Gedanken zur irren Tat des Anders Behring Breivik ...

Präsentiert euren Roman, Thriller, Fantasy-, Science-Fiction-, Romance-Titel oder euer Kinderbuch.


houdini
Beiträge: 167
Registriert: 12.02.2008, 12:04

Re:

von houdini (27.07.2011, 21:15)
Erstaunlich finde ich immer, wie manche Medien aus dem Täter dann "die Bestie" oder "Das Monster" machen. Fast wie ein Selbschutz um festzustellen, dass kann kein Mensch, keiner von "uns" gewesen sein.
Doch, doch es ist ein Mensch der anderen Menschen so etwas angetan hat.

Wenn man bedenkt, dass ein einzelner über 70 Menschen tötet...dann hat dass auch Auswirkungen auf hunderte Angehörige und Freunde

Benutzeravatar
Artus
Beiträge: 320
Registriert: 18.05.2010, 00:38
Wohnort: 743 Evergreen Terrace

Das Grauen hat ein Gesicht

von Artus (27.07.2011, 23:01)
Das ganze nationalistische Geschwafel des B. ist nur der an den Haaren herbeigezogene Rechtfertigungsversuch dafür, dass ein frustrierter und trotziger geistiger Dreijähriger mit Waffengewalt umsichschlägt!
Nehmt die "Motive" dieses Schwachkopfes nicht ernst, Ihr geht ihm damit nur auf den Leim!

Typen wie B. mit unterentwickelter Persönlichkeits- und Charakterbildung finden sich genauso im NeoNazi-Bereich, wie auch als islamistische Selbstmordattentäter oder linke Terroristen.
Die vordergründige Ideologie ist bei solchen Leuten völlig austauschbar. Sie in ihrer Motivation ernst zu nehmen, bedeutet sie auf- und ihre Opfer abzuwerten.

Mit einem politischen Schwarz-Weiß-Denken sind weder die Morde erklärbar, noch zukünftige Gewaltakte zu verhindern. Ein Monstrum (sic!) wie B. wird nicht zum Massenmörder, nur weil er sich für faschistische Nazi-Ideologie begeistert.

Wir wissen alle, dass sich die typischen Faschos hauptsächlich rumprügeln und (bevorzugt besoffen) den größten Schwachsinn von sich geben. Aber zur Planung und Ausführung von zahlreichen Tötungen bedarf es als Voraussetzung einer pathologischen soziopathischen Geistesstörung, deren Grundlage ich im Fall des B. in einer signifikanten Entwicklungsstörung seiner Persönlichkeit verorte.

Im Grunde unterscheidet sich B. von einem der sattsam bekannten U-Bahn-Totschläger nur durch das Ausmaß seiner Planung und die Zahl seiner Opfer.

Es ist die Verwahrlosung und Verrohung unserer Gesellschaft, der wir Typen wie B. zu verdanken haben. Und wir werden daran nichts ändern, wenn wir nur mit dem Finger auf alte Feindbilder zeigen, sondern wir alle sind gefordert, Einfluss auf unsere Kinder zu nehmen, damit sie den Wert des Lebens schätzen lernen, und so niemals auf die Idee kommen, Mord als Ausdruck ihrer Befindlichkeit zu erwägen.

Streusalzwiese
Beiträge: 625
Registriert: 17.06.2011, 07:27

Re: Das Grauen hat ein Gesicht

von Streusalzwiese (28.07.2011, 12:34)
Artus hat geschrieben:
Wir wissen alle, dass sich die typischen Faschos hauptsächlich rumprügeln und (bevorzugt besoffen) den größten Schwachsinn von sich geben. Aber zur Planung und Ausführung von zahlreichen Tötungen bedarf es als Voraussetzung einer pathologischen soziopathischen Geistesstörung, deren Grundlage ich im Fall des B. in einer signifikanten Entwicklungsstörung seiner Persönlichkeit verorte.

Im Grunde unterscheidet sich B. von einem der sattsam bekannten U-Bahn-Totschläger nur durch das Ausmaß seiner Planung und die Zahl seiner Opfer.


Findest Du das nicht ein bisschen widersprüchlich? Genau wenn der letzte Satz zutrifft, dann haben die U-Bahn-Schläger ebenfalls eine "pathologische soziopathische Geistesstörung". Nur planen sie halt nicht.

Streusalzwiese
Beiträge: 625
Registriert: 17.06.2011, 07:27

Re: Das Grauen hat ein Gesicht

von Streusalzwiese (28.07.2011, 13:01)
Artus hat geschrieben:
Ein Monstrum (sic!) wie B. wird nicht zum Massenmörder, nur weil er sich für faschistische Nazi-Ideologie begeistert.


Das ist eine Verharmlosung der Nazi-Ideologie. Dass im dritten Reich so viele Menschen bereit waren, entweder bei der Vernichtung von Juden, Behinderten, Homosexuellen, Kommunisten ... selbst Hand anzulegen, oder aber zur Seite zu schauen, hat mit der Hetze gegen diese Personengruppen zu tun, die der Stürmer und ähnliche braunen Schmierblätter verbreitet haben. Sobald Menschen dehumanisiert werden, kann es zu Morden kommen.
Und auch heute schüren die braunen Seiten - vor allem im Internet - Hass auf Ausländer und alle die irgendwie anders sind. Diese Nazi-Ideologie hat wesentlichen Anteil daran, dass es zu diesem Attentat kam.

Und wenn wir schon beim Thema "Dehumanisierung" sind: Der Attentäter ist kein Monstrum, sondern ein Mensch.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (28.07.2011, 13:59)
Streusalzwiese hat geschrieben:
Und wenn wir schon beim Thema "Dehumanisierung" sind: Der Attentäter ist kein Monstrum, sondern ein Mensch.


Ja, natürlich ist er ein Mensch, aber eben nur im rein biologischen Sinne, da ihm jegliche Humanität fremd ist, bzw. durch den Einfluss bestimmter Ideologien fremd geworden ist. Ja, so wie Du geschrieben hast, das wär dann die Dehumanisierung.

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

...

von MichaelHA (28.07.2011, 16:44)
chnuppesaager hat geschrieben:
Ja, natürlich ist er ein Mensch, aber eben nur im rein biologischen Sinne...


Diese Aussage trifft den hier vorliegenden Tatbestand am besten...

Beste Grüße

MichaelHA

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5908
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: ...

von Siegfried (28.07.2011, 17:16)
MichaelHA hat geschrieben:
chnuppesaager hat geschrieben:
Ja, natürlich ist er ein Mensch, aber eben nur im rein biologischen Sinne...


Diese Aussage trifft den hier vorliegenden Tatbestand am besten...


Diese Aussage trifft den Tatbestand überhaupt nicht.

Wir machen es uns viel zu einfach, indem wir den Täter zu einem Monstrum oder, wie von norwegischer Seite, zu einem Geisteskranken erklären. Bei Monstren und Geisteskranken können wir - so hoffen wir es jedenfalls - einfach nichts ändern. Wenn der Täter aber Mensch ist, dann müssen wir uns überlegen, was da falsch gelaufen ist.

Genau das aber, das Hinterfragen der Situation, blendet man durch die Beschreibung des Täters als Monster oder Geistesgestörten aus.

Wenn in einer US-amerikanischen High School zwei Jungen herumlaufen und zwei Dutzend Mitschüler umbringen, dann ist es einfach und bequem, sie als Irre abzustempeln. Dann braucht man sich nicht mit den Hintergründen zu befassen.

Wenn in Winnenden ein Jugendlicher durch Schule und Straßen rennt und willkürlich Leute umbringt, dann ist es sehr bequem, ihn als Monster zu bezeichnen - weil dann braucht man sich nicht weiter mit ihm zu befassen.

Genau das läuft jetzt auch mit dem Täter in Norwegen. Statt sich mit den Gründen zu befassen, warum so etwas passieren konnte, zieht mal die Monsterkarte - und damit ist das Thema aus, fertig und erledigt.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

...

von MichaelHA (28.07.2011, 18:21)
Siegfried hat geschrieben:
...das Hinterfragen der Situation...


Das ist der typische Sozialarbeiter-Slang.
Eben das bringt uns hier nicht viel weiter.


Beste Grüße

MichaelHA

Streusalzwiese
Beiträge: 625
Registriert: 17.06.2011, 07:27

Re: ...

von Streusalzwiese (28.07.2011, 18:37)
MichaelHA hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
...das Hinterfragen der Situation...



Eben das bringt uns hier nicht viel weiter.



Warum bringt uns das nicht weiter? Der Attentäter hat seine Ideologie nicht alleine entwickelt. Hier waren geistige Brandstifter am Werk. Typen wie dieser Fjordman hetzen Menschen auf. Man muss über den braunen Nährboden reden auf dem dieser Attentäter gewachsen ist.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (28.07.2011, 19:04)
@Siegfried.

Man kann natürlich jetzt hergehen, und nach Gründen forschen, warum dieser Mensch so wurde. Kann man, aber da begibt man sich bei solch unfassbaren Verbrechen auf sehr dünnes Eis. Man sollte doch primär an die Opfer, bzw. deren Angehörige, Freunde und Bekannte denken - die empfänden derlei "verständnisvolle" Betrachtungen als unglaublich verletzend, da es - überspitzt formuliert - letztlich darauf hinausläuft: "Er hatte eben eine schwere Kindheit."

Dazu kommt noch Folgendes: Man geht heute in der Psychiatrie von mehrfaktoriellen Modellen aus. Das heißt, es gibt zwar das prägende Umfeld, aber eben auch die Vererbungskomponente, die bei allen schweren psych. Erkrankungen eine Rolle spielt.

Es müssen also mehrere Dinge zusammenlaufen - noch so genaue Betrachtungen über das Umfeld oder der Kontakt mit der Nazi-Ideologie, nein, das wird niemals reichen, um eine wirkliche Erklärung geben zu können.

Und noch zu meiner Aussage, der Täter sei nur ein Mensch im biologischen Sinne: Das bezog sich darauf, dass er überhaupt fähig war, eine derartige Tat kaltblütig zu verrichten. Hätte er auch nur einen Rest Humanität in sich gehabt, hätte er so etwas nie durchziehen können.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (28.07.2011, 19:21)
Ja, und noch ein Nachtrag.

Ich sehe Breivik schon als eindeutig psychisch krank an: schwer narzisstisch gestört im Bereich der Psychopathien.

Übrigens: Psychisch kranke Menschen begehen statistisch gesehen nicht mehr Gewaltverbrechen als die übrigen Bevölkerungsgruppen.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5908
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: ...

von Siegfried (28.07.2011, 19:36)
MichaelHA hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
...das Hinterfragen der Situation...


Das ist der typische Sozialarbeiter-Slang.
Eben das bringt uns hier nicht viel weiter.



Interessante Haltung!

Wenn Kinder und Jugendliche plötzlich fasziniert sind von rechtem Gedankengut, dann soll man nicht nach den Hintergründen forschen, um herauszufinden, was sie daran so interessant finden - und sie dann in Gesprächen dazu bringen, mal ein wenig mehr über sich selbst, über totalitäre Ideologen, über Bauernfänger nachzudenken?

Lieber die Kinder und Jugendlichen den Tricks solcher Rattenfänger überlassen und dann, wenn es mal wieder knallt, sich zurücklehnen und von Monstern und Geisteskranken reden?

Totalitäre Ideologien, rechte wie linke wie religiös-fundamentalistische, haben bestimmte Methoden. Einfach alles hinnehmen, ohne sich gegen diese Methoden zu wappnen?
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (28.07.2011, 19:59)
Siegfried hat geschrieben:
Wenn Kinder und Jugendliche plötzlich fasziniert sind von rechtem Gedankengut, dann soll man nicht nach den Hintergründen forschen, um herauszufinden, was sie daran so interessant finden - und sie dann in Gesprächen dazu bringen, mal ein wenig mehr über sich selbst, über totalitäre Ideologen, über Bauernfänger nachzudenken?

Lieber die Kinder und Jugendlichen den Tricks solcher Rattenfänger überlassen und dann, wenn es mal wieder knallt, sich zurücklehnen und von Monstern und Geisteskranken reden?

Totalitäre Ideologien, rechte wie linke wie religiös-fundamentalistische, haben bestimmte Methoden. Einfach alles hinnehmen, ohne sich gegen diese Methoden zu wappnen?



Nein, das ist ja selbstverständlich, dass man Jugendliche angesichts der oben erwähnten Ideologien niemals sich selbst überlassen darf.

Aber selbst wenn Jugendliche wg. eines fehlenden Umfelds, das sie wieder auf die Spur bringt, abdriften und sich beispielsweise tatsächlich organisierten Nazikreisen anschließen, kommt dabei im "Normalfall" kein Phänomen wie Breivik heraus - weil das bei ihm eben mit Psychopathie zu tun hat - das ist nochmal eine ganz andere Schiene.

Außerdem war er als Jugendlicher anscheinend gar nicht anfällig für so Nazikram, das kam erst später; und da war er dem Einfluss erwachsener Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer längst entzogen.

Mit Grüßen

ch.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (29.07.2011, 09:43)
Noch ein Nachtrag, besonders @Siegfried.


Der Verweis auf ein einschneidendes, nicht näher benanntes Ereignis in der Biographie des Serienkillers Dexter ist der Trick, womit es dem Zuschauer überhaupt erst ermöglicht wird, Dexter trotz seiner Morde ein gewisses Maß an Sympathie und Verständnis entgegenbringen zu können. Die ersten Minuten des Dexter Pilotfilms zeigen diesen Kunstgriff, worauf dann die ganze Serie aufbaut:

http://www.youtube.com/watch?v=Wh7CLLFq ... D520243E15

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5908
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (29.07.2011, 10:49)
chnuppesaager hat geschrieben:
@Siegfried


chnuppesaager hat geschrieben:
Noch ein Nachtrag, besonders @Siegfried.


Lass es einfach, ja? Du weißt, warum.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Zurück zu „Buchvorstellung: Belletristik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.