Ab wann ist ein Text ein Plagiat?

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julia07
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Re:

von julia07 (22.02.2011, 11:27)
@ Heinz
thumbbup thumbbup

Torsten Buchheit hat geschrieben:
Offizielle Repressalien sind nicht drin, da ein Geschäft wie das Schreiben einer Doktorarbeit von vorneherein sittenwidrig ist (da ja allgemein bekannt sein dürfte, daß man eine Doktorarbeit selbst verfassen muß). Da spielt sich alles in einem grauen Markt ab, hinter verschlossenen Türen.

Das sehe ich anders. In der ganzen unappetitlichen Angelegenheit hat Ehre bisher keine Rolle gespielt. Ein Ghoastwriter von Dr.- oder Habil.-Arbeiten ist zwar ein unehrenhafter Zeitgenosse, strafrechtlich dürfte er/sie allerdings nicht zur Rechenschaftbgezogen werden, denn er/sie hat die Arbeit ja nicht bei der Uni eingereicht :wink: Also kann sich so jemand denken: "Wenn schon unehrenhaft, dann gleich richtig ... Kohle machen!" cheezygrin

Deswegen halte ich es nicht für unmöglich, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate so ein Buch geben könnte, es sei denn, die Kohle fleißt aus einer anderen Ecke.

Julia

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MichaelHA
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von MichaelHA (22.02.2011, 11:34)
julia07 hat geschrieben:
In der ganzen unappetitlichen Angelegenheit hat Ehre bisher keine Rolle gespielt.


Gerade ein Adliger wird sehr auf seine "Ehre" bedacht sein - früher forderte man sich zum Duell - daher rechne ich trotz "Schlechtleistung" nicht mit einer Aufdeckung des Ghostwriters.

Beste Grüße

MichaelHA

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (22.02.2011, 12:08)
julia07 hat geschrieben:
Das sehe ich anders. In der ganzen unappetitlichen Angelegenheit hat Ehre bisher keine Rolle gespielt. Ein Ghoastwriter von Dr.- oder Habil.-Arbeiten ist zwar ein unehrenhafter Zeitgenosse, strafrechtlich dürfte er/sie allerdings nicht zur Rechenschaftbgezogen werden, denn er/sie hat die Arbeit ja nicht bei der Uni eingereicht :wink: Also kann sich so jemand denken: "Wenn schon unehrenhaft, dann gleich richtig ... Kohle machen!" cheezygrin

Deswegen halte ich es nicht für unmöglich, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate so ein Buch geben könnte, es sei denn, die Kohle fleißt aus einer anderen Ecke.

Julia


Der Ghostwriter handelt nicht unehrenhaft. Nur der, der auf die Arbeit des Ghostwriter zurückgreift und sie als seine eigene Arbeit einreicht.

Vielleicht hat man ja als Politiker da eine geringere Hemmschwelle, wenn man gewohnt ist, daß seine Reden offiziell von anderen geschrieben werden. Aber zwischen Reden und Dissertation ist ein kleiner Unterschied.

Ein Buch "Ich schrieb die Doktorarbeit für ihn" wird wenig interessant sein, wer sollte das lesen wollen? Was kann da noch an Details drinstehen, die jemanden interessieren?


"Warum die Bibliothekarin immer so komisch guckte, als ich die vielen langweiligen Bücher ausgeliehen habe" oder

"Ich hab einen Rechtschreibefehler wörtlich übernommen, und keiner hat's gemerkt" oder

"Beim Abtippen der Seiten sind mir oft die Augen zugefallen"

Ob das ein Bestseller werden kann? Da bräuchte es massivste Unterstützung durch die Vierbuchstabenzeitung, damit das jemand kauft.

Echten Enthüllungsjournalismus habe ich mir doch aufregender vorgestellt. cheezygrin
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MichaelHA
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von MichaelHA (23.02.2011, 00:37)
Torsten Buchheit hat geschrieben:
Ein Buch "Ich schrieb die Doktorarbeit für ihn" wird wenig interessant sein, wer sollte das lesen wollen? Was kann da noch an Details drinstehen, die jemanden interessieren?


Das Buch müsste natürlich bei BILD, im SPIEGEL, STERN oder FOCUS vorabgedruckt werden. Titel etwa: "Guttenberg: Ich war sein engster Mitarbeiter und heimlicher Ghostwriter - Was sie sich nie zu wissen trauten, aber ahnten..."

Beste Grüße

MichaelHA

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (23.02.2011, 20:00)
Die Universität Bayreuth hat gerade den Doktortitel aberkannt.

Auf der Uniwebsite: Regeln der Universität Bayreuth zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten:

http://www.uni-bayreuth.de/universitaet ... alten1.pdf

und die Promotionsordnung:

http://www.uni-bayreuth.de/universitaet ... 058-kF.pdf

Sehr gut, wie ich finde. Mal sehen, ob es noch weitere Konsequenzen haben wird...
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von MichaelHA (23.02.2011, 20:01)
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 58,00.html

Die Deutschen scheinen Ihren Adlatus Plagiatus sehr zu lieben...

Vielleicht ist es aber auch so, dass solch ein Titel nach SPIEGEL-Aufmachern, wie "Dr. Arbeitslos" usw. nicht mehr wirklich viel zählt. Denn nichts ist erfolgreicher, als der Erfolg... :twisted:

Beste Grüße

MichaelHA

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Re:

von julia07 (25.02.2011, 21:07)
In der Online-Zeitung "Der Westen" war heute folgender Leserkommentar zu lesen:

"Jeder Kindergarten, der Notenblätter von Kinderliedern kopiert, muss mit einer Abmahnung und entsprechenden Kosten rechnen."

Die intellektuelle Argumentation gegen die freiherrliche Abkupferei hat ja bisher kaum gezogen; vielleicht hilft so ein Satz, der Masse auf der Strasse einmal klar zu machen, was auf den Regierungsbänken momentan abgeht.

Julia

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von MichaelHA (25.02.2011, 21:30)
Es gibt wohl einige Wissenschaftler, die da jetzt nicht lockerlassen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Theodor_zu_Guttenberg

Als "Volksheld" und "Edelpromi", zu dem ihn die BILD-Zeitung aufgebaut hat,
hat Gutten'plag' aber dennoch gute Chancen, diese Affäre unbeschadet zu überstehen...

Beste Grüße

MichaelHA

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Der geheimnisvolle Ghostwriter

von Arno Abendschön (25.02.2011, 22:31)
Mal eine Hypothese: Der Ghostwriter hat von Anfang an wie ein Doppelagent funktioniert. Dass schon die Einleitung ein nicht allzu schwer auffindbares, undeklariertes Zitat enthält, ist doch sehr ungewöhnlich. Sollte der Ghostwriter tatsächlich so sorglos gewesen sein - oder hat man bewusst eine Schlinge gelegt, die man später zuziehen konnte?

Um den gesamten Vorgang verstehen zu können, müsste unbedingt aufgeklärt werden, ob ein Ghostwriter am Werk war, wer es gewesen ist und warum er ein so auffallend buntscheckiges Werk abgeliefert hat.

Arno Abendschön
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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von MichaelHA (26.02.2011, 01:38)
Ich denke schon, dass ein Ghostwriter mit im Spiel war... smart2

Beste Grüße

MichaelHA

julia07
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Re:

von julia07 (26.02.2011, 08:14)
Der ganze Fall ist mehr als ominös. Egal wie das ausgeht, für den Freiherrn, der sich ach so frei fühlte, ist das ein Armutszeugnis.

Ich persönlich halte es allerdings für ausgeschlossen, dass er selbst einen fremden Text als Türschwelle verwendet hat. Er mag zwar vor Selbstverliebtheit geblendet (gewesen?) sein, aber dumm ist er nun wirklich nicht.
Eher tippe ich auf die Helfer-Version, weil er endlich fertig werden wollte, aber längst keine Zeit mehr hatte. Wie wichtig ihm dieser Titel war, zeigt die Tatsache, dass er 2006 extra einen Antrag auf vorzeitige Titel-Nutzung gestellt hat. Warum der Verlag bis Anfang 2009 für den Druck brauchte, erschließt sich mir nicht wirklich. Für die Einholung der Nutzungsrechte all der fremden Texte ging die Zeit jedenfalls nicht drauf :wink:

Vielleicht hätte Gutti das mal besser mit BoD machen sollen - da hätte er das Buch bald in der Hand gehabt und wir hätten seinen Probe-Text sicher gründlicher "bewertet" cheezygrin

Klasse finde ich ja die Argumentation seiner weiß/blau-kleinkarierten Parteigenossen: "Der Karl Theodor hat nie Wert auf seinen Titel gelegt", "Ich wusste gar nicht, dass er überhaupt einen hat!" oder "Sein Adelstitel war eh mehr wert".

Sieben Jahre für eine derat unzulängliche Dissertation! Ein Ex von mir hat fünf Jahre lang eine unglaublich aufwändige Biochemie-Dissertaion geschrieben und nebenbei noch ein Medizinstudium samt Dissertation erledigt. Alles selbst erarbeitet und geschrieben und von mir und anderen gegen gelesen. :-)

Wenn ich dagegen KTGs Arbeit ansehe, im Netz ist inzwischen ja mehr als die Hälte als kopiert zu sehen, frage ich mich, wo hier die eigene wissenschaftliche Erkenntnis liegen kann:

72 Prozent der Seiten weisen "merkwürdige" Zitate auf,
dazwischen befinden sich die Fremdtexte, die korrekt zitiert sind,
irgendwo dazwischen wieder, muss sich das befinden, was vom Autor selbst stammt :shock::

Das Volk hält nur deswegen zu ihm, weil sie Blender lieben und weil kaum einer "Abkupfern" für eine Straftat hält, schon gar nicht, wenn sie glauben, sie wären ja selbst nicht geschädigt - wie dumm.

Julia

p.s. gerade höre ich im Radio, dass Roman Polanski in Paris vier Césars für seinen Film «Ghostwriter» erhalten hat. Da wäre KTG ein prima Laudator gewesen :wink:

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (26.02.2011, 21:11)
Offener Brief an die Bundeskanzlerin, inzwischen mit über 4000 Unterzeichnern:

http://offenerbrief.posterous.com/causa ... doktorande
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Max
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Re:

von Max (26.02.2011, 22:09)
Die Idee mit dem Ghostwriter ist gar nicht so schlecht.
So hätte man ein Kuckucksei plaziert und könnte es bei Bedarf ausbrüten lassen.
Das würde dann aber bedeuten, dass der besonders feine Herr jemandem sehr auf die Füße getreten hat.
Das macht ihn schon wieder sympatisch. thumbbup

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Gerhard Schulz
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Re:

von Gerhard Schulz (26.02.2011, 23:22)
julia07 hat geschrieben:
Sieben Jahre für eine derat unzulängliche Dissertation! Ein Ex von mir hat fünf Jahre lang eine unglaublich aufwändige Biochemie-Dissertaion geschrieben und nebenbei noch ein Medizinstudium samt Dissertation erledigt. Alles selbst erarbeitet und geschrieben und von mir und anderen gegen gelesen. :-)

Wenn ich dagegen KTGs Arbeit ansehe, im Netz ist inzwischen ja mehr als die Hälte als kopiert zu sehen, frage ich mich, wo hier die eigene wissenschaftliche Erkenntnis liegen kann:

72 Prozent der Seiten weisen "merkwürdige" Zitate auf,
dazwischen befinden sich die Fremdtexte, die korrekt zitiert sind,
irgendwo dazwischen wieder, muss sich das befinden, was vom Autor selbst stammt :shock::

Das Volk hält nur deswegen zu ihm, weil sie Blender lieben und weil kaum einer "Abkupfern" für eine Straftat hält, schon gar nicht, wenn sie glauben, sie wären ja selbst nicht geschädigt - wie dumm.

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Guttenberg promovierte mit CSU-Ausnahmegenehmigung

von MichaelHA (01.03.2011, 06:35)
Guttenberg promovierte mit einer Ausnahmsgenehmigung:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... -zulassung

Normalerweise hätte er gar nicht zum Promotionsverfahren zugelassen werden dürfen. Die Ausnahmsgenehmigung erhielt er über seine CSU-Kontakte. :shock::

Beste Grüße

MichaelHA

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