Ab wann ist ein Text ein Plagiat?

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büchernarr

Re:

von büchernarr (21.02.2011, 12:36)
Ach ja ... werden jetzt eigentlich alle Doktorarbeiten unserer Politiker genau untersucht? Twisted Evil Und was ist mit unseren Wirtschaftsbossen? Wie viele von denen haben da ihren "Dr." ermogelt? Twisted Evil


Das würde mich aber auch heiß interessieren.

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hawepe
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Re:

von hawepe (21.02.2011, 13:10)
Hallo Torsten,

Torsten Buchheit hat geschrieben:
Und darin steht auch, wer sich an der Uni Bayreuth mit der Überprüfung der Dissertation befaßt. Es geht ja auch um die Reputation der Uni.


Wenn es so einfach wäre, würde ihr Präsident Rüdiger Bormann nicht so herumeiern: http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 60696.html

Aber hinter dem Prädikatsdoktortitel stehen eben sehr prominente Namen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Häberle und Streinz an ausreichendem Einfluss mangelt, um eine Bloßstellung zu vereiteln. Okay, Häberle ist so alt, dass er außer seinem Ruf nichts mehr zu verlieren hat, aber Streinz ist dafür zu jung.

Natürlich können sie sich herauszureden versuchen, ihnen sei nichts aufgefallen, aber wer wird ihnen das glauben? Eine Doktorarbeit ist keine Seminararbeit, die man mal nebenbei bewertet. Wie gesagt, das Problem ist das Summa cum laude.

Dass er erst lange nach dieser Promotion Unipräsident wurde, hätte Bormann eine gute Möglichkeit geboten, offensiv mit dem Problem umzugehen und den Schaden für die Uni Bayreuth gering zu halten. Aber der Zug ist abgefahren.

Beste Grüße

Heinz

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hawepe
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Re:

von hawepe (21.02.2011, 13:25)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Was mich zu der Frage bringt, wie qualifiziert die bewertenden Universitätsmitarbeiter vom Doktorvater über Professoren bis hin zu den Wissenschaftlern wirklich sind, wenn ein so zahlreiches "Copy & Paste" nicht auffällt.


Ehrlich gesagt möchte ich nicht an der Stelle eines Doktorvaters eines derart prominenten Doktoranden sein. Solange dieser Doktorand wissenschaftlich korrekt und erfolgreich arbeitet, hebt es zwar die eigene Reputation, aber nutzt er seinen Prominentenstatus aus, gerät man schnell in die Bredouille.

Ach ja ... werden jetzt eigentlich alle Doktorarbeiten unserer Politiker genau untersucht? :twisted: Und was ist mit unseren Wirtschaftsbossen? Wie viele von denen haben da ihren "Dr." ermogelt? :twisted:


Tolle Logik. Weil andere auch schummeln, dürfen es also alle? Wäre es da nicht einfacher, jeder Bundesbürger bekäme passend zu seinem Alter staatlicherweits ohne den unnötigen Aufwand einer Schummelarbeit gleich den MSA, das Abitur, den Bachelor, den Master und dann auch noch den Doktor zuerkannt?

Weil manche unehrlich sind, kann doch nicht geschlussfolgert werden, dass alle es sein dürfen. Dass Prominente unter besonderer öffentlicher Beobachtung stehen, ist nun einmal so. Und sie wissen es sonst auch weidlich auszunutzen. Von Guttenberg ist übrigens nicht der erste Politiker, der aufgeflogen ist, sondern lediglich der prominenteste. Kohls Arbeit ist z.B. genauso durchleuchtet worden. Nur, er scheint sich redlich selbst bemüht zu haben.

Beste Grüße

Heinz

julia07
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Re:

von julia07 (21.02.2011, 19:37)
Unglaublich, der Kommentar in einer katholische Zeitung zu der "Anne Will"-Sendung vom Sonntag:

Vielleicht braucht es einen Mann des Films und Theaters, um zu erfassen, was derzeit mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seiner Promotion geschieht: Dieter Wedel bezeichnete schon die Tatsache seiner Einladung zu dem Thema in die Sonntags-Politik-Talksendung „Anne Will“ (ARD) als Teil eines inquisitorischen Prozesses gegenüber dem CSU-Politiker.

Warum ging er dann hin?

Viel schlimmer finde ich, dass dieser Kirchenmann nicht nur das mit der Inquisiton goutiert, sondern die Ungeheuerlichkeit, dass Wedel in diesem Zusammenhang auch noch von Pogrom gesprochen hat, mal eben unter den Tisch fallen lässt.

Julia

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mtg
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Re:

von mtg (21.02.2011, 19:51)
Der Autor, Johannes Seibel, entblödet sich wenigstens nicht, seine eigene Inkompetenz unter Beweis zu stellen: Karl Lauterbach ist nicht »SPD-nah«, sondern Mitglied der SPD-Fraktion, und Michael Jürgs ist schon lange nicht mehr beim »Stern« ... und bei der »Anne Will«-Sendung war er auch nicht ... das war nämlich Hans-Ulrich Jörges.

Wer es mit solchen Kleinigkeiten nicht so genau nimmt, der weiß wahrscheinlich auch gar nicht, was »Pogrom« bedeutet - speziell in Deutschland ...

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MichaelHA
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...

von MichaelHA (21.02.2011, 20:06)
hawepe hat geschrieben:
Tolle Logik. Weil andere auch schummeln, dürfen es also alle? Wäre es da nicht einfacher, jeder Bundesbürger bekäme passend zu seinem Alter staatlicherweits ohne den unnötigen Aufwand einer Schummelarbeit gleich den MSA, das Abitur, den Bachelor, den Master und dann auch noch den Doktor zuerkannt?


Ich frage mich auch, weshalb ich mich redlich bemüht habe über den 2. Bildungsweg bis zum Uni-Diplom zu kommen. Nun habe ich immer noch BAFöG-Schulden und war bis Anfang Februar 2010 für mehrere Jahre Hartz IV-Empfänger. Trotzdem bin ich ein durchaus begehrter Arbeitnehmer.
In meiner Heimatstadt absolvierte ich ein Projektpraktikum im Bereich Stadtentwicklungsplanung. Die dortigen Vorgesetzten waren so voll des Lobes, dass gar das Wort "wenn" fiel. "Wenn es bei uns keinen Einstellungsstop gäbe, würden wir sie einstellen".

Von und zu Guttenberg hatte solche Anstrengungen niemals nötig, schließlich ist er schon reich geboren worden und musste gewiss nicht um BAFöG und anschließend um eine Anstellung kämpfen...

Beste Grüße

MichaelHA

julia07
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Re: ...

von julia07 (21.02.2011, 21:14)
MichaelHA hat geschrieben:
Von und zu Guttenberg hatte solche Anstrengungen niemals nötig, schließlich ist er schon reich geboren worden und musste gewiss nicht um BAFöG und anschließend um eine Anstellung kämpfen...

Ja, und weil er auch schon immer ein pfiffiges Kerlchen war, hat er auch jetzt wieder eine Idee, wie er aus dieser Kiste wieder raus kommen könnte:

Guttenberg verzichtet dauerhaft auf Doktortitel :lol:
Geht das überhaupt?

Ob da die Uni "Buy"reuth mitmacht, ist noch nicht bekannt. Wie schade (aus deren Sicht), dass sie nicht nur auf Kohle, sondern auch auf Studierende angewiesen sind ...
Wenn KTGs "Problem" wirklich so ausgehandelt wird, müssen sie vermutlich Prämien zahlen, damit überhaupt noch jemand dort studieren will. Ein Abschluß von so einer Uni käme einem in der CH gekauften "Dr" nahe.

Plagiieren wird salonfähig, worüber regen wir uns bloß aus?

Julia

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.02.2011, 23:24)
Und die Süddeutsche schreibt:

http://www.sueddeutsche.de/politik/plag ... -1.1063178

Doktortitel nicht mehr führen? Das geht nur, wenn man das Recht hat, einen zu führen. So leicht kommt man aus der Sache nicht mehr raus.

Die Entscheidung liegt bei der Uni, ob der Titel aberkannt wird. Man darf gespannt sein...
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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (22.02.2011, 06:57)
Und die taz schreibt:

http://www.taz.de/1/politik/deutschland ... s-plagiat/

Daraus wörtlich zitiert:

Nach der Bayreuther Promotionsordnung und dem bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetz kann ein Doktortitel unter anderem dann aberkannt werden, wenn der Doktorand den Titel durch "Täuschung" erlangt hat. Der für zu Guttenberg zuständige Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat zum Beispiel 2006 geurteilt, dass "die wörtliche oder sinngemäße Übernahme von Textpassagen aus fremden Werken ohne (ausreichendes) Zitat gegen grundlegende Maßstäbe wissenschaftlichen Arbeitens verstößt und damit die Annahme einer Arbeit als Dissertation im Regelfall ausschließt".

Der Entzug der Doktorwürde ist nicht erst dann möglich, wenn die ganze Arbeit ein Plagiat ist. Vielmehr genügt es, wenn sich die ungekennzeichnete Übernahme fremder Textpassagen "insgesamt auf mehrere Seiten erstreckt und wiederholt und in Bezug auf verschiedene Autoren eingesetzt worden ist", so der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof (VGH) in einem Urteil von 2008.
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MichaelHA
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...

von MichaelHA (22.02.2011, 07:33)
Die TAZ schreibt aber auch, der durchschnittliche Ertrag eines Doktortitels in Monatsgehältern ausgedrückt, liege bei 500 EURO - das entspricht ungefähr dem Salär eines Hartz IV-Empfängers (ohne Wohnkosten):

http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/ ... cum-laude/

Ob dies aber die "Wahrheit" ist - das ist eine andere Frage... cheezygrin

Beste Grüße

MichaelHA
Zuletzt geändert von MichaelHA am 22.02.2011, 09:47, insgesamt 1-mal geändert.

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von MichaelHA (22.02.2011, 08:01)
http://images1.wikia.nocookie.net/__cb20110221183421/guttenplag/de/images/thumb/d/dd/Plagiat_graphic.jpg/650px-Plagiat_graphic.jpg

Lt.: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate beträgt die Anzahl der Seiten auf denen bislang Plagiate gefunden wurden: 286, d.h. in % ausgedrückt: 72,77.

Ich frage mich nun, wieviel von und zu Guttenberg seinem Plagiator, ähh... "Ghostwriter" dafür gezahlt hat?

10.000 EURO per anno oder war es eine Festsumme, gezahlt an eines der berühmt-berüchtigten Institute für Wissenschafts"beratung"... ???

Beste Grüße

MichaelHA

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (22.02.2011, 08:29)
Das werden wir nie erfahren, ob er die Arbeit selbst verfaßt (und selbst abgeschrieben) hat oder ob er einem Ghostwriter aufgesessen ist, der nur abgekupfert hat.

Keine Ahnung, was davon peinlicher ist... :oops:
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hawepe
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Re:

von hawepe (22.02.2011, 09:17)
Hallo,

Was von Guttenberg recht war, ist BoD billig. Und so gibt es jetzt ganz exklusiv auch den Doktor on Demand cheezygrin

Beste Grüße

Heinz

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hawepe
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Re:

von hawepe (22.02.2011, 09:23)
Hallo Torsten,

Torsten Buchheit hat geschrieben:
Das werden wir nie erfahren, ob er die Arbeit selbst verfaßt (und selbst abgeschrieben) hat oder ob er einem Ghostwriter aufgesessen ist, der nur abgekupfert hat.


Da wäre ich mir nicht so sicher. Für den Ghostwriter, wenn es denn einen gab, könnte es unter Umständen recht unangenehm werden. Durch ein wenig Mundpropaganda könnte ihm sein zukünftiges Geschäft ziemlich vermiest werden.

Ein kleines Trostpflaster könnte da ein Bestseller "Ich schrieb die Doktorarbeit für von Guttenberg" sein, wobei der Titel natürlich sehr viel reißerischer formuliert werden müsste. Enthüllungsbücher verkaufen sich, wenn es um Prominenz geht, immer sehr gut book:

Und wenn er Glück hat, kann er irgendwann noch mit "Ich, der Kanzlermacher" nachlegen cheezygrin

Beste Grüße

Heinz

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (22.02.2011, 10:00)
Offizielle Repressalien sind nicht drin, da ein Geschäft wie das Schreiben einer Doktorarbeit von vorneherein sittenwidrig ist (da ja allgemein bekannt sein dürfte, daß man eine Doktorarbeit selbst verfassen muß). Da spielt sich alles in einem grauen Markt ab, hinter verschlossenen Türen.

Ich vermute, daß der Gesichtsverlust bei Zugeben eines Ghostwriters viel höher wäre, als wenn die Arbeit als eigene Fehlleistung zugegeben würde. Vermutlich wird die Strategie drauf hinauslaufen, die Fehler zu bagatellisieren (ein paar vergessene Fußnoten), dann alles zurückzuziehen (ich wollte ja nichts Böses, tun wir so, als wäre nichts) und dann Gras drüber wachsen zu lassen (da war ja nie was).

Für mich wäre es die größte Genugtuung, wenn die Uni die Arbeit zurückweisen würde und auf der Neueinreichung der korrigierten Arbeit (diesmal ausschließlich Eigenleistung!) bestehen würde. Und selbst wenn die Arbeit dann nur mit rite bewertet würde, wäre ich zufrieden. Schließlich ist es mir egal, ob er einen oder keinen Doktortitel führt, bloß wenn er das tut, dann soll auch eine eigene Arbeit dahinterstehen.
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