Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (13.02.2011, 16:10)
Hallo Sandra!

Deinen Kommentar habe ich mit großem Interesse gelesen und mich an einigen Stellen darüber gefreut, dass Du offensichtlich über dieselben Probleme stolperst, auch wenn sich unsere Lösungsansätze manchmal etwas unterscheiden.

Du willst die medizinische Grundversorgung staatlich garantiert und kostenlos haben. Ich neige zu einer etwas anderen Lösung: Jedes Einkommen unterliegt der Abgabepflicht eines festen Prozentsatzes an die staatliche Krankenversicherung. Dafür erhält er die übliche Versorgung. Sie hängt von der Schwere der Krankheit und vom Alter des Patienten ab. Wem das nicht reicht, der kann eine Zusatzversicherung abschließen.

Ähnliches gilt auch für die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Jedes Einkommen muss einen gewissen Prozentsatz dafür anlegen.

Mithilfe dieser Maßnahmen sollten die Sozialversicherungen finanziell besser dastehen als heute.

Auch für Mindestlöhne bin ich zu haben. Ohne sie wird stets darauf verwiesen, dass der Abstand zwischen den Löhnen und den Hartz-IV-Einkommen zu gering sei, woraus dann stets der Schluss gezogen wird, die Hartz-IV-Einkommen müssen gesenkt werden, statt die Löhne anzuheben. Auf diese Weise werden die Ärmsten der Armen noch ärmer.

Besonders gefreut habe ich mich über die staatlich finanzierte Forschung. Offensichtlich gelang es mir nie, Menschen davon zu überzeugen, dass der angebliche Stein der Weisen nichts mit den privaten Forschungsaufgaben zu tun hat. Wer privates Geld für Forschung gibt, will keine gewinnfreie Grundlagenforschung, er will genau das Gegenteil. Was keinen Gewinn verspricht, wird nicht unterstützt. Ich bin zwar nicht ganz sicher, dass das folgende Beispiel tatsächlich mit der Gewinnorientierung zu tun hat, aber es sieht zumindest danach aus. In den USA gab es einen Treppensteigerrollstuhl, mit dem ein Behinderter ohne fremde Hilfe Treppenstufen überwinden konnten. Da der Markt offensichtlich nicht ergiebig genug war, wurden die Produktion und der Vertrieb dieses Rollstuhls eingestellt. In Frankreich gibt es ein weiteres Exemplar. Der Rollstuhl wird in Deutschland nicht vertrieben, das gilt auch für ein englisches Model. Deutschland – so könnte man daraus schließen – ist nicht in der Lage, selbst einen Treppensteigerrollstuhl zu bauen.

Über die genaue Höhe des an jeden auszuzahlenden Betrages ließe sich natürlich reden, zumal sie sehr stark von den verfügbaren Finanzmitteln abhängt.

Wer sich bereitwillig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellt, hat meines Erachtens auch dann einen Anspruch auf ein Einkommen, das den Lebensunterhalt absichern kann, wenn er gar keinen Arbeitsplatz erhält. Diese Einkommen dürfen auf keinen Fall unterhalb des Mindestlohnes liegen.

Es ist ja keineswegs so, dass kein Geld vorhanden wäre, um auch die Menschen zu unterstützen, die keinen Arbeitsplatz haben. Die Gelder müssen nur richtig verteilt werden. Was aber unterbleiben sollte, sind die bezahlten Überstunden. Besser ist immer der Ausgleich durch Freizeit. Dafür sind keine Steuern und keine Sozialabgaben zu zahlen, ebenso wird dieser Freizeitausgleich nicht in Konsumgüter umgesetzt.

In der Leistungsgesellschaft, wie sie mir vorschwebt, ist zunächst jeder Beruf gleichwertig. Der Arbeitnehmer kann folglich in jedem Beruf aufsteigen, braucht sich also nicht mehr um Arbeitsplätze zu bewerben, für die er gar nicht ausreichend geeignet ist.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re: Leistungsgesellschaft und Kapitalismus

von wgbajohr (13.02.2011, 16:27)
Hallo Reinhold!

Danke für Deinen Kommentar! Er steckt bereits voller kleiner Weisheiten, wie sie eigentlich erst Älteren zustehen.

Hinzufügen möchte ich nur noch einen Aufruf. Ihr Menschen, nutzt hin und wieder eure freien Zeiten, um über zwei Fragen nachzudenken:

Was ist euch wirklich wichtig?

Was wäre, wenn jetzt eure letzten Minuten angebrochen wären und ihr euch fragt, ob ihr euer Leben so gelebt habt, wie ihr es jetzt vielleicht wünscht, dass ihr es getan hättet.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (13.02.2011, 16:42)
Hallo in die Runde!

Wann wird ein Mensch unangenehm auffällig? Wenn das, was er jetzt ist, gesellschaftlichen Regeln widerspricht.

Was uns auffällt, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die möglicherweise Jahrzehnte gedauert hat.

Wir kennen nicht die Einflussfaktoren, die aus dem Menschen das gemacht haben, was uns heute unangenehm auffällt.

Wer unter uns -- wenn er ganz ehrlich ist -- kann wissen, was aus ihm geworden wäre, wenn er den gleichen Weg hätte gehen müssen.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (13.02.2011, 16:42)
wgbajohr hat geschrieben:
Ich neige zu einer etwas anderen Lösung: Jedes Einkommen unterliegt der Abgabepflicht eines festen Prozentsatzes an die staatliche Krankenversicherung. Dafür erhält er die übliche Versorgung. Sie hängt von der Schwere der Krankheit und vom Alter des Patienten ab. Wem das nicht reicht, der kann eine Zusatzversicherung abschließen.


Ich stelle mit Erstaunen fest, dass du FDP-Wähler sein musst. cheezygrin Denn genau das ist der Lösungsvorschlag der FDP für die Krise der deutschen Sozialversicherer:

Jeder Bürger ist zu einer Basisabsicherung verpflichtet, alles andere darüber hinaus wird über private Versicherer geregelt. Es gibt eine Basis-Krankenversorgung, eine Basis-Altersversorgung usw. Wer mehr will, muss anhand seines Einkommens selbst dafür sorgen.

Ob dann jemand mit einem niedrigen Einkommen jemals in den Genuss einer notwendigen Kur kommt, scheint fraglich. Was zur Grundversorgung gehört, ist schwierig zu definieren: Brille? Hörgerät? Zahnersatz? Kernspin-Tomographie? Chefarztbehandlung? Vermutlich kommen wir wieder dahin, dass die soziale Schicht am Zustand der Zähne erkennbar ist.

Grüße
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (13.02.2011, 16:48)
wgbajohr hat geschrieben:
Was uns auffällt, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die möglicherweise Jahrzehnte gedauert hat.


Was sagst du Schulabbrechern, die mit 16 die Schule schmeißen, keine Berufsausbildung anstreben, sondern mit "Kumpels abhängen" wollen, sich jeder Form von eigener Leistung verweigern, über jene lästern, die das Geld erwirtschaften, auf das sie dann Anspruch erheben?

Der eigenständige, selbstverantwortliche Mensch ist ein Ideal, das einer genauern Prüfung nicht standhält. Die Mehrzahl der Menschen will geführt werden, braucht Anleitung. Denn bei Menschen gibt es eine ganz große, zentrale Angst: Die Furcht vor der eigenen Freiheit (Erich Fromm).

Grüße
Siegfried
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (13.02.2011, 17:15)
Siegfried hat geschrieben:
wgbajohr hat geschrieben:
Ich neige zu einer etwas anderen Lösung: Jedes Einkommen unterliegt der Abgabepflicht eines festen Prozentsatzes an die staatliche Krankenversicherung. Dafür erhält er die übliche Versorgung. Sie hängt von der Schwere der Krankheit und vom Alter des Patienten ab. Wem das nicht reicht, der kann eine Zusatzversicherung abschließen.


Ich stelle mit Erstaunen fest, dass du FDP-Wähler sein musst. cheezygrin Denn genau das ist der Lösungsvorschlag der FDP für die Krise der deutschen Sozialversicherer:

Jeder Bürger ist zu einer Basisabsicherung verpflichtet, alles andere darüber hinaus wird über private Versicherer geregelt. Es gibt eine Basis-Krankenversorgung, eine Basis-Altersversorgung usw. Wer mehr will, muss anhand seines Einkommens selbst dafür sorgen.

Ob dann jemand mit einem niedrigen Einkommen jemals in den Genuss einer notwendigen Kur kommt, scheint fraglich. Was zur Grundversorgung gehört, ist schwierig zu definieren: Brille? Hörgerät? Zahnersatz? Kernspin-Tomographie? Chefarztbehandlung? Vermutlich kommen wir wieder dahin, dass die soziale Schicht am Zustand der Zähne erkennbar ist.

Grüße
Siegfried


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Hallo Siegfried!

Das ist schon fast lustig. Ich und FDP-Wähler.

Aber das Beispiel zeigt einmal wieder, dass eine scheinbare Übereinstimmung noch keine Übereinstimmung bedeutet.

Ich ziehe die Grenze, was Zusatzleistungen sein sollten, etwas anders. Das, was im Normalfall keinen Einfluss auf den Gesundungsprozess hat, wie das morgendliche Hallo durch den Chefarzt, kann über eine Zusatzversicherung gebucht werden. Rehas und Hilfsmittel für Behinderte gehören meines Erachtens zu dem, was die Kasse zahlen sollte. Vergessen wir nicht, dass nach dieser Umstellung zumindest ein Teil der Geldknappheit verschwindet, weil erheblich mehr Geld in die Kasse fließt und der Wasserkopf der Verwaltung kleiner wird.

Für meine Firmenrente zahle ich 15,5 % in die Krankenversicherung. Das Gleiche gilt für die ausgezahlte Lebensversicherung meiner Frau. Obwohl die Prämien mit versteuertem Geld, für das auch bereits Sozialabgaben entrichtet worden waren, bezahlt wurden, kassiert die Krankenkasse trotzdem 15,5 %.

Legen wir diesen Prozentsatz, der für kleine Leute als tragbar erachtet wird, zugrunde, hätte jemand mit einem Einkommen von 2.000.000 Euro die Summe von 310.000 Euro an die Krankenversicherung abzuführen.

Diese Pflicht gilt für alle Einkommen, seien es nun Aktiengewinne, Mieteinnahmen oder Einkommen der Politiker und aller anderen Beamten.

So habe ich den Vorschlag der FDP jedenfalls nicht verstanden.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.02.2011, 17:15)
Ich muss gestehen, dass mir das Thema bzw. die Behandlung des Themas hier beinahe zu komplex wird. Dennoch möchte ich gerne etwas dazu schreiben. Ich habe Wolf-Geros Buch zum größten Teil gelesen.

Im wesentlichen schließe ich mich Siegfrieds Ausführungen an, zumal ich im beruflichen Bereich ähnliche Erfahrungen gesammelt habe.
Vorausschicken möchte ich, dass ich in etlichen Bereichen unseres politischen Systems Verbesserungsbedarf sehe.
Allerdings scheint mir die Gegenüberstellung von Wirtschaft und Gesellschaft, arm und reich, "kleine Leute" und Kapital(ismus) zu simpel und daher unzureichend, um eine befriedigende Diskussion zu führen.
Auch fehlt mir eine nachvollziehbare Definition des Begriffs Leistung bzw. Leistungsgesellschaft.
Nehmen wir als Beispiel Bill Gates. Nach W.G.'s Definition ist ein Kapitalist.
Ist er nicht auch ein "guter Mensch"?
Überhaupt, wie ist der "gute Mensch" definiert und welche Rolle spielt er im Hinblick auf Leistungsgesellschaft und Kapitalismus?
Warum ist Ehrgeiz negativ?
Ist es nicht auch eine Form von Ehrgeiz, wenn jemand einen Haufen Kinder in die Welt setzt im Vertrauen darauf, dass der Staat / die Gesellschaft sie schon durchfüttern wird?
Sandra fragt zu Recht, wer denn entscheiden soll oder kann, ob sich ein HartzIV-Empfänger lediglich auf dem System ausruht, oder ob er wirklich bedürftig und unfähig zu arbeiten ist. Sicher nicht die politischen Entscheidungsträger und auch nicht diejenigen, die diese Entscheidungen umsetzen. Eher doch diejenigen, die ständig mit diesem Klientel zu tun haben und nicht selten erstaunt feststellen müssen, dass mitunter alle Familienmitglieder, einschließlich der Kinder, über ein Handy verfügen. Dass sowohl PC, mehrere TV-Geräte im Haushalt vorhanden sind und natürlich Alkohol konsumiert wird. (Nein, nicht alle Hilfeempfänger saufen!).

Ein weiterer Aspekt, der hier nicht behandelt wurde, ist die Tatsache, dass etliche Unternehmen (auch im öffentlichen Bereich) unter ausgesprochener Führungsschwäche leiden. Soft skills sind nichts weiter als eine Maßnahme auf dem Papier. Ich vermute, dass dieses Problem schon die Grundschulen beherrscht - wie kann es sonst angehen, dass Schüler einen Hauptschulabschluss erwerben, wenn ihnen die grundlegenden Kenntnisse in "Lesen, Schreiben, Rechnen" fehlen, von Umgangsformen ganz zu schweigen.

Bürgergeld für alle? Nein, ich frage nicht, wer das bezahlen soll - sondern vielmehr: wozu denn?

Ein kostenfreies, qualitätiv hochwertiges Bildungsangebot für alle wäre m.E. ein erster Schritt zur Ausstattung der Gesellschaft mit den erforderlichen Ressourcen. Bildungsverweigerer müssten zusehen, wie sie ohne die soziale Hängematte zurechtkommen.

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (13.02.2011, 17:29)
Hallo Siegried!

Siegfried hat geschrieben:
Was sagst du Schulabbrechern, die mit 16 die Schule schmeißen, keine Berufsausbildung anstreben, sondern mit "Kumpels abhängen" wollen, sich jeder Form von eigener Leistung verweigern, über jene lästern, die das Geld erwirtschaften, auf das sie dann Anspruch erheben?


Es bleibt auch hier die Frage: Warum verhalten sich die Jugendlichen so?

Um nicht missverstanden zu werden, das entschuldigt nicht ihr Verhalten, aber es liefert auch keinen Grund, die Menschen zu verurteilen.

Überhaupt finde ich, dass wir zu schnell bereit sind, Menschen zu verurteilen, statt uns auf deren Verhalten zu beschränken.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (13.02.2011, 17:40)
... Hilfsarbeiter-Jobs u.ä. wird es in ein paar Jahrzehnten (fast) nicht mehr geben. Es wird Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, Robotik und Nanotechnologie geben, welche die Gesellschaft nachhaltig verändern.

Arbeiten werden nur noch wenige Menschen: hochqualifizierte Programmierer, Forscher, Ärzte, Ingenieure.

Es wird zum größten Teil eine Freizeitgesellschaft werden. Diese Leute brauchen Geld und Beschäftigung.
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SandraR
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Re:

von SandraR (13.02.2011, 19:32)
Chuupsager, wer arbeiten will kann sich auch noch in 20 Jahren beschäftigen! In 20 Jahren werden nicht Roboter die Krankenhäuser putzen und das Essen auf Räder bringen. Die Überalterung zu ignorieren wird in 20 Jahren zu extremen Problemen führen. Also vergiss es, es wird immer noch und immer wie mehr, sehr unangenehme Jobs geben. Jobs die man aber auch machen kann wenn es mit dem Addieren nicht klappt!

Siegfried, Wobei ich hier mal sagen würde, wo bitte waren die Eltern dieser Luschen? Wo war die Schule? Wo der Nachhilfeunterricht als diese noch Kinder waren? Wo der Schulpsychologe?
Und selbst wenn die alle nicht versagt haben, warum soll jemand nicht das Recht haben zu sagen "ich bin doof und will es auch bleiben!" Auch solche Mitbürger muss eine Gesellschaft tolerieren. Toleranz oder auch der Mangel der selben, dass ist auch ein Teil des Spiegelbildes den diese Leute der Gesellschaft anbieten.

Gero, bereits heute sind die Lohnnebenkosten und der Unterschied von Brutto zu Netto das der Arbeitnehmer in Deutschland bekommt, so extrem hoch wie in kaum einem anderen Staat. Schon die bereits jetzt existierenden Gehälter würden sich schlagartig für die Leute erhöhen wäre Krankenkasse eine kostenlose Pflicht des Staates.
Nehmen wir nämlich den Staat nicht in die Pflicht, werden weiter Krankenhäuser privatisiert und werden die Kosten für einen simplen Leistenbruch oder einen Apendix weiter steigen. Nicht weil die OP Kosten so hoch wären sondern die Kosten für den Rest der Versorgung vom Bett, über die Medikamente bis zum schlechten Essen. Der Staat und nur der, kann letztlich die Pharmaindustrie und die Krankenhausindustrie (die privatisiert ja Rendite abwerfen muss) an die Kette legen.

Die Krankenkassen in ihrem heutigen System können es nicht, weil sie dafür zu pharmanah sind und sie es waren die Krankenkassen die Privatsierungen und Rendite der Krankenhäuser so wie es sie jetzt gibt, zu verantworten haben. Sie haben die Rendite durchgesetzt.

Genau das ist aber eines der kommenden ganz großen Probleme einer Gesellschaft von einem riesigen Rentnerheer. Rentner die darüber hinaus oft noch eine sehr geringe Rente haben werden.

Der Generationenvertrag kann inskünftig nicht mehr funktionieren und dafür muss man Heute nach Lösungen suchen und nicht wenn es zu spät ist. Medikamente oder medizinischtechnische Geräte können wenn der Staat sie entwickeln ließ für einen Bruchteil des heutigen Preises auf den Markt kommen. Dies wäre auch ein aktiver Beitrag für eine Welt von Morgen.
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.02.2011, 23:23)
Wo waren die Eltern dieser Luschen?, fragst du Sandra.
Diese Frage stelle ich mir nicht, denn die Antwort ist nicht so schwer zu finden: Sie haben entweder dieselbe Karriere hinter sich oder waren nicht in der Lage, ihren Kindern das vorzuleben, was erstrebenswert ist. Vermutlich setze ich mich in die Nesseln der Multi-Kulti-Schmuser, wenn ich darauf hinweise, dass ein nicht geringer Anteil aus Emigrantenfamilien kommt.
Wo waren Schule, Psychologen, Nachhilfe? Abgesehen vom zeitweise gefahrenen Schmusekurs von Lehrern, konnte m.W. oft festgestellt werden, dass leistungsfordernde Hilfsangebote wenig wahrgenommen werden. Lernen bedeutet nicht konsumieren.
Lehrer: sind sie wirklich adäquat für ihre Aufgabe ausgebildet und sind sie aufgrund ihrer Persönlichkeit dafür geeignet? Pädagogik und Didaktik machen auch heute nur einen Bruchteil des Lehrerstudiums aus.
Neben "Lust auf Leistung machen" gehört nun auch einmal Klartext zur Aufgabe von Lehrern (und Eltern). Klartext war jahrelang verpönt, weil er verwechselt wurde mit autoritärer Erziehung.

Auch in den Schulen herrscht Orientierungslosigkeit, der Altersdurchschnitt der Lehrer liegt um die 50 und höher, die Klassen sind zu groß, die Macht liegt bei den schwachen Schülern (außer Gymnasium), Lehrer müssen die Schüler (und Eltern) fürchten. Und als "schlau" gilt, wer sich am besten durchs Leben mogelt, auf Kosten der anderen.

Und ich bin nicht der Auffassung, dass die Gesellschaft permanent reparieren muss, was im Elternhaus versemmelt wurde. Wer Kinder in die Welt setzt, muss nun einmal Verantwortung übernehmen, und wenn die Dinge aus dem Ruder laufen, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Dies ist keine literarische Abhandlung, sondern beruht auf meiner Erfahrung sowohl als Lehrerin in der Berufsausbildung als auch als Mutter zweier inzwischen erwachsener Söhne (die bereits in der Vorschulzeit mit der Funktion des Weckers vertraut gemacht wurden).

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (13.02.2011, 23:26)
Das Dilemma eines Weltverbesserers

Der Begriff Weltverbesserer wurde Vorwürfen entnommen und ist folglich auch nicht positiv gemeint. Bekennt sich jetzt aber jemand zu dem Begriff, weil er tatsächlich einiges verbessern möchte – wenn auch nicht die gesamte Welt –, dann steckt er sofort in einem Dilemma.

Er stellt fest, dass es in unserer Gesellschaft nicht besonders gerecht zugeht. Manche Ungerechtigkeit fällt aber gar nicht auf, weil sie nämlich strukturell bedingt ist. Jede Gesellschaftsform gestaltet ihre Regeln gesellschaftskonform. Wer sich folglich in einer auf Kapital basierenden Gesellschaft den Regeln dieser Gesellschaft entsprechend verhält, wird für gewöhnlich besser situiert sein als jemand, der die Regeln missachtet.

Dass es in unserer Gesellschaft einige gibt, die sich fast jeden Luxus leisten können, und auf der anderen Seite viele, die nicht einmal das Nötigste haben, um beispielsweise ihren Kindern eine akademische Ausbildung zu ermöglichen, das ist kein Zufall. Wir leben in einer geschlossenen Gesellschaft. Ein besonderes Merkmal einer geschlossenen Gesellschaft ist, dass niemals alle Mitglieder der Gesellschaft zur gleichen Zeit den Spitzenplatz in der sozialen Hierarchie einnehmen können, wie es beispielsweise in einer von sozialer Gerechtigkeit geprägten Leistungsgesellschaft möglich ist.

Die Urteile, die den einen Menschen zum guten Menschen erklären und einen anderen zum schlechten, sollten wir mit sehr viel Vorsicht betrachten. In vielen Fällen ist gar nicht der Mensch das Objekt des Urteilens, sondern Handlungen, die regelrecht sind oder regelwidrig.

Was in dieser Diskussion, die von meinem Buch »Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft« ausgelöst wurde, als erstaunlich wahrgenommen werden sollte, ist der Umstand, dass es sogar einige Stimmen gibt, die gravierende Fehler in unserem Gesellschaftssystem einräumen.

Warum ist das erstaunlich? – Das Erstaunliche liegt in den Reaktionen der mit dieser Diskussion erreichten Gruppe von Menschen. Wir haben sogar Unternehmer dabei und vermutlich auch etliche Selbstständige, vor allem aber Menschen, die es in ihrem Beruf zu etwas gebracht haben. Wen wir nicht dabei haben, sind die wohl überwiegend jungen Menschen, die zwar ein Handy und einen Fernseher haben, dafür aber keine Lust auf Bildung oder gar auf Arbeit.

Wir konnten aus den Beiträgen der Unternehmer herauslesen, dass sie keine schlechten Menschen sind, dass sie im Gegenteil sogar patente Burschen zu sein scheinen, und wir fragen uns, warum es Menschen gibt, die diesen Unternehmern Böses unterstellen wollen.

Wann wäre ein Unternehmer nicht mehr anständig? – Wenn er gegen die Regeln unserer Gesellschaft verstieße. Da diese Regeln aber so gestaltet sind, dass sie genau das erlauben, was ein Unternehmer tun muss, um zu Wohlstand zu kommen, stellt sich doch die Frage, warum ein Unternehmer seine Anständigkeit aufgeben sollte.

Auf der anderen Seite haben wir die Gruppe der Verweigerer, der Kritiker und der nur nach Unterstützung rufenden Menschen. Sie werden von Menschen, die gesellschaftskonform leben, die sich also eingerichtet haben, zu irgendwelchen unliebsamen Handlungen gezwungen, sei es Fortbildung oder Bewerbung um einen Job, für den sich niemand sonst findet, oder zur Übernahme von unangenehmen Arbeiten. Die gesellschaftskonformen Menschen können unter gewissen Bedingungen sogar in den heimischen Bereich der Abweichler eindringen und dabei feststellen, wie die betreffenden Menschen leben.
Gibt es auch das Gegenbeispiel, in dem eine Gruppe der Abweichler in das Zuhause eines Gesellschaftskonformen ganz offiziell eindringt und ihm androht, das Einkommen zu kürzen oder sogar zu streichen, wenn er sich nicht entschließt, das Leben der Abweichler zu führen? – Natürlich nicht!

Worin besteht nun das Dilemma eines Weltverbesserers? Er erreicht nur die Menschen, die von den gesellschaftlichen Regeln profitieren und die selbstverständlich töricht handelten, wenn sie eine andere Gesellschaft einführen wollten, in der sie sicherlich nicht mehr so bevorzugt wären. Die Gruppe, die dagegen von Veränderungen profitieren würde, beteiligt sich nicht. Sie hat dafür keine Zeit, denn schließlich gibt es Fußball, Tennis, Autorennen und viele, viele Shows im Fernsehen.

Wofür soll und wofür wird sich der Weltverbesserer entscheiden?

Viele Grüße
Wolf-Gero
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Re:

von SandraR (14.02.2011, 06:05)
Haifischfrau ich habe auch mit Studenten zu tun (und manche davon wissen vor allem nur eines "Nichts") Du vergisst aber etwas anderes, wir können es uns nicht leisten zu sagen "och ist nicht unser Problem wenn die Eltern zu blöd waren" einfach deswegen, diese Dummerchen sind unsere Rentenversicherung von Morgen!
Wir können kein Solidarsystem einklagen, wenn wir selber nicht zur Solidarität bereit sind. Da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Während ich auch ohne Solidarsystem nicht verhungern werde im Alter, trifft dies gerade im Sozialparadies Europa bei den meisten nicht zu. Da hat der Staat mit falschen Versprechungen zu lange das Hirn der Leute vernebelt. Zu viele waren leider bereit sich auf einen Staat zu verlassen anstelle auf sich selber. Kurz gesagt, auch die Deppen dieser Erde müssen nun mal mitgeschleppt werden, anders geht es nicht. Alles andere würde in Städten zu gesperrten Randzonen führen wo wir uns nur noch unter Lebensgefahr bewegen könnten. Wer sich das nicht vorstellen kann:) ich kann gerne ein Paar Slums nennen zum Anschauungsunterricht für Gruseltourismus. Man sollte ab und an ins Ausland fahren nicht um Urlaub zu machen, sondern um zu sehen wie weit es in anderen Ländern gediehen ist. In New York in den 80ern gab es schon Slums wo man mit von innen geschlossenen Autos zum gucken durchfahren konnte.

Ohne Solidarität könnten die schlimmsten Alpträume in 20 Jahren Realität werden.
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (14.02.2011, 11:52)
Haifischfrau hat geschrieben:
Wo waren die Eltern dieser Luschen?, fragst du Sandra.
Diese Frage stelle ich mir nicht, denn die Antwort ist nicht so schwer zu finden: Sie haben entweder dieselbe Karriere hinter sich oder waren nicht in der Lage, ihren Kindern das vorzuleben, was erstrebenswert ist.


Früher war es üblich, dass Eltern ihre Kinder erzogen mit dem Satz "Sie sollen es einmal besser haben als wir". Dieser Satz ist mittlerweile im Aussterben begriffen, eben weil es den Eltern ohne persönliche Anstrengung relativ gut geht. Warum also die eigenen Kinder auf einen dornenreichen Weg schicken?

Früher galt Bildung als ein erstrebenswertes Ziel. Bildung ermöglichte nicht nur die Grundkompetenzen, also Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern auch die Selbstanalyse, wo man sich gesellschaftlich befand und wer alles Einfluss nahm auf das eigene Leben. Erst durch Bildung kam es zum gesellschaftlichen Konflikt, zum Aufstieg des Bürgertums und zur allgemeinen Verbesserung der Lebensqualität. Heute hat Bildung beinahe schon einen negativen Beigeschmack. Es geht nicht mehr um Wissen oder um die Anwendung von erworbenen Kenntnissen, sondern um Selbstdarstellung. Das "mehr Schein als Sein" hat die Bildung abgelöst.

Haifischfrau hat geschrieben:
Wo waren Schule, Psychologen, Nachhilfe? Abgesehen vom zeitweise gefahrenen Schmusekurs von Lehrern, konnte m.W. oft festgestellt werden, dass leistungsfordernde Hilfsangebote wenig wahrgenommen werden. Lernen bedeutet nicht konsumieren.


Der letzte Satz bringt es auf den Punkt. Lernen ist anstrengend. Es bedeutet Arbeit. Und ist zudem verbunden mit der unangenehmsten Aufgabe überhaupt: Nachdenken.

Für viele ist der Gedankengang "was passiert eigentlich, wenn ..." schon zu anstrengend. Und mittlerweile habe ich den Eindruck, dass diese Unfähigkeit sich wie eine Seuche auf den Weg in die oberen Gesellschaftsschichten gemacht hat (nur als ein Beispiel: Am Wochenende habe ich mehrere Zeitungsartikel gelesen über die bevorstehende Krise in Krankenhäusern, bei den Rettungsdiensten, den Freiwilligen Feuerwehren und beim THW. Diesen Organisationen drohen die Zivildienstleistenden wegzubrechen, weil die Wehrpflicht ausgesetzt wird. Ohne Wehrpflicht keine Zivis, ohne Zivis größte Probleme in den genannten Bereichen. Mir soll kein Politiker erzählen, dass man mit ein wenig Nachdenken dieses Problem nicht vorher erkannt haben könnte).

Wo liegen also die Ursachen für diese Versäumnisse? Tatsächlich bei den Lehrern? Bei den Eltern? Bei den kommerziellen Nachhilfe-Instituten, weil deren Preise zu teuer sind?

Haifischfrau hat geschrieben:
Lehrer: sind sie wirklich adäquat für ihre Aufgabe ausgebildet und sind sie aufgrund ihrer Persönlichkeit dafür geeignet? Pädagogik und Didaktik machen auch heute nur einen Bruchteil des Lehrerstudiums aus.
Neben "Lust auf Leistung machen" gehört nun auch einmal Klartext zur Aufgabe von Lehrern (und Eltern). Klartext war jahrelang verpönt, weil er verwechselt wurde mit autoritärer Erziehung.


Lehrer und damit Schulen sind seit 40 Jahren nichts weiter als Spielbälle von irgendwelchen experimentierfreudigen Kultusministerien. Alle paar Jahre wurde am Unterricht herumgedoktort, mit den Folgen, die wir in den PISA-Studien ablesen können. Sitzt im Unterricht ein Schüler, der mangelhafte Leistungen aufweist, müssen Inhalt und Tempo des Unterrichts so angepasst werden, dass auch er noch mitkommt. Dass die besseren Schüler dadurch unterfordert werden, sich langweilen und folgerichtig in ihrer Leistungsbereitschaft nachlassen, stört keinen. Im Gegenteil: Sollen die guten Schüler speziell gefördert werden, gibt es den Aufschrei wegen Bevorzugung und Spaltung durch elitäre Ausbildung.

Daheim beginnt der Absturz doch schon damit, dass kaum noch gelesen wird. Welche Eltern lesen abends ihren Kindern etwas vor? Welche Eltern lesen außer "Bild" und der Fernsehzeitung denn noch andere Zeitungen? Welche Eltern nehmen überhaupt ein Buch in die Hand (es muss ja nicht gekauft sein - die Bibliotheken verfügen über ein entsprechendes Material).

Auch hier kann ich Erfahrungswerte vorbringen. Als eine Gruppe von langjährigen Hartz-IV-Empfängern einen zweiseitigen Text über den Rattenfänger von Hameln lesen und danach mündlich wiedergeben sollte, kam schlicht nichts. Sie konnten sich nicht daran erinnern, dass der Hamelner Bürgermeister den Rattenfänger nach der erfolgreichen Bekämpfung der Rattenplage über den Tisch gezogen hat. Die Fähigkeit, einen etwas längeren Text inhaltlich zu erfassen, war nicht vorhanden. Diese Kompetenz kann man aber nicht lehren. Hier muss jeder selbst antreten und lesen.

Und noch ein Beispiel, weil zum Jahresanfang ebenfalls selbst erlebt: Wie der eine oder andere hier vielleicht weiß, betätige ich mich gelegentlich bei einem Hobby-Radio-Sender. Dort habe ich zu Jahresbeginn eine Sendung über die Karriere einen sehr bekannten Musikers gemacht. Seine Lebensgeschichte, eingebettet in jede Menge Musik. Die Sendung dauerte 1 Stunde bei einem Verhältnis von 8 Minuten Wortbeiträge (von je 30 Sekunden bis 1 Minute Länge) zu 52 Minuten Musik. Rückmeldung von den Hörern: Zu viele Informationen, kann man ja gar nicht alles begreifen ... (und dabei waren die Textblöcke sehr einfach strukturiert, etwa so:
    [Musik:Neil Christian - That's Nice] [Ansage] "Mitte der 1960er wurde Blackmore Mitglied der Band Roundabout. Hier begegnete er dem Keyboarder Jon Lord. Damit hatten sich die beiden musikalischen Köpfe der späteren Deep Purple gefunden. Im April 1968 wurde die Band personell umgebaut und der Name gewechselt. Nun spielte Ritchie Blackmore bei Deep Purple." [Musik: Deep Purple - Black Night]

Das ist heute offenbar bereits zu schwierig.)

Haifischfrau hat geschrieben:
Auch in den Schulen herrscht Orientierungslosigkeit, der Altersdurchschnitt der Lehrer liegt um die 50 und höher, die Klassen sind zu groß, die Macht liegt bei den schwachen Schülern (außer Gymnasium), Lehrer müssen die Schüler (und Eltern) fürchten.


Das kann ich eins zu eins unterschreiben. Die Macht liegt wirklich bei den Schülern bzw. den Eltern. Mit jeder Benotung läuft der Lehrer das Risiko, vor Gericht gezerrrt zu werden. Was macht also der Lehrer folgerichtig? Er gibt den Schülern die Note, die der Schüler wünscht. Und verzichtet ebenso folgerichtig auf die Einforderung von Leistung.

Und genau das ist das Manko der Gesellschaft schlechthin: Das Fehlen der klaren Aussage "Wenn du etwas willst, musst du dafür was tun". Wenn Kinder mehr Taschengeld wollen, müssen sie eine Gegenleistung erbringen. Ob das innerfamiliäre Tätigkeiten sind (Rasenmähen oder Abwaschen) oder die kleinen Nebenjobs (auch ich habe als Jugendlicher Werbeprospekte und Anzeigenblätter verteilt, um mir etwas Geld hinzu zu verdienen), ist dabei völlig egal. Geld wächst nicht auf Bäumen, das sollte man seinen Kindern schnell beibringen. Und illegale Geldbeschaffung ("Abziehen") muss sofortoge Folgen haben - aber auch da hapert es, weil man lieber den Kuschelkurs fährt.

Ich merke in den Kursen, die ich gebe, immer wieder, wie die Leute auf Leistungsforderung anspringen. Es gibt einen Bodensatz, dem nicht zu helfen ist, weil die einfach nicht wollen. Dieses Nicht-Wollen hat Konsequenzen, indem diese Leute aus dem Kurs entfernt werden. Bei den anderen, die Leistung bringen wollen, aber derzeit nicht können, stelle ich fest, dass sie durch psychologische Unterstützung, etwa indem man ihnen Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit entgegenbringt, sich ganz erheblich verbessern und verändern können.

@wgbajohr

wgbajohr hat geschrieben:
Auf der anderen Seite haben wir die Gruppe der Verweigerer, der Kritiker und der nur nach Unterstützung rufenden Menschen. Sie werden von Menschen, die gesellschaftskonform leben, die sich also eingerichtet haben, zu irgendwelchen unliebsamen Handlungen gezwungen, sei es Fortbildung oder Bewerbung um einen Job, für den sich niemand sonst findet, oder zur Übernahme von unangenehmen Arbeiten.


ich weiß nicht, worauf dieser Absatz zielt, aber in den Kursen, wo ich solche Leute betreue, geht es nicht um Jobs, für die sich sonst niemand findet oder die unangenehme Arbeiten darstellen. Ich habe da Leute sitzen, die wegen Schulabbruchs nie eine Ausbildung gemacht haben und seit Jahren in Hartz-IV stecken, die aus Osteuropa kommen und deren Berufsausbildung hier in Deutschland nicht anerkannt wird, die aus der Türkei/aus Arabien/aus Nordafrika kommen und gerade einmal vier bis sechs Jahre in der Schule waren. Bei all diesen Leuten geht es nicht um Tätigkeiten auf der Mülldeponie oder bei der Kanalreinigung. Sie alle sollen innerhalb von zwei bis drei Jahren fit gemacht werden für einen ganz normalen kaufmännischen Beruf wie Einzelhandelskaufmann, Bürokaufmann, Groß- und Außenhandelskaufmann, Automobilkaufmann und einiges mehr. Das geht aber nur die Eigen-Leistung des Kursteilnehmers.

Grüße
Siegfried
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Ikarus
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Re:

von Ikarus (14.02.2011, 12:19)
Ich unterschreibe alles, was Siegfried hier geschrieben hat.

Mein Widerspruch richtet sich gegen seine Auffassung von der medizinischen Versorgung.

Ich stelle mit Erstaunen fest, dass du FDP-Wähler sein musst. cheezy grin Denn genau das ist der Lösungsvorschlag der FDP für die Krise der deutschen Sozialversicherer:

Jeder Bürger ist zu einer Basisabsicherung verpflichtet, alles andere darüber hinaus wird über private Versicherer geregelt. Es gibt eine Basis-Krankenversorgung, eine Basis-Altersversorgung usw. Wer mehr will, muss anhand seines Einkommens selbst dafür sorgen.

Ob dann jemand mit einem niedrigen Einkommen jemals in den Genuss einer notwendigen Kur kommt, scheint fraglich. Was zur Grundversorgung gehört, ist schwierig zu definieren: Brille? Hörgerät? Zahnersatz? Kernspin-Tomographie? Chefarztbehandlung? Vermutlich kommen wir wieder dahin, dass die soziale Schicht am Zustand der Zähne erkennbar ist.


Ich bin für die steuerfinanzierte Krankenversicherung mit der Möglichkeit, sich für Sonderleistungen zusätzlich zu versichern - ähnlich, wie das heute mit der privaten Krankenversicherung der Fall ist. Eigenartigerweise übersieht Siegfried, dass wir genau diesen Zustand, den er als negative Folge des "FDP-Vorschlags" beschreibt, bereits haben. Brille? Muss ich selbst bezahlen. Zahnersatz? Muss ich ca. zur Hälfte selbst bezahlen. Erkennt man die soziale Schicht am Zustand der Zähne? Ja. Sozial Schwache bekommen Zahnersatz durchaus vom Sozialamt erstattet, wenn sie wissen, wie sie damit umgehen müssen. Meine Frau muss sparen, bis wir uns neuen Zahnersatz und eine neue Brille für sie leisten können, weil sie arbeiten geht und mit einem "mittleren Einkommen" (?, sie ist Verkäuferin) nicht genug verdient, um das aus der Portokasse zu bezahlen.

Kur? Muss ich für bestimmte Krankheitsbilder wirklich 3 Kuren automatisch verschrieben bekommen? Ich war in der Situation, und ich habe nur eine dieser Kuren in Anspruch genommen. Es gibt Personenkreise, die ganz selbstverständlich jedes dritte Jahr zur Kur fahren. Nein, dass muss nicht die Solidargemeinschaft tragen, dafür soll man sich privat versichern. Es gibt auch andere Möglichkeiten, so die Dauer und Höhe des Krankengeldes.

Solche Dinge sollten nicht in die parteipolitische Schublade gesteckt, sondern durchdacht werden.

Gruß
Michael

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