Das wohlstrukturierte Mittelalter

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malschaun
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Re:

von malschaun (03.03.2012, 17:44)
SandraR hat geschrieben:
... Aber wir warten ja auch noch immer auf deine tolle Webseite und deine Werke cheezygrin


??? Du musst mich da mit jemandem verwechseln :wink:
Ich habe nie etwas von einer tollen Website oder von Werken erzählt.

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Perchta
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Re:

von Perchta (03.03.2012, 18:13)
Erst einmal danke, Mario, für die Erklärung. Also nach deiner These: ein Zeitraum etwa zwischen dem 3. und 10. Jahrhundert (nach gültiger Jahreszählung) hat nie existiert und wurde nachträglich eingeschoben. Zusätzlich wurde die Geschichtsschreibung an den "Schnittstellen" entsprechend korrgiert. Dies fand im Spätmittelalter, 13ten oder 14ten Jahrhundert statt, in dem demzufolge die "korrekte" Geschichtsschreibung wieder einsetzen müßte.

Daß ich mich für deine Schlußfolgerungen nicht wirklich erwärmen kann, ist eine andere Sache, und ich weiß nicht, inwieweit du überhaupt Lust hast, darüber zu diskutieren. Ich wollte nur noch auf ein paar Dinge hinweisen:

- Geschichte besteht ja nun aus mehr als nur Listen von Herrschernamen. Wer im Spätmittelalter (gerade damals, als die gültige Weltordnung zusammenbrach, zwischen Kriegen, Ketzerverfolgungen und Krankheitswellen) hätte denn die Macht und die Möglichkeit haben sollen, eine derartige "Rück-Erfindung" samt allen dafür benötigten Fälschungen durchzuführen? Und noch dazu europaweit aufeinander abgestimmt?

- Daß das Fundmaterial vor dem 11. Jahrhundert sehr dünn wäre, stimmt nicht. Gerade für die Merowinger- und die Karolingerzeit gibt es meines Wissens Unmengen an Material. Natürlich ist manches davon gefälscht (zum Teil sogar sehr gut). Aber eine einzige nachweislich "echte" Schenkungsurkunde mit dem Namen Carolus oder ein einziger weder der Spätantike noch dem frühen Hochmittelalter zuzuordnender Gegenstand würde doch dein gesamtes Gedankengebäude zum Einsturz bringen?

- Und nur, um's nochmals zu sagen: die Menge. Die Menge an Material! - Es ist ja nicht so, als würde das, was man in der Schule im Fach Geschichte lernt, sich nur an einer einzigen Quelle orientieren. Es gibt ja zu den meisten Ereignissen weit mehr als eine - und in vielen Fällen müssen sich die Forscher diese Quellen erst mühsam aus ganz unterschiedlichen Ecken zusammen suchen. Wenn das tatsächlich alles gefälscht ist, dann - woha. Die waren echt gründlich damals, wenn sie daran gedacht haben, zu erfundenen Ereignissen gleich noch verschiedene Versionen des Tathergangs zu erfinden und diese an unterschiedlichen Ecken zu verteilen. Wenn sie für die einzelnen Epochen eigene (regional unterschiedliche) Schriftarten erfunden und eingeübt haben, plus einer eigenen Kanzlei-Kurzschrift. Wenn sie Briefe gefälscht und Palimpseste eigens hergestellt haben, oder wenn sie leicht unterschiedliche Ausgaben desselben Buches von verschiedenen Schreibern und mit jeweils unterschiedlichen Randnotizen erstellt haben.

- Deiner - entschuldige - eher hemdsärmeligen Vorgehensweise beim archäologischen Fundgut ("das stopfen wir dann mal hierhin, das stopfen wir dann mal da hin" :wink:) mag ich mich auch nicht wirklich anschließen. In einer Entfernung von Luftlinie vielleicht tausend Meter von hier lag mal ein riesiges merowingerzeitliches Gräberfeld. Mit erhaltener Stratigraphie, was für die sonst üblichen Reihengräber dieser Zeit untypisch ist - man kann also sehr genau sagen, was jünger und was älter ist. Circa 1500 ergrabene Bestattungen, mit frühmittelalterlichen Waffen und frühmittelalterlichen Beigaben. Das läßt sich doch nicht wegdiskutieren?
Es gibt auch römische Friedhöfe in der Gegend. Die enden etwa drei Generationen früher. Und das Fundgut kann rein optisch sogar ich als Laie auseinander halten. Das Material aus dem bajuwarischen Gräberfeld ist eindeutig weder hochmittelalterlich noch antik.

Soviel nur zu meinen Gründen, warum ich mich deiner Argumentation nicht anschließen kann. Ich nehme an, die Gründe überraschen dich nicht; du wirst sie sicher schon gehört haben.

Am möglichen Verkaufserfolg deines Buches wird das bestimmt nichts ändern - Sensationen verkaufen sich immer gut ^_^.

lg
Perchta
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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Mario Arndt
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Re:

von Mario Arndt (03.03.2012, 21:51)
@Nicolas Fayé:
So, genug gespammt.

Das war natürlich kein Spam von Dir, sondern eine sachliche Argumentation, auch wenn Du anderer Auffassung bist als ich. Ich hoffe doch, Du weißt, welche Beiträge hier Spam waren. An Deine hatte ich da eigentlich nicht gedacht.

Danke auf jeden Fall an Dich, daß Du Dir die Mühe gemacht hast, das Buch bei Google-Books, so weit es ging, zu lesen. Ich habe das mit den Namens-Mustern und Strukturen schon zu Anfang erklärt, auf der ersten Seite dieses Threads. Es geht nicht um reine Wiederholungen. Wenn Du da in meinem Buch etwas anderes gelesen hast, nehme ich Deine Kritik erstmal dankend zur Kenntnis. Vielleicht muss ich das bei einer Neuauflage noch etwas ausführlicher erläutern.
Schade, dass Du den Unterschied zwischen Illig, anderen Chronologiekritikern und meinem Buch nicht siehst. Aber jeder hat eben andere Interessen und Meinungen ...

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Mario Arndt
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Re:

von Mario Arndt (03.03.2012, 22:00)
@Perchta:
Soviel nur zu meinen Gründen, warum ich mich deiner Argumentation nicht anschließen kann. Ich nehme an, die Gründe überraschen dich nicht; du wirst sie sicher schon gehört haben.

Ich danke Dir auf jeden Fall, daß Du Dir so viel Mühe gemacht hast ! Deine Argumente sind stichhaltig und nicht leicht zu widerlegen. Ich kann sie derzeit auch nicht vollständig widerlegen - das sage ich ganz klar. Das ist auch kein Wunder, denn die jetzige Chronologie hat Jahrhunderte Zeit gehabt, um alle Fakten in ihr System einzuordnen. Im Großen und Ganzen waren mir die Kernpunkte Deiner Argumentation aus anderen Diskussionen zum Thema natürlich bekannt.
Also nach deiner These: ein Zeitraum etwa zwischen dem 3. und 10. Jahrhundert (nach gültiger Jahreszählung) hat nie existiert und wurde nachträglich eingeschoben. Zusätzlich wurde die Geschichtsschreibung an den "Schnittstellen" entsprechend korrgiert. Dies fand im Spätmittelalter, 13ten oder 14ten Jahrhundert statt, in dem demzufolge die "korrekte" Geschichtsschreibung wieder einsetzen müßte.
Ja, aber ich sehe im Hochmittelalter eine Überlappung mit den Ereignissen der Spätantike, die erst durch die nachträgliche Konstruktion der Geschichte getrennt wurde. Also ungefähr: 3.-6. Jh. = 10.-13.Jh. mit regionalen Unterschieden. Die Merowinger könnten dann durchaus etwas früher eingeordet werden. Diese hatten (wie auch die Angelsachsen) eine Vorliebe für Münzen, auf denen römische Kaiser abgebildet waren, die schon mehrere Jahrhunderte tot waren.
Geschichte besteht ja nun aus mehr als nur Listen von Herrschernamen. Wer im Spätmittelalter (gerade damals, als die gültige Weltordnung zusammenbrach, zwischen Kriegen, Ketzerverfolgungen und Krankheitswellen) hätte denn die Macht und die Möglichkeit haben sollen, eine derartige "Rück-Erfindung" samt allen dafür benötigten Fälschungen durchzuführen? Und noch dazu europaweit aufeinander abgestimmt?

In Schweden und Polen wurden die Erfindungen, die bis zum 16. Jahrhundert gemacht wurden, bereits teilweise wieder aufgehoben. Dies geschah im 18. Jh., als beide Länder ihre Großmachtstellung verloren und ihre Geschichte umschreiben mussten. So ziemlich alle Märchenkönige vor dem 10. Jh. wurden dabei aus der Geschichte gestrichen.
http://www.fantomzeit.de/?p=231
http://www.fantomzeit.de/?p=213

Die französische Kapetinger-Dynastie mit ihren Nebenlinien war im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit in den meisten europäischen Ländern an der Macht, und zwar als Könige von Frankreich, Portugal, Ungarn, Polen, Spanien. Die deutsch-böhmischen Luxemburger warem im 14.Jh. Vasallen der französischen Kapetinger-Könige. Auf dem englischen Thron saßen von 1154-1485 die französischstämmigen Plantagenets mit Nebenlinien. Im 15./16. Jh. stellten die Habsburger die Könige von Deutschland, Spanien und Portugal. Durch Heiraten fand eine weitere Versippung dieser Dynastien statt.
Daß das Fundmaterial vor dem 11. Jahrhundert sehr dünn wäre, stimmt nicht. Gerade für die Merowinger- und die Karolingerzeit gibt es meines Wissens Unmengen an Material. Natürlich ist manches davon gefälscht (zum Teil sogar sehr gut). Aber eine einzige nachweislich "echte" Schenkungsurkunde mit dem Namen Carolus oder ein einziger weder der Spätantike noch dem frühen Hochmittelalter zuzuordnender Gegenstand würde doch dein gesamtes Gedankengebäude zum Einsturz bringen?

Wie soll die "Echtheit" einer Schenkungsurkunde bewiesen werden ?
Genau der gegenteilige Prozeß findet statt! Der Anteil an erkannten Fälschungen an den Urkunden steigt laufend an. Damit ist abzusehen, daß irgendwann einmal fast alle Urkunden dieser Zeit als Fälschungen entlarvt werden. Wenn dann noch vielleicht 10 Merowinger-Urkunden von knapp 200 übrig bleiben, denen man keine Fälschung nachweisen kann (weil die Fälscher zu clever waren) sollte selbst Historikern einleuchten, daß alle falsch sind und die Merowinger-Zeit nicht über 300 Jahre, sondern bestenfalls ein Jahrhundert gedauert haben kann (anhand der archäologischen Überreste). Derzeit gelten etwa zwei Drittel aller Merowinger-Urkunden als gefälscht:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft ... 51092.html

Und nur, um's nochmals zu sagen: die Menge. Die Menge an Material! - Es ist ja nicht so, als würde das, was man in der Schule im Fach Geschichte lernt, sich nur an einer einzigen Quelle orientieren.

Ganz richtig ! Je länger man zurückgeht, desto häufiger werden die Fälle, wo einer nur vom anderen abgeschrieben hat, und somit 2, 3 oder mehr Quellen eigentlich nur eine tatsächliche Quelle haben. Auch muß nicht alles gefälscht sein. Irgendwelchen Personenregistern eines Klosters usw. sieht man ohne weiteres nicht an, wer da gerade König oder Kaiser war.
Und: Die Interpretation der Quellen geschah bisher immer unter der Prämisse. "Die offiziell gelehrte Chronologie stimmt auf jeden Fall."

Dazu der Historiker Johannes Fried:
"Ist vielleicht, eine schreckliche Vision, die ganze und, gestehen wir es uns ruhig ein, seit den >Regesta Imperii< für abgeschlossen gehaltene Arbeit der Quellensichtung, weil nur aus einem Fenster gewonnen, von vorne zu beginnen, mit Konsequenzen für das Geschichtsbild, die noch kaum auszumalen sind." [Stand Und Perspektiven Der Mittelalterforschung Am Ende Des 20. Jahrhunderts ( 1996), Göttingen, S.59]

Und ich gehe davon aus, daß es auch Geschichtsschreiber gab, die ebenso dachten wie der Chronist in Stefan Heyms "König-David-Bericht":
"Mit einigem Glück und mit Hilfe unseres Herrn Jahweh möchte es mir sogar gelingen, ein Wörtchen hier und eine Zeile dort in den König-David-Bericht einzufügen, aus denen spätere Generationen ersehen würden, was wirklich in jenen Jahren geschah …"

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SandraR
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Re:

von SandraR (03.03.2012, 22:54)
Wenn es um die Echtheit von Dokumenten geht, möchte ich doch auf die Spektrometer hinweisen. Sie können nicht nur das Datum von Papyrus bestimmen sondern auch Tinte, Kohle etc. exakt einer Zeit zu rechnen. So einfach lassen sich Unterlagen, egal ob auf Birkenrinde, Stein oder Papier nicht nachmachen.
Das gleiche gilt für Metalle.
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W.Waldner
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Re:

von W.Waldner (04.03.2012, 00:15)
SandraR hat geschrieben:
Wenn es um die Echtheit von Dokumenten geht, möchte ich doch auf die Spektrometer hinweisen. Sie können nicht nur das Datum von Papyrus bestimmen sondern auch Tinte, Kohle etc. exakt einer Zeit zu rechnen.

Ja, aber die Untersuchungsergebnisse sind nur zuverlässig, wenn Du die Untersuchung mit dem Spektrometer wirklich selbst gemacht hast.

Die "wissenschaftlichen" Institute liefern genau die Daten, die von ihnen verlangt und für die vorgelegten Dokumente erwartet werden. Davon leben die. Ist leider so. Ich traue da niemandem mehr.

Ich kenne das von den Wirtschaftsforschungsinstituten. :shock::
Trugschlüsse der Volkswirtschaftslehre

Warum die Geldpolitik 1929-33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat

Der preußische Regierungsagent Karl Marx

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Stoff
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Re:

von Stoff (04.03.2012, 08:30)
W.Waldner hat geschrieben:
SandraR hat geschrieben:
Wenn es um die Echtheit von Dokumenten geht, möchte ich doch auf die Spektrometer hinweisen. Sie können nicht nur das Datum von Papyrus bestimmen sondern auch Tinte, Kohle etc. exakt einer Zeit zu rechnen.

Ja, aber die Untersuchungsergebnisse sind nur zuverlässig, wenn Du die Untersuchung mit dem Spektrometer wirklich selbst gemacht hast.

ich traue auch nur noch den Büchern, die ich selbst geschrieben, den Filmen, die ich selbst gedreht und den Mondreisen, die ich selbst unternommen habe.

(Mein Mittel gegen Verschwörungstheorien und ähnliche Religionen: sich drüber lustig machen und weitergehen. Das letzte Wort wird man eh nicht haben.)
Mehr Stoff vom Stoff gibts auf http://www.stoffworks.com
"Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bilde etwas, was in uns selber sitzt. Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf." (Hermann Hesse: Demian)

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SandraR
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Re:

von SandraR (04.03.2012, 09:09)
Ja Stoff, das Leben ist kein Ponyhof und alle Menschen käufliche Schweinehunde, die uns belügen cool5 Mich erinnert es an die Weltuntergänge die niemals stattfanden. Da täuscht sich nicht etwa der angebliche Prophet, sondern die Gebete haben geholfen cheezygrin
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malschaun
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Re:

von malschaun (04.03.2012, 10:10)
"Geschichte schreiben immer die Sieger!"

Diese Aussage ist hier glaub noch nicht gefallen. Generell kann es durchaus sinnvoll sein, stetig zu hinterfragen und von beiden Seiten die Argumente zu lesen. Beim Thema "Mondlandung" gibt es mittlerweile so aussagekräftige Argumente, dass sie stattgefunden hat, dass sich das dann so ganz langsam legt ... und neue Verschwörungen gesucht werden können :)

Ikarus
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Re:

von Ikarus (04.03.2012, 11:11)
Vielleicht ein wenig Ordnung im Wirrwarr:

Es gibt seit Jahrzehnten, vielleicht auch seit Jahrhunderten Kritik an der offiziellen Geschichtsschreibung. Am Bekanntesten ist zur Zeit Illig, der behauptet hat, ein Zeitraum von etwa 300 Jahren (c. 600-900, ganz grob) sei dazuerfunden worden, hier geht es speziell um Karl den Großen.

Das Thema ist nicht neu, so gibt es ein Werk (Name und Autor kann ich jetzt nicht nennen, wenn es jemanden interessiert, versuche ich es nachzuliefern), der schreibt, dass etwa um 1000 Mönche angefangen haben, eine Geschichte neu zu schreiben. Dabei haben sie wirklich alle Dokumente gefälscht, teilweise wohl recht laienhaft.

Einschub: Weil hier von Theorien die Rede ist: Ich unterscheide in der Regel zwischen Gedankenspielen (hier ordne ich meine eigenen Ansichten ein), (unbewiesenen) Hypothesen und (bewiesenen) Theorien. Die Hypothese ist der Vorläufer der Theorie, eine unbewiesene "Theorie" ist eine Hypothese.

Weiter im Text:
Die Kritiker an der offiziellen Geschichtsschreibung weisen zum Bsp. hin auf:
- eigenartige Dublizitäten. Die griechische, die ägyptische und die hethitische Geschichte kennen "dunkle Zeitalter". Es gab ein Aufblühen der Kultur, danach ein Versinken im Nichts, und danach ein erneutes Aufblühen. Hypothese dazu: Es hat jeweils nur eine Zeit der Hochkultur gegeben, die andere Hochkultur und die Zeit der Dunkelheit entstehen aus falschen Datierungen.

- Karolingerzeit: Karl der Große kann nicht in der Form existiert haben, wie er beschrieben wird. Beliebter Hinweis darauf ist die Vielzahl der Reisen und Kriege - wenn man nachrechnet, muss Karl mehrere Hundert Jahre alt geworden sein. Ich weiß nicht, wie schnell ein Herrscher mit Troß reisen konnte, ich rechner mit 20, im Höchstfall 30 km pro Tag. Dummerweise gilt Karl als der erste Europäer und steht deshalb unter dem Welpenschutz aller derjenigen, die das vereinte Europa anstreben.

- Die Geschichtsschreibung stützt sich vor allem auf Dokumente der Kirche. Es gab damals einen Streit um die weltliche Herrschaft in Europa: Sind die weltlichen Herrscher dem Papst untertan, oder nicht? Die Dokumente haben alle den Zweck, die Oberhoheit des Papstes zu untermauern. Hat sich von Euch schon mal jemand zu Weihnachten drei Tage lang vor Canossa in Schnee und Kälte gestellt? Ha, ha, ha.

- Datierungen alter Dokumente ist ein Thema für sich. Dendrochronologie (durch das Alter von Bäumen) hängt von bewiesenen (!) Referenzbelegen ab. C14 funktioniert nur bei organischer Materie, und auch hier gibt es natürliche Einflüsse. Wie genau diese Messergebnisse eigentlich sind, weiß ich nicht. Üblicherweise gibt man in der Technik zu einem Maß immer die Toleranz an, Maße ohne Toleranzangabe sind wertlos. Außerdem rücken die Historiker tatsächlich ihre Unterlagen nicht raus. Verständlicherweise, man kann diese wertvollen Originale nicht jeden Monat zu einer Untersuchung aus dem Klimaschrank holen. Andererseits: Ohne Offenheit kein Glauben an die Wahrheit.

- Vielzahl an Quellen: Es gibt z. B. zu Karl d G. zwei umfangreiche Quellen, und wieder sind es zwei Mönche, und ob deren Beschreibungen als original vorliegen, weiß ich nicht. Die deutsche Wikipedia verzeichnet als früheste Ausgabe von "Vita Karoli Magni" (von Einhard) 1525, zu "EINHARDI VITA KAROLI MAGNI" (http://www.thelatinlibrary.com/ein.html) gibt es keinerlei Quellenangabe.

- private Anmerkung zu Nicolas: Die Reduktion des Arianismus auf die Auseinandersetzung zur Dreifaltigkeit vereinfacht die Geschichte zu sehr. Prinzipiell hast du schon Recht, aber dann schreib auch etwas zu möglichen Übereinstimmungen (oder Gegensätzen) zwischen Arianismus und Islam, das war der Ausgangspunkt.
Germanen: "Die meisten der Germanen, die das Vakuum ausfüllten, waren natürlich hochgebildete Schriftgelehrte. Scherz beiseite. Schreiben konnte von denen wahrscheinlich wirklich keiner." Das ist definitiv Quark. Schon weit vor 100 vor Christus hatten die germanische Stämme und Römer Kontakt und führten Kriege. Es gab germanische Offiziere in römischen Diensten (nicht nur Arminius), späer stellten Germanen den Kern der Prätorianer, es gab einen Germanen als römischen Kaiser, die Westgoten haben Rom eingenommen, die Wandalen ein Reich in Nordafrika errichtet - alles Analphabeten? Als was stellst du die Germanen denn hin, bildungsferne Legastheniker?

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (04.03.2012, 14:38)
Ikarus hat geschrieben:
- private Anmerkung zu Nicolas: Die Reduktion des Arianismus auf die Auseinandersetzung zur Dreifaltigkeit vereinfacht die Geschichte zu sehr. Prinzipiell hast du schon Recht, aber dann schreib auch etwas zu möglichen Übereinstimmungen (oder Gegensätzen) zwischen Arianismus und Islam, das war der Ausgangspunkt.
Germanen: "Die meisten der Germanen, die das Vakuum ausfüllten, waren natürlich hochgebildete Schriftgelehrte. Scherz beiseite. Schreiben konnte von denen wahrscheinlich wirklich keiner." Das ist definitiv Quark. Schon weit vor 100 vor Christus hatten die germanische Stämme und Römer Kontakt und führten Kriege. Es gab germanische Offiziere in römischen Diensten (nicht nur Arminius), späer stellten Germanen den Kern der Prätorianer, es gab einen Germanen als römischen Kaiser, die Westgoten haben Rom eingenommen, die Wandalen ein Reich in Nordafrika errichtet - alles Analphabeten? Als was stellst du die Germanen denn hin, bildungsferne Legastheniker?


Dann sollte man auch etwas über die Übereinstimmungen zwischen Judentum und Christentum schreiben - es gibt genug. Schließlich ist das eine aus dem anderen entstanden. Desgleichen hat der Islam immense Übereinstimmungen mit dem Alten Testament. Ist deshalb das Judentum islamisch - oder umgekehrt? Der Arianismus ist eine christliche Religion, genau wie das Judentum und der Islam die anderen Religionen des Buches sind. Beweisen diese Übereinstimmungen zwingend, dass es keine drei Religionen sind? Nein.

Es gibt keinen Zweifel, dass die Germanen und die Römer Kontakt hatten. Haben die Germanen eine Gebrauchsschrift übernommen, solange sie noch nicht westlich des Limes auf römischem Gebiet gesiedelt hatten? Definitiv Nein. Und ich rede hier nicht von den Germanen in römischen Diensten, sondern von "Otto-Normal-Germane". Und diese Germanen füllten das römische Vakuum, nicht die Germanen in römischen Diensten. Die Tatsache, dass diese wohl eine Gebrauchsschrift besassen steht hier nicht zur Debatte. Zeige mir aber die germanische Schrift der Vandalen, Franken, Goten usw. Runen waren nie eine Gebrauchsschrift für Handel o.ä. Die meisten Runeninschriften sind relativ kurz und beeinhalten nicht (wie z.b. Keilschriftfunde) welcher Händler wieviele Teile wohin geschickt hat.
Ach ja, Bildung hat mit Schrift nur am Rande etwas zu tun. In Teilen Afrikas wurden z.b. Erzählungen über Jahrhunderte nahezu unverändert mündlich weitergegeben. Ganz gewiss waren die Germanen keine "bildungsfernen Legatheniker" - sie benutzten nur keine Schrift zum täglichen Gebrauch - wenn doch, zeige sie mir - oder schrieben die Germanen Latein?
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (04.03.2012, 15:51)
Stoff hat geschrieben:
ich traue auch nur noch den Büchern, die ich selbst geschrieben, den Filmen, die ich selbst gedreht und den Mondreisen, die ich selbst unternommen habe.

(Mein Mittel gegen Verschwörungstheorien und ähnliche Religionen: sich drüber lustig machen und weitergehen. Das letzte Wort wird man eh nicht haben.)


cheezygrin cheezygrin cheezygrin

Seit 500 Jahren hält sich hartnäckig die Legende, auf der anderen Seite des Atlantiks sei ein riesiger Kontinent! Eine der größten Lügengeschichten der Menschheitsgeschicht, mit der ein Seefahrer aus Genua vor dem spanischen Königspaar sein Scheitern vertuschen wollte!

Eine mindest ebenso große Legende ist die vom Wissenschaftler, dem ein Apfel auf den Kopf gefallen sein soll. Daraus hat Ersterer dann abgeleitet, es gäbe so etwas wie eine klebstoffartige Kraft, die verhindert, dass wir Menschen von der Erdkugel fallen. So eine Kraft gibt es natürlich nicht - alles erfunden von den Illuminaten und den Freimaurern, um die einfache Bevölkerung zu verwirren und zu beherrschen.

Vermutlich beruht es auf einer großen, von der amerikanischen Regierung angezettelten Verschwörung, die uns glauben machen soll, dass tonnenschwere Maschinen aus Metall fliegen könnten. Ist natürlich auch völliger Quatsch - die Amerikaner üben damit nur Druck auf uns aus, weil sie uns eintrichtern, sie könnten uns mit solchen Maschinen aus der Luft angreifen. Glaubt ihnen kein Wort!

Und ebenfalls Legende ist, dass ein Mann namens Karl Marx sich das Hirn über die Arbeiter zerbröselt hat. Der Mann war ein Bourgeois durch und durch! Er kam aus einer bürgerlichen Familie, wo man sogar die Religion wechselte, nur um im öffentlichen Dienst Karriere zu machen (also alles andere als eine Arbeiterfamilie), er heiratete eine Adlige, um von deren Geld zu leben, hat nie in einer Fabrik oder in einem sonstigen typischen Arbeiterberuf gearbeitet und wäre - hätte er die Oktoberrevolution in Russland erlebt - vermutlich als Schmarotzer und Bourgeois von den Revolutionstruppen an die Wand gestellt worden. Marx' Vater war übrigens Mitglied der Freimaurer - klarer Beweis dafür, dass Marx bereits früh durch Verschwörungen geprägt wurde!

Überall Verschwörung!

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SandraR
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Re:

von SandraR (04.03.2012, 16:14)
Siegfried hat geschrieben:

Vermutlich beruht es auf einer großen, von der amerikanischen Regierung angezettelten Verschwörung, die uns glauben machen soll, dass tonnenschwere Maschinen aus Metall fliegen könnten.


Das ist die größte Verschwörung, weil wie du uns ja gerade erklärt hast, gibt es den amerikanischen Kontinent nicht, ergo auch keine Amerikaner. Wie kannst du uns nur so belügen :roll:
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Isautor
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Re:

von Isautor (04.03.2012, 16:24)
SandraR hat geschrieben:
... das Leben ist kein Ponyhof ...


Das träume ich oft. Und wenn ich aufwache, ist es doch so. :?

Wenn das Leben ein Ponyhof wäre, würde sich hier manch einer gehörig umgucken.

*Isautor geht auf ebay, um unverschämt teure Satteldecken und Halfter zu bestellen ... bis später*
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (04.03.2012, 16:44)
SandraR hat geschrieben:
Ja Stoff, das Leben ist kein Ponyhof und alle Menschen käufliche Schweinehunde, die uns belügen cool5 Mich erinnert es an die Weltuntergänge die niemals stattfanden. Da täuscht sich nicht etwa der angebliche Prophet, sondern die Gebete haben geholfen cheezygrin


cheezygrin cheezygrin cheezygrin

Aber Moment!

Ich sagte, es gibt diesen Kontinent nicht - dafür gibt es irgendwo an einer geheimen Stelle in der Alten Welt eine Land, das genau so aussieht, wie es uns immer als "Amerika" verkauft wird. Schließlich gibt es ja Leute, die erzählen, sie wären nach Amerika geflogen - beides stimmt natürlich nicht! Sie sind nicht geflogen, sondern wurden mit einem anderen Fahrzeug in dieses ominöse Land gebracht (während draußen die Simulation eines Fluges durchgeführt wurde - die Leute müssen ja schlüssig betrogen werden) und kamen dann in einem Gebiet an (meiner Meinung nach das Grenzgebiet Ungarn/Rumänien), wo ihnen amerikanische Städte und amerikanisches Volk und natürlich auch amerikanische Regierung vorgespielt wird!

cheezygrin cheezygrin cheezygrin

Ich lüge nicht! Nie! Nie! Nie!

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