Humor

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.01.2012, 12:04)
Wie es scheint, müssen die Begriffe "Humor" und "Komik" voneinander abgegrenzt werden.

Mir ist aufgefallen, dass es so gut wie keine Analysen zum Thema "Humor in Büchern" gibt. Ich meine damit: Wie funktioniert Humor (oder Komik)?

Das Ziel ist klar: Der Autor möchte beim Leser ein Lachen (oder zumindest ein Schmunzeln) erreichen. Wie kommt man da hin?

Es gibt Leute, die stellen sich hin und erzählen einen Witz nach dem anderen. Ist das Humor bzw. Komik? Oder ist das nur das Rezitieren von auswendig gelerntem Text?

Wie entsteht Humor bzw. Komik? Was macht Texte von Eugen Roth, Heinz Erhardt, Loriot lustig? Kommt das einfach aus dem Bauch bzw. dem Moment oder gibt es da bestimmte Mechanismen?

Nehmen wir einen Sketch von Loriot: Herren im Bad.

Eine skurrile Ausgangssituation. Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner sitzen zusammen in der Badwanne eines Hotelzimmers (Klöbner hat sich im Hotel verlaufen) und diskutieren sehr formal und distinguiert, wer denn jetzt die Badewanne verlassen muss.

Szenerie und Form widersprechen sich elementar = lustig? Ist dieses Schema auf andere Situationen übertragbar?

Ist eine bestimmte Wortwahl, etwa der exzessive Gebrauch des Konjunktivs, lustig? Im Sketch von Loriot sagt Dr. Klöbner:

    "Herr Müller-Lüdenscheid, es wäre ja immerhin denkbar, dass es gewisse Argumente gäbe, die dafür sprächen, das Wasser jetzt einlaufen zu lassen."
Ungewohnter Sprachstil = lustig?

An einer anderen Stelle vermischt Loriot im Dialog Inhalt (Semantik) und Form des Gesagten:

    Müller-Lüdenscheid: "Ich lasse jetzt das Wasser ein, wenn Sie mich höflich darum bitten."

    Dr. Klöbner:
    "Bitte."

    Müller-Lüdenscheid:
    "Höflich."

    Dr. Klöbner: "Höflich."

    Müller-Lüdenscheid: "Na also."


Der Witz liegt im "Höflich" von Dr. Klöbner, weil hier Form und Inhalt vertauscht werden. Eigentlich ein uralter Mechanismus. Trotzdem gibt es einen Lacher.


Im Dialog der beiden Männer arbeitet Loriot mehrfach mit Wort- oder Satzwiederholung. Die beiden Männer in der Wanne - nun im Wasser nach viel Hin und Her über die Wassertemperatur und ob die Ente in die Wanne gehört oder nicht - treten in einen Wettstreit, wer länger unter Wasser bleiben kann.

    Dr. Klöbner (taucht wieder auf): "Was sagen Sie nun?"

    Müller-Lüdenscheid: "Sie langweilen mich."

    Dr. Klöbner: "Aber ich kann länger als Sie."

    Müller-Lüdenscheid:
    "Es gibt Wichtigeres im Leben."

    Dr. Klöbner
    : "Was denn?"

    Müller-Lüdenscheid: "Ehrlichkeit, Toleranz ..."

    Dr. Klöbner: "Ja."

    Müller-Lüdenscheid:
    "Mut, Anstand ..."

    Dr. Klöbner: "Ja, ja, ja."

    Müller-Lüdenscheid: "Hilfsbereitschaft, Tüchtigkeit, Zähigkeit ..."

    Dr. Klöbner: "Ja."

    Müller-Lüdenscheid:
    "Sauberkeit ..."

    Dr. Klöbner:
    "Aber ich kann länger als Sie!"

    Müller-Lüdenscheid: "Es kommt auf den Charakter an!"

    Dr. Klöbner: "Aber ich kann länger als Sie!"


Klöbners Beharren auf "Aber ich kann länger als Sie!" löst den Lacher aus. Ist also die Wiederholung einer banalen Aussage in einem Dialog ein Mittel der Komik? Und lässt sich diese Technik auf andere Situationen übertragen? Es scheint zumindest so.

Ich frage mich, wie ein Autor namens Loriot (oder Heinz Erhardt oder wen es sonst noch alles gibt) eine humorvolle Szene ausarbeitet. Ist das wirklich einfach aus dem Moment heraus gestaltet oder bedienen sich solche Autoren bestimmter Mittel, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind?

Interessant ist hier auch ein Blick ins Fernsehen. Es gibt eine Vielzahl an Comedy-Serien (zugegebenermaßen von recht unterschiedlicher Qualität). Wie produzieren die Autoren hier die Lacher? Hat da schon mal jemand drüber nachgedacht?
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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (05.01.2012, 12:12)
Siegfried hat geschrieben:
Ich frage mich, wie ein Autor namens Loriot (oder Heinz Erhardt oder wen es sonst noch alles gibt) eine humorvolle Szene ausarbeitet. Ist das wirklich einfach aus dem Moment heraus gestaltet oder bedienen sich solche Autoren bestimmter Mittel, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind?


Das ist Talent. Das kann man nicht lernen. cheezygrin
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Perchta
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Re:

von Perchta (05.01.2012, 12:34)
Lachen (der gewünschte Effekt) ist dem Ursprung nach eine Agressionsgebärde - ein Zähnefletschen. Durch die nach oben gezogenen Mundwinkel wird der Mund allerdings wieder halb geschlossen, das Zähnefletschen also nur angedeutet und die Drohgeste zurückgenommen. Wer mit offenem Mund lacht, also beide Zahnreihen zeigt, wirft zum Ausgleich oft den Kopf in den Nacken und präsentiert dadurch die Kehle, um den Droheffekt zurückzunehmen, oder wendet zumindest den Blick vom direkten Gegenüber ab. Ein Lachen, bei dem man sein gegenüber fest ansieht, hat dagegen schon wieder etwas Herausforderndes.

Mit Aggression reagiert ein Tier üblicherweise, wenn es durch etwas erschreckt wird oder sich bedroht fühlt. (Oder wenn es Beute machen will, womit wir dann vielleicht bei der Schadenfreude wären, aber die ist wohl ein eigenes Thema.) Das Lachen resultiert aus der Erkenntnis, daß die eigene Aggression unnötig und die Bedrohung nicht wirklich vorhanden ist.
Die Ausgangssituation wäre also eine unangenehme Situation (gefährlich, peinlich etc.), die sich bei näherer Betrachtung als überhaupt nicht schlimm - sondern als lächerlich herausstellt.

(Inhalt aus dem Gedächtnis und hoffentlich halbwegs richtig wiedergegeben nach einem Zeitungsartikel in der Süddeutschen vor etlichen Wochen)

Humor bestünde demnach einfach darin, einer zunächst dramatischen, "ernsten" Situation die Spitze zu nehmen.

Wenn das mal so einfach wär.
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 14:15)
mtg hat geschrieben:
Thomas Becks hat geschrieben:
Perchta hat geschrieben:
Kurze Frage - Gegenfrage: Funktioniert Humor in Büchern anders als im sonstigen Leben?

Ich würde sagen, ja. Du hast z.B. keine Bilder und keine Mimik. Nur die geistige Ebene eben.

Natürlich hast Du bei Büchern Bilder ... nur sind die im Kopf. Und die gilt es zu aktivieren ... da müssen Pointen sitzen, da müssen Charaktere deutlich herausgearbeitet sein. Man kann sogar Slapstick schreiben. Entscheidend ist immer, ob überhaupt und welche Bilder Du erzeugst ...

Auf der geistigen Ebene eben. Prima, Du hast es verstanden.
Zum Thema Loriot:
Loriots Sketche fand ich oft zu langatmig. Der Badewannen-Sketch ist für mich reine Situationskomik.

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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 14:18)
Siegfried,

ich bezweifle, dass man „Humor“ ausreichend analysieren und möglichst in ein Schema zwängen kann, so wie du es oben mit deinen Überlegungen probiert hast. Humor scheint sehr facettenreich zu sein. Einen großen Anteil dieser Vielfalt dürfte der persönliche Charakter – nicht unbedingt der der Figuren sondern des Autors und des Lesers – ausmachen.

Loriot, Heinz Erhardt, Eugen Roth und wie sie alle heißen stellen das Banale in den Vordergrund. Dinge, die jeder kennt. Dabei machen die Autoren aber einen Schritt zur Seite, so dass plötzlich alles überzogen, absurd und lachhaft wird, weil etwas aus dem Ruder geht ist.

Bei Loriots Herren im Bad passiert das Absurde gleich zu Beginn, und die darauffolgenden witzigen Situationen ergeben sich nur dadurch, dass das Absurde als solches von den Protagonisten nicht wahrgenommen wird und sie sich weiter „ganz normal“ verhalten. Das Absurde ist nicht, dass da zwei Männer in der Badewanne sitzen, sondern dass sich einer der beiden in der Tür geirrt hat und nicht die erwartete Reaktion folgt (beide erschrecken, einer entschuldigt und geht wieder oder ein Streit beginnt). Nein, sie ziehen diese Szene stur durch und dabei werden zusätzlich die Charaktere der Figuren klar hervorgehoben.

Verschiedene Voraussetzungen sind für Humor anscheinend mehr oder weniger wichtig:
- Der Leser stellt überrascht fest, dass er “das so noch nie betrachtet“ hat
- Offenheit des Lesers, sich auf dieses Absurde einzulassen
- Der Autor und der Lesersollten über sich selbst lachen können. (Das, was ich heute Morgen so unerwartet komisch fand war, dass ich mit einer Erwartungshaltung den Thread geöffnet habe und mir das Gegenteil dieser Erwartung sofort um die Ohren flog. Ich habe also über meine eigene Engstirnigkeit lachen müssen, über mein Eigentor. Ich persönlich finde diese Begebenheit bestimmt wesentlich lustiger als alle anderen, die das lesen.)
[da gibt es bestimmt noch viel mehr Punkte, die mir bis jetzt aber noch nicht aufgefallen sind.]

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.01.2012, 15:55)
Torsten Buchheit hat geschrieben:
Das ist Talent. Das kann man nicht lernen. cheezygrin


Ich habe gerade eine Stunde im Netz recherchiert zum Thema Humor. Da gibt es eine Aussage, die lautet:

"Komik ist eine Verbindung von Wahrheit und Schmerz"

Jeder Witz, jeder Sketch soll sich daraus zusammensetzen. Wenn jemand einen Witz nicht versteht, soll es angeblich daran liegen, dass man die im Witz beschriebene Wahrheit nicht für sich akzeptiert.

    Beispiel:
    Was bekommt man heraus, wenn man einen Zeugen Jehovas mit einem Agnostiker kreuzt? - Jemanden, der ohne Grund an der Tür klingelt.

Der Normalsterbliche mag über diese Geschichte lachen (Wahrheit = manche Menschen möchten gerne glauben; Schmerz = nicht jeder schafft es) - ein Zeuge Jehovas vermutlich nicht, da er völlig vom wahren Glauben erfüllt ist und daher die Wahrheit nicht hinnimmt.

Ob diese Definition stimmt, kann ich nicht sagen - das müsste jeder für sich herausfinden. Außerdem ist es eben (nur) eine Definition, nicht die Funktionsweise. Aber zumindest hat man als Autor damit einen Ansatzpunkt.

Wo aber versteckt sich die Technik der Komik?

Möglichkeit 1 hatte ich bereits im Beispiel Loriot genannt: Eine skurrile Ausgangssituation. Also der Unterschied zwischen der beschriebenen Situation und der Realität. Das wird reihenweise für komische Szenen benutzt, etwa wenn ein Mensch mit einem bestimmten kulturellen Hintergrund auf eine völlig andere Kultur stößt (ein Buschmann in Namibia findet in der Wüste eine Cola-Flasche und hält sie für ein Zeichen der Götter; ein australischer Krokodiljäger trifft auf die "Szene-Gesellschaft" New Yorks). Oder wenn Menschen unterschiedlicher Epochen aufeinander treffen (ein britischer Adliger des 19. Jahrhunderts landet durch eine Spalte des Raum-Zeit-Kontinuums im New York des späten 20. Jahrhunderts).

Im Klartext: Der Autor kann ganz bewusst eine komische Situation gestalten - ohne dass ihm die Komik in die Wiege gelegt worden ist. Man muss nur wissen, wie der Ansatzpunkt aussieht.

Was ist noch komisch und kann bewusst gestaltet werden?

Natürlich die Figuren in ihrem Bezug zur Umwelt. Ist mindestens eine der beiden Komponenten komisch, wirkt die Gesamtgestaltung komisch.
- Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft" ist ein normaler Jugendlicher, der durch eine Zeitmaschine in eine für ihn und uns komische Umwelt (die USA der 50er) gesetzt wird.
- Heinz Erhardt als Finanzbeamter Willi Winzig ist eine komische Figur, die sich in einer realen Umwelt bewegt.
- Bully Herbig bewegt sich als recht seltsamer Abahachi/Winnetouch in einem recht seltsamen Wilden Westen

Eine normal gestrickte Figur in einer normal empfundenen Umgebung wirkt vermutlich nicht sehr komisch. Oder doch? :roll:

Welche Mittel der Komik gibt es noch?

Da wären Übertreibung und Understatement. Etwa so (aus einem Ritter-Film):

    A: "Da kommen schwerbewaffnete Reiter!"
    B: "Wie viele sind es?"
    A: "Etwa ein Dutzend. Und wir sind nur drei!"
    B: "Das ist doch ein gutes Verhältnis!"


Oder so:

Wer kennt nicht die Trink-Szene aus dem Film "Mein Name ist Nobody", wo Terence Hill vier unterschiedlich große Gläser Whiskey austrinken, über die Schulter werfen und dann im Flug zerschießen muss? Und dann am Ende sagt: "Ihr habt nette Spielchen hier, machen aber durstig!" - hemmungslose Übertreibung!

Solche Mittel gibt es sicherlich viele. Die Frage ist, welche davon bekannt sind, angewendet werden bzw. ein Autor kennen sollte. Hat das was mit Talent zu tun?

Vielleicht wird jetzt ein wenig klarer, was ich mit dieser Diskussion anregen wollte.
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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 16:03)
Der Punkt hierbei ist doch, dass der Autor den Humor als solchen verstehen muss und selbst auch darüber lachen kann. Das bedeutet doch, dass er einen Sinn für Humor haben muss, aber den kann man nicht lernen, würde ich sagen.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 16:25)
AnnetteH hat geschrieben:
Der Punkt hierbei ist doch, dass der Autor den Humor als solchen verstehen muss und selbst auch darüber lachen kann. Das bedeutet doch, dass er einen Sinn für Humor haben muss, aber den kann man nicht lernen, würde ich sagen.

Genau Annette,
Humor hat nichts mit Talent oder Technik zu tun, Humor muss man besitzen.
Unsere Humoristen wirken manchmal wie Schwerstarbeiter, sie sind oft frei von Leichtigkeit. Am schlimmsten finde ich die Witzeabende mancher Regionalsender im deutschen Fernsehen.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.01.2012, 16:56)
Thomas Becks hat geschrieben:
Humor hat nichts mit Talent oder Technik zu tun, Humor muss man besitzen.


Okay, dann mal die Frage in die Runde:

Wie gestaltet ihr einen humorvollen, mit Komik gespickten Dialog zwischen drei Figuren?

Wartet ihr auf die Eingebung, den Musenkuss, den "Klick" im Hirn? Oder tüftelt ihr an den einzelnen Sätzen herum? Und wenn letzteres - wie?
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Büchernarr
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Re:

von Büchernarr (05.01.2012, 17:02)
Hat die folgende Szene etwas mit Humor zu tun?

Die fünf kleinen Mädchen spielen überall, natürlich auch in Opas Büro.
Das Telefon klingelt, der alte Mann beugt sich zum abnehmen des Hörers vor, der Ledersessel gibt dabei ein eindeutiges Knarrgeräusch von sich.
Unter dem Schreibtisch taucht das faunisch grinsende Gesichtchen der 2jährigen Bea auf und fragt:
„Hattu furzt, Opa?“

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 17:02)
Siegfried hat geschrieben:
Okay, dann mal die Frage in die Runde:

Wie gestaltet ihr einen humorvollen, mit Komik gespickten Dialog zwischen drei Figuren?

Wartet ihr auf die Eingebung, den Musenkuss, den "Klick" im Hirn? Oder tüftelt ihr an den einzelnen Sätzen herum? Und wenn letzteres - wie?

Ein guter Anfang wäre schon mal, wenn alle drei einander vorbeireden würden. Jede Person hat nur sich im Kopf, wie im richtigen Leben. Dadurch entstehen Missverständnisse die Lustiges hervorbringen könnten.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 17:06)
Büchernarr hat geschrieben:
„Hattu furzt, Opa?“

"Nee KIleines, Opa hat Rücken"

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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 17:34)
Siegfried hat geschrieben:
Thomas Becks hat geschrieben:
Humor hat nichts mit Talent oder Technik zu tun, Humor muss man besitzen.


Okay, dann mal die Frage in die Runde:

Wie gestaltet ihr einen humorvollen, mit Komik gespickten Dialog zwischen drei Figuren?

Wartet ihr auf die Eingebung, den Musenkuss, den "Klick" im Hirn? Oder tüftelt ihr an den einzelnen Sätzen herum? Und wenn letzteres - wie?


Wenn ich mit Vorsatz einen witzigen Dialog schreiben möchte, habe ich mich dadurch im Voraus schon ins Aus manövriert. Dann wird der Dialog nicht witzig. Ich kann mir zwar ausdenken, zu welchem Thema ein Dialog geführt werden soll und in welche Richtung das gehen sollte, aber das wirklich Witzige, Komische, Humorvolle muss von alleine kommen, das kann ich nicht auf Kommando aus der Feder schütteln. Ich muss in der passenden Stimmung sein.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.01.2012, 17:43)
Thomas Becks hat geschrieben:
Ein guter Anfang wäre schon mal, wenn alle drei einander vorbeireden würden. Jede Person hat nur sich im Kopf, wie im richtigen Leben. Dadurch entstehen Missverständnisse die Lustiges hervorbringen könnten.


Konkrete Situation:

Drei Personen: Anton, Berta, Cäsar

Anton und Berta sind ein Paar, aber Anton möchte die Beziehung beenden, hat aber nicht den Mut, klaren Tisch zu machen und druckst um die Entscheidung herum. Cäsar, bester Kumpel von Anton, ist bereits seit Monaten scharf auf Berta und will die Situation zu seinen Gunsten ausnutzen. Berta bekommt anfangs weder die Trennungsabsichten von Anton noch das Anbaggern von Cäsar mit.

Ziel: Anton wird eifersüchtig auf Cäsar, will Berta behalten; cäsar glaubt, bei Berta gute Chancen zu haben; Berta lässt beide stehen.

Umfang: ein bis zwei Seiten, weitestgehend Dialog.

Ist es möglich, das mit viel Wort- und Sprachwitz umzusetzen? Schafft das jemand?
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Isautor
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Re:

von Isautor (05.01.2012, 17:53)
Ich behaupte, dass es Techniken in der Komik gibt. Natürlich braucht man ein Gefühl für Pointen und auch für Grenzüberschreitungen, die außerhalb des guten Geschmacks liegen.

Hier mal ein paar Denkansätze von mir.

1. Humor entsteht, wenn man ein Thema auf eine andere Ebene hebt, mit dem es nichts zu tun hat. Zum Beispiel auf eine religiöse, eine politische und so weiter. Hilfreich sind Gedanken wie: Was hätte Jesus wohl in derselben Situation getan? Kann man auf eine religiöse Figur anspielen oder ein politisches Zitat auf die Situation anwenden?

Beispiel: eine böse Diskussion um einen "Themenchat" entbrannte einmal in einem anderen Forum. Mittenrein sagte jemand:
"Niemand hatte die Absicht, einen Themenchat zu errichten."

Das Thema wurde auf eine politisch-historische Ebene verlegt und dadurch lustig.

2. Humor kann durch Erwartungen entstehen, die mit einer Situation verknüpft sind. Bei einer Restaurant-Szene haben wir Erwartungen an die Musik, das Licht, die Art der Gespräche, das Auftreten des Personals, die Kleidung der Gäste. Diese Erwartungen laufen unbewusst ab. Komik kommt ins Spiel, wenn diese Erwartungen durchbrochen werden.
Zum Beispiel Loriots "Die Nudel", die Sache mit dem Kosakenzipfel und andere schöne Szenen. Es geschehen Dinge, die dort nicht hingehören. Diese Ereignisse können durch die Reaktionen des Personals oder anderer Gäste verstärkt werden.
Überlegung: Womit rechnet der Leser in dieser Situation und welche Abweichungen wären lustig? Das können schon kleine Dinge sein, nicht immer zwingend die riesige Tortenschlacht.

Beispiel: Loriot wird im Restaurant immer wieder vom Kellner übersehen.
Loriot:"Herr Ober, können wir Ihnen vielleicht irgendetwas bringen?"
Lustig ist der Satz aber nur, wenn die Betonung auf Ihnen liegt. Deshalb würde ich das in einem Buch kursiv schreiben.
Wer zum Beispiel kein Skat spielen kann, der versteht nicht, was an dem Skatsketch von Loriot lustig ist.
"Und ich ... ZACK! mit der neun!" Für Skatspieler lustig, weil die wissen, dass der ganze Stich null Punkte bringt. Andere können dem vielleicht nichts abgewinnen. Die Situation muss bekannt sein, um die Erwartungen richtig zu setzen.

3. Es gibt auch Erwartungen an Personen. Wir wissen, wie sich ein Pfarrer oder ein Arzt verhält. Oder wir wissen, wie sich eine bestimmte Person verhält/verhalten hat (Helmut Kohl, Rüdiger Hoffmann, Günther Jauch). Mit dieser Art der Komik spielt zum Beispiel das Fernsehformat Switch. Uns bekannte Personen weichen von ihrem normalen Verhalten ab. Dieser Witz funktioniert nur mit dem entsprechenden Hintergrundwissen. Kenne ich die Person nicht, kann ich über das abweichende Verhalten wenig oder gar nicht lachen.
Wenn die Figur universaler ist (eine Nonne, ein Undercover-Agent), kann fast jeder mitlachen. Ein Agent, der auf Kindergartenkinder aufpasst, eine Nonne, die einen Angreifer verprügelt, das kann komisch sein und wird von fast jedem verstanden.

4. Wortspiele und -schöpfungen eignen sich in Büchern besonders gut. In meinen Büchern hatte ich ein paar Dinge drin, auf die Leser belustigt reagierten. Das waren nicht immer Wörter, über die ich selbst gelacht hätte.

Ein Junge bezeichnet einen anderen, der halb Fisch, halb Mensch ist, als Nervensägefisch.
Ein Arzt, der den Fischjungen zum ersten Mal sieht, sagt:"Jesus, Maria und Joseph und der Rest der Gang ..."
Als der Fischjunge nach langer Zeit nach Hause kommt, sagt jemand:"Ach, das Schwimmperium kehrt zurück."
Manche lachen darüber, manche nicht. Und es war von mir nicht direkt als lustig geplant, sondern hat sich so ergeben. Wenn ich es gezielt lustig haben möchte, kann ich überlegen, welche Wort zusammen passen. Wie Nervensäge und Sägefisch zum Beispiel.

5. Wiederholungen, Übertreibungen, Untertreibungen. Das sind auch sehr gute Mittel, um Komik zu erzielen. Loriot kauft mehrere Paletten Senf und hat Senf für die nächsten 200 Jahre, weil er dann ein paar Pfennig pro Glas spart.
Ein Special-Agent öffnet das Sparschwein eines Kindes mit Plastiksprengstoff, weil er das so gewöhnt ist.

Werden Worte oder Gesten ständig wiederholt, kann das komisch sein, vor allem, wenn sie in völlig unpassenden Momenten wieder gesagt/gemacht werden.

Ich hör jetzt mal auf, wird sonst zuviel auf einmal. Fazit: Es gibt Humor-Prinzipien, die dem Autor bei der Witzfindung helfen. Die Ideen und das Gefühl für den Witz muss man schon haben.
Und es hängt vom Leser ab, auf welche Art von Humor er anspringt.
Ich selbst finde Fäkalwitze oder Witze, in denen Tiere getötet werden, nicht lustig.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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