Alkohol am Steuer

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Gisela Seeger-Ays
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Alkohol am Steuer

von Gisela Seeger-Ays (18.11.2010, 13:55)
Alkohol am Steuer


Georg trank gern mal einen über den Durst. Seine Frau Julia beklagte sich darüber, denn das passierte viel zu oft. Doch er fand dafür gute Entschuldigungen.
Gleich nach dem Krieg bekam er in Hamburg nämlich nur Arbeit am Bau. Und der staubige Beton machte durstig. Drei Kasten Bier am Tag reichten da nur knapp für die trockenen Kehlen ihrer Kolonne.
Später ergatterte Georg noch eine Lehrstelle bei einer Schiffahrtsfirma. Da ging es ihm auch nicht besser. Denn wer im Hafen zu tun hatte, sollte besser eine gut gemeinte Einladung nicht abschlagen.

Nach seiner Lehrzeit lernte Georg Julia kennen. Sie gingen zusammen, wie man früher eine Beziehung ziemlich prüde umschrieb.
Ohne Vorwarnung bekam Georgs Selbstwertgefühl einen gehörigen Knacks. Er rutschte in eine Polizeikontrolle und musste ins Röhrchen pusten. Das bedeutete für ihn ein langes halbes Jahr Führerscheinentzug.
Er besabbelte Julia danach so lange, bis sie endlich nachgab und sich widerwillig durch die Fahrstunden und die Theorie quälte. Der Prüfer gab ihr den Führerschein mit spitzen Fingern. „Mal sehen, wie lange das gut geht.”
Um dann noch abfällig zu bemerken: „Frauen am Steuer?” Denn in den fünfziger Jahren wagte sich nur selten eine Frau hinter das Lenkrad.
Doch nach der bestandenen Prüfung fing das Elend für Julia erst richtig an. Es gibt ja wohl nichts Schlimmeres als einen frustrierten Mann auf dem Beifahrersitz, dem man die Fleppen abgenommen hat.
Schweißgebadet und völlig verunsichert folgte Julia Georgs Anweisungen und jagte mit hundert Sachen durch die Stadt. So etwas wie Geschwindigkeitsbegrenzung gab es nämlich noch nicht.
Zum Glück ging diese Zeit auch einmal vorüber.
Ein Jahr später heirateten Georg und Julia. Seine angeblich männliche Überlegenheit - das Wort Macho war noch nicht in - nahm Julia nicht ernst. So sahen sich die Männer anscheinend alle. Georg war ja fleißig und schielte nicht nach anderen Frauen. Seine Kneipenbesuche würde sie ihm schon noch abgewöhnen.
Es gab nach dem Krieg kaum Wohnungen. Und ihnen fehlten auch die nötigen Punkte. So kauften sie kurzentschlossen ein Grundstück mit Behelfsheim auf Leibrente. Um die hohe Grunderwerbsteuer zu sparen, bauten sie das Behelfsheim in Eigenhilfe aus. Sie schufteten bis zum Umfallen. Denn die einst so arbeitgeberfreundliche 48 Stundenwoche ließ ihnen nur wenig Freizeit.
Als das Haus fertig war, waren es Georg und Julia auch. Dazu kam, dass Julia nach der Geburt ihres kleinen Sohnes Tom ihre Arbeit im Büro nicht aufgegeben hatte.
Georg besaß einen unangenehmen Fehler. Er ließ sich nichts sagen - auch nicht in seiner Firma. Doch warum musste er seinem Chef gleich voller Wut die Arbeit vor die Füße schmeißen?
Die Dame beim Arbeitsamt hob den Finger. „Tut mir leid. Wer selbst kündigt, wird erst einmal gesperrt.”
Da saßen sie nun - mit noch weniger Geld. Schuld hatten natürlich nur die anderen. Und der Alkoholkonsum stieg mit der schlechten Laune und der Langeweile.
Bis ihn so ein Typ von einer Barkassenfirma überredete, sich selbständig zu machen. Gesagt, getan. Eine weitere Hypothek auf das Haus brachte das nötige Eigenkapital.
Julia gab ihren Job auf und kümmerte sich um die Buchhaltung. Der kleine Tom fühlte sich zum Glück im Kindergarten ausgesprochen wohl. Alles schien sich jetzt positiv zu entwickeln.

Das änderte sich schlagartig nach Georgs wirklich toller Geburtstagsfeier. Alle Gäste waren schon gegangen - bis auf Alfred. Alfred besaß kein Auto. Und der letzte Zug war auch schon weg.
Mit einer gewissen Menge Alkohol im Blut fühlte sich Georg besonders stark. Großspurig sagte er: „Komm, ich bringe dich nach Haus. Für einen Freund tue ich alles.”
Julias Einwände ließ er nicht gelten. Die Männer gingen raus und stiegen ins Auto.
Zwei Stunden später klingelte das Telefon. Julia ahnte gleich nichts Gutes.
Eine barsche Männerstimme herrschte sie an: ”Hier Budapester Wache! Holen Sie Ihren Mann ab. Er darf nicht mehr fahren.”
Julia bestellte ein Taxi. Das Geld fiel nun auch nicht mehr ins Gewicht.
Auf der Wache erfuhr sie, dass ihr lieber Mann die Straßen mit 2.2 Promille unsicher gemacht hatte. Schon fast wieder zu Hause war er in eine Kontrolle geraten. Auf jeden Fall blieb Georgs Führerschein gleich bei den Akten. Jetzt durfte Julia neben der Arbeit im Büro und im Haus auch noch den Chauffeur spielen.
Aber bei dem unvermeidlichen Ausflug mit den Schwiegereltern setzte sich Georg trotz Julias Gezeter selbst ans Steuer. Die sollten doch nichts merken.
Die Gerichtsverhandlung versetzte ihnen einen Tiefschlag. Denn in diesem Jahr - man schrieb 1963 - hatte sich die Behörde in Hamburg eine besonders harte Strafe für Alkoholsünder ausgedacht. Neben dem Führerscheinentzug für ein Jahr und einer Geldstrafe von DM 2.000.- erhielt Georg vier Wochen Haft - ohne Bewährung.
Georg versuchte erst einmal, das Einsitzen hinauszuschieben. Er erklärte schriftlich, seine Firma existierte doch erst kurze Zeit und niemand könnte ihn da vertreten.
Doch Ende des Jahres war er dran.
Von einem Hafenarbeiter bekam er den heißen Tip. „Lass dich nicht reinlegen, Chef. Geh erst kurz vor Weihnachten in den Bau. Mit einem Gnadengesuch bist du Heiligabend wieder draußen.”
Georg regelte also alles in der Firma und erzählte überall, er könnte eine dringende Geschäftsreise nach Köln nicht länger aufschieben.
Julia musste ihn am 15. Dezember nach Sta. Fu - dem Gefängnis in Hamburg Fuhlsbüttel - bringen.

Ein unfreundlicher Wärter nahm Georgs Sachen an sich und befahl ihm, seine Taschen zu leeren. Dann fragte der Zerberus: „Wohin willst du?
Entweder du gehst nach Glasmoor. Da kannst du an der frischen Luft arbeiten. Du kriegst auch sofort Zigaretten wie jeder andere Knacki.
Oder du bleibst erst einmal hier in Einzelhaft - ohne Zigaretten. Später schieben wir dich ab ins Untersuchungsgefängnis.”
Georg wurde bockig. Wie kam der Kerl dazu, ihn als Knacki zu bezeichnen?
„Arbeiten muss ich draußen schon genug. Glasmoor kommt für mich nicht in Frage.”
Der Wärter konnte so renitente Brüder nicht ausstehen. Er rasselte mit seinen Schlüsseln und winkte Georg ungeduldig, ihm zu folgen. Die langen Gänge und die vielen Eisentore kratzten an Georgs Selbstbewusstsein.
Endlich schloss der Wärter eine Tür auf und stieß Georg hindurch. Die kahle Zelle ließ den braven Bürger schaudern. Hoffentlich gab es hier keine Wanzen?
Georg sollten die Stunden und Tage lang werden - ganz ohne Gesellschaft. Es gab nichts zu lesen und kein Radio. Er horchte auf jedes Geräusch, zufallende Türen, Stimmen oder das Trappeln von Füßen. Während der halben Stunde Freigang trottete er stets ganz allein auf dem Hof im Kreis herum. Dabei fühlte er sich von 1000 Augen beobachtet. - Und der Fraß aus dem Blechnapf schmeckte schlechter als das Essen im Krieg.
Doch am meisten quälte ihn der Jachter nach einer Zigarette. Er war ein starker Raucher. Der Entzug weckte in ihm wilde Agressionen.
Als man ihn nach drei Tagen aus dem Loch holte und ins Untersuchungsgefängnis brachte, flatterten seine Nerven. Er bestieg die ‘grüne Minna’ wie im Tran. Was ging ihn die Welt da draußen an.

Julia sah, wie die kleine Tür hinter Georg zuschlug. Wütend fuhr sie nach Hause. Warum musste ausgerechnet ihr Mann so oft besoffen ins Auto steigen? Hoffentlich lernte er im Knast etwas dazu?
Julia fühlte sich während der nächsten Tage total überfordert. Für sämtlichen Mist war sie zuständig.
In der Firma lief normalerweise alles wie von selbst. Jetzt lernte sie jedoch ein völlig neues Betriebsklima kennen. Die Angestellten hielten sie wohl für total blöd. Sie ließen die Arbeit liegen und machten sich auf Kosten der Firma ein paar flotte Tage. Es gelang Julia nur selten, die Meute zu motivieren.
Der kleine Tom war gerade sechs Jahre alt und besuchte schon die Schule. Nach dem Unterricht ging er allein zum Kindergarten. Von dort holte Julia ihn dann ab. Der Junge wusste so wenig wie die Schwiegereltern, wo sein Vater sich wirklich aufhielt. Julias eigene Eltern lebten nicht mehr. Das machte alles noch schwieriger.
An diesem Abend begann es zu schneien. Doch die weiße Pracht blieb nicht liegen. In der Nacht fror dann alles über, so dass Wege und Straßen sich in Eisbahnen verwandelten. Am nächsten Morgen schaffte Julia es einfach nicht, mit dem Wagen die Auffahrt zur Straße hoch zu kommen. Sie musste zum Krämer laufen und Streusalz holen. Dann endlich griffen die Reifen und der Wagen schoss ziemlich unkontrolliert auf die Hauptstraße vor ihrem Grundstück.
Julia setzte Tom vor der Schule ab und fuhr ins Büro. Am Abend bat sie den Wirt vom Gasthof gegenüber, ob sie den Wagen auf seinem Parkplatz abstellen dürfte. Seine Zusage ersparte ihr das nervige Manöver, den Wagen bei diesem Wetter vom Grundstück auf die Straße zu bugsieren.
Zwei Tage später bekam Julia einen Anruf vom Kindergarten. Tom hatte sich verletzt und musste an der Augenbraue geklammert werden. Als letzten Ausweg meldete Julia ihren Sohn dort und in der Schule krank und brachte ihn zu den Schwiegereltern.
Am Tag darauf klingelte wieder das Telefon im Büro. Julia wollte schon gar nicht mehr rangehen.
Es meldete sich ein Herr Krüger. ”Ich soll Ihnen schöne Grüße von Ihrem Mann ausrichten. Ich traf ihn gestern auf der Messe. Es geht ihm gut. Sie brauchen sich um ihn keine Sorgen zu machen. Er meldet sich bald.”
Julia starrte böse auf den Apparat. Sorgen hatte sie weiß Gott genug. Aber Georg ging es gut - na prima.

Im Untersuchungsgefängnis gefiel es Georg schon viel besser.
Sie hockten mit zwölf Mann in einer Zelle - elf Alkoholsünder, so gut bürgerlich wie er selbst, und ein kleiner Ladendieb.
Gesprächsthemen gab es genug. Jeder erzählte seine Lebensgeschichte und wie sie ihn erwischt hatten. Außerdem wollten alle den einzigen Kriminellen - den Ladendieb - zurück auf den rechten Weg bringen.
Hier erfuhr Georg auch, welche Rechte ihm zustanden. Es lief fast alles über den Gefängnispfarrer. Man musste sich nur rechtzeitig für seine Sprechstunden anmelden. Der Pfarrer half Georg, das Gnadengesuch aufzusetzen. Und er vermittelte ein Gespräch mit Julia.
Die Männer fühlten sich zu Unrecht eingesperrt. Sie schimpften und vertrieben sich die Zeit mit Skat spielen. Die Karten hatten sie selbst angefertigt. Dabei fehlte ihnen doch eigentlich nur noch von Zeit zu Zeit eine Lage ‘Lütt und Lütt’ und ein anständiges Essen aus der nächsten Kneipe.
Dann würde noch direkt so etwas wie Urlaubstimmung aufkommen - so fern ab von dem alltäglichen Streß.

Julias Lage entwickelte sich dagegen ziemlich mies. Im Büro ging einiges schief. Die Elbe drohte zuzufrieren. Und die Binnenschiffe kamen einfach nicht los.
Dazu rief Tom dauernd an: „Wann darf ich wieder nach Hause kommen? Meine Freunde warten auf mich. Es gibt doch auch bald Schulferien.”
Außerdem schneite es immer wieder. Julia musste zu allem Überfluss jeden Tag Schnee schippen.
Langsam wuchs ihr Zorn auf Georg. Sein Telefonanruf brachte sie erst richtig in Rage. Ihm ging es gut - wie schön für ihn!
Am 20. Dezember bekam Julia ein Telegramm aus dem UG:
‚Gnadengesuch abgelehnt. - Du musst zum Sozialbeauftragten’
Darunter stand die Adresse von dem Kerl und - Georg.
Ihre Knie gaben nach. Sie sackte auf einen Stuhl. Nahm der Horror denn nie ein Ende? Es blieb ihr ja keine Wahl. Nur dieser Bittgang konnte das Weihnachtsfest noch retten.
Der Mann hinter dem Schreibtisch begrüßte sie sehr freundlich und bat sie, Platz zu nehmen. Dann suchte er Georgs Akte heraus.
Er schüttelte den Kopf. ”Tja, da lässt sich nichts machen. Am 24.Dezember wird nur auf dem Gnadenweg entlassen, wer schon die Hälfte seiner Strafe abgesessen hat. Ihr Mann hätte sich eben schon am 10. in Fuhlsbüttel melden müssen und nicht erst am 15.Dezember.”
Julia war total fertig. Sie saß da und konnte nicht aufstehen. Sie wusste nicht mehr weiter.
Plötzlich brach es aus ihr heraus: "Ich habe es satt! - Ich kann nicht mehr! - In der Firma gibt es nur Ärger, mein kleiner Sohn hatte einen Unfall und meine Schwiegereltern wissen von nichts. Was soll ich denen denn sagen?”
Da schoss ihr plötzlich eine glänzende Idee durch den Kopf. „Lassen Sie mich für meinen Mann den Rest Strafe absitzen. Dann habe ich meine Ruhe. Und er kann sich zu Haus die Platze ärgern.”
Der Mann sagte irritiert: „Wie stellen Sie sich das vor? Das geht rechtlich gar nicht. Außerdem sitzen Sie da mit Prostituierten und asozialem Pack zusammen - keine feine Gesellschaft.”
Aber Julia gefiel die Idee immer besser. „Das macht mir nichts aus. Das kann alles nicht so schlimm sein wie das Theater zu Haus.”
Langsam quollen dicke Tränen aus ihren Augenwinkeln.
Der Beamte lächelte. „Wissen Sie was? Da tagt gerade so ein Ausschuss. Mal sehen, was die Herren zu Ihrem Vorschlag sagen.”
Sie gingen zum Fahrstuhl und ließen sich ein paar Stockwerke höher tragen.

Julia war ziemlich flau im Magen.
Der Sozialbeauftragte klopfte gegen eine Tür und öffnete sie. An einem großen Tisch saßen sechs gewichtige Herren in grauen Anzügen.
Der Soziale schob Julia zum Tisch und sagte: „Da ist wieder so ein Fall. - Am besten sie erzählt Ihnen selbst, was sie bedrückt.”
Julia zitterte vor Aufregung. Sie wischte sich energisch die Tränen weg und hielt sich an ihrer Handtasche fest. „Mein Mann sitzt im Untersuchungsgefängnis - wegen Alkohol. Er darf Weihnachten nicht raus, weil er noch nicht die Hälfte seiner Strafe abgesessen hat. Ihm geht es da prima. Er muss sich um nichts sorgen.”
Sie sah die Männer flehend an. ”Ich will mit ihm tauschen. Soll er doch seinem kleinen Sohn und seinen Eltern erklären, warum Weihnachten bei uns ausfällt. Ich will nichts als endlich meine Ruhe.”
Die Männer boten Julia einen Stuhl an und eine Tasse Kaffee. Dann stellten sie Fragen nach den häuslichen Verhältnissen.
Schließlich nickte einer den anderen zu. ”Es ist doch immer das Gleiche. Die Leidtragenden sind die Familien.”
Die Herren schienen milde gestimmt. Der Vorgesetzte am Kopfende des Tisches ergriff endlich das Wort: „Kleine Frau, wir wollen Ihnen helfen. Sie dürfen Ihren Mann am 24. früh morgens um 10 Uhr vom Untersuchungsgefängnis abholen.
Aber sagen Sie ihm, das hat er nur Ihnen zu verdanken.”
Jetzt liefen die Tränen doch wieder. Julia bedankte sich überschwenglich...

Damals gab es noch ein Postamt am Jungfernstieg - also ganz in der Nähe. Die elegante junge Frau hinter dem Schalter drehte das Telegrammformular zwischen den Fingern und sah Julia abschätzend an.
Laut sagte sie: „Untersuchungsgefängnis? - Sind Sie sicher, dass die Adresse stimmt?”
Die Umstehenden lachten und tuschelten.
Julia lief rot an. „Ganz sicher! Da sitzt mein Mann.”
Die Dame las auch den Text laut vor: „Warte Heiligabend 10 Uhr vor dem Tor - Julia.”
Da kam ein junger Mann auf Julia zu und drückte ihr die Hand. „Gratuliere! Dann wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.”
Sie sah ihm verblüfft nach. Jetzt erst begriff sie, dass noch alles gut werden würde.

Genau um 10 Uhr öffnete sich das Tor des Untersuchungsgefängnisses und einige Männer kamen heraus - darunter auch Georg. Sie verteilten sich auf die verschiedenen wartenden Fahrzeuge.
Georg ließ sich gut gelaunt auf den Beifahrersitz fallen. „Das hat ja mal wieder alles prima geklappt. - Was hältst du davon, wenn wir noch ein paar Geschenke kaufen?”
Julia konnte seine Fröhlichkeit nicht teilen. Er fragte nicht einmal, wie es ihr ergangen war. Oder wie sie es geschafft hatte, ihn da herauszuholen.
Plötzlich begriff sie nicht mehr, warum sie sich so verrückt gemacht hatte, den Kerl um jeden Preis frei zu kriegen. Ohne ihn hätten sie das Weihnachtsfest auch überlebt.
Sie holten den Jungen ab und besorgten noch einen windschiefen Tannenbaum. Nachmittags kamen dann die Schwiegereltern und die Oma. Es gab Karpfen wie jedes Jahr, Süßigkeiten und Geschenke.
Bei Julia blieb ein fader Geschmack zurück.

Es dauerte zwölf Jahre bis die Polizei Georg wieder betrunken am Steuer erwischte. Die Eintragungen in Flensburg waren längst gelöscht. So hielt sich seine Strafe in Grenzen - ein Jahr Führerscheinentzug und dieses Mal DM 3000.- Strafe.
Zwei Jahre später verlor Georg den Schein endgültig.
Wie der Arzt sagte, war die Sache mit dem Alkohol eine schlimme Krankheit.
Georg starb mit 51 Jahren.

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Aston Skovgaard
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Re:

von Aston Skovgaard (18.11.2010, 14:01)
Liebe Gisela !

Ich finde deine Worte nicht uninteressant.
Aber der Text ist etwas zu lang geraten.
Splitte den nächsten lieber in mehrere Abschnitte !? :wink:

LG Aston

Tipilina
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Re:

von Tipilina (18.11.2010, 14:44)
Ich finde die Geschichte kurzweilig und so geschrieben, das man einfach weiterlesen muss. Zumindest ging es mir so. Mir hat es sehr gut gefallen.
Gruß Susanne

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ingolf
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Re:

von ingolf (18.11.2010, 15:51)
Eine sehr gute Geschichte.
Nur wer in der Mitte seines Herzens ist, ißt auch in der Mitte des Lebens

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Goetkowski
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Re:

von Goetkowski (19.11.2010, 04:05)
Da schließe ich mich doch an: sehr kurzweilig und so authentisch, dass ich mich direkt in einem Schwarzweiß-Film wähnte thumbbup .

Gruß, Uwe
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (19.11.2010, 05:02)
Ja, finde ich auch.
Nur ist das auch ein Beispiel wie man eine Geschichte bloß nie erzählen sollte.
Keine Frage; die Story ist herzergreifend, leider ganz schlecht erzählt.
Ein guter Geschichtenerzähler würde daraus eine super Story machen, keine Frage. Sorry!

Tipilina
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Re:

von Tipilina (19.11.2010, 08:32)
Thomas Becks hat geschrieben:
Ja, finde ich auch.
Nur ist das auch ein Beispiel wie man eine Geschichte bloß nie erzählen sollte.
Keine Frage; die Story ist herzergreifend, leider ganz schlecht erzählt.
Ein guter Geschichtenerzähler würde daraus eine super Story machen, keine Frage. Sorry!


Findest du auch und bist dann der Meinung das alles falsch ist????? Diese Aussage verstehe ich jetzt nicht.

Ich finde den Erzählstil und auch die Sprachwahl sehr gut. Wäre ein komplettes Buch in genau diesem Stil erzählt würde ich es auf jeden Fall lesen.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (19.11.2010, 16:36)
Tipilina hat geschrieben:
Findest du auch und bist dann der Meinung das alles falsch ist????? Diese Aussage verstehe ich jetzt nicht.

Ich finde den Erzählstil und auch die Sprachwahl sehr gut. Wäre ein komplettes Buch in genau diesem Stil erzählt würde ich es auf jeden Fall lesen.

Sie erzählt die Geschichte wie sie ein Kind erzählen würde:
Es passierte folgendes:
Dann geschah dieses,
danach geschah jenes,
dann kam es so,
dann kam alles anders,
usw.
Da könnte man eine richtig, spannende Geschichte raus machen.
Gruß
Thomas

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Re:

von Tipilina (19.11.2010, 17:51)
Sehe ich anders, aber ich sehe es vielleicht auch nicht aus Sicht eines Schriftstellers, sondern aus der Sicht eines stinknormalen Bücherkäufers und Lesers. Wie gesagt, ich fand es kurzweilig und es kam das Gefühl von "ich will mehr lesen" auf und ich empfinde die Erzählweise nicht kindlich, sondern bildlich beschreibend.
Gruß Susanne

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (19.11.2010, 18:08)
gelöscht
Zuletzt geändert von Klaus D. Klimke am 29.11.2010, 22:24, insgesamt 1-mal geändert.

Tipilina
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Re:

von Tipilina (19.11.2010, 19:05)
Klaus, du hast das ausgedrückt was ich meinte, lach. Genau, Leben pur, nicht mehr und auch nicht weniger.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (19.11.2010, 19:07)
Thomas, wie würdest du es denn anders erzählen? Vielleicht wartet Gisela ja auf konstruktive (!) Kritik?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (19.11.2010, 19:44)
Ich muss Thomas in seiner Kritik unterstützen. Die Geschichte wird chronologisch heruntererzählt und verliert dabei erheblich. Es gäbe viele Stellen, wo viel mehr "Nähe" sich anbietet. Leider bleibt der Text auf Distanz.

Was mich an der Geschichte aber wirklich ärgert, sind fehlerhafte Fakten. Da wird z. B. behauptet, es gäbe damals keine Geschwindigkeitsbeschränkungen. Das ist falsch. In Deutschland wurden bereits 1909 amtliche Verkehrsregeln eingeführt. Wer will, kann sich hier Verkehrsschilder des Jahres 1934 anschauen:

http://www.hs-merseburg.de/~nosske/Epoc ... v_vs0.html

Generell galt im Deutschen Reich (laut Verkehrsregeln Stand 1939) eine Höchstgeschwindigkeit auf den Straßen:

... innerhalb von Ortschaften von 60 km/h (Pkw, Motorräder) bzw. 40 km/h (Lkw, Busse)
... außerhalb von Ortschaften (inkl. der Autobahnen) 100 km/h für Pkw/Motorräder bzw. 70 km/h für Lkw und Busse

Jetzt kann man sicher sagen, die Aussage, es gäbe keine Geschwindigkeitsbegrenzungen innerhalb geschlossener Ortschaften, sei die persönliche Meinung der Frau in der Geschichte - dann aber müsste die Geschichte aus Sicht der Frau erzählt werden. Genau das wird aber in der vorliegenden Erzählweise vermieden.

Diese Distanz zwischen dem erzählten Inhalt und den handelnden Figuren fällt mir immer wieder bei vielen Autoren auf. Es scheint, als hätten die Auoren (und natürlich auch Autorinnen!) eine furchtbare Angst davor, ihren Figuren Gefühle zuzugestehen. Genau das macht aber eine Geschichte interessant - und letztlich auch gut. Der Leser muss mitfiebern und mitleiden mit den Figuren.

Von daher kann ich die Kritik von Thomas nachvollziehen.

Grüße
Siegfried
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Goetkowski
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Re:

von Goetkowski (19.11.2010, 19:55)
Wo würde ich den Text einordnen? Er entführt mich in eine Zeit, in der es mich noch nicht gab/ich noch sehr klein gewesen bin. Er beschreibt anschaulich und prägnant Situationen aus einem Leben, wie es damals in vielen Familien an der Tagesordnung gewesen ist. Er weckt Erinnerungen an Erzählungen meiner Eltern/Großeltern. Er unterhält mich. Für mich ist es schlicht und ergreifend Belletristik - so what ...

Gruß, Uwe
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Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (19.11.2010, 20:29)
gelöscht
Zuletzt geändert von Klaus D. Klimke am 29.11.2010, 22:25, insgesamt 1-mal geändert.

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