Autorenvertrag - Grundlegendes

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Perchta
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Re:

von Perchta (06.01.2012, 08:51)
Ein Verlag ist ein Unternehmen, das Texte ankauft, um sie gewinnbringend zu verkaufen.


Nein. Das ist die "moralische" Fairlag-Definition.

Ein Verlag ist ein Medienunternehmen, das Werke der Literatur, Kunst, Musik, Unterhaltung oder Wissenschaft vervielfältigt und verbreitet.


(Geklaut aus Wikipedia). Das wäre die tatsächliche.

Ein Unternehmen, das z.B. gemeinfreie Texte vervielfältigt und vertreibt und dem Autor demzufolge null Honorar bezahlt, ist auch ein Verlag.

Der Verleger ist der, der für den Druck des Buches bezahlt. Und das ist BoD. Nicht du. (Oder kriegst du jedes Mal eine Rechnung, wenn eines deiner Bücher gedruckt werden muß?)
Der Verleger ist derjenige, der in Folge als Handelspartner gegenüber dem Abnehmer (z.B. Amazon, KV) auftritt. Das ist BoD.
Der Verleger ist derjenige, der Produktionsmängel an der Ware (Fehldrucke, Schimmelbögen) zu verantworten hat. Das ist BoD. Und so weiter.

BoD (in seiner Eigenschaft als Verleger) ist natürlich ein Bezahl-Verlag, also letztlich nichts anderes als ein DKZV à la August-von-Goethe und wie sie alle heißen. (Nur sind die Preise sehr viel günstiger.) Aber auch den DKZVs kann man nicht verbieten, sich "Verlag" zu nennen. Weil diese Berufsbezeichnung eben nicht geschützt ist und faktisch nichts mit dem moralischen Anspruch deiner o.g. Definition zu tun hat.

Die Wege in beide Richtungen (Selbstverlag oder "richtiger" Verlag) stehen doch allen Diskutierenden offen. Aber oh Wunder, man wird wohl überall ein Härchen in der Suppe finden: da wird im Lektorat womöglich tatsächlich an der Qualität der Schreibe herumgemäkelt, oder man wird feststellen, daß KNOe und Libri wenig Interesse an den Werken dieses Ein-Mann-Betriebes in Klein-Hinter-Buxtehude haben, den man grundsätzlich telefonisch erst nach 19 Uhr erreichen kann ...

Die Welt ist böse und ungerecht, ja?
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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mtg
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Re:

von mtg (06.01.2012, 08:54)
Perchta hat geschrieben:
... an den Werken dieses Ein-Mann-Betriebes in Klein-Hinter-Buxtehude haben, den man grundsätzlich telefonisch erst nach 19 Uhr erreichen kann ...

Danke, Perchta - und noch mal thumbbup

Ich betreibe auch eine Werbeagentur als One-Man-Show, muss mich aber an den allgemeinen Vorstellungen über Werbeagenturen messen lassen - und, oh Wunder: Ich tu's.

Merke: Es kommt darauf an, was man selbst macht - und nicht darauf, dass man jammert, was andere mit einem machen ...

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Perchta
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Vollkommen off topic:

von Perchta (06.01.2012, 09:01)
mtg hat geschrieben:
Ich betreibe auch eine Werbeagentur als One-Man-Show, muss mich aber an den allgemeinen Vorstellungen über Werbeagenturen messen lassen - und, oh Wunder: Ich tu's.


Nach allem, was ich von deiner Arbeit hier gesehen habe: Das merkt man dir an, Matthias. :wink: Und es ist schön zu sehen, daß es eben doch geht, mit dem entsprechenden Einsatz.
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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die dogge
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Re:

von die dogge (06.01.2012, 10:42)
Das ist ja eine heiße Diskussion.
Und als Bestseller-Autor möchte ich nun auch mal was dazu sagen:
Wenn mir ein Vertrag nicht passt, dann unterschreibe ich ihn nicht.
Ich habe bewusst BoD gewählt, weil ich mich nach Studium der Lage bei mehreren großen Sachverlagen eingeschränkt fühlte, was hier nicht der Fall ist.
Und wenn mein Buch eine Grundlage für eine Serie im Fernsehen sein wird, dann denke ich, wird BoD den Teufel tun, um mich dort hinauszumobben...
Anders: Bevor man sich hier zu Tode aufregt, sollte man vielleicht ein großes, finanziell hochträchtiges Werk über BoD publizieren und schauen, was dann passiert, anstelle im Vorfeld schon rumzumäkeln.
Typisch deutsch.

Die Dogge

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WK
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Re:

von WK (06.01.2012, 11:43)
Isautor hat geschrieben:
Ich sehe in BoD auch keinen Verlag, solange man keine Zusatzleistungen zum Druck bucht.


Ich denke über diesen Satz nach. Soll das heißen, ein Verlag ist jemand, bei dem du Zusatzleistungen buchst?

@Isautor
Ich gehe davon aus, dass ich gemeint war.
Dieser Satz bezog sich auf BoD. Wenn ich dort etwas hinzubuche, könnte BoD in den Bereich Verlag rutschen, ansonsten ist es ein Druckdienstleister mit Vertrieb und Verkauf einer ISBN.
Alles was darüber hinaus an Rechten gesichert wird, ist eine Falle für den Autor. Er muss nicht einheintappen - aber....
@wen es interessiert
Nehmen wir an: (Ja, ich weiß, dass 99,9 der Bod-Veröffentlichten nicht davon betroffen sind und BoD zur Zeit nicht weiß, was sie konkret mit den abgetretenen Rechten machen wollen. Es ist ein Fuß in der Tür, den wahrscheinlich niemand in seiner Haustür haben will, außer die, die Pfannenkuchen statt einer Tür haben cheezygrin .)
Man stelle sich vor, man habe ein Buch bei BoD veröffentlicht, z. B. Classic. Man verkauft im Jahr 1 fünfzig Bücher. BoD interessiert sich nicht um Weiteres.
Nun lernt der unbekannte Autor jemanden vom Fernsehen kennen. Der findet die Buchidee gut und macht nach diversen Zwischenschritten einen Film aus dem Buch. In all der Freude wurde vergessen, den BoD-Vertrag zu kündigen. Die vom Fernsehen gehen davon aus, dass der Autor das Buchja selbst verlegt hat.
Nun wird der Film ein Erfolg, bringt Kohle.
Nun wacht BoD auf. BoD fordert einen Teil der Kohle, die der Autor für die Filmrechte bekommen hat, verklagt ihn vielleicht sogar noch wegen Vertragsbruch (Abtretung der Rechte).
usw, usw.
Dis ist ein Gedankenspiel, das laut Vertrag problemlos zur Realität werden könnte. Ich denke nicht, dass es so kommen wird, ist aber durch den Vertrag möglich.
Auch eine gute Welt kann sich ändern, vor allen Dingen wenn es um Diridari geht.
Deshalb halte ich eine Diskussion um den Vertrag (auch beschränkt öffentlich) unter Betroffenen (in beider Wortsinn) für leigtim und erforderlich.
Geh doch zu .., ist ein Argument für Argumentlose.
Nur weil alles Schlechtes gut finden, wird es auch nicht gut.
Und: Verbesserungen treiben den Vortschritt an, nicht das Akzeptieren von Gegebenheiten.
schreibt jemand, der seit vierzig Jahren selbstständig ist.
Mir geht es nur um das Aufzeigen von Konsequenzen und deren Vermeidung. Alles nur Gedanken, die andere zum Nachdenken anregen können.
Gruß
WK
Wenn mir nichts mehr einfällt, schreibe ich.
http://www.w-portal.de/index.php/buecher-cd-v-w-kursch
Meine Rechtschreibung orientiert sich an der Version nach der nächsten Reform.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (06.01.2012, 11:54)
Perchta hat geschrieben:
Ein Verlag ist ein Unternehmen, das Texte ankauft, um sie gewinnbringend zu verkaufen.


Nein. Das ist die "moralische" Fairlag-Definition.

Ein Verlag ist ein Medienunternehmen, das Werke der Literatur, Kunst, Musik, Unterhaltung oder Wissenschaft vervielfältigt und verbreitet.


(Geklaut aus Wikipedia). Das wäre die tatsächliche.


Ich habe da auch noch einen ... cheezygrin

Verlage bereiten geistigen Schöpfungen einen Markt, sie sind Kulturvermittler und Wirtschaftsunternehmen zugleich. Rund 22.000 Verlage und Institutionen sind in Deutschland verlegerisch aktiv, mehr als 2.000 produzieren regelmäßig Literatur im weitesten Sinne. Sie bringen Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, Kunstbände, Kataloge, CD-ROMs und Online-Publikationen in großer Zahl auf den Markt - machen Inhalte also in unterschiedlichster Art und über verschiedene Trägermedien einem breiten Publikum zugänglich.

Verlegen kommt von Vorlegen, denn noch immer übernimmt der Verlag in der Regel die Vorfinanzierung von Verlagsobjekten. Er zahlt dem Autor einen Vorschuss noch bevor dessen Buch auf dem Markt ist, er trägt die Kosten für Werbung, Marketing und Vertrieb, für die Herstellung und den Druck. Und schließlich gewährt ein Verlag auch seinen Handelspartnern einen Kredit - indem er großzügige Fristen für die Begleichung von Rechnungen einräumt und sogar bereit ist, Bücher zurückzunehmen, die sich in einer Buchhandlung über einen längeren Zeitraum nicht haben verkaufen lassen.


Das kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Ergänzend dazu wieder Wikipedia:

Als Zuschussverlag (manchmal auch Dienstleisterverlag genannt) bezeichnet man eine Einrichtung, die Bücher gegen Beteiligung an den Herstellungskosten, einen Druckkostenzuschuss, publiziert. Den Zuschuss leisten die Autoren selbst, häufig aber auch Dritte, zum Beispiel bei wissenschaftlichen Werken Stiftungen.

Zuschussverlage bezeichnen sich selbst oft als „Dienstleisterverlag“, wohingegen der Begriff „Zuschussverlag“ im allgemeinen Sprachgebrauch der richtige ist. Tatsächlich ist der Begriff „Dienstleisterverlag“ ein Oxymoron. Denn ein Dienstleister wird bezahlt, während der Wortursprung von Verlag von „vorlegen“ kommt, wozu auch das Autorenhonorar zählt.


Der Begriff "Oxymoron" ist bekannt? Ein Oxymoron ist eine Formulierung, bestehend aus zwei sich widersprechenden Begriffen: Hassliebe, stummer Schrei, alter Knabe, Dienstleisterverlag cheezygrin
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (06.01.2012, 12:24)
WK hat geschrieben:
Nun wacht BoD auf. BoD fordert einen Teil der Kohle, die der Autor für die Filmrechte bekommen hat, verklagt ihn vielleicht sogar noch wegen Vertragsbruch (Abtretung der Rechte).
usw, usw.


Hilf mir mal auf die Sprünge - wo im Autorenvertrag tritt man die Filmrechte an BoD ab?
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Isautor
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Re:

von Isautor (06.01.2012, 13:15)
In all der Freude wurde vergessen, den BoD-Vertrag zu kündigen.


Da ist der Fehler im Szenario. Wie wahrscheinlich ist es, dass sowohl der Autor vergisst, den Vertrag zu kündigen, als auch der Produzent des Films vergisst, den Autorenvertrag zu sichten?
Die Filmproduzenten, die ich kenne, verlassen sich da auf gar nichts und checken alles ab. Das sind echte Vertragsprofis, denn die machen nichts anderes.
Stell dir mal vor, ich komm mit ner Musik daher, die angeblich von mir ist und die wird in den Film eingebaut und dann stellt sich raus, die Rechte lagen bei wem anders. Und der Produzent glaubt mir einfach, weil ich bin's doch, Isautor! Wir kennen uns doch! Wer schaut da schon genauer hin?

Diese Szene scheint mir mehr als unwahrscheinlich und absolut aus der Luft gegriffen. Aber nehmen wir mal an, es wäre so. Wer vergisst, den Autorenvertrag zu kündigen, der hat's nicht besser verdient.
Das liegt dann nicht an BOD. Sind die jetzt auch noch schuld, wenn man selber ein Depp ist, der seinen Kram nicht organiert bekommt?
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (06.01.2012, 13:27)
Siegfried hat geschrieben:
WK hat geschrieben:
Nun wacht BoD auf. BoD fordert einen Teil der Kohle, die der Autor für die Filmrechte bekommen hat, verklagt ihn vielleicht sogar noch wegen Vertragsbruch (Abtretung der Rechte).
usw, usw.


Hilf mir mal auf die Sprünge - wo im Autorenvertrag tritt man die Filmrechte an BoD ab?


Nirgendwo. Hier ist mal der Passus, speziell aus meinem Autorenvertrag. Vielleicht gibt es andere Fassungen.


• Der Autor erklärt, dass er über die nachfolgend aufgeführten Rechte verfügt und räumt BoD alle zur Herstellung und für den räumlich unbegrenzten Vertrieb der BoD-Titel notwendigen Rechte exklusiv ein, insbesondere:
a. das Vervielfältigungs-, Vermarktungs- und Verbreitungsrecht für die BoD-Titel als Druckwerk und elektronische Ausführung,
b. das Recht zur Aufzeichnung, Speicherung und Übertragung des BoDTitels in maschinenlesbarer, insbesondere elektronischer Form,
c. das Recht zur Be- und Verarbeitung zu einer elektronischen Druckvorlage ("Druckmaster") sowie zur Konvertierung des BoD-Titels für eine elektronische Ausführung;
d. das Recht, eine Anpassung auf heutige und künftige Lesesysteme vorzunehmen;
e. das Recht zur Aufnahme des BoD-Titels in die BoD-Datenbanken und in Katalogdatenbanken von Buchgroßhändlern und anderer Distributoren während der Laufzeit dieses Vertrages,
f. das Recht zur Verbreitung von Textteilen des BoD-Titels als Leseprobe,
g. sofern der Autor eine ISBN von BoD übernimmt, zum Zweck der Zusammenarbeit mit der Verwertungsgesellschaft VG Wort alle Verwertungs-, Nutzungs- und sonstigen Rechte, die die VG Wort treuhänderisch wahrnimmt,
h. das Recht, die vorstehenden Rechte sowohl im eigenen Verlag als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche (auch teilweise) Vergabe von entsprechenden Rechten an Dritte im In- und Ausland ganz oder teilweise zu vergeben (Unterlizenz).
i. Der Autor räumt BoD sämtliche vorstehend aufgeführten Rechte auch für derzeit noch unbekannte Nutzungsformen ein.
Viele Grüße von Nicolas

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Ulli
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Wer zahlt?

von Ulli (06.01.2012, 14:19)
Perchta hat geschrieben:
Der Verleger ist der, der für den Druck des Buches bezahlt. Und das ist BoD. Nicht du. (Oder kriegst du jedes Mal eine Rechnung, wenn eines deiner Bücher gedruckt werden muß?)


Entschuldige, Perchta, da ist Dir aber ein kapitaler Denkfehler unterlaufen.

Natürlich bezahlt der Autor den Druck, nicht BoD.

BoD stellt dem Abnehmer den Ladenpreis des Buches abzüglich Rabatt in Rechnung. Wie hoch der Rabatt im Einzelfall ist, weißt Du mit Deinem buchhändlerischen Hintergrund besser als die meisten von uns, er liegt aber keinesfalls über 50 Prozent. Sodann verbucht BoD einen kleinen (!) Teil des um die Mehrwertsteuer geminderten Restes als Marge für den Autor. Der gesamte, wesentlich größere Rest geht an BoD: teilweise als wohlverdienter Gewinn, teilweise zur Deckung der beim Druck entstanden Kosten.

Deshalb – und nur deshalb – erhält keiner von uns jemals eine Rechnung für entstandene Druckkosten.

Freundliche Grüße

Ulli

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (06.01.2012, 14:36)
Zitat:
Deshalb – und nur deshalb – erhält keiner von uns jemals eine Rechnung für entstandene Druckkosten.


Die Druckkosten zahlt im Endeffekt der Leser oder der Barsortimenter oder der Online-Buchhändler, der die Bücher auf Lager legt. Wenn sich ein Barsortimenter von meinen Büchern 100 Stück auf Lager legt, bezahlt er sie an BoD, die schreiben mir die Marge gut. So funktioniert das auch mit „normalen“ Verlagen, einziger Unterschied ist, das man vorher eine Abschlagszahlung/Vorschuss erhält.

Bei der Definition des Wortes „Verlag“ stimme ich eher Perchta zu, da m. E. der Begriff des Verlegers stark im Wandel begriffen ist.
Viele Grüße von Nicolas



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mtg
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Re: Wer zahlt?

von mtg (06.01.2012, 14:44)
Hallo Ulli,

jetzt ist Dir aber ein kapitaler Denkfehler unterlaufen.

Den Druck bezahlt der Auftraggeber. Beim Verkauf über den Handel ist es der Kunde <- Handel <- Barsortimenter <- BoD. Hier hat der Autor zum Verkauf insofern beigetragen, als er das Buch erstellt hat. Diese Bücher verkaufen sich - sobald geschrieben und hochgeladen - also auch ohne den Autor. Daher bezahlt der Autor hierfür auch nichts. Er erhält pro Verkauf seine Marge (die soooo klein gar nicht sein muss, denn die kann der Autor selbst bestimmen), muss sich aber ansonsten weder um den Druck, noch den Versand etc. kümmern

Bestellt der Autor eine Kleinauflage, bezahlt er natürlich den Druck. Dafür bleibt aber - je nach Kalkulation - mehr für den Autor übrig; dafür muss er sich um den Verkauf/Versand etc. kümmern.

Deine Schlussfolgerung, weshalb Autoren für Handelsbestellungen keine Druckkostenrechnung erhalten, ist schlicht falsch. Die richtige Begründung ist, dass BoD in diesem Fall dem Autoren die gesamte Logistik abnimmt.

Bestellte niemand Bücher, würden sie nicht gedruckt - ergo fielen auch keine Druckkosten an. Und das ist z.B. der große Unterschied zu den DKZV.

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WK
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Re:

von WK (06.01.2012, 15:41)
Erläuterungen zu meinem letzten Post

Hintergrund ist ein Buch, das nur aus einem Dialog mit ein paar Erklärungen zum Umfeld besteht.

Mir vorliegender Autorenvertrag:
'4.1 Der Autor räumt BoD für alle bekannten Nutzungsarten die räumlich
und inhaltlich unbeschränkten Rechte zur Verwertung der BoD-Titel
für die Laufzeit des jeweiligen Buchvertrages ein. Die Rechtseinräumung
erstreckt sich auf die Verwertung der Nutzungsrechte sowohl
durch BoD selbst als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche
(auch teilweise) Vergabe von Rechten an Dritte und umfasst insbesondere
die folgenden exklusiven Rechte:'
Bekannte Nutzungsrechte sind nirgends vorher aufgeführt. Insbesondere heißt nicht ausschließlich.

'd) das Bearbeitungsrecht, d.h. das Recht, die BoD-Titel unter Wahrung
der nicht abdingbaren Urheberpersönlichkeitsrechte zu kürzen,
zu bearbeiten oder in sonstiger Weise umzugestalten,....
..
f) Das Vortragsrecht, d.h. das Recht, die BoD-Titel in nicht bühnenmäßiger
Form beliebig oft vorzutragen, einschließlich des
Rechts, den Vortrag auf beliebigen Bild-, Ton- oder sonstigen
Datenträgern aufzuzeichnen und diese auf alle vertragsgegenständlichen
Nutzungsarten im Rahmen dieses Vertrags zu nutzen,
z.B. als Hörbuch;'

Die Antwort am Messestand Leipzig, ob Hörbuch mit Film oder DVD gleichzusetzen sind, war: 'Ja'.
Eine nicht bühnenmäßige Form kann in diesem Fall vorliegen, wenn in einem Film ein zusätzliches Umfeld geschaffen wird.
Wohlgemerkt: kann. Wenn die Zusatzrechte-Abtretung auf ein Unabdingbares gestrichen werden würde, gäbe es kaum Diskussionen.

Gruß
WK
Wenn mir nichts mehr einfällt, schreibe ich.

http://www.w-portal.de/index.php/buecher-cd-v-w-kursch

Meine Rechtschreibung orientiert sich an der Version nach der nächsten Reform.

Ulli
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Wann ist ein Verlag ein Verlag?

von Ulli (06.01.2012, 15:53)
Hallo Matthias,

wenn Du mir allen Ernstes weismachen willst, ein Druckkostenzuschussverlag sei ein Verlag, nur weil er sich so nennt, dann kannst Du als nächstes gleich behaupten, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Ich weiß, dass Du Profi bist und ich schätze Deine Fachkenntnis außerordentlich, aber in diesem Punkt treibst Du die Meinungsfreiheit wirklich auf die Spitze.

Vielleicht darf ich es Dir mit meinen eigenen größten Misserfolgen illustrieren:
Einige meiner Bücher – glücklicherweise nur einige wenige – lagen trotz aller Mühen, die ich hineingesteckt hatte, nach Erscheinen wie Blei in den Regalen. Da Verlage, Grossisten und Buchhändler aber jedes Buch am liebsten umgehend wieder aus den Regalen verschwinden sehen, wurden die betreffenden Bücher verramscht. Ich habe dann in der Regel noch fünfzig oder hundert Exemplare zum Ramschpreis übernommen und verschenkt, um den schönen Büchern (andere will ich gar nicht machen) wenigstens das Einstampfen zu ersparen.

Auch die schwächeren Kopfrechner unter uns können leicht erkennen, dass da bei verbliebenen Restauflagen von drei- bis viertausend Stück und Gestehungspreisen zwischen rund einem und mehr als fünfzehn Euro ganz nette Beträge den Bach runtergegangen sind.

Und warum schreibe ich das alles?

Weil es mich in keinem einzigen Fall auch nur einen Cent gekostet hat!

Mein Garantiehonorar hatte ich erhalten, es wurde – da garantiert – nichts davon zurückgefordert und die Prozentstaffel war eben leider bei weitem nicht erreicht.

Das ist das Geschäftsgebaren eines wirklichen Verlages: Er tritt in Vorlage, indem er das Entstehen des Buches finanziert, übernimmt also das unternehmerische Risiko, wie Siegfried schon schrieb. Und dafür gehören ihm bis zum Erreichen der Prozentstaffel alle abzugsbereinigten Einnahmen. Muss er dem Autor aus der Prozentstaffel zusätzliches Geld überweisen, so tut er das natürlich gern, weil er ja sein kalkuliertes Minimum dann bereits mehr als nur erreicht hat. Entsteht hingegen ein Verlust, weil bereits die Druckkosten höher waren als die vom Verlag bis zum Verramschen erzielten Einnahmen, so trägt ihn allein der Verlag.

Nichts davon gilt für einen DKZV. Und auch nicht für BoD. Weil BoD ausschließlich ein spezialisierter Druckdienstleister mit einer Palette optionaler Zusatzleistungen ist, die standardmäßig auch von einem regulären Verlag erbracht werden.

Der Begriff „Verlag“ ist in Deutschland nicht geschützt. Daran kommen wir nicht vorbei. Aber: siehe Zitronenfalter. Und ich finde es doch bedauerlich, wenn die eindeutig missbräuchliche, weil zu betrügerischen Zwecken irreführende Benutzung auch von Insidern nicht nur toleriert, sondern sogar verteidigt wird. (Der Begriff „betrügerisch“ ist hier wie im Folgeabsatz dem allgemeinen Sprachgebrauch entlehnt und nicht zu verwechseln mit dem eng umrissenen juristischen Begriff des „Betrugs“.)

BoD übrigens führt den Begriff in seiner Firma aus guten Gründen nicht, wie ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt habe. Und das ist nur ein Beleg dafür, dass BoD eben gerade kein Unternehmen ist, das in betrügerischer Absicht geführt wird. Was Verbesserungspotential im Detail keineswegs ausschließt.

Freundliche Grüße

Ulli

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Wohnort: Berlin

Re: Wann ist ein Verlag ein Verlag?

von mtg (06.01.2012, 16:03)
Hallo Ulli,

Ulli hat geschrieben:
aber in diesem Punkt treibst Du die Meinungsfreiheit wirklich auf die Spitze.

warum hört sich ein solcher Satz von Dir so aggressiv an?

Ich habe keinesfalls behauptet, ein DKVZ sei ein »Verlag« (zwei Mal lesen hilft!), sondern habe geschrieben, dass im Gegensatz zu einem klassischen oder einem on-demand-Verlag bei einem DKZV - daher ja auch der Name - Druckkosten bezahlt werden müssen. Und das wirst Du wohl nicht bestreiten, oder?

Deine Geschichte ist rührend - aber sie zeigt auch erneut Deinen Denkfehler: Du schreibst, dass Du trotz Blei in den Regalen nichts hinzubezahlen musstest - bei BoD kommt das Blei erst gar nicht in die Regale ... und muss ergo auch nicht bezahlt werden.

Ulli hat geschrieben:
Der Begriff „Verlag“ ist in Deutschland nicht geschützt.

Dann bite ich aber auch nicht auf dem Begriff des »Verlags« herumzureiten.

Ulli hat geschrieben:
Daran kommen wir nicht vorbei. Aber: siehe Zitronenfalter. Und ich finde es doch bedauerlich, wenn die eindeutig missbräuchliche, weil zu betrügerischen Zwecken irreführende Benutzung auch von Insidern nicht nur toleriert, sondern sogar verteidigt wird.

Höre ich hier heraus, dass Du mich beschuldigst, DKZV-Methoden zu verteidigen? Oh, oh Ulli ... vielleicht zukünftig drei Mal lesen?

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