Bekannte Figuren im Roman auftreten lassen

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Bekannte Figuren im Roman auftreten lassen

von Isautor (07.03.2012, 18:02)
Gleich vorne weg: ICH habe das nicht vor. Aber ich finde immer wieder Stellen in Büchern, in denen bekannte Romanfiguren auftreten oder reale Personen agieren.
Ich frage mich, ob man das darf, denn eigentlich dachte ich immer, das darf man nicht, weil es geklaut ist.
Oder noch besser, wie bei Wolfgang Hohlbein, gleich die ganze Serie danach bennen (Kapitän Nemos Kinder). Dort lässt er auch die Nautilus auftreten und nutzt die ganze Geschichte von Jules Verne für sich. Genauso wie in seinen Hexer Romanen, in denen Nemo selbst auftritt, genau wie Viktor Frankenstein und HP Lovecraft.
In einem anderen Roman lässt der Autor ben Stiller eine Sado-Maso-Bar besuchen.
Bentley Little redet in seinem Roman darüber, dass Wal Mart seine Mitarbeiter aufs Übelste abzockt.

Kennt ihr das auch? Wie machen die das? Kaufen die wohl irgendwelche Lizenzen vorher oder ist es bisher keinem aufgefallen?

Sonst könnte ja jeder hingehen und eine Buchreihe "Die Erben des Herrn der Ringe" rausgeben.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5837
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (07.03.2012, 18:11)
Äh ... WO ist das Problem?
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Re:

von Isautor (07.03.2012, 18:18)
Du Armer! *tätschel* Nicht jeder Thread ist ein Problem.

Ich wollte wissen, ob jemand zufällig weiß, wie so etwas geregelt ist, ob man das darf und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. Reines, problemfreies Interesse an der Sache.
Seid gegrüßt,



Isautor



Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
Adriatic
Beiträge: 670
Registriert: 04.08.2010, 19:58
Wohnort: Bad Nauheim

Re:

von Adriatic (07.03.2012, 18:29)
Ja, ich kenne das cheezygrin Denn ich habe gerade selbst damit zu tun. In meinem neuen Roman, der im Mai erscheint, spielt ein Prominenter eine Rolle in einem Kapitel. Er ist jetzt nicht mega bekannt, aber in einer bestimmten Zielgruppe ist er äußerst beliebt. Er kam mir in den Sinn, da er einfach wunderbar in die Situation passte, die ich beschreibe. Ich hatte vor zwei Jahren am Rande einer Veranstaltung mal ein paar Worte mit ihm gewechselt und habe ihm einfach mal geschrieben.

Seine Antwort war riesig. Es ist ihm eine Ehre, in meinem Roman mitspielen zu dürfen und er gibt mir selbstverständlich die Erlaubnis, ihn als reale Person zu benennen. Natürlich hat er die entsprechenden Textstellen vorab erhalten, damit er sich ein Bild von der Story machen konnte. Mich freut sein Mitwirken sehr.

Genauso positiv ist mein Kontakt zum Management einer deutschsprachigen Band gewesen, die mir auch gerne das Einverständnis gegeben hat, einen Songtext zu zitieren. Dafür erhält die Band bei einem Konzert im Mai das Buch persönlich übergeben.
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

Adria-Express (Roman) - Eine Reise mit der Bahn durch Italien

Autoreninformation:
www.gerritfischer.de

DavidLiese
Beiträge: 200
Registriert: 25.10.2008, 14:06
Wohnort: Regensburg

Re:

von DavidLiese (07.03.2012, 18:32)
Ich hab vor einiger Zeit von einem Verantwortlichen bei Shaker darüber gesprochen. Seine Antwort: Im belletristischen Bereich fällt so etwas gänzlich in den Bereich der Intertextualität bzw. künstlerischer Bearbeitung und ist nicht mal genehmigungspflichtig.

Damals ging es um das Auftretenlassen von Jim Morrison im Roman, um von den Doors zitierte Songtexte... ich konnte seine Antwort zunächst auch nicht glauben, er bekräftigte es mir aber mehrfach :).

LG,
David

Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Re:

von Isautor (07.03.2012, 18:37)
OK, da ist es natürlich klar, wie du das geregelt hast. Ich habe bei mir Songetexte aus den 30er Jahren und das nur mal zeilenweise, ein Kleinzitat mit Nennung des Interpreten. Und ich habe bei McDonald's gefragt, ob ich Schauplätze und Produkte nennen darf. Wie bei dir, begeisterte Zustimmung. Einzige Auflage: ich muss darauf achten, die Produktnamen richtig zu schreiben.

Aber das sind ja Kleinigkeiten, verglichen mit dem, was ich oben erwähnt habe, also sich einfach in anderen Werken mit Stoff versorgen. Früher hab ich darüber nicht nachgedacht. Und ob Ben Stiller es lustig findet, als Stammgast in so einer Bar dargestellt zu werden, weiß ich auch nicht.
Seid gegrüßt,



Isautor



Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Re:

von Isautor (07.03.2012, 18:41)
@David: Wow, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Wir hatten ja gerade das Thema Plagiat, das dürfte dann schwer durchsetzbar sein. Man muss ja auch unterscheiden:

* Autritt eines Prominenten
* Auftritt einer bekannten fiktiven Figur
* Übernahme von Storyinhalten/Ideen/Namen
* Zitieren von Textstellen
Seid gegrüßt,



Isautor



Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5837
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (07.03.2012, 18:50)
Isautor hat geschrieben:
Ich wollte wissen, ob jemand zufällig weiß, wie so etwas geregelt ist, ob man das darf und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. Reines, problemfreies Interesse an der Sache.


Warum soll das in irgendeiner Weise verboten sein?

Menschen fahren nun mal im realen Leben Mercedes - warum nicht auch in Romanen?

Bekannte Persönlichkeiten treten im realen Leben im Fernsehen auf - warum nicht auch im Romanen?

Iwan der Schreckliche ist seit über 400 Jahren tot - warum soll er nicht in einem Roman wiederbelebt werden?

Die Orks wurden zwar von Tolkien erfunden, es gibt aber Dutzende von Büchern, die nicht von Tolkien stammen, trotzdem aber Orks aufweisen.

Du kannst in Romanen Hitler, Stalin, Mao, Dschinghis Khan (beide! cheezygrin Was zum Nachdenken! cheezygrin ), Ho Chi-Minh, Kissinger, Nixon, Breschnew bemühen. Warum denn nicht?

Und selbstverständlich kannst du in einem Roman einen Anschlag auf Angela Merkel beschreiben - Forsyth hat das mit de Gaulle ja auch gemacht.

Und wenn es der Authentizität des Romaninhaltes dient, kannst du auch eine Szene mit George W. Bush samt Berater im Oval Office beschreiben, wo sie das Kopfgeld für Osama bin Laden diskutieren.

Deshalb: Ich verstehe die Frage (und das in ihr versteckte Problem) nicht.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Re:

von Isautor (07.03.2012, 19:04)
Gut, ich formuliere es mal anders, vielleicht ist das verständlicher:

Jemand schreibt einen Roman mit dem Titel "Harry Potter und seine Kumpels". Darin lässt er Harry Potter auftreten, der irgendwelche Abenteuer erlebt. Nebenbei wird der Stoff der HP-Romane mit einbezogen. Es werden Ortsnamen, Figuren und Sachbezeichnungen übernommen. So ähnlich geschehen bei Wolfgang Hohlbein.
Kein Problem?

Ich zitiere mal aus dem Buch, das ich auf dein Anraten hin bestellt habe:

"Wer in seinem Roman Donald Duck auftreten lässt, plagiiert, auch wenn er eine eigene Handlung dazu erfindet. Personen aus Romanen sind gesetzlich geschützt, ebenso wie Formulierungen."

Der Satz fiel mir gestern auf, deshalb hab ich das mal hier angesprochen.
Seid gegrüßt,



Isautor



Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
SandraR
Beiträge: 2674
Registriert: 25.11.2007, 07:17
Wohnort: Moskau

Re:

von SandraR (07.03.2012, 19:14)
Dafür benötigt es ein sog. Alleinstellungsmerkmal! Orks sind kein Alleinstellungsmerkmal die gab es auch schon früher. Harry Potter wäre eines. Wenn er aber Larry Schotter heißt kein Problem.
Mercedes fahren, Hendrix hören etc. verstoßen nicht gegen Alleinstellungsmerkmale, sie gehören zu normalen Handlungsabläufen. Du verkaufst nicht mehr Bücher nur weil einer Mercedes fährt :wink: Larry Schotter und das Geheimnis des Auspuffes macht auch keinen Bestseller. Aber Harry Potter und das Geheimnis des Auspuffes, da schaut die Geschichte anders aus.
Kinder dürfen Micky Maus lesen im Buch, aber alles andere sind Labels. Meint, dein Buch darf nicht "Donald und Daysi fahren in Entenhausen Mercedes" heißen, Enten sein und in Entenhausen wohnen. Der Onkel der den Mercedes verschenkt, darf jedoch reich wie Dagobert sein!
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

DavidLiese
Beiträge: 200
Registriert: 25.10.2008, 14:06
Wohnort: Regensburg

Re:

von DavidLiese (07.03.2012, 22:59)
Ich denke, die Frage die du dir stellen musst, ist folgende: Bediene ich mich von fremdem geistigen Eigentum?

Schreibst du einen Harry-Potter-Roman nach: ja.

Lässt du eine Figur einen Harry-Potter-Roman lesen und sein wollen wie Harry potter: nein!

Wobei du denke ich selbst im ersten Fall schon reichlich erfolgreich sein müsstest, bis das nicht mehr unter "Fan Fiction" oder sowas fällt (siehe Star Trek Fanfilme etc...)

Du schreibst schließlich keine Dissertation ;)

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5837
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (08.03.2012, 00:28)
Isautor hat geschrieben:
"Wer in seinem Roman Donald Duck auftreten lässt, plagiiert, auch wenn er eine eigene Handlung dazu erfindet. Personen aus Romanen sind gesetzlich geschützt, ebenso wie Formulierungen."


"Donald Duck" ist keine Romanfigur - "Donald Duck" ist eine Marke und daher markenrechtlich geschützt.

Dito "Harry Potter".

Dieses Markenrecht läuft, wenn es rechtzeitig verlängert wird, über die zeitliche Grenze des Urheberrechts hinaus.

Parodien wie die "Barry Trotter"-Reihe (drei Bände) verletzen weder das Marken- noch das Urheberrecht.

Bücher, die Harry Potter als Hauptfigur in einem dem Original entsprechenden Setting enthalten, verstoßen gegen diese Rechte. Im Prinzip ist der gesamte "Fan-Fiction"-Bereich (Geschichten zu Star Trek, Star Wars usw., von Hobby-Autoren geschrieben und ins Netz gestellt) eine einzige Rechtsverletzung. Da es hier aber nur um winzige finanzielle Interessen geht, werden diese Autoren nicht verfolgt.

Bei "Harry Potter" jedoch werden sogar Lexika, die die Welt von "Harry Potter" beschreiben, als Rechtsverstoß behandelt. Weil jemand versucht, mit dem originären "Harry Potter" als Hauptinhalt Geld zu verdienen. Es mussten sogar Schulbücher eingestampft werden, die "Harry Potter" benutzt haben (LG Hamburg, 17.09.2003 - Az.: 308 O 57/03)

"Kapitän Nemo" von Jules Verne ist als Romanfigur existent, hat aber keinen Schutz als Marke. Da Jules Verne länger als 70 Jahre tot ist, sind seine Werke zudem urheberrechlich frei. Du darfst also einen Roman mit einem U-Boot-Kapitän namens "Kapitän Nemo" schreiben.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Alexandermerow
Beiträge: 250
Registriert: 22.09.2010, 01:57

Re:

von Alexandermerow (08.03.2012, 01:06)
Man darf zwar nicht "Herr der Ringe" Teil 4 schreiben, aber z.B. in einem satirischen Kontext dürfen bekannte Figuren durchaus auftauchen. Ich kenne die genaue Rechtslage allerdings auch nicht zu 100%. In Beutewelt 6 wird mein Hauptheld Frank Kohlhaas im Traum George Orwell treffen und sich mit ihm herumstreiten. Das dürfte aber "legal" sein :D


Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (08.03.2012, 09:56)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Im Prinzip ist der gesamte "Fan-Fiction"-Bereich (Geschichten zu Star Trek, Star Wars usw., von Hobby-Autoren geschrieben und ins Netz gestellt) eine einzige Rechtsverletzung. Da es hier aber nur um winzige finanzielle Interessen geht, werden diese Autoren nicht verfolgt.


Trotzdem sollte man sich nicht auf der sicheren Seite wähnen. Tatsächlich wird von den Rechteinhabern auch gegen diese Hobby-Autoren vorgegangen.

Zu den Besonderheiten des Markenrechts gehört nämlich, dass ein Markenrechtsinhaber seine Marke nicht "verwässern" lassen darf. Duldet er Verstöße, kann es ihm passieren, dass die Konkurrenz seine Rechte ebenfalls ignoriert und er dies rechtlich nicht mehr unterbinden kann.

Markenrechte müssen auf dem Markt auch durchgesetzt werden, um bestehen zu können.

Beste Grüße

Heinz

Zurück zu „Rechtliches, Verträge und Co.“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.