Kleinverlage und ihre Bücher

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Laura
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Kleinverlage und ihre Bücher

von Laura (25.12.2007, 14:09)
Hallo, da hier im Forum immer mal wieder das Thema Kleinverlage unter verschiedenen Gesichtspunkten erörtert wird, möchte ich meine Erfahrungen hinsichtlich der Buchqualität mal mitteilen.

Ich habe nämlich beim Verschenken von Büchern die Erfahrung gemacht, dass die Aufmachung des Buches eine große Rolle dabei spielt, ob das Buch "ankommt" oder nicht. Manche Leute schauen nicht mal rein, wenn z. B. das Cover nicht gefällt oder auf den zweiten Blick der Textblock.

Also gut aufgemachte Bücher habe ich von folgenden Verlagen:
Mohlandverlag (sehr schön aufgemachtes Weihnachtsbuch, Inhalt stimmt auch).
Schmökerverlag: Ein ebenfalls inhaltlich und was die Aufmachung angeht schönes Weihnachtsbuch. Kommentar einer Bekannten: "DAs Buch nimmt man gerne in die Hand"
Papierfresserchenverlag im Kinderbuchbereich: Superschönes Buch mit Geschichten für Kinder.
Leratoverlag: Ordentlich aufgemachte Paperbackbücher, Inhalt ist auch o.k.

Richmondverlag: Hier hatte ich noch kein Buch in Händen.

Diese o.g. Erfahrungen beziehen sich auf Aufmachung und Inhalt von Anthologien und können kein Kriterium dafür sein, ob eine mögliche Zusammenarbeit bei einem eigenen Buch dann auch erfreulich sein wird, aber immerhin stimmt der erste Eindruck in Bezug auf die Bücher.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass der Wert einer Veröffentlichung in den Augen "normaler" Leser sehr von der Aufmachung des Buches abhängt. Wenn man in einem professionell aufgemachten Buch vertreten ist, steigt das Ansehen des Autors automatisch. Gruß Laura

hwg
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Re:

von hwg (25.12.2007, 14:18)
Für mich ist der Inhalt entscheidend.
Hinter oft relativ einfach gestaltetem Cover
verbirgt sich nicht selten ein literarischer
Schatz.

Auch bei Büchern gilt daher eher:
Außen hui, innen pfui!

Ideal ist es selbstverständlich, wenn Auf-
machung und Inhalt einigermaßen konform
gehen.

Aber auch diesbezüglich gilt:
Die Geschmäcker sind (glücklicher Weise)
höchst unterschiedlich.

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (25.12.2007, 15:04)
Moin Laura,
wenn du vom Inhalt sprichst, gehe ich davon aus, dass du nicht den Text als solches meinst. Denn das ist ja immer Geschmackssache.
Auch was die Cover angeht, ist es schwierig, sie als gut oder schlecht zu bezeichnen. Ich persönlich mag reduzierte Cover lieber als zu volle und zu bunte. Aber eben auch hier - Geschmackssache. Das Cover von Schätzings "Schwarm" fand ich genjal ...
Auch Satz und Layout ist persönliches Empfinden. Ich habe lange herumprobiert, bis ich ein Satz/Layout gefunden habe, das einen guten Kompromiss bietet. Allen Recht machen wird man nicht können. Die Schrift trägt natürlich auch dazu bei - Times New Roman würde ich z.B. nicht benutzen, ich bevorzuge Palatino. Auch hier kann man natürlich sagen - da gibt es aber schönere.
Meine Umschläge sind ca 280g/m2, mattgestrichen, der Inhalt auf Werkdruck 90g/m2 1,5-faches oder 2-faches Volumen. Die Bindung ist relativ starr, das heißt, dass man das Buch mit etwas mehr Druck aufbiegen muss. Das mag ein Nachteil sein, dafür hält die Bindung ewig, und man wird nicht verleitet, das Buch aufgeschlagen irgendwo hinzupacken. Das "Problem" des Aufbiegens habe ich relativiert, in dem ich das Buch etwas breiter als gewöhnlich üblich mache. (18x12cm oder 19x13cm)

Aber wie gesagt, letztendlich ist das Gschmackssache. Ich hatte vor einiger Zeit mal eine Anthologie vom Engelsdorfer in der Hand, wo ich den Umschlagdruck nicht besonders fand - die kleine Schrift war kaum zu lesen. Das muss aber nicht am Verlag selbst liegen. Die Verarbeitung des Buches als solches war in Ordnung.

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (25.12.2007, 15:21)
Bei meiner ersten Buchpublikation habe ich bewusst auf ein Bild auf dem Cover verzichtet und nur Titelschrift und Farbe sprechen lassen. Ob es sich positiv oder negativ auf die Resonanz auswirkt, kann ich noch nicht sagen. Ich würde am liebsten bei künftigen Büchern so fortfahren. Die Ästhetik früherer Jahrzehnte fand ich dem Inhalt ernstzunehmender Bücher gemäßer. Damals wurden in erster Linie Werke rein unterhaltenden Charakters (auf niedrigerem Niveau) mit auffälligen Bildern auf dem Titel in den Vordergrund geschoben. Bei der heutigen Bilderflut erschlägt ein Cover das andere. Man sehe sich einmal einen Büchertisch in einer Buchhandlung an - das ist insgesamt für das Auge eine Zumutung. Ich wende mich dann gern ab und gehe zu den Regalen und lese die Titel auf den Rücken.

Beim Textblock lasse ich mir bis auf Weiteres helfen. Kostet Geld, spart dafür Zeit und Nerven. Man lebt nur einmal.

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (25.12.2007, 15:49)
Mir war vorgestern auf dem ersten Präsentationstisch hinter dem Eingang einer Buchhandlung aufgefallen, daß alle dort Cover mittlerweile wie nachgemachte "Illuminatis" aussehen. Alles Einheitsbrei und schon irgendwie langweilig.

Ich stelle inzwischen selbst Cover für andere Autoren her und "stehe" auf ein durchgehend gestaltetes Bild von hinten links nach vorn rechts.

Es ist für mich leichter, ein Cover herzustellen, wenn ich das Manuskript gelesen habe und mit dem Autor über seine Vorstellungen gesprochen oder gemailt habe.

julia07
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Re:

von julia07 (25.12.2007, 16:24)
Nüchtern betrachtet, kann man es nur sehen wie Hans...
aber wer ist denn schon immer nüchtern cheezygrin

Ich selbst sehe sehr wohl auch auf das Äußere, aber es sollte wirklich nur "schmückendes Beiwerk" und nicht die Hauptsache sein. Ist das Cover alleine dazu geschaffen, die Käufer zum Zugreifen zu animieren, ist das für mich so eine Art Betrug. Ich hatte schon viele solcher Werke in der Hand. Sie liegen heutzutage oft im Eingangsbereich der Buchhandlungen :wink:

Absolut schrecklich finde ich diese monotonen Einheitscover, die sich nach dem gerade herrschenden Zeitgeist der vergangegen Monate richten. Das ist dann wie mit den Modefarben bei den Klamotten: Man sieht an der Farbe aus welchem Jahr sie stammen. Einfach fantasielos.

Für mich muss das Cover zum Inhalt passen. Das kann dann puristisch und farblos bis romantisch und bunt alles sein.

Mein Credo ist deswegen: Die Hülle ist nicht Selbstzweck, sondern sie muss Lust auf den Inhalt machen!

LG, Julia

Laura
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Re:

von Laura (25.12.2007, 22:37)
Mit der Aufmachung meine ich nicht nur das Cover, sondern auch die Qualität des Papiers und den Buchblock. Ausgesprochen unprofessionell empfinde ich bei einer Anthologie, wenn ständig das Schriftbild wechselt weil jede Geschichte so gedruckt wird, wie sie eingereicht wurde, also meist eineinhalbzeilig und z.B. Arial, dazwischen wieder einzeilig und Times New Roman usw.

Man sieht einem Buch durchaus an, ob der Verleger was von Buchherstellung versteht oder nicht.

Mit Inhalt meine ich dann die Geschichten selbst, denn alles andere gehört zur Aufmachung. Aber mir ist schon aufgefallen, dass bei schlampig gemachten Büchern auch Geschichten zu finden sind, die nicht so besonders toll sind und das Lektorat ebenfalls schlampig ist.

Solche Probleme wie die eben genannten entstehen meiner Meinung nach, weil sich heutzutage jeder Verleger nennen kann, egal, ob er was von der Buchherstellung und Buchbranche versteht oder nicht. Es genügt eine Anmeldung beim Gewerbeamt und beim Finanzamt und schon kann man sich Verlag nennen. Man braucht nicht einmal Räume dafür, das eigene Wohnzimmer genügt, und das führt eben zu Verlagsgründungen, die den Namen nicht verdienen.

Da ich in der Branche schon mancherlei erlebt habe, gab ich eben die Empfehlung, vor Einreichung eines Buchmanuskriptes erst mal ein Buch des anvisierten Verlags zu lesen. Ich werde es jedenfalls in Zukunft so machen. Gruß Laura

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Judith
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Re:

von Judith (25.12.2007, 23:56)
Laura hat geschrieben:
Ausgesprochen unprofessionell empfinde ich bei einer Anthologie, wenn ständig das Schriftbild wechselt weil jede Geschichte so gedruckt wird, wie sie eingereicht wurde, also meist eineinhalbzeilig und z.B. Arial, dazwischen wieder einzeilig und Times New Roman usw.


Sowas gibt es wirklich??? :shock:: :roll:
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Claire
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Re:

von Claire (26.12.2007, 08:27)
Ausgesprochen unprofessionell empfinde ich bei einer Anthologie, wenn ständig das Schriftbild wechselt weil jede Geschichte so gedruckt wird, wie sie eingereicht wurde, also meist eineinhalbzeilig und z.B. Arial, dazwischen wieder einzeilig und Times New Roman usw.

Man kann sich kaum vorstellen, dass es so etwas gibt. Das ist wirklich ein gravierender Fehler!

Ansonsten kann ich mich der Meinung der Kollegen nur anschließen. Das Cover ist nicht alles. Es heißt ja auch nicht umsonst: Don't judge a book by its cover.

Das mit dem Cover-Einheitsbrei stimmt aber wirklich. Mein Buch liegt in der Buchhandlung zwischen lauter weißen Covern (z. Zt. offenbar in). Mein Cover ist grün. Die Buchhändlerin hat es extra da plaziert, weil sie meinte, so käme wenigstens mal Farbe rein. Mir war das nur recht.

LG Claire
LG Claudia
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hwg
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Re:

von hwg (26.12.2007, 09:17)
Nicht nur unterschiedliche Schriftbilder sind gräßlich, auch Texte in kursiv oder Titel mit "Verzierungen" (damit meine ich nicht eventuelle Vignetten).

So etwas kommt eben meistens nur in "Do-it-yourself"-Druckvorlagen vor,
welche von den Druckkostenzuschussunternehmen unüberprüft verwendet werden.

Bei den Buchumschlägen sind, besonders bei "richtigen" Kleinverlagen,
auch die Kostenfragen entscheidend. Ein einfach gestaltetes Cover erweckt bei mir jedenfalls oft mehr Aufmerksamkeit als ein noch so
bunt und bildreich produziertes.

Überhaupt schlägt mein Leser- und Autorenherz für möglichst einfache
Lösungen, beim Cover ebenso wie beim Schriftbild. Jeder "Ziertand" ist aus meiner Sicht überflüssig.

Hochkarätig finde ich die Covergestaltung durch den kürzlich verstorbenen Künstler bei den dtv-Taschenbüchern. Bin schon gespannt,
wer diese Arbeit künftig weiterführen wird.

Der Umschlag unserer "Wandlungen" ist ebenfalls gelungen, finde ich!

Laura
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Re:

von Laura (26.12.2007, 09:37)
Hallo allerseits, ja, es gibt tatsächlich Anthologien, bei denen das Schriftbild ständig wechselt, das Papier kaum dicker ist als PC - Papier, dafür jede Menge "Schnickschack" wie Zierrand um jede Seite, zahlreiche Illustrationen usw. Durch diesen Schnickschnack kann man natürlich ein Buch sehr viel umfangreicher machen, als es dem Inhalt entspricht.

Hätte ich mir übrigens auch nicht vorstellen können, dass es das gibt, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.

Ich ziehe übrigens als Leserin auch relativ einfache Cover vor, nicht allzu vielfarbig, und was den Buchblock angeht finde ich, dass weniger mehr ist: Also klares, einheitliches Schriftbild, nicht zu klein, damit man keine Lupe zum Lesen braucht, kein zu schmaler Rand oben, unten und an den Seiten, und normales Papier, dh., nicht zu dünn, keine Billigqualität.

Dann sollte das Buchformat dem Umfang entsprechen, dh., ein dickes Buch sollte nicht zu klein sein weil es sonst unhandlich wird.

Übrigens drucken auch normale Druckereien so, wie der Buchblock geliefert wird, also keine Druckkostenzuschussverlage sondern einfach nur Druckereien. Das alles habe ich selbst erlebt, also keine Phantasie. LG Laura

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (26.12.2007, 10:02)
Laura hat geschrieben:
Übrigens drucken auch normale Druckereien so, wie der Buchblock geliefert wird, also keine Druckkostenzuschussverlage sondern einfach nur Druckereien. Das alles habe ich selbst erlebt, also keine Phantasie.

Versteh ich jetzt nicht. Natürlich drucken Druckereien genau die Vorlage, die ihnen geliefert wird, ab. Sonst würde sich der Kunde ja zurecht beschweren.
Gruß
Chris

hwg
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Re:

von hwg (26.12.2007, 10:09)
"Einfache" Druckereien führen ja auch nur die an sie gestellten Aufgaben aus. Allerdings gibt es durchaus kleinere Druckereien, die gegebenenfalls einen Autor bzw. Eigenverleger entsprechend beraten und sogar Korrekturen (wenn es nicht allzu viele sind) kostenlos durchführen.

Viele der anderen Dienstleister, welche sich Verlage nennen, versprechen jedoch allein schon durch die irreführende Betriebsbezeichnung meistens mehr. Vor allem fallen "Jungautoren" ohne Erfahrung mit Buchgestaltung
gerne darauf herein.

Es gibt bei den DKZ-Unternehmen jedoch mitunter auch durchaus löbliche Ausnahmen, die das vom Autor investierte Geld sinnvoll nutzen und deren Produktionen man wohl als insgesamt gelungen bezeichnen kann.

So sind die meisten Bücher aus dem Novum-Verlag, der Edition Winterwork oder dem Engelsdorfer Verlag (um nur einige Beispiele anzuführen) von ihrer Gestaltung her tadellos.

Trotzdem bleibe i c h als Autor (nicht als Leser) dabei: Wenn ich etwas im Druck veröffentliche, muss dafür ordentlich bezahlt werden, ich bezahle jedenfalls dafür garantiert nichts. Und meine diesbezügliche Sturheit macht sich immerhin seit Jahrzehnten bezahlt... :lol:

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (26.12.2007, 10:22)
Guten Morgen!

Übrigens drucken auch normale Druckereien so, wie der Buchblock geliefert wird, also keine Druckkostenzuschussverlage sondern einfach nur Druckereien.


Das müssen sie ja auch. Denn das ist der Auftrag den der Kunde ihnen gibt. Ich mache es aber - je nach Zugänglichkeit des Kunden, dass ich auf Verbesserungsvorschläge hinweise und eine kostengünstige oft auch kostenlose Alternative der Gestaltung anbiete. Die Mehrheit nimmt dies dankbar an und ich kann mit einem guten Gefühl schlafen gehen :lol:

LG Grete

@ Hans: thanks:

Laura
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Re:

von Laura (26.12.2007, 13:20)
Ich wollte lediglich klar stellen, dass solche Anthologien mit einem Schriftbild wie Kraut und Rüben nicht im DKZ - Verlag entstanden sind sondern im Kleinverlag, der in einer ganz normalen Druckerei drucken lässt.

Dass Druckereien drucken, was man ihnen gibt, ist schon klar, aber das ist dann in meinem Beispiel eben kein DKZV. Gruß Laura

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