BoD, Selbstverlag und die modernen Zeiten

Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


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BirgitOehmig
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Re:

von BirgitOehmig (28.11.2011, 02:11)
mtg hat geschrieben:
purple hat geschrieben:
außer mir mal wieder zu demonstrieren, dass du mich für fachlich inkompetent und dich für etwas Besseres hältst...

Oh Herr, lass' Hirn vom Himmel regnen ...


Mensch wer soll den das alles wegputzen ich denk Deutschland muss sparen so viele Strassenkehrer giebts doch gar nich :)

also ich habe im Vorfeld mir beide Varianten angeschaut und mich bewusst gegen die Sahnetorte und für Bod entschieden, erstens bin ich ungeduldig und zweitens wollte ich nicht das irgendein Lektor in ein für mich sensibles Thema seine Wurstfinger steckt (das muessen sie umschreiben und das und das)
gruss Birgit

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Perchta
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Re:

von Perchta (28.11.2011, 04:04)
Bevor das hier in Streiterei ausartet, vielleicht ein Wort zur Güte: Daß Matthias und die Haifischfrau relativ gereizt reagieren, dürfte daran liegen, daß dieselben Argumente von der "künstlerischen Freiheit" und "Authentizität" eben auch gerne von Leuten genutzt werden, die auf Rechtschreibung und Grammatik nicht unbedingt den allergrößten Wert legen. Insofern ist diese Argumentation nicht ganz ungefährlich. Sie wird gerne ausgenutzt.

Seit ich mich bei Facebook rumtreibe, habe ich eine ganze Menge Autoren gefunden, die so ähnlich argumentieren und die für meinen konservativen Geschmack erstaunlich ... frei mit der deutschen Sprache umgehen. Höflich ausgedrückt. Was mich fasziniert, und zwar ernsthaft: auch diese Leute haben Fans, sie machen Lesungen, und sie finden ihre Käufer. Insofern: Auch für (aus meiner Sicht) tatsächlich verbrannte Torten gibt es anscheinend Abnehmer. Selbst deutliche objektive Qualitätsmängel sind nicht notwendigerweise ein Verkaufsargument. (Ich geb's zu: da kaue ich noch dran :lol: ).

Aber um noch einmal zurückzukommen auf das Problem, daß ein Text im Verlag "verbogen" wird: ich halte das für Panikmache. In einen großen Verlag, der vielleicht wirklich nach solchen Kriterien arbeitet, kommt man ohne Agentur und ohne ein ohnehin bereits massentaugliches Skript gar nicht rein. Überspitzt ausgedrückt: die Entscheidung, seine Seele zu verkaufen, hat man da schon lang getroffen :wink: . Die kleinen Verlage, die die Nischen besetzen, müssen aber notgedrungen anders arbeiten. Da sehe ich immer noch gute Chancen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem Lektor, dem tatsächlich etwas an dem entstehenden Werk liegt. - Sofern man, anders als ich, das Durchhaltevermögen hat, sich bis in den siebten Kreis der Hölle vorzukämpfen, natürlich.

Ob der Buchmarkt tatsächlich eine ähnliche Entwicklung erleben wird wie der Musikmarkt, bleibt abzuwarten. Ich verstehe nichts vom Komponieren und Musizieren und kann nicht beurteilen, inwieweit die beiden Kunstbereiche miteinander vergleichbar sind. Vielleicht kann man eine andere Parallele ziehen zu selbstproduzierten Videofilmen auf Youtube: auch da gibt es ja offenbar Leute mit einer gigantischen Menge von Abonnenten, regelrechte Internet-Berühmtheiten. Sind die deswegen jetzt alle kleine Steven Spielbergs? Sind die Leute, die auf Kunst-Portalen ihre Bilder vorstellen, kleine van Goghs?

(Und in eigener Sache: Danke fürs Lob, purple! Nein, da gibt's nichts abzustimmen, der Wettbewerb war schon im Sommer. Ich bin nur so stolz drauf, daß ich den Link immer noch auf meiner Seite gelassen habe. - Daß sowohl "Heimatkrimis" wie auch Mittelalterromane auf dem Buchmarkt einen nicht so dollen Ruf haben, ist nun mal so, und es ist auch begründbar. Da ist schon wirklich eine Menge Schrott dabei, wenn wir ehrlich sind.)
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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SandraR
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Re:

von SandraR (28.11.2011, 05:55)
Purple, ich habe nur das Beispiel mit der Torte genommen. Und ja nach meiner Meinung geht es ohne Korrektor nicht. Selbst ist man für seine eigenen Fehler immer blind und die freundlichen Freunde übersehen nun mal auch zu viel.

Selbst nach Korrektoren finden sich noch immer minimalste übersehene Fehler. Mit dem Beispiel habe ich nicht explizit dich gemeint, sondern grundsätzlich meine Meinung zum Ausdruck gebracht.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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mtg
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Re:

von mtg (28.11.2011, 07:54)
Zur Abwechslung reagierte ich mal nicht wegen der »künstlerischen Freiheit«, sondern wegen der offen zur schau getragenen Minderwertigkeitskomplexe und den daraus resultierenden Angriffe seitens Purple.

Haifischfrau hat lediglich konstatiert, dass man Purples Beitrag auch von einer anderen Seite her verstehen kann - gerade nach den immer wieder gehabten Kontroversen zum Thema »deutsche Sprache« ... und Purple strickt gleich wieder an der großen Verschwörungstheorie.

purple hat geschrieben:
Manchmal kommt mir dieses Forum mehr wie eins für Pädagogen und Germanisten vor, als wie eins für Leute, die gerne schreiben.

Dann empfehle ich Dir TV-Sendungen wie »Hilfe, mein Mann ist Heimwerker« und dazugehörige Foren. Es gibt einen Unterschied zwischen »Handwerk« und »Heimwerken«. Warum allerdings den »Handwerkern« ständig angekreidet wird, dass ihnen Qualität wichtig ist, erschließt sich mir nicht. Offensichtlich können manche Leute nur entweder »falsch« oder »ohne Spaß«.

Man kann auch mit großer Lust schreiben und trotzdem auf das Handwerk achten. Und: Man kann auch Postings schreiben und akzeptieren, dass andere Leute andere Meinungen haben.

Übrigens: Es liegt mir fern, zu streiten. Ich habe meinen Weg gefunden, den ich auch ohne unqualifizierte Kommentare gehen kann. Allerdings gibt es hier viele, die Hilfe suchen ... und die darunter leiden müssen, dass Hilfestellungen von einigen Forenteilnehmern in einer unmöglichen Art und Weise als »No-Go« diskreditiert werden.

@ Birgit: Lektoren findet man auch außerhalb von Verlagen. Ich habe z.B. zwei und veröffentliche trotzdem verlagsfrei.

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W.Waldner
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Re:

von W.Waldner (28.11.2011, 08:58)
Perchta hat geschrieben:
Aber um noch einmal zurückzukommen auf das Problem, daß ein Text im Verlag "verbogen" wird: ich halte das für Panikmache. In einen großen Verlag, der vielleicht wirklich nach solchen Kriterien arbeitet, kommt man ohne Agentur und ohne ein ohnehin bereits massentaugliches Skript gar nicht rein. Überspitzt ausgedrückt: die Entscheidung, seine Seele zu verkaufen, hat man da schon lang getroffen :wink: . Die kleinen Verlage, die die Nischen besetzen, müssen aber notgedrungen anders arbeiten.


Um in einen Verlag hinein zu kommen, muss der Autor den Text schon von vornherein selbst verbogen haben, das hast Du richtig betont. Das gilt aber nicht nur für große Verlage, sondern auch für die ehrgeizigen kleinen Verlage, die auch einmal groß werden oder sich wenigstens gar nicht von den großen unterscheiden möchten.

Nehmen wir einmal das Beispiel Politthriller. Der muss immer nach dem Vorbild von 007 geschrieben werden. Also wilde Schießereien und lange Verfolgungsjagden mit Auto, Flugzeug und Boot. Du wirst mir vermutlich keinen einzigen Politthriller in einem "richtigen" Verlag finden können, der dem Leser zeigt, wie es im wirklichen Leben politischer Agenten zugeht.

Das zu zeigen, ist den Verlagen und ihren Autoren nämlich nicht erlaubt.

So ein Buch wie meinen Marx lässt kein Verlag drucken. Da könnten die Leser ja kapieren, wie es in Politik und Gesellschaft wirklich zugeht. So bleibt also nur das Problem, ob man sich einen privaten Lektor oder Korrektor finanziell leisten kann. Falls ja, sollte das Geld jeder investieren. Falls nein ... .
Trugschlüsse der Volkswirtschaftslehre

Warum die Geldpolitik 1929-33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat

Der preußische Regierungsagent Karl Marx

HuWes
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Re:

von HuWes (28.11.2011, 11:08)
W.Waldner hat geschrieben:
Nehmen wir einmal das Beispiel Politthriller. Der muss immer nach dem Vorbild von 007 geschrieben werden. Also wilde Schießereien und lange Verfolgungsjagden mit Auto, Flugzeug und Boot. Du wirst mir vermutlich keinen einzigen Politthriller in einem "richtigen" Verlag finden können, der dem Leser zeigt, wie es im wirklichen Leben politischer Agenten zugeht.

Das zu zeigen, ist den Verlagen und ihren Autoren nämlich nicht erlaubt.


Politthriller ohne James-Bond-Hintergrund:

John Le Carré - diverse Romane (Ullstein, List, Heyne)

Brian Freemantle - die Charlie Muffin Reihe (13 Romane) (Ullstein, Heyne)

Paul Erdman - diverse Romane mit finanzpolitischem Hintergrund (Fischer, Piper, Luebbe)

Eric Ambler - politisch links gerichtete Politthriller (Diogenes)

Len Deighton - Spionagegeschichten im Arbeitermilieu (Ullstein, Knaur, Heyne)
Das Licht, das du am Ende der Tunnels siehst, könnte der ICE sein, der auf dich zu rast!

vondirke
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Re:

von vondirke (28.11.2011, 12:07)
Hallo zusammen,

Interessante Diskussion...

Warum will eigentlicher jeder zu einem Verlag? Das habe ich bisher nicht so richtig verstanden.
Lohnt sich das nicht nur als große Nummer, wenn der Verlag auch das entsprechende Marketing betreibt?
Ansonsten ist es doch dann nur eine weitere Schnittstelle bis zum Kunden.

Ich vermute, das ist eine ähnliche Entscheidung zwischen angestellt oder selbstständig.
Wenn ich im Selbstverlag vertreibe, muss ich mich eben um viel mehr Dinge kümmern. Ich muss Layout-Programme beherrschen, ein Cover designen, Poster entwerfen, eine Marketingstrategie entwickeln etc...

Das ist viel Arbeit. Aber am Ende des Tages kann ich auf meine Margenabrechnung schauen und sagen: Das war alles ich!
Und selbst wenn der Stundenlohn minimal ist, habe ich viele neue Fähigkeiten entwickelt oder verbessert. Das muss ich mir eben vorher überlegen. Wem es "nur" um das Schreiben geht, der sollte sich noch mit jemand anderes zusammen tun. Denn ohne Marketing, ansprechendes Design und ein vernünftigen Buchsatz geht es nicht.
Was ich nicht alles über Typographie gelernt habe in den letzten Wochen. Wow, was es nicht alles gibt...

Ich nehme nunmal gerne mein Leben selbst in die Hand. Und dazu gehört auch ein Buchprojekt.
Vielleicht klopft irgendwann ein Verlag an, dann hör ich ihn mir sicher auch an. Ich kenne zufällig einen Autor, der zunächst in BOD vertrieben hat und durch seinen Erfolg ein Angebot von einem Verlag bekam. Die 2. Auflage gibts nun dort.

Just my 5 cent

P.S.: und by the way: Aufgaben, die mir keinen Spaß machen, habe ich outgesourct. Das Korrektur lesen habe ich einem Profi überlassen. Meine Rechtschreibung ist nicht schlecht, aber sicherlich nicht druckreif. Da sollte man dann halt ein bischen Geld in die Hand nehmen.
Zuletzt geändert von vondirke am 28.11.2011, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.

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purple
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Re:

von purple (28.11.2011, 12:10)
@Perchta: Anscheinend bin ich noch nicht lange genug in diesem Forum um zu wissen wie man sich ausdrücken muss, um keine gereizten Kommentare zu erwischen. Ich finde das auch recht oberflächlich, wenn man einfach jedem unterstellt man wäre so einer, dem Rechtschreibung und co. egal wären, nur weil man leidenschaftlich gerne schreibt und vielleicht einfach nicht so verkrampft und wissenschaftlich an alles herangeht. Klar, gibt es immer solche und solche, aber wenn man sofort ankommt und meint die passende Schublade zücken zu müssen, wäre das für mich ein Grund mehr mich davon zu distanzieren. Es gibt doch überall solche und solche, das ist doch nun nichts, was sich nur bei Autoren findet.

Mir persönlich war das mit dem Lektorat egal, darum ging es mir nicht, ich wollte es einfach alles selbst machen, auch bei den Lektoren gibt es ja solche und solche, hängt sicherlich vom Verlag ab.

Ich denke nach wie vor, dass Musiker einfach entspannter sind und sich auch ganz anders darstellen können, allein schon, weil sie ganz andere Kanäle haben, die Autoren nicht haben, aber warum nicht mal schauen und das als Inspiration ansehen, schaden kanns ja nicht.

(Oh, bitte, ich fand die Geschichte sehr schön. Von dem schlechten Ruf habe ich noch nichts mitbekommen, interessiert mich aber auch nicht wirklich, wäre nur schade für die Autoren, die so viel Arbeit in die Recherche stecken, was ja bei historischen Romanen üblich ist.)

@mtg: Ich habe garantiert keine Minderwertigkeitskomplexe, es ist nun auch nicht das erste Mal, dass ich hier angegangen werde, obwohl ich einfach auch nur etwas zu einem Beitrag schreibe und man dann nur meinen Beitrag kommentiert als beim Thema zu bleiben. Letztlich habe ich nichts anderes gesagt wie du, nämlich dass man auch mit großer Lust schreiben kann und dennoch auf das Handwerk achtet. Etwas anderes mache ich auch nicht, aber zum 100. Mal mag ich das hier nicht sagen, es wird doch eh hineininterpretiert was man gerne lesen möchte, nur um mal wieder eine Bestätigung dafür zu finden, dass sich hier zu viele tummeln, die blind schreiben und denen das auch noch völlig wurscht ist. Mir persönlich sind diese Sorte Autoren völlig egal, ich kümmere mich lieber um meinen eigenen Kram, damit habe ich genug zu tun. Ich habe es zudem auch nicht nötig mich durch die Seiten anderer zu lesen, nur um ihnen dann ihre vermeintlichen Fehler vorzuhalten. Man kann doch denken, was man will, aber entweder man schreibt etwas zum Thema oder man klemmt sich einfach mal seinen Senf. Nicht die Meinung nervt mich, sondern diese Vorgehensweise. Viel zu schnell werden Leute vorverurteilt, ohne wirklich zu wissen ob derjenige wirklich ins verhasste Schema passt und anstatt das noch zu unterbinden, wird es noch als löbliche Meinung dargestellt, die man gefälligst zu schlucken hat, selbst wenn man gar nicht in die böse Zielgruppe passt.

Du sprichst von Handwerk, schön und gut, aber so wie sich dieses Klima hier darstellt, sieht es für mich eher aus als würde man krampfhaft versuchen das Niveau oben zu halten. Ich verstehe auch nicht, wieso man nicht einfach jeden machen lässt, ändern lässt es sich doch eh nicht, nur weil man hier und da mal meckert, das schafft nur miese Stimmung, mehr nicht.

@SandraR: Ich gebe dir absolut Recht, aber direkt zu sagen, die Torten wären verbrannt und ungenießbar, finde ich doch wieder etwas überzogen. Es finden sich hier doch bestimmt auch genügend tolle Bücher, auf die das nicht zutrifft.

@W-Waldner: Zu dem Genre kann ich nichts sagen, aber ich denke, das ist auch wieder sehr stark abhängig vom Verlag und lässt sich kaum pauschalisieren, jeder Verleger tickt ja auch anders und es gibt nun mal Themen, die sehr speziell sind und da traut sich dann vielleicht auch kaum einer ran, weil man nicht abschätzen kann, was das abwerfen könnte.

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mtg
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Re:

von mtg (28.11.2011, 12:49)
vondirke hat geschrieben:
Warum will eigentlicher jeder zu einem Verlag?

Aus demselben Grund, warum jeder Fahranfänger sich gleich zur Formel 1 berufen fühlt.

Ich wage zu behaupten, dass 80% der BoD-Autoren die on-demand-Veröffentlichung nur als notwendiges Übel oder lästigen Zwischenschritt betrachten, das bzw. der ihnen eigentlich nicht zuzumuten ist, weil sie sich alle als neue Joanne K. Rowling oder - wie jüngst hier im Forum - als neuer John Grisham oder Dan Brown sehen.

Tatsächlich haben die, die es wirklich zu einem Verlag geschafft haben, es nur durch Fleiß und den Verzicht auf Selbstüberschätzung erreicht. Man kann in Teilen den Erfolg auch planen ... aber mit einer »Hoppla, jetzt komm' ich«-Einstellung, wie man sie immer mal wieder lesen kann, klappt es garantiert nicht. Verlage verlegen Bücher und keine heiße Luft ...

Es wird mir wohl niemand widersprechen, dass die meisten on-demand-Autoren wie die Jungfrau zum Kind zum Schreiben gekommen sind, oder aber dank Möglichkeiten, wie sie u.a. BoD bietet, ein Hobby zum finanziell möglichen und professionell aussehenden Abschluss gebracht haben. Damit ist aber auf dem Weg zu einem Verlag noch nicht einmal der erste Schritt getan.

Interessanterweise herrscht hier immer noch - und nach wie vor - der Gedanke, dass »Verlag« etwas mit »verbiegen« zu tun hat. »Massenkompatibel«, »zielgruppenorientiert« oder »mehrheitsfähig« zu schreiben, hat mit »Verbiegen« überhaupt nichts zu tun. Wer eine der drei zuerst genannten Eigenschaften beherrscht, wird leichter Erfolg haben ... aber hat er (oder sie) sich damit »verbogen«? Hat er/sie sich nicht einfach nur vorher Gedanken gemacht, was dem Leser gefallen könnte?

Wer über das schreibt, was ihm selbst wichtig ist, wird in den seltensten Fällen massenkompatibel sein - schließlich hält sich jeder Mensch (durchaus berechtigt) für etwas Besonderes. Nur ... ob diese Besonderheit massenkompatibel ist, steht auf einem völlig anderen Blatt. Und hier greifen dann gerne zwei Mechanismen:

1) Ich sage bei einem heiklen Thema als erster die Wahrheit und werde deshalb niemals bei einem Verlag unterkommen.

2) Um bei einem Verlag unterzukommen, darf ich nicht mehr ich selbst sein.

Beide Mechanismen haben mit der Realität nicht viel zu tun, sondern sind Schutzbehauptungen von Autoren, die in einer Art positivem Elfenbeinturm sitzen. Verlage sind Vermittler zwischen Inhaltslieferanten und Geschmacksabnehmern. Wenn sich Inhalt und Geschmack - oder Buch (Stil, Schreibe, Thema) und Käufer - nicht in Übereinstimmung bringen lassen, kommt man nicht zusammen. Wenn Lektoren, Verlage - oder auch in kleinerem Umfange Forenmitglieder - sich also »erdreisten«, korrigierend einzuwirken, tun sie das in der Absicht, die Erfolgsaussichten des Buches zu erhöhen. Wer dabei »verbogen« fühlt, hält es wohl mit der Denke »Lieber scheitere ich selbst (und darf mich unverstanden fühlen), als dass ich mir vorher von anderen helfen lasse.«

In meinem Fall ist es z.B. sicher praktisch, dass ich eine Werbeagentur betreibe; Layout, Satz, Cover, Marketing, Presse kann ich also selbst machen. Trotzdem bediene ich mich eines (manchmal auch zweier) Lektoren - aus dem schlichten Grunde, dass ein unvorbelasteter Blick auf mein Werk Schwächen, aber auch Stärken, deutlicher erkennen lässt. Ich folge aber auch nicht allen Anmerkungen des oder der Lektoren ... da entstehen manches Mal heftige Diskussionen, weil ich bestimmte Inhalte transportieren möchte, von denen ich mich nicht trennen will. Irgendwann gibt es aber den Kompromiss zwischen Inhalt und Form, der heißt: Mein Inhalt ist wiederzuerkennen in einer Form, die verständlich ist. Habe ich mich dabei »verbogen«? Nein, im Gegenteil ... ich habe erheblich profitiert.

Nur ... manche hier fürchten schon um ihre (noch gar nicht vorhandene) Reputation, wenn ihnen die Platzierung eines Kommas an der grammatikalisch richtigen Stelle empfohlen wird ...

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.11.2011, 14:12)
Ich bin eher der Auffassung, dass Größenwahn das Problem ist und nicht etwaige Minderwertigkeitskomplexe.

Diejenigen, die offen oder insgeheim gerne bei einem Verlag veröffentlichen möchten und bislang nicht zum Zuge gekommen sind (und dies hier immer wieder breittreten), verweisen darauf, dass die Verlage ihr Talent nicht erkennen, oder ihre Texte verbiegen, oder böse / unfähige Lektoren oder was auch immer würden. Diejenigen, die sich und ihre Schreibe kritisch hinterfragen, an Verbesserungen arbeiten, kommen doch gar nicht auf die Idee, anderen die Schuld dafür zuzuschieben, dass sie noch nicht auf den Bestsellerlisten stehen.

So lange Selbstverständlichkeiten wie Grammatik und Orthographie hier diskutiert werden, als stünden sie zur Disposition - und das in ellenlangen Postings - steht das Thema Verlag gar nicht zur Debatte.

Wie Matthias es treffend ausdrückt: das Handwerk ist eine Grundlage, die Statik quasi. Und wenn die Statik nicht sauber ist, bricht das ganze Gebäude zusammen.

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Perchta
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Re:

von Perchta (28.11.2011, 15:10)
Warum will eigentlicher jeder zu einem Verlag?


Ich greife nur kurz diese Frage nochmal raus, weil ich zu den meisten anderen Dingen nichts sagen kann, was nicht schon gesagt worden wäre.

Bei mir ist der Hauptgrund genau der, den du schon angesprochen hast, vondirke. Man muß bei BoD nun mal alles selbst machen. Woran ich wenig Interesse habe, einfach mangels Talent. Ich kann weder Cover noch Flyer gestalten. Selbstvermarktung ist für einen Menschen mit so ausgeprägter Soziophobie und so großer Unsicherheit sowieso unmöglich. Ich kann eigentlich nur schreiben. Auch das sicher nicht perfekt (also weder orthographisch noch grammatikalisch noch stilistisch so, daß es nichts mehr zu verbessern gäbe). Aber in diesem Bereich bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.
Den ganzen Rest müßte ich anderen Leuten überlassen. Genau das würde in einem Verlag passieren. Denn dafür, solche Leute selbst zu bezahlen, fehlt mir das nötige Kleingeld.
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.11.2011, 15:30)
Hallo Petra,

du hast deine Beweggründe sachlich und nachvollziehbar hier reingeschrieben. Ich bin zwar grundsätzlich der Meinung, dass der Mensch mehr oder weniger alles lernen kann, zähle mich aber auch zu denen, die nicht sonderlich geschickt in Sachen Layout und Covergestaltung sind. Schon dies ist m.E. ein guter Grund dafür, einen Verlag zu suchen. Dies funktioniert vielleicht über einen Literaturagenten.

Natürlich muss man bei Verlagen auch die Verträge durchlesen, bevor man sie unterschreibt.

Und abgesehen davon: es soll sogar Leute hier im Forum geben, die aus Kollegialität mal einen intensiven Blick aufs Manuskript werfen - wenn es ein vollständiges Korrektorat oder Lektorat sein soll, muss natürlich dafür bezahlt werden.

Gruß
Haifischfrau
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Perchta
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Re:

von Perchta (28.11.2011, 15:58)
Zumindest in gewissen Grenzen kann man tatsächlich alles lernen, Haifischfrau, da gebe ich dir recht. Und meine eingestandene Hochachtung vor allen, die diese Aufgabe tatsächlich angehen!

Ich kenne mich - ich tu's nicht. Wenn ich mich mal ehrlich im Spiegel anschaue: da spielt bei mir schon auch eine gehörige Portion Trägheit mit. Zu einem großen Prozentsatz bin ich selber schuld. Anscheinend ist mir das Buch letztlich doch nicht wichtig genug, damit ich mich aufraffe und meinem inneren Schweinehund noch ein paar Tritte mehr gebe. (Bei mir ist es letztlich schon an einem ordentlichen Exposé gescheitert. Ein Bewerbungsschreiben für mein Buch - der ultimative Alptraum! Ich bin komplett dran verzweifelt und habe irgendwann aufgegeben.)

Insofern gehöre ich dann eben doch wieder zu den vielen "Träumerles" hier bei BoD, die auch Matthias angesprochen hat. Ein supertolles Buch mit meinem Namen drauf, ja bitte, gern. Aber ohne Anstrengung von meiner Seite, wenn's irgend geht :wink:. (Nur versuche ich mir wenigstens ansatzweise bewußt zu machen, daß es so, bei Licht betrachtet, nicht funktionieren wird.)

Vielleicht macht das auch den Unterschied aus zu den Musikern, die sich selbst vermarkten. Schreiben ist etwas, das zunächst mal relativ wenig Mühe erfordert, zumindest verglichen mit dem langwierigen Erlernen eines Instruments. Vielleicht bringt jemand, der jahrelang Gitarre oder Schlagzeug geübt hat, später deshalb auch mehr Disziplin mit, wenn es um professionelles Produzieren in Eigenregie geht.
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mtg
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Re:

von mtg (28.11.2011, 16:07)
Perchta hat geschrieben:
Schreiben ist etwas, das zunächst mal relativ wenig Mühe erfordert, zumindest verglichen mit dem langwierigen Erlernen eines Instruments. Vielleicht bringt jemand, der jahrelang Gitarre oder Schlagzeug geübt hat, später deshalb auch mehr Disziplin mit, wenn es um professionelles Produzieren in Eigenregie geht.

Mit den reinen Kenntnissen aus dem Schulfach »Musik« würde sich niemand Musik ausübenderweise an die Öffentlichkeit trauen. Warum tun das aber so viele beim Schreiben? Weil sie glauben, »schreiben« zu können, bloß weil sie in der Schule gelernt haben, Buchstaben aneinanderzureihen.

Schreiben erfordert genauso viel Disziplin und Faszination und - auch wenn es wenige wissen wollen - Perfektion wie Musik, Malerei oder jede andere Kunst. Das bedeutet nicht, dass man von Anfang an perfekt sein muss. Aber zumindest das Streben nach Perfektion oder/und nach Vervollkommnung sollte vorhanden sein. Das ist leider zu wenigen bewusst ...

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Isautor
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Re:

von Isautor (28.11.2011, 16:08)
Was ich interessant finden würde, wäre die Antwort auf die Frage, warum bei vielen Autoren so ein Widerstand gegen korrektes Schreiben entwickelt wird. Und wenn er schon da ist, warum es dann um jeden Preis eine Veröffentlichung sein muss.
Erst gestern hatte ich wieder Kontakt mit einer Erstlingsautorin, deren Texte ich schon öfters mal durchkorrigiert habe. Sie sagte, sie hätte ihr Manuskript jetzt zu einigen namenhaften Verlagen geschickt. Ich fragte, ob es ein Korrektorat gegeben hätte. Sie bejahte und ich ließ mir eine Seite des Manuskriptes schicken.
Ich fand in JEDEM Satz ein bis zwei Fehler. Außerdem falsche Zeichensetzung bei wörtlicher Rede etc.
Das Korrektorat wurde wohl von einer Deutschlehrerin durchgeführt, bzw. nicht durchgeführt, denn das Ergebnis war eine Katastrophe.
Darauf angesprochen, reagierte die Dame unwirsch. Ich sagte, dass sowohl stilistisch als auch in jeder anderen Hinsicht das Manuskript keine Beachtung finden würde und bot meine Hilfe bei der Korrektur an.
Dies wurde abgelehnt, mit der Bitte "es einfach gut sein zu lassen". Leider kann ich es nur schlecht sein lassen, denn es ist schlecht.

Dies ist eine kurze Episode, aber ähnliche Erfahrungen mache ich immer wieder. Ein Hinweis auf Fehlerhaftigkeit und die Reaktion ist allgemeines Unverständnis gepaart mit beleidigtem Rückzug. Die Lernbereitschaft geht gegen null, man ist allenfalls gewillt, Applaus entgegenzunehmen.
Daher kommt die verständliche Frustration von Autoren, die nach Verbesserung streben und denen es Spaß macht, immer perfekter zu werden. Denn sie sind allein in einer Büffelherde, die einfach nur trampelnd nach vorne stürmt, kopflos und unaufhaltsam zur nächsten grünen Weide rennt - und dabei das ganze schöne Gras in Matsch verwandelt.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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