Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

Präsentiert euren Reiseführer, Bildband, euer Koch- oder Lehrbuch, eure Biografie oder Monografie.


Benutzeravatar
Goetkowski
Beiträge: 103
Registriert: 05.02.2010, 09:55
Wohnort: Duisburg

Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 18:06)
Siegfried hat geschrieben:
Die Meinung im amerikanischen Volk war so stark gegen den Morgenthau-Plan aufgestellt, dass ein Festhalten daran Roosevelts Wiederwahl zum Präsidenten im November 1944 gefährdet hätte.


Hallo, Siegfried,

ich bin zugegebenermaßen politisch und geschichtlich zu ungebildet und/oder zu skeptisch, um die von Dir aufgeführten Argumente zu kennen bzw. ihnen einfach so Glauben zu schenken. Nicht etwa, weil es sich um Amis handelt, sondern weil es eben auch nur Menschen sind. Das, was Du anführst, klingt durchaus schlüssig, nur sehe ich da mit Blick auf die Hiroshima- und Nagasaki-Bomben doch eine leichte humanitäre Diskrepanz.

Das Argument im Zitat dagegen bezweifele ich ganz und gar nicht. Ist es denn abwegig, bei einem Land, das eine Weltmacht darstellt und sich - womöglich latent blasphemisch - gerne als "God´s own land" präsentiert, davon auszugehen, dass es in erster Linie um Macht geht? Und seinem Präsidenten, dem mächtigsten Mann der Welt, ebenfalls?

Es fällt mir halt schwer zu glauben, dass ausgerechnet eine Nation, die immerhin einen wahnsinnigen Krieg vom Zaun gebrochen und nebenbei sechs Millionen Juden ermordet hat, beim Feind so was wie Beschützerinstinkte hervorruft. Wo sich bereits in Zeiten des Friedens weltweit alles um wirtschaftliche Interessen dreht, so doch in Kriegen erst recht - wenn sie nicht gerade religiöse Hintergründe haben.

Da bedarf es zumindest bei mir gar keiner Verschwörungstheorien. Zudem werden die oftmals von denen belächelt - und damit meine ich ausdrücklich nicht Dich persönlich! -, die absolut souverän auf wirklich alles eine passende Antwort parat haben. Diese Zeitgenossen sind mir ebenso suspekt, in ihren Aussagen schwingt nämlich immer solch eine "Alles-wird-gut"-Attitüde mit, die Eltern gerne verwenden, um ihren kleinen dummen Kindern die Angst vor was auch immer zu nehmen.

Von den ganzen Experten, die sich immerhin auch ständig verbal bekriegen, und den "neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen", die in schöner Regelmäßigkeit über den Haufen geworden werden, weil es dann wieder neuere neueste Erkenntnisse gibt, will ich gar nicht erst reden cheezygrin ...

Gruß, Uwe
Etwas reißerische Werbung:

KARRIERE-KEHRWERT: OUT NOW!

Benutzeravatar
SandraR
Beiträge: 2674
Registriert: 25.11.2007, 07:17
Wohnort: Moskau

Re:

von SandraR (22.02.2011, 18:07)
Thomas ich weiß nicht was Du für Putzfrauen kennst, ich bin aber einigen begegnet die hatten absolut kein Problem mit dem Job!

Deswegen ist da eher deine Einstellung dekadent. Auch ein Mensch mit einer für Dich unangenehmen Arbeit kann damit zufrieden sein.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

Benutzeravatar
Thomas Becks
Beiträge: 2747
Registriert: 04.09.2007, 17:47
Wohnort: Ruhrgebiet

Re:

von Thomas Becks (22.02.2011, 18:27)
SandraR hat geschrieben:
Thomas ich weiß nicht was Du für Putzfrauen kennst, ich bin aber einigen begegnet die hatten absolut kein Problem mit dem Job!

Deswegen ist da eher deine Einstellung dekadent. Auch ein Mensch mit einer für Dich unangenehmen Arbeit kann damit zufrieden sein.

Vielleicht bin ich ja ein bisschen weltfremd. Ich kenne auch keinen Möbelpacker, der sich Arbeit mit nachhause bringt. cheezygrin

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5975
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (22.02.2011, 20:00)
Goetkowski hat geschrieben:
ich bin zugegebenermaßen politisch und geschichtlich zu ungebildet und/oder zu skeptisch, um die von Dir aufgeführten Argumente zu kennen bzw. ihnen einfach so Glauben zu schenken. Nicht etwa, weil es sich um Amis handelt, sondern weil es eben auch nur Menschen sind. Das, was Du anführst, klingt durchaus schlüssig, nur sehe ich da mit Blick auf die Hiroshima- und Nagasaki-Bomben doch eine leichte humanitäre Diskrepanz.


Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Bei den Atombomben ging es um eine vorzeitige Beendigung eines Krieges, der für die US-Amerikaner immer größere Verluste brachte (Saipan 3.500 tote US-Soldaten; Iwo Jima 6.800 tote US-Soldaten; Okinawa 12.500 tote US-Soldaten). Für die Landung auf den japanischen Hauptinselt im Jahre 1946 ging man von etwa 500.000 toten US-Soldaten, bis zu 4 Millionen toten japanischen Soldaten und etwa 10 Millionen toten Zivilisten aus. Diese Hochrechnungen wurden auf Basis der Kämpfe in der Normandie gemacht sowie unter der Annahme, dass sich japanische Zivilisten in die Kämpfe einmischten bzw. in großem Umfang Selbstmord begingen (siehe u.a. die Massenselbstmorde auf Okinawa). Der Einsatz der Atombomben war also verknüpft mit einem schnellen Ende des Krieges und den dadurch nicht erforderlichen Einsatz eigener Truppen.

Richtig ist in diesem Zusammenhang der Einwand, ob der Einsatz der Atomwaffen überhaupt noch nötig war. Es gab innerhalb der japanischen Führung erheblichen Streit, ob der Krieg nach der Niederlage von Okinawa fortgesetzt werden sollte oder nicht. Dies führte zu einem Beinahe-Putsch innerhalb der japanischen Armee, der erst durch Eingreifen des Tenno beendet werden konnte.

Nach dem Krieg betrieben auch die Westmächte in Deutschland massiv Reparationsleistungen durch Abbau von Industrieanlagen (also nicht nur die Sowjets im Ostteil Deutschlands). Diese Demontagen im Westen endeten erst 1951.

Goetkowski hat geschrieben:
Es fällt mir halt schwer zu glauben, dass ausgerechnet eine Nation, die immerhin einen wahnsinnigen Krieg vom Zaun gebrochen und nebenbei sechs Millionen Juden ermordet hat, beim Feind so was wie Beschützerinstinkte hervorruft. Wo sich bereits in Zeiten des Friedens weltweit alles um wirtschaftliche Interessen dreht, so doch in Kriegen erst recht - wenn sie nicht gerade religiöse Hintergründe haben.


Das ist vermutlich ein grundlegender Unterschied in der Mentalität der Menschen hier und da. Ich war in den letzten 15 Jahren ein halbes Dutzend Mal in den USA, hatte und habe in meinem Bekanntenkreis US-Amerikaner. Sie haben wirklich eine grundlegend andere Einstellung zum Leben. Erfreulicherweise eine optimistische. Allerdings soll sich die in den letzten zwei Jahren "europäisiert" haben, also pessimistisch geworden sein. Im September fahre ich für gut drei Wochen wieder rüber - mal sehen, ob's stimmt.

Ein Italiener sagte mal zu mir: "Ihr Deutschen seid immer radikal. Entweder seid ihr radikal gut, bringt Leute wie Goethe und Beethoven hervor und helft der Welt mit allem, was ihr habt, oder ihr seid radikal schlecht, lauft Leuten wie Hitler hinterher und schlachtet die halbe Welt ab. Irgendwas dazwischen, leben und leben lassen, auch mal vergeben und einfach eine neue Chance nutzen, das ist nicht euer Ding. Ihr quält euch gerne selbst. Das versteht kein Italiener!"

Vielleicht hat der Mann Recht - und vielleicht würden wir ein Volk, das jene Dinge verursacht hat wie wir von 1933 bis 1945, mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen. Radikal eben! cheezygrin

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Goetkowski
Beiträge: 103
Registriert: 05.02.2010, 09:55
Wohnort: Duisburg

Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 20:23)
Es mag Menschen geben, die auch in - nach unseren Maßstäben - "niederen" oder vielleicht besser, in nach geringerer Qualifikation verlangenden Tätigkeiten aufgehen oder ihre Berufung darin sehen. Auch dies kann ich glauben oder aber - und bei der überwiegenden Mehrheit wird das der Fall sein - einen Selbstbetrug darin erkennen.

Denn wer gesteht sich schon gerne ein, ein mieses Los gezogen zu haben?! Gerade heute dreht es sich doch wohl in erster Linie um den reinen Broterwerb, und wenn der Arbeitsplatz einigermaßen sicher ist, wäre es beinahe töricht, darüber zu meckern.

Die Männer, die bei der Müllabfuhr oder, um dem Job zu einem weltmännischen Flair zu verhelfen, dem Entsorgungs-Management beschäftigt sind, können sich vermutlich was Reizvolleres vorstellen als tagaus, tagein bei -10°C oder +40°C hinter der stinkenden Luke auf einem LKW durch die Straßen zu fahren.

Aber sie werden dringend gebraucht, und ihr Job dürfte recht krisensicher sein. Und: Irgendjemand muss diese Arbeit erledigen, ob er will oder nicht! Um mal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern und ein Ersthand-Beispiel in den Raum zu stellen:

Ich bin gelernter Maschinenschlosser, und man sagt mir nach, dass ich aufgrund meiner Fähigkeiten durchaus dazu in der Lage gewesen wäre, Maschinenbau zu studieren, um anschließend als Ingenieur tätig zu sein. Kann sein. Doch erstens bemühe ich in der Retrospektive nur sehr ungern den Konjunktiv und zweitens: Wäre ich als Ingenieur glücklich geworden ...?

Setze ich Glück mit Wohlstand gleich, sicherlich glücklicher als jetzt. Da gilt es halt abzuwägen. Momentan arbeite ich, wie bereits erwähnt, als Zwei-Euro-Jobber in einer Radstation. Es wäre gelogen, dabei von einer erstrebenswerten Beschäftigung zu sprechen, aber ich kann auch und gerade hier meine große Passion (Fahrräder) und damit zusammenhängende autodidaktisch erworbende Kenntnisse und Fähigkeiten umsetzen.

Der Job erfordert laut Anforderungsprofil praktisch keinerlei Qualifikation. Ein Umstand, der mir zum Vorteil gereicht, denn ich habe sofort am zweiten Tag eine Arbeitsprobe abgeliefert, die den Meister überzeugte. So erledige ich fachliche Tätigkeiten, die weit über ein Heimwerker-Niveau hinausgehen, erwirtschafte dadurch einen echten Gewinn - mit 2€/h bin ich schließlich gnadenlos unterbezahlt - und verschaffe mir neben der persönlichen Befriedigung, etwas Sinnvolles geleistet zu haben, auch gewisse private Freiräume.

Ich stelle Metallschmuck und Teile für meine Fahrrad-Eigenbauten her, verwirkliche mich also kreativ, oder ich schreibe, da auch ein Internetzugang vorhanden ist, Beiträge in einigen Fachforen, z. B. auch hier. Alles ganz ohne Leistungsdruck oder gar die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Das Sahnehäubchen der Angelegenheit - und genau darüber definiere ich meinen Wohlstand oder mein Glück - ist die verbleibende Freizeit, die ich mit der Ausübung meines Hobbys füllen kann.

Tiefschürfende Gedanken über meinen gesellschaftlichen Status oder die Suche nach Prestige sind da natürlich fehl am Platze, doch ich mache das für mich (!) Beste aus der Situation, kann alles mit meinem Gewissen vereinbaren und kann wahrlich nicht sagen, ich sei unzufrieden.

Irgendwie fällt mir gerade das Märchen vom Fischer und seiner Frau ein ...

Gruß, Uwe
Etwas reißerische Werbung:



KARRIERE-KEHRWERT: OUT NOW!

Benutzeravatar
Goetkowski
Beiträge: 103
Registriert: 05.02.2010, 09:55
Wohnort: Duisburg

Re:

von Goetkowski (22.02.2011, 21:53)
Siegfried hat geschrieben:
1. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Bei den Atombomben ging es um eine vorzeitige Beendigung eines Krieges, der für die US-Amerikaner immer größere Verluste brachte (Saipan 3.500 tote US-Soldaten; Iwo Jima 6.800 tote US-Soldaten; Okinawa 12.500 tote US-Soldaten). Für die Landung auf den japanischen Hauptinselt im Jahre 1946 ging man von etwa 500.000 toten US-Soldaten, bis zu 4 Millionen toten japanischen Soldaten und etwa 10 Millionen toten Zivilisten aus. Diese Hochrechnungen wurden auf Basis der Kämpfe in der Normandie gemacht sowie unter der Annahme, dass sich japanische Zivilisten in die Kämpfe einmischten bzw. in großem Umfang Selbstmord begingen (siehe u.a. die Massenselbstmorde auf Okinawa). Der Einsatz der Atombomben war also verknüpft mit einem schnellen Ende des Krieges und den dadurch nicht erforderlichen Einsatz eigener Truppen.


2. Das ist vermutlich ein grundlegender Unterschied in der Mentalität der Menschen hier und da. Ich war in den letzten 15 Jahren ein halbes Dutzend Mal in den USA, hatte und habe in meinem Bekanntenkreis US-Amerikaner. Sie haben wirklich eine grundlegend andere Einstellung zum Leben. Erfreulicherweise eine optimistische. Allerdings soll sich die in den letzten zwei Jahren "europäisiert" haben, also pessimistisch geworden sein. Im September fahre ich für gut drei Wochen wieder rüber - mal sehen, ob's stimmt.


zu 1.) Ich habe auch nicht das Gegenteil behauptet, doch auch hier geht es um wirtschaftliche Interessen. Und bzgl. auf Deinen vorherigen Beitrag => Verfassung/Unabhängigkeitserklärung, möchte ich zu dem Recht auf Freiheit und dem Streben nach Glück noch was anmerken bzw. in Frage stellen.

Wie sah es denn noch lange nach dem Krieg mit den Rechten der Schwarzen und Ureinwohner, also den Indianern aus? Das steht für mich in starkem Widerspruch zu einem der ach so hehren Argumente, aufgrund derer der Morgenthau-Plan gecancelt wurde.

zu 2.) Warum haben/hatten die Amis solch eine optimistische Lebenseinstellung (wobei diese von ein paar Millionen Bürgern sicherlich nicht geteilt wird)? In einem riesigen Land mit (scheinbar) unerschöpflichen Ressourcen fällt es leicht, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Fiel es leicht, denn wie Du selber anmerkst, soll sich da ja was geändert haben. In den vergangenen beiden Jahren. Was war denn da?! Wenn es dem allmighty dollar an den Kragen geht, sackt die gute Laune wohl rapide in den Keller. Mal ehrlich: Um mitzubekommen, dass die halbe Welt sich besonders seit Beginn des Industriezeitalters in einem Schlaraffenland wähnte, muss man nicht unbedingt sonderlich aufgeweckt sein.

Es wurde - und wird ja immer noch - aus dem Vollen geschöpft, als hätte man noch ein paar Ersatz-Erden in petto. "Was kostet die Welt?" trifft es eigentlich ziemlich genau auf den Punkt. Durch die wie ein Spinnennetz den Globus umspannenden Flugverbindungen ist die Erde in unserer Wahrnehmung geschrumpft. Der Mensch hat sich weitestgehend von seiner natürlichen Umgebung und auch seinen Natur gegebenen Fähigkeiten entkoppelt.

Aus 8.000 Metern Höhe sieht alles fantastisch und intakt aus. Ich bin nur mit dem Rad unterwegs und kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Es wäre müßig, nun unzählige Beispiele aufzuzählen, aber ich möchte den Optimismus mal gegen Blauäugigkeit tauschen, wenn jemand allen Ernstes daran glaubt, dass sich alle Missstände schon irgendwie wieder zum Guten wenden werden.

Potenzial ist gewiss zur Genüge vorhanden, nur bringt das wenig, solange Lobbyisten das Sagen haben. Mir kommt gerade sarkastisch fies grinsend die Atom-Energie in den Sinn. High Tech in Formvollendung. Okay, mit einem gewissen zu vernachlässigenden Restrisiko behaftet, aber ansonsten gar nicht mal schlecht. Dann aber - und das ist in meinen Augen die groteske unfreiwillige Komik der Sache - die Endlagerung des atomaren Abfalls.

Gorleben, Asse 2 und wie sie alle heißen. Das Zeug wird verbuddelt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Archaisch. Wie im tiefsten Mittelalter, als die Menschen ihre Fäkalien noch aus dem Fenster zu kippen pflegten. Da sehe ich die "Simpsons" plötzlich aus einem gänzlich anderen Blickwinkel.

Nein, ich bin nicht (mehr) pessimistisch und resigniere auch nicht. Ich werfe eine Atombombe in den Ozean und betrachte den Pilz als Pappnase. Forme aus toten und verseuchten Fischleibern und Ölteppichen irrwitzig strahlende Augen und einen lachenden Mund. Galgenhumor lautet mein Gebot der Stunde, denn ansonsten ertrüge ich das alles nicht ...

mit frohlockendem Gruß, Uwe cheezygrin
Etwas reißerische Werbung:



KARRIERE-KEHRWERT: OUT NOW!

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5975
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (22.02.2011, 23:29)
Goetkowski hat geschrieben:
zu 1.) Ich habe auch nicht das Gegenteil behauptet, doch auch hier geht es um wirtschaftliche Interessen. Und bzgl. auf Deinen vorherigen Beitrag => Verfassung/Unabhängigkeitserklärung, möchte ich zu dem Recht auf Freiheit und dem Streben nach Glück noch was anmerken bzw. in Frage stellen.

Wie sah es denn noch lange nach dem Krieg mit den Rechten der Schwarzen und Ureinwohner, also den Indianern aus? Das steht für mich in starkem Widerspruch zu einem der ach so hehren Argumente, aufgrund derer der Morgenthau-Plan gecancelt wurde.


Okay, du hast Recht. Ich sehe es jetzt ein. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mit dem Recht auf Freiheit, auf persönliche Entfaltung, auf ein Streben nach Glück ist offenbar eine Farce. Afro-Amerikaner (bitte nicht Farbige! Das gilt dort als Beleidigung!), die Native Americans (bitte nicht Indianer! Gilt noch stärker als Beleidigung - habe ich mal in einem langen Gespräch mit einem Navajo in New Mexico erfahren - aber das weißt du ja sicher auch selbst) sind sehr sprechende Beispiele, dass die Aussagen der US-Verfassung Unsinn sind. Blödsinnigerweise haben wir uns von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg genau diese offensichtliche Farce in unser Grundgesetz hineindiktieren lassen.

Goetkowski hat geschrieben:
zu 2.)
[...]
Es wurde - und wird ja immer noch - aus dem Vollen geschöpft, als hätte man noch ein paar Ersatz-Erden in petto. "Was kostet die Welt?" trifft es eigentlich ziemlich genau auf den Punkt. Durch die wie ein Spinnennetz den Globus umspannenden Flugverbindungen ist die Erde in unserer Wahrnehmung geschrumpft. Der Mensch hat sich weitestgehend von seiner natürlichen Umgebung und auch seinen Natur gegebenen Fähigkeiten entkoppelt.

Aus 8.000 Metern Höhe sieht alles fantastisch und intakt aus. Ich bin nur mit dem Rad unterwegs und kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Es wäre müßig, nun unzählige Beispiele aufzuzählen, aber ich möchte den Optimismus mal gegen Blauäugigkeit tauschen, wenn jemand allen Ernstes daran glaubt, dass sich alle Missstände schon irgendwie wieder zum Guten wenden werden.


Also, ich bin in den USA noch nie mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, sondern ausschließlich mit dem Auto oder zu Fuß, und habe daher immer nur mit den US-Bürgern auf dieser Ebene Kontakt gehabt (ich weiß noch, wie ich im Heimatmuseum von Santa Fe stundenlang mit drei Frauen über das Leben im Südwesten der USA und in Deutschland diskutiert habe - solche Diskussionen passieren einem dort ständig, sobald man sich als Ausländer zu erkennen gibt! cheezygrin ). Vielleicht hast du dadurch einen anderen Einblick in das amerikanische Leben gewonnen, als du dort Fahrrad gefahren bist. Und vielleicht ist dein Eindruck vom Lebensstil der US-Amerikaner, von ihrer Einstellung zu ihrem Land, zur Welt und zu eigenen Verantwortung für das Leben, richtiger als mein Eindruck. Ich kann nur jene Erfahrungen aus meinen Gesprächen in die Diskussion werfen, die ich in den USA mit dem Leuten dort gemacht habe. Wenn du bessere Kenntnisse über die Amerikaner hast, muss ich das wohl akzeptieren. Da sind meine Eindrücke vor Ort wohl falsch gewesen.

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

...

von MichaelHA (23.02.2011, 00:47)
Goetkowski hat geschrieben:
Gorleben, Asse 2 und wie sie alle heißen. Das Zeug wird verbuddelt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Archaisch. Wie im tiefsten Mittelalter, als die Menschen ihre Fäkalien noch aus dem Fenster zu kippen pflegten.


Unsere Welt ist eben archaischer als wir denken. Merken wird man dies gewiss mit einem Abstand von 50 bis 100 Jahren...

Beste Grüße

MichaelHA

Benutzeravatar
wgbajohr
Beiträge: 853
Registriert: 08.04.2007, 02:50

Re:

von wgbajohr (23.02.2011, 01:37)
Thomas Becks hat geschrieben:
wgbajohr hat geschrieben:
Die geschickteste Reaktion ist, wie ich meine, beide Größen zu beeinflussen, das heißt, die Ansprüche so tief wie möglich zu drücken und gleichzeitig so viel Geld wie möglich zu erarbeiten.

Das hört sich, gleichzeitig, geizig und gierig an.
Die Ansprüche runter zu schrauben finde ich gut, solange man dabei an Lebensqualität gewinnt. Der eigentliche Gewinn heißt hier; weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu gewinnen.
Gruß
Thomas




Thomas Becks hat geschrieben:
Das hört sich, gleichzeitig, geizig und gierig an.


Mein Urteil wäre: … sparsam und verantwortungsbewusst.
Sparsam, weil er nicht mehr Geld ausgibt als unvermeidbar.
Verantwortungsbewusst, weil er nur das erforderliche Geld verdienen will.

Viele Grüße
Wolf-Gero
Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen
Etwas beeinflussen zu können heißt, dafür verantwortlich zu sein
http://www.leistung-und-gesellschaft.de/

Benutzeravatar
wgbajohr
Beiträge: 853
Registriert: 08.04.2007, 02:50

Re:

von wgbajohr (23.02.2011, 01:53)
Guten Morgen, Uwe!

Goetkowski hat geschrieben:
Einher damit gehen die bildungspolitischen Versäumnisse, denn wir sollen in erster Linie konsumieren und möglichst nicht darüber nachdenken.


Das Teuflische dabei ist, dass die Lernunwilligkeit manches Menschen offensichtlich eiskalt einkalkuliert wird. Der um Bildungsmaßnahmen gebrachte Konsument freut sich sogar noch darüber, dass er um das Lernen herumgekommen ist, statt wegen entgangener Lernmöglichkeiten ärgerlich oder wütend zu sein.


Goetkowski hat geschrieben:
wussten, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt.


In unserer Welt, in der es außer der Gier nichts gibt, was grenzenlos zu wachsen vermag, kann es auch kein grenzenloses Wirtschaftswachstum geben.


Goetkowski hat geschrieben:
Ich bin seit fast sechzehn Jahren trocken/clean, bezeichne mich also als inzwischen ausgenüchtert und auch ernüchtert.


Fast sechzehn Jahre …!, ich finde, dass das eine großartige Leistung ist.
Ob es auch einigen gelingt, von der Sucht nach Besitz und Anerkennung freizukommen?

Viele Grüße
Wolf-Gero
Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen

Etwas beeinflussen zu können heißt, dafür verantwortlich zu sein

http://www.leistung-und-gesellschaft.de/

Benutzeravatar
wgbajohr
Beiträge: 853
Registriert: 08.04.2007, 02:50

Re:

von wgbajohr (23.02.2011, 01:58)
Guten Morgen, Richard!

Richymuc hat geschrieben:
Warum sollte man seine Ansprüche herabsetzen?
Genau das Gegenteil würde ich vorschlagen.


Selbst der Erzkapitalist hätte einen, wie ich meine, guten Grund, seine Ansprüche herabzusetzen:

Geringe Ansprüche bedeuten doch keineswegs, die Jagd auf möglichst viel Geld aufzugeben, man kann trotzdem superreich werden. Was geringe Ansprüche tatsächlich bedeuten, ist, dass der Zwang, dem Geld hinterherzujagen, wegfällt. – Jagen kann man natürlich trotzdem. Aber vielleicht geht der Betreffende nicht mehr ganz so große Risiken ein, wenn der Zwang fehlt.

Richymuc hat geschrieben:
das hohe Gehalt ergibt sich aus überdurchschnittlicher Leistung.
So einfach geht das.


Ach Richard, wenn es doch wirklich so einfach wäre!

Richymuc hat geschrieben:
ob man in einer Lehmhütte oder in einem Palast auf die Welt kommt.
Das ist Schicksal.


Der weltweite Einfluss des Kapitals verstärkt diesen Effekt. Sollten die Kapitaleigner nicht von sich aus wirkungsvolle Maßnahmen gegen dieses Schicksal ergreifen, denn verantwortlich sind sie ohnehin?

Viele Grüße
Wolf-Gero
Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen

Etwas beeinflussen zu können heißt, dafür verantwortlich zu sein

http://www.leistung-und-gesellschaft.de/

Benutzeravatar
wgbajohr
Beiträge: 853
Registriert: 08.04.2007, 02:50

Re:

von wgbajohr (23.02.2011, 02:16)
Üben ist nichts Außergewöhnliches

Sportler fordern ihren Körper wieder und wieder, bis sie schließlich schneller laufen, weiter und höher springen können.

Musiker üben an einem Instrument und üben und üben, bis das Instrument bereit ist, das auszuführen, was das Gehirn des Musikers befiehlt.

Boxer und andere Kampfsportler üben das Angreifen und das Verteidigen, sie lernen, wie man harte Schläge austeilt und ebenso, wie man sie erträgt, wenn man ihnen nicht ausweichen kann.

Es soll Menschen geben, die ihren Körper so beherrschen, dass sie sogar Schmerzen zu unterdrücken vermögen.

Ausgerechnet, wenn es um die Gier in ihren vielfältigen Formen geht, soll der Mensch nicht in der Lage sein, seine Schwäche zu überwinden?

Viele Grüße
Wolf-Gero
Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen

Etwas beeinflussen zu können heißt, dafür verantwortlich zu sein

http://www.leistung-und-gesellschaft.de/

Benutzeravatar
SandraR
Beiträge: 2674
Registriert: 25.11.2007, 07:17
Wohnort: Moskau

Re:

von SandraR (23.02.2011, 06:03)
Goetkowski hat geschrieben:

Ich stelle Metallschmuck und Teile für meine Fahrrad-Eigenbauten her, verwirkliche mich also kreativ,

So und jetzt, ganz kurz mal nachdenken! Und auf was kommen wir da? Ist der Metallschmuck und die Eigenbauteile für das Fahrrad exklusiv könnte man...ja was wohl? Genau, langsam aber stetig sich damit einen Namen machen und ein eigenes kleines Geschäft aufbauen!
Flohmärkte, Kunstmärkte mit Flayer und Internetshop! Und schon hat man eine kleine Firma die wenn man genügend Herzblut rein steckt auch mal zum Leben reicht und mit der man auch noch sein Geld verdienen kann wenn man in 30 Jahren auf kleiner Rente sitzt.
Aufbauen kann man es nebenbei am Abend und an den Wochenenden! Wo ein Wille ist, da ist nämlich tatsächlich auch ein Weg.
Da kommen wir zu Geros Stichwort zurück, Leistungsbereitschaft hat viele Gesichter ist aber immer eine Hilfe zur Selbsthilfe. Anstelle sich also die Haare wegen Hartz zu raufen, nutze die Chance die sich damit ergibt, nämlich deinen Weg zu suchen, der dich nicht nur ernähren könnte sondern auch glücklich macht.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

Richymuc
Beiträge: 1914
Registriert: 12.01.2009, 16:58
Wohnort: München

Re:

von Richymuc (23.02.2011, 09:17)
wgbajohr hat geschrieben:
Guten Morgen, Richard!

Richymuc hat geschrieben:
Warum sollte man seine Ansprüche herabsetzen?
Genau das Gegenteil würde ich vorschlagen.


Selbst der Erzkapitalist hätte einen, wie ich meine, guten Grund, seine Ansprüche herabzusetzen:

Geringe Ansprüche bedeuten doch keineswegs, die Jagd auf möglichst viel Geld aufzugeben, man kann trotzdem superreich werden. Was geringe Ansprüche tatsächlich bedeuten, ist, dass der Zwang, dem Geld hinterherzujagen, wegfällt. – Jagen kann man natürlich trotzdem. Aber vielleicht geht der Betreffende nicht mehr ganz so große Risiken ein, wenn der Zwang fehlt.

Viele Grüße
Wolf-Gero


Guten Morgen Gero,

ich sehe schon, wir beide werden hier nie auf einen grünen Zweig kommen. Dazu sind die Ansichten einfach zu verschieden.
Ich lasse mich ja gerne von manchen Dingen überzeugen, trotzdem habe ich teilweise ganz andere Ansichten.
Jeder wird den Weg wählen, den er persönlich für den richtigen Weg hält.

Jeder wird die Partei wählen, die in seinen Augen, seine Interessen am nächsten kommt. Das ist auch richtig so.
Die Linken bekommen von mir keinen Rabatt, bei Sandra schon. cheezygrin

Jeder hat unterschiedliche Ansprüche im Leben.
Der Eine ist mit der Einzimmer Wohnung zufrieden, der Nächste will es etwas größer.
Persönlich gefällt es mir, die Welt anzusehen und neue Dinge zu erforschen.
Dazu habe ich Kreuzfahrten gewählt.
Jeden Tag an einem anderen Ort und in einer anderen Kultur.
Das kostet Geld und wenn ich das haben will, muss ich versuchen etwas mehr Geld zu verdienen.
Also muss ich mich mehr reinhängen, als derjenige, der auf Reisen keinen Wert legt.
Dieses Jahr habe ich 3 Kreuzfahrten gebucht, mit 3 Personen kommen ein paar Euros zusammen.
Also muss ich für dieses Hobbby auf der anderen Seite wieder mehr leisten um es bezahlen zu können.

Mir ist es wichtig, also muss ich etwas dafür tun und daran will ich auch nichts ändern.
Mir macht die Arbeit Spaß und ein guter Effekt ist es, dass ich auch noch Geld dafür erhalte.

Außerdem habe ich auch Verantwortung gegenüber der Mitarbeiter.
Der Betrieb wächst und so können neue Stellen erschaffen werden.

Besten Gruß vom Richard

Leben und leben lassen mit der Rücksicht auf seine Mitmenschen, so würde ich es auf den Nenner bringen, mit dem ich ganz gut leben kann.
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5705
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (23.02.2011, 09:45)
wgbajohr hat geschrieben:
Üben ist nichts Außergewöhnliches
...
Musiker üben an einem Instrument und üben und üben, bis das Instrument bereit ist, das auszuführen, was das Gehirn des Musikers befiehlt.

Wolf-Gero, kann es sein, dass Du kein Instrument spielst? Alleine dieser Satz zeigt, dass Du auch hier (1) wie »ein Blinder von der Farbe sprichst« und völlig weltabgewandt Theorien aufstellst.

Musiker über nicht aus »Gier«, sondern weil sie beseelt sind von dem, was sie tun, weil sie vom Streben nach Perfektion fast schon besessen sind, weil ihnen nichts wichtiger ist als Musik. Und das Ziel, das ein Musiker verfolgt, kann nicht mit »herabgesetzten Ansprüchen« verfolgt werden, weil es ein innerer Drang ist.

(1): Du hattest von einigen Jahren schon einmal einen hochtheoretischen Thread, in dem Du Dich über Werbung ausgelassen hast, ohne auch nur ein Gran davon zu kennen. Erstens hattest Du »Werbung« letztlich nur auf den kommerziellen Medienbereich beschränkt, und zweitens überraschte es Dich z.B., dass Werbung auch unterhaltenden Charakter haben kann. Diese für Dich »neue« Erkenntnis ließ Deine damalige Argumentation wie ein Kartenhaus zusammenstürzen. Damals wie heute kann ich wirklich nur empfehlen, sich mit Argumentationen nur so weit aus dem Fenster zu lehnen, wie auch ein Fensterbrett vorhanden ist.

Ich muss mich Richy anschließen. Man sollte das tägliche Leben, die sogenannte Praxis, von innen kennen, wenn man sich mit Möglichkeiten der Weltverbesserung beschäftigt. Denn ausgehen kann man nur von der Realität, die weiterentwickelt werden soll.

Bereits Deine Ausgangsposition ist schon eine Theorie ... Du verbrennst hier so viel Potenzial in der Erschaffung eines fiktiven Ausgangspunktes, dass nichts mehr zur Erreichung Deines eigentlichen Zieles übrigbleibt. Und da ist eine Diskussion leider schnell verlorene Zeit ...

Zurück zu „Buchvorstellung: Ratgeber, Sach- und Fachliteratur“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.