama / angst
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Disclaimer: Meins!!!
Kommentar: Eine Begenung der etwas anderen Art...

Begegnung

In dieser Nacht bin ich mir selbst begegnet.
Der Mond war hinter den Wolken verschwunden, eine verdeckte Sichel und nur wenige Straßenlaternen spendeten Licht. Eine von ihnen genau vor meinem Fenster, sie warf gespenstische Schatten an meine Wände. Ich sah das Abbild meiner Schreibtischlampe, die Pflanzen auf der Fensterbank waren zu erkennen. Mein Zimmer lag im 1. Stock einer Doppelhaushälfte und war recht klein und in dieser Nacht kam es mir geradezu erdrückend vor. Meinen Vater hatte ich nie wirklich kennengelernt und meine Mutter war diesen Abend zu ihrem Lebensgefährten gefahren, hatte mich wie sooft in letzter Zeit allein im Haus gelassen.

Wie immer wenn ich nachts wach lag, nahm ich alle Geräusche überdeutlich wahr, sah eigenartige Dinge in den Schattengebilden, spürte Gefahr aus der Dunkelheit, drohte mich in den Labyrinthen aus Erinnerungen, Ängsten und Sehnsüchten, die auf mich einstürmten, zu verlaufen. Alles gute Zureden änderte nichts daran. Keine Logik, kein Argumentieren, nur die Geborgenheit. Und genau die fehlte, obwohl sie doch so bitter nötig war.

Ich kämpfte bereits seit über einer Stunde mit mir selbst, konnte mich nicht überwinden, aufzustehen, um meinen körperlichen Bedürfnissen nachzukommen. Unwillen die Wärme des Bettes hinter mir zu lassen, die Tür zu öffnen, die bedrohlich an der gegenüberliegenden Wand lediglich angelehnt war. Auch dazu, sie zu schließen, hatte ich mich nicht überwinden können, als ich es bemerkt hatte.

Inzwischen war es dringend nötig. Einmal tief ein- und ausatmend richtete ich mich auf, um schnell einmal ins Badezimmer zu flitzen. Trotzallem zögerte ich vor der Tür, öffnete sie nur zentimeterweise. Der Flur lag dunkel vor mir, bis ich das große Licht angeschaltete und ich mich von einem Moment auf den anderen geblendet sah. Vergessen. Ich hatte vergessen, dass man sich erst an das Licht gewöhnen musste und war für einige Augenblicke hilflos. Doch es passierte nichts. Was hätte auch passieren sollen?, schoss es mir gleich darauf zynisch durch den Kopf.

Ja und dann bin ich mir selbst begegnet...

-/tbc/-
Zuletzt geändert von Shizi am 03.12.2007, 14:21, insgesamt 1-mal geändert.
failure: Fehlschlag

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Shizi
Beiträge: 16
Registriert: 05.05.2007, 18:03

Re:

von Shizi (03.12.2007, 14:17)
Teil: 2/?


Das Badezimmer lag einige Meter vor mir, die Tür ging rechts vom Flur ab.
Mein kleines Herz raste jetzt förmlich, ich konnte es deutlich in meiner Brust schlagen spüren, bildete mir sogar ein, es zu hören. Mit schweißfeuchten Händen tastete ich mich an der Wand den Flur entlang, wagte trotz des Lichtes nicht, die Verbindung zu lösen.

Als ich das Badezimmer erreichte, stieß ich die angehaltene Luft aus. Zitternd suchte ich mit der Hand den Lichtschalter und langsam wich die Anspannung, als das Bad hell ausgeleuchtet wurde.

Eilig lief ich zur Toilette und ging dem Grund nach, warum ich mir diesen nächtlichen Ausflug überhaupt antat. Es war unnatürlich still, nur die von mir verursachten Geräusche waren zu hören, die Nacht war stumm.

Ich vermied es in die Spiegel zu schauen. Es waren mehrere, meine Mutter mochte es sich aus allen Blickwinkeln betrachten zu können. Ich nicht. Sie machten mir Angst, vorallem nachts. Woher diese Angst kam, wusste ich nicht. So wenig wie den Grund für all meine Ängste. Sie waren einfach da.

Immer wenn ich in den Spiegel über dem Waschbecken sah, bekam ich etwas anderes zu sehen. Es war der einzige Spiegel in den ich unvermeidlich schaute, beim Händewaschen jedes mal, so wie heute Nacht. Müde sah mir mein Spiegelbild entgegen. Um die Mundwinkel einen verbitterten Zug. Das war doch nicht wirklich ich, oder?
"Natürlich, wer sollte es sonst sein!", widersprach ich mir selbst.

Mein Spiegelbild bewegte ebenfalls die Lippen, aber ich hörte nichts.
Es war stumm, wie ich. Ich wünschte, es würde weinen, dann wüsste ich wenigstens, wie es ihm ging. Wenn schon ich so ein Rätsel war.
"Bitte, lass mich was sehen, irgendwas, aber bitte gib mir ein Zeichen!"

Ich wartete lange...

~/tbc/~
Zuletzt geändert von Shizi am 03.12.2007, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.
failure: Fehlschlag

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (03.12.2007, 14:33)
Hallo Shizi!

Toller Text. Wirklich. Wenn ich mich recht erinnere, bist du erst 16?!
Dafür schreibst du wirklich sehr gut und erstaunlich tiefsinnig. Du beschreibst nicht nur treffend, du blickst in die Seelen deiner Prots - das mag ich.

"Wie immer wenn ich nachts wach lag, nahm ich alle Geräusche überdeutlich wahr, sah eigenartige Dinge in den Schattengebilden, spürte Gefahr aus der Dunkelheit, drohte mich in den Labyrinthen aus Erinnerungen, Ängsten und Sehnsüchten, die auf mich einstürmten, zu verlaufen." - Einfach Klasse!!! Da wird man glatt neidisch.

Nur ganz selten hast du mal einen Satz nicht 100%ig formuliert:

"Eine von ihnen genau vor meinem Fenster, sie warf gespenstische Schatten an meine Wände."
Vielleicht so: Eine von ihnen, eine, die genau unter meinem Fenster stand, warf gespenstische Schatten an die Wand meines Schlafzimmers.

Du kannst dir deinen Text selbst laut vorlesen, oft hört man dann, wenn etwas noch nicht sooo gaaanz optimal ist. Na ja gut, wenn dich dann deine Nachbarn hören, wie du mit dir selbst sprichst, könnten sie dich für schizophren blink3 halten, aber hey, das sind Autoren ohnehin alle ein wenig, gell? cheezygrin

Ansonsten und nochmal: Alle Achtung!!!

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Judith
Beiträge: 3903
Registriert: 05.08.2007, 10:45
Wohnort: Schwobaländle

Re:

von Judith (04.12.2007, 00:30)
Ich schließe mich Hakket an. Klasse!

Noch wenige Jahre, dann schreibst du tolle Erwachsenenliteratur.

Grüßle,
Judith
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