Ab wann ist ein Text ein Plagiat?

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Punani
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Re:

von Punani (19.02.2011, 20:15)
Am Montagabend soll es von der GuttenPlag Wiki einen Bericht geben.
Wer will, kann selbst dort mitmachen.
--> http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,15 ... 82,00.html

Ich werde einfach abwarten und die Geschichte interessiert verfolgen.

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MichaelHA
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...

von MichaelHA (19.02.2011, 20:31)

Lennet

Re: ...

von Lennet (19.02.2011, 22:06)
Ikarus hat geschrieben:
MichaelHA hat geschrieben:

Gezahlt wird der zwar in der Regel aus der Fraktionskasse, aber weshalb sollte sich von und zu Guttenberg nicht eines solchen von ihm persönlich abhängigen Menschen bedient haben, um weite Teile "seiner" Promotion zu verfassen?

Ich denke, dieser Gedanke ist ein ganz Naheliegender! :twisted:

MichaelHA


naheliegend oder nicht - er hat sich dazu geäußert. Die Arbeit entstand im Laufe von 7 Jahren in Heimarbeit. Jemanden öffentlich der Lüge zu beschuldigen ist schon heftig.



SPD vermutet Ghostwriter hinter Guttenbergs Arbeit
http://www.welt.de/politik/deutschland/article12593657/SPD-vermutet-Ghostwriter-hinter-Guttenbergs-Arbeit.html

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Manu
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Qui bono?

von Manu (20.02.2011, 13:23)
Nochmal: abgesehen von copy-paste/Zitieren/Quellenangaben etc. ist die eigentliche Frage doch, was ist die eigene wissenschaftliche Erkenntnis (Schöpfungshöhe) einer Doktorarbeit? Was ist die eigene These? Das ist es nämlich, was den Wert der Arbeit ausmacht, nicht die Anzahl der Zitate.

Bei dem ganzen Hype stellt sich für mich die Frage, WER HAT EIGENTLICH EINEN NUTZEN DAVON?
In einer Zeit, in der es im Orient zu einem revolutionären Flächenbrand kommt und unsere Regierung ihre Position dazu finden muss, wo es bei Anschlägen das Leben der eigenen Leute kostet, wird ausgerechnet unser Verteidigungsminister mt privaten Problemen zugeschüttet? Der Mann hat anderes zu tun!
Also: wem nützt es?

Ach ja, um Unterstellungen vorweg zu greifen: ich bin Stammwählerin der Partei mit den Frühlingsfarben, seit meinem 18. Lebensjahr.

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mtg
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Re:

von mtg (20.02.2011, 13:39)
Manu,

so sehr ich Deine Einlassung inhaltlich verstehe ... so sehr muss ich aber auch deutlich sagen, dass Integrität bei Menschen in vorderster Front unabdingbar ist und nicht mit dem Hinweis auf »andere wichtige Probleme« hintangestellt werden darf.

Wenn »normale« Menschen wegen Einlösen eines fremden Pfandbons oder Mitnehmen von Maultaschen, die ohnehin dem Abfall übereignet werden sollten, ihren Job verlieren ... dann darf ich wohl erwarten, dass eine Doktorarbeit - an deren Ende ein Titel steht, der direkt Reputation und indirekt Geld bringt - zumindest festgelegten und vorher bekannten wissenschaftlichen Grundsätzen entspricht.

Sicherlich bleibt die Frage, wieso es erst jetzt zur Sprache kommt ... aber manchmal dauert es noch länger, bis Unrecht aufgedeckt wird ... und für mich ist das weithin sichtbare Zeichen, dass sich unrechtes Tun nicht lohnt, weil es irgendwann eben doch aufgedeckt wird.

julia07
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Re: Qui bono?

von julia07 (20.02.2011, 14:18)
Manu hat geschrieben:
Nochmal: abgesehen von copy-paste/Zitieren/Quellenangaben etc. ist die eigentliche Frage doch, was ist die eigene wissenschaftliche Erkenntnis (Schöpfungshöhe) einer Doktorarbeit? Was ist die eigene These? Das ist es nämlich, was den Wert der Arbeit ausmacht, nicht die Anzahl der Zitate.

Es geht hier auch nicht um die Anzahl von Zitaten, sondern um die Art wie sie NICHT oder FALSCH gekennzeichnet wurden. Wenn das nur eine Handvoll gewesen wäre, die sich auch noch an weniger exporierten Stellen befunden hätten, als ausgerechnet in z. B. der Einleitung, wäre das vermutlich auch einigermaßen toleriert worden.
Bei der vorliegenden Sachlage handelt es sich hier allerdings um eine ganz andere Qualität des "Schummelns". Heiners Eingangsfrage zielt ja genau auf das "wieviel?" ab.
Was die Nachbewertung der wissenschaftlichen "Schöpfungstiefe" angeht, die inzwischen ja zusätzlich seitens verschiedener Wissenschaftler sehr kritisch beäugt wird, ist das die Angelegenheit der Uni Bayreuth.
Die Bewertung der Zitierweise können sie sich inzwischen sparen, denn hier gibt es kaum noch etwas zu "bewerten".

Bei dem ganzen Hype stellt sich für mich die Frage, WER HAT EIGENTLICH EINEN NUTZEN DAVON?

Dieser Satz stört mich gewaltig, denn erstens ist das kein "Hype" und zweitens hat den einzigen Nutzen von KTGs Plagiaten er selbst gehabt, indem er sich einen Titel erschlichen hat, für den ein Normalo-Studiosus sehr viel mehr persönliche Leistung hätte aufwenden müssen.

In einer Zeit, in der es im Orient zu einem revolutionären Flächenbrand kommt und unsere Regierung ihre Position dazu finden muss, wo es bei Anschlägen das Leben der eigenen Leute kostet, wird ausgerechnet unser Verteidigungsminister mt privaten Problemen zugeschüttet? Der Mann hat anderes zu tun! Also: wem nützt es?

Das soll wohl ein Witz sein? "Er wird mit Problemen zugeschüttet?" :shock::
Mit der gleichen Argumentation könntest Du jegliches Vergehen tolerieren, das irgendein "wichtiger" Mensch begeht, solange er an anderer Stelle etwas "Gutes" tut

Um diesen Gutti-Mist objektiv beurteilen zu können, benötige ich kein Parteibuch, sondern meine Erziehung und ein wenig gesunden Menschenverstand, mehr nicht. So denken offenbar viele andere auch.
Dass ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor der Meinung ist, dass Guttenberg in Amt und Würden bleiben soll, ist für mich ein Armutszeugnis für unser Land, aber das wissen wir bereits von ähnlichen Vorfällen. Man verfolge nur bestimmte Diskussionen in diesem Forum hier.

Julia

Arno Abendschön
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Kurze Wortmeldung

von Arno Abendschön (20.02.2011, 14:58)
Julia und Matthias (stellvertretend für weitere): meinen Dank für eure klaren Worte und Überzeugungsversuche. Ich bin selbst in einem anderen Forum in der Causa Guttenberg stark engagiert und muss mich daher hier zurückhalten.

Hier geht es längst nicht mehr nur um eine fragwürdige Doktorarbeit und einen wackelnden Ministerstuhl. Guttenberg und Anhang samt BILD imitieren die Strategien von Tea-Party, Fox-News usw. Sie kämpfen nicht nur für ihre eigenen Interessen, sondern gegen kritische Medien und eine aufgeklärte, liberale Öffentlichkeit.

Arno Abendschön
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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julia07
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Re:

von julia07 (21.02.2011, 10:29)
Hier noch ein interessanter Spiegel-Artikel vom 06.04.2010:
Plagiator mit Doktorwürde - Wie wird man einen Spitzenbeamten los?

Julia

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.02.2011, 10:42)
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büchernarr

Re:

von büchernarr (21.02.2011, 10:54)
Ist nicht auch die Bibel nur ein Plagiat viel älterer Bücher?
Worüber erregen wir uns eigentlich?

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hawepe
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Re:

von hawepe (21.02.2011, 11:02)
büchernarr hat geschrieben:
Ist nicht auch die Bibel nur ein Plagiat viel älterer Bücher?
Worüber erregen wir uns eigentlich?


Das verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht, ständig wird hier gegreint, wie schrecklich Search Inside sei. Was einem von Guttenberg recht ist, darf doch wohl anderen Menschen billig sein :twisted:

Heinz

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.02.2011, 11:07)
Die Bibel mag ja vielleicht ein Plagiat sein. Aber sie ist keine wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde. Wenn man eine Dissertation schreibt, gibt es so ein paar Gebote wie:

Du sollst nicht abschreiben ohne genaue Quellenangabe.
Du sollst nicht fremder Leute Texte als deine eigenen ausgeben.
Du sollst eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit abliefern.

Die Neubewertung der Arbeit dürfte sehr interessant werden....
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hawepe
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Re:

von hawepe (21.02.2011, 11:57)
Hallo Torsten,

Torsten Buchheit hat geschrieben:
Die Neubewertung der Arbeit dürfte sehr interessant werden....


Da bin ich mir aber noch gar nicht sicher. Dazu sind viel zu viele Profs involviert. Vor allem ist mit Prof. Häberle nicht irgendein Prof Doktorvater gewesen: http://www.bieur.uni-bayreuth.de/de/tea ... index.html

Eine mit Summa cum laude bewertete Promotion wird zudem von weiteren Wissenschaftlern gegengelesen.

Alle Beteiligten wollen aber nicht gemerkt haben, dass die Arbeit in weiten Teilen abgeschrieben war. Damit noch nicht genug, hat von Guttenberg auch noch aus Veröffentlichungen abgeschrieben, für die Studenten in Hausarbeiten und Essays mindestens eine Herabstufung ihrer Note kassieren würden.

Damit keine Missverständnisse auftauchen: Ich bin inzwischen der Überzeugung, dass von Guttenberg tatsächlich nicht abgeschrieben, denn so dumm ist er nicht. Auch wenn ich seine Politik nicht billige, intellektuell halte ich ihn sehr wohl für fähig. Bloß dass er auf einen Ghostwriter hereingefallen ist ...

Beste Grüße

Heinz

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.02.2011, 12:30)
Oh doch, lieber Heinz, es wird sogar sehr interessant.

Es gibt ja einen eigenen Wikipedia-Eintrag:

http://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung ... und_der_EU

Und darin steht auch, wer sich an der Uni Bayreuth mit der Überprüfung der Dissertation befaßt. Es geht ja auch um die Reputation der Uni.

Parallel dazu sucht halb Deutschland die Dissertation nach übernommenen Stellen ab und bündelt die Ergebnisse im GuttenPlag Wiki - ein schönes Beispiel, wie die Bündelung von Kräften zur Lösung wissenschaftlicher Fragestellungen (hier: Sind Teile der Dissertation abgeschrieben?) funktioniert.

Dank des riesigen medialen Interesses wird hier kaum etwas unter den Teppich gekehrt werden können.

Und zum Ghostwriter bleibt anzumerken:

Du sollst nicht schreiben lassen einen Ghostwriter deine Dissertation noch andere deiner wissenschaftlichen Arbeiten, auf daß du nicht gerüffelt werden willst von und zu deinen Professoren.
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (21.02.2011, 12:32)
hawepe hat geschrieben:

Eine mit Summa cum laude bewertete Promotion wird zudem von weiteren Wissenschaftlern gegengelesen.

Alle Beteiligten wollen aber nicht gemerkt haben, dass die Arbeit in weiten Teilen abgeschrieben war.


Was mich zu der Frage bringt, wie qualifiziert die bewertenden Universitätsmitarbeiter vom Doktorvater über Professoren bis hin zu den Wissenschaftlern wirklich sind, wenn ein so zahlreiches "Copy & Paste" nicht auffällt.

Ach ja ... werden jetzt eigentlich alle Doktorarbeiten unserer Politiker genau untersucht? :twisted: Und was ist mit unseren Wirtschaftsbossen? Wie viele von denen haben da ihren "Dr." ermogelt? :twisted:

Grüße
Siegfried
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