Keine Unterstützung vom Buchhandel

Preisaktionen, Social Media, Blogger-Relations, Pressearbeit: Marketingmaßnahmen für euer Buch.


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Ruth
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Keine Unterstützung vom Buchhandel

von Ruth (24.05.2007, 11:05)
Ich finde es sehr schlimm, dass man bei der Eigenwerbung keine Unterstützung vom Buchhandel bekommt. Plakate werden nicht ausgehängt, Bücher werden nicht ausgelegt sondern höchstens mal neben die Kasse gelegt, FALLS jemand danach fragt. Wie soll man denn da Bücher verkaufen?????

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (24.05.2007, 14:19)
Nun ja, Buchhändler sind in erster Linie Geschäftsleute. Die leben davon, Bücher zu verkaufen, und am liebsten haben sie die Bücher, von denen sie große Mengen verkaufen können, die Bestseller. Und für die ist in den allermeisten Buchhandlung die Auslage neben der Kasse reserviert. Da stehen die Kunden an, gucken sich die ausliegenden Bücher an, sagen sich "Da ist ja XYZ, wurde ja im SPIEGEL gelobt, nehm ich mal mit..." und schwupps, hat die Buchhandlung ein weiteres Buch verkauft.
Auch nicht zu vergessen: Kunden, die in die Buchhandlung kommen, um sich nach Neuerscheinungen zu erkundigen oder beraten zu lassen, werden immer mehr zur Ausnahme.
Du mußt den Buchhändler davon überzeugen, dass er von deinem Buch größere Stückzahlen verkaufen kann. Dann legt er (oder sie) vielleicht dein Buch aus.
Gruß
Chris

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hawepe
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Re: Keine Unterstützung vom Buchhandel

von hawepe (24.05.2007, 14:43)
Hallo,

Ruth hat geschrieben:
Ich finde es sehr schlimm, dass man bei der Eigenwerbung keine Unterstützung vom Buchhandel bekommt. Plakate werden nicht ausgehängt, Bücher werden nicht ausgelegt sondern höchstens mal neben die Kasse gelegt, FALLS jemand danach fragt. Wie soll man denn da Bücher verkaufen?????


Buchhaendler sind wie andere Unternehmer nun einmal keine Wohltaetigkeitsvereine, sondern Wirtschaftsunternehmen. Dass einem das als Autor nicht gefaellt, steht da auf einem ganz anderen Blatt.

Ich war gestern Abend auf einer Veranstaltung und habe am Buechertisch versucht, meine Buecher zu verkaufen. Deprimierend :-(

Obwohl ich dachte, dass es in etwa meine Zielgruppe sein sollte, war nur eine kleine Minderheit interessiert, die Buecher wenigstens in die Hand zu nehmen und zu blaettern.

Und nun stelle ich mir eine Buchhandlung vor, in der das Publikum sehr viel breiter gestreut ist als gestern abend.

Die grosse Mehrheit der Kunden greift nach ihnen bekannten Titeln oder Autoren. _Damit_ kann ein Buchhaendler Geld verdienen.

Hinzu kommt auch noch das Aeussere der Buecher. Ausdruecklich meine ich jetzt kein konkretes Buch, sondern stelle nur allgemein fest, dass sie haeufig weder professionell aussehen noch sich an den Vorstellungen der Zielgruppe orientieren.

Wie mir ein Verleger kuerzlich berichtete, gibt es Untersuchungen, nach denen ein durchschnittlicher Kunde seinen Blick nur 2 oder 3 Sekunden auf einem Titel ruhen laesst. Dann sei seine Entscheidung bereits gefallen, ob er fuer ihn Interesse hat oder nicht.

Das sind fuer uns natuerlich alles andere als gute Rahmenbedingungen. leider...

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (25.05.2007, 07:37)
Die Erfahrung, dass Buchhändler mit BoD-Erzeugnissen und Büchern von Selbstverlegern nicht gerade freundlich umgehen, ist nichts Neues. Allerdings gibt es erfreulicher Weise Ausnahmen, vor allem in solchen Buchhandlungen, wo der (dem Buchhändler üblicher Weise nicht persönlich bekannte) Autor und sein Umkreis öfter nach einem dieser Werke fragen.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. "Mein" Buchhändler, Geschäftsführer einer großen Buchhandelskette, hat im Laden ein eigenes Regal für Werke von Eigenverlegern, BoD-Autoren und kaum bekannten Kleinverlagen eingerichtet. Und dort "schnuppern" und bedienen sich auch gar nicht so wenige Leser, die auf der Suche nach "Besonderheiten" sind.

Als manchmal freiwillig tätiger Vermittler zwischen Autoren, Eigenverlegern und dem Buchhändler ist es mir immer wieder möglich,
Exemplare von mir bekannten Autor(inne)en hier zu positionieren. Manchmal verlangt der Buchhändler gar keinen Rabatt (aus Gefälligkeit mir und dem Autor gegenüber). Außerdem veranstaltet diese Buchhandlung regelmäßig Lesungen, wobei sich ebenfalls stets Käufer finden.

Klarer Weise sind die Verkaufserfolge unterschiedlich. Doch wenn die "Mundpropaganda" unter den Lesern funktioniert, werden nicht selten bis zu 100 Exemplaren umgesetzt. Für Kleinauflagen beachtlich, wie ich finde.

Vielleicht dienen meine Zeilen als Anregung für schreibende Kolleginnen und Kollegen, die Kontakte zu Buchhandlungen pflegen oder aufnehmen wollen.

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hawepe
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Re:

von hawepe (25.05.2007, 07:51)
Hallo,

hwg hat geschrieben:
Außerdem veranstaltet diese Buchhandlung regelmäßig Lesungen, wobei sich ebenfalls stets Käufer finden.


Dabei sind es nach meinen, allerdings schon laenger zurueckliegenden Erfahrungen, nicht nur die Lesungen, auf denen verkauft wird.

In der Regel sprechen solche Buchhandlungen auch eine andere Zielgruppe an, die sehr viel aufgeschlossener und experimentierfreudiger in der Auswahl von Buechern ist.

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (25.05.2007, 08:05)
Da sagst es. Und weil wir hier relativ wenige Buchhandlungen haben (leider!), allein in meiner Stadt haben in den vergangenen Jahren drei zugesperrt, ist das Engagement des von mir genannten Buchhändlers doppelt zu loben!
Er hat eben erkannt, dass es sehr wohl Käufer und Leser von "Raritäten" gibt. Und in unserer Region schreiben auch gar nicht so wenige durchaus begabte Autorinnen und Autoren und veröffentlichen mitunter auch bei BoD. Allerdings scheint es schwer zu sein, alle zu orten und "unter einen Hut" zu bringen. Individualisten eben... :lol: Manche sind auch sehr "schüchtern" und scheuen die Kontaktpflege.

hwg
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Re:

von hwg (25.05.2007, 08:09)
Zur Ergänzung:
Ich wohne in einer Stadt mit rund 5600 Einwohnern. Der Bezirk ist der flächenmäßig größte von Österreich (größer als das Bundesland Vorarlberg), zählt jedoch insgesamt nur rund 85.000 Bewohner (viele Berge verhindern eben die Besiedelung :lol: ).
Und im gesamten Bezirk gibt es inklusive Filialen, wenn ich mich nicht total irre, lediglich fünf ordentliche Buchhandlungen. Eine Schande!!!

dbs

Re: Keine Unterstützung vom Buchhandel

von dbs (25.05.2007, 10:44)
Hallo!

hawepe hat geschrieben:

Wie mir ein Verleger kuerzlich berichtete, gibt es Untersuchungen, nach denen ein durchschnittlicher Kunde seinen Blick nur 2 oder 3 Sekunden auf einem Titel ruhen laesst. Dann sei seine Entscheidung bereits gefallen, ob er fuer ihn Interesse hat oder nicht.



Diese Aussage kenne ich auch - wenn auch nicht von einem Verleger, sondern von einem Werbefachmann. Der hat es mir - sehr vereinfacht - mal so erklärt:

a) Farbiges wird vor Schwarz-Weißem wahrgenommen
b) aggressive Farben (rot, gelb, gelb-schwarz) werden eher gesehen als gedeckte Farben (blau, grün, schwarz)
c) Lebendes (Menschen, Tiere) geht vor Totem (Gegenstände, Landschaften)
d) Details (Hand, Fuß, Kopf) sind besser als Totale (Ganzkörperaufnahme)
e) Gesichter (insbesondere Augen) erreichen mehr Aufmerksamkeit als andere Körperteile

Wer will, kann das mal an sich selbst austesten: In einen Buchladen gehen, ohne(!) einen Blick auf das Regal mit den Neuerscheinungen zu werfen. Dann sich umdrehen und sich die Wand mit den neuen Büchern anschauen. Wo bleibt man mit dem Blick hängen? Welche Bücher nimmt man gar nicht zur Kenntnis?

Ich habe für mich festgestellt, dass die o.g. Farbtheorie und der Effekt Lebendes im Detail dargestellt bei mir wirkt.

Ich habe mir von Amazon einfach mal sechs unterschiedliche Buchtitel zusammengesucht und in einer Grafik zusammengefasst. Damit kann jeder selbst hier feststellen, welche Buchtitel ins Auge fallen und welche man schlicht "übersieht".

Oder macht mit jemanden mal folgenden Versuch:
Die unten angezeigte Grafik ist auf dem Monitor zu sehen. Ihr setzt eure Versuchsperson vor den Monitor, ohne dass sie einen Blick darauf werfen kann (Monitor ausschalten oder verdecken). Dann hält sich die Versuchsperson eine Hand so vor die Augen, dass sie nichts auf dem Monitor sehen kann (Achtung! Augen nicht zudecken, damit die Augen an die Helligkeit gewöhnt bleiben). Nun Monitor einschalten oder aufdecken. Jetzt die Hände der Versuchsperson für eine Sekunden wegziehen und nach dieser einen Sekunde wieder vor die Augen führen. Monitor ausschalten bzw. zudecken. Und nun soll die Versuchsperson die Buchtitel beschreiben.


Grüße
Siegfried
Dateianhänge
Buchtitel.jpg
sechs Buchtitel für "Auffälligkeitstest"

hwg
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Re:

von hwg (25.05.2007, 11:29)
Siegfrieds Ausführungen samt Test entsprechen völlig den Lehrmeinungen von Werbestrategen. Allerdings mit Einschränkungen, jedenfalls meiner bescheidenen Meinung nach.

Es macht sich nämlich bereits ein gegenteiliger Trend bemerkbar, nicht signifikant, aber immerhin. Des visuellen Überangebotes teilweise überdrüssig, greifen immer mehr "Feinschmecker" unter den Buchkäufern - und von diesen will ich hier ausgehen - zu Bänden mit weniger aufgetakeltem "Outfit".

Die bekanntesten französischen Verlage beispielsweise beschränken sich bereits vielfach auf einfärbige Umschläge und einfacher, aber wirksamer Titelgestaltung. Das Schriftbild hat Vorrang. Und selbstverständlich noch mehr der Buchinhalt :D .

Und noch eines: Schwarz-Weiß-Inserate, von einem guten Grafiker gestaltet, erzielen wieder mehr Aufmerksamkeit als das mitunter
zum Augenrollen animierende grellbunte Durcheinander. Das fällt einem auch beim Durchblättern eher anspruchsvoller Illustrierten angenehm auf.

Geschmäcker sind ja verschieden - die Trends kann man aber selber (als Autor, Buchgestalter, Eigenverleger) mitbestimmen. Nicht jeder althergebrachte Ratschlag von "Experten" muss befolgt werden. Es gibt schon genug "Einheitsbrei" - abweichende Ideen sind gefragt!

matthiasgerschwitz

Re:

von matthiasgerschwitz (17.10.2007, 17:17)
Guten Tag allerseits,

ich habe heute erfahren, dass beide Zeitungen meiner früheren Heimatstadt etwas über mein Buch bringen wollen (ich bin ja sozusagen ein verlorener Sohn) :D und habe mit der Geschäftsführerin der dort ansässigen Thalia-Buchhandlung telefoniert, die eine Ecke für heimische Bücher, bzw. heimische Autoren reserviert hat. Sie würde sich bevorraten, wenn in den Artikeln stünde, dass das Buch dort erhältlich ist. Zusätzlich habe ich ihr ein Exemplar mitsamt allen meinen Pressetexten zukommen lassen - und die beiden Zeitungsredaktionen natürlich über die Bezugsquelle informiert ... mal sehen, was passiert...

Nota bene: Thalia ist dort der Platzhirsch... und ich weiß: alle anderen Buchhandlungen (so viele sinds allerdings auch wieder nicht) werden stinkig sein. Aber ehrlich gesagt, ist mir eine reale Bezugsquelle fast lieber als viele virtuelle..... Oder denke ich da falsch?

Liebe Grüße
Matthias

hwg
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Re:

von hwg (17.10.2007, 17:54)
Guten Tag Matthias!

Auch ich bevorzuge die r e a l e Bezugsquelle und habe seit Jahrzehnten "meine" Stammbuchhandlung. In dieser sind ebenfalls
viele Bücher von (steirischen) Autoren aus Klein- und Eigenverlagen
in einer eigenen Ecke und erfreuen sich relativ großer Beliebtheit
bei einheimischen Lesern (Käufern) und auch bei auswärtigen Kunden
mit G'spür für gute und interessanten literarischen Lesestoff.

Bücher-Bestellungen bei Kleinverlagen oder Amazon tätige ich eher
selten und auch nur dann, wenn die Exemplare nicht über den
Buchhändler beziehbar sind (beispielsweise keine Auslieferung in Österreich). Außerdem sind bei Büchern mit gebundenem Ladenpreis
aus der Buchhandlung auch keinerlei Versandkosten zu bezahlen.

Viel Schreib- und Lesevergnügen wünscht Dir
Hans

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Judith
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Re:

von Judith (18.10.2007, 01:25)
Hallo Matthias,

ich versuche sowohl in realen Buchhandlungen als auch im Internet meine Bücher unter die Leute zu bekommen. Wobei bei meinen Vorlesegeschichten der Verkauf über Läden oder direkt über mich überwiegt, beim Tanzstudiobuch dagegen eher der Online-Bereich.

Grüßle,
Judith
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

matthiasgerschwitz

Re:

von matthiasgerschwitz (18.10.2007, 09:46)
matthiasgerschwitz hat geschrieben:

Aber ehrlich gesagt, ist mir eine reale Bezugsquelle fast lieber als viele virtuelle.



Ich biete es ja auch übers Internet an. Was ich meinte: Lieber arbeite ich mit einer Buchhandlung in der Stadt zusammern, bei der ich ahne/weiß bzw. vereinbart habe, dass sie das Buch wegen einer PR-Aktion vorrätig hat und erwähne dann auch den Namen.

Das bringt mir mehr, als nur den Hinweis "erhältlich in allen Buchhandlungen und Online-Buchhandlungen" - und dann muss es in jedem Falle erst bestellt werden.


Liebe Grüße
Matthias

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