Mordanschlag

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ricochet
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Mordanschlag

von ricochet (03.01.2011, 10:03)
Liebe Kollegen/innen,

ich stecke fest ... Bei meiner neuen Fantasy-Erzählung geht es im aktuellen Kapitel darum, dass der König einem seiner Leibwächter befiehlt, die Frau des Hofmagiers ins Jenseits zu befördern. Diese entkommt jedoch knapp und kann sich mit Müh und Not in der Stadt in Sicherheit bringen.
Die Frau wohnt in der Burg des Königs, ihr Mann ist in die Wildnis gezogen. Und seit Tagen hänge ich hier fest; sozusagen in der unfruchtbaren Wildnis meiner Phantasie.
Ich habe mir schon überlegt, ob der Attentäter die junge Frau nicht während eines Bades überraschen soll. Er schwingt sich in Robin-Hood-Manier mit einem Seil durch die Fensteröffnung herein, den Dolch zwischen den Zähnen. Und so wie er zum tödlichen Sreich ausholt, rutscht er auf der Seife aus, die Frau entkommt.
Aber das wäre die lustige Variante. So etwas ist hier weniger angebracht.
Vllt. hat jemand eine Idee.

Besten Dank und LG


rico
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Tagesstern

Re:

von Tagesstern (03.01.2011, 10:58)
Ich kann dir nur den Tipp geben, solche Fragen nicht zu stellen. Stell dir vor, jemand hat eine gute Idee, teilt sie dir mit und du findest diese toll und übernimmst sie und dann? Wärst du nicht enttäuscht immer zu wissen, dass die Geschichte nicht 100% von dir stammt?

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Siegfried
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Re: Mordanschlag

von Siegfried (03.01.2011, 11:41)
ricochet hat geschrieben:
.
Die Frau wohnt in der Burg des Königs, ihr Mann ist in die Wildnis gezogen. Und seit Tagen hänge ich hier fest; sozusagen in der unfruchtbaren Wildnis meiner Phantasie.
Ich habe mir schon überlegt, ob der Attentäter die junge Frau nicht während eines Bades überraschen soll. Er schwingt sich in Robin-Hood-Manier mit einem Seil durch die Fensteröffnung herein, den Dolch zwischen den Zähnen. Und so wie er zum tödlichen Sreich ausholt, rutscht er auf der Seife aus, die Frau entkommt.
Aber das wäre die lustige Variante. So etwas ist hier weniger angebracht.
Vllt. hat jemand eine Idee.


Ich stell dir einfach ein paar Fragen, vielleicht bringen dich deine Antworten darauf ein Stück weiter:

A.
Wie will der Mörder sein Opfer umbringen? Erstechen? Erwürgen? Mit einer Seidenschnur erdrosseln? Aus dem Fenster des Turms werfen? Mit Pfeil und Bogen erschießen? Vergiften? In der Badewanne ertränken?
(Hintergrund: Wie dicht muss der Mörder an sein Opfer heran?)

B.
Wo soll der Mordanschlag verübt werden? Im Schlafzimmer/in der Kemenate? In einem Saal? Im Treppenhaus? Auf dem Hof der Burg? Auf dem Markt? Wird der Mörder während der Tat durch Dritte gestört?
(Hintergrund: Erleben unbeteiligte Dritte den Mordanschlag mit?)

C.
Wie endet der Mordanschlag für den Mörder? Wird er vom Opfer getötet? Wird er vom Opfer überwältigt? Wird er von Dritten, wie Passanten, Höflingen oder Wachen, gefangengenommen (Achtung! An die Konsequenzen für den Auftraggeber denken!)? Wird er von Unbeteiligten getötet? Kann er fliehen? Stirbt er auf der Flucht durch einen Unfall (Sturz in die Tiefe)?
(Hintergrund: Was an Informationen werden in der Nachfolge des Anschlages bekannt?)

Aus den möglichen Kombinationen von A, B und C ergibt sich ein zwangsläufiger Handlungsablauf.

Nehmen wir an, der Mörder will sein Opfer erstechen, dann muss er direkten Körperkontakt suchen. Ein solcher Mordversuch im Schlafzimmer des Opfers läuft gänzlich anders ab, als etwa ein Mordversuch auf einem Markt. Bei einer reinen Zwei-Personen-Szene muss es zu einem Kampf kommen (die Bananenschale bzw. die Seife, auf der der Mörder ausrutscht, ist für eine spannende Szene denkbar unglücklich). Der Zweikampf muss durch etwas entschieden werden, was in der Szene logisch ist (hier muss also das Setting entsprechend vorbereitet sein).

Entsprechend die anderen Varianten.

Welche Variante man wählen sollte, hängt vom Ziel der Szene ab - folglich die Szene rückwärts entwickeln! Soll der Mörder am Ende ums Leben kommen, dann muss man sich genau überlegen, wie das geschieht.

Variante 1:Im Zweikampf? Wie tötet das Opfer den Mörder? Was braucht das Opfer, um den Mörder zu töten?

Variante 2: Durch Dritte? Wer ist der Dritte, der den Mörder tötet? Wie tötet der Dritte den Mörder? Warum erscheint der Dritte plötzlich in der Szene?

Variante 3: Der Mörder stirbt durch einen Unfall auf der Flucht, etwa durch einen Absturz vom Dach. Wie sieht der Unfall aus? Warum wird der Mörder zur Flucht gezwungen? Was hindert ihn an der Ausführung seiner Tat?

Die Varianten sehen natürlich ganz anders aus, wenn die Tat nicht als Zweikampf geplant ist und der Mörder überleben soll.

Deshalb ist die wichtigste Frage immer: Wohin soll die Szene führen? Was ist die Ausgangssituation der Szene und was die Endsituation? Und welche neuen Komplikationen ergeben sich aus dem Ende der Szene für die Handlung?

Vielleicht hilft das ja. cheezygrin


Äh ... mal eine Frage an jene, die nicht planerisch schreiben: Wie löst ihr so ein Problem?


Grüße
Siegfried
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ricochet
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Re:

von ricochet (03.01.2011, 12:39)
Lieber Tagesstern,

die Bedenken habe ich weniger, geht es doch nur um den die eigentliche Inspiration ankurbelnden Denkanstoß. Die Idee in das setting und den Plot einbinden bzw. in den gesamten Kontext, bliebe dann ohnehin meine Aufgabe. Die Erfahrung zeigt, dass im Zuge dieser Einarbeitung von der ursprünglichen Idee nicht mehr allzuviel übrig bleibt.

Manchmal hilft es schon, über ein Problem zu schreiben, dass man dessen Lösung auf die Spur kommt. Beim meditieren über Siegfrieds Fragen ist mir folgende Idee gekommen:

Die Frau (des Hofmagiers) will sich spät in der Nacht verdrücken um Aufsehen zu vermeiden. Sie besucht noch den "alten Turm", in dem ihr Gatte sozusagen seine Diensträume hat und nimmt dort ein Aretfakt zu sich. Als sie die Räume verlässt, stürzt Rovoselo (der Schurke) von hinten auf sie zu und sticht ihr ein Messer in den Rücken. Nun ist allerdings vor dem Eingang zu den Räumen des Magiers ein Imagospurius (ein steinerner Schutzgeist, vergleichbar den halb-dämonischen Gestalten an den Ecken der Kirchen) aufgestellt. Der wird lebendig, schlägt den Angreifer in die Flucht, nimmt die schwer verletzte Frau in seine Klauen und schwebt mit ihr über die Dächer der Stadt durch die Nacht davon. Er bringt sie in Sicherheit.

Soweit meine Idee. Hat das Pfiff oder ist das langweilige Sülze?

LG

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Boris.Cellar
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Re:

von Boris.Cellar (03.01.2011, 13:26)
Das mit dem Schutzgeist finde ich klasse.

ABER: Ich würde noch mehr aus ihm machen als den Deus ex Machina.-

Entweder er taucht früher schon einmal auf, vielleicht sogar als "Wesen" mit eigenem Willen, dem man nicht trauen kann, was die Rettungsaktion spannender macht: Was geschieht mit der Frau? Ist das zu erwartende Schicksal noch schlimmer als der relativ kurz und schmerzlose Tod durch den Attentäter?

Oder ich baue in der Szene etwas Geheimnisvolles um das "Wesen" auf, indem ich Geräusche und Emotionen mit ihm verbinde, die von ihm erzeugt werden. Was der Frau und dem Attentäter mulmig werden könnte.

Viel Glück damit,

Boris

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (03.01.2011, 13:33)
Kann man nur hoffen, dass der Dame das Artefakt nicht im Hals steckengeblieben ist oder schwer im Magen liegt, da sie es ja zu und nicht an sich genommen hat. cheezygrin
Ich hätte sie auf den Markt geschickt. Dort scheitert der Mörder daran, dass sich im entscheidenden Moment im Gedränge eine Magd zwischen die beiden schiebt, die dann statt ihrer gemeuchelt wird. Der Mörder kann sich im entstehenden Tumult davonmachen, und steht dir so für weitere Schandtaten zur Verfügung.

Gruß von
Klaus

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (03.01.2011, 13:49)
ricochet hat geschrieben:
Beim meditieren über Siegfrieds Fragen ist mir folgende Idee gekommen:


cheezygrin

Dann waren die Fragen ja erfolgreich!

cheezygrin

ricochet hat geschrieben:
Die Frau (des Hofmagiers) will sich spät in der Nacht verdrücken um Aufsehen zu vermeiden. Sie besucht noch den "alten Turm", in dem ihr Gatte sozusagen seine Diensträume hat und nimmt dort ein Aretfakt zu sich. Als sie die Räume verlässt, stürzt Rovoselo (der Schurke) von hinten auf sie zu und sticht ihr ein Messer in den Rücken. Nun ist allerdings vor dem Eingang zu den Räumen des Magiers ein Imagospurius (ein steinerner Schutzgeist, vergleichbar den halb-dämonischen Gestalten an den Ecken der Kirchen) aufgestellt. Der wird lebendig, schlägt den Angreifer in die Flucht, nimmt die schwer verletzte Frau in seine Klauen und schwebt mit ihr über die Dächer der Stadt durch die Nacht davon. Er bringt sie in Sicherheit.

Soweit meine Idee. Hat das Pfiff oder ist das langweilige Sülze?


Wie Boris.Cellar schon schreibt: Der "deus ex machina" ist schon sehr heftig - und macht die Szene, so wie sie jetzt skizziert ist - mindestens ebenso unglaubwürdig wie das Stück Seife. cheezygrin

Der Imagospurius muss also schon vorher einmal in der Handlung auftauchen (Frage hier: Kennt die Frau diesen Geist? Kennt der Mörder diesen Geist?. Als mögliche Lösung würde sich eine Verbindung zwischen dem Artefakt und und dem Imagospurius anbieten (das eine bedingt das andere und umgekehrt), was aber ein wenig den Touch von "Aladin und die Wunderlampe" bekommt.

Letztlich kommst du mit deiner Skizze der Szene in diese Situation: Der Mörder scheitert, bleibt aber am Leben (Taucht er später noch einmal auf? Wird der Wunsch des Lesers nach Bestrafung erfüllt?). Die Frau ist schwer verletzt und wird von dem Geist (offenbar einem "guten") an einen weit entfernten Ort gebracht (zur Heilung? Wie sieht der Zeitaspekt aus: Gibt es eine schnelle Heilung durch Zauberkraft? Oder muss die Frau längere Zeit ruhig verbringen? Übernimmt der Geist die aktive Position in der Handlung oder verschwindet er einfach wieder?).

Das Problem mit neu auftretenden Figuren - hier der Mörder und der Geist - ist die Schaffung neuer Handlungslinien, die bis zum Ende aufgelöst werden müssen. Verschwinden wichtige Figuren - das können auch Randfiguren sein - einfach so, ist das für den Leser oft sehr unbefriedigend.

Ob das Auftauchen des Geistes gut und passend ist, kannst nur du entscheiden, denn du kennst deine Geschichte. Nur das Prinzip des "deus ex machina" solltest du möglichst vermeiden.

Grüße
Siegfried
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (03.01.2011, 13:51)
Hallo, Boris!

Boris.Cellar hat geschrieben:
Oder ich baue in der Szene etwas Geheimnisvolles um das "Wesen" auf, indem ich Geräusche und Emotionen mit ihm verbinde, die von ihm erzeugt werden. Was der Frau und dem Attentäter mulmig werden könnte.


Die Idee ist im Prinzip gut - aber du wirst dabei massiv Probleme mit der Erzählperspektive bekommen. Denn einmal musst du die Szene aus Sicht des Opfers erzählen, dann aus Sicht des Täters. Machbar ist das vielleicht - aber nur sehr schwer.

Grüße
Siegfried
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (03.01.2011, 17:31)
ricochet hat geschrieben:
Nun ist allerdings vor dem Eingang zu den Räumen des Magiers ein Imagospurius (ein steinerner Schutzgeist, vergleichbar den halb-dämonischen Gestalten an den Ecken der Kirchen) aufgestellt. Der wird lebendig, schlägt den Angreifer in die Flucht, nimmt die schwer verletzte Frau in seine Klauen und schwebt mit ihr über die Dächer der Stadt durch die Nacht davon. Er bringt sie in Sicherheit.

Soweit meine Idee. Hat das Pfiff oder ist das langweilige Sülze?

Die Figur erinnert an King Kong oder Quasimodo und sollte wie sie ein Motiv haben. Liebe!
Wie meine Vorredner schon gesagt haben, muss sie eingeführt werden. Es sei denn, dass Deine Geschichte eine Trashgeschichte werden soll.
Gruß
Thomas

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ricochet
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Re:

von ricochet (03.01.2011, 17:39)
@ Klaus

ich denke auch, dass wir die Gute das Artefakt an sich nehmen lassen, bevor sie uns Bauchweh kriegt. Deinen Vorschlag habe ich mir auch schon überlegt, aber er ist mir einen Tick zu modern, zu wenig fantasy-mäßig. Aber danke.

@ Siegfried,

einen deus ex machina will ich natürlich nicht haben. Die Leser wissen aber vom Imagospurius, weil dieser zwei oder dreimal bereits erwähnt wurde. Aber sie messen ihm keine sonderliche Bedeutung bei, was mir auch wieder wichtig scheint, weil so doch ein Überraschungseffekt gegeben ist.

Der Attentäter bleibt am Leben, weil er auch (auftragsgemäß) dem abtrünnigen Magier nach dem Leben trachtet. Des Lesers Bedürfnis nach epischer Gerechtigkeit, also dass er bestraft wird, komme ich unter umgekehrten Vorzeichen nach: Der Attentäter wandelt sich zum Gefolgsmann des Magiers.

In der gegenwärtigen ersten Ausformulierung sieht die Szene so aus:


Kitahala wartete, bis es spät in der Nacht war. Als sie die Stunde weit genug fortgeschritten dünkte, um unbemerkt durch die Gänge der Burg zu kommen, fragte sie Hippolita: „Mein Reisebeutel ist gepackt?
„Aber ja, Herrin, ... äh, Kitahala. Reiseproviant für sechs oder sieben Tage, und alles weitere, was du verlangt hast.“
Damit übergab sie Kitahala einen unscheinbaren, grauen Reisebeutel aus strapazfähigem Stoff. Dieser war so geschnürt, dass er auf dem Rücken getragen werden konnte.
„Sollte dich jemand fragen“, instruierte Kitahala ihre Kammerzofe, „dann sagst du, ich sei verreist und käme in wenigen Tagen wieder. Wo ich mich aufhalte wüsstest du selbst nicht. Bis zu meiner Rückkehr musst du hier die Gemächer hüten.“
Und schon öffnete sie die Türe. Ein vorsichtiger Blick in alle Richtungen – weit und breit niemand zu sehen. Verlassen lagen die Gänge da. Wie unwirklich sie aussahen in einer finsteren Nacht, die nur in unregelmäßigen Abständen für wenige Augenblicke vom abnehmenden Mond erhellt wurde. Ohne Fackel, ohne Kerze begab sich Kitahala möglichst geräuschlos zum alten Turm. Als sie das erste Mal um die Ecke bog, löste sich ein Schatten von der Wand ... Je näher sie den Räumen der Magier kam, desto bedrohlicher wurden die Gänge. Gelegentlich kam es ihr vor als höre sie Schritte hinter sich, oder so etwas wie ein Echo ihrer eigenen, aber sie musste sich wohl getäuscht haben. Da und dort zog sich gar ein Nebelfetzen über den steinernen Fußboden, die Luft schien erfüllt mit Unheil und magischer Kraft.
Selbst die Statue des Imagospurius am Eingang zum alten Turm schien mit magischem Leben erfüllt. Vorsichtig, fast schon ängstlich, öffnete Kitahala. Wo war das Buch Meister Abramelins? Es hatte damals so deutlich zu ihr gesprochen und würde ihr sicher wieder helfen. Ach ja, da auf dem Tisch des alten Magiers lag es noch! Sie fragte es: „Was ist so besonders heute Nacht?“
Umgehend hörte sie die Stimme Meister Abramelins: „Ein Trigon zwischen Mond und Saturn. Das entfesselt Magie. Spute dich, du bist in Gefahr!“
Rasch ergriff sie das Buch und verstaute es in ihrem Reisebeutel. Als sie die Räume verließ und sich gerade umdrehte, um wieder abzusperren, blitzte die Klinge eines Dolches im fahlen Mondlicht. Zack - der Dolch bohrte sich in Kitahalas Rücken!
„Ahhhhhh ...!!!“ Sie sank in die Knie und drehte sich um. Ihr Angreifer war vermummt, der Figur zufolge ein Mann. Er zog die Klinge aus ihrem Körper und stach noch einmal zu, diesmal in die Herzgegend. In diesem Moment erhob sich eine Kreatur in seinem Rücken und schlug mit ihren Klauen zu. Der Imagospurius! Doppelt so groß wie ein Adler war er nun und seine Augen leuchteten dunkelrot. Der Angreifer, am Rücken und an der rechten Schulter verwundet, schrie auf und verharrte einen Moment entsetzt. Bevor der Schutzgeist das zweite Mal zuschlagen konnte, lief er den Gang entlang davon.
Kitahala wurde schlecht ... Sie sackte zu Boden. Nur mehr undeutlich gewahrte sie, wie der Imagospurius sie mit seinen Klauen aufnahm, wie er seine mächtigen Schwingen spannte. Dann erhob er sich in die Luft und trug Kitahala davon über die Dächer des nächtlichen Sadras. Frischer Wind fuhr ihr kühlend durch das Haar. Jeder Atemzug bereitete ihr große Schmerzen. Sie spürte, wie ihr Blut das Kleid durchnässte. Beim Eingang zu der Höhle der Hexen ließ ihr Retter die Frau nieder.
Mehr denn je am Rande einer Ohnmacht sah Kitahala aus den Augenwinkeln wie die Geheimtüre geöffnet wurde, zwei Schwestern auftauchten und sie auf einer Decke in die unterirdischen Gewölbe zogen. Sie hörte, dass gesprochen wurde, verstand aber kein Wort. Fackel reihte sich an Fackel, allerdings immer kleiner und undeutlicher werdend. Dann fiel sie in einen dunklen Abgrund ...

Was haltet ihr davon?


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ricochet
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Re:

von ricochet (03.01.2011, 18:24)
Lieber Thomas

Thomas Becks hat geschrieben:
Die Figur erinnert an King Kong oder Quasimodo und sollte wie sie ein Motiv haben. Liebe!
Wie meine Vorredner schon gesagt haben, muss sie eingeführt werden.


Ein Imagospurius ist ein ausschließlich magisches Geschöpf. Dieses hat eine Aufgabe zu erfüllen, das ist seine Motivation. Für menschliche Gefühle ist es nicht erreichbar. Aber wie schon oben dargelegt, kennt ihn der Leser bereits und auch nachher werde ich ihn gelegentlich würdigen (obwohl ich ad hoc nicht genau weiß wie, soweit bin ich eben noch nicht).

LG

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (03.01.2011, 19:37)
ricochet hat geschrieben:
Ein Imagospurius ist ein ausschließlich magisches Geschöpf. Dieses hat eine Aufgabe zu erfüllen, das ist seine Motivation. Für menschliche Gefühle ist es nicht erreichbar.

Das entscheidest nur Du.
Für Dein Buch bist Du Gott. Du alleine bestimmst alles. :wink:
Gruß
Thomas

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ricochet
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Re:

von ricochet (09.01.2011, 13:58)
King Kong, Quasimodo usw. waren alles Hauptcharaktere, was mein Imagospurius nicht ist. Deswegen meine ich, dass es keiner bombastischen Begründung für sein Handeln bedarf, es sollte genügen, wenn der Gute einfach seine Pflicht tut.

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