Wittwer Buchhandlung verweigert Bestellung von BoD Titeln

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mtg
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Re:

von mtg (14.12.2011, 16:42)
Als Sarah Connor vor einem Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Nationalhymne umdichtete und »brüh' im Glanze...« sang, war das ein klassischer handwerklicher Fehler und hatte mit »Gefallen« gar nichts zu tun. Und um nichts anderes geht es in dieser Diskussion. Über Inhalte lässt sich streiten - über das Handwerk nicht.

Und - @ Richard: Inhalt und Form sind zwei völlig unterschiedliche Dinge - etwa wie Äpfel und Birnen. Und dass man die nicht miteinander vergleichen kann, sollte wohl landläufig bekannt sein.

Solange es on-demand-Autoren gibt, denen das Handwerk egal ist, muss man damit leben, dass der Buchhandel on-demand-Bücher verschmäht.

Nur ... sich über die Kundenunfreundlichkeit des Handels zu beschweren, aber Bücher zu vermarkten, die dem Leser gegenüber leseunfreundlich sind ... das passt ja nun mal gar nicht zusammen. Jeder Autor sollte daher erst einmal checken, ob er das Mindestmaß an Qualität bieten kann, das er an anderer Stelle erwartet oder gar voraussetzt ...

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hawepe
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Re:

von hawepe (14.12.2011, 16:45)
Hallo Richard,

Richard Bercanay hat geschrieben:
Ob sich ein Buch gut oder schlecht verkauft, hat mit der inhatlichen Qualität doch nur am Rande zu tun, sonst wäre Sarrazins »Deutschland schfft sich ab« oder Roches »Schoßgebete« in den Regalen der Buchläden liegengeblieben und nicht zu Bestsellern geworden.


Auch wenn sich hier im Forum schon einige Autoren getummelt haben, die sich als verkannte Bestseller-Autoren fühlten, behaupte ich, dass selbst Autoren wie Gerd Scherm oder Nele Neuhaus in der Bekanntheit noch lange nicht an Sarrazin oder Roche heranreichen.

Sarrazin und Roche sind zudem schon vorher bekannt gewesen. Dass ihre Bücher gekauft werden, hat ganz andere Gründe. Um Literatur geht es bei den Motiven garantiert nicht.

Beste Grüße

Heinz

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Großstadtpoet
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Re:

von Großstadtpoet (14.12.2011, 17:01)
mtg hat geschrieben:
... Mindestmaß an Qualität ...

Das ist jetzt etwas off-topic, aber ich war gerade mal auf Deiner Webseite und muss sagen, dass diese außerordentlich professionell und hochwertig wirkt. Auch das ist ja nicht bei allen BoD-Autoren der Fall (da nehme ich auch mich selbst nicht aus). Ich denke, sehr viele von uns haben in vielen Bereichen noch Nachholbedarf. Leider fällt es oft schwer, sich das einzugestehen, das geht mir auch so.
Aber wenn man es geschafft hat, ist man auf einem guten Weg, neues zu lernen, besser zu werden und irgendwann vielleicht auch gute Qualität abliefern zu können.

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Perchta
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Re:

von Perchta (14.12.2011, 17:55)
Déjà lu oder wie das heißt ... :lol:

Die Diskussion ist ja nicht neu. Und auch wenn ich annehme, daß Vorurteile bezüglich der Qualität von BoD-Büchern eine Rolle spielen mögen, glaube ich nicht, daß sie ausschlaggebend sind bei der ablehnenden Haltung, die Buchhändler hin und wieder einnehmen. Da sehe ich meine Branche (leider :wink: ) in einem weit weniger hehren Licht als Siegfried.

Natürlich gibt es Buchhandlungen, die bewußt auf ein gewisses Image setzen, sich quasi zur "Marke" machen und damit gut fahren. (Lehmkuhl in München zum Beispiel hat kürzlich viel Aufmerksamkeit damit erregt, daß man sich dort weigert, Guttenbergs Buch ans Lager zu nehmen.) Aber mal ehrlich: Die meisten von uns würden kalt lächelnd auch sinnlos aneinandergefügte, auf Klopapier gedruckte Buchstabenreihen verkaufen - solange sie dreimal am Tag über den Ladentisch gehen und die Rabatte stimmen.
Ich denke wirklich, es sind vor allem die Bedingungen in den großen Ketten, die Besorgungsgeschäfte unrentabel machen. Eine Buchhandlung in 1A-Lage muß auch 1A-Mieten bezahlen. Was soll die mit einem Kunden, dem sie irgendeinen für den Händler unrentablen Sonderwunsch erfüllt? Im besten Fall dankt der Kunde, zahlt und kommt nie wieder. Im schlimmsten taucht er nie wieder auf, und die Buchhandlung steht da mit einem Titel, den sie nicht mehr remittieren und nicht verkaufen kann. Oder - blankes Entsetzen - der Kunde kommt womöglich zurück und drückt mir noch mehr unrentable Bestellungen aufs Auge.

Es scheinen ja vor allem die großen Buchhandlungen zu sein (Hugendubel etc.), die solche Einzelbesorgungen ablehnen. Das halte ich wirklich für ganz normal. Kleine Buchhandlungen, die noch mit entsprechend niedrigen Rabatten kalkulieren müssen, sind da naturgemäß entgegenkommender. Für die lohnt es sich allerdings auch. Und sie hoffen natürlich, daß der Kunde in Zukunft auch die Brottitel (die Bestseller, die mit den guten Rabatten) bei ihnen kauft.

Zum leidigen Thema Qualität: Es ist aus meiner Sicht ein Unterschied, ob in einem Text einzelne Flüchtigkeitsfehler auftauchen, oder ob grundlegende orthographische oder grammatikalische Mängel deutlich werden. Daß mal ein Komma- oder Tippfehler beim Ausbessern übersehen wird - geschenkt. Aber wenn ein Wort permanent falsch geschrieben oder ein Begriff dauernd falsch verwendet wird, dann entsteht beim Lesen der Eindruck: Der will zwar, aber er kann's ned. - Das ist tödlich. Denn eigentlich sollte man sich als Leser ja vom Autor bei der Hand nehmen und durch das Buch führen lassen. Aber wer folgt freiwillig jemandem, an dessen Fähigkeiten er zu zweifeln begonnen hat?

Was das "Drumrum" um den Text angeht, vom Layout übers Cover bis hin zur Homepage, da trennt sich sicher die Spreu vom Weizen und der Hobby-Autor (ich) vom mehr oder minder professionellen, der seine Bücher tatsächlich vermarkten und in größerem Stil verkaufen will. Aber eine unprofessionelle Homepage schädigt zunächst mal den Leser nicht - sie schädigt den Autor, weil potentielle Käufer einen ähnlich unprofessionellen Text vermuten werden. Genauso ein häßliches Cover. Wenn der Text dahinter in Ordnung ist, hat der Leser keinen Grund, sich deswegen über den Tisch gezogen zu fühlen. Bei einem professionellen Cover und einem unprofessionellen Text hat er das schon.
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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mtg
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Re:

von mtg (14.12.2011, 17:59)
Großstadtpoet hat geschrieben:
mtg hat geschrieben:
... Mindestmaß an Qualität ...

Das ist jetzt etwas off-topic, aber ich war gerade mal auf Deiner Webseite und muss sagen, dass diese außerordentlich professionell und hochwertig wirkt.

Vielen Dank!

Aber so off-topic ist es eigentlich nicht ... denn auch eine Website ist eine Visitenkarte. Meine zeigt halt den Anspruch, den ich an mich und meine Arbeit habe. Allerdings habe ich auch den Vorteil gegenüber vielen hier im Forum, dass ich in diesem Bereich arbeite und daher auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen kann.

Ich habe mal irgendwo geschrieben, dass ich vom »Anspruch an sich selbst« ableite, ob man sich selbst mag oder nicht. Ich steh' da auch weiterhin zu: Wer sich selbst mag, wird sich nicht mit unter seinem Namen veröffentlichten Müll (das ist jetzt hart formuliert, aber soll auch drastisch wirken) zufriedengeben. Das gilt für alles, was »nach draußen« wirkt oder wirken soll.

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kasapv
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Re:

von kasapv (14.12.2011, 18:03)
Alles sehr nachvollziehbare Gründe, Perchta. Das könnte sogar ein Kunde nachvollziehen, wenn ihm gesagt wird, dass es unrentabel ist, ein Buch zu bestellen. Vielleicht könnte man sich ja sogar auf eine Anzahlung einigen, damit der Händler weiss, er bleibt nicht auf dem Buch sitzen.

In dem vorliegenden Fall wurde aber vom Händler konkret gesagt, dass speziell BoD Bücher nicht bestellt werden.

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mtg
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Re:

von mtg (14.12.2011, 18:06)
War es eigentlich der Buchhändler selbst oder ein/e Mitarbeiter/in? Ich hätte da ja sofort den Chef sprechen wollen ... :-)

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Susann
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Unseriös

von Susann (14.12.2011, 18:07)
Ich hab den Beitrag gelesen und finde das Verhalten der Buchhandlung nicht nur unseriös, sondern recht unprofessionell. Diese Erfahrung hab ich (leider) auch machen müssen. Ich habe Freundinnen als "Testkäuferinnen" gebeten, sich nach "meinen" Buchtiteln in verschiedenen Buchhandlungen zu erkundigen. Die Ergebnisse waren hier sehr unterschiedlich ausgefallen.
Vielerorts dennoch negativ.
Allein der Name des Verlages war ziemlich, na sagen wir mal, abschreckend.
Das Ergebnis war letztendlich ziemlich dürftig und zugleich erschreckend ausgefallen.
Ich persönlich finde es ziemlich schade, dass es wohl noch immer Menschen gibt, die den Sinn des Schreibens nicht verstanden haben!
Lieben Gruß

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Perchta
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Re:

von Perchta (14.12.2011, 18:18)
@ kasapv: Natürlich kann ich nicht ausschließen, daß wir es hier tatsächlich mit einem Exemplar von Buchhändler zu tun haben, das privat schon mal kräftig mit BoD-Titeln auf die Schnauze gefallen ist (wie ich übrigens auch ^_^) und deshalb extra viele Vorurteile mitbringt.

Inwieweit ein Kunde es verstehen könnte - naja. Schau dir mal Jens an. 30% vom Buchpreis! Wenn der Autor nur 10% bekommt. Obwohl die doch nichts machen müssen! - Das ist auch nicht leicht zu verstehen.

Ich würde mir trotzdem keine großen Gedanken deswegen machen. Die Einführung einer Prüfung und eines qualitativen Mindeststandards bei BoD würde dem Grundprinzip des Unternehmens widersprechen (und die Kosten enorm erhöhen). Das wird sicher nicht passieren. Und wie sollen BoD-Titel sonst von ihrem schlechten Ruf wegkommen? An die Wirksamkeit moralischer Apelle glaube ich nicht.

Mehr Reputation in der Branche verschafft man sich als Autor eigentlich nur, wenn man bei einem Verlag veröffentlicht. Wobei ich mir nicht sicher bin, wieviele Kollegen tatsächlich zwischen DKZVs (wo die Qualität des Textes oft ja nicht besser ist als bei BoD) und regulären Kleinverlagen unterscheiden können; dazu bin ich schon zu lange aus dem allgemeinen Sortiment weg. Mir ist die ganze Bandbreite an Druckkostenzuschuß-Verlagen jedenfalls erst bewußt geworden, als ich selbst erstmals mit dem Gedanken gespielt habe, meine Geschichte drucken zu lassen.
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Jenselina
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Re:

von Jenselina (14.12.2011, 18:56)
Mir hat ein Buchhändler mal gesagt. Bei BoD-Büchern stimmt die Marge nicht???

Wenn ich unsere Bücher kalkuliere bleiben dem Handel insgesamt 40%. Das ist doch ordentlich. Wo erzielt man heute noch 30-40% an einem Produkt?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (14.12.2011, 19:01)
Perchta hat geschrieben:
Aber mal ehrlich: Die meisten von uns würden kalt lächelnd auch sinnlos aneinandergefügte, auf Klopapier gedruckte Buchstabenreihen verkaufen - solange sie dreimal am Tag über den Ladentisch gehen und die Rabatte stimmen.


Eine Frage zum "Aber mal ehrlich" cheezygrin an die Buchhändlerin:

Ab wie viel Rechtschreibfehler im Buch darf ich das gekaufte Buch wegen Mangelleistung an den Buchhändler zurückgeben und den Kaufvertrag rückgängig machen?
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Jenselina
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Re:

von Jenselina (14.12.2011, 19:15)
Bücher mit Rechtschreibefehlern sind authentisch. An ihnen klebt noch der "Schweiß" des Autors. Sozusagen ein unverfälschtes Kunstwerk.

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Adriatic
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Re:

von Adriatic (14.12.2011, 19:27)
Jenselina hat geschrieben:
Bücher mit Rechtschreibefehlern sind authentisch. An ihnen klebt noch der "Schweiß" des Autors. Sozusagen ein unverfälschtes Kunstwerk.


Mir könnte dein Schweiß ziemlich egal sein. Leider sitzen wir in der gleichen U-Bahn eingeengt nebeneinander und ich bekomme eine Portion deines Schweißes ab. Manchen ist das egal und manche sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wenn sie mit anderen U-Bahn fahren.

Wer gerne schwitzt und stinkt, kann ja Auto fahren (-> FUN ohne Marktauftreten).
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

Adria-Express (Roman) - Eine Reise mit der Bahn durch Italien

Autoreninformation:
www.gerritfischer.de

Jenselina
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Re:

von Jenselina (14.12.2011, 19:33)
Ich behaupte mal 95% der Leser wissen gar nichts mit dem Begriff "BoD" anzufangen. Für die ist das zunächst ein Buch von "Frau Müller". Wenn Fehler drin sind, dann sind dies die Fehler von Frau Müller.

Oder liege ich da falsch?

Die Schärfe bringen nur die Händler rein, weil vielleicht vor Jahren mal ein BoD-Buch schief gelaufen ist. So etwas brennt sich in deren Hirn fest und gepaart mit den fehlenden 10 Cent Zusatzmarge entwickelt sich innerlich eine latente Abwehrhaltung. Diese tritt dann im hektischen Vorweihnachtsgeschäft an die Oberfläche.

Aber auch da, gibt es noch eine Einschränkung. Betritt der Bruder von "Brad Pitt" den Buchladen so wird sich die Angestellte gerne auch die Mühe machen das gammeligste BoD-Werk mit minimaler Marge zu bestellen.

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Pamela
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Re:

von Pamela (14.12.2011, 19:55)
Adriatic hat geschrieben:
Jenselina hat geschrieben:
Bücher mit Rechtschreibefehlern sind authentisch. An ihnen klebt noch der "Schweiß" des Autors. Sozusagen ein unverfälschtes Kunstwerk.


Mir könnte dein Schweiß ziemlich egal sein. Leider sitzen wir in der gleichen U-Bahn eingeengt nebeneinander und ich bekomme eine Portion deines Schweißes ab. Manchen ist das egal und manche sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wenn sie mit anderen U-Bahn fahren.

Wer gerne schwitzt und stinkt, kann ja Auto fahren (-> FUN ohne Marktauftreten).


Leider finde ich keinen Beifall-Smilie ...

Sehr gut Gerrit!!
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